Zweites Blatt
Nr. 95
162. Jahrgang
Erscheint HgUch mit Ausnahme etil Sonntag».
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Bald wurden im Süden der Stadt Gewehrfeuer und
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Starkenburg und Nheinhessen.
unter
Bayerischen
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ter-rama in 3 Atter», ersten Ranges.
tle „-letzener Zamlllenblätter" werten bem .Anzeiger' viermal möchenllich deigelegt, da» „KrtUblah für den Krell «legen" iroetmal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
M. Klein-Steinheim, 22. April. Zu Frau T., derer Mann in der Landesirrenanstalt in Hofheim untergebracht iit, iair ein Unbekannter, der sich als Beamter der Anstalt ausgab und der Frau die Botschaft von dem plötzlichen A b l e b e n i h r e s Mannes brachte. Er ftagte die Frau, ob sie ihr^i 'Kann in seiner Heimat beerdigen lassen wollte. Als die Frau erklärte, daß sie ihren Mann in Kletn-Lteinheim beerdigen lasien wollte, machte sie der Unbekannte darauf aufmerksam, da»; dadurch eine Ausgabe von 24 Mk. entstehe, die sofort bezahlt werden müsse. Tie Frau händigte daraufhin die 24 Mk. aus und traf die Vorbereitungen zu dem Leichenbegängnis. Tie Verwandten wurden von bem Tode benachrichtigt. Die Frau begab sich schließlich zur Bürger-
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« (trage 7. Expedition und Verlag: ea® 5L Redaktion:^-«112. Tel.-Adr^AnzeigerGieben.
Dienstag, 25. April <9(2
R-fationßdrurk und Verlag der vrühl'schen Unuxrfuät» - Buch- und 6teinbmdereL R. Longe, Dießen.
L)eer und Flotte.
Bon bet frauzöfifcyen Flotte.
Paris, 22. April. Eine amtliche Mitteilung besagt: Vom 1. Mai wird Admiral be Sabel) re re unter seinem Befehl eine Kriegsflotte vereinigen, bie aus 12 PanzerfchiNen, darunter »echs Dreadnoughts, einem leichten Geschwader uiid »cchs grotzen Panzerkreuzern, 30 Torpedojägern, 2 Sprengminenschiften,^5 großen .ln- griffsunterseebooten und einem Begleitkreuzer für Flugzeuge und Unterseeboote bestehen wird. Unter dem Befehl Laveyrere werden dann zwei Vizeadmirale, zwei Kontreadmirale, sowie 600 andere Offiziere und 18 000 Mann stehen. Es ist dies das erstemal, daß in Frankreich eine solcheStreitmacht ständig einem Admiral anvertraut wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 23. April 1912.
Gemeindcbodcnpolitil.
Tie hohe Bedeutung, die eine vorausschauende Bodenpolitik für eine Gemeinde hat, zeigt ein Vortrag, den Oberbürgermeister Wagner aus Ulm im diesjährigen Ferienkursus des Bundes deutscher Bodenrcsormer gehalten hat. Tie Bodenpolitik der Stadt Ulm ist schon lange als mustergültig bekannt: Oberbürgermeister v. Wagner führte barüber aus:
Ulm hat schon frühzeitig die fi n a n z w irt sch a ft l i'che Bedeutung von kommunalem Grundbesitz erkannt und korrigierte daher den kommunalen Grundsatz, daß man vornehmlich den Geldgrundstock stärken müsse. Ter Geldwert sank, der Boden- Preis aber stieg ständig, und die Gemeinde, die über viel Grund und Boden verfügt, macht nicht nur ein gutes Geschäft, sondern ist auch in der Sage, den Bodcnpreis später zu regeln und ihn der Spekulation zu entziehen. Ulm hat seit 1891 ständig mehr Gelände erworben als verkauft, zuletzt den gesamten Festungs- Wall. In diesen zwanzig Jahren erwarb es für 12 Millionen Mark und veräußerte insgesamt für 10 Millionen. Vier Fünftel des gesamten Baugeländes sind jetzt im Gemeindebesitz, und bei Veräußerungen wird jeder Spckulalionsmöglichkeit vorgebeugt. Tie herrschende Stellung der