Am Stichwahllage tn ^armstavr.
Bon einem Wähler geht uns folgendes Stimmungsbild zu:
Der Schnellzug führt mich von meiner Station über Frankfurt nach Darmstadt. Ich verdaue noch an den Wahlnachrichten meiner Zeitung, La schlagen mit in meinem Abteil die widerstreitenden Meinungen einer ganzen Anzahl von Herren ans Ohr — Wahlen hier uni) dort, das Abwägen der Aussichten des einen oder anderen Kandidatur, ich versuche, nicht mehr hin- zutziren, allzuviel macht schließlich ungesund.
Endlich sind wir in Da^scht. Ich kenne die Rheinstraßc kaum wieoer — welch ein Menschengewimmel! Mein Weg führt mich durch die Laalbausttaße in die Riedefelstraße. Ich laufe beinahe in den Saalbau hinein, in das Wahllokal dieses vornehmen Stadtbezirkes. Mit mir strömen buchstäblich Menschen dem Saalbau zu, die Fußsteige sind überfüllt, wir passieren die Zettelverteiler der verschiedenen Parteien. Alle diese Leute die sich in einen weißen Pappebogen eingeschnallt haben wie in einen Küraß, tragen in großer Druckschrift auf diesem Küraß den Namen ihrer Partei. Sie verteilen sehr gewissenhaft an Jedermann ihre Zettel. Da ich an dem Tage den Saalbau wiederholt passieren muß, ist meine rechte Ueberziehertasche bald gefüllt mit Wahlzetteln. Landtagsabgeordneter Tr. Osann in Darmstadt — Dr. Ludwig Quessel, Redakteur in Darmstadt, so ist auf den Zetteln zu lesen. Andere Parteigänger tragen Schilder an langer Stange vor dem Saalbau über den Köpfen der Menge mit der Aufschrift: Denkt an Alzey—Bingen.
Zwei Eingänge führen in das Wahllokal, ununterbrochen kreuzen sich die Kommenden und Gehenden. Ta führen zwei kräftige Enkel, wie es scheint, einen sehr alten blinden Herrn, der sich kaum fortzubewegen vermag, in das Wahllokal — auch er will das Seine tun an diesem wichtigen Tage.
Aus der linken Seite der Straße ist der Bürgersteig vollständig und zu jeder Stunde blockiert durch 60 —100 Sozialdemokraten, die die zuströmenden Wähler kritisieren. Je nach dem Aeußeren werden, scheints, die Unterschiede in der Krittk gemacht. Die Leute im Arbeitsanzug und im Straßenanzug oft von bester Qualität werden dabei selten laut, aber aus den Gesichtern kann man die Kritik aber Art heraus lesen, als ob man sie gedruckt schwarz auf weiß ablesen könnte.
Da begeht einer der herauskommenden Wähler die Unvorsichtigkeit, auf eine Anrempelung mit Worten z u antworten. Nun wird der Schwarm der Sozialdemokraten laut, er nimmt lebhaft Partei, es beginnt ein Rufen und Schreien. Da tritt ein Schutzmann aus der Straßenmenge, leuchtenden Auges schreitet er gleichsam die Front der Sozialdemokraten ab. Sofort tritt Ruhe ein, keiner hat Lust, sich durch seine Sistierung wegen Straßenlärms dem Vergnügen zu entziehen, hier den ganzen Tag herumstehen zu können.
Man muß sich oft durch die Menge von Wählern, die die Straße fast sperren, hindurch drängeln. Zuweilen geht ein Regenschauer nieder, dann wird es erst recht enge durch die aufgespannten Schirme. Wie wird das erst werden, wenn die Frauen mitab stimmen und auf der Straße den politischen Gegnerinnen erregt mit dem nassen Regenschirm unter der Nase herumfuchteln. Dann, o weh, ihr Schutzleute, dann geht eure Autorität in die Binsen.
Die Riedeselstraße ist in ihrem oberen Teil mit weggeworsenen Wahlzetteln wie übersät. Die Schuljugend fahndet eifrig auf unverletzte Wahlzettel. Was sind das doch für saubere rechteckige Zettel, die sich so schön für allerlei Zwecke verwenden lassen. Hängt an dem Zettel etwas Straßenschmutz, so wischen die Kinder die Zettel vorsichtig an den neuen Mänteln, die das Christkind gebracht hat, ab. O, wenn das die Mama sähe!
