Ausgabe 
18.12.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 298

Zweites Blatt

162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag-.

General-Anzeiger für Gberheffen

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jederzeit gern bereit sein.

K. K.

eingetreten, wie er tatsächlich erfolgt ist.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaklion:S-ÄS112. Teß-Adr.:AnzeigerGieben.

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ganze Länge a.Erlr.-Qual.ZM

Unübertroffen y istellungv. Kulturen i- iimfi v. Forimnkrnm L> temgen, Ausi» artüiiicgenSlttSlUl Ernst Steinhani

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stark in Anspruch genommen werden müssen. Man gab sich auch der Hoffnung hin, daß in verschiedenen Gegenden des Sprach­gebietes Zentralen erstehen würden, in denen das Material zu- sammenläuft. Viel versprach Inan sich von Vorträgen auf Lehrer und ähnlichen Versamnrlungen, wie ja auch schon der Sprachatlas der Riesenleistung der deutscher: Lehrer außerordentlich viel ver­danke. Zur Einrichtung solcher Vorträge ist die Leitung des Wörterbuches stets gern bereit. Schon in dieser Sitzung über­nahmen einzelne Herren beftintinte Bezirke, und so steht, zumal bereits jetzt dec 2lpparat über etwa 25 000 Wörter verfügt, zu hoffen, daß diese Arbeit nun einen regen Fortgang nehmen wird. Zur weiteren Lluskunit wird Herr Professor Dr. Wrede-Marburg

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Tie ..«ietzener 5-mittendlätter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das KrtisMlelt flr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eine Ausstellung der Reklame. Aus London wird berichtet: Run ist in Westminster, der mächtigen Halle der Gartenfreunde, die neueste Ausstellung feierlich eröffnet, eine Ausstellung, die in ihrer Art die erste ist, die je veranstaltet wurde, eine Ausstellung der Reklame. Der Laie, der nicht im praktischen Erwerbsleben steht und von den Methoden modernen Handelns wenig klare Vorstellung hat, sieht hier zum erstenmal,

Karl Schultze. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Karl Schultze, einer der letzten großen plattdeutschen Schauspieler aus der Zeit, da das niederdeutsche Drama noch eine Zukunft zu haben schien, ist am Sonnabend im Alter von 83 Jahren gestorben. Er, Lotte Mende und Heinrich Kinder waren die drei Großen, die eine ganz eigenartige Kraft hatten, die niederdeutsche Svrache zu behandeln und ihre Schönheit, Krast und Urwüchsigkeit auch einem nicht niederdeutschen Publikum zu übermitetln. Und als Karl Schultze im Jahre 1855 der niederdeutschen Komödie gar ein eigenes Theater errichtete, das nock heute unter dem Namen Karl-Schultze-Theater, allerdings als Sperettenbühne, besteht, gab er a 5 unermüdlich für die platt­deutsche Sache kämpfender 4,'ireitor der niederdeutschen drama­tischen Literatur kräftige Antriebe und verhalf ihr zu einer neuen Blüte. Es liegt in der Natur der Sache, daß das platt­deutsche Schauspiel seine wichtigsten Lebenskräfte aus der nieder- beut)d)en Schauspielerkunst ziehen muß Und wenn Karl Schultze auch nur einen ebenbürtigen Nachfolger gehabt hätte, so wäre der Verfall der plattdeutschen Komödie wohl nicht so schnell

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-gaben des Verwaltungsteils ans 73 652 661 Mk. Für Eisen- bahnzwecke wird diesmal mehr gefordert als 1912 und zwar rund 6 163 700 Mk. gegen 5 179 900 Mk. im Vorjahre. Ein­nahmen und Ausgaben des Vermögensteils halten sich mit 12 414 858 Mk. das Gleichgewicht. Ter Olefamtetat schließt mit 86 067 519 Mk. in Einnahme und Ausgabe ab.