Gemeinde auf dem Siegenschastsmarkl gewährt ihr völlig die Möglichkeit, den Bodenpreis zu regeln. Tas geschieht besonders unter Berücksichtigung der Vermeidung jeber roeiteren Mictsstcigerung. Trotzbem verdient die Gemeinde jährlich eine halbe Million an Grundstücks- käuscn, und dieser Verdienst ermöglicht ihr, mit 41 Prozent Kommunal ft euer und 6,1 Prozent Gewerbesteuer auszukommen, trotz des Fortfalls der Schlachtsteuer und der gestiegenen Gehälter und Söhne. Tie Stadt kennt aber auch eine rationelle Bodenverwertung. Sie hat sich Wasserkräfte für Elektrizitätswerke frühzeitig gesichert. Ihre Grundwasserversorgung, ihre Friedhöfe, Schulhäuser, Krankenhäuser, Kirchen und Straßenbahnen konnten ebenso auf Gemeindegelände errichtet werden, wie eine Müllverbrennungsanstalt und eine Badeanstalt. Tie Verso r- gung der gesamten Gemeinde mit W a r m w a s s e r, sowie die Schaffung von Sport- und Spielplätzen steht in Aussicht. Tabei wird die Stadt von einem doppelten Wald- und Wiesengürtel umschlungen: sie kennt keine Hinterhäuser und in der Regel nur die dreistöckige Bauweise. Tie Bauabstände sind größer als das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß, und so weit Baulinien entworfen werden, gilt für sie als oberste Richtschnur die Beobachtung künstlerischer und hi)gienisck)er Gesichtspunkte.
“r SuPPen und reuzstenv‘
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Kanonenschüsse hörbar. Um 9 Uhr abends waren die Berichterstatter von einer Kompagnie Tirailleurs befreit, die sie zur Gesandtschaft führten. Rach und nach befreiten die Tirailleurs auch die übrigen Franzosen. Tie französischen Opfer des Aufstandes wurden am 18. April bestattet. An» Mittag dieses.Tages begann die Kanonade von neuem im Norden der Staot. Die Meuterer wurden durch Geschützfeuer in die Flucht gejagt.
Aus Fez vom 18. d. M. wird gemeldet, daß die Aufrührer die Häuser der Franzosen sorgfältig mit Merkzeichen versehen hatten und das; nur Franzosen n i e d c r g e m c tz e l t wurden Von anderer Seite wird berichtet, das; auch vier Spanier, darunter ein Arzt, vermißt werden, die wahrscheinlich während des Aufruhrs den Tod gefunden haben.
Tanger, 22. 2lpril. Ein Drittel des Stadtviertels Mellah in Fez wurde während der Meuterei in Brand gesteckt. 50 Seichen von Juden wurden aufgefunden. General M o i n i e r befindet sich im Lager von Tardebibagh. Alle Tore der Stadt sind von französischen Truppen besetzt. Die Ruhe dauert an.
Wie aus Elks ar gemeldet wird, zeigt sich nunmehr auch unter den scheri fischen Truppen in Suk el Arba eine bedenkliche Gärung Die französischen Osfiziere haben Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Aus Tau rirt wird gemeldet, daß in den letzten Tagen von den Marokkanern zwei französische Soldaten getötet wurden, die als Sagerwachtposten aufgestellt waren.
Nach einer Havasmeldung aus Tanger wurden bei der Plünderung des Juden Viertels in Fez an lOOJuden getötet. Tie Zahl der verwundeten Juden sei sehr beträchtlich und das Eiend unter diesen sehr groß.
Wie der „Petit Parisien" aus Tanger meldet, belauft sich die Zal)l der in Fez getöteten französischen Osfiziere und Unteroffiziere aus 3 0. Unter den von den Aufrührern niedergemachten Zivilisten befinden sich der Berichterstatter des „Matin" B r i n g a u, sowie dessen Frau. Sie wurden von den Meuterern überfallen, als sie in Gesellschaft des Militärdolmetschers Re- nau und des Kaufmanns Bengie beim Frühstück saßen. Auch die beiden letzteren wurden niedergemetzelt.
