Nr 68
®dd)etnl tögNL mtl Ausnahme des Sonntag».
Tie ^Stetzener LamlUenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bat „Kretiblan für deo Krell Slctzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen -ett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Drittes Blatt 162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Mittwoch. 20. März 19(2
Rotationsdruck und Verlag der Brüdl'fchen UmversuäiS - Buch- und Stcüib ruderet 9L Lange. Dießen.
SRebaftion, Expedition und Tnirfecet: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: eswO 51.
Redaktion. 112. Tel.-2ldr.: Anzeiger Dießen.
Mb. Deutscher Reichstag.
3 0. Sitzung. Dienstag, den 19. März. Um Tische beß Bundeörat»: Delbrück, Richter. Präsident Dr. Kacmps eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.
Der fcfaf des Reichsamfs des Innern.
(Dreizehnter Tag.)
Die Ttuvfllhrung dcS Kaligesetze».
Die Aussprache über dieses Kapite' aus dem Etat de» Reichs- amts des Innern hat gestern Abend begonnen und wurde in spater Stunde abgebrochen.
Abg. Hoch (Soz.), dessen Fraktion bei der Urheberschaft des KaligcictzeS von 1910 erheblich beteiligt war, leitete daraus den Anspruch ab, von letzt eine Aenderung dcS Gesetzes zu verlangen, nicht nur auf tue stärkere Kontrolle des Syndikats bin und auf Einkassierung der Kaliabgabe für die NeichSkasse, sondern auf die V e r st a a r l, ch u n g d e S K a l i b e r g b a u e S, wie des Berg. baueS überhaupt, die ia doch kommen müsse.
Unterstaatssekretär Richter betonte dem gegenüber und zu» ttcich auch gegenüber der Resolution der Dudgctkommission und den Anträgen der Parteien über die Veröffentlichung der Durch» chnittSlohne usw., Mitteilung der Quotenübertragungen, daß zur» ^lt, da man erst am ersten Jahresabschlüsse der Wirksamkeit dcS Gesetzes stehe, weder eine Aenderung deS Gesetzes an der Seit sei an dem man doch unmöglich allc Iahre herumdoktcrn fonnc, noch auch die gewünschten Nachweisungen den Zweck er» füllen wurden. Im übrigen sei eS doch sehr bedenklich den einzelnen Betrieben d,c Veröffentlichung ihrer Löhne zuzumutcn, oder wider ihren Wissen die Veröffentlichung der Tarifverträge. £u der Forderung der KommissionSresolution, wonach ein Teil f n rS?aJ,°iTB(!ane 1i,n,be-r MeichSkasse verbleiben foO, JaJ der UnterstaatSsekretar von einer Erklärung ab, da die verbündeten Regierungen dazu noch nicht Stellung genommen
Abg. Dr. Värwinkel (Natl.) äußerte durchweg dieselben Be» denken wie der Unterstaatssekretär. Tie Zurückbehaltung eines Teils der Abgabe in der ReichSkassc würde einer neuen indirekten Steuer gleichkommen; statt einer solchen VerbralichSsteucr solle man auf eine Herabsetzung der Abgabe hinwirkcn, waS den Kali, preis verbillige und damit die Produktion und die Lebensmittel.
Die Abgg. Röser (Vp.) und Thumann sZcntr.), beide anS dem treten für die Forderung der Budgetkommission ein, dag mit Ruck,,cht aus die seit einiger Zeit erfolgte Aufschließung von Kal,lagern in Elsass-Lothringen eine Fracht- basis sur Suddeutschland eingerichtet werde. Ent- gegen dem Vorschläge der Vudgetkommission will aber der Aba Rö,er die Frachtbasis nach Strassburg legen.
, , dtbss. Dr Bärwinkel sprach gegen die neue Frachtftation, solange Elsaß mit seinem Kali noch nicht Süddcutschland versorgen könne.
