Ausgabe 
22.10.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten-

Die Stadt soll

etrieben worden.

ns die Truppenlandung durch die

Haften an der Grenze. Kinder, die von ihren Eltern verloren umherirrten, tvurden von bulgarischen Sol baten ausgenommen. Die bulgarische-n Bor posten wurden bis in die unmittelbare Umgebung von Kira Kilisse vorgeschoben, sie berühren die Linie der Forts von Adrianopel.

Bei Mustapha Pascha erbeuteten die Bulgaren-100000 Kilogramm Getreide. Kein bulgarischer Soldat ist von den Türken gefangen genommen worden. Die türkischen Gefangenen werden gut ausgenommen und von den bul­garischen Truppen güt behandelt.

Sicherem Vernehmen nach sand am 20. und 21. Cft. vor der Festung Kir kille, in deren Umgebung sich die türkische Hauptkraft befinden soll, aus; erst harte K ä m p f e statt, welche bisher unentschieden bli.ben. Mazedonische Flüchtlinge sind in den Grenzstädten Küstendil und Tubnitza eingetroffen und in das Innere des Landes gezogen. Einige türkische Gefangene sind heute in Sofia eingetroffen. t ,

Sofia, 21. Eft. Wegen der drohenden Hal­tung des türkischen Geschwaders befahl die bul« garische Regierung, das Feuer d e r Leu ch t t ü r m e aus­zulöschen.

Rach Berichten von der serbischen Grenze griffen tür­kische und albanesijche Truppen Volk an. Die Serben sollen unter großen Verlusten in der Richtung auf Kurschumlie ge­flohen sein. c. __

An der bulgarischen Grenze begannen die Kampfe bei Csmainc und Tscharowa. Tas Pressebureau teilt den Tagcsblältern mit, das; der Kriegsminister jeden Presseangriff auf nicht kicfliüUrcnbc Mächte vermieden sehen möchte.

Nachrichten aus türkischer Quelle zufolge überschritt am 19. d Mts. ein Regiment bulgarischer Kavallerie bei Balkuchl (Bezirk KirkUisse) die Grenze und begann einige verlassene Dörfer zu zerstören. Ten türkischen Truppen ist es gelungen, die Bulgaren zurückzudrängen, die unter Zu rücllassung zahlreicher Toten flohen. Ein bulgarischer Reiter ift gefangen genommen worden. Nach demJkdam" hatten die Bulgaren vierhundert Tote, eieben Bulgaren wurden in Koumanovo verhaftet, wo sie versuchten, die 2ck* grophenleitungcn zu zerstören. , ,

Ten Blättern zufolge gab die Pforte durch Vermittelung ihres Botschafters in Petersburg der russischen Regierung befriedigende Erklärungen über die an der türkisch-russischen Grenze ergriffenen militärischen Maßregeln.

Konstantinopel, 21. Oft. Heftige Kämpfe werden von der serbischen Grenze von N o k o w i r c und A um urdia gemeldet. Auf beiden Seiten gab es bedeutende Verluste. Ter frühere albanische Abgeordnete Safi ist an der Spitze eines Bataillons von Freiwilligen an die serbische Grenze ab gegangen. Wie dieJeni Gazetta" meldet, hat sich an der griechischen Grenze eine Liga zur Verteidigung gebildet, -Lie oor Lemnos erschienene griechische Flotte entfernte sich bald wieder. In Djakova eingetroffene Albanesen melden. Mb die Montenegriner mit ansehnlichen Streitkräften P l a w a an­gegriffen haben. Ter Kampf dauerte gestern den ganzen Tag. Während der Kämpfe wurde ein türkischer Munitions t r a n s p o r t von einer griechischen Bande a n g e g r i_f f en. Acht Türken fielen, die Munition wurde gerettet, xrcifjig Personen, die als Mitglieder einer Bande angesehen werden, sind verhaftet worden.

