Ausgabe 
22.2.1912 Zweites Blatt
 
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serläNen ivkrd'. fBeifaS.f Ich nehme an, öaß ein enk- Sprechender Entschluß des Bundesrats schon morgen gefaßt werden wird. (Beifall.) Ich möchte ober ausdrücklich fcststellen: ES kommt hier nicht der Zolltarif in Betracht, keine Abweichung vom Standpunkt, den die Verbündeten Regierungen in allen diesen Fragen oft genug eingenommen haben, sondern lediglich eine Maßnahme, die im Sinne einer jlorreftcn Handhabung unseres Zolltarifs liegt.

In welchem Umfange diese Maßnahme vereinzelt bleibt, will ich dahingestell: sein lassen; wir können noch nicht übersehen, in welchem Umfange noch weiter eingcführt werden wird. Ich will auch ohne weiteres zugeben, daß namentlich aus dem Südosten Europa- große Quantitäten Kartofslen eingeführt werden, die nicht für den menschlichen Genuß, vielleicht sogar nicht einmal als Vieh­futter verwendet werden können. Immerhin werden sie eine wert­volle Vermehrung der Rohprodukte der Industrie bedeuten, auS Lenen sie nicht nur Futtermittel, sondern gegebenenfalls auch Atahrnngsmittel für Menschen schaffen könnte. Wir können damit rechnen, daß auch auf dem Gebiet der Speisekartoffeln, wenn auch nicht ein erhebliches Sinken der Preise, so doch wenigstens eine Erleichterung cintritt. Die Regierung erkennt ausdrücklich lich cm, daß daö sowohl für die menschliche Ernährung wie für die Viehhaltung von ganz besonderer Wichtigkeit ist.

2>ie Besprechung der Interpellationen wird auf Antrag .Stadthagen .(Soz.) einstimmig beschlossen.

Abg. Herold (Zentr.)?

Auch wir beklagen die Steuerung, aber kein Parlament und keine Gesetzgebung hat daran schuld. Wenn die Sozialdemokratie der Gesetzgebung aber die Schuld beimißt, so ist das d i e schärfste Agitation, die sich denken läßt. Ebensogut könnte man die große Dürre des letzten Sommers der Gesetz­gebung in die Schuhe schieben. (Sehr gut! rechts und im Zentrum.) Die Freisinnigen selbst glauben nicht an eine Wirkung der Auf- bcbung der Zölle. Tr. Wcndorff sprach von einer moralischen Wirkung. Daraus macht sich aber die La dwirtschaft nichts, denn sie besteht aus praktischen Leuten, die h sagen, daß die Aufhebung des Zolls en Ausfall b o > i"O Millionen Mark bedeuten würde, die anderweitig .i (gebracht werden muffen. Was hat also diese Aufhebung für einen Zweck? Das eine gebe ich zu, daß die Landwirtschaft ein Interesse daran hat, daß die Futtermittelpreijc nicht hoch sind. Der Gerstenzoll ist rriedrig, und eS muh berücksichtigt werden, daß die Eigenproduktion an Juttergerste im Steigen begriffen ist und ein wesentliches Interesse an dem Zollschutz hat. Allerdings ist der Preis der Futtergerste bedauerlich start gestiegen. Aber ich bestreite ent- schieden, daß die Aufhebung des Zolles den Preis auch nur um einen Pfennig ermäßigen würde.