Abg Dr Bell (Zenkr.) plädierte für ein Entflegenkommen an Ualibeziehcr an der holländischen Grenze bezüglich der Be- reckmung des Preises nach dem Inlands, statt nach dem Aus- loidSiatz. . _
Abg. Behren» (Wirtsch. Vgg.) wünscht Berücksichtigung der deutichen Haiidelsgärtnercivercine und deS Pomologischcn Vereins und will die Verteilung der Propagandagcldcr durch das Reich statt durch da» Syndikat.
Heute wurde diese Aussprache fortgesetzt.
Abg. Dr. Eohn-Nordhausen (Soz.) berlangt die Veröffentlichung der TurchschnittSlöhne im Kaliberg- Mu. ES verstösst gegen den politischen Anstand wenn eine politi- schc Crganqahon, wie der Bund der Landwirte. Kaligclder ein- steckt. Tic Verstaatlichung des Kalibergbaues ist unumgänglich notwendig: für die Industrie, die trotz oder wegen des Kaligesches m wenigen Jahren dem Ruin anheimfällt; für die kleinen Land» Wirte, die jetzt daS Kali am teuersten bezahlen müssen und vor allem für die Arbeiter. Zurzeit freilich zahlen die staatlichen Betriebe niedrigere Löhne als die privaten Kaliwerke, das ist ein öffentlicher Skandal.
Unterstaatssekretär Richter:
Ob der Bund dec Landwirte ein politisch.'c Verein ist oder "•M ist hier nicht zu untersuchen. Ich habe nur den Auftrag, pflichtmässig zu prüfen, ob die Propagandagelder auch wirklich zu Propagandazwrcken verwendet werden. WaS mit den Rabatten gemacht wird, geht uns nichts an. Ter Bund der Landwirte hat übrigens bisher noch nicht einen Pfennig aus der Rcickskasse er. halten; jetzt werden erst seine Ausgaben für 1910 und 1911 geprüft.
Abg. Gothcin (Vp.):
Wenn der Unterstaatssekretär die politische Walze bei der Kalipropaganda des Bundes der Landwirte nicht merkt, dann leidet er an politischer Farbenblindheit, dann kann er nicht blau sehen. Einem Privatmonopol, daS sich auS natur- lidücn Voraussetzungen entwickelt, ist ein RcichSmonopol vorzu- ziehen; das Kalisyndikat hat sich aber nicht auS natürlichen Voraussetzungen entwickelt. Zwanzig dec grössten Werke wären wohl imstande, den ganzen Bedarf Tcutschlands und der Ausfuhr zu decken. Wir haben an Aschersleben und Sollstedt gesehen, tvas diese Werke fördern können, wenn sie nicht gebunden sind. Damals war die Möglichkeit zu einer Gesundung der Kaliindustrie, wenn man die schwachen Werke auf der Strecke gelassen hätte; die anderen hätten zu halben Preisen bei starker Förderung die In- dustcie gesund gemacht. Nun aber ist die U e b e r p r o d u k t i o n da. Hunderte von Missionen sind in unrentablen Werken an» gelegt. Tie klugen Spekulanten stossen ihre Werte an die dummen und den letzten beissen die Hunde. Wir stehen erst am An- fang der Bewegung.
Herr Hoch sagte st e r n, wer Kalikuxe hat, erzielt grosse G . <*. I ch warne dringend, das zu glauben. Legt euer Geld lieber anders an, oder behaltet es in eurer Kasse, anstatt diese ungesunde Bewegung in der Kaliindustrie zu fördern. Wenn man das Monopol ernstlich will, dann tut man am besten, recht wenig davon zu sprechen. Dec Krach in der Kaliindustrie ist nicht aufzuhalten. Mir graut vor dei Rcichsrnonopolen, weil wir noch menr Bureailkratic und Beamte haben. ^Uich der sozialistische Zukunftsstaat wird voll davon sein. (Lachen der Soz.) Sic verlangen ja immerfort Denkschriften, immerfort Papier und Druckerschwärze. Dieser bureaukratijche Geist muss erst aus unserem Volke auSgetrieben werden.