Tic Offensive der griechischen Flotte.

DerSabah" erfährt, die türkische Flotte brachte die 11 ft ft c n b a 11 c r i e n bei Varna z um Schweigen. -L i e Stabt soll durch die Beschießung stark gelitten haben. Tie dort befindlichen Torpedoboote wurden außer Gefecht gelebt. Die Nachrichten sind nicht amtlich^bestatigt.

Tie , Vol's. Ztg " will aus Konstantinopel wissen: spätestens am 22. Oktober sollten türkische Truppen im südbul- garische n Hafen Burgas gelandet werden.

Bei dem Bombardement von Varna sollen zwei bnlga-

Athen, 21. Ott. Das von Admiral Coundourio befehligte Geschwader im ägäischen Meer kam gestern vor Kastro, der Hauptstadt von Lemnos, an und forderte die Behörden auf, sich zu ergeben. Das Geschwader warf heute im Hasen von M u d r a s Anker und setzte dort T r u p p e n a n s L a n d, die zur B e s e tz u n g d e r S t a d t vorrücken. Der Kommandant der Flotte verkündete die Effektivblockade über die Häfen der Insel von heute ab und forderte neutrale Schiss" auf, binnen 24 Stunden die Hafen von Lemnos zu verlassen.

Athen, 21. Olt. Der Kommandant der grie­chischen Seestreitkräfte im ionischen Meer er- Närte gestern die Effcktivblockade über die o t to- manische Küste, die sich vom Hafen Gemenitza bis Golf von Ar t eg e erstreckt. Den neutralen Schissen wurde eine gestern beginnende Frist von 24 Stunden zur freien Ausfahrt aus den blockierten Häsen gewährt. Gemäß den Bestimmungen des Völkerrechts und der Verträge, die mit den neutralen Großmächten bestehen, wird gegen jedes Fahrzeug vorgegangen, das versucht, die Blockade zu ver­letzen. Ter Minister des Aeußern veröffentlicht gemäß den Bestimmungen des Seerechts ein Verzeichnis der Gegen­stände, die als Kriegskontrebande angesehen werden.

Ter bulgarische Vormarsch-

Sofia, 21. Ott. Die bulgarischen Truppen setzten ihren Vormarsch nach allen Richtungen fort. Die türki­schen Truppen wurden von einer Panik ergriffen und zogen sich in Unordnung zurück, Waffen und Munition zuruck- lassend. T-ie türttsche Bevölkerung verließ zahlreiche ^rt-

monatlirfiTMM^ oiertel- lährlick l'lf. 8.20. durch Abbott- tu Zweigstellen monatlich 65 Pi.: durch die Post SU. 2. viertel- fährt, aus-fehl. Besteug. Zeileuvrels: lofal auswärts 80 Piemiiq. Chefredakteur:'?! WofB. Verantwortlich für den volitifchen teil August Goetz, für , -«eutlle- ton'. .Vermstchtes' und .Gertchtsfaal- st.'Aeu- rath,üt .Stadt und Land-: E.Hev. für den Anzeigenteil d Beck.

fat" "im dortigen Hasen sind Heinere bulgarische Kriegs- chisse etngeschlossen, und es heißt, einige hätten die Aus- ,brt versuchen wollen, seien aber durch das Feuer der irlrjchcn Flolte zurü^-'--'--"' wnrl'-*" <*'"j f,nht ln"

i'cil aelitten haben. W»

Türken anlangt, so ist es bisher beim guten Willen ge­blieben Nach einer Meldung sollen sie den sndbnlgartfchen Liafen Burgas dazu ausersehen haben. Diese etwa 10000 l -mvohner zählende Hafenstadt, wo sonst ein friedliches icherleben herrscht, hat für die Landung den Vorzug, test sie dem Kriegsschauplatz nahe liegt. Von dort her fSnnten den Landungstruppen vielleicht weitere Hceres- ikile xu Hilfe kommen. Vorläufig wird berichtet, die ; ilaaren hätten chren Vormarsch fortgesetzt und die Linie ,r Außenforts von Adrianopel erreicht. Gestern war nocki behauptet worden, zwei Außenforts seien bereits im Sturm k nommen worden.