Den Nutzen davon hätte nur daS Ausland und her Handel (Sehr richtigI rechts u. im Zent.), die 45 Mill. Mark profitieren würden. Ebenso verhält es sich beim Mais. Hier würde das Gestbenk an das Ausland 25 Mikl. Mk. betragen. Mit der vorn Staatssekretär in Aussicht gestellten Suspendie­rung deö -Ü a r t o f f e l z o l l e s ist meine Fraktion einverstanden. Zwar wird unseres Erachtens auch diese Maßregel den Preis der Kartoffel n icht um einen Pfennig ermäßigen, aber da sie keinen Einnahmeausfall für daS Reich bedeutet, sind wir damit zufrieden, damit die Bevölkerung an diesem Beispiel erkennt, daß die Aufhebung des Zolles wirkungs­los iit. Sollte aber doch eine Wirkung eintreten, so würden wir amS darüber natürlich nur freuen, da der Preis der Kartoffeln im allgemeinen recht hoch ist. Tic Landwirtsck)aft ist ja zufrieden mit der Deckung ihrer Produktionskosten. Einen unmittelbaren Einfluß auf die Fleischprcisr würde die Ermäßigung der Futter­mittelpreise nicht haben. Wenn der Zweck der vorliegenden An­träge also auf eine Ermäßigung der Fleischpreise hinauslaufen sollte, so würde er damit nicht erreicht werden. (Beifall i. Zentr.)

, Abg. Arnstadt (Kons.):

Die Anträge der Sozialdemokraten sind noch etwas radikaler als die der Volkspartei. Dankbar sind wir, daß die Herren von der Linken die Notlage der Landwirtschaft anerkennen. Hoffent­lich werden sie bann auch unsere Bemühungen zur Milderung dieser Notlage unterstützen. Eigentliche Futtermittelzölle gibt cs gar nicht. (Zuruf links: SurrogateI) Aber kommen Sie doch nicht immer mit diesem falschen Einwand von den Surrogaten. (Abg. Feg ter (Bp.j: Sie verstehen'sl) Nun, wer mehr von und beiden versteht, will ich nicht untersuchen. Ich weiß nur, daß ich durch die Verwendung der Aussprüche des Abg. Fegter im Wahlkampf den Kandidaten der Volkspartei aus der Stichwahl verdrängt habe. Hoffentlich helfen Sie (nach links) mir bei der nächsten Reichslagßwahl wieder. Die Fulterrnittelzölle kommen nicht nur dem Großgrundbesitz zugute, sondern auch den kleinen Bauern. Immer mehr erkennt man auch in diesen Reihen, daß die gesamte Landwirtschaft solidarisch in ihren Interessen ist. Wollen Sie bestreit'n, daß der Gerstenzoll niedrig ist? Infolgedessen ist der Gerstenbau dauernd zurückgegangen. Die ost elbischen Agrarier sorgen besser für die Bauern als alle Anträge der Linken. (Heiterkeit links.)

Von den Frachtermäßigungen hat der Handel allein den Vorteil au sich gezogen, daö hat selbst derVorwärts" anerkannt. So würde es auch mit der Herabsetzung oder Suspendierung der Zölle gehen. Der Bauer hat jetzt schon bei der Viehhaltung Ver. lüft, durch die Anträge der Linken werben nur die industriellen Mastanstalten begünstigt. Wir rnüffen möglichst unfern ganzen Fleischbedarf im Inlande decken. Die hohen Kartoffelpreise find allein durch die schlechte Ernte de« letzten Jahres bedingt, sie werden zweifellos bald nachgeben. Daher ist ein Vorgehen, wie cs die Interpellationen Vorschlägen, zwecklos, es würde nur die Nachfrage und damit die Preise steigern.

Abg. Wamhoff (Natl.):

Es ist richtig, daß infolge der Dürre des Sommers alles sehr feuer geworden ift. Die Landwirtschaft hat eine schlechte Ernte gemacht, und auch die Konsumenten muffen darunter leiden. Wir hatten die Absicht, für eine Suspendierung deö MaiszolleS bis zum Herbst einzutreten. Nach den Ausführungen des Staats­sekretärs, die wir anerkennen rnüffen, muffen wir die Frage aber als offen behandeln. Andererseits waren noch einige meiner Freunde bereit, für die Suspendierung des Gerstezolls einzu- treten. Wir glauben unS aber nach den Ausführungen deö Staatssekretärs keinen wesentlichen Vorteil versprechen zu können. ES ist von unserer Partei immer betont worden, hier im Reichs­tage und auch in allen programmatischen Kundgebungen der Parteitage, daß wir streng fest halt en an der Auf. rcchterhaltung der jetzt bestehenden Schutzzoll- Politik. Und der Aufschwung der letzten Jahre in Stadt und Land beweist, daß diese Schutzzollpolitik unS nur von Vorteil [netotfen ist. Ter Redner der Sozialdemokratie muß in .Konsequenz seiner Ausführungen schließlich noch die Aufhebung der Getrcidezölle verlangen.

