162. Zahrgang
Zweiter Blatt
nr. 20
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Mittwoch, 24. Januar 1912
RoianonSdrna rind Verlag der Br üblichen UmveriiiälS»Buch- und Sienidruckeret.
9L Lange, Dieben.
Die ^Gtetzeaer gamlltenbiatter** werden dem ,*lnAfiaere oiermal wöchentlich beigelegt, da- „KrmMati für ötn Kreis Lietzen" groeunal wöchentlich. Die ..lanbwirilchaillichev Leit' Irayra" erscheinen monatlich irocmuxL
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Aus dem Finanzausschuß.
An der heutigen Sitzung des Finanzausschusses nahmen die drei Minister und eine Anzahl von Ministerialräten teil. Aus dem Ausschuß heraus wurde von einer Seite angeregt, die R e ch n e r st e ll e der Landeskreditkasse lediy- fid) aus den Inhaber zu übertragen, weil der Wirkungskreis dec Landcstreditkasse ein kleinerer geworden sei. Dem widersprach die Regierung, indem sie auf die Verant- loortung hinwies, lvelche der Rechner heute noch habe, und die eine Persönlichkeit vollständig erfordere.________________
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
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Zn den Jahren 1905/09 wurden von ihm 4089 Personen berührt, von denen 1198 weiblich (--- 29,4 Proz.), 1539 bei der Tat noch unter 18 Jahren ( 37,8 Proz.) und 3500 nock) nicht vorbestraft waren (-= 86 Proz.). Die aufacschobene Strafe war begreiflicherweise in den meisten Fällen Hast- oder niedere Gefängnisstrafe (Haft- und Gefängnisstrafe von bis zu 1 Monat in 3557 Fällen), doch kamen aud; in 36 Fällen Gefängnisstrafen von über 6 Monate zum Auf- ßchub. Der Strafaufschub geschah nur in 594 Fällen t- 14,6 Proz.) aus weniger als 3 Jahre, in allen «anderen auf 3 Jahre oder mehr. Tic Zahl der B e ° xnadigten hat im Jahrfünft 1900—04 durchschnittlich 175 im Jahre, 1905—09 jedoch durchschnittlich 441 betragen, ist also verhältnismäßig doch stärker gewachsen, als frie der vom Aufschub betroffenen Fälle, während die Falle, in denen Strafvollstreckung cingelcitct werden mußte, sid) ttur von 77 auf 143 vermehrt haben. Die Begnadigung traf 33,6 Proz weibliche, 46,2 Proz. lugcndliche und 92,3 Prozent unvorbestrafte. Die Maßregel hat also gerade bei denjenigen Personen, für die sie in erster Linie berechnet ist, gün tig gewirkt. In 6 Fällen konnte auch für die Ge- ßängnisstrafen über 6 Monate itoch eine Begnadigung cin- ireteii. In 26,7 Proz. der Fälle betraf die Begnadigung Aufschübe bis zu 3 Jahren, in 73,7 Proz. solche von über 3 Jahren. Die Einleitung der Strafvollstreckung betraf nur in 17,6 Pro-, der Fälle weibliche, in 58,17 Proz. jugendliche und in 84 Proz. nicht vorbestrafte Personen.
Es wäre wünschenswert, wenn einmal eine Statistik mack) der Richtung veröffentlicht würde, daß die Zahl der mit Aufschub bedadzten Personen mit der der ganz oder teilweise Begnadigten und derjenigen, für welche dod) die Strafvollstreckung cingeleitet werden mußte, verglichen werken könnte. Die veröffentlichte Statistik gibt leider nur hie Zahlen für jedes Jahr; an diesen sind nun aber vom Strafaufschub Betroffene mehrerer Jahre beteiligt. Immer- Uin zeugt auch die vorliegende amtliche Statistik vom Nutzen der erwähnten erzieherischen Maßregel.
Hauptgegenstand der Verhandlungen mar bi<S Projekt der Lahnkanalisation.