Ich gehe ans der Riedeselstraße die Wilheimsstraße herunter, die fast menschenleer erscheint. Bekannte rufen mich an. Sie gehen zum Wählen oder kommen zurück. Nun, wie stehts, erkundige ich mich. Sie schneiden als Antwort meist Gesichter, sie sind Pessimisten und der Llusgang der Wahl hat ihnen Recht gegeben.
Um Mittag bricht die Sonne durch die Nebelmassen und verschönt durch ihren freundlichen Schein das Straßenbild, macht aber auf die Gesichter der vielen Menschen wenig Eindruck, der .Ausdruck bleibt ernst und gespannt.
Gegen sechs Uhr abends reise ich ab, um noch in Frankfurt eine Stunde zu bleiben. Dort sind die Straßen, wie immer um diese Zeit, sehr belebt. Frauen sind es besonders^ die die glänzend beleuchteten Mslagen besichttgen. Wie Stoßvögel schießen sie von einer Auslage zur anderen. Die Wintersaiwn ist vorüber, die kostbaren Winterkleider aller Art sind nach dem Anscheine unglaublich im Preise heruntergesetzt: statt 350 Mark jetzt 220 Mark. Es ist nicht zu glauben, wird aber geglaubt, und mancher törichte unnütze Kauf wird abgeschlossen — weil es ja halb geschenkt ist. Kleider, Hüte, Bänder sind immer billig getauft — aber bie Preise für Milch, Butter, Gier, Fleisch sind unerschwinglich.
Ich komme endlich abgespannt wieder in den Frieden meiner guten friedlichen Stadt Friedberg. Hier herrscht eitel Freude. Die Wirtshäuser sind voll von Gästen: Landgerichtsrat Strack ist gewählt, die opfervolle Hingabe hat ihren Lohn gefunden.
Die bisherigen Wahlergebnisse und der Hansubuno.
Die Korrespondenz des Hansabundes schreibt:
Von den bisher gewählten Abgeordneten zum Reichstag stehen ,75 a u f dem Boden des Hansabundes: von diesen sind 47 Mitglieder, 28 stehen auf dem Boden der Richtlinien des Hansa-Bundes. Hierbei ist der weitere Zuwachs nicht mitgerechnet, der voraussichtlich am letzten Stichmahltage eintreten wird. Was an diesem Ergebnis besonders zu begrüßen ist, das ist die Tatsache, daß durch die Tätigkeit des Hansabundes eine große Zahl von praktischen Männern aus allen Kreisen der Industrie, des Handels, des Handwerks und der Ange- stellten in den Reichstag einziehen werden. Wir nennen da vor allem den Präsidenten des Deutschen Handelstages und Mitglied des Direktoriums des Hansabundes, Herrn Stadtültesten Kaempf, ferner den früheren Direktor der Deutschen Bank, Herrn Roland-Lücke, den Vertreter des Detailhandeks, Herrn Stadtrat Kölsch- Karlsruhe, die Vertreter des Handwerks, Herren Klempnermeister B a r t s ch a t - Königsberg und Bäckermeister Lützel- Pirmasens; als Vertreter der Angestellten Herrn M a r- a u a r t-Leipzig; die Gastwirte haben in Herrn Gunzer - Schorndorf die gewünschte Vertretung erhalten: die Tabak- Industrie vertritt Herr Kaufmann Kiel- Minden; die Holzindustrie kommt durch Herrn Sägewerlsbefitzer R ö s e r zur Geltung u. a. m. Von prominenten Persönlichkeiten, die auf dem Boden M Hansabundes stehen, möchten wir Herrn Dr. von Schultze-Gaevernitz erwähnen, ferner Herrn Professor vanCalker,die Herren Bassermann und v. Payer, Landrat Hegenscheidt nsw. usw.
Die Zweihundertjahrfeier der Geburt Zrieduchr Oes Grogen.
