Ausgabe 
22.2.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 45

162. Jährling

rrscheinl täglich mtl ÄuSnahme brt Sonntag».

(Bcisall links.)

gekomnicn waren, ba1

Donnerstag, 22 Februar 1012

Rotationsdruck und Vertag brr Br üdt'schut Unioerfitäi» - Buch- unb Stetnbrudetei. tH Lange. Drehen.

Sie wissen aber auch, daß die verbündeten Negierungen damals auf Grund eingehender Erwägungen zu dem Gedanken 1 ' ne zeitweilige Aufhebung ter mittel grundsätzlich b e

Daß ein empfindlicher Mangel an Kartoffeln besteht, bestreitet niemand. Aber, um das $M'b vollständig zu machen: auch bcziig- lieh des Viehes und de s Fleisches laben sich die Sdiützun-

gen und Voraussagen als richtig crw,e,cn. die wir im vergangenen cGhr gemacht haben. Die Fle-schpreise haben gegen den vorigen ycrbft eine weseniliche Acnderung iud)t erfahren. Ter Austrieb auf den 32 grohen Skssachihöscn ist für Rinder und Kälber nicht wesen,lich reduziert und ein sehr starker Auftrieb an Schweinen erfolgt. Tie Zahlen können nur dann gewürdigt werden, wenn man sesistcllt. daß bic Viehzüchter in Preußen eine nicht unbelrächtl'che Steigerung deS RindvichbestandeS gegen 1011 crzicli haben, der allerdings den Bestand von 1910 noch nidit erreicht. Infolge der enormen Slcigcriing des Lchivcinc« auftricbS und des Vorhandenseins von Stiuvcinen sind die Lchwcincpreise im Laufe der letzten Zeit gesunken.

Im ganzen ist der Fleischverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung nicht unbeträchtlich höher als 1010. Ec beträgt .'.3,71 Pfund auf den Stopf, gegen 51,91. (Hört, hört! rechts > -tiefe Zahlen sind interessant, selbst wenn man berücksichtigt. das; viel- leicht im Lause der letzten Fahre nicht Vollreife Tiere überall ye- ich lachtet sind, also die TurchschnittSgewichtc zu hoch gegriffen sind, llnbcstritten bleibt doch bestehen, das; von einer Fleisch not zur Zeit nicht die Rede sein kann, und wenn man mit der Steigerung deS Viehbestandes rechnet, angenommen werden kann, das; die Anschauung der verbündeten Regierungen, daß über diese schwere Klippe der tzleischversorgung dcS Volkes hinwcggckommcn uird. voraussichtlich richtig ist. Die erheblichen Missstände infolge dcr Dürre brauchten die Vorredner unS nicht erst nachzuweisen, auch nicht das erhebliche Steigen dcr Preise für die Lebensmittel.

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- strage 7. ErpediNon unb Verlag: bL

Redaktion:e^^l 12. rel.-AdruAnzeigerGieben,

ticSiebener LamtllenbläNer" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» Krctsblati f8r btn Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Dieranbwittschaftllchrn Seit- kragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ter Redner gibt Berechnungen wieder, die ihm von klein­bäuerlichen Besitzern über die Verteuerung ibrer Produktions­kosten durch den Futtarmittclzoll zugegangen feien.. Die Herren hier geben einen eigentümlichen Begriff vom Christentum. Sie beten: unser täglich Brot gib uns heute, und die Zölle besorgen daS fa auch, aber den armen Bolkökreisen Hilst das Velen nicht daS Brot bleibt mager wie zuvor. Sie wolleu bic besten Stützen deö Staates sein: eine Partei, die eine grosse Masse deS Volkes zur Unterernährung bringt raubt dem Reiche die beste Kraft des Volles. (Beifall links.) Ter NeichSlaa erfüllt cm Gebot heiliger Pflicht wenn er heute an die Aermsten der Armen

denkt. (Beifall der Soz.)