Der E^üutzzolltarif iit aber ein System, hergestellt in ge­meinsamer Arbeit von Industrie und Landwirtschaft. Wenn Die landwirtschaftlichen Zölle fallen sollen, dann rnüffen auch die anderen Zölle fallen. Tic Industrie hat infolge des Schutzzolles einen Aufschwung genommen, wie wir ihn früher nicht kannten. Und in den Jndustriezöllen steckt doch ein Teil der Arbeitslöhne; das wiffen die Arbeiter auch und stehen deshalb auf unserer Seite. Die Landwirtschaft hat viel unter dem früheren Preissturz ge­litten, erst seit dem Zolltarif von 1902 geht es ihr besser. In den neunziger Jahren nxircn unter dem Druck der Handels, vertrage die Preise außerordentlich niedrig. Tas bat einen großen Teil meiner Freunde umgeftimmt. Wir haben jetzt mit Welt­marktpreisen und Welternten zu rechnen und bann mit dem un­geheuren Herabgehen ber Seefrachten. Für diese Schutzzollpolitik werden wir weiter eintreten. In diesem Sinne sind wir schon 1902 bei den Vorbereitungen des Zolltarifs vorgegangen. Mit der Suspendierung des Kartoffelzolls sind wir nach Den Aus­führungen des Staatssekretärs einverstanden. ES ist eine Teue­rung vorhanden, und die Kartoffelpreise rnüffen verbilligt werden ,im Jutereffe der kleinen Leute. (Beifall.)

Abg. Stnbbkndorf (9lt?.) t

Die vorübergehende Aufhebung der Futlermittclzölle würde für die Konsumenten vermutlich keinen Vorteil haben. Tie Ab­schlüffe sind bereits geschloffen unter Voraussetzung des Zolles; toirb er jetzt plötzlich luäpcnburt, so bat bic Landwirtschaft im großen ganzel» nichts dgvon. Wir haben biefe Erfahrung schon

einmal gemacht bei einer Herabsetzung der Eserrbahnfruchten; die Differenz bli-'b in den Händen der Händler.

Abg. v. Grnbdki (Pole)

spricht vom Standpunkt der auf Karlof'etnahrung angewiesenen Arbeiterschaft für Aushebung des Kartoffelzolls und wünscht auch Frachtermäßigung.

Abg. Dr. Will (Zentr.-Elsüsser)

ist mit der Suspension d's Karlosselzolls einverstanden. Die verbündeten Regierungen baden gtjeigt, daß sie sich der Jntereffen deS konsumierenden Publikums annehmen. In Elsaß-Lothringen haben wir die Erfahrung gemacht, daß die Oeffnung der Grenzen auf den Preis ohne Einfluß bleibt. (Hört, hörtl rechts.) 1910 hat die Straßburger Regierung die Grenzen für Fleisch geöffnet, und der Preis blieb d-Zelbe. Daher sind wir gegen jede Aushebung der Futtermittelzölle.

Fortsetzung der Besprechung Donnerstag, 1 Uhr.

Schluß 5)4 Uhr.

Deutscher Außenhandel im Januar 1912.

