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23.4.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 95

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag«. - Beilagen, viermal ivöchentlich SiebtnerZamiliendlätter zioeunal wöchentl.Nreir- blattsürdenNre^rSieben (Dienstag »ind freitags; Aiucunol monntl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Hernivrech - AnfchUisse: iür die Redaktion 112, Berlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzclg r Gießen.

Hnnabmc von Anzeigen für die Tagesnummer bi« vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt

162. Jahrgang

Dienstag, 25. April 1912

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschaftsstelle Bahnhofstraße 16a.

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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die G m. b. h. in Hessen

Zu ihrem 20jährigcn Jubiläum.

Durch das Rcichsacsetz vom 20. April 1892 ist nach dem englischen Vorbild der Company limiled by shares mit der G. m. b. H. (Gesellschaft mit beschränkter Haf­tung) eine neue Form der Handelsgesellschaft in Dcutsch- laiib einaeführt worden, die in der Mitte zwisck>en Aktien­gesellschaft nnd offener Handelsgesellschaft stehen und deren Mängel vermeiden sollte. Der neuen Gesellschafts­form wurden die Recfttc einer Person verliehen; sic kann dingliche Werte erwerben und veräußern, klagen und Der klagt werden und gewährt den Gesellschaftern, obwohl sic sich eng an die Attiengesellschaft anlehnt, doch die leich­tere Möglichkeit, sjch an der Geschäftsführung tatsächlich zu beteiligen, wie sie überhaupt für einen kleineren Per sonenkreis gedacht ist. Die Befreiung vom Aufsichtsrats- zwang und von dem Zwang einer Veröffentlichung ihrer Bilanzen (ausgenommen die Bankgesellscl asten), die Schaf­fung von 5OO-Mark-Anteilcn, hauptsächlich aber die sehr bequeme Gründungsärt geben ihr eine außerordentliche Beweglichkeit, auf der einen Seite ein Vorzug, der durch­aus in unser leichter beschwingtes Zeitalter paßt, der an­dererseits aber bei der Juristenwelt Bedenken erregte und namentlich die angesehenen Handelsrcchtslehrer Gold­schmidt und O. Bähr als entschiedene Gegner aus den Plan rief. Sie verlangten größere Garantien sowohl zum Schutz des Gesellschaftstapitals, als auch der Gcsellschafts- gläubiger.

Wenn die verflossenen 20 Jahre diesen Pessimisten auch nicht so ganz Unrecht gaben, so hat doch nichts den ge­sunden Kern, der zweifellos in der G. m. b. H steckt, in seiner Entfaltung hemmen können. Im Gegenteil schaffte die mannigfache Anwendbarkeit der G. in. b. H. ihr eine mit den Jahren rapid steigende Beliebtheit beim Publikum, so daß selbst die kühnsten Erwartungen weit übertroffen wurden. Ten 162 Gesellschaften des ersten Jahres mit einem Gesellschaftskapital von noch nicht 70 Millionen Mk. standen nach der Statistik des Deutschen Reiches im Jahre 1911 bereits über 22 000 Gesellschaften mit über vier Milliarden Kapital gegenüber. Die G. m. b. H. hat die Alticngesellsct)aft nach der Zahl, wenn auch nicht nach dem Kapital, längst überflügelt. Sie macht vor keiner Unter» nehmnngsart Halt. Riesige Fabriken und Kaufhäuser Siern ens-Schuckert, Stumm) bedienen sich ihrer Form ebenso gern, wie Kleinkauf leutc und Gewerbetreibende, die von der' modernen Zeit zur Betriebsvergrößerung und Auf­nahme fremden Kapitals gedrängt werden. Viele Unter­nehmungen wurden durch sie erst ermöglicht. Produktive Ideen, Patente, zukunftsreiche Bauterrains usw. finden in der G. m. b. H willige Förderer, und selbst das Gold, das Heldentenören in der Kehle sitzt, hat man mit der G. m. b. H. zu heben versucht. Kein Zweifel, daß sie mit dieser ihrer Anpassungsfähigkeit eine wirtschaftliche Mission ersten Ranges erfüllte.