Der Finanzminister verbreitet sich dann über die Einzel­heiten des Hauptvoranschlages. Unter der Hauptabteilung I, Reste aus früheren Jahren, ist der beim Abschluß der Staatsrechnungen des Etatsjahres 1911 verbliebene Rest von 424 188 Mk. Ein­nahmen und 2658 Mk. Ausgaben eingestellt. An sich beträgt der Einnahmerest 1836 702,93 Mk. mehr. Tie Hauptabtei­lung II, Domänen des Großh Hauses weist, bei 6 633 534 Mk. Einnahme .und 5 379 407 Mk. Ausgabe einen Ueberschuß auf von 1 254127 Mk. Er ist gegen 1912 um 53 271 Mk. ge­wachsen. Mit rund 38 000 Mk. entfällt dieses Wachstum auf den Etat der Kamera! und Forstdomänen, der Rest aus den der Weinbaudomäne fyt ohne Interesse wird es sein zu erfahren, daß die im la., enden Jahre geernteten Weine, besonders aus den trockneren und steinigeren Böden der Güter Nackenheim und Bingen, gute und leicht verkäufliche Mittelweine von angenehmer Frische, Nasse und Art zu werden versprechen. (Heiterkeit.! Die Haupt­abteilung III, Staatsdomänen, schließt mit einem Ueberschuß von 17 410 467 Mk. ab, ober 1 349 178 Mk. mehr als 1912 vor­gesehen. Das neue Kraftwerk L u d w i g s h o f f n u n g wird noch im lausenden Jahre in Betrieb genommen. Seine Einnahmen und Ausgaben sind in dem nunmehrBraunkohlen- und Kraftwerk Ludwigsboffnung" bc i.cllen Etat des Kapitels 7 a eingestellt worden. Es schließt mit einem Ueberschuß von 31 374 Mark ab, während für 1912 ein Ueberschuß überhaupt noch nicht gesehen werden konnte. Ten Erneuerungsfonds beider Anlagen sollen überdies 15 000 Mk. und 35 000 Mk. zugeführt werden, gegen 19 606 Mk. in 1912.

Tie Einnahmen von Bad-Nauheim sind weiter geftiegen und konnten deshalb um 149 000 Mark auf 1 740 000 Mark erhöht werden. Tie Ausgaben sind um 88 712 Mk. gestiegen und stellen sich nun bei einer Ab­lieferung an den Erneuernngsfends Bad Nauheim von 468 770 Mk auf 1502 862 Mk., s o daß das Bad einen Ueberschuß ergibt von 237 138 Mark.

Die Einnahmen für Bad Salzhausen sind mit 22 872 Mk. vorgesehen, die Ausgaben mit 60 010 Mk. Dieses Bad verlangt also einen Zuschuß, den Bad-Nauheim deckt.

Unter der Hauptabteilung IV: Lotterie, wird als Anteil Hessens an der von Preußen der hessisch-thüringischen Lotterie­gemeinschaft zu zahlenden Rente der Betrag von 804 450 Mk. vorgesehen. Ter Ueberschuß der Hauptabteilung V, Direkte Steuern, Regalien, indirekte Auslagen und Einnahmen ans ver­schiedenen Quellen, ist um 921 186 Mk. gestiegen. Unter den direkten Steuern erscheinen die Einkommensteuer mit 14 927 600 Mark ober 352 300 Mk. mehr unb die Vermögenssteuer mit 4 562 400 Mk. oder 21 100 Mk. mehr. Die Wandergewerb­steuer ist wieder mit 86 000 Mk. vorgesehen. Ferner erscheint hier noch der früher unter der Hauptabteilung XIIIVerhältnis zum Reich" verrechnete Anteil des Großherzogtums an der Ein­nahme des Reiches aus der Zuwachs st euer mit 20 000 Mk. Die Stempeleinnahme konnte man für 1913 mit 4 250 000 Mk. vorsehen. Hiervon entfallen allerdings 185 000 Mark auf die Novelle vorn 17. Juli ld. Js. Tie Erbschafts- und Schenkungs­steuer ist mit 536 000 Mk. angesetzt.