Abg. Graf Westarp (Kons^
Wir können das Gesetz nicht schon wieder aoänoern. Tadurch Irürde die Kaliindustrie sehr beunruhigt unb, die Spekulation herausgefordert. Die Festsetzung von Turchschnittslöhncn erscheint uns bedenklich. Die Propagandagelder sind notwendig. '3udj der Bund der Landwirte bezieht sie zu Recht. Der Ver- wendl'.ngsnachweiS sichert gegen politischen Missbrauch.
Es wird abgestinimt. Auf Antrag Röser (Els. Vp.) wird beschlossen, die neue Ausgangsstation für die Frachtbernellung ’n Colmar i. E. einzurichten, und zwar spätestens am 1. Ja- Mai: 1914. Nach dem Antrag der BudgeikommMon, .geändert
durch einen Antrag Behrens, wird um eine Abänderung n’ dahin ersucht, daß eine Anzeige-
p ! I' ch l für die O U o t e n Ü b e r t r a g li N g e n eingeführt wird, und daß em Teil der Abgabe der RcichSkasse verbleibt. Tie -urckichnittSlöhne, die regelmäßige Arbeitszeit und die Tarif- vertrage sollen sofort nach ihrer Feststellung ober Abänderung veröffentlicht werden. Weiter wird der Reichskanzler uqi eine
c n_f Tdör i f t über TurchschnittSlöhne, Arbeitszeit und Taris- vertrage ersucht.
leb?g?mit ift bic Besprechung ber Kalifrage er.
ES folgt daS Kapitel
Statistisches Amt.
Tie Volkspartei beantragt eine Resolution, die den ReickS- «vnzler erpicht, gelegcntliJ) der im Jabre 1913 fälligen Reichs» erbe Luing übet die Bodenbennhung Ermittelungen über Verkauf unb Zukauf von (betreibe, Mehl. Brot u. a. der landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenbetriebe für das Erntesohr 1912 in der Weise au veranstalten, wie solche in Baden von den grossherzoglichen AintSvorständen 1902 durchgeführt wurden.
Abg. Schnmann-Forst (Soz.)
wünscht statistische Erhebungen über die Arbeitszeit und Löhne ;m BinnenschiffahrtSgcwerl'e unb eine Regelung der Sonntagsruhe im Tranßportgctoerbe. Die Regierung hat das Bedürfnis längst anerkannt, aber e8 ist noch nichts geschehen. Ter Redner erörtert bann weiter in einer stundenlangen Rede bic Verhältnisse der Berliner QmnibuSkutschcr unb Strassenbahner und wird schliess, lich vorn Vizepräsidenten Tove gebeten, sich mit Stichproben zu begnügen.
Abg. Sittart (Zentr):
Die Binnenschiffahrtsverhälinisse sind eigentlich eine Domäne oon kahlem, meinem FraktionSfreund; ich freue mich, dass setzt mich andere in dü Kerbe hauen. (Zuruf: Die Domäne Dahlem wird eben parzelliert!) Dem Verkebrögewerbe muss der Reichstag immer größere Aufmerksamkeit schenken, eS fehlt dort noch an ausreichendem sozialen Schutz, besonders für die Strassenbahner; eS gibt manche, die im ganzen Jahr überhaupt keinen freien Sonn» tag haben. (Hört, hört!) Der Sonntag ist nun einmal der Tag des Herrn.
Ministerialdirektor Dr. Caspar:
Verwaliung bemüht sich nach Krästen, die Verhältnisse zu bessern. In die Verhältnisse ber Kleinbahnen können wir von Reichs wegen nicht cingrcifen, das ist Sache ber BunbeSstaaten. 2)ie verschiedenen Verhältnisse bes SchiffahrtSgewerbcS lassen eine allgemeine schematische Regelung für baß ganze Reich gleichfalls nicht zu.