Dem größten Preutzenlönig hnwigt heute das ganze deutsche Volk, denn was Friedrich der Große für Preußen getan hat, ist allen Deutschen und auch der späteren Reichs- cinigung zugute gekommen. In welche Riesenaufgaben war er htneiilgestellt worden, und mit welch rastro-sem P,lichteifer hat er sie gelöst! Selten hat ein Herrscher so viel Lasten, leiten aber auch solch unbegrenztes Vertrauen seines Volles oii tragen gehabt. „Welch eine Laufbahn", so schreibt Geh. Rat Tr. Marcks in seiner gediegenen E,say-Sammlung ^Verlag von Quelle und Meyer), „von dem Tunket seiner wirren Kindheit an bis in die abendliche Einsamkeit seines freudelosen Alters! Ter Kampf mit dem Later, die Fluütt von 1730, der Eintritt in Perwaltuttg und Heer, in ine Kreise seines tyrannischen Lehrers: bic hellen Tage des Rheinsberger Aufenthalts, wo ihn jener endlich gewähren läßt, und wo Friedrich genießt, nach seinen eigenen Wünschen arbeitet, unermeßlim lernt: die Zetten der beiden ersten Kriege mit ihrem jugendlichen ErederungSdrang, ihrem
Sa^awrentarm uns itratjtenoen -luuuuij; uno dann oas volle Mannesalter, die Sonnenhöhe seiner Persönlichkeit und ersten innent Wirksamkeit, in dem Jahrzehnt, däs 1746 beginnt; da ergreift er alles, Verwaltung und Wirtschaft, Politik und Geist als Meister, noch ungebrochen, obwohl 'bereits ernüchtert, noch freudig, mit siegreicher Zuversicht. Aber alsbald der neue Streit um das Dasein des Königs wie seines Staats, die grauenhafte Probe des siebenjährigen Krieges, in der et allen Ueberreichtum seines Genius, alle Spannkraft seines Willens entfaltet, und scheinbar hoffnungslos erschöpft; die übermenschlichen Dtühen, die immer wiederkehrende und immer wieder überwundene Verzweiflung, das lange Harren und allmähliche Sinken, Auge in Auge mit dem Tode, mit dem Selbstmorde, bis ihn, einen Frühgealterten, ein kaum noch erwarteter und doch schließlich zumeist durch seine eigene Standhaftigkeit dem Schicksal abgetrotzter Friede erlöst. Und von da ab, von 1763 bis 1783, das Vierteljahrhundert des „alten Fritz": eine Arbeit ohne Pause, aber ohne Glück, innerlich gesammelter, äußerlich allseitiger noch und auch erfolgreicher als, je zuvor, bewundernswert, der Gipfel der persönlichen uno der >achlichen Leistungen des absoluten Staates, bis dem Nieerschlafften und Niebefrie- bigten, dem harten Greise von Sanssouci, bereits inmitten des Emporsteigens neuer Zeiten und feindlicher Gedanken, der Tod die Lasten von den hageren Schultern nimmt und ihm seine erste und letzte Ruhe schenkt.
Wir greifen heute in den „Familienblättern" ein Gebiet der Friedensarbeit des großen Mannes heraus, das über den großen Kriegserfolgen meist nur nebenhin behandelt worden ist. Gerade hier zeigt sich die Universalität des Fritzischen Geistes.
lieber die Feier in Berlin erhalten wir folgenden Bericht.
Berlin, 23. Januar.
Die Zweihundertjahrfeier der Geburt Friedrichs des Großen begann heute mittag m.t der Eröffnung der Ausstellung in der Akademie der Künste „Friedrich der Große in der Kunst" durch den Kaiser in den Räumen der Akademie. Außer dem Kaiserpaar und den hier und in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinueit wohnte der Reichskanzler der Feier bei. Der Kaiser überreichte dem Präsidenten der Akademie Prof. A. Kampf den Kroncuorden zweiter Klasse.
Die Gedächtnisstier setzte sich abends um 6 Uhr in der Kriegsakademie fort. Der Kaiser erschien in Begleitung des Prinzen Heinrich, außerdem waren sämtliche hier anwesenden Prinzen des Königlichen Hauses zugcgeu. Generalmajor Freiherr von Freytag-Launghoven hielt den Festvortrag über „König Friedrich als Kriegsherr und Heerführer."
üoin türkisch-italienischen Kriegsschauplatz.