Tie Serben wollen die tteinc türkische Grenzstadt Podu- ^^'^^^setzt haben und künden gleichfalls au, daß sie auf , nn Vormarsch seien. Das Gebiet, das sie durchziehen, ist , rbirgig und beschwerlich. Die Türken scheinen es auch Mer machen zu wollen wie in Thessalien: sie lassen die el-inde ein drin gen, um in einer strategisch günstigen Stel- bmg einen Hauptschlag zu führen.

Tic Beschießung von Varna.

Eine fcrbifchc SicgcSnachricht.

Belgrad, 21. Ott. Aus Kurschumlie wird amt­lich gemeldet: Am Samstag abend erstürmten mehrere s e r b i s ch e B a n d e n im Schutze des Nebels die Schanzen um Podujevo. In der daraufsolgenden Nacht veiließen die türkischen Truppen die dortigen Positionen. Po du- jevo ist gestern von den serbischen Truppen be- c tz t worden, wobei eine türttsche Bataillons,ahne, 80 große Fcldzelte, 10 000 Kilogramm Zwieback, mehrere Kisten Munition, 80 Ochsen und Kriegsmaterial beschlagnahmt wurden. Kriegsgesi >genc erzählen, daß an den bisherigen Kämpfen an der (Grenze zwei Nizamregimentcr, sechs Ab­teilungen Albanesen und drei Batterien teilnahmen. ne Albanesen sind unter Zurücklassung reichlicher Mengen Lebens^ und Futtermittel mit ihren Familien aus dem Gebiete des Lab ausgewandert.

Die Stimmung bei den Offizieren und Mannschaften ist vorzüglich.

Podujevo liegt nördlich von Priftina, nur wenige Kilo­meter von der Grenze am Flüßchen Lab.

Belgrad, 21. Ott. Nach einer amtlichen Meldung nahmeii die serbischen Truppen die türkischen Blockhäuser längs der Grenze in der Nähe von Ristowatsch, besetzten den Ort Bujanowitza und die strategisch wichtige Höl>e Bujan, 15 Kilometer südlich der Grenze.

Belgrad, 21. Ott. Nach einem heute abendsein- gelaufene'n amtlichen Bericht befinden sich die Ser­ben auf dem erfolgreichen Vormarsch gegen Ku m an o wo nnd Pristina. Ferner nahmeii die Serben heute früh Zarevo Selo, die wichtige Position Sultan Tepe auf dem Gebirge Osigovo Planina und gehen gegen Egripalanka vor. Die Türken wurden vom Berge Rnjan und von Stratza gegen Tabanovce zurück- gedrängt. Drei bei den gestrigen Kämpfen verwundete Offi­ziere und 50 verwundete serbische Soldaten sind nach Risto- vatz gebracht worden.

Nach Meldungen aus Podgoritza beteiligten sich auch Frauen von Albanesen an dem Kampfe bei Gussi u j e. Z ahl - reiche Knaben, die Munition und Waffen für die Kämpfen­den herbeitrugen, wurden getötet. Tie Zahl der Toten auf beiden Seiten wird auf mehr als 1200 geschäht.

Der serbische General st ab entschied, daß vor-

vom valtankiegsschanplatz.

Das lebhafteste Interesse erwecken gegenwärtig die Vor I .finge an der bulgarischen Mfte. Die türkische Flotte !leint wirttich in Tätigkeit getreten zu sein und die Stadt 'tarn a bombardiert zu haben, die etwa 30000 Einwohner

rische Torpedoboote gesunken sein.