Abg. Dr. b. Schulze-Ggevernih (Vp.) begründet die Resolution seiner Partei. Wir wollen wissen: wieviel Familien gibt eß auf dem platten Lande, die mehr Drot- netrcibc verkaufen als verbrauchen? W'eviel landwirtschaftliche Betriebe sind sogenannte Ueberschußwirtschaften? Ter Redner verweist auf die badische Enquete. Von sämtlichen badischen landwirtschaftlichen Betrieben waren 24 Proz. Ueberschusswirt» schäften. 12 Proz. waren aber Betriebe, die unter 20 Zentner verkauften, bic der Getreideverkauf also so gut wie gar nicht interessiert. Diese Statistik muß aufs Reich ausgedehnt werden, sie roftet feinen Pfennig, denn sie kann mit der Statistik über Die Bodenbenutzung verbunden werden. Gross wird auch die handelspolitische Bedeutung der Statistik sein. Sie wird uns in unserer Agrarpolitik recht geben. Radikaler Frei- handel, wie radikaler Schutzzoll sind heute veraltete Gegensätze, wgar in diesem Hause. Ten alten englischen Freihandel lockt kein Hund mehr hinter dem Ofen hervor. (Hört! Hört! rechts.)
Ter lückenlose Zolltarif nutzt freilich ebensowenig den Bauern etwa«. Wir DolkSparteiler stehen auf dem Standpunkt, jeden Zoll nach seinem Verdienst zu werten, Wir sind nicht die radikalen Freihändler. Wir Volksparteiler fühlen uns als Vertreter bäuerlicher Wahlkreise. (Gelächter rechts.) Wir vertreten 36 Bauern kreise. (Beifall b. d. Vp.) Wir können uns direkt als Bauernpartei bezeichnen. (Beifall b. d. Vp., Gelächter rechts.) Sie rechts vertreten nur den Großgrundbesitz! (Zuruf rechts: Hansa-Bundl) Jede Agrarpolitik muss das Ziel ber- folgen, eine zahlreiche, wohlhabende und deutsche Landbevölkerung zu erhalten. Dafür treten wir ein, nicht die Großagrarier. (Großes Gelächter rechts.) Tas Bauerntum ist der Jung- brunnen, auß dem die deutsche Kriltur immer neue Kräfte erhält. Ter Mittelpunkt der Dauernwirtschaft ist der Stall. (Heiterkeit rechts.) Ter Milchpreis ist für die Bauern wichtiger als Getreide- preis. Darum sind wir für Aufhebung der Futter- m i 11 c l z ö l l e. Tie Großagrarier trefen diesen Interessen entgegen. Tie babifdbcn Bauern haben unsere Anträge lebhaft begrübt. Wir sind ErziebungSzöllen gar nicht abgeneigt, ba eS sich meist um Luxuszölle handelt auf Wein, Tabak, Trink- eier, Honig.
