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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer ConnlagS. - Beilagen: viermal wöchentlich Siftienerfiamillfnblötkr, Iroetmal wöctienll.Xreir- lattsürdenAreisSiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche seitfragen Ferniprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse lür Depeschen:
Anzeiger (Sicscn.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnunnner bis vormittags 9 Uhr.
Erster Blatt
162. Jahrgang
Donnerstag, 19. Dezember 1912
MhenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße lös.
Bezug-vrei 1: monatlich 75 M., vierteljährlich W. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen nwnatlich 65 'Vf.; durch die Post 'Dif.2.— viertel- jährl. ausschl. Beitellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ausiväns 20 P'enniq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den polinfchen Teil: August Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und .Gerichtssaal-; SL Neurath; für .Stadl und Land-: C.Hetz; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige ‘Hummer umfafot 10 Seiten.
trotze Tage in Petersburg und Rom.
Der Zufall fügte es, daß, bevor noch die Londoner Friedenskonferenz, mit ihren eigentlichen Arbeiten begonnen hat, im russischem mie im italienischen Parlament gleich- Lertlb bedeutsame Ministererklärungen abgegeben wurden, die Uber die großen Mächtegruppierungen Klarheit schaffen und den Londoner Verhandlungen eine weitere Grundlage bieten. Die geheimnisvolle und oft als zwiespältig bc« ^ch"ete russische Politik ist gestern in der russffchen Duma vom Ministerpräsidenten Kokowzow noch immer nicht ganz entschleiert worden. Es hatte eine Zeitlang den Anschein, als stehe Rußland mit einer Politik, die Serbien zum Widerstand stützen wolle, isoliert da, nachdem der Dreibund eine so entschiedene Haltung eingenommen, England abgewinkt und sogar Frankreich, das anfangs die Gefahren wlcher Schürereien nicht zu fürchten schien, das Vergebliche seiner Bemühungen eingesehen hatte. Herr Kokowzow bestätigte gestern mit vielen Worten, daß Rußlands Sympathien ganz entschieden auf der Seite der Balkanstaaten liehen. Er gebrauchte dabei geradezu überschwängliche Wendungen, und es erklärt sich so, daß inoffiziell in Belgrad ganz einfach geschürt und gehetzt worden ist. Offene Er- llärungen scheut Herr Kokowzow auch heute. Er gibt die bekannten Versicherungen der Friedensliebe Rußlands, erklärt die Bemühungen in London für aussichtsreich — und rasselt nebenbei ein wenig mit dem Säbel. Denn er spricht auch von Entschließungen Rußlands, die heute nocl) nicht kundgetan werden könnten und von großen Lcbensinteressen Rußlands. Ob er damit die Unterstützung der hochfliegenden serbischen Pläne meint? Die lange Rede machte im übrigen nicht den Eindruck, als führe ein zielbewußter, klarer und einheitlicher Wille die russische Politik.
In Italien hat der Minister di San Giuliano einer dem Dreibund wenig günstigen Anfrage in der Kammer Rede zu stehen. Die Politik Italiens ist in den letzten Jahren auch nicht immer klar und gerade gewesen, und nachdem die Regierung ihre Pläne in Afrika verwirklicht hat, fällt es ihr nicht ganz leicht, einen gewissen Teil der öffentlichen Meinung von der Richtigkeit des neuen Kurses warmherzig zu M überzeugen. Immerhin wurde überzeugend dargctan, daß auf der Londoner Konferenz die Woge vorgezeichnet sind und "daß die Einmütigkeit des Dreibundes in den wichtigsten Fragen sichergestellt ist. Der Dreibund ist der Angelpunkt der italienischen Politik; — diese Erklärung des italienischen Ministers ist ausreichend, um etwaige Befürchtungen von den letzten Jahren her für die nächste Zukunft zu zerstreuen.
Din Programmredc Kokowzows.
Petersburg, 18. D^. Bor dichtbesetztem .Hause ' lourde die Regierungserklärung in der Duma verlesen. Ministerpräsident Ko ko wzo w leg!e in eingehender Rede die gesetzgeberischen Aufgaben dar, die in der 4. Legislaturperiode der Reichsduma harrten und gab eine Aufzahlung der verschiedenen Gesetzentwürfe und Regierungsvorschläge, die sich den Reformen der letzten Jahre in organischer, Weise anfügten.