Jin Großherzogtum Hessen bestanden bereits im Herbst 1909 239 Gesellschaften m. b. H. mit einem Stamm­kapital von 51,9 Millionen Mark. Der Reinzugang 1910 und 1911 betrug 1910: 21 Gesellschaften mit 1.077 Mitt'. Mark, 1911: 27 Gesellschaften mit 18.751 Mitt'. Mark.

Mau schätzt daher gewiß nicht sehr fehl, wenn man den heutigen Bestand der hessischen Gesellschaften mit beschr. Haftung auf rund 300 mit 75 Millionen Mark Stamm­kapital annimmt. In erster Linie sind es die Maschinen- unb Nahrungsmittelindustrie, die sich die neue Gesell- scl>astssorm zunutze gemacht haben, ebenso das Handels- gewcrbe. Schon 1909 entfielen auf diese Gewerbegruppen, denen sich die Industrie der Steine und Erde, die Metall- verarbeitung und die chemische Industrie anschließcn, fol­gende Kapitalien:

ölafcbinemubuftrie 10,8 Mill. Mk. in 23 Gesellschaften NahrnugSinUiel 9,2 , , 32

Handelsgewerve 7,0 , , , 44

Steine und Erden 4,3 , , , 30 ,

Metallverarbeitung 2,2 . r 11 ,

Chemische Industrie 2,0 , , 14

An Konkursen murbeit 1910 sowohl wie 1911 je 3 gezählt. Das ist bei einem Bestaub von 300 Gesellschaften kein Mißverhältnis zu nennen, wenn auch die dabei zu iyall gebrachten Stammkapitalien 4 0 000 Mk. bzw. 530 000 Mark recht terhebliche waren. Dieser Tatbestand scheint dem Beschlüsse der Berliner .Handelskammer Recht zu geben, die sich soeben (Mitteil. 1912 Nr. 3) gegen jede Reform ober Aenderung des Gesetzes über die Gesellschaften m. b. H. ausgesprochen hat. Sie hält daran fest, daß es im Wesen dieser Gesellschaftsform liegt, die Ocffentlichkeit zur Kon­trolle zu entbehren und daß es sich um ihr Lebensinteresse handelt, wenn man jede Erschwerung und Verteuerung der Gründung von ihr fernhält. Trotzdem ist der Kreis derer nicht klein, die weiter nach einer Abstellung einiger Mängel verlangen werden, besonders was die willkürliche Bewertung der Sacheinlagen anbetrifft. Ter Gesetzgeber icbod) dürfte in absehbarer Zeit dafür nicht zu haben sein. Cr hat nicht ohne Grund bestimmt, daß keine G. m. b. H. ohne den ausdrücklichen und ausführlick>en ZusatzGesell­schaft mit beschränkter Haftung" firmieren und zeichnen darf. Er darf vom Publikum, das sich an geschäftlichen Unternehmungen beteiligt, allmählich dasselbe erwarten, was man vom englischen und amerikanischen Publikum erwartet: daß es bei seinem Tun die übliche kaufmännische Vorsicht und Sorgfalt walten läßt. Dasselbe dürfte für den Kreditgeber gelten. In der Tat hat auch die heutige Welt schon viel von der unglaublichen Naivität verloren, mit der man sich früher auf den geschäftlichen Vtarkt wagte.

Außerdem ist die Bcrbandsorganisation der G. m. b. H. nicht ohne Erfolg bemüht, rechtzeitig gegen unsolide Grün­dungen Stellung zu nehmen, und in dem Umstande, daß die Geschäftsführer der Gesellschaft in den meisten Fällen selber Gesellschafter und mit Kapital beteiligt sind, liegt eine weitere Gewähr dafür, das; die Gesellschaften auf ebenen Dahnen wandeln. Auch das atterbcstc Handelsgesetz wird den Lcichtsertigen und Unvorsichtigen nicht vor Schaden schützen können. Darum lasse man die G. m. b. H. ruhig weiter ihren Weg gehen und Handel und Verkehr, die immer mehr aussclstaggebendc (H:werbszweige der deut­schen Bevölkerung werden, noch umfassender wie bisher mit dem flüssigen Kapital der breiten Massen befruchten.

Die Beratung der Wehrvorlagen im Reichstag.