Heber das neue Projekt einer Kanalisierung dec Lohn für 2 3 0»I 0 n n c n 1 d) i i f c sprach zunächst Regierung. Baumeister a. T. Arnold Frankfur.' a. M. nach der t e m urschen Seite bitt Er wies zunächst out den start.n Güterverkehr der Lahnbahn hin, madrend tröst dcS mai'scrrennen Fluiie- so gut wie gar Feine Schiffahrt vorhanden sei. DaS liege ^ait ocni starken Gefälle und dem ungleichmäßigen Wasserzufluß. T n Redner erörterte die seitherigen Versuche, die Lahn iür größere Schiffe nutzbar zu inachew Zurzeit tonnen auf der 10 5’üo- metcr langen Strecke unterhalb von Ems 18O.Tonnenschifse per kehren, doch ist wegen der Kürze der Strecke der Verkehr nur klein. Tas zuletzt ousgearbeitete Projekt der Lahtlkanalisierung für 300- lejro. 400-Tonnenschiffe wurde aufgegeben, do die Kosten mit dem zu erwartenden Verkeln nicht im Einklang standen. TaS Verdienst, ein finanziell günstigetes Projekt auszuarbeiten, gebührt Direktor Bansa, der unter Benutzung der vorhandenen Schiff- sahrtsanlagen ein kleineres Schiff vorsah. Er berechnete die Kosten aut 10y2 Millionen Mark. Tas Bansasche Projekt^wird -nr-cit bearbeitet. Es sieht die Benutzung von 220 -230-TonnenfchiIsen vor, die 44 Meter Länge, 5,20 Meter Breite und 1,50 Meter Ticsgang haben. Tie vorhandenen Schleusen sind breU genug, müssen aber von ihrer jetzigen Länge von 32,60 auf 45 Meter oerlängert und durchweg vertieft, teilweise auch neu gebaut werden. Zu den vorhandenen 20 Staustufen sind 10 neue vorgesehen. Alle Schleusen sollen feste Wehre erhalten. Sie sollen 45 Meter lang, 6 Meter breit und 2,30 Meter tief werden. Wo dos Fahrwasser nicht tief genug ist, soll es durch Baggerungen verliest werden. An einigen Stellen ist die Lahn zu verbreitern. Ausweiche- und Liegestellen sind bei den alten Schleusen vorgesehen, cenb die neuen Schleusen zweisckiffig gebaut werden soll t
Sicherheitshäfen sind mit Rücksicht auf die nahen Rheinhaien nicht erforderlich. 'Drei gefährliche Stellen sind besonders zu beachten, zunächst eine Schleuse int Unterlauf, - nio eine sck>orse Wendung zu überwinden ist. Ferner muß der Scknffahrtskanal bei Weilburg etwas verbreitert und verliest werben. Der schwierigste Punkt ist die niedrig gelegene Eisenbahnbrücke bei Wetzlar, die nicht erhöht werden kann. Das neue Projekt sieht so niedrige Schiffe vor, daß sie unter der Brücke wegsahr en können. Oberhalb dieser Brücke müßte stark gebaggert werden. Die voraussichtlichen Moftcn der Kanalisation werden für die preußische Strecke 15 bis 17 Millionen Mark betragen, so daß sie wesentlich billiger sind als für das 300-Tonnenvrojekt. Es ist sonach zu hoffen, baß bic vom preußisckten Minister der öffentlichen Arbeiten in Aussicht gestellte Prüfung des Projekts günstig ausfällt.
Heber die wirtschaftliche Seite der Lahnkanalisation sprach .Handelskammersyndikus Tr. M c t sch k e - Wetzlar. Trotz der mehr als mißlichen Verhältnisse entwickelte sich aus der Lahn nach der Kanalisierung um die Mitte des vorigen Jahrhunoerts eine recht lebhafte Schiffahrt, die zunächst infolge der (Eröffnung der Lahnbahn zwischen Gießen und Weilburg wieder einschlies unb später auch auf der unteren Strecke zurückging, hauptsächlich infolge der veränderten Produktionsverl>ältnisfe im Eisenerzbergbau. Tie Menge des geförberten Eisenerzes beträgt gegenwärtig im Lahiigebiet sährlich 1/3 Millionen Tonnen und 7000 Arbeiter sind im Erzgrubenbetrieb befd>äftigt. Neuere Untersuchungen haben bewiesen, daß der Labnbergbau nicht am Ende, sondern erst im Anfang seiner Entwickelung steht. Tas ist bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Lahnkanalisation sehr zu beachten. Angesichts der zu erwartenden Verkehrs en twickelung sind die früher berechneten Änsangsmengen des Lahnschiffahrtsverkehrö mit 68 Millionen Tonnenkilometer viel zu niedrig gegriffen. Man kann mit Sicherheit mit 100 Millionen Tonnenkilometer rechnen. Die 16 200 00 Mark Baukosten (15V2 Millionen in Preußen, 700 000 Mark in Dessen) würden für Verzinsung 486 000 Mark und für Tilgung 81 000 Mark erfordern. Dazu kommen an Betriebskosten 83 000 Mark, so daß jährlich 650 000 Mark aufzubriugen sind. Dies wurde für den Tonnenkilometer 65/ioo Psg. Kosten bedeuten, wobei zu beachten ist, daß kein bestehender Kanal so hohe Schiffahrtsabgaben erhebt. Eine Vergleichung der Wasser- tracht mit der Bahnfracht ist für erstere durchms günstig. Dazu! kommt die Beweglichkeit der vorgesehenen Motorschiffe, die den Verkehr erleichtern wird. Bei Einführung der Lahnkanalisation! werden neue Eisenerzfelder abgebaut werden können, da durch die
Gieszenev Stadttheater.
