Mittwoch, 4- September 1912
162. Jahrgang
Erster Blatt
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Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.
Der Kaiser in der Schweiz.
Die Ilmtsentlafiung Pfarrer Traubs.
Dortmund, 3. Sept. Tie „Dortmunder Zeitung"
K crrntz 5°n über tottte' « im
schlesien ausgebrochenen Typhusepidemicn im Auftrage der preu- ßischen Regierung untersucht; die Eholcraevrdemieii von 184‘J, Die Lvessarlevidcmie von 1852 boten ihm neue Gelegenheiten zum Ltudium. „Eine ganze Reche der schwersten Epidemccst tft unter meinen Augen verlausen," so berichtet er selbst. „£>artc Kalamitäten, von denen ganze Bevölkerungen heimgesucht waren, habe ich als erster Berichterstatter zu erforschen gehabt. Krieg, hunger und Pestilenz wurden der GegenftanD meiner Beobachtungen. ziel'e Studien haben einen entscheidenden Einfluß ausgeübt auf die Stellung, nwldjc ich im öffentlichen lieben cinge- nommen habe, sic waren cs, die mich »ucrit in die prafuid)c Politik führten." Rach Birchows Meinung ist jede Volkskrank- heii eine :'lbnormität. „Epidemien gleichen grossen Warnungs- tafeln, an denen der Staatsmann im großen Stil lesen kann, daß in dem Enumdclungsgangc seines Bolles eine Störung eingetreten ist, welche selbst eine sorglose Politik nicht länger übersehen darf."
Aus Grund dieser von ihm zuerst nut Entschiedenheit und Tatkraft vertretenen Anschauungen hat Virchow sein lieben lang gewirkt, hat eine Reform des Krankenhauswesens durchgeseht, sich große Verdienste um die Vollsernährung und die Bekämpfung der Tierseuchen erworben; so ist z. B. die Entdedung der Trichinengefahr für die Volkