Ausgabe 
23.2.1912 Erstes Blatt
 
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für Starfcnburg plant, hat auch Offenbach die Lrricklima^. solchen lieber! anbacntralc ins Arge gefakt. Tic öIfl^

teidigungSrede des Ruht zu. däuhdeur Rmgleb, SdniVD und auch Forbach ihre SteLunguohme gercchtjertrgt imtcr Hinweis

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Tie russische Reichsduma verhandelte über di opvo- sitronellen Anfragen betreffend die Ausschließung der Ur­heber der Studcntenunruhen von den Universi­täten, sowie betreffend das provisorische Verbot von Studenten- versammlungen in Hochschulräumen Der Unterrichtsministcr K a s s o w führte aus, der Ministerrat sei der Ansicht, daß private Versammlungen von Studenten nur zu akademisätcn Zwecken zulässig seien. Er sei nicht der Ansicht, daß darunter auch die Absicht, einen Ausstand zu proklamieren, zu verstehen sei. (Beifall aus der Rechten.» Ohne die Maßnahmen, die die Regierung getroffen hätte, wäre der Studentenausstand überall einstimmig proklamiert worden. Binnen od»t Tagen würden alle russischen Schulen geschlossen worden seien. Er wäre alsdann darüber gefragt worden, ivelche Maßnahmen er zu ihrer Wieder­eröffnung zu ergreifen gedenke. Der Minister schloß mit der Erklärung, das Unterrichtsministerium, das mit Arbeit überhäuft sei, sei wohl geneigt, es möglichst den Universitätskorperschaften zu überlassen, den Fortgang des Unterrichts an den Universitäten ztt gewährleisten. Die baldige Erfüllung dieser Aufgabe würde das Ministerium der Notwendigkeit auf heben, wieder zu Zwangs­maßnahmen zu greifen.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Februar 1912.

** Tageskalender für Freitag, 23. Februar. Stadt­theater:Julius Cäsar'. Ansaiig 8 Uhr.

Kolosseum: Beginn deS Gastspiels von Prangs Kölner Ensemble. Abends 81/« Uhr.

Franzos. Vortrag von Prof. Dr. Thomas: L6tudiant fraugais. Abends 81/, Uhr im großen Hörsaal der Universität.

L. U. Lehramtsassessor Dr. Phil. Albert Pcppler, der sich an der Landesuniversität für das Fach der Meteoro­logie zu habilitieren wünscht, wird am Samstag, 24. Febr., um 12 Ul»r, in der kleinen Aula eine öffentliche Probevor­lesung üverDie Tcrnperaturverhältnisse der freien Atmosphäre nach aerologischen For­schungen" halten.

** Finanz Pers on alten. Der Großherzog hat den Finottzrat Gust. Balser zu Darmstadt unter Ver­leihung des Amtsritels Oberfinanzrat zum vortragenden Rat in der Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung des Ministeriums der Finanzen unter Beibel>altung seines Referats in der ?lbteilung für Finanzwirtfcl>af1 und Eisen­bahnwesen ernannt, den Bezirkskassier der Bezirkskasse Frtedbcrg, Rendanten Fricdr. Meißinger in Friedberg, wegen gefckstvächtcr Gesundheit auf sein Nachsuch en in den Ruhestand verseht unt> den Bezirrskassier der Bczirkskasse üid), Karl Schmidt, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Ministerialrevrsor und Beamten bei dem ForstvermessunAs- und Taxationsbureau ernannt. Erledigt sind die Stellen der Äezirkskassiere der Großh. Bezirtskassen Friedberg und Licl>.

Staatliche Betriebskrankenkasse. Die Wahl der Vertreter der Kassemitglieder und deren Ersatzmänner findet für die Provinz Oberbessen statt am Montag, den 4. März, vormittags von KP/gll/g Uhr zu Homberg a. d. Ohm nn Sitzungssaale des Großh. Amtsgerichts. Für die in Oberhessen beschäftigten Kasseniitglieder werden 10 Ver­treter und für jeden Vertreter ein Ersatzmann gewählt.

** I m Kinern atograph wird eben neben bem üb­lichen Programm auch eine wohlgelungene Ausnahme des er st en Gteßener Karnevalszuges gezeigt, die alle besonderen Gruppen in schöner Ausführung darbietet und viel Beifall findet.

** Seinen Verletzungen erlegen ist gestern hier der Rangierer Nagel, der, wie wir berichteten, tm Bahnhof von Hirzenhain verunglückt ist.