Der „Matin" teilt mit, daß seinem Sonderberichterstatter vom Gesandten Regnault verboten worden sei, irgendwelche Meldungen mittels Funkentelegraphie abzu- fenben, er habe nur telegraphieren dürfen, daß er sich noch immer in Sicherheit befinde, was recht beunruhigend klinge. Das Blatt schreibt weiter:
,Tie Nachricht von der Niedcrmetzelung der iranzösttchcn Offiziere und Zivillisten Hal in der öffentlichen Meinung eine tiefgehende Bewegung hervorgerttfen. Tie Regierung Hal geglaubt, den Gesandten Regnault beglückwünschen zu müiien. An wen wird sie ihren Tadel richten? Es sind schwere gehler begangen worden. Tie Niebermetzelung unserer^andsleute hätte cermicben werben können. Die französischen gruppen |inb £ur Befreiung der bebrohten Europäer am 21. Mai v. I». in <yej eingetragen. Seit 11 Monaten sind die Franzoien Herren der Stabt- Was ist seither zum Schutze unserer Sandsleute ge,chehen?
in
scheu
Sandtrcis Gießen.
w. Daubringen, 22. April. Arn Samstag nach mittag wurde die Seiche des Kaspar Schäfer- Mainzlar aus der Lumda zwischen Mainzlar und Täublingen heraus geholt. Er war am Freitag abend um 9 Uhr in Taubringen und ist auf dem Heimweg in die Lumda geraten. Es war ein Veteran von 1866 und 1870.
= Grünberg, 21. April. Zu seinem ersten Teko- rierungssest hatte der Vorstand des hiesigen Zweigvereins des Vogclbergcr Höhenklnbs gefteni abend seine zahl- reich^erschiencnen Mitglieder in bie Turnhalle eingeladen. Ter mit Taimengrün prächtig geschmückte Saal iinb die »ast allgemein getragenen Touristenanzüge gaben bem Abend so recht den Cha ratter eines Wandersestes, das zu verschönen und auszngeitallen. hiesige unb auswärtige Tarnen und Herren mit Erfolg bemüht waren. Vorträge auf bem Klavier, der Zither, musikalische Darbietungen ber CuartettDcreinigung, Solo und gemeinsame Gesänge, soivie das wohleinstudierte Singspiel „'s falsche Fensterl" bildeten bas reichhaltige, gut durchgeführte Programm. Ten Willkommen grüß an bie Festteilnehmer entbot ber 1. Vorsitzende, Rektor Angclberger, rvährenb Apotheker Schäfer die folgenden neun Mitglieder dekorierte: Frau und Herrn Rechtsanwalt Beil stein, Frau und Herrn K. Jöckel, Frau TruckereiüesitzerRoben, Aktuar Langsdorf, Lehrer Bender, K. Seisart und Rektor Angel- berget.
Krcis Lauterbach.
+ Schlitz, 22. April, ^mz nau, Ostern wurde mitgeteilt, daß die Zigeuner wieder im Schlitzerland und in den angrenzenden preußischen Waldgebielen ausgeiauchl seien. Daß dies tatsächlich der Fall war, beweist^ein roher, Dermegcner Raubanfall, den am vergangenen Sonntag nachmittag Zigeuner in nächster Nähe des benachbarten Torfes Sandlofs ausgeführt haben. Ein junger Ivjähnger Bursche, namens Schmidt, der in Großen Moor, einem nahen preußischen Ort, als Dienftknecht beschäftigt ist, hatte seine Eltern in Sandlofs besucht unb machte sich gegen 4 Uhr nachmittags auf ben Rückweg. Kaum war er einige Schritte in den etwa 200 Meter von Sandlofs entfernten Wald hinein gegangen, als plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, 2 Zigeuner unb 2 Zigeunerweiber vor ihm aufiauchten. Mit drohend vor- gehaltcnem Revolver entrissen sie ihm ein Bündel frische Wäsche, das er in der Hand trug, und die er sich zu Hause geholt halte. Sodann plünderten sie ihm sämtliche Taschen und schleppten ihn schließlich weiter in ben Wald hinein. Dort zogen sie ihm Rock unb
