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24/01/1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt l r Seiten.

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DasEndedesFrankfurter.Komödienhaus cs. Am Sonnlag übcitb brachte eine recht stattliche Besucherzahl dar Theater an der Konstabler Wache zu Grabe. Es war kein prunk volles, aber würdiges Leichenbegängnis, das man dem vorn Mir, gcschict stark bcimgesuchlen Thcatcrchen bereitete. Als Schluß Vorstellung gab man die letzte Erstausführung Paul Bourgeie Tribun". Es war ein eigenartiges .Zusammentreffen, daß dar Ende des Komödicnhauses ein Schauspiel begleitete, in dem bet Selb mit seinen Idealen an einem widrigen Geschick Schiffbrud erleidet. Bor Begum her Vorstellung hielt Herr Waldmann

Sin anonyme« Flugblatt und seine Zurückweisung.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Gießen, 23. Jan.

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sprechen.

Ich füge hinzu, daß es mir durchaus fern liegt, irgend eine Parteileitung für das anonyme, offenbar private Flug­blatt verantwortlich zu machen. Körte.

Korell in Bingen-Atz y nicht gewählt?

ch. Singen, 23. Jan. Die Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Bingen-Alzey hatte heute ein g ä-l z l i ch v e r - kommen bei der erneuten Zählung 12012 ©tim« ändertes Resultat. Für Becker (nationalliberal) men heraus, denen 12010 Stimmen, die der Fortschrittler Korell auf sich vereinigte, gegenüber­stehe n. Dieses neue Ergebnis wurde heute vom Kreis­amte fest gestellt. Ter Ort Steinbockenhei m hatte nach den amtlichen Feststellungen gestern für Becker zehn Stimmen zu wenig gemeldet, und Sprendlingen teilte heute mit, daß sich für Becker noch zwei Stimmen herausgezählt hätten. Korell war bekanntlich gestern mit 12 010 Stimmen gegen 12 000, die auf Becker entfallen waren, im Vorsprung.,-

Nach derFranks. Ztg." soll indes der äußerst seltene Fall eingetreten sein, daß sich für beide Kandidaten Stimmengleichheit, 12 010, ergeben habe. Danach müßte durch das Los der künftige Vertreter des Kreises be­stimmt werden.

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Eine Einzelheit deS Wahlkampfes bedarf noch einer kurzen Ausklärung: Am Sonntag abend wurde hier in den Häusern ein anonymes, vieldeutigdas Komitee' unterzeichnetes Flugblatt verteilt, in dem es hieß, da sich die Sozialdemokraten in Alsfeld-Lanterbach für Herrn Heck entschieden haben,w ollen die Wähler deS Herrn Anton Erkelenz, einschließlich der 3! a t i o n a l libe­ralen, dafür eintreten, daß im Wahlkreise Gießen-Grui, berg-Nid da die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Herrn Georg Beckmann, Gießen, zustande kommt, wollen, ihm als Vertreter einer kultursortschrittlichen Politik im Reiche durch rege Wahlbeteiligung zum Reichstags- Mandat verhelfe n." Ta dies Flugblatt in den Häusern der nationalliberalen Führer wohlweislich meist nicht ab gegeben war, erhielt ich erst Montag gegen Mittag von ihm Kenntnis. Eine so grobe Entstellung der Absichten der nationalliberalen Partei durste nicht unwidersprochen blei den, das einzige Gegenmittel war der sofortige Druck eines Plakats, bas natürlich ganz kurz gehalten wer­den mußte. Das Plakat trägt die Unterschrifti. N. Pro­fessor Tr. Körte", in der durch die Umstände gebotenen Eike ist zu i. N. der Zusatzd e s L a n d e s a u s s ch u s s e s" fortgelafsen worden. Ich lege Wert darauf, ihn hier nach- zutragcn, denn da die nationalliberale Vertrauensmänner Versammlung des Wahlkreises bekanntlich mit Rücksicht au| die Erklärung des Landesausschusses von der Ausgabe einer besonderen Stichwahlparole abgesehen hatte, war ich nur berechtigt, im Namen des Landesausschusses zu

Manier den Schüler des Hals kennzeichnet, und Thomas de Kejser mit einemJungen Mann mit Hund" in Ganzfigur und zwei Männerköpfen, die eine behagliche Tüchtigkeit aufweisen.