Unter den Ausgaben ist eine zweite Rate von 100000 Mk. zur Teckung der Kosten der Vorarbeiten für die Einführung des neuen Gemeindeumlagengesetzes und der erstmaligen Veranlagung nach dessen Vorschriften hervorzuheben ''die Kosten der eigentlichen Veranlagung werden von den Gemeinden später wieder ersetzt).

Ter Zuschuß der Hauptabteilung VI: Land stände ver­mindert sich gegen 1912 durch Wegfall von dort vorgesehenen einmaligen Ausgaben baulicher Art um 5290 Mk. auf 140 808 Mk.

Dagegen steigt der Zuschnßbedars der Hauptabteilung VII: Sta atsministeri u in um 14 050 Mk. auf 307 168 Mk. Zwar ist beim Ministerium selbst eine Ersparnis von 8384 Mark vorgesehen durch Umwandlung der dermaligen Ministerial­ratsstelle in die Stelle eines Vortragenden Rats und Wegfall der bisherigen ständigen Aushilfe auf dem Sekretariat, dafür werden aber bei dem Haus- und Staatsarchiv 20 660 Mk. mehr gefordert.

In der Hauptabteilung VIII: Ministerium des Innern sind die Anforderungen um 392 176 Mk. gewachsen. Die Einnahmen stellen sich jetzt auf 7 755 706 Mk., die Ausgaben auf 21003 568 Mark, der Zuschußbedarf sonach auf 13 247 862 Mk.

Eine Mehrforderung bei der Lokal- und Polizeiverwaltung von 40 714 Mk. setzt sich in der Hauptsache zusammen aus einem Mehr bei dem Kapitel Polizei von 12 000 Mk. unb einem Mehr

bei den Provinzialbirektionen unb Kreisämtern von rund 24 000 Mark. . .

Ter Etat der Landesuniversität hält sich t n den Grenzen der bisherigen Ansätze. Sein Zujchuß- bebarf wächst nur um 1171 Mk und beträgt jetzt 1 014 770 Mk. bei 1653371 Mk. Ausgab er: unb 638601 Mk. Einnahmen.

Bei ber Technischen Hochschule bleiben die Einnahmen mit 346 715 Mk. ungefähr auf der bisherigen Höhe 347 975 Mk., die Ausgaben dagegen steigen um 11 430 Mk. auf nun 782 730 Mk. Unter ihnen erscheint erstmals ein Kredit von 6000 Mk. für Lehraufträge über Flugtechnik. Der Zuschußbcdars beträgt nun 436 015 Mk.

Bei den Ghmnasien, Realghmnasien, Ober­real- und Realschulen, sow.e pädagogischen Semi­nare n sinkt die Einnahme an Schulgeld durch weiteren Rückgang der Schülerzahl um 38 053 Mk. Ter Staatszuschuß steigt hauptsächlich infolge dieses Umstandes von 996 306 Mk. in 1912 auf jetzt 1039 778 Mk.

Tie Kosten der Volksschulen steigen um 109 340 Mk. auf 2 939 870 Mk. Bei der sich ständig vermehrenden Zahl der Schulstellen muß mit einer erheblichen Steigerung des Be­darfs für die Tienstzulagen an Lehrer und Lehrerinnen und an Schul-Verwalter und -Verwalterinnen gerechnet werden. Die Kredite wurden deshalb um 70000 Mk. unb 15 000 Mk. auf 2 200 000 Mk. und 60 000 Mk. erhöht.

Auch sind in dem neuen Hauptvoranschlag erstmals Mit- tcI und zwar 10000 Mark zur Fortbildung der Volks schullehrer durch'Jnstruktionskurse, Rei­sen u s w. ausgeworfen, zunächst zur Einrichtung von Fort­bildungskursen in landwirtschaftlicher Naturkunde und in Biologie.

Die Hauptabteilung IX: Ministerium der Justiz weist ein Ansteigen des Zuschußbedarfes um zirka 96 000 Mk. auf. Er beträgt bei 2 556 801 Mk. Einnahme und 5 637 848 Mk. Aus­gabe, 3 081047 Mk. gegen 2 984 853 Mk. in 1912. Es mußte namentlich der Anschlag ber Einnahme an Gerichtsgebühren in Zivilsachen, der Entwicklung dieser Einnahme in der letzten Zeit entsprechend, von 1440000 Mk. auf 1370 000 Mk. herabgesetzt werden. Tie Schreib Hilfekosten steigen diesmal nur um 11 625 Mk. unb betragen jetzt bei sämtlichen Gerichten unb Staatsanwaltschaften 671 375 Mark.