Staatssekretär deö Innern Dr. Tclbrüd:

Der Gegenstand der beiden Interpellationen ist bereits im vorigen Oktober im Reichstage ausgiebig besprochen worden. Die Frage, ob eine Ermässigung der Zölle und Futtermittel geeignet sei, die Folgen der Dürre deö vorigen Sommers auszugleichen und abzuschwächen, ist damals eingehend erörtert worden. Tie verbündeten Negierungen halten schon im Herbst, noch bevor lie Erörterung hier im Reichstag war, alle Massnahme n er- griffen, die in dieser Beziehung durchführbar und zweckdienlich erschienen, so zum Beispiel aut dem Gebiet der Frachttarife, die mit dem Reich, von Preussen und den übrigen Bundesstaaten getroffen wurden und zwar, wie wohl allgemein zugegeben wird, mit Erfolg. Ich erinnere an die Erleichterungen, die den Brennereien gewährt wurdeii, und endlich erinnere ich an die Massnahmen, die die einzelnen Bundesstaaten innerhalb der Grenzen ihrer Kompetenzen auf dem Wege der Gesetzgebung und Verwaltung ergriffen haben.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

der Zölle auf .

deutlich und nicht geeignet sein würde, die Schwierigkeiten zu beheben, deren Vorhandensein auch von Ihrer Seile anerkannt worden ist. Ich kann cs trotzdem verstehen, wenn Sic jetzt wieder auf diese Frage zurückkommeii. Niemand weih besser als die ver­bündeten Negierungen, und niemand bedauert mehr als sic, dass die Erntcausfälle deö vorigen Jahres für zahlreiche Kreise von Produzenten und für zahlreiche Kreise, namentlich von kleinen Monfuincntcn mit beschränktem Einkommen schwere Nachteile für ihre Lebenshaltung haben mussten. Dementsprechend haben auch die verbündeten Negicruiigen und der Reichskanzler die Entwick- lung der Dinge in den letzten Monaten aufmerksam verfolgt, und auch in dem beteiligten Ncichsressort hat man immer erneut die Frage geprüft, ob eine Aendcrung der Verhältnisse eingetreten ist, und neue Wege eröffnet werden müssten, um die durch die schlechte Ernte entstandenen Schäden zu beseitigen.

Mb. Deutscher Reichstag.

11. Sitzung, Mittwoch, den 21. Februar.

Am Tische des BundeSra'S: Dr. Delbrück, Fichr. von kchorlemer, Wermuth.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.

Die Ceuerungs-^nferpellaflonen.

Auf der Tagesordnung __ stehen die Interpellationen der Volkspartei und der Sozialdemokraten. Beide Interpellationen haben den gleichen Inhalt; die der Volkspartei hat folgenden Wortlaut:

Ist der Herr Reichskanzler bereit, mit Rücksicht auf die herrschende Teuerung und den vorhandenen Futter- mangel sowie in Rücksicht auf die schweren Schädigungen, die ohnehin den Viehhaltern aus der andauernden Ver­breitung der Maul- und Klauenseuche erwachsen, a) die s o - ^artige zeitweise Aufhebung deö Zolles auf Mais und Futtergerste; b) o t e Suspendie­rung deö am 15. Februar cintretenden Star- toffelzollS bis 1. Ma» d. IS. herbeizufuhren?

Staatssekretär Dr. Telbrtlck erklärt sich zur sofortigen Be- antwortung bereit.

Abg. Dr. Wendorsf (Vp.) begründet die Interpellation der VolkSpirtei. Ich vermeide, hier noch auf unsere Gcsamtst-llung zur Wirtschaftspolitik ein­zugehen. liegt unö fern, wie uns die agrarische Presse vor- wirft, agitatorische Politik zu treiben, den Gross- und Klein- grundbcsitz gegeneinander zu verhetzen. Wir wollen praktische Politik treiben, greifbare Erfolge erzielen, und haben unö deshalb auf das Erreichbare beschränkt. In der vorigen Woche hat der Echatzsekretär in Sachen des K a r t o f f e l z o l l S erklärt, dass Erwägungen schweben; hosfentlich sind sie in­zwischen so weit gediehen, dass unsere Interpellation setzt mit Ja beantwortet wird. Dcr Redner gibt eine Darstellung der Gestaltung der Kartoffelpreisc.