Tie Vlamcn zeigen ihre bekannte Gegensätzlichkeit zu den Hol­ländern Von Rubens ist ein Bildnis einer Tarne (vielleicht Helene Founnent, nach Bode ehe eine Schwester seiner zweiten Frau'« und ein Porträt des Malers Franz Franck vorhanden, von van Dyck ein Männerbildnis von-strcnger und delikater Fein- Kit, dos aber durch die Ausführlichkeit seiner Einzelheiten in der gefährlichen Nähe des Halsscheu Bildes eine gar zu kühle, in­tellektuelle Betonung erhält.

Auch unter den Genre- und Sittenbildern ist in dieser Samm­lung tast lauter hervorragend Gutes enthalten, und kaum einmal ist der malerische Gedanke von der Last des novellistischen Stosses erdrückt. B r o n w c r ist mit einer außerordentlichen, reichen kleinen Arbeit vertreten. Von Jan Steen sind fünf charakteristische Bilder da .darunter eine .KompositionTischgebet", die nicht nur von überzeugend realistischem Vortrag und malerischer Kraft ist, son­dern auch von einer innigen und erhebenden Einfachheit, die man bei ihm selten antrifft.

Eine ganz andere Rote bringt Terborchin seiner eleganten, vornehmen, maßvollen Sachlichkeit und dem kühlen, etwas deko­rativen Glanz seiner Gestalten, und noch weit voller klingt dieser Ton bei Gabriel Metsu, wo Ueppigkeit und Schönheit aus sinn­licheren Tiefen schwingen. Schon die Linien der Zeichnung bei einem Heinen BildSitzende Frau mit lauerndem Mädchen" sind von besonders reicher, rhnthmischer Bewegung.

Tie beiden O st a de und der Blame Senior» sind mehrfach vertreten, doch in der Auswahl der Bilder wertvoller erscheinen uns Vieler de H o o ck und Nieolas Maes. Von Hooch beweisen die beiden Interieurs seine große, säst mathematische Sicherheit in dem Einfall des Lichtes und der Verteilung der Figuren im Raum.

Unter den Landschaften ragt eine solckte Von Rubens in rotbraunen Tönen, die etwas Baechantisches hat, hervor. ^Jaeob R uysdaelsBlick von den Dünen aufs Meer" ।aus der Samin lnng Kann-Paris) nnrft verblüffend modern. Bon Albert Eui)p konnten wir vier großlinige, in Licht gerauchte landschaftliche Szenen zählen, außerdem drei andere Landschaften von Jacob Ruvs oael, zwei ron S. Ru ys d ai l zwei van Go Yen, eürn Potter, einen van de Capelle, zwei van de Velde, zwe, van de Neer, einen W » nants, einen Berckhyde.

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Das bereicherte 5taede!sche Institut.

8. 8. Frankfurt a. M., 22. Jan.

Turch die Ausstellung der Sammlung August de Ridders in kn Seitenräumen der Slaedclschen Gemäldegalerie hat diele eure irundervolle Ergänzung ihrer ohnedies schon wMvolleir hollanör- Kl-cn und vlämhchen Meister gefunden. Trotz des leb barten Wun- d-erf, daß minbeftend ein Dutzend dieser Brlder m den Be,land der hiesigen Galerie dauernd eingefügt werden möchten, lcheint roemg Aussicht für diese. Hoffnung vorhanden zu )em, da die Erben die ganze Sammlung laut Testament nur zusammen verkaufen land mindestens die Summe von sechs Millronen Mark beaniprucheu 'ollen. Immerhin dürfte aber die leibroeifc Ueberlaliung per wilder an das Staedelsche Institut iid) auf einige ^hre belaufen, was schon eine Befruchtung des geistig-kunstlerilchen Lebens der Stadt Frankffitt bedeutet. ,

Man kommt in diese Säle und ift nicht nur von dem großen Reichtum an malerischen Wetten überwältigt, die in.dicier nicht wehr als 89 Bilder enthaltenden Sammlung angebauft und, Ion dem auch überrascht von der Bollgültigkeit fast jedes einzelnen Bildes. Es ist eine wahre Lust, daß unter Auge, wenn es von dem einen Bild aus das andere gleitet, nirgends aus einen toten Punkt zu haften braucht, während sonst der erste Gang durch eine Galerie selbst mittlerer Größe nur eine Auslese Tür den 'vatereu Gewiß b»deuten kann. Diese Bilder sprechen für das sichere fimiv lcrische Verständnis und den ausgeprägten, malerilchen Sinn des früheren Besitzers, dessen Streben mehr auf ästhetische QualUar als auf Raritäten von rein historischem Reiz gerichtet war