Mit dein 1. Januar 1912 ist ein neues Statistisches Warenverzeichnis in Kraft getreten. Es schließt sich wie das >is dahin gültige an den Zolltarif an, zergliedert ihn aber nicht mehr in so weitgehendem Umfange wie dieses, sondern bringt eine Verminderung um rund 200 diummern. Das jat sich erzielen lassen durch die Zusammenfassung von Waren, deren gesonderte statistische Darstellung nicht mehr nötig ist; so sind z. B. Reis in der Strohhülse und Reis, enthülst, zuReis, unpoliert", ferner einfarbige Waren aus Steingut, aus fernem Steinzeug und aus feinem Ton­zeuge, die bislang je eine Nummer für sich hatten, und Einzelteile (Ersatz- und Reserveteile usw.) zu landwirt­schaftlichen Maschinen, allein ausgehend, die früher bei den einzelnen Maschinen nachgewiesen wurden, zu besonderen Nummern vereinigt worden. Anderseits hat auch, den aus beteiligten Steifen laut gewordenen Wünschen entsprechend, eine weitere Zerlegung einzelner Nummern ftattgefunbeu; so haben z. B. Zement, der mit Tripolith und gemahlenem Kalk eine Nummer bildete, desgleichen neben den Eisen- rahnschienen, zu denen sie bisher gehörten, die Straßen- bahnschienen, weiter Rechen- sowie Schreibmaschinen und elektrische Telegraphenwerke, Fernsprecher, elektrische Sicher- heits- und Signalapparate, Vorrichtungen für drahtlose Telegraphie und Telephonie, die früher vereinigt waren, besondere Ncummern erhalten. Auch sind zur Verbesserung der Handelsstatisttk einzelne Nummern in anderer Weise als bisher zergliedert worden; z. B. die drei Nummern: Draht aus unedlen Metallen oder Legierungen unedler Me­talle, überzogen, umsponnen usw. mit: a) Gespinstfäden, auch in Verbindung mit Kautschuk und Guttapercha, b) mit Ge­spinstfäden, auch in Verbindung mit andern Stoffen als .Kautschuk und Guttapercha, c) mit Asbest, Kautschuk, Gutta­percha oder Papier heißen nunmehr: Traht aus un­edlen Metallen usw. a) für die Elektrotechnik, b) für andere Zwecke, Hutkörper usw.

Als rein äußerliche Neuerung ist noch hervorzuheben, daß an Stelle der lateinischen Unterscheidnngsbuchstaben, weil sie sich nicht bewährt haben, bei der Zerlegung der Zoll­tarifnummern deutsche Buchstaben getreten sind.

In dem Januarhefte 1912 derMonatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel Deutschlands" ift den er­wähnten Aenderungen Rechnung getragen. Die sachlichen Aenderungen bringen es mit sich, daß bei einer Reihe von Waren die Vergleichbarkeit der Zahlen mit denen des Januar 1911 aufgehoben ist. Im Januar 1912 haben im ganzen betragen:

Die Einfuhr 5072008 t, außerdem 9361 Stück, wor­unter 9346 Pferde (gegen 4 261321 t, außerdem 12 274 Stück, worunter 12 254 Pferde, im Januar 1911),

die Ausfuhr 4 859 302 t, ferner 1031 Stück, darunter 984 Pferde (gegen 4 427 117 t, ferner 786 Stück, darunter 731 Pferde, im Januar 1911).

Die Werte haben erreicht (in Millionen Mark):

in der Einfuhr 823,4 an Waren und 14,6 an Edel­metallen (gegen 759,3 und 22,7 im Januar 1911),

in der Ausfuhr 614,3 an Waren und 12,8 an Edel­metallen (gegen 598,8 und 5,2 im Januar 1911).

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. Februar 1912.