Der Zoll bedeutet eine weitere Preissteigerung um 5 Pfg. pro Pfund. Wir stehen unmittelbar vor dieser Gefahr, und der Rohstoffpreis nähert sich dem deS Roggens. Dazu kommt die sehr schlechte Gemüseernte, die weite Kreise nötigt, die sonst Gemüse konsumiert haben, mehr zur Kartoffel übcrzugehcn. Alle not- wendigen Konsumartikel sind verteuert. Ter Schatzsckrctär hat das Mehr von 15 Millionen für die Naturalverpflegung der Truppen ausdrücklich mit den hohen Preisen begründet, die, wie er sagte, nur zum Teil vorübergehend seien. DaS nennt man ober Teuerung. Nach den Berechnungen des Grafen Westarp selbst ergibt sich in diesem Jahr eine weitere Belastung der fünfköpfigcn Familie um 26 Mark. Sie wollen doch für den M i t t c l st a n b eine besonders warme Lanze cinlcgcn (Heiter­keit.); die Arbeiter werden natürlich noch mehr geschädigt. Für die .Konsumcntcnprcisc ist die Aufhebung des Zolls bis zum 1. Mai eine Notwendigkeit. Die Landwirtschaft ist heute in er­heblichem Masse selbst Käufer von Kartoffeln, nicht Verkäufer, die hohen Preise bedeuten also eine Verteuerung ihrer Pro­duktionskosten. Wir wissen noch nicht, wie gross der Bedarf an Saalkartofscln ist. Tic Stärkefabrikation hat ihre Produktion einschränken müssen, wodurch auch bic Nebenprodukte als Futtkr- mittel für die Landwirtschaft geringer werden; dazu bic^ Ein- Wirkung auf bie Textilinbustric. Auch ber anbere Teil unserer Interpellation*zeigt, baß wir nicht mit Kanonen nach Spatzen schiessen, sondern unö auf das Erreichbare beschränken wollen. Wir fordern nur eine zeitweilige Suspendierung deö Mais- und F u t 1 e r g e r st e z o l l S. Freilich dieDeutsche Tages­zeitung" hält daS für eine Schädigung der landwirtschaftlichen Produktion; die Hitze dcö vorigen SommcrS hat sie offenbar zum Glauben gebracht, dass auch in Deutschland MaiS gebaut werden kann. (Heiterkeit.) Wir befinden uns in sehr guter Gesellschaft; denn im Landwirtschaftsrat wurde in Gegenwart cineBköniglichen Prinzen ein Beschluss gefasst für die Suspendierung des MaiS- zolls unb bic zeitweilige Rückvergütung bet Mais- unb Futter- gerslenzölle. Freilich war baö ber bayerische Lanbwirtschafts- rat und Prinz Lubwig.

Aber auch auS einem hannoverschen Wahlkreis ist bie Forde- rung von einem agrarischen Führer gestellt. Die wenn auch nur zeitweilige Suspendierung ber Futtcrmittelzölle wirb bie Vieh- Haltung heben; unb dazu ist der gegenwärtige Augenblick der ge- e'.gnctste, denn die Preise von MaiS und Futtergerste haben eine ganz außerordentliche Höhe. Dazu kommt, dass die Maul - und SU a u e n i c u ch e noch nicht erloschen ist und die Gefahr sehr groß ist. Dass sie auch nicht erlöschen wird, bevor der Weidegang des ViehS einsetzt. Um so grösser ist der Bedarf an Futtermitteln. Ter Redner spricht über die Ausdehnung der Seuche und verlangt Laienausschüsse bei der Begrenzung der Sperrbezirke. Betätigen Sie Ihr Interesse für den ländlichen Mittel st a n d, steigern Sie ihm nicht künstlich di- Produktionskosten. Es ist nicht so, wie die Herren dort behaupten, dass wir unser wirtichattspoliti. scheö Programm in die Tasche stecken, wenn wir zur Wahl aufö Land gehen (Zurufe rechts: Stimmt doch!) da fragen Sw Herrn Abg. v. Gräfe, mit dem ich im mecklenburgstchen Krci|e zu tun hatte. Passen Sie nur auf, dass Sie nicht die Mitläufer der kcnscrvativ-kgrarischcn Weltanschauung ganz verlieren; lorocd fie können, laufen sic Ihnen schon jetzt fort. Hier gilt es eine M i t t e l st a n d ö p o l i t i k im besten Sinne dcS Wortes, -ter Grossgrundbesitzer ist nicht in der Lage, jedem «tuck Vieh die nötige individuelle Pflege angebcnicn za lasten- ^ 'st even der Vorzug ber bäuerlichen Viehhaltung. Es ist bnngcnb notig, den Bauernstand zu stärken und zu vermehren. (Beifall links.) Selbst wenn der praktische Erfolg der Soafuvpcn. bicrung gering wäre bie reiche argentinische Maisernte spr cht dagegen so wäre ber moralische Erfo-g gross, bie Regierung hat kein Vertrauen zu vergeuden. Bis dat, qui cito dat. (-ebh. Beifall links.)