Von den Holländern dominiert Franz H als mit^ dem datierten Bildnis einer Dame aus dem Jahre1634. Tiefes Bildnis, eine junge Frau int schwarzen Seidenbrokatgewand und weißer Halslrause darstellend, ist von einer für die bedeutendsten Werke des Künstlers charakteristischen, monumentalen Geschloffen heit und einer Knappheit der angewandten Mittel, die inan ndi nicht übertroffen denken kann. Tie dunklen, kühlen Farben des Gewandes und die lichten, kühlen Farben des grünlichen Hinter grundes geben den wenigen, warmen Tönen im Fleisch ein noch intensiveres Leben! Ans der Besonderheit des an sich nicht sehr bedeutenden Kopfes ist ein vornehmer Reiz gewonnen, und zugleich ist das Gefällige der Erscheinung in die ewige Ruhe des malerischen Zustandes gesteigert. Ein anderes Bild von Hals, eine alte Frau mit roten Wangen und prachtvoll gemalten Händen, ist trotz aller Ganzheit der Auffassung mehr porträtmäßig abgegrenzt. Neben diesen Werken erscheint ein Männerbildnis von Rem- br a n d t in leiden schaff! ich großartigem Stil und in lauter wannen Tönen von romantischester Subieltivität. Die wttße, im Hell­dunkel des Bildes goldiggelbe Halskrause ist ein Stuck wunder­voller Malerei, so durchsichtig und leuchtend, t>af- das Materielle der Farbe aufgehoben zu sein scheint. Ein Bildnis der Saskia als Flora tritt hinter diesem Kops zurück. Von den anderen holländischen Porträtisten ist Cornelis Verspronck mit einem lebendigen Männerbildnis tzervorzuheben, das in Haltung und

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im Namen £er Mitglieder eine kurze Ansprache, in der er die Gründe für die vorläufige Aufgabe des Theaters bekanntgab.

Berliner T he a t e r b r i es: Peter Nansen als Dra­matiker. Aus Berlin wird uns geschrieben: Als Peter Nansen vor 17 Jahren seine NovelleEine glückliche Ehe"' als erste poetische Gabe für Deutschland erscheinen ließ, konnte er in diesem zarten, ironiidjen und Wehmutig-lei chtsi nnig en Buch gleich ein kleines Meisterstück seiner Erzählungskunst bieten. Es war viel­leicht kein gtütflidfcr Einfall, der den seit vielen Jahren ver- tummten Dichter antrieb, aus diesem reizenden Werke ein Theater tück zu zimmern, das soeben in den Kammer spiel en des Deutschen Theaters zuerst gespielt wurde. Die Bühne bedarf stärkerer Akzente, die seinen Uebcrgänge des Buches sind ihr verschlossen. Die kleine Naney verliert im stiamkenlicht ihre sündige Unschuld und ihr armer, guter, nichtsahnender Gatte wird aus einem lieben, braven, vertrauensvollen Männlein zu jenem aufreizend dummen und lächerlichen Hahnrei. Und was für die einzelnen Gestalten gilt, wirkt auch auf die Gesamtheit. Der zarte Tuff der Novelle ist verflogen. Tie rauhe Tatsächlichkeit les Theaters fegt jene zarte Atmosphäre des allmählickicn Werdens hinweg und setzt an seine Stelle den wiederholten Ehebruch als sachlichen Inhalt der Handlung. Daß bei dieser schmerzlichen Metamorvhose keine Entgleisungen cintrcten, ist nur ein neues Zeugnis für den feinen (Veschmack Nansens. Es gab eilten freund­lichen Hetterkeffsersolg bei dem die Erinnerung an den einstigen Novellcndich'.er Ptter Nansen dankbar und wehmütig einklang.

Fridtjof Nansen, der berühmte Polarforscher, sprach gestern abend im Saalbau in Frankfurt a. M. über die Entdeckung Amerikas durch die Norweger und die Sagas von Vinland. An der Hand lehrreicher Lichtbilder brachte ,-r wertvolle Belege altnordischer Kultur. Trotzdem der Redner sließendes Deutsch sprach, war er manchmal in dem großen Saal schwer zu verstehen. Dem Gegenstand des Vottrags eittiprechend, war die Zahl der Zuhörer angemessen. Einen längeren Bericht über Den Vortrag lasten wir morgen folgen.