Die Hauptabteilung X: Minister.nm ber Finanzen erforberte 1912 einen Zuschuß von 1 916 708 Mk : er beträgt jetzt 1 632 734 Mark, also 283 974 Mk. weniger. Ter Minberbedarf ist aber in Höhe von 252 248 Mk. nur scheinbar. Unter Kapitel 110 werben nämlich, um das Rechnungswesen zu vereinfachen, die bisher hier in dieser Höhe als eine Einnahme für die Staats- fchulbenverwaltung in Ausgabe vorgesehenen abgelösten Staatsrenten abgesctzt. Sie fallen damit bei der Staats­schuldenverwaltung in Einnahme aus, wodurch sich der Zuschuß­bedarf dieser Hauptabteilung um den glcfaKii Betrag erhöht. Der Rest der Verbesserung mit 31 726 Mk. entfällt auf verschiedene Kapitel.

Zur Hauptabteilung XI: Ausleihungen unb Staatsschuld sei zunächst der voraussichtliche Stand der Staatsschuld zu Beginn des neuen Etatsjahres angegeben mit 438 525 759 Mark. Ein Ver­gleich mit dem in der Denkschrift zum norjälyrigen Hauptvoranschlag auf den 1. 9lpril 1912 berechneten Stand der Staatsschuld von 435 543 834 Mark ergibt einen Unterschied von 2 981 925 Mark. Die Verzinsung ber Staatsschulb verlangt einen Betrag von 14 520 823 Mark. 1912 waren bafür vorgesehen 14 503 336 Mk. Für Tilgung sinb eingestellt zusammen 1 450 664 Mark. Daneben sollen an den Nestefonbs abgeführt toerben 323 752 Mark. Danach brauchen bie in einem bestimmten Rechnungsjahr bereitgestellten Tilgungsmittel vor Ablauf bes britteu auf den Bücherschluß fol­genden Etatsjahrs nicht effektiv verwenbet zu werben. Es ist vielmehr der Finanzverwaltung überlassen, barüber zu beschließen, ob und wann jene Mittel ganz oder zum Teil zu Rückkäufen von Staatsfchuldverschreibungen verwendet werden sollen, oder ob es vorzuziehen ist, daß ihr Betrag im Anlehensoll abgcschrieben wirb. Bei ber augenblicklichen Sage des Gelbmarktes ist es jeden­falls ridytigtr, die Staatsmittel liquid zu halten unb nicht fest- zulagen, zumal die flüssigen Staatsgelder int Augenblick unb voraussichtlich auch in kommenden Monaten sehr gute Zinserträg- nisse sicherlich meh-r als 4 Proz. liefern werden. Der Stand ber Landeskredttkassenschuld und ihr Zinsbedarf haben sich nicht geändert: sie erscheinen in dem neuen Hauptvoranschlag wieder mit 12 699 200 Mark und 444 472 Mark.

Die Hauvtabteiluna XII: Pensionen bringt diesmal einen Mehrbedarf von 36 230 Mark, veranlaßt in ber Hauptsache burdj die hier verrechneten Ausgaben auf gründ des mit dem 1. Januar 1913 in Kraft tretenden Reichs Versicherungsgesetz es für Angestellte. Dieses Gesetz belastet die Staatskasse Voraussichtlid) mit rund 30 000 Mark. Ter Zuschußbedarf stellt sid) im ganzen auf 3 682 554 Mark.