Heber de« K.>mps bei Gargareich
am 18. Januar veröffentlicht „Tanin" folgenden Bericht aus authentischer türttscher Quelle: Morgens rückte die feindliche Kolonne, aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestehend, von Gargaresch vor, um Zanzur zu besetzen. Das türkische Kommcuioo schob so,ort türkische und arabische Streitkräfte vor, die die Italiener bei Gar- garcsch angriffen. Ter Kampf dauerte dreieinhalb Stunden. Durch die Umgehung^bewegung des linken türiischen Flügels wurden die Je a l i e n e r gezwungen, zwei ihrer Verteidigungslinien aus zu geb en. Am Nachmittag zogen sie sich auf die dritte Lutte zurück, um Verstärkungen von Tripolis abzuwarten. Gegen Abend uneernahmen Türken und Araber einen weiteren Angriff auf den Feind, der bereits Verstärtungen erhalten hatte. Der Nachtkampf war äußerst blutig. Tie Italiener mußten schließlich auch die dritte Linie aufgebeu und sich bis in die Oase vor den Stavtmauern von Tripolis zurückziehen. Tie Italiener hatten 150 Tote, viele Verwundete, und ließen auch Kriegsmaterial im Stich. Tie Türken uno Araber hatten achtzehn Tote und einige Verwundete.
Wer hat nun die Wahrheit berichtet, die Italiener oder die Türken?
(?in österreichischer Panzerkreuzer angehalteu.
Konstantinopel, 23. Januar. Tie Italiener haben gestern morgen den österreichischen Panzer „Bregenz" angehalten.
Deutjehes Ncich.
Wie der „Berliner Lokalauzciger" hört, wird der Kronprinz und die Kronprinzessin un Laufe des Mouats Februar einen mehrwöchigen Aufenthalt in der Schweiz nehmen.
Die Wahlrechtsvorlage für das Herzogtum Braunschweig wird nach einer den „Braunschweiger Neuesten Nachrichten" ^gegangenen Nachricht am Mittwoch, den 24. Januar dem braunschweigischen Landtag bei seinem Zusammentritt zugchcn. Er sieht eine Reform des Wahlrechts auf Grund des Dreiklassenwahlsystems mit direkter und geheimer Abstimmung vor.
Der frühere sozialdemokratische Neichstagsabgeordnete und Gewerkschaftsführer Bvmelburg leidet nach dem „Bert. £gbi.'' an einer schweren organischen Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, die bereits zu dauernder Geistesstörung geführt haben. Das Leiden ist unheilbar.
Ausland.
Aus dem Haag roiru ua.uiuj vcmnnt gegeben: Die leichte Erkrankung der Königin während der letzten Tage macyte eine seitiang Oie geegten Hoffnungen zuniaste. Ter Zu,land der Königin ist befriedigend.
'Tie i r a n i u 111 u)e T e pu tie r t en lam mer hat am DienStag bei der Beratung der Wahlrechtsreform mit 457 gegen 91 Stimmen das Appareitteminrt, betreffend den Artikel, ab» gedehnt, dura) welchen einandernahestehendenParteien das Rechteingeräumt werden sollte, sich n a ch d e m e r st e n Wahlgang aus einen Namen z u einigen.
Die russische Reichsduma nahm in Dritter Lesung die Vorlage, bctrefienb die Krankenversicherung der Arbeiter, an.
Aus Madrid wird gemeldet: Es scheint erwiesen, daß der bevor ftebenbe Rücktritt des Ministeriums C a n a - lejas auf eine Unterredung stuifd/en dem König und dem konser- vativen Maura zurückzufuhren sei, welch letzter erklärt bitte, daß es im Interesse der Monarchie liege, die Konservativen nicht länger in der Opposition zu lassen und daß ein so günstiger Augenblick, um die Konservatwen ans Ruder zu rufen, üdi md)t so Laib wieder imoen wertu. U.uer dem Eindruck die,er Erttarung habe der König Eanuleias zum Rüatrut auigeforbert. Der 5tone» Iponbent des „Tciups" berichtet, benonagenoe Mitgtteoer der uLcraicn Partei haben ihm gesagt, daß es stch um einen wahren Staatsstreich hinbi . w..a r uie ern ;eiten Folgen nicht bloß für die liberale Pari::, , .i für dc.s Jtegimc icibjt hoben könne.