Hans Sonncnstößers Höllenfahrt.
Ein heiteres Traumspiel von Paul Apel.
Gießen, 24. Januar.
Seit Menschengedenken leben die Künstler in einer erbitterten Fehde mit den Philistern, den hausbackenen Alltagsmenschen, Die iid) immer und überall gleich sind, und denen weder Gilt noch ^.olch fcen Goran-- machen kann. Köstlich und mit feinem Humor hat Wilhelm Busch diese Abart der Spezies Mensck) ironmert, mit gerechtem Zorn hat ihr Otto Erich Hartleben seme glatt geschlif- lencn Verse entgegengeschleudert. Auch auf der Buhne itnö un-j %iefe unzarten, mit plnmven Händen ans Heiligste rührenden Menschen, die bas Ebenbild Gottes in sich sehen schon oft genug begegnet, zuletzt in Gustav Wieds rosiger Komödie 2x2-5, und alle, bic nicht zu der braven Gilde gehören, haben sich berzlicy "habet vergnügt Nun kommt Paul Apel unb zieht in lustiger Fehde gegen den alten Erbfeind los, der alles höhere und benere m sich herabziehen und sich anpassen will. Mit reuten -üassen kämpft Paul Apel und sröhlich rasselt seine Schellenkappe, wenn er den selbstgefälligen Spießern keck in die Parade fahrt, .'oumot und Ejprit ist in seinem Werk, auch Geist und Witz doch ein Bühnenstück in dem überlieferten Sinne ist es nicht, soll es aud' gar nicht fein, und es wäre deshalb ein leichtes an dem jungen Apel zum literarischen Kain zu werden. .
Aber warum daS? Tie Technik des Bühnenstückes wandelt sich, und gerade in unserer Zeit haben sich unsere bedeutendsten Dichter immer wieder um eine neue Form bemüht, xie Form, bic Paul Apel gewählt hat, paßt zu dem, was er uns sagen will, and alles, was er uns sagt, ist von unübertrefflicher Echtheit unb trkssendcm Humor. Tie Geschehnisse stl.bst find fehr einfach. Sin junger Schriftsteller, der zwischen zwei Je abdten ich wankt, •einem geistvollen, armen und einem reichen, dummen, mit dem •er sich verbinden will, durchträumt kurz vor der Verlobung^ •die Schrecken einer Philisterehe unb schließt nach dem Cr madien ibie arme Else an sein Herz. Ter bunte Wirrwarr fernes Traume?, Der psychologisch meisterhaft entwickelt ist, zieht in tollen ^.irbeln Kn dem Zuschauer vorbei, und erfüllt durch seine scharf beobadjtcte fschlagsertige Feinheit den verstehenden Zuschauer mit schmunzeln- Bcm Behagen. Kein Wunder, daß das Werk überall, wo cs icit- ßer aufgeführt wurde, namentlich in den literarischen Kren en bc- igeiftertc Ausnahme gefunden hat. Bet der großen Masse aller- Lings wirb es wohl immer auf einigen Widerstand stosjen, wen inan doch nicht gerne über sich selbst lackst. Ader das tut nichts; ibiefe Kreise werden sich an anderen Sachen erfreuen. ,yur Die 7ihrigen aber ist Paul Apel mit seiner Höllenfahrt .Buchverlag 1 von Ocsterheld u. Eo. in Berlin? in die Literatur cingetreteir, :tnb es ist erfreulich, daß die Direktion des Gietzencr Ltabt ^Heaters das Werk, das mittlerweile von fast allen deutschen 'Bühnen angenommen wurde, so rasch herausgebracht hat.