Der Reichstag hatte am gestrigen Montag endlich wie­der einmal einen großen Tag, an dem nicht in erster Linie Parteiwünsche sich vordrängten. Für sich ist ja die Not­wendigkeit, die Ausgaben für Heer und Flotte zu erhöhen, das Wachsen der allgemeinen Rüstungen nicht erfreulich. Dem entsprach auch der etwas zurückhaltende Ton der Kanzlerrede. Desto eindringlicher wirkte der überzeugungs- volle Beweis des Reichskanzlers, daß der Ausbau unserer Wehrkraft eine unumgängliche Staatsnotwendigteit sei, der weder die Regierung noch der Reichstag sich entziehen könnten. Herr v. Betbmann-Hottwcg vermied ie5 mit Recht, eine Kriegsgefahr an die Wand zu malen und er betonte es nachdrücklich, daß das Deutsche Reich keine kriegerischen Pläne verfolge und nicht daran denke, Händel zu suchen. Aber es gelte heute, die militärische Lage Europas, wie sie bestehe und sich fortentwickle, genau zu verfolgen und ihr ünsere Schlagfertigkeit anzupasscn. Die Erfahrungen des Jahres 1911 haben nachgewirkt. Deutschland tut nur das, was die Nachbarn rings herum sämtlich tun, und es hat bei seiner exponierten Lage, wie der Kanzler mit Recht darlegte, allen Anlaß, auf der Wacht zu sein. Wenn in der später folgenden Aussprache der sozialdemokratische Redner Abg. Haase spöttisch meinte, dergleichen pflegten auch die Sebanfeierrcbner vorzubringen, so wirb er im Volke die gegenteilige Wirkung hervorbringen, wie er sie erzeugen wollte. Man wird sich der Mahnung des eisernen Kanz­lers erinnern und wissen, daß man mit der Regierungs­vorlage auf dem rechten Wege ist. Der Kanzler stellte auch fest, daß Deutschland auch künftig, auf den Kops der Be­völkerung ausgerechnet, weniger Ausgaben für Heer und Flotte mache, als die anderen Völker. Wiederum machte der Abgeordnete Haase sehr wenig triftige Einwendungen. In anderen Ländern, meinte er, zahlten das die Wohlhabenden. Selbst wenn das wahr wäre, könnte Herr Haase damit die Staatsnotwendigkeit nicht bestreiten, daß wir mit den an­deren Völkern Schritt halten müssen. Das hätte er nur betonen sollen, dann hätte er auch über die Kostendeckung etwas sagen können. Er rief:Wehrlos wollen auch wir unser Volk nicht machen." Dagegen wurde von den übrigen Rednern sehr richtig hcrvorgehoben, wir würfen alle unsere Ausgaben für Heer und Flotte zum Fenster hinaus, wenn wir nicht für eine wirklich aus reichende Schlagfertig­keit sorgten.

Im Budgctausschuß wird die Regierung, nach ihrer Ankündiguiig, über die Imilitärische und (politische Lage inter­essante Aufklärung zu geben haben. Was die beiden Staats­sekretäre des .Heeres und der Marine gestern ausführten, war überzeugend, hielt sich von Uebertreibungen fern, bot aber zum großen Teil nicht viel Neues. Bemerkenswert waren die Ausführungen des Reichslchatzsekretärs, der die Rede des Kanzlers ergänzte und gleichfalls erttärte, die Einbringung der Erbschaftssteuervorlage habe auf endgül­tige Annahme jm Reichstag kaum rechnen können. Daß bei einer Stellungnahme, wie sie der sozialdemokratische Redner gestern einnahm, auf eine Mitwirkung der Sozial­demokratie schwerlich zu rechnen ist, ist ja allerdings klar. Wie die Erledigung der Deckungsfragc im Reichstag nun behandelt wird, darüber kann man sich schwer ein Bild machen. An Kritik wird es auf der Linken nicht fehlen. Ter Reichsschatzsekretär hat dem Empfinden der Mehrheit des deutschen Volkes Ausdruck gegeben, indem er ankündigte, neue Steuern auf den Massenverbrauch müßten künftig aus dem Spiele bleiben, dagegen sei die Einführung der Erbschaftssteuer im Sinne der früheren Rcichssinanzvorlage dcr Zukunft Vorbehalten.

Der italienisch-türkische Krieg.