6*i tuier bei lv < i. ’ <tyng . s iapanischcn b g c o r b * n c t e n g i! s c - c.2 *.; b::um Erklärung über die äußere Po- litik wies der Minister des Aeußern Vicomte Uehida zunächst darauf hin, daß das e n g l i sch - i a p a n i f ch e Bündnis durch die Revision des Vertrages eine Kräftigung erfahren habe und betonte sodann, daß die Regierung die Wiederherstellung der Ordnung in China wünsche. Japan habe gemeinsam mit England seine guten Dienste zur Erleichterung der Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien angeboten und habe ferner gemeinsam mit den anderen Mächten die Kampfenden auf die Notwendigkeit hingcwiesen. 5rieben zu schließen. Er bedauere, daß die Vorstellungen zunächst ohne Erfolg gewesen seien, denn die Grundlage der japanischen Politik sei der Friede im fernen Osten.
Aus Stadt nnS Land.
©teilen, 24. Januar 1912.
* * Tageskalender lüt Mittwoch, 24. Januar: Stadt- t Heater: ,Tle pocbzeit 311 Valeni." Awang 7 Uhr.
Slol offen in. Mittwoch, 24., bis Freitag, 26. Jan.: Volks- Vorstellungen zu ermäßigten Preisen. Vom 27. Januar dis 22. Februar bleibt das lioloiiemn geschlossen.
* * Ueberlandwerk Wölfersheim. Am 20. l. Mrs. fand eine Sitzung. t-es Proviltzuaauses n.ut, in der in Gegenwart der technischen Berater der Provinz die Frage der Vergebung der für das Ueberlandwerk Wolfersheim erforderlichen Arbeiten in eingehender Weise besprock>cn wurde. Bis zum 3. Februar d. I. werden die zahlreichen Offerten soweit gesichtet fein, daß in einer an diesem Lage statt! indeiwen weiteren Sitzung des Provinzialausschusses ein großer Teil der Lieferungen, darunter besonders die Leitungsmasten und die Kuvferleitungen lür das ganze Versorgungsgebiel, vergeben werden können. ’2ie nunmehr bevorstehende Vergebung inejer Lieferung wird es unter allen Umstünden ermoglid/cn, daß bei Eintritt der frostfreien Zeit mit der Aufstellung der Fernleitungen und mit Installierung oer Ortsnetze begonnen werden .fann. Es wird hier nach, wie schon von uns wiederholt hervorgehoben wurde, benimmt damit zu rechnen sein, daß zu Beginn des kommenden WiMers die bis dahin bereits fertiggestellte Anlage zum VotteU der an sie an* geschlossenen Gemeinden in Tätigkeit ist.
• • Pfarrpersonalien. Ter Großherzog hat dem Pfarrer Hch. Renner zu Bernsburg die euang. Psarrslelle zu Heubach, dem Pfarrer Aug. Riem inert zu Freiensteinau Die coang. Psarrslelle zu Angersbach und dem Pfarrer Gg. Karl Hartmann zu Ulrichstein die euang. Psarrslelle zu Egelsbach übertragen.
• • Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsasviranten Adolf Schmalz haf au3 Hohenstadt eine Lehrerstelle an der Gemcindcschule zu Gras-EUenbach. — Erledigt sind: Die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Hum m etroth; dem Inhaber der Stelle kann eine Ortszulage bewilligt werden. Eine Lehrerslelle an der coang. Schule zu Nierstein; mit der Stelle kann die Hälfte des Organistendienstes verbunden werden.
.** Der Hessische Verein für Luftschiffahrt, Ortsgruppe Gießen hatte durch die Ungunst der Witt tcrung seine Ballonaufstiege während der Wintermonate ein- stellen müssen. Diese Zeit will er benutzen, um seine Mitglieder und die Freunde des Lstsports durch Vorträge mit der Theorie des Ballonsahrens, mit den meteorologiüfcn Vorgängen im Luftmeer und bergt. Fragen vertraut zu machen. Von diesem Gedanken ausgehend, ist es ihm gelungen, für Donnerstag, den 1. Februar, den bekannten Meteorologen Privatdozent Dr. Alfred Wegener-Marburg zu einem Vortrag, „I m Reich der Wolken", xu gewinnen. Der Vortrag wird um deswillen nicht nur in den Kreuen des engeren vVereins, sondern auch in der breiteren Oestentlichkeit dem lebhaften Interesse begegnen, weil Herr Dr. Wegener in der Lage ist, eine große Zahl heroor- ragenuer Licytttwer von leinen eigenen zay.reuten Vattomahnen vorzuführen und weil er einige besonders interessante Vorgänge bei Wolkenbildungen durch Experimente erläutern wird. Ter Zutritt zu dem Vortrag ist 1 eher mann gestattet. Er findet ün großen Hörsaal des Kollegienhauses statt.