Wenn wir für maßvolle Getreidezölle eintreten, wie wir eS tun, ja, dann fragen Sie: was- sind massvolle Getreidezölle? (Abg. -tr. Certel: Sehr richtig!) Nun, die Antwort können wir geben, wenn die Negierung unseren Antrag annimmt. Jeder Getreide- zoll schwächt den Bauernstand (Lachen rechts). Mehr als 70 Proz ter Bauernbetriebc lauft mehr Getreide zu als er verkauft (Widerspruch rechts). Helsen Sic uns wenigstens einmal Licht zu verbreiten übet die Bauernwirtschaften; wir wollen ja nur zählen! 2ch rufe also: Mehr Licht! (Stürmische Heiterkeit. Tie Konservativen rufen mit immer erneutem Gelächter: mehr Licht! n:ehr Licht! Der neue Goethe!) ES ist nicht das geringste Ver- dienst des Fürsten Bülow, er bat ja noch andere Verdienste — daß er den Altmeister beß öfteren im Reichstage zu Dort gebracht hat. (Scbr gut! links.» Mehr Licht in unsereAgrarpolitikl Tiefe Ausgabe wird die Volkspartei als die berufene Bauernpartei erfüllen. (Beifall links, schallendes Gelächter auf den konservativen Bänken.) So- dann eine andere wichtige Sache: der Rückgang der deutschen Geburten. Tie Statistik ist da unvollständig. Man wartet uns mit allgemeinen Geburtszissern auf, auf tausend Köpfe der Bevölkerung berechnet, und man berücksichtigt nickt die Fruchtbarkeitsziffern. Ich begrüße es, daß daS Statistische Amt für rein wirtschaftliche Arbeiten nicht nur Juristen, sondern auch Nationalökonomen beranzieht. Ich bitte, dass auch zum Bureau für Produktionserhebungen, baß zurzeit noch Abteilung im Rcichsamt des Innern ist, auch solche berufenen Nationalöko» nomen nicht nur binzugezogen, sondern auch etatmäßig angestellt werden. Ich will die Juristen gewiß nicht verdrängen. Gleiche- Recht fürallerJuristen und Nationalökonomen, Grossagrarier und die von uns vertretenen deutschen Dauern! (Stürmischer Beifall links, schallende- Gelächter bei den Konservativen.)
Abg. Dr. Gerte! (Kons.):
Wir befinden uns, wenn ich mich nicht ganz irre, bei der Beratung des Statistischen Amts; ober ich musste mich daran erinnern, als ich den ersten Teil der Ausführungen des Vorredners hörte. Ter Zusammenhang war so lose, daß er selbst mit Hilfe des Augenglases nicht zu erkennen war. (Heiterkeit rechts.) Es bat mich überrascht, daß der Vorredner sich so weit verirrte in die Jrrgängc der Agrar- und Zollpolitik, obwobl der Präsiden: heute und auf die Noiwendigkeir der Abkürzung solcher rednerischen E'güffe hinwieS. Fürchten Sir nicht, daß ich dem minder guten Beispiel folgen werden^ch werde weder von der
Gros blockvolitik sprechen, noch die (Hithcinifdic Wirtschaftspolitik einer besonderen Kritik unterziehen, da sie ihrer auch kaum vc- darf (Heiterkeit rechts, Zuruf von den Soz.), nodi am den Zwischenruf deS Abg. Horn eingeben, ber mir unverständlich geblieben ist. und wahrscheinlich auch bleiben wird. lHciierkcit reckitS.) Denn der Abgeordnete — ick hätte m ck beinahe versprochen und seinen Privatbcruf flcnaii.it, waS in diesem Falle nickt serngelegen bat, ^Heiterkeit rccktS) — trenn Abg. v. Schulze» Gaevernitz und als Vertreter des Gr?ßgrunbbehvcS angeredet hat, so Fat er etwas gcfa--t. was ich schon oft gehört habe, und vermutlich noch oft hören werde.
Nicht allein der Stall ist die Stütze des Bauernstandes, sondern a u di da', maß t rinnen i it. Aber d iS sind lo alte bekannte T'"g- dass man sie nur mit Widerwillen wiederholt. Aber auch der Acker gehört zu..i Bauerntum. Auf die Aushebung der Futtermittclzölle gehe ick nickt rin. ba ber Präsident schon die Hand an ber Glocke halt. (Heiterkeit.) Ten Zoll auf feinere Erzeugnisse brr Landwirtschaft vrrlangrn auch wir. ES ist ja brr Zweck u n f e • eß lückenlosen Zolltarifs, baß wir mich bie’"c Erzeugnisse in den Zollichutz einziehen. Ick freue mich, daß Herr Sckulze-Gaevernitz in linieret Gefolgschaft sein wirb, wenn wir ben lückenlosen Zolltarif hier im Reichstag empfehlen werben. Eine üterrafdjenbe Entbeckung war, daß die Volks- Parte idie e i i zige Bauernpartei ist. Herr v. Schulze» Gaevernitz hat davei gelächelt er hat also selbst die Sache nicht ernst genommen (Cno-lRufe links ) Ter Resolution brr V^IkS» Partei stimmen wir zu, eß hätte bazu erst keiner freunblichen Kitzelung bebutfL (Heiterkeit.)