** John Gabriel Borkman-Aufführung im akademischen Dürerbund. Am Donnerstag, 29. Fe­bruar, wird der akademische Dürerbund in der Turnhalle (Steinstraße 3) Ibsens vieraktiges SchauspielJohn Ga­briel Borkman" aufführen. Es ist wohl das erste Mal in Deutschland, daß eine akademische Vereinigung mit einer so hohen Aufgabe an die Oeffentlichkeit tritt.John Gabriel Borkman" wurde aus dem Grunde gewählt, weil er vor feinen anderen Gefährten dieser symbolistischen Schaffens­periode des Dichters, Wildente, Rosmershvlm, Baumeister Solneß, ganz mit Unrecht vernachlässigt erfdyeint. Zur Ein­führung in das Stück I)at sich Prof. Tr. Collin in überaus liebenswürdiger Weise bereit erklärt, vor Beginn der Auf­führung kurz das Problem zu erörtern. Außerdem ist es durch das freundliche Entgegenkommen hiesiger und aus­wärtiger Damen gelungen, die weiblichen Partien gut zu besetzen. Tie drei Hauptpartten werden von Fräulein Liese! Scholz (Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt a. M.) als Gunhild, Fräulein Ida Strack (Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt a. M.) als Ella Rentheim, .Herrn Ren6 Wallari als Borkman dargestellt. Es ist erwünscht, den Bedarf an Programmen, die als Einttittskarten gelten, bereits im Vorverkauf zu decken. Für die verehrlichen außerordent­lichen Mitglieder und ihre Angehörigen sind Plätze re­serviert. Um pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. Es ist zu wünschen, daß die Veranstaltung des Dürerbundes allgemeines Interesse findet und «die große Arbeit und Mühe, die eine sorgfältig vorbereitete Aufführung mit sich bringt, durch recht zahlreichen Besuch belohnt wird.

** Vortrag über die Privatbeamten-Ver- sicherung. Am 2. März wird der Beamte des Deutschen Techniker-Verbandes, Kauf mau ii - Berlin, im Cafe Ebel über dasPensionsversicherungsgesetzderPri- vatange stellten sprechen. Kaufmann war im Haupt­ausschuß und in der Siebenerkommission tätig und ift des halb über das für den Privatbeamten so äußerst wichtige Gesetz eingel)end unterrichtet. Es dürfte von Allgemeinem Interesse fein, besonders für die Angestellten, aus berufe uem Munde einiges darüber zu hören.

44 Bilder aus dem Familien- und Volks­leben wurden soeben in der Lesehalle am SelterStor neu ausgestellt. Dabei befinden sich Holbein: Familienbild, Rem­brandt: ZimmeniiannSfaniilic, Ostade: Spinnerin vor der Haustür, Murillo: Geldzahlende Kinder, Velasauez: Die Spinnerin, Ludwig Richter: Ter Torfgeiger, Schütz: Mittags­rast, KnauS: Dorfbrand, Millet: Beim Abendläuten, Cpitzweg: Der verliebte Provisor, Harburger: Bierpolitiker, Uhde: Der 'Kinderfreund, Max Liebermann: Kinderspielplatz, Thoma;

Religionsunterricht, Bantzer: Hessischer Bauerntanz. Stereoflop-Apparat zeigt Ansichten auS Paris.

Arbeitsvergebung. Bei der Vergebung ber Rohbauarbciten der Turnhalle für das Realgymnasium am Dienstag gingen unter Zimmerarbeiten folgende scchg Angebote ein: B. Nuhn - Lollar 6 645.80 Mk., ©corq Schubecker 6 505.03 Mk., Sondermann & Bücking - Alsfeld 6 287.98 Mk., Schubecker & Bechthold 6 217.08 Mk., Engel. Hirnsheim 5 290.64 Mk., Tippel-Albach 4 436.02 SDIL

Kreis Alsfeld.