Saloniki, 22. April. Infolge der Vervoll­ständigung der Minenanlagen wurde die Zone vor den Befestigungen des Großen Cap auf eine Ent­fernung von drei Kilometern für alle Fahrzeuge gesperrt. Auch die Annäherung zu Lande ist untersagt. Auf Zuwider- handelnbc wird gefeuert. Nur das bcfamite Fahrwasser bleibt für von Pilotenschiffen geleitete Handelsschiffe ofen.

Verkch Sstockunq m Konktantmope'.

Wien, 22. April. DieNeue Freie Presse" meldet aus K o n st a n t i n o p el : Der Hafen von Konstanti­nopel bietet einen nie gesehenen Anblick der Schiff- f a h r t s st o ck u n g. Bis heute ankern im Bosporus Han­delsdampfer aller Flaggen. Die meisten führen Getreide, einige Mehl, Petroleum oder Kohlen, finden aber Gelegen­heitskäufer, wodurch die Teuerung einigermaßen gemil­dert wird. Die Stadtverwaltung warnt vor Spekulation, und das Kriegsgericht bestraft die spekula­tive Verteuerung der Lebensrnittel. Ter öster­reichische Zucker, der infolge der Seesperre von li/2 auf sechs Piaster stieg, kommt auf der Donau an. 7000 Sack Mehl werden mit der anatolischen Bahn von Angora er­wartet. Momentan herrscht kein Brotmangel, da­gegen hört der F r c m d e n z u f l u ß fast vollständig auf. Die ägyptische Khedivial-Linie plant, die Passagiere für

Konstantinopel in Dedsagätsch zu landen, doch trifft die Orientbahn selbst Anstalten, ihre Züge von Saloniki im Falle eines türkischen Angriffs auf Tedsagatsch auf dem Umwege über Badenia und Horcdschik hierher zu führen.

Tie italienischen Angriffe vor Samos.

Rom, 22. 2lpril. TasGiornale d Italia" veröffent­licht folgende Einzelheiten über die italienischen An­griffe vor Samos: Als der italienische Torpedoboots- zcrstörerOstro" vor dem Hafen von Vathy erschienen war, wurde die Besetzung des dortigen türkischen 2 t a t i on s s ch i ff esI s kam ich" von einer Panik er­griffen und öffnete die Unterwasserventile des Schiffes, um es zu versenken. Tie Besatzung floh in die Stabt. DerOstro" gab darauf einen Schuß ab, der den Kiel der Jskarnich" traf und schoß dann einen Torpedo ab, der denJskarnich" in die Luft sprengte. Schließlich traf ein genau gezielter Schuß den aus dem Wasser hervorsehcndcu Mast mit der türkischen Flagge. Tie Bevölkerung be­grüßte das Vorgehen der Italiener mit den Rufen: Es lebe Italien! Es lebe Savoyen! Tie Italiener antworteten unter Schwenken ihrer Mützen mit dem Ruf: Es lebe Samos!" Dann gab das italienische Pan­zerschiffE m a n n e l e Filibcrto" 6 4 Schüsse gegen b ie türkische Kaserne ab, deren Flaggenmast mit der türkischen Flagge zerstört wurde. Vier Geschütze, die von den Türken gegen den Aufstand von Samos ver­wendet worden waren, wurden gebrauchsunfähig ge­macht. Sodann wurden die vom Fürsten an Bord gesandten Beamten zur Niederholung der türkischen Flaggen und deren Uebergabe aufgefordert. Daraus wurden die Feindseligkeiten ein­gestellt und bekanntgegebcn, daß, wenn gegen die Bevöl­kerung mit Zwangsmaßrcgeln vorgegangen würde, die italienischen Schiffe das Bombardement wieder aufnehmen würden.

Eine Antwort des Staatssekretärs von Kidrrlen-Wächler an Mannheimer Getreidehändler.

Berlin, 22. April. Auf die Vorstellungen dcr Mannheimer Börse wegen der Benachteiligung des deutschen Getreidehandels durch die Schließ­ung der Schiffahrt in den Dardanellen ist fol­gende Antwort des Staatssekretärs v. Kiderlcn bei dem Hansabund, der das Mannheimer Telegronim dem Auswärtigen Amte übermittelte, eingegangen:

Auf Ihr Telegramm betreffend die Sperrung der Dardanellen erwidere ich Ihnen, daß D e u t s ch l a n d a l s n e u t r a l e M a ch t sich nicht in den Krieg Mischen zwei Großmächten cinnrifdieit kann. Die Regierung wird es sich indessen angelegen fein lassen, s-unt Schutze ber, deutschen Interessen je nach der Lage bet Verhältnisse geeignete Schritte zu tun.