Konstantinopel, 21. Ott. 8 Uhr abends Eine Don dem Kommandanten der Flotte im chwar- ie n M ecre eingetroffene Depesche meldet, daf; wah­rend des Bombardements von Varna drei bulgarische Torpedoboote aus lausen woll­ten, jedoch unter dem vereinigten Feuer der türkischen Flotte beschädigt in den Hafen zurückkehren mußten. Tas Vambardement dauert fort. Die Ankunft von 200 bei den > .impfen in der (legend von Kirklisfe gefangenen Bul- , a r e n wird noch heute abend erwartet. Der §briegsmi- »ister teilte mit, baß das Gros der serbischen und türtt- jeben Armee ijodi nicht Fühlung genommen haben.

Türlische Meldunqen vom Kriegsschauplätze

I jciagcn, daß am -Samstag an der m onteneg ri.ni s che n v, r c n ; c bei den Höhen von ßKevitza, Kirtfchiska und Cgratime ,) eftigc (tzefecht e ftattfanben. Tie M o nt encg r t n er lohen und ließen Munition und Zelte im Stich, -sechs -4N ziere und fünfzehn Soldaten find auf montenegnnifcher seite ge- i ulen Anw bei Berana und B j e l o p o l j e bauern die Kampfe mit den Montenegrinern fort, die hier grotze Verluste haben ,ollen. Tie türkischen Truppen bef'etzten die Höhen von Kromtza, Tokntanli und Tretitsche an der montcnegnnndfcn Grenze und (rbeuteten Munition und Vieh.

!ir 249 Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 22. Moder 1912

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Zwei Briefe Lenaus gegen die Zensur.

Tie Behaltptung Frankls, daß Lenaus Werke in nidit eitnnal dem Titel nach in Journalen genannt werden burften," ist uvar nicht richtig, aber immerhin hat der große ?nrifev einen siebenjährigen Krieg mit der Ze ns u r - Siechten müssen, bei dem sehr viele Federn^ smmpf und ebenw i le Bogen vvll geschrieben wurden und die Staatsgewalt fchlief;- lich vor der Festigkeit und Nnbeugsamkeit eines Einzelnen die Waffen strecken mußte. Eine genaue Darstellung dieses Lenauschen lem'urkrieges gibt zum erstenmal auf Grund unverofsentlrchter Aofumente und Briese Prof. Eduard Castle, der Herausgeber ^r qroften Lenau 2lusgabe des Insel Berlages, in der vor rursem . -ichieneuen Festschrift für den Budapester Germanisten Gustav Heinrich _s.

Zunäckrst hatte sich die österreichische Regierung um den Dichter ijenaii burdxiu-2- nicfJ gekümmert. Es war wohl in weiteren Mr men b reits [>crannt, daß hinter diesem Pseudom;m ein, ungarischer Edelmann Nikolaus von Niembsch steckt: aber die österreichiichen Behörden gewannen an diesem Poeten erst ein Interesse, als itc b irrt) eine Mitteilung des österreichischen GeschäftSttägers in stutt-- ,7'it darauf hingewiesen wurden, dieser Lenau sei vielleicht iden- 'i ch ober hänge zusammen mit dem von der Polizei gesuchten " nastasius Grün: Graf' Auersperg, ber nid) hinter diesem Namen verbarg, Ixitte erklärt,das; er sich durchaus nicht mit schritt tcllcriid en Arbeiten beid\imgte". Raid) wurde festgestellt, dast 'Vtembfdi mit diesem Anastasius Grün nidsts zu tun habe, aber die Aufmerksamkeit war nun auf ihn gelenkt, und er musste vor der Polizeioberdirektton seine Identität nut Lenau erklärenMir u>ar es unmöglich," schreibt er darüber,im entscheidenden Mo- niente mid) von Lenau loszureißen. Diesem Lenau verdanke ick v iel Freude und Freunde im Leben. Ick) bin es und habe das zu Protokoll unterschrieben". Nun wurde gegen ibn em Verfahren -cegen schwerer Polizeiübertretung eröffnet, weil er seine Werke -m Auslände d b bei Cotta in Stuttgart, DcröncntlidU habe, o>ne -sie ber österreichischen Zensur vorzulegen. Lenau rechtfertigte it.1i durch die Behauptung, er fei in Oesterreich nicht, natioiwli fterter Ungar, mithin ein Ausländer, auf dendie rur bie f. T Lrbländer bestehenden Zensur.dritten keine Anwendung fanden . (Ein endloser Schriftwechsel vollzieht sich um bu*ier ^trntrragc lallen zwisd.en der .Hofkanzlei, der Landesregierung und dennach ieortucten" 3nftair,cn; immer wilder »cruichl man den W IBnbet" auf irgend eine Sme 3ur Sßnantroormng lU J*. iM seinSananorala" greBca A-rgrrms cm-flt un6 auch icwt .neueren GedickM", ..wegen der in mehreren Munaven 6c-3 iiuche« ? jrroaltenbcn, in religiöser und politischer Beziehung inkorrekten