A Ruppertenrod, 21. Febr. Unsere Gendarmerie Station soll nach NiedcrOhmen verlegt tperbat To> würfe unsere Gemeinde sehr bedauern. Tie (9enbarmeric*5tatu)H besteht hier seit 40 Jahren. Sie wurde hierher gelegt, nwi Ruppertenrod am KreuzungSpunkt der zwei wichtigsten Straßen des ganzen Vogelsberges; Gießen-Lauterback und Gieften-Als- teld, liegt. Tas Vagantentum benützi aber keine Eisenbahnen, sondern die Hauptvcrkehrswege. Teshalb ist eine Gendarmerw <statioii an einem solchen Vcrkehrspunlt erforderlicher al« an der Eisenbahn. Tie Gendarmerie besitzt hier recht passende Wob nungen. Ruppertenrod hat einen Verkehr an (Geschäftsreisenden aufzuweisen, wie fein zweites Tors im nordwestlichen Vogelsberg Tas sind wohl Punkte genug, die ein Verbleiben der Genbar merie an ihrem seitherigen Ort rechtfertigen.

Kreis Lauterbach.

~ Angersbach, 21. Febr. JDer Männeraefang verein veranstaltete gestern und am Samstag unter Mitwirkung des gemischten Chores im Saale zum Löwen eine wohlgelunqene TheatervorstellungTas Lieseri vom Erlenhof". Wäd rcnv der gestrige Abend nur den Familienangehörigen galt, war die Vorstellung am Samstag allgemein. Boche Abende traten sehr gut besucht, auch aus Lauterbach hatten sich zahlreiche Besucher eingefundcn. Tas von Lehrer Sauerwein mit vieler Mühe cm geübte, etwa drei Stunden dauernde Theaterstück erntete reichen Beifall.

Krcis Schotten.

Groß-Eichen, 20. Februar. Am Sonntag lanbcv hier nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr ganz in der Nähe unsere. Ottes ein Luftballon. Ter Gondel entstiegen drei Lis. ziere in Zivil. Ter Ballon war nach Angabe der Luftschiffer um 11 Uhr vormittags in Heidelberg aufgeftiegen. Tie Lau düng ging glatt von Ratten. Tcc Ballon wurde ans einen herbei geholten Wagen verpackt und nach Bahnhos Mücke verbracht.

Starkenburg und Rheinlstsscit.

m. O ffenb ach a. M., 21. Febr. Das Infanterie Regiment 168, das bisher nur aus zwei Bataillonen besteht, soll durch Bildung eines dritten Bataillons auf die übliche Regimentsstärke vermehrt werden. Eschau beit sich jetzt darum, in welcher hessischen Stadl das neue Bataillon garnisonieren soll. Tas erste Bataillon steht in Butzbach und das zweite in Offenbach. Um die Garnison des 3. Bataillons haben sich bereits Friedberg und Butzbach bcioor- bcn. Auch an die Stadt Offenbach ist, wie in der heutigen Sitzung des Verfasfungsausfchusfes mitgeteilt wurde, des­halb eine Anfrage ergangen. Von Beigeordn. Weil ist ein oberschläglicher Kostenanschlag ausgestellt worden, nach dem der Bau einer neuen gemeinfchaftlicheit Kaserne 1 800000 Mark Kosten verursachen würde. In Anbetracht dieser gc* wattigen Ausgaben, die mit der Uebernahme des dritten Bataillons der Stadt entstehen würden, wurde einstimmig das Angebot abgelehnt.

Hefsen-Nassau.

[] Marburg, 21. Febr. Nachdem die Rentabili­tät der elektrischen Straßenbahn, die vorerir probeweise nur die seitherige Pferdebahuliuie vom Haup'.- bahuhof dis zum Wilhelmsplatz iunehält, alle E r w a r t u n gen iibertifft, beschäftigt der weitere Ausb-an die Gemüter. Vorgesehen ist in erster Linie der Weiterbau der Bahn bis zum Südbuhuhof und hierfür liegen verschiedene Vorschläge vor, welchen Weg sie nehmen fol.. Aber auch die Geschäftsleute in der Oberstadt regen sich jett und machen geltend, daß die Bahn unter Benutzung bet seit 10 Jahren bis zum Marktplatz unbenutzt licgcnbn Schienenstrangs mitten durch die Stadt geführt werden soll. Es haben Veg.'famrnlungen der verschiedeneu Intel efsentengruppen statt gefunden, ebenso smd auch Listen zweck Eingaben an den Magifttat im Umlauf. Auch der letzter hat sich «schon mit der Angelegenheit beschäftigt, ohne bi. jetzt eine Vorlage gemacht zu haben.