feine neuen Stiefel mitsamt den Strümpfen aus, und mis handelten ihn derart, daß er bewußtlos zusammenbrack). Als er gegen Abend wieder zum Bewußtsein kam, war von den Zigeunern natürlich nichts mehr zu sehen. Mühsam schleppte er sich dann wieder nach Sandlofs zurück. Tie eingeleitete Verfolgung blieb, wie wir es gar nicht anders wissen, erfolglos. — Die Empörung und Aufregung über diese niederträchtige Tat des Zigeunergesindels ist im ganzen Schlitzerland außerordentlich groß. Man glaubt in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzt zu sein, wo „Schinder Hannes" und feine Bande das Land in Aufregung erhielt. Tas Gefühl ber Unsicherheit ist so groß, baß mancher Bauer sich fürchtet, zum Heimschaffen bes Brennholzes in ben Walb zu fahren. Tas )inb doch gewiß Zustände, die man in einem geordneten Staatswesen eigentlich nicht für möglich halten sollte. Nur, wie sck>on öfters betont wurde, durch ein planmäßiges gemeinsames Vorgehen der hessischen unb preußischen Behörden wird es unter Zuziehung militärischer Hilfe möglich sein, diesem schon wochenlang dauern - den bei)piellos frechen Treiben ber Zigeunerbanben ein Enbe zu bereiten.
Kreis Schotten.
△ M ichelbach, 21. April. Tas Bezirkskrieger-- feft des Hassia-Bezirks Vogelsberg findet am 1., 2. unb 3. Juni statt. Zugleich begeht ber hiesige Kriegerverein bas Fest der Fahnenweihe. Als Festplatz dient der schön gelegene Sugrain.
Kreis Friedberg.
rm. Friedberg, 21. April. Die Sterbekasse des Hessischen Sandesgewerbevereins unb bes Ver- banbes beutscher Gewerbevereine hielt ihre Vertreterversammlung heute unter dem Vorsitz des Stadlo. S a m e s - Darmstadt im Hotel „Drei Schwerter" hier ab. Ter Geschäftsführer der Sterbekasse, Syndikus E n g el d a ch- Darm stabt, erstattete ben Verwaltungsbericht für 1911, aus dem hervorgeht, daß ber Stand ber versicherten Kapitalien am Ende des Jahres 1911 673 960 Mk. betrug. Im Berichtsjahr sind neu zugegangen 52 Mitglieder mit einem Versicherungskapital von 36 500 Mk., abgegangen durch Tod und andere Ursachen 40 Mit- glieber mit zusammen 19 540 Mk. Tie Mitgliederzahl betrug Ende 1911: 1169. Die Jahresrechnung schließt mit einer Gesarnt- einnahme von 51 268 Mk. und einer Gesamtausgabe von 49 205 Mark ab. Ter Vermögensbestand betrug nach dem Kurswert Ende Tezember 1911: 130 051 Mk. und hat sich im Berichtsiahr um 12 627 Mk. vermehrt, der Reinüberschuß beträgt 5067 Mk. Tem Geschäftsführer wurde, ebenso wie dem Vorstände aus Antrag des Sparkassenknotrolleurs Haas-Gießen Entlastung erteilt. Von dem Ucberschuß wird den Mitgliedern ein Monatsbeitrag zurückvcr- gütet, der verbleibende Rest wird einem Gewinnausgleichungsfonds überwiesen, ber ben Zweck hat, auch in weniger günstigen > Jahren den Erlaß von einem Monatsbeitrag zu ermöglichen. Ten hessischen Mitgliedern steht weiter die Provision aus Haftpflichtversicherung mit 620,91 Mk. für kommende Jahre zur Verfügung. Hierauf erfolgte bie Neuwahl des Vorstandes, des erweiterten Vorstandes, sowie des Prüfungsausschusses mit Ersatzmännern. In den erweiterten Ausschuß wurden an Stelle aus- geschiedener Mitglieder und Ersatzmänner neu gewählt: Ehr. Adler- Viernheim, Wilh. Preiße-Beerselden, Jak. Lang-König, G. K. Schmidt-Worms, Ehr. Geiß-Büdingen und Fr. Schmelz-Erain- felb. Als Ersatzmann wurde in den Prüfungsausschuß neu gewählt: I. Benz-Arheilgen. Ein Antrag Walther-Michelstadt auf Rückvergütung ber Hälfte des Sterbegeldes an 60jährige Mitglieder wurde nach eingehender Besprechung, nachdem bie Undnrchiührbar- feit bargetan, abgelehnt. Neue Ortsrechnerbezirke wurden geschafsen in Forchheim, Wiesbaden, Gau-Ldernheim, Reichelsheim i. L., Tieburg, Rüsselsheim, Gaildorf, Herbrechtdingen, Grenzhansen, Erainselb und Lampertheim. Nach gemeinsamem Mahle wurden die Bade- und Trinkkuranlagen von Bad-Nauheim besichtigt.