Kokowzow fuhr fort:
Gemäß der Verfügung des Kaisers wird Ihnen die Regierung alles unterbreiten, iva3 von Wichtigkeit ist, und was durch die Notwendigkeit, die Kräfte der Armee zu organisieren, geboten wird. Diese Erwägungen, die sich auf die nationale Verteidigung und die zu ihrer Sicherung der Regierung zu gewährenden Mittel beziehen, bringen mich auf eine andere Frage, die Ihre, wie ganz Ru^ands Unruhe und Sorge hervorruft. Die kriegerischen Tugenden und die seltene Einmütigkeit, die die Bal- kanvölkcr bewiesen, konnten nicht verfehlen, die wärmste Sympathie aller russischen Herzen zu erregen. Als slawische orthodoxe Großmacht, die unzählige Lpfer gebracht hat, um ihre Rassen- und Glaubensbrüder zu schützen, kann es Rußland nicht gleichgültig bleiben, wenn es sich darum handelt, daß diese Völker Existenzbedingungen erlangen, die int Verhältnis stehen mit den vollbrachten Taten und den vergossenen Strömen Blutes, die ihre Lebensinteressen und ihre friedliche Entwicklung unbedingt sicher- stcllcn und in Zukunft die Wahrscheinlichkeit neuer Verwicklungen, die immer und immer für den europäischen Frieden gefährlich wären, ausschließen würden. Eingedenk der besten Tradition und der Geschichte und in Uebereinstimmung mit der klar ausgedrückten öffentlichen Meinung Rußlands verkennt die kaiserliche Regierung sicherlich nicht bie ganz hervorragende Bedeutung bcr Interessen Rußlands. Die Regierung stellt mit Genugtuung fest, ihre von Anfang an eingenommene ruhige Haltung inmitten der Unruhe und Erregung nicht geändert zu haben. Sie gab keine Veranlassung, b e i u n s s e l b st s ü ch t i g c P l ä n c zu argwöhnen oder zu wünschen, die Konflikte zu verschärfen. Stets war der Gedanke den historischen Pffichten und der Würde des Reiches getreu zu bleiben ihr einziger Leitsatz. Es wäre gegenwärtig verfrüht, darüber zu sprechen, wel- | jes Mittel gegenüber irgend einer besonderen Frage, die durch die Ereignisse auf dem I Balkan ausgestellt wird, beschlosien wird. | Die Grundprinzipien, von denen sich die Regierung letten lauen | muß, wenn dicStundederendgültigenEntschetdung S geschlagen hat, sind ebenso durch unsere Vergangenheit rote die “ Notwendigkeit bestimmt, sie mit den Bedingungen unserer gegen- B märtigen Politik in Einklang zu bringen. Getreu unserem ff Bündnis und unseren Ententen mit den anderen Groß- ff Mächten, der Unterstützung unserer Freunde und Verbündeten kicher sehen wir unsersteils keinen Nutzen bar in, die Gruppierungen der Mächte in Gegensatz zu ern- ' ander zu bringen. Alle Regierungen, die das Gebiet der ff gemeinsamen Besprechung der Grundfragen der gegenwärtigen politischen Lage verlassen würden, würden eine schwere moralische I iecantivortung übernehmen für die etwaige Möglichkeit späterer ; internationaler Verwicklungen. Die Großmächte haben triftige
Gründe, nm nicht zu versuchen, der zukünftigen Entstehung von Verwicklungen vorzubeugen, die sich bis zu einer Bedrohung des europäischen Friedens auswachsen könnten. Tie russische Regierung hofft, daß die solidarischen Bemühungen, von denen die Großmächte beseelt sind, ihnen helfen werden, ein E inner st ändnis über die Lösungen zu finden, die ihre Interessen mit den gerechten Ansprüchen der Balkanstaaten versöhnen. Deswegen begrüße er aufrichttg die Initiative der britischen Regierung, die eine vorläufige gemeinsame Besprechung der Fragen über die Liguidation des Krieges, wobei die Interessen der Mächte mitspielten, voffchlage. Die sympathische Aufnahme, der dieser Vorschlag in den .Hauptstädten Europas begegne, ebenso die Zusammenkunft der Botschafter in London, die soeben begonnen haben, müßten, so hoffe .die russisckw Regierung, die friedliche Lösung der gegenwärtigen Krisis erleichtern. Ter Minister schloß: Durchdrungen von dem aufrichtigen Wunsche, alle Mittel zur Erhaltung des europäischen Friedens an- zu wen den, drückt die russische Regierung die Hoffnung aus, daß mit Gottes Hilfe unsere Bemühungen von Effolg gekrönt sein und die zukünftigen Ereignisse die vitalen Interessen Rußlands nicht berühren werden, die zu verteidigen wir berufen sind im Namen der Ehre und der Würde unseres Landes.