Anwendung des bedingten Strafaufichubs in 6ade
Ter unterm 12. Januar 1896 in Baden eingeführte bebingte Strafaufschub hat sich während dieser Zeit zu einer überaus wichtigen Erziehungsmaßregel entwickelt. Während in den ersten zwei Jahren nur durchschnittlich 227 Fälle für geeignet befunden wurden, ist er im Jahrfünft 19 ,0 biS 1904 durchschnittlich jährlich 414 mal, in den Jahren 190.- bis 1909 durchschnittlich jährlich 814 mal angewendet worden. Im ganzen wurde er nach der offiziösen „Südd. Reichst." bis Ende 1909 in 7024 Fällen bewilligt, von denen, abgesehen Dan 130 Fällen, in denen der Aufschub durch Tod, Flucht und sonstige Weise erledigt wurde, in 3111 Fällen vollständige oder teilweise Begnadigung eintrat und in nur 1252 Fällen
Einleitung der Strafvollstreckung geschritten wurde, während 2531 -- 46,07 Proz. aller Fälle noch unerledigt
Bezüglich der Landesirrenanstalt in Heppen- heim wurde durch ein Mitglied des Ausschusses eine Besichtigung vorgenommen, ob die Neuanforderungen fürs Wiederherstellungen erforderlich seien. Es stellte sich heraus, daß Feuerlöschgerätschaften bereits beschafit waren, obgleich sie nod) nicht bewilligt waren. Dieses Vorgehen der Regierung wurde nach seiner grundsätzlichen eeitc hin von dem Ausschuß bemängelt, weil es dem Etatsgesetz wider- fpräche, Ausgaben zu niachen, welche die Stände nicht be- willigt hätten, und weil derartige Ausgaben als Etatüber- sck)reitungen der Kammer hätten mitgeteilt werden müssen. Rach den Darlegungen der Regierung verschloß man sich keineswegs der Auffassung, daß die Anschaffung dieser Gegenstände erforderlid) gewesen fei. Es wurde vom Vorsitzenden des Ausschusses betont, daß das SBubßctredjt der Zweiten Kammer verletzt sei, und daß künftighin solche Forderungen in anderer Weise behandelt werden sollen.
Bei dem Kapitel Schule kam die Frage der Zusammenlegung mehrerer Gymnasien zur Sprache, auch die Notwendigkeit der Ausgestaltung des Zeichenunterrichts. Bei dem Kapitel Präparanden- a n st a l t e n wurde von der Regieruna darauf hingewiesen, daß jetzt das sechste Semesterjahr eingeführt werden soll und daß damit einem langjährigen Wunsche der Kammer und auch der Regierung entsprochen sei. Die Präparanden- anstalten in L;ch, Wöllstein und Lindenfels sollen den Orten erhalten werden.
Bei dem Kapitel I u g e n d p f l e g e gab der Minister des Innern eine Darlegung, in welcher Weise er sich eine Unterstützung der Jugend in der Erziehung zu idealen Zielen denke. Die für diesen Zweck im Voranschlag aufgeworfene Summe von 15 000 Mi. soll zur Gründung von Jugendheimen, Jugendbüchereien, Werkstätten für Handarbeit und Turnanstalten als Grundlage bienen. Von einer Seite bes Ausschusses wurde angeregt, ob es nid)t richtig erscheine, auch seitens der Regierung daran zu denken, wie man die sozialdemokratische Jugendbewegung in andere, vaterländische Bahnen, leiten könne. Dazu sei eine für die Jugend geeignete Darstellung und Widerlegung der sozialdemokratischen Ziele und Bestrebungon erforderlich, und nach dieser Richtung hin müsse doch einmal ein Anfang gemacht werden. Die Regierung sagte zu, daß sie gerade in der Jugendpflege die patriotischen Bestrebungen fördern wolle.