Abg. Bock (Soz.) ,

ist der Sprecher der Sozialdemokraten: Ueber diC parier ist ein reicher Segen hereingebrochen, sie haben elne g

Um so schlimmer ist die Not bet kleinen Konsumenten. Wenn Eie diese Not wirklich kennen würden, wäre es eine Herz.n». Tohcit, unseren Antrag abzulehnen. Es gibt. njeik

Deutschen Reich, wo die Leute von nichts anderem leben at^ nur von Kartoffeln. Sie sind bereits bei. bcm.

mittclersatz angekommen. Man verweist aus die Lcchnpe g 9 aber bie Preise der Lebensmittel sind sehr viel bobee^li.g' Aber was kümmert die Agrarier die Slot dreier H.unbertlau nbe kleiner Leute! Sonst könnten Sie dicien beidieifccnen 2Litrafl nicht ablehnen. Wenn in China und Japan der y wird, erlässt die Regierung ein Rcisaussubrverbot, bei n» findet fich die Regierung im Zustand der Erwägungen, u - auch noch im Juni erwägen. Trotz der Not fuhren bic Agrarier

Daraus haben wir gefolgert, dass, wenn wir unS wirklich ent­schliessen wollten zu einer Suspension bes MaiSzolleS, damit wahr, scheinlich nicht ein Sack M a r ö m c h r ins Land gelangen würde. Wohl aber haben wir unS gesagt, wird eine derartige Herabsetzung dcö Zolles in einem Augenblick, wo alles nad) tfuttcr schic.t, eine Steigerung dcr Preisc herbei führen. (Sehr richtig!) ES würde in d c n H ä n d e n dcö Handels sitzen bleiben (hört, hört! rechts und im Zentrum), weil cm erheblicher Teil der Preisermässigung ans der Eisenbahn sich er. gibt. Nun sagt Herr Fcgtcr soeben: Aber j e h tl Darauf wollte ist) eben kommen. Die Entwicklung des Marktes hat zur Evidenz erwiesen, bass wir Ncchr gehabt haben, wenn wir gesagt haben, cs gibt ahr keinen Mais, ber nach Deutschland kommen kann, bie MaiSeinfuhr ist in ben letzten Monaten wieder gesunken. Daraus ergibt sich sonnenklar, dass wir mit keiner Hollpolitischen Nlossnahme eine Steigerung der Maiseinfuhr herbeisühren können, bevor bie neue argentinische Ernte ihre Wirksamkeit auSgcübt hat. Gewiss, beren Wirkung macht sich bereits bemerkbar.

9!adj den Notierungen ber Börse sinb die Maisprcise in einer natürlichen Rückbilbung begriffen, und wo würden wir, wenn wir jetzt in einer Zeit des absoluten Mangels an verfügbarer Ware eine erhöhte Nachfrage für jetzt ober später herbeiführen würben burch Suspension bes Zolles, wahrscheinlich nicht eine Verringerung bes Preises erzielen, sondern bie gesteigerte Nach­frage würde wahrscheinlich preis st cigernb Wirten. (Hört! Hört! Heiterkeit rechts unb im Zentrum.) Nach meinen In- formatior.cn hat die Zolltarifkommission der französischen Deputierten kammcr in diesen Tagen einstimmig be­schlossen, den Antrag auf Suspension deö MaiSzolleS abzulchnen (Hört! Hört!), weil eine Wirkung von dieser Massnahme nicht crwartci werden kann. (Hörtl hört! rechts.) AuS allem ergibt sich, dass wir keine Veranlassung haben, von unserer Stellung vom vorigen Herbst abzu. gehen. Tie Grundsätze sinb bieselben unb bic Zweifel an der Wirksamkeit auch. Und dass wir im vorigen Herbst bei Beurteilung ber Lage Recht gehabt haben, glaube ich Ihnen doch nachgewicsen zu haben.

Etwas anberS liegt bie Sache beim Gerstenzoll.