Die Rede wurde an den Stellen, die sich auf die fragen der Verteidigung des Staates und auf bie Balkan-Ereignisse bezogen, fortgesetzt durch B e i f a l l s st ü r m e auf fast allen Seiten des Hauses und durch Z u st i m m u n g s k u n d gedungen unterbrochen. In der kaiserlichen'Loge waren einige Großfürsten anwesend. Als Kokowzow seine Erklärung beendet hatte, wurde die Sitzung geschlossen und die Besprechung auf Freitag vertagt.
*
Der Dreibund und die italienische Kammer.
Rom, 18. Dez. In der italienischen Kammer begründete Abg. B a r z i l a i die an den Ministerpräsidenten Giolitti und den Minister des Aeußeren di San Giuliano gerichtete Anfrage über die vorzeitige unveränderte Erneuerung des Dreibundes. Tie Tribünen, auch die Diplomatentribüne und der Saal sind sehr stark besetzt.
B a r z i l a i sagte:
Die unveränderte Erneuerung des Dreibundes sei bei dem Aufenthalt des Ministers San Giuliano in Berlin beschleunigt worden. Barzilai gab sodann einen geschichtlichen Ueberblick über den Dreibund und sagte: In der Vergangenheit schützte uns eine negative Klausel des Vertrages vor neuen Aenderungen im Mittelmeer Aber bald erschien die Klausel ungenügend. Daher wurden besondere Abkommen mit England und Frankreich getroffen, die eine Eroberung von Tripolis möglich machten. In jedem Fall verminderten die Lösung unserer Mittelmeerprobleme und die Ereignisse im Orient die Garantien, die wir von unseren Verbündeten fordern mußten, auf ein Minimum und hoben die Garantien, die wir leisten mußten, auf ein Maximum. Oesterreich war der Sekundant Deutschlands in Algeciras, Deutschland der Sekundant Oesterreichs in der bosnischen Frage. Italien hatte keinen Sekundanten in Libyen. Wir können stolz darauf sein, daß wir keinem Dank schulden. (Sehr lebhafter Beifall.) Wir können die Unabhängigkeit Albaniens annehmen, aber wir haben ein Interesse daran, sie mit den Siegen auf dem Balkan in Einklang zu bringen. Die öffentliche Meinung Italiens könne nicht einmütigen, daß das Ergebnis langer Bündnisse dem einer politischen Isolierung entspräche und denen, die für solche Ergebnisse Opfer verlangten, würde sie mit Bismarcks Worten antworten: Kein Volk kann die Forderung seiner Existenz auf dem Altar der Treue gegen einen Vertrag opfern. (Beifall auf der äußersten Linken.)
Die Antwort San Giulianos
Aus die Anfrage erwiderte der Minister des Aeußern Marchese di San Giuliano:
Meine Antwort wird kurz, klar und bestimmt fein. Seit mehr als 30 Jahren ist der Dreibund für ganz Europa eine Bürgschaft des Friedens uni) für die Dreibundmächte selbst eine Bürgschaft der Sicherheit. In den Beziehungen zwischen den Verbündeten erleichtert und festigt er die gegenseitige Neigung, ihre Interessen in Einklang zu bringen, in den Beziehungen mit den anderen Mächten erleichtern seine friedlichen, defensiven Ziele das Zustandekommen von Freundschaften und Verständigungen. Zu internationalen Fragen hat er stets einen einträchtigen, friedlichen Willen, der in der gleichen Neigung der anderen Großmächte ein Gegenstück fand, und dessen wohltätige Wirkungen jedermann anertarnen muß, mitgebracht und beigesteuert.