Die nächste Sitzung des Finanzausschusses findet morgen ohne Regierungsvertreter statt.
fonso Rubbiani, einem ausgezeichneten Kenner der mittelalterlichen Architektur seiner Vatcrstabt und einem der feinsinnigsten Baukünstler des modernen Italien, ein glühender Verteidiger erstanden, der mit Wort und Tat gegen Die beabsichtigte Zerstörung des alten Zentrums protestiert. Tie von Rubbiani vorgeschlagene Aenderung des Stadtbildes ist ein vorsichtiger Vn- mittlungsversuch, der den Anforderungen des gewaltig anwachsenden Verkehrs in der industriernchen Stadt Rechnung trägt und trotzdem keines der alten Baudenkmäler opfert. Eine malerische Straße soll zwischen dem alten Besuchern Bolognas bekannten Largo delle Tom und der Piazza del Nettuno geschaffen werben. Ferner wäre direkt daneben durch Niederleguitg einer Anzahl künstlerisch wertvoller Häuser ein Platz zu schaffen, auf ben Der Palast König Enzios blickt, in dem der sangeskundige Sohn Kaiser Friedrickts II. jahrzehntelang gefangen saß, durch die Liebe der schönen Lucia Viadagola getröstet. Tie benachbarte Via belle Accuse wird verbreitert, behält aber ihre malerisch- unregelmäßige Gestalt. Via Orefici, in der noch heute, wie vor 500 Jahren, die Goldschmiede Bolognas ihre kunswollen Erzeugnisse barbicten, bleibt bestehen, ebenso die tich noch im Bogen daran anschließende Via Eapreria mit dem alten Zunfthause der Fleischer, das zur monumentalen Residenz der „Camera del La- voro" werden soll. Das gotische Haus der Mercanzia, das Rubbiani wiederl)ergestcllt hat, soll nach wie vor seinen malerischen, unangetasteten Platz beherrschen. Durch den Plan Rubbianis würdck eine Reihe überrasd;cnder Durchblicke auf den Palast König Enzios, den des Eapitano bei Popolo und des Podesta, geschassen. Im Auftrage des Königlichen Rats für die Erhaltung der Kunstdenkmäler Italiens sind soeben die Professoren Boito und D'An- drade nach Bologna entsandt worden, die dem Projekt Rubbianis ihre volle Billigung haben zu Teil werden lassen.
— Von dem Fü hrcr der deutschen Südpol-Expedit i 0 n , Oberleutnant F i l ch e r , ist folgende Nachricht in Berlin eingegangen: Hcrftichcn letzten Gruß vom Eisrande. Möge uns das Schicksal in jukunft ebenso hold sein wie bisher.. Alle unsere Erwartungen sind erfüllt, beinahe übertroffen worden. Es herrscht ein freudiges Zusammenarbeiten.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der ordentliche Professor für Liturgie und .Kirchenrecht an der Hniversität Freiburg > Schwei' .PrinzMaxvonSach- ) en , Hai einen Ruf als Professor der Liturgie an das Erzbischöttick)e Priesterseminar ;u Köln erhalten und angenommen. Er wird feine Lchrtätlgkeft tn Köln mit dem Sommer-Semester 1912 beginnen. — Ter Violinvirtuose Professor Edmund Singer, Ehrenmitglied des Hoftheaters in S t u t t g a r t, ist im 80. L.bens- jahre gestorben. -- Für die I n t e r n a t t 0 n a l e Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Le>p;ig 1914 bewilligte die 2. sächsische Kamme? einstimmig gemäß der Regierungsvorlage als Garantiesumme des Staates 200 000 Mark.
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Zentralverein für Binnenschiffahrt.
Gießen, 24. Jan.
Der Zentralverein für deutsche Binnenschiffahrt hielt gestern vormittag hier im großen Horsaale der Hniversität eine Sitzung ab, die sehr gut besucht war, und sich hauptsächlich mit ber Frage der Lahnkanalisation beschäftigte. Bon Gtesien waren u. a. anwesend der Rektor der Landesuniversitat Prof. Dr. Koncg, Geheim er atDr U finger, Oberbürgermeister Mecum, Becg Kommerzienrat Emmelius, Handelskammerpräfident Geh. Kommerzlenrat Heichelheim, sowie zahlreiche Stadtverordnete und Handelskammer- mitglicbcr. Das hessische Ministerium der Finanzen war durch Geh Oberbaurat Jmroth, das Ministerium des Innern durch Ministerialrat Spamer und die hessische Bergbehörde durch Bergmeister Köbrich vertreten. Von Vertretern der preußtscheu Behörden waren Negierungsrat v.MMer, sowie Beamte der Wasser- bauDcrroaltung und der Bergverwaltung erschienen, Namen des hessischen Ministeriums und der Provinzialdirektwn begrüßte Gcheimerat Tr. Hunger, im Namen der Universität Rektor- Prof. Dr. König, im Namen der Stadt Gießen Oberbürgermeister Mecum die Erschienenen.