Landkreis Gießen.

S. Lollar, 22. Febr. Gemeinderatssitzuna. An­wesend sind: Bürgermeister Schmidt, die Gemeinderäte Ringleb, Forbach, Back, Schupp, Schmitt, Römer und Hofmann. Bon den Gemeinderäten Schupp, Ringleb, Römer und Forbach ist die Errichtung einer Ortskrankenkasse beantragt worden. Der Vorsitzende erklärt, daß vor längerer Zeit schon die Errichtung einer Bezirkskrankenkasse geplant und auch vom Gemeinderat genehmigt wurde, die ©ache aber an den umliegenden Gemeinden gefebeitert sei. Römer empfiehlt baldige Regelung, da durch die von der Regierung in Aussicht genommene Landeskrankenkasse nichts Ersprießliches für die Arbeitnehmer herauskomme. Nach Ansicht des Gemeinderats Schupp werden die Landeskrankenkassen zu burenukatifd) venoaltet. Nachdem Hofmann die Errichtung als von der Bereitwilligkeit der anderen schon früher aufgeforderten Gemeinden abhängig bezeichnet, schlägt Schupp die Angliederung an Wieseck und Heudrcllpnm vor, wofür sich and) Bad ausfvricht. ES wird beschlossen, demgentäß zu Ixmbeln. Veranlassung zu einer Beschwerde der Gemeinderäte Schupp und Ringleb hat eine Aeußerung des Unternehmers Ruhl in einer Gewerbevereins- vcrfammlnng gegeben Ruhl, der zugegen ist, fragt an, ob er an der Besprechung teünebmen dürfe. Der Vorsitzende kann timt dieses nicht gestatten, doch läßt die Bersammkuna eine V^-

Deutsche Londwirtschafttgesellschast.

(Gesamtausschaß-Sitzung.)

~ Berlin, 22. Febr.

Der Gesanttaussdulß der Deutschen Landwirtschafts "Gesell­schaft hielt heute nachmittag im Bankettsaal desRheingold" seine 97. Gesamtausschußsitzung ab. In Verhiirderung des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg führte den Vorsitz Frhr. v. M a r e n h o l z. Es wurde zunächst beschlossen, ein Huldigungstelegramm an den. Kaiser und an den Herzog Johann Albrecht abzusenden.

Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die (Gesellschaft 18 453 Mitglieder zählt, daS sind gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 663. Das Rechnungsjahr 1911 ist bei einer Rücklage von etwa 260 000 Mark als ein günstiges zu bezeichnen. Ter Etat für 1912 schließt mit 724 467 Mark ab. Unter den Einnahmen sind für 1912 aus der Dünger­abteilung 199 317 Mark veranschlagt. Eine genaue Rechnungs­ablage über die Düngerabteilung war im Herbst noch nicht zu geben, da infolge des neuen Reidts-Kaligesetzes die Gebühren­bezüge nod) nicht feststanden. Während früher die Kaligelder für den Msatz bezahlt wurden, werden sie befanntlid) jetzt für die wissenschaftliche Propaganda ausgehändigt. Für das nächste Jahr hat das Reichsamt des Innern der Deutschen Landwirt- schastsgesellschaft für wissenschaftliche Unternehmungen 150 000 Mk. bereitgestellt. Im ganzen wird die Düngerabteilung für wissen- schastticye Nnternechmungen jedoch nm ein Bedeutendes mehr auf» wenden, als die Kaligelder betragen. Am 1. Januar 1912 wurde die neue Geschäftsstelle für Vermitteln ng von Kohlen und Briketts an die Mitglieder der Gesellschaft eröffnet. In Verbindung des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Landwirtschaft in Bromberg soll auch die Frage der zweckmäßigen Bekämpfung der Mäuseplage untersucht werden. Im Juni 1912 soll zum Studium des Feldgemüsebaus eine Studienreise nach Holland unternommen werden. Für die Zeit vom 4. bis 8. Juli 1912 ist 'die Abhaltung einer Wander Versammlung in Bad Harzburg beabsichtigt: ferner wird ein Preisausschreiben für Felderzeug­nisse und Geräte für das Jahr 1913 erlassen werben. Im 2lu- schluß an die Ausschußsitzung hielt Amtsrat Braune Winningen) einen Vortrag überZuckerrübenbau". Kammerherr v. Vogel­sang (Hovedissen) hielt 'einen Vortrag überFutterrüben- b a u".