Tendenz mit Verbot belegt worden sind". Schließlich endet alles in einem Satyrspiel. Tie Regierung verweist zur ^l^tgung der Sache auf ein Dekret vom 12. Dezember 1838 3. 69 303, aus dem der Magisttat herausliest, daß Niembsch als Inländer zu behandeln und zu einer (tzeldstrase von 25 Dukaten in Gold zu verurteilen sei. Tie Regierung aber äußert über dieses Urteil ihr Erstaunen, da Niembsch als geborener Ungar, nicht als In­länder anzusehen sei, und so begnügt man sich nach dem langen Hin- und Herverhandeln damit,sämtliche Verhandlungsakten lediglich aufzubehalten".

Von 1836 bis 1843 hat dieser Zensurkrieg Lenaus gedauert: er hat in ihm tapfer und temperamentvoll seine Stellung ver­teidigt. Tas beweisen zwei Briese an den Herausgeber des Teutsd>en Musenalmanachs" Arnold 9htgc, die Castle zum erstenmal veröffentlicht. Alle .Kwrrespondenzen Lmaus wurden damals von der Polizei überwacht. Deshalb schreibt er zunächst vorsichtig bei der Uebersendung seinesNachtgeianges : Die Maßregeln unserer hiesigen Zensur haben sich in neuester Zeit so sehr perid)lunmert, daß es mir unmöglich ist, ein Gedicht ohne Bewilligung derselben drucken zu lassen, ohne bat; mir mein Ausenthalt in Oesterreich, den ich, wenigstens für letzt, nicht aut geben kann, auf das bitterste verkümmert wurde. Wenn einer meiner Freunde ein ihm von mir zur Einsicht mitgeteilte? Ge- dickt auf seine eigne Hand in Truck gibt, so hab id. tnchts dagegen, denn gewisse Leute sollen allerdings wissen, wie ick denke und dickte, nur soll ihnen der legale Grund benommen sein, zu ihren weder trächtigen Bexationen. Empfangen Ew. Wohlgeboren daher das beiliegende Gedickt zu freundlick'er Einsicht und Beuneilung: die fautelierte Mfassung dieses Briefes aber bitte ick nicht einem Mangel an Vertrauen von meiner Seite, sondern der Wahridieni- lidikett einer Fnterzeptton, wodurch Vorsidst geboten ist, beizu- meffen " Ter Brief wirb von der Polizei aufgehalten, und darauf- hm schreibt Lenau zwei Wochen später, nad^cm ihm diese -r.at- iadw irgendwie zu Ohren gekommen, in größter Aufregung an Rüge- ,Tie behutsame Form der Zusendung meines Beitrages für Ihren Musenalmanach war zwar, in Anbettadu meiner hi en gen Verhältnisse, mir höd.'st rätlick, ist aber ! .nterbrein mir unb meiner gewohnten Weise höchst zuwider: sie verfolgt mich wie ein stinkendes Gespenst und ick fühle mich Ihnen gegenüber zur Er­klärung gedrungen, daß ick das Ihnen übersandte Gedickt:tz^acht- geiang" selbst und auf meine Verantwortung als Beitrag zu Ihrem Musenalmanad; in den Truck geben will. Jene gewalt- Ixibenben Missetäter, die das bißchen Geistesleben in Oesterreich vollends erdrücken oöcbteii, sind- nicht wert, daß id), um ihren Verfolgungen zu entgehen, zu irgend einer List oder Winkel ei meine Zuflucht nehme . . . Ich werde gewiß zur Verantwortung