§ Staden, 22. April. Am "i. und 8. Juli jinbet hier das Bezirkskriegsrfest des Bezirks Altenstadt
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
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,b bei reichster swahl gewöhnlich n Preisen
lders auf unser diet Schlager - Prvgrami rlsam.
Ursprung und verlaus der Erhebung in IHarotfo.
Ter mit dem Gesandten Regnault auSgeiandte Sonderberichterstatter der „Agence Havas", der bei den Unruhen in Fez glücklich entronnen ist, ließ von einem eingeborenen Postboten eine Tepesche an die Küste befördern, worin es heißt:
Etwa 30 eingeborene Soldaten begaben sich am 17. April, mittags, zu El Mekri und legten heftig gegen die geplante Verkürzung des Soldes, sowie gegen die Einführung von Tornistern Verwahrung ein. llebrigens war ihr Sold erhöht, und die Einführung von Tornistern niemals geplant. Vier Soldaten wurden auf ihr Drängen vom Sultan empfangen, der ihnen Ruhe anbefahl. Sie gingen darauf weg und gaben das Zeichen zum Auf stände, indem sie ihren Hauptmann töteten. Der Aufstand begann in der Kasbah von Cha- rarda und griff auf andere Tabors über, mehrere französische Jnstruktionsoffiziere wurden ermordet. Tie meuternden Soldaten nahmen im Verein mit Leuten aus der Bevölkerung einigcvondenFranzosen bewohnte Häuser ein. Tie Bewohner wehrten sich heldenmütig. Drei Telegraphenbeamte verteidigten sich von 2 b.s 6 Uyr nachmittags gegen etwa 60 Eingeborene urtb wurden schließlich ermordet. Ihre Körper wurden mit Petroleum begossen und verbrannt. Ein Franzose wurde nach fünfstündigem Vertcidigungskampse mit seiner Familie vondern KaidderMochuar gerettet. Inzwischen wurden die Vertreter der „Agence Havas", des „Matin" und der „Depeche Moroccaine", die in einem Hause eingeschlossen waren, von btm Scheriff der Uezzan davor gewarnt, sich zu zeigen. Die Gesandtschaft sei benachrichtigt und werde ihnen eine Bcglci.truppe senden. Indessen ging der Ausstand weiter. S ch e r i f i s ch e Soldaten zogen umher und trugen an den Spitzen ihrerLanzen die Häupter und Eingeweide von Europäern. Frauen feuerten die Aufrührer
München, 22. April. Tas Kriegsministerialblatt oerostent licht bie. Ernennung des Generalleutnants v. Martini, ehemaligen Stommaiiocur5 ber G. Division, unter Beförderung zum General ber Infanterie zum Kommandierenden General des 2. Armeekorps unb die Ernennung bes Generalleutnants v. Lylander, ehemaligen Ehefs bes GeneralftdbeS der Armee, VerleiAmg des GroßlumturkreuzeS des Verdienstordens der ischen Stone, zum Kommandanten ber 6. Division,
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"ZumJubiläum des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm. Am vergangenen Sonntag fand unter Leitung der Kameraden Kauzleirat Jäger und Hausverwalter Volz aus Gießen wiederum eine Versammlung ehemaliger 116er in Herbstein statt, die aus 15 Orten von 50 Vertretern besucht war; die Besucher traten der neugcgründeten Vereinigung für den Amtsgerichtsbezirk Herbstein bei. Zum 1. Vorsitzenden wurde Gasthofsbesitzer Ganß in Herbstein, zum 2. Vorsitzenden Kamerad Stock aus Steiufurt, zum Schriftführer Büraermeister Rahn aus Rixfeld und zum Rechner Bauunternehmer Schaub zu Herbstein gewählt.