spricht der Vorsitzende nochmals die ganze Angelegenheit. welch- bis in das Jahr 1904 zurückgrefft. Er betont, bas Vorqchki des Unternehmers Rubl sei darauf zurückzuiühren, baß er Qr, gefordert worden sei, seine Arbeiter nicht nur im Winter, ujhöc; auch die übrige Zeit, wo weniger Krankheitsfälle vorlommci; in der hiesigen Krankenkasse zu versickern. Hieran' wird dl 3adn* als erledigt betrachtet. Bankbirektor Rus will air feinet-* «Grundstück in der Steinstraße den geplanten Vorgarten mitbebaue Es erfordert dies eine Abänderung der Baulinie, die beiünoor: wird. Ebenso wirb vorbehaltlich der kreisamtlichen Oknebniiqun die Abänderung des Baugesuchs gcnebipigt. Unter den ob gegebenen Preisen betr. die Lohufahrten in hiesiger Gemeind- mar Herr Schaded VII. mit 70 Ps. für die Stunde für bc- Einspänner und 1,40 Mk. für den Doppelspäniter der büligu« und erhielt infolgedessen den Zuschlag.

Kreis Alsfeld.

1. Alsfeld, 22. Febr. Bet bem am Dienstag ab« gehaltenen Gast wirteball wurden folgende Ehrendiplonn verteilt: Herrn H. Hahn-Altenburg für 25jährige Tätigst x als Gastwirt; H. Steih, Elise Hofmann und Karl Gonde:, sämtlich bei E. Seng-ArnShain tätig, für treue Dienste; ferne: Martha Bambey bei L. Todt-?llßfeld, Elise Weber bei Schneider-Vraulbach, H. Schmidt bei A. Schweizer-AlSfel) und L. Schmiermund bei Roth-Brauerschmend.

Kreis Friedberg.

L. Frie dberg, 22. Febr. Tie 22 m breite Zufuhr« ftrafje nach bem neuen Güterbahnhofe (Fritz Reuter« ft raffe) wird eben mit Deckmaterial versehen. An bet 200 m langen Unterführung, bie ben Güterbahnhof mit bem Per. : sonenbahnhof oerbinbet, wirb von ber Firma Boller aui Düsseldorf emsig gearbeitet. Der neue Wasserturm, ben bie Baufirma Reuß, Friebberg, herstellt, ist beinahe fertig ES fehlen nur noch 4 m an feiner etwa 60 m betragenden I Höhe. An ben Bahnhofsarbeiten selbst sind 250 Arbeiter! beschäftigt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 22. Febr. Eine neue Garten«! stadt für Eisenbahnbeamte und Werkstätten«! arbeitet der Eisenbahnverwaltung wird in ber Rahe! des neuen Hauptbahnhofes erstehen. Die im Darmstädter | Stil von einem hiesigen Baultnternehmer im Auftrag bet Bahnverwaltung errichteten sechs Ein- und Jweifamilien-! Häuser kosten einschließlich Gartengelände zwischen 10 unb I 12 000 Mk. Weitere sechs Häuser werden nach Ferttgsstl j lung errichtet. Die Wohnhäuser erhalten Drei-Zimmkr> j Wohnungen mit Zubehör, sie liegen direkt am Wald. ! Flüchtig gegangen ist ber 22 Jahre alte Buchhalter der! Kaisermühle bei Eberstadt, Gustav Schrappt aus Mägde-1 bürg. Er hat Gelder im Betrage von etwa 2000 Kl I mitgenommen. Er war zwei Jahre bei der Firma aU] Reisender und Buchhalter beschäftigt und hat seine $n«| kassovollmacht dazu benutzt, um den fraglichen Betrag au I vereinnahmen und nicht abzuführen. Wahrscheinlich tfll der unterschlagene Betrag noch höher. Die Stellung war! ihm auf 1. ylpril gekündigt. Die Staatsanwaltschaft Hai! einen Steckbrief gegen ihn erlassen Danach ist er I 1,651,70 Meter groß, von schlanker, schwächlicher Figur I hat blonde Haare, Anflug von blondem Schnurrbart, ha» I geres gelblich-bleiches Gesicht und spricht norddeutschu j Dialekt.