D i eWalküre" in katalanischer Mundart. In Barcelona hat unlängst der Asociaeidn Wagneriana einen eigenartigen Versuch unternommen. Sie führte nämlich den ersten Akt derWalküre" in katalanischer Mundart im dortigen Teatto Eran Liceo auf. Der Uebertragung ins Katalanische von Perm und Zanne lag ein italienischer Text zugrunde. Der Beifall ^.os Publikums war, wie dos B. 2 meldet, so groß, daß ein Teil des ersten Aktes wiederholt werden mußte.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Die Belgische Akademie der Medizin in Brussel .i nannte Professor Ehrlich-Frank snrt a. M. zu ihrem Ehrenmitglied. In Brüssel ist am Dienstag der Kunsthistoriker Henn Hymans, der durch seine Mrke über tic belgiicßc Kamst bekannt ist, ün ?llter von 75 Jahren ge- (t orben.

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lieber die NeichßkagSwahlen in Heffen.

schreibt uns noch unser Darmstädter Mitarbeiter:

bs. Darmstadt, 23. Jan.

Bei Schluß des vorigen Reichstag war Hessen ver­treten durck) drei National liberale, brm Sozialdemokraten, einen Zentrumsmann, einen Deutsch-Sozialen und einen Angehörigen der Reform/".rtei. In den neuen Reichstag sendet Hessen folgende Abgeordnete: drei Nattonalliberale, vier Sozialdemokraten, einen Fortschrittler und einen Teutsch-^ozialen. Das Gesamtbild der I;e s scheu Vertretung im deutschen Reichstag hat sich bemnad) nicht wesenttick) ticränbcrt. Die Sozialdemokratie hat zwei Wahl kreise ge­wonnen: Tarmstabt-Groß-Gerau unb Erb ach-Bens heim Beibe waren früher in uationalliberalem Besitz, ^ie hat dafür aber Friedberg-Büdingen an die Nationalliberalen abtreten müssen, die auch in dllsselb^Lauterbach gegen die Reformpartei siegreich luoren. Somit ist also burdi Fried­berg-Bübingen unb Alsfelb-Lauterbach ber Verlust von Tarmstabltttzroß-Gerau unb Erbach-Bensheim für bic Na­tionalliberalen ruieber wettgemachi. Die nationalliberale Partei barf mit bem Ausfall ber Reichstatzswahlen von 1912, wenn man bie Zahl ber Mcmbate berücksichtigt, sehr wohl zufrieben fein. Aber auch an ber ZahlderWähler haben bic Nationalliberalen beträchtlich zugenom- m c n. Konnten sie 1907 ihre Anhänger auf weit über 70000 zählen, so sind biesmal etwa 90 000 natio­nal l i v e r a l e Stimmen abgegeben worden. Tie ge­naue Zahl ist 86 078, aber dazu kommen noch die Stimmen von Gießcn-Nibda, die auf die fortschrittliche Kan­didatur Erkelenz entfielen.

Und doch wird man nicht überaN in den Kreisen der Nattonallibcralen auf den Wahlausfall mit Genugtuung blicken. Neben dem nominellen Erfolge hat die national- liberale Partei einen ideell sehr schmerzlichen Verlust er­litten. In Tarmstadt-Groß-Gerau ist ihr arbcitsfreudiger Führer Tr. Osann dem Sozialdemokraten unterlegen. Man wirb gewisse Grüube durchaus verstehen können, mit benen bic Fortschrittler hier ihren Haß gegen bie national- liberale Partei motivieren Ob es aber ein Zeichen großer politischer Klugheit war, ber Sozialbemokratie in biesem Maße Wahlhilfe zu leisten, barf man bezweifeln. Im ganzen Reiche sinb bie bürgerlichen Parteien, wo es nur irgenb anging, vereint vorgegantzen. Tie fortschrittlichen Führer haben bic Parole beS Han, ab und es unberück,ichtigt gelassen, sie haben and) bic Worte Friebrich Naumanns vom Tage vorher, bie eine Unterstützung Tr. Osanns empfahlen, über­hört unb sinb auch bem Vorschläge ber Berliner Zentral­leitung nicht gefolgt.

Die (Einberufung des deutschen Reistages.