Der badischen Statistik halte ick eine sä ck si sck e entgegen, die vom Bund der Landwirte veranstaltet ist. (Rufe Aha! links.) Auck von ihm kann etwas Gutes kommen, eö kommt ja sogar von der sortsckrittlichen Volkspartei mandimal etwa? Gutes, iHeiterkeit rechts.) Tie 'äckisischc Statistik belicht sich auf 800 Crffjwflcn mit 18 000 fleinbäucrlicficn Betrieben, die bis zu 5 He Aar besaßen. Davon hatte die roeilau# grösste Mehrzahl regelmässig Getreide verkauft. Also auck die Kleinbauern haben ein erheblickcS Interesse an ber Aufrechterhaltung ber Zölle. Der Bevölkerungsrückgang ist nickt bebrohlich, aber bebenklick. ES ist festg« stellt, baß sechs ostbcuticke Großstädte völlig auSgestorben wären, wenn sie nickt vom Lande her neuen Zuzug bekommen hätten. Nickt baß Bauerntum allein ist der Jungbrunnen, sondern die gesamte Landwirtschaft. Großgrundbesitz und Kleinbesih gehören zusammen. (Abg. Fegter (Vp.) ruft: Illusion!)
Es ist daS unbestreitbare Verdienst deS vielgeschmäbten Bundes der Landwirte, dass er die großen und kleinen Besitzer wieder zusarnmengebracht hat, daß cr endlich diese freisinnigen Schemen von petrennten Interessen vertrieben bat (Beifall rechts, Lachen links), daß er sie in das Gebiet der Entstellung und Vcr- breijung zurückgewiesen fiat (Beifall rechts, grosse Untufie links). Ter Bauernstand ist klüger geworden, er lässt sich nicht mehr düpieren, er weiss, wo seine wahren Freunde sind (Zuruf linfd: DaS haben die Wahlen bewiesen! Gelächter rechts.) ES gibt laue und falsche Freunde des Bauernstandes, ich will nicht unter- suchen, wo diese sind. Wir werden immer bemüht sein, die Inter- . essen der kleinen und der grossen Besitzer zusammenzuführen. Diese Interessengemeinschaft zu stören, vermag nur ein Feind dec Landwirtschaft. (Lebhafter Beifall rechts, Gelächter links.)
Darauf vertagt sich »das HauS um 6 Nhr z« einer Abend-
s i h u n ß auf 8 Uhr.
Lin Kultunvetf der Provinz Gbeihessen.
* Gießen, 18. März.
Das Provinzialwasserwerk Inheiden wird am 30. d. Mts. in Gegenwart ber Mitglieder des Provinzialtags und von Mitgliedern der Verwaltung ber Stadt Frantfurt a. M., bic sich von Gießen aus im Sonberzug dahin begeben, burd) einen Festalt eingeweiht. Es ist bas erste inbuftnellc Unternehmen, an bem sich bic Provinz Lberhesscn betätigt hat — wie heule schon feststeht mit Erfolg. Tic vielen Wiberslanbe befeitigt zu haben, bie sich gegen bic Schaffung dieses .Multurroerfs in der Provinz erhoben halten, ist bas Verdienst bes Geheimerats Tr. Breibcrt-Mainz, ber seinerzeit als Provinzialbircklor von Lbcrhessen zwar mit Vorsidst, aber auch mit Energie ben Bau des Werkes in bie^ Wege leitete unb auefi ben Wasscrlieserungs- vertrag mit ber Stabt Frankfurt a. M. nach vielfachen Ver- hanblungen zum Abschluß gebracht hat. Auf Gru.ch bicscs Vertrages war es überhaupt erst möglich, bie Wasserschäve bei In- Herden zu verwerten, deren Nutzbarmachung eine Kapitalaufwendung von 6 Millionen Mark erforderte.