Deutsches Reich.

In der Sitzung bes Bubgetausschusses des preußischen Ab- georbnetenhauses wurde von der Staatsregierung feftgefteUt, baß bic Oberversicherungsämter in Preußen bestimmt am 1. Juli in Funktion treten. Ob biefer Terimn hinsichtlich der Versicherungsämter festgesetzt werden kann, ließe sich zurzeit noch nicht übersehen.

Ausland.

Aus Madrid wird zu den französisch-spanischen Verhandlungen gemeldet: Ter Vermittlungsvorschlag Eng­lands geht dahin, das Spanien an Frankreich ein großes Gebiet in Mergatc abtreten möge Tafür soll Frankreich seine An­sprüche in der Gegend von Jfni vermindern.

Anfragen im englischen Unterhaus.

London, 22. Llpril. Jm Unterhaus erflärtc in Beant­wortung verschiedener Anfragen Handelsminister Buxton, es seien sofort Schritte unternommen worden, daß sich ein Unter­suchungsausschuß bilde, der mit der peinlichsten Sorgfalt die Ursachen des Unterganges derTitanic" feststellen solle. Angesichts des außergewöhnlichen (£rnfte5 des Ereignisses hält der Minister die S o n b e r e t n e n n u n g eines Mannes von hoher j u r i st i s ch e r B e b e u t n n g für geboten, bet unterstützt durch Beisitzer ein unabhängiges Untersuchungsgericht jn bilden haben würbe. Inzwischen halte ber Beirat für b i e Handelsschisfahrt Sitzungen ab zur Beratung vetschiebener Mißstände, die bei der Katastrophe zutage getreten seien. Sobald er die Ergebnisse des UnterfuchungsaussclnlsseS und des Beirates für die .Handelsschiffahrt erhalten habe, werde er dem Haufe mitteilen können, ob eine weitere Untersuchung durch den Aus­schuß oder den Beirat nötig ist, ober ob bic Untersuchung einen nationalen oder internationalen Charakter zu tragen habe.

Auf eine Anfrage wegen Schließung ber Turba­ne l l e n erklärte Parlamentsuntersekretär Aclans , wenn Eng­land auch in ber Mitteilung an bic türkische Regierung das Recht ber Türkei anerkannte, Maßregeln zur Selbstveneibigung zu er­greifen, so drückte es bock bic Hoffnung aus, baß bic türkische Regierung eine Möglichkeit ausfindig mache, nm bic Durchfahrt burch bic Darbanellen für ben fremden Handel möglichst bald wieder zu eröffnen. Mit Rücksicht auf den großen Schaden, der ber Hanbelsschiffahrt burch bic Schließung der Dardanellen ver­ursacht werde, habe man Grund zu bet Annahme, baß bie Türkei sich der Wichtigkeit biefer Frage voll bewußt fei, aber unter ben obroaltcnben Umständen keine Zusicherung abgeben könne.

Jm weiteren Verlaus der Sitzung gab Handelsminister Bur - ton bekannt, daß Lord Morsep, der Expräsident der Ad­miralitätsabteilung des oberiten Gerichtshofes, mit der Unter­suchung des Unglücks derTitanic" beauftragt fei. Er werde Vollmacht erhalten, Zeugen vorzuladen. Tas Zeugnis von Passagieren werde, wenn erforderlich, in ben Vet einigten Staaten abgenommen. Die White-Star-Gesellschaft ver­bürge sich, daß alle Mitglieder ber Besatzung berTitanic", deren Zeugenaussagen von dem Gerichtshof für notwendig er­achtet werden sollten, persönlich erscheinen.

Die $ranffurter Universität gesichert!

Frankfurt a. M., 22. April. In der heutigen Be­schlußfassung über die Universitätsfragc wurde nach drei­stündiger Erörterung in namentlicher Abstimmung die Ma- gistratsvorlagemit43 gegen 26 Stimmen an-