Die lange Dauer des europäischen Friedens machte das grandiose Werk leichter, welches Italien trotz großer äußerer und innerer Schwierigkeiten in den letzten 30 Jahren vollenden konnte, ein Werk, welches vielleicht unserer patriotischen Ungeduld langsam _ erfdnen, das aber der unbefangenen Würdigung der Nachwelt fruchtbar und ruhmreich effcheinen wird. Während der letzten 30 Jahre hat Italien die Hauptguellen seines Nationalreichtums entwickelt, dem Staatsbudget Festigkeit und Elastizität gegeben, durch liberale Reformen die soziale Eintracht gefestigt, die Armee und Marine verstärkt und den nationalen Geist so gestärkt und ihn so einheitlich gestaltet, daß er unter Ucbcrminbung der schwersten Hindernisse der schwierigen Probe entgegentreten und sie besiegen konnte, die uns eine Kolonie gab, die dreimal so groß ist wie das Mutterland, und die Italien eine Stellung enter Ordnung im Mittelmeer und die höchste Achtung in der Welt sichert. Tie feste europäische Stellung Italiens, deren fundamentale Basis der Dreibund ist, war die notwendige Bedingung des Unternehmens, das durch seine Beziehungen und den Einfluß auf die größten Interessen Europas und unsere eigenen, sowie auch die schwersten Probleme der gegenwärtigen historischen Periode die ernstesten Schwierigkeiten darbot.
Der Dreibund kann indessen für jede der drei ihn bildenden Mächte Früchte zeitigen, vollkommen e-> gegenseitiges Vertrauen für die Gegenwart und die Zukunft vorausgesetzt, weiter vorausgesetzt, daß jeder Verbündete die Ueberzeugung hegt, daß er morgen die Unterstützung des anderen wird erholten können als Ausgleich für das, was er heute für ihn tut, endlich vorausgesetzt, daß alle drei wissen, daß es sich nicht um eine vorübergehende Verbindung handelt, sondern um ein festes dauerhaftes Band. Die Sicherheit der Zukunft ist ein wesentlicher Faktor des gegenseitigen Vertrauens, der wirksamen Eintracht und der herzlichen und fruchtbaren Intimität.
Aus diesen durch die Erfahrung von 30 fahren erprobten Tatsackren ergibt sich das gleiche Interesse der drei Mächte, den Dreibund einige Zeit vor seinem x?Cblauf zu erneuern auf dieser festen Grundlage sowie auf der Basis der italienisch-öster- reichifch-ungarischen 'JEbtommen von 1897 und 1900, die stets vollkommen der aktuellen Lage Italiens und Oesterreich-Ungarns entsprachen. Die gegenseitigen Beziehungen zwischen diesen an dem Gleichgewicht und der Freiheit in der Adria am meisten interessierten Mächten sind heute sehr intim und herzlich. Es konnten die fundamentalen Linien zur Lösung des albam scheu Problems gesunden werden, entsprechend dem Prinzip der Nationalität, der Gleichheit ihrer Lage gegenüber Albanien und ihrem gleichen Interesse daran, daß ein mit der Garantie der Großmächte neu trainiertet ?Ubanicn sein eigenes Leben leben, auf dem Wege der Zivilisation und des Wohlergehens fortschreiten, ein dem freien Handel der ganzen Welt offenes' Gebiet und gleichzeitig einen Faktor des politisckren Gleichgewichts auf der Balkau- halbinsel und in der Adria bilden Fann.
So wie der Dreibundvertrag redigiert ist, gewährleistet et alle unsere Interessen und sorgt in vollkommener Weise für unsere Sicherheit. Es lag also kein Grund vor, ilm abzuändem; keiner der drei Verbündeten bat den anderen um Llbänderung.
Es ist überflüssig zu wiederholen, daß der Vertrag defensive, friedliche Zwecke hat, und die Erfahrung beweist, daß jede der drei verbündeten Mächte, um sich an den Geist des Vertrages zu halten und um gegen die Verbündeten alles mögliche zu tun, um sie nicht in Verwicklungen Hineinzuziehen, die sie nicht nötig haben, immer versucht haben und versuchen wird, mit den anderen Großmächten herzliche Beziehungen zu unterhalten und mögliche Ursachen der Reibung zu entfernen. Demgemäß ist in der Lage, die sich aus den Ereignissen auf dem Balkan entwickelt, ein wohltuender Faktor unsere herzliche Freundschaft mit Rußland.