gezogen werden und mid) nach dieser Erklärung zu einem Zensur- nerbredjen bekennen müssen, doch will ich viel lieber die ganz« Rotte jener Niederträchtigen gegen mid; haben, als einem einzigen Ehrenmanne gegenüber nicht ganz unzweideutig dazustehen." Ties mannhafte Schreiben, das die Poliz.i natürlid) wieder las,.hatte aber eine ganz andere Folge, als Lenau erwartet: seine Briefe blieben fortan unbehelligt!

Die Konzertkritiken der Frankfurter Zei­tung haben den Vorstand der Frankfurter Museumsgesellschaft veranlaßt, in seinem Spielzettel zum letzten Moniert einen Protest gegen die Frankfurter Zeitung zu veröffentlichen, in dem behauptet wird, daß die Besprechungeii der Frankfurter Zeitung unsach­lich und gehässig seien. Infolgedessen hat die Feuilleton­redaktion der Frankfurter Zeitung der Museumsgesellsdraft die ihr zur Verfügung gestellten Karten zurückgesandt und in ihrem Abendblatt vom Samstag einen Brieswecksei zwischen sich und der Museumsgesellsdiaft veröftentlickt. Aus diesem Brief­wechsel geht hervor, daß die Museumsgesellsdiaft zunächst bei der Geschästsleitung der Franksurter Zeitung vorstellig wurde, um den mißliebigen Kritiker aus seinem Amte zu drängen, und dann, als sie damit Tein Glück hatte unb an bie Feuilletonredaktion verwiesen war, hier denselben Zweck verfolgte. Begreiflid;erweise wurde das Ausinnen energisch zurückgewiefen und die ftritiler eines Teiles der anderen Franks. Blätter stellen nun fest, daß die frritifen der Frankfurter Zeitung durchaus fachlick; waren, und daß ber Tirigent zwar ein großer Techniker sei, aber rein k ü n st­ier i f ch e n Ansprüchen nicht zu genügen vermöge. Tie Museums- gesellschast sei dadurch verwöhnt, daß die Frankfurter Kritik in den letzten Jahren immer sehr wohlwollend gewesen fei.

Dr. R. Lütgens zweite ozeanographische Forschungsreise. Dr. R. Lütgens von der deutschen Seewarte in Hamburg, der 1908/09 auf einem Laeiszschen Segel­schiff zu ozeanographischen und meteorologischen Untersuchungen eine Fahrt nach Südamerika mitgemacht hatte, von der er mit reichen Ergebnissen heimkehrte, wird aniangs Oktober eine kürzere Fahrt nach Haitt und New Pork antreten, auf der er neben oscanograohiidjen Forschungen auch wirtschaftsgeographischm Fragen seine Aufmerksamkeit widmen wird.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen» schäft. In B e r l i n ist der emerit. o. Professor der Agrikultur­chemie an der Universität Königsberg i. Pr. Geh. Reg.-Rat Dr. Heinrich Ritthausen im 87. Lebensjahre gestorben. In Wien starb am 16. d. Mts. der Privatdozent für klassischc Philologie an der dortigen Universität, Gymnasialprofessor i. N. Dr. phil. Siegfried Mekler im 61. Lebensjahre.