Für biefen sind in erster Linie bie. grundsätzlichen Er» Wägungen maßgebend, die dcr Reichskanzler im vorigen Herbst eingehend dargelegt hat. Auch hier sind wir der Meinung, baß eine Herabsetzung d c S Zolls nicht nötig ist, da er nut 1,30 M. im Verhältnis zum Werte der Ware gering ist und nicht verhindert hat, dass ungewöhnlich große Quantitäten Futtergerste aus dem Auslände emgeführt wurden. Waö an Futtergerste vorhanden war, hat hercinge- bracht werden können. (Hört! Hörtl rechts.) Auch in diesem Falle trifft die vorhin angeführte Erwägung zu, dass die Nachfrage, bie schon an sich steigt, unb bie Preise erhöht, im Falle einer SuLpcndierung bes Zolls wiederum steigernb auf b t e Preise wirken muß. Unb bas würbe sicherlich nicht zugunsten des Konsumenten fein.

Die Frage bes KartoffelzollL steht, wie ich den Herren Vorrednern zugebe, von vornherein auf anderer Grundlage als der Zoll für ?.Rai§. Der bei uns geltende Kartoffelzoll ist ein Sai­sonzoll. Er hat nicht den Zweck, im allgemeinen die Einfuhr von Kartoffeln zu erschweren oder bie Kartoffeln zu verteuern, sondern trifft lebiglich bie Frühkartoffel, die an sich hoch­wertig ist, daß sic weder als Viehfutter noch als Nahrungsmittel crm'tlich in Betracht kommt. Sie ist, aus Malta, Ehpern oder Frankreich eingeführt, ein Luxusartikel von nebenbei nach meiner Auffassung mäßigem Wert. (Sehr richtig!) Diesen Zoll zu beseitigen, haben wir keine Veranlassung. Allerdings trifft der Saisonzoll nod) einige Saatkariostcln aus dem Auslande, unter normalen Verhältnissen aber trifft er feine Kartoffeln vorjähriger Ernte, bie für b:e Jnbustrie ober für ben menschlichen Konsum oder Futterzwecke bienen. Das ist auch nicht die Absicht des Zoll- tarifes gewesen, wenn einmal besondere Momente trotzdem diese Wirkung Hervorrufen, dir nach den grundsätzlichen Anschauungen dcr Regierungen allerdings beim MaiSzoll massgebend sind. Wir nnd deshalb hier anoers verfahren; es liegen eben ganz besondere Verhältnisse vor. Unter normalen Umständen geht daS Quantum dcr vorjährigen Kartoffeln bis zum 15. Februar rin, und eS ist in diesem Jahre eine sehr hohe Quantität, wie wir ganz genau wissen, eingegangen.

Es sind aber auch vermöge deS strengen Winters erhebliche Mengen ausländischer Kartoffeln nicht hereingekommen, die rechtzeitig im Auslände abgcfnnbt wurden. Wenn nun auf höhere Gewalt für die Verspätung Hingeiviesen wird, so kann ohne weiteres der Bundesrat auS Billigkeitsgründen den Zoll erlassen. In vielen Fällen wird sich^die höhere Gewalt ohne weiteres Nachweisen lassen, in anderen Fällen wird sie aber nicht hinreichend bewiesen werden können. Deshalb l aben die beteiligten Ressorts des Reiches ben verbündeten Regie­rungen vorgefchlagen, darein zu willigen, daß allein aus Billigkeitsrücksichten für diejenigen Sen. düngen ausländischer Kartoffeln, die nach dem 15. Februar und bis 30. April eiu gehen, der Zoll

Ich möchte aber festftellcn, daß feit dem vorigen H'e r b ft cigentlidi nichts geschehen i st , was die Situation wesentlich verschoben hätte. (Hört! Hört!) Es ist nidstö einactretcn, was die damalige Beurteilung der Tinge bi.rd; die verbündeten Regierungen als unzutreffend erscheinen lassen könnte. Unsere damaligen Schätzungen haben sich im wesentlichen als richtig erwiesen. Wir hatten damals auf Grund der Statistik und eines Materials, bas. aus aller Welt zusammengetragen tvar, festgestellt, daß in Deutschland die Ernte in Brotgetreide in der Quantität gut, in dcr Qualität vorzüglich ausgefallen war, und daß die Gcsamtaussidücn derart seien, daß ein Mangel an Brotgetreide unter allen Umständen nicht zu erwarten war. Wir haben ferner scstgestellt, daß die Ernte in Futtermitteln bei uns etwas besser als in dem vorhergehenden unbefriedigenden Jahre ausgefallen war. Allerdings war die Haferernte etwas ungünstiger und schlechter als im vorhergehen­den Jahre und unter einer Mittelcrntc. Auch war in den anderen Hafer produzierenden Ländern, in Amerika usw., die Hafercrntc außerordentlich ungünstig gewesen.