Auf diesem Wege wird Italien gehen, ruhig, heiter und stark, voller Vertrauen gegen den strahlenden Horizont der Zukunft, mit der Ueberzeugung, daß fein wachsender wirtschaftlicher Wohlstand und feine moralische Größe in einem dauerhaften, sicheren europäischen Frieden eine starke Garantie finden wird. Um diese Ziele zu erreichen, muß das Bündnis zwischen Italien, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, das belebt und fruchtbar gemacht wird durch intime und vertrauensvolle Beziehungen zwischen den Verbündeten, der Angelpunkt unserer auswärtigen Politik bleiben, die durch ihre Kontinuität, ihren Zusammenhang und ihre Festigkeit weiterhin Europa volles Vertrauen und die Achtung einffößen soll, worauf seine Loyalität Anspruch hat, und die zu verdienen und zu besitzen Italien das Bewußtsein und den Stolz hat.
Giuliano schloß: Bei Gelegenheit der Ernennung des Generals v. Hoetzendorf zum Ebes des österreichisch-ungarischen Generalstabes ließ Graf Berchtold mir aus freien Stücken in freundschaftlicher Weise Mitteilung zugehen, woraus hervorgeht, daß die Ernennung in keiner Beziehung zu der auswärtigen Politik steht.
Die Ausführungen San Giulianos waren von häufigen Beifallskundgebungen begleitet. Zum Schluffe war der Beifall allgemein. Der Minister wurde von den übrigen Ministern und zahlreichen Abgeordneten beglückwünscht.
Oesterreich und Serbien.
Die Wiener „Neue Freie Presse" meldet: Der neue serbische Gesandte Jowanowitsch stattete heute dem Minister des Aeußern Graf Berchtold seinen Antrittsbesuch ab, der mehr als l'/r Stunden währte. Nach der Zusammenkunft äußerte sich Jowanowitsch sehr befriedigt über den Empfang. Er hoffe, sagte er, daß alle Schwierigkeiten auf friedlichem Wege sich beseitigen lassen würden. Die Konversation zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien werde so bald als möglich beginnen, natürlich erst nach seiner Audienz beim Kaiser.
Keine zweite Seeschlacht.
Athen, 18. D^. Zu dem von Konstantinopel üt Umlauf gesetzten Gerüchte über eine zweite Seeschlacht zwischen den Türken und Griechen veröffentlicht der Marineminister folgendes Funkentelegramm des Obcrkommandanten des Aegäischen Geschwaders: Es fand keine weitere Seeschlacht statt, weil der Feind nicht mehr auf das offene Meer herausgekommen ist. Wie von Tenedos gemeldet wird, ist die feindliche Flotte beschädigt. Wir sind noch immer Herren des Meeres.
Die Cholera in Konstantinopel.
Konstantinopel, 18. Der. Vorgestern sind hier 80 Erkrankungen und 45 Todesfälle an Cholera vorgekom- men. In D s ch e d d a h sind seit dem 26. November 395 Erkrankungen und 393 Todesfälle zu verzeichnen.
Eine Anleihe der Pforte?
Einer Blättermeldung zufolge verhandelt die Pforte mit elf französischen Banken wegen Aufnahme einer auf dem Ertrag der Krieassteuer basierten Anleihe von 500 000 Pfund. Der Vertrag soll demnächst unterzeichnet werden.
Aus Adrianopel.
Konstantinopel, 18. Dez. Ein Funkentelegramm des Korrespondenten der Blätter „Jkdam" und „Sabab" meldet aus Adrianopel, daß die moralische und materielle Lage der Festung und der Stadt ausgezeichnet sei.
Die Hriedenskonserenz.
K o n ft a n t i n v p e l, 18. Dez. Von authentischer Seite verlautet, daß der heutige Ministerrat beschlossen habe, den türkischen Bevollmächtigten Instruktionen zu erteilen, die dahin gehen, unter gewissen Bedingungen auch ohne Unterzeichnung des Waffenstillstandsprvtokolls seitens Griechenlands die Teilnahme der griechischen ^voll-> mächtigten bei den Friedensverhandlungen zuzulassen.
Eine vauersttzung im österreichischenAbgeordnetenhaus
Wien, 18. Dez. (91/» Uhr abends.) Nach Eröffnung der Spezialdebatte über das Kriegsleistungsgesetz sprach zunächst eine Reihe Redner von der Minorität. Gegen 8 Uhr abends wurde von dem Abgeordneten Choc (tschechisch-radikal) ein Vertagungsantrag gestellff der jedoch mit