n. Offenbach, 22. Febr. Sitzen ba in ber Stadt 1 bucherei im Schloß zwei Kriminalisten unb warten auf tut j Mitglied berSchwarzen Hanb'. Man hat wieder durch einen Brief Geld zu erpressen versucht unb e3 wurde ihm eine Falle gestellt; in ber Lesehalle sollte ihm das Geld aus« i gehändigt werden. Aber ber erpresserische Bursche will nicht! kommen, unb schließlich nimmt selbst bie Gebuld eines ft rinn* nalschutzmanneS ein Ende. Die Beamten wollen sich Den : ihrem Posten entfernen ba ist der bessere Hut deS einen . verschwunden und an seiner Stelle hängt ein ganz aller j schäbiger Filz. Ob den wohl die gesuchte »Schwarze Haiü* ! zurückgelassen1 hat?

m. Offen bad», 22. Februar. Die Offenbacher Polizei stl I unter staatliche Oberaufsicht gestellt und zu diesem Zwede ioll-t I zwei staatliche Beamte angestellt werden. Den Anlaß dazu fl'-i I eine Versammlung des Vereins zur Wahrung städltsdZer Inte:« I essen, in der als Protest gegen einen sozialdemokratischen T.mor« I stratwnsumzug, der mit der Bestrafung des Führers zu ein,: I vierzehntägigen Haststrase seine Sühne gefunden hat, die Vcr«I staatlichung der Offenbacher Polizei gefordert wurd. I Die Verhandlungen hierüber sind inzwiscl)en soweit gediehen, daß I bie erforderlick)en 9500 Mk. für die Anstellung der beiden I liehen Beamter im Finanzaussdntß der ziveiten Kammer beivillidl I mürben. In ber heutigen Sitzung der Stadtverordneten mur? I dagegen Stellung genommen. Bürgermeister Dr. Tulio leg? I Verwahrung gegen bie Begründung des Berichterstatters Dr. tiehflll im Finanzausschuß ein, in ber die Verstaatlichung damit beqiund: wird, daß ber Sicherheitsdienst in Offenbach einer dringendes Verbesserung bedürfe: ebenso verhalte es ffd) mit bem fnm nalistischeit Ausklärungsdienst. Die jkriminalpolizei^ so heißt < weiter, könne die Verbrechen nicht ausdecken, weil dieser d Hände gebunden seien, da sie dem Bürgermeister unterstellt fe Die ^iminalpolizei sei als städtische Polizei in. einer Äei I abhängig, die ihrem Zwecke widerspredie. Bürgermeister Dr. Dull wies daraus hin, daß darin schwere Vorwürfe gegen bie ftäbtmr I Verwaltung beständen, bie aber unrichtig seien. Rach Feststellungen sei in Offenbach nur das Bombenattentat vor etwa fünf 3aber I unaufgeklärt geblieben. Die Kriminalpolizei habe damals eine I der Tat verdächtigen Anarchisten festgenommen, ihn aber ttnehr I mangels Beweises freilassen müssen. Aud) die Stadtverordneter^ I Versammlung habe damals ihre Pflicht getan, indem sie aui d I Ergreifung deS Täters eine Belohnung von 300 Mk. auSietzd Der Kriminalpolizei könne nichts vorgewonen werden, die Ltaal>. anwaltschaft habe sich äußerst lobend über bie hiesige Krimina Polizei ausgeivrochen und dabei betont, baß man sehr zufneoe [ein könne, wenn in anderen Städten so gearbeitet werde. 3tabt: Ulrich weift daraus hin, daß der Hauptgrund der Verstaatltchvn: in polittsck>en Momenten zu suckren sei. Rachdem man im ihnaii ausschuß die politische Seite fallen gelassen habe, suche man b Kriminalpolizei »u verdächtigen. Er wendet sich bann ivettt gegen die Ausfälle des Beridsterftatters gegen die .'triminawow unb bezeichnete die Behauptung als unwahr, daß die -stab: Verordnetenversammlung ihre Pflicht hinsichtlich der Polizei nur im geringsten vernachlässigt habe. Roch nie sei in I«®*® fertigerer Weile eine Behörde, bie ihre Pflicht getan habe, schwerer Amtsvergehen und Amtsverbrechen beschiildiat morbei j In entschiedener Weise müsse gegen die Art der Herabletzung erL Verdächtigung der Polizei aud) im Interesse der Selbstverwaltun' Protest erhoben ivcrben. Stadtv. Hamann erklärt, datz fll Grund des Artikels 57 der Städteordnung, nach dem der Regi« rung das Recht zu stehe, bie Handhabung der Polizei für h® 1 Ansprud) zu nehmen, keine Schmälerung des Selbstverwaltung^ rechtes bellehe. Schließlich wurde der Antrag, der ivbWF die Verstaatlichung ausspricht und die zweite Kammer der bcii®r Vanbftänbe eriucht, der von der Staatsregierung bedntragten tin ftellutig von Mitteln zwecks Besoldung staatlicher Leiter der LU« | bacher Polizeiverwaltung die Zustimmung zu versagen, in natneni liehet Abstimmung mit 25 gegen 8 3thnmen bei zwei ,