Hauptabteilung XIII: Verhältnis zum Reich, Die Matrikular- beiträge an das Reich und ber Anteil des Großherzogtums an

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in anschaulicher historischer Entwicklung, ben Werbegang ber Kunst ber Reklame. Unb er erhält zugleid) einen Eindruck von Der ge­waltigen Rolle, die diese schwierige und dabei doch verhältnis­mäßig junge Kunst int . Laufe von wenigen Jahrzehnten im modernen Geschäftsleben errungen hat. Ter Mann, der im Jahre 1658 zum erstenmal auf die Idee kam, in deut altehrwürdigenMereurius politieus" eine An­kündigung einrücken zu lassen, die wir als einen Urahnen unserer heutigen Inserate betrachten können, ahnte damals kaum, daß er indirekt der Schöpfer einer gewaltigen Reklameindustrie werden würde, deren Umsätze hunderte von Millionen, ja Milliarden int Jahre erreichen. Er hatte damals zum erstenmal in England eine Ware eingeführt, die er alsausgezeichnetes und von allen Aerzten gebilligtes chinesisches Getränk" anpries, dasvon den Chinesen Tscha, von anderen Völkern Tay, alias Tee" genannt werde. In der Nähe der Börse schenkte er in einem kleinen Zimmer dies neue Getränk ans, unb um mehr Kunben anzulocken, kam er auf den Einfall, die Zeitung zu benutzen. Aber ihren wirklichen Aufschwung unb ihre große Bedeutung erlangte das Reklamewesen erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, um dann in rastloser Ent­wicklung alle Erwerbszweige zu durchbringen. Heute schätzt man allein in England bie Zahl ber Menschen, die von ber Reklame- inbuftrie beschäftigt werben, auf über 100 000 Köpfe, und allein bie Jnseratenumsätze ber britischen Insel werben von Fachleuten auf jährlich zwei Milliarben Mark geschätzt. Erst spät hat man die volkswirtschaftliche Bedeutung der Reklame erkannt. In dieser Londoner Ausstellung kann man nun verfolgen, wie diese Kunst sich nicht nur ausdehnt, sondern auch verfeinert, wie ihre Mittel nicht nur größer, sondern auch wirkungsvoller werden. Ein Ver­gleich eines modernen Inserates mit einem vergangener Zetten, eine Gegenüberstellung eines modernen Plakates mit einem alten gibt ein ganzes, fast romanhaft anmutendes Kapitel Kultur­geschichte und zugleich ein Spiegelbild von der wachsenden Inter­nationalisierung bes Hanbels unb seines wichtigsten Hilfsmittels^ ber Reklame.

ff. Ein französisches Weinmuseum. Das berühdtte Städtchen Beaune in der Bourgogne soll ein Weinmuseum er­halten. Beaune, von jeher ber Mittelpunkt des gesegneten 2Beüu landes Burgund, ist auch ber Mittelpunkt für ben Weinhaudel, und dort toerben auch die Weinpreisegemache".

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42. Sitzung.

,, 1AO/X .... Darmstadt, 17. Dez.

Um 10,20 Uhr eröffnet Präsident Köhler die Sitzung unb macht yttttedunq, daß bie Abgeordneten des bayerischen Landtages an die Karniner cm Schreiben gerichtet haben, das den Dank des tanerifdjcn Landtages für die beim Tode des Prinzregenten cr- imesene Teilnahme ausspricht. Ter Finanzminister Hal d.e Absicht, über ben Hauptvoranschlag der Staatseinnahmen unb -Ausgaben für das Etatsjahr 1913 einen Vortrag zu hallen.

F inanzmini st erDr. Braun:

Bei einer früheren Gelegenheit konnte mitgeteilt werben, daß Ihnen künftig toteber bei Vorlage neuer Hauptvoranschläge münd- lüh über deren Slbschluß unb Inhalt und dabei auch über die allgemeinen Vortrag erstattet werden solle. Tas gleiche Verfahren war bis zum Etatsjahr 1902/03 bei uns und im Reick) wie in ben anderen Bundesstaaten üblich. Allerdings kann Ihnen dabei heute nur die Ueberfichl über die für 1913 veranschlagten Staatseinnahmen und -Ausgaben nebst Vergleich dieser Zahlen, mit denen des Voriahrs vorgelegt werden. Ter .vor^legte Entwurf des Hauvtvoranschlages für 1911 sah Ausgleich ber Verwaltungs-Einnahmen unb -Ausgaben vor, indem er bie Wirkungen eines zugleid) mit ihm übergebenen Vorschlags zur Aenderung ber Vorschriften über bie Tilgung der Staatsschuld unb über den Ausgleichsfonds in seinen Anschlägen -um Ausdruck brachte. Dieser Vorschlag wurde damals nicht weiter behandelt: die erwähnten Vorsehungen des Etatscntwurfes wurden nack) dem für 1911 verabschiedeten sogenannten Not-, lilgungsgesctz und nach den Vorschriften des alten Äusgleichsfonds- gesetzes geändert. Dabei ergab sich ein Etats Überschuß von 2070 274,41 Mk., der einem besonderen Fonds zur Verfügung der gesetzgebenden Faktoren, demRestefonds" zugeführt wurde. Der Abschluß der Rechnung 1911 ergab nun außer diesem Uebcr- schuß einen weiteren von 1836 702,93 Mk., der ebenfalls dem Restefonds zufloß. Aehnlich loie 1911 werden sich, soweit über­sehbar, aud) die VerlMnisse des Etatsjahres 1912 gestalten. Hier wies ber Entwurf des Hauptvoraiisdstags einen Ueberschuß von 429 743,10 Mk. auf, der sid) bei den Verhandlungen in den Kammern auf 451815,10 Mk. erhöhte. Ter endgültige Haupt- voranschlag zeigt einen Ueberschuß von 2 175 673,94 Mk., indem ebenso wie in 1911 die in dem Entwurf vorgesehenen Wir­kungen des neuen Entwurfes eines damals neu vorgelegten Til- gungsgesetzeS ausgesclraltet unb zum Ersatz bie Tilgungssnnimen, die nach dem Notgesetz von 1912 erforderlich waren, sowie die Be­träge eingestellt würben, die nad) den Vorschriften des alten Ausgleichsfondsgesetzes bercdmft waren. And) hier wird die Rech­nung nock) einen weiteren Ueberschuß erbringen, der sid; zurzeit auf etwa 930 000 Mk. veranschlagen läßt.

Auch bet Ausgleichs- und Tilgungsfonds zeigt ein ähnlid)es Bild. Bei Aufstellung des Hauptvoransch/ages 1911 mußte an­genommen werden, der Fonds mürbe - in biefem Jahre aufgezehrt werden. Tie stark ansteigenden Eisenbahneinnahmen brachten aber, trotzdem ihnen nach dein früheren Ausgleichsfonds- gesetz der hohe Betrag von 3 500 000 Mk. zur Deckung von Vcr- waltungsausgaben entnommen werben mußte, bem Fonds in 1911 einen Zufluß von mnb 1938 300 Mk.: in 1912 werden sie ihm voraussichtlick) mindestens 1 432 000 Mk. znftihren. Der Fonds, dessen gesetzlicher Höchstbetrag nad) Artikel 9 des neuen Tilgungs- gesetzes vom 17. Juli lausenden Jahres 8 000 000 Mk. beträgt, wird dann Ende 1912 vermutlich einen Bestand aufweisen von ruub 5 707 800 Mk