Durch kaiserliche Kabinettsorder ist der neue deutsche Reichstag, über dessen endgültige Zusammensetzung ja frei­lich erst die letzten Stichwahlen am Donnerstag entschetben werben, zum 7. Februar nach Berlin cinberufcn worden. Roch wissen wir nicht, welche gesetzgeberischen Ausgaben ihm die Thronrede außer der Verabschiedung des Rcichshaus- tzalts für 1912 und einer Heeres und Flottcnvorlagc stellen wird. Die Regierung hat sich in daS größte Geheimnis gehüllt, unb was in der Wah.'zcit als kommende Aufgaben des neuen Reichstags von der Presse sonst noch bezeichnet wurde, stand völlig im Banne der Wahltaktik und Wahl- agitation. Tie Viwabschicdung des Reichshaushalts vor dem 1. April erscheint aus zeitlichen Gründen und zumal von einem neuen Reichstag nicht recht möglich, obwohl der Reichshaushalt ja bereits seit der zweiten Hälfte des Monats Tczcmber in seinen Gttinbzützcn bekannt ist. Man wird wahrscheinlich zu einem halbjährigen Etotsproviso rium greifen müssen und die andere Halste erst zu Anfang einer zeitig beginnenden Herbsttagung verabschieden. Gc- ldffeht solches also aus formellen Gründen, so ist es das : chr materielle Moment der Teckungssrage, das die .Heeres- und Flottenvorlage so lange in der Luft schweben läßt, bis üd) über die Deckung eine Mehrheit im neuen Reichstage einigt

Denn bie alte Regierungsmehrheit, die schon heute sehr gefährdet ist, wird nach den Sttchwahlen vom Donnerstag wahrscheinlich ausgehört haben, zu existieren. Rechnet man bod), daß im neuen Reichstag bie Konservativen nur 46, bie Rcickkspartci 13 bis 15, bic Wirtschaftliche Vereinigung nb Antisemiten 14, bas Zentrum 93 bis 95, bic Polen 19, bie Welfen 5, bie Elsässer 5, bie Lothringer 2 Abgcorbneic haben werden Das sind ziffernmäßig zwar 201 Abacord riete, also 2 über bic absolute Mehrheit, aber dabei besteht lunddift bie Voraussetzung, baß bie genannten Parteien am Donnerstag wirklich die ihnen allenfalls möglidieit Wahl- ersolge erzielen, und auch bann bleibt es bei 3 Mehrheits- l'timmcn lediglich eine Zufallsmehrheit. Aber nocki mehr: Im alten Reichstag vermochten Konservative, Rcichspartei- !er und Antisemiten (zusammen 105) mit den 103 Zcntrums- leuten eine kompakte Mttirheit xu bilden. Heute müßten sie dazu noch Polen. Welsen, Elsässer, Lothringer heran- ziehen, ivas wohl in einigen, aber nicht in allen Fällen moglick) ist. Namentlich nicht in nationalen Fragen, amf deren Durchsüyrung doch bic Regierung ben größten Sert legen muß. Hier taucht sogar durch Zusammengehen bes 95 Mann starken. Zentrums, ber Sozialdemokratie (103 bis 103) und aller ber obengenannten kleinen, antinationalen Parteisplitter bic Möglichkeit eines schwarzroten Blockes, also einer Mehrheit auf, die ben Ausbau deutscher Wehrkrast hindern unb Herrn v. Bcthmann veranlassen niüßtc, ben neuen Reichsatg aufzulösen oder sein Bündel zu s chnüren.

Ter kommende Reichstagßpräfidtnt.

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tie als stärkste Partei den Posten des ersten Vizeprä-I sidenten beanspruche. Der Abgeordnete Ticz soll für diesen Posten vorgeschlagcn werden.

Von den übrigen Parteien ist das Zentrum leer ausgegangen. Es hatte für Friedberg-Büdingen, Offen- bach-Tieburg, Worins-Heppenheirn und Mainz-Oppcnheirn Kandidaten aufgestellt, brachte aber keinen banon in bic Stichwahl. Ein Personenwechsel hat in Friebbera-Bübingen, Berlin, 24. Jan. Wie dieNationalztg." meldeti Alsselb-Lautcrbach, Darmstabt-Groß-Gerau, Erbach-Beus- auch dieTägl. Rundschau", baß die Sozi al d cm 0 kra-> heim und Alzey-Bingen stattgefunden.

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