* * Stadttheater. Tas Gastspiel E. v. P 0 s f a r t s, das ursprünblich für den März geplant war, muß schon früher stattfinden, und zwar am Freitab, Februar. Es dürfte zweifellos die letzte Gelegenhett sein, den berühmten Künstler kennen zu lernen, und es bedurfte eines besonderen Erlasses des Prinzregenten von Bayern, um diese letzte Gastspieltournee des Münchener Generalintendanten zu ermöglichen. Als Stück ist „Nathan der Weis e" in Aussicht genommen.
** Allgemeine Karneval feier. Man schreibt uns: Tie Donnerstag abend in Steins Garten stattfindende Einführungs-Veranstaltung: Gala-Tamen- und Herren- Sitzung wird echt rheinisches Gepräge erhalten, haben doch die hervorragendsten Kappenbrüder von nah und fern ihre Beteiligung als Büttredner oder Poeten in sichere Aussicht gestellt. Doch auch Gießen ist durch Vorträge und schöne Chorlieder vertreten. Tas Ministerium wird von Bundesbrüdern gestellt, dessen pompöser Einzug mit Kesselpaukisten, Fanfarenbläser, Herolde und Gardisten erfolgt pünttlich 8 Uhr 33 M i u. Zu dieser Festsitzung sind an die Spitzen der Behörden Einladungen ergangen und auch verschiedentlich schon Zusagen eingegangen. Ten musikalischen Teil hat die diesige Regimentskapclle übernommen, die ihre Übliche Tätigkeit noch durch Spenden echt rheinischen Karnevalhumors erweitern will. Ter bayrische Karneval wird durch den unverwüstlichen Münchener Kräglievuer Maxi vertreten sein, ebenso eine der Hauptstützen des Mainzer Karnevals, wird sich als Vogelsberger Bauer vernehmen lassen, daß die Narrenmetropole Köln nicht fehlen wird, erscheint eigentlich überslüssig besonders betont zu werden. Tie Wiesbadener Kappenbruder senden ihren besten Humoristen, genannt Reuter der 111 tc. Auch Coblenz und die urwüchsige Rheinländervereinigung Frankfurts bringen Interessantes aus der hessischen Residenz. Ludwigshasen als Kassel wetteifern um die Lorbeeren. Auch eine auswärtige Narrhallesin wird sich vernehmen lassen und der Pierettepcäsident Worm-Frankfurt hat sein aktives Wirken zu- gesagt. Weiter wird Gießens jüngücr und kleinster Karnevalist die Bretter zum ersten Male besteigen. Doch noch was Gutes steht in Aussicht, nämlich die Mitwirkung geschätzter Mitglieder des Stadttheaters, des Orchestervereins usw. — Ter Sitzung folgt ein rheinischer Bohnenball, auch sei gesagt, daß Toilette- Vorschriften nicht erlassen werden. Masten haben keinen Zutritt
Lanolins G.^eii.
A Harbach, 23. Jan. Unsere Beigeordneten- mahl findet nächsten Freitag statt. 'Außer dem bisherigen Beigeordneten, Landivirt Albert, will man noch den Landwirt Frei oufsteUcn.
A Utphe, 23. Jan. Die Wiesen zwischen den Utpher Rlühlen und Grund.Schwalheim bildeten seither eine große Eisfläche infolge der Uederschwemmung der Horloü Jetzt sicht man anstelle der EiSsiäche einen See.
Kreis Alsfeld.
Alsfeld, 23. Jau. Heute morgen nach 4 U brach in dem städtischen Archiv, das sich im Weinhau' befindet, Feuer aus. Eine nicht bedeutende Anzaht 1b > künden ist verkohlt und »vectloL geivordeu. Tic Ursache w.. darin zu suchen fein, daß em von dem Wachtlokal durch da- Archiv führender alter Kamin durchgebrannt mar und fcic Balkenlage Feuer gefangen hatte. Glucklicherweifc wurde das Feuer rechtzeitig bemerkt und gelöscht.