enthalttingen angenommen. Infolge des Vorgehen- der >

fei. Daraufhin Halle der Landtag angeregt, daß die Reichs­post auch den preußischen Behörden entgegenkäme und für die Porto-Aversionier ung einen Betrag fordere, der ein für allemale feststehe und nicht von Zett zu Zeit geändert werden dürfe. Mmr ging von dem Grundsatz aus, baß der preußische Effenbal-nfiskus der Reich^poft bei seinen Leistungen sehr loeit entgegen komme, daß also ein Entgegenkommen der Reick^post für die preußisck)en Ressorts ebenfalls angezeigt wäre. Aber die preußische Regierung hat sich auf diesen Standpunkt nicht gestellt und die Feststellung eines ewigen Äversionierungsbetrages ab­gelehnt, weil die Post von Jahr zu Jahr auch von den preußischen Behörden in erhöhtem Umfange benutzt >verde.

Aus dem englischen Unterhaus.

L o n d o n, 22. Febr. Im Unterlaufe fragte Gold- ney (Unionist), ob das Auswärtige Amt Kenntnis habe von einem Vertrage oder Wkommett, das zwischen Deutsch­land und Spanien seit Frühjahr 1911 bestehe und die Interessen Portugals berühre. Grey erwiderte, er habe keinerlei iMitteilung über diele Angelegenheit er­halten. Daraus stellte der Radikale King eine Frage, die sich auf den angeblich zwischen England und Deutsch­land bestehenden G e h e i m v e r t r a g bezog. Grey erwiderte, King müsse wissen, daß durch bie Beantwortung solcher fragen derartigen Geheimverträgen ber geheime Charakter genommen würde. Golbney richtete an Grey die Anfrage, ob das Auswärtige Amt an irgendwelchen Besprechungen über bie mögliche Abtretung der Wal­fisch b a » ober auch Sansibars an anbcrc europäische Mächte teilgenommen habe. Grey erwiderte, seit vielen Jahren sei der Austausch von britischem Gebiet nicht formell in Erwägung ge^-gen wroden. In einem Falle von Lanb- abtretung, die mehr als eine Grenzregulierung bedeute, würde die E i n w i ll i g il n g des Hauses unter den von der Regierung im Juli 1890 nxihrend der Aussprache über die Abtretung Helgolands festgesetzten Bedingungen eingeholt werden. Auch würde keine Abtretung^von Ge­bietsteilen, die zu einer englischen Kolonie mit Selbstver­waltung gehörten, ohne Einlvilligung der Negierung dieser Kolvine erfolgen.Ich kann", so schloß der Staatssekretär, keine weitere Erklärung auf derartige Fragen geben als diese: wenn Goldney einen Jrrtuin zu vermeiden wünsckff, darf er nicht annehmen, daß die Abtretung der Walsisch- bay und ber Insel Sansibar in Erwägung gezogen wor­den ist."

An» Qcffcn«

Ter Zweiten Kammer

sind folgende Drucksachen zugegangen: Bericht des Ersten Ausschusses über Die Regierungsvorlage betreffend das Brückengeld an der Rheinbrücke bei Mainz. Dar­nach beantragt der Ausschuß Znsttmmung des Vertrages mit der Stadt Mainz, und daß die Beträge nadji Artikel 3 des Vertrages, die am Baukapital abzuschreibeu sind, zur Schuldentilgung verwendet werden. Ferner, daß sich die Kammer damit einverstanden erklären möchte, daß btc Süd­deutsche Eisenbahn-Gesellschaft die Pflicht zur Einzelzäh­lung von Brückengeld für bie auf ityrrn über die Rheinbrücke führenden Limeic beförderten Personen nach Vereinbarung mit dem Großherzoglichen Ministerium der Finanzen nicht unter günstigeren Bedingungen ablösen kann, als sie der Stadt Marnz in dem Vertrage zugestanden sind. Ferner Bericht des Zweiten Ausschusses über bie Regierungsvorlage betreffend Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes, die Ausführung des Reichsimpsgesetzes vom 8. April 1874. Ferner ein Verzeichnis der ein gegangenen Bittschrif­ten, das 49 9hnnntcrn anfweist. Desgleichen eine dringliche Anfrage der Abg. Ko r el 1 ° Königstädten und Gen. be­treffend Hagelschaden in der Gemeinde Wöllstein, bann eine Regierungsvorlage betreffenb Verkauf von Grundstücksteilen des Großberzogtum-Landeseigentums in der Gemarkung Groß-Umstadt.