Die direkten Steuern weisen ein Mehr von rund 373 400 Mk., der Stempel ein Mehr von 370 000 Mk., die Holz­gelder ein Mehr von über 40 000 Mk. Die im Ausgleichs- unb Tilgungsfonds gebundenen Eisenbahnei»nahmen konnten mit scist 1 230 000 Mk. mehr vorgesehen werden. Bei den Aus- alibeansd)lägen zeigen sich die Wirkungen der Verein- fach n n g s b e st re b n n g e n und E r s p a r n i s in a ß n a h in c n. . Das starke Ansteigen der Schuldzinsen hat für 1913 nachgelassen, ebenso das starke Ansteigen der Gehalte und Schreibhilfekosten. Auch die Ergebnisse der Beitreibung der direkten Steuern in den letzten Jahren lassen hoffen, baß mit bem bisherigen Kredit für Ausfälle usw. ausgereicht werben kann trotz höherer Veran- I schlagung ber Einnahmen Der neue Etat schließt mit einem in den Restesonds fließenden Uebersdftiß von 2 071 947 Mk. ab. Verglichen mit beim vorher erwähnten Ueberschuß des laufenden Etats von 2 175 674 Mk. ergibt sich, rein äußerlich betrachtet, allerdings keine Besserung. Es erscheint vielmehr rechnerisch eine Verschlechterung von 103 727 Mk. und bei Berücksichtigung der schon in den neuen Etat eingestellten, für die Gehaltsaufbesse­rung ber Beamten usw. bewilligten Einnahmen sogar eine solche von rund 500 000 Mk. Für das Verhältnis zum Reich ist angenommen, daß für die Bundesstaaten an die Reichskasfe mehr als 80 Pfg. auf den Kopf der Bevölkerung auch ferner nicht zu leisten sind. Insgesamt stellen sick) die Einnahmen wie die Ans-

vom Hessen-Nassauischen Wörterbuch.

Die König!. Preußische Akademie der Wissensck)aftcn in Berlin hat in ihrer Festsitzung vom 24. Januar zur Feier des 200. Ge burtstages Friedrichs des Großen beschlossen, der Vorbereitung eines Idiotikons für Hessen-Nassau näher zu treten und sich mit Aniversitätsprofessor Dr. Wrede in Marburg in Verbindung gesetzt, der sich bereit erklärte, die Leitung eines solchenHeften- Rassauischen Wörterbuches" zu übernehmen. Nach längeren Vor­bereitungen hatte nun Professor Dr. Wrede, der seine Tangkeft fortab zwischenDem Sprachatlas des deutschen Reiches' unb km Wörterbuch teilen wird, am 1. Tezember eine Anzahl ihm I bekannter Herren aus Hessen-Nassau in die Raume des^prach- allas" zu Marburg zu einer Besprechung geladen Es waren etwa 20 Herren aus allen Teilen des Gebietes anwesend, unter ihnen Geheimrat Prof. Dr Vogl-Marburg und Geheimrat Prof. -tr. Ar haghel- Gießen. Professor Wrede gab noch einmal in großen Zügen einen lleberblitf über das geplante Werk, tote es ähnlich jetzt in Bavern gefördert werde und in Württemberg im ernt sieden sei Für Preußen habe die Akademie der Winenichaften bereits ein rheinisches Wörterbuch in Angriff genommen, das in Aonn'bearbeitet werde und dessen 2lpparat bereits etwa ' _> Million »Zettel auf weise. Ost- und Westpreußen sowie Hesien-Naiian wlltcn nun hinznlomnien. Nad: längerer Beratung habe man sich ent­schlossen, das Wörterbuch nicht nur auf bie ganze Provinz aus- I zudehnen, sondern and) die h ess, s ch e P r ovl n z O ber hes > en imö ben Krei s Wetzlar mitl)inetnzubezieh-n, ,o daß nd) em * äußerlich schön abgerundetes Gebiet ergebe. Schwieriger sei schon die Frage dec dialeltischen Zusaimnenhünge, ba bie heutige Dialekt­geographie im wesentlichen noch Lautgeographie )ci unb man von der Wortgeographie iwch wenig wisse. Borlaung tollten icdoch solche Fragen noch völlig außer acht getanen unb lediglich der Korlsd-atz des Gebietes gefainmclt werden, -lurd) bie vorhandenen üIdiotika sei schon einigermaßen norgcarbeitet. Auch icr hier Md da schon van privater Seite gesammelt worden, -tiqe privaten Gurnnlungen sollten nun in jeder Weise unterstützt unb gerorbert terden und falls die Sammler ihr Material abtreten, ihr Autor­recht in jedem einzelnen Fall aufs strengste gewahrt iuerben.

Bei einer sich anschließenden Besprechung von Organisations- fragen wurde betont, baß Presse unb Vereinstätigkeit zur För . Leimig bes von rcinftem Idealismus getragenen Werkes möglichst

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Mittwoch, 18. Dezember 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universuäts»Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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