w. Wiesbaden, 21. Febr. Karl Schnricht, bc Dirigent deS Rühlschen Gesangvereins in Frankfurt o. M wurde zum ersten Kapellmeister deS hiesigen Kur orchesterS gewählt.

Luftschiffahrt.

Friedrichshafen, 21. Febr. Die fünfte Probefahrt bfJ , Vikto ria Luisc" endigte nm 11.15 Uhr mit einer glattrJ Landung. Tas Luftschiff wird in der nächsten Woche nod) eine Uebernahmesahrt zu leisten haben und dann in den Besitz bt Deutschen Lustschiffabrts-Aktiengesellschaft übergehen, die einig Pasfagierfahrtcn vor der Uebcrfübrung nach Frankfurt heran stallen wird. Heute sind mehrere Offiziere aus Berlin hie eingetroffen, um an den nächsten Fahrten teilzunehmen.

vermischte».

* T er Phonograph als Detektiv. Aus Indian.' polis wird berichtet: Ter Staatsanwalt, der im Zusammen Hang mit der Dunamitverschwörung Material gegen die der Teil nähme a» dem Komplott verdächtigen Personen sucht, macht jctz bekannt, daß er während ber letzten Monate mit Hille eines ac Heimen Phonographen oder Tiktavhons jedes Gespräck» belaniä hat, das der Präsident der Eifenarbeiter-Genossenschaft, ytc1 Ryan, in seinem Kontor geführt bat. Ter Staatsanwalt ließ » diesem Zwecke heimlich unter dem Schreibtische des Arbeitertührer beu Tiktogravhen aufstellen: ber Apparat war burch Trabte elel trisch mit einem tiefer liegenben Bureau verbunben, das dl Staatsanwaltschaft gemietet batte und wo Tag und Nacht Etenc grapben saßen, um die von dem Tiktogravben medianifcb reprodi zierten Gespräche au hu nehm en Tie Staatsanwaltschaft half

Grund zu der Annahme, daß der Leiter der Eisenbabnarbeita GenossenschaN bei ber Tynamilverschwörnng mitbeteiligt war uw cs scheint, daß mit Hilfe dieses vorn Staatsanwalt angewantte:- Splonagcsnstems der Verdacht vollau) bestätigt worden iit. Tatsache dieser eigenartigen Form der Uebcrwachung wird Kl bekannt gegeben, da der Apparat nicht länger in Tätigkeit '! Ter Stacrtsami>alt Miller äußerte, daß der Dikwgravh ouStü gezeichnet Tiinttionicrt habe. Tas angewandte Verfabren nm natürlich nicht von allen Bürgern gebilligt, und man macht Diehu roobl mir Recht geltend, daß die Staatsanwaltschaft unmsgm berechtigt sein könne, einen wegen Mangels an Beweisen w" verhafteten Bürger auf solchem Wege Tag und Nacht in |W,f Prwatwvhmmg zu überwachen

Kleine Lagerchromf.

In Ellerstadt iPfalzi drang der 47 Jahre alte Schub wacher 'JJüirtin Weilbrenner nach einem Wirtshausbewm ' das Haus des Bürgermeisters Meinhardt und verlangte -l dach. Ter Bürgermeister wies ihm da-> Wachtlokal an, "wmite aber nicht zufrieden war. Er schimpfte und wurde von .

Bürgermeister wrtgewiesen Er brachte darauf der Ehcirau £

Bürgermeisters einen Tolchstich in dcn rechten Oberschenkel Dl1 0