** Neue Zugverbindungen. Man schreibt uns: Es ist den Bemühungen des Reichstagsabgeordneten D r. Werner gelungen, den Wünschen zahlreicher Bewohner des Lumdatales bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten Erfolg zu verschaffen. Zum 1. Mai treten nämlich folgende Veränderungen im Fahrplan ein: G r ü n b e r g ab 4.40 Uhr früh, Lollar an 5.46 unb Gießen ab 5.38 nachm., Lollar ab 6.10, Grünberg an 7.22 nachm. Außerdem ist noch ein Abendzug vön Grünberg ab 7.35 nachm. nach Gießen an 8.56 über Lollar vorgesehen. Ter jetzige Zug 1041 Grünberg, ab 10.02 nachm., wird mit dem entsprechend später gelegten Zug 1043 — künftig Londorf ab 10.42 nachm. — zu einer durchgehenden Abendverbindung nach Gießen über Lollar zusarnmengescklossen. Ter bisherige Zug 1044 — Gießen ab 8.30, Londorf an 9.20 nachm. — wird 70 Minuten später gelegt, so daß auch eine spätere Abendverbindung von Gießen nach Londorf hergestellt wird. Leider hat sich eine Verlegung dieses Zuges aus eine noch spätere Frist (Anschluß an den Zug 711 von Gießen, ab Lollar) mangels eines ausreichend nachgewiesenen Bedürfnisses nicht erreichen lassen.
•• Der K onzertverein hat für das Sommerhalbjahr noch zwei besondere Konzerte — in der Reihe des Abonnements das neunte und zehnte — reserviert, bie außer- gewöhnliche Kunstgenüsse bieten werden. Es sind der dritte und letzte Kammermusikabend des Herrn Professor Traut- mann in Gemeinschaft mit dem Redner-Quartett am Sonntag, 28. April, sowie der dritte Chorabend, für welchen ber ausgezeichnete (nahezu 100 Stimmen starke) Dessofs - sche Frauenchor aus Frankfurt a. 2)1 unter Leitung von Fräulein Gretchen Des soff gewonnen ist. Der Kammer- musikabend findet int SUubfaal, das Chorkonzert am 8. Mai in der Stadtkirche statt. Der Kammermusikabend per- mittelt uns u. a. die Bekanntschaft zweier Klaoierquintette, bie ursprünglich für den 9. Januar geplant waren und als äußerst selten gehörte Werke anziehend wie ^Novitäten wirken dürften, nämlich dasjenige von Cssar Franck und ein weiteres von G. Sgambati. Das Rebner-Quartett, das neuerdings wieder in Leipzig, Berlin, sowie in Paris unb Madrid große Triumphe gefeiert hat, wird als Streich. Quattett daS herrliche C-dur-Cuartett von Mozart zur Aufführung bringen, ein hier seit vielen Jahren entbehrtes, ivundervolles Werk, eine wahre Perle der Streichquartettliteratur.
♦* Wandergewerbe scheine. Aehnlich wie bie Führer von Kraftfahrzeugen, in. den ihnen ausgestellten Führerscheinen, haben auch bie Inhaber von Wandergewerbesckieinen kunttig ihre Photographie tn ihrem Schein nachzuwetsem Bet dem Antrag auf Ausstellung eines Wandergewerbeschetnes i|t dte Photographie bem Gesuch anzuschließen unb rotrb von bem Kreisamt in ben Schein emgeflebt. Turch biese Maßnahme ]oll vermieden werben, baß Mißbrauch mit den Wanbergewerbescheinen getrieben wirb, wie es häufig durch ausländische Hausierer geschehen ist. Auch können die Scheine in Zukunft nicht mehr am den Kreisämtern in Empfang genommen werben, sonbern biejes übermittelt sie nach Ausfertigung an das zuständige Finanzamt, wo sie nach Entrichtung der Wandergewerbesteuer abgeholt werden können.
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