Der Staatssekretär gibt weiter die Darlegung des Ernte- ausfalls in den anderen Produkten. Tic schlechte Futter- ernte war ganz besonders zu beklagen und mußte verderblich wirken im Hinblick auf die Verwüstung durch die Maul- und Klauenseuche. In Deutschland herrschte am 31. Januar 1912 in 2427 Gemeinden und 5329 Gehöften die Seuche, gegen­über dem Höchststand am 15. November 1911 in 6302 Gemeinden und am 31. August 1911 in 38 250 Gemeinden. Die Herren wollen daraus entnehmen, daß zweifellos im Laufe des Winters die Maul- und Klauenseuche infolge ihrer Bekämpfung erfreu- 11 ch gurütfgegangen ist, und ich hoffe, daß wir allmählich auch dieses Leidens Herr werden. Ich habe Ihnen eben in all­gemeinen Zahlen die Feststellungen gegeben, die wir im ver­gangenen Herbst gemacht haben und ich möchte meine Behauptung von vorhin, daß sich diese Feststellung als richtig erwiesen har, durch Zahlen belegen. Einige wenige Daten, von denen ich aus­drücklich anerkenne, dass ;ie die Situation nicht erschöpfend illustrieren. An Brotgetreide waren 1910 verfügbar 16 Millionen Tonnen, für 1911 16,9 Millionen, ein Mehr von 0,9 Millionen, aii Gerste ein Mehr von 0,8 Millionen, an Hafer von 0,1 Millio­nen, ebenso ein Mehr bei Mais und den sonstigen Futtermitteln. An Kartoffeln standen 1910 43,5 Millionen Tonnen zur Verfügung, 1911 waren 9 Millionen Tonnen weniger vorhanden. (Hört! Hört!)

Aber beim Vergleich des Prozentsatzes an kranken Kartoffeln gehen zweifellos 3 Millionen ab, und alles in allem müssen wir mit einem Kartoffclausfall von 3 Millionen Tonnen rechnen. Manche Nationalökonomen gcf-cn auf 5 bezw. auf 8,5 Millionen herunter. Dazu tritt ein erheblicher Ausfall an ©rünfuticr und Weide futter, ber überhaupt nicht zu schätzen ist. Ich will Sie nicht belasten mit einer vergleichenden Tabelle per Preise, die ich Ihnen für die einzelnen Getrcrdeartcn im vorigen Herbste gegeben tobe, und der heutigen Notierungen, und nur eins möchte ich fesistellen: dass Weizen unb Roggen hoch sieben, aber nicht höher als schon in früheren Jahren, Hafer eine ganz enorme Höhe erreicht bat, heranreicht an ben Preis bes Weizens, unb ebenso der Wcizenpreis ein bo! k ist. aber ein Preis, wie er schon gelegentlich ^>agewefen ist. cknig ist, baß die K a r tof f c l p r e i f c in diesem Jahre ausserordentlich hoch sind; solche Preise haben wir noch nie gehabt, sowohl für Fabrik, wie für Esskartoffcln. Richtig ist, daß an einzelnen Orten die hohen Preise, die vorhin für den Detailhandel

noch Kartoffeln au». Wen die Götter verderben wollen, den ! angegeben wurden, b.z.ihlt worden sind; aber diese steigende Tcn» scdlagcn sic mit Blindheit. Hätten w'-r nur auf jede» Tort denz ist keine allgemeine gewesen. .. .

kommen können, iro wären da die Agrarier geblieben! llcberaflmnimblitfctr Manael

Teuerung: Sauerkraut tcste'e bei un« in Thüringen vor zwei Jahren 68 Pfg. daS Pfund, j tzt 16! «Herr! Hört! Tn den eo;. Zuruf rechts und vom Zentrum: Ist zollfrei!) Milch 16. jetzt 2224 Pfg. (Ruse: Zollfrei! Hciicrleit.) So ,st die Teuerung und ^azu nun dcr neue Kartosselzoll! Daher ko m m e n bie 1101 Jcv verstehe nicht, weshalb unsere Nachbar- sraktion ihre Forderung nur bis zum 1. Mai beschränkte