Ter LandesanSschusj ber hessischen natisnalliberalen Partei wird am Sonntag, dem 3. Marz, in Darmstadt eine Sitzung abhalten, in ber besonders die innerhessischen Verhältnisse zur BespreckMug gelangen werden.

Deutscher Reich.

Der Bundesrat hat am Donnerstag der Vorlage betr. oen Zollerlaß für Kartoffeln mit der Vorlage betr. Ergänzung und Aeuderung der Taratarifc seine Zustimmung erteilt. Zur Annahme gelangten die Vorlagen betr. Prägung von 5 Millionen Mark Zehnpfennigstücke und 21 Millionen Mark Dreimarkstücke, sowie von je 4,5 Millionen Mark Zwei- und Einmaristücke, 2 Millionen Mark Zweipfennigstticke und 3 Mil­lionen Mark Einpfennigstücke.

Der Stenerausschuß des preußischen Abge- geordnet en Hauses beschloß entgegen der Regierungsvorlage, nach welckier Staatsangehörige nach sechsmonatigem Aufenthalt im AuSloude fteirrrfrei sein sollen, die Steuerfreiheit derjenigen, mcldte seit mehr als einem Jahre ober des Erwerbs und Berufs halber sick) seit mehr als sechs Monaten dauernd im ^luslande aushalten. Die Steuerbefreiung der im Auslände Rationierten Beamten wurde unverändert angenommen

Der Reichstag hatte den Reickrskanzler ersucht, in Er­wägungen cinjutreten, inwieweit die Stellen der Platzmajore mit inaktiven Offizieren besetzt werden können, lieber diese An tegung haben Erwägungen ftattgesuuden, die dahin geführt haben, daß btc Besetzung der Platzurajorstellen mit inaktiven Offizieren nicht angängig ist, nxil diese Stellen für vorübergehend setumungs- bebürftige ober vorübergehenb nicht felbbienftfähige aktive Offi ziere gebraucht werden. Auch ist die Verwendung inaktiver Offi­ziere in diesen Stellen aus militärischen Gründen nicht angezeigt.

Die fortfriirittlichc Bolkspa rtei des preußi­schen Abgeordnetenhauses hat heute ben Antrag ein­gebracht. die Staatsregierung zu ersuchen, nod) in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen unter Abänderung der preußischen Versosjung für die W n h I e n z u m Abgeord n c t c n h a u f e bad allgemeine, geheime, gleiche, direkte W a h I recht eingeführt wirb und eine Reueinteilung ber Wahlbezirke Unter Berücksidstigung der Ergebnisse der letzten Volkszählung vorgenommen nürb

Dem batiri f eben Ministerpräsident Freiherrn von Hertliug ist nadMiUgcnbt'd Schreiben aus der Gelöstmlanzlei des Prinzregenten zugegangen:

Im Allerhöchsten Auftrage habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz mitzuteilen, daß ber Prinzregent Ew. Erzellenz den Serbien ft ocbeit vom Ixnligcn Midwel I. Ml. verliehen haben Se M H. wollen mit dieser OrbenSverleihung Allerhöchst ihr Vertrauen zu Ew. Exzellenz unb insbesondere ben Dank baiür zum Ausdruck bringen, daß Ew. Exzellenz bie Mühen des neuen Amtes übernommen haben. Gez. v. Wiebenmann, Generaladjutant

Ausland.

J>t Wien fand unter außergewöhnlich Harter Beteiligung am Donnerstag nachimttag die Einsegnung der Leich e Aebrenthals statt Der imposante Leichenzug bewegte sich über die Ringstraße und den Eduvarzenbergplatz durch cm nach Tausenden zählendes Menschenspalier nach bem Slaatsbahnhot, von Ido die Leiche zur Beisetzung nach der Aehremholjcheu oamtlieiu gmft in D»zcn in Pöhiixn ndargesührt wird.