Tas Guellengebiet ist ein prächtiges, weites Wicsemal am ivestlichen Abhang des Vogelsbergs, umzogen von ber Horloff unb von bem Riebbach unb Schwarzbach durchflossen. Hier hegt, 20 Minuten von Inheiben, am Riedbach bie alte Ricdmühlc, bie bie Provinz erwarb unb als Mühle außer Tätigkeit setzen mußte, um Daneben bas Wasserwerk zu errieten. Zuerst würbe an <0 stellen bes rund 130 Morgen grossen Gebiets mit Erfolg auf Suellen gebohrt unb babei icftgeftellt, daß bas zuurge kom- meube Quetlwasfer gesunbheitlich cunvandssrci unb nadj jeoer Richtung hin als vorzüglich zu bezcidincn ist. Es würbe burd) Mesiungen ermittelt, baß bie zutaac tretenbe Wasfermcnge mehr als ausreiche, um bic von Cber-5ngenicur Müller-Gießen ent- norienen Plane eines großzügigen Wasserwerks zu verwirklichen. Vor 21.. x)ii()rcn würbe mit dem Bau des Werkes und seiner Anlage begonnen. Anfang Oktober v. I. konnte es zur Probe in Betrieb genommen tverben unb feit Anfang dieses Jahres ist es zur vollen Zufriebcnhcit voll in Tätigkeit Es führt ötr Stadt Frankfurt a. M. täglich rund 2000 Kubikmeter Cuellroaffer zu.
Das Derk macht mit feinem 45 Meter hohen Kamin einen lreunolichcn Eindruck und bildet mit den Gebäuden der allen Riebmuhle, die zu Wohnungen für die Belnebsbcamlen Maschinisten, Heizer usw.' eingmdjtet sind, eine weithin sichtbare 3«erbe ber Lanoschait Tas Wesentliche ber Anlage fcilbet bas Reifel- unb das Maschinenhaus, Die mit ihren Längsseiten an- "nanber grenzen. Zwei geroaitige Röhrcnbampskessel mü je 150 qm Heizfläche unb automatische Kohlenzuiührung aus waii' bernbem Rost, von benen stets einer unter Feuer und Der andere in Reserve ist, erzeugen Die gewaltige Tampfmengc, um bie 4oO PS. leiftenbe Tammturbine m Betrieb zu setzen. Dir nebenan in Der Maschinenhalle ihren Platz hat. An bie Turbin ilt eine Zentrisugalpumve gekoppelt, bie wie Die Turbine 2800 Um Drehungen in der Minute macht und in 24 Stunden zue.Zt L_UU Rubifmetcr Wasser aus 6 Brunnen förbert, gleichzeitig aber Dieic SSancrmenge über eine Höhe von etwa 75 Meter, Die in der GegenD bei Cberndoberstum sich besindet, 44 Meter weit bi4 zur Lanbesgrenze bet Vübel Druckt, wo bie Skabt Jyranfiuri das Tüt sie bestimmte Wasser abninrmt.
Äusser ber Zenlrifugalpuw.pe ;c:rb gteichzcilig mü der Turbine eme xwmOma)-d)ine getrieben, die Elektrizrtäl für bic aulo- sia^1<me ^ohlenbeschickung ber fcefielfeueriing bezw. zum Betriebe Des Wanbcrroitcs, für Oie Belcuchlung der Anlage unb für bet Betrieb der Werkslattmaschinen erzeugt. Interessant ist bic selbst- tätige Lelung bes maschinellen Belriebes, bie äußerlich nicht n r ?r -l,t- ..Das Lei wirb von einer Zentralstelle aus durch Rohrkanälc überall Hingesührt, wo Rcibungsflächen bes Maschlnen- gelriebes einen größeren ober kleineren Lelzulauf nötig machen, wandert bann, nachbem es gereinigt ist, burd) einen Kühler