Die Aufführung, du- von Herrn Direktor Stcingo etter bestens eingerichtet war, erschöpfte im allgemeinen den reichen Humor des Werkes, wenn auch hin und wieder ein Witz unbeachtet Dorüberging, weil man die Lachpausen nicht lang genug genommen hatte wie z. B. bei dem ttassischen Wort des Staatsanwaltes, der den Angeklagten zu — lebenslanalicher Ehe begnadrate Auch die akustische Abstimmung der Massenbllder hatte manchmal ctmaÄ gedämpfter sein können, um den Charakter des Traumes besser zu wahren. Keinesfalls hätten die einzelnen musikaluchen Zwischenspiele übertönt werden dürfen. Herr John Rappe- Port als Hans Sonnenstößer spielte flott und temperamentvoll, aber ich hätte mir den jungen Schriftsteller etwas defchanlicher, männlicher gewünscht, gan; durchdrungen von seiner Kunst, an bet er dock, fast schwärmerisch hängt, und seine Verzweiflung müßte durchaus ernst — beileibe nicht komisch wirken. In ferner Hand liegt es, mit wem der Zuschauer geht, ob mit ihm ober mit feinen Gegenspielern. Ausgezeichnet war Herr Kurt G ü h n c als zweiter Antivhilister, als Oberregisseur, wenn es ihm auch nicht immer glückte, seine ernste Miene zu wahren. Eine etwas größere Pause'wäre seinen Jagowvrten von erheblichem Vorteil gewesen. Sehr schön war Fräulein Frieda de Bruyn als Arm-Elslein. ^ic junge Künstlerin, die unserer Bühne trotz eines sehr gunftigen Angebotes iür Berlin auch in der nächsten Spielzeit noch erhalten bleibt hat sich in den wenigen Monaten ihrer hiesigen Wirksamkeit ganz überraschend entwickelt. Etwas nervös wirkte Fräulein Lona Schmidt als schönes Minchen: mehr Gelassenheit käme allen ihren Rollen zugute. Warum sollte es nicht mit größerer Ruhe gehen9 — Fräulein Lore Scholz, die sich mit wenigen anberen deutschen Schauspielerinnen zu der erfreulichen Ansicht burdigerungen hat, daß das eigene hübsche Gesicht dem Sinne der Rolle geopfert werden — kann, erschien als Tante Pauline in köstlicher Maske und erregte außerordentliche Heiterkeit. Heberhaupt waren gestern äußerlt charakteristische Masken zu sehen, wie außer den erwähnten die der Herren Norden als Rentner, vybmiq Grosser als Gustav, Georg Hilbert als Otto, Karl Volck als Onkel Fritz, Karl Schumack als Medizmalrat und Eugen Carlo als Philosoph, von denen auch im Spiel jeder fein bestes gab. *
— Bedrohte Baudenkmäler in Bologna. Aus Bologna wird uns geschrieben: Tie „Alma mater ftubiorum" ift in Gefahr, durch die Neuerungsfucht einer Gruppe von Sve kulanten, die im alten Zentrum der Stadt nach dem Mu'ter von Florenz und Rom eiiif.rmigc, moderne Straßenzuge fdxr en wollen, eine empfindliche Einbuße an ihren monumentalen Bauschöpfungen aller Zeit zu erleiden. Tie Geahr besteht vor allem barin, daß dein Mittelpunkt der Stadt eine neue Gepalt gegeben werden soll, der eine ganze Reihe hochwichtiger Bauten aus Bolognas goldener Zeit zum Opfer jallen mußte, zen bedrohten Baudenkmälern ist ^ur rechten Zeit in Pros. Al-
Dir/ H-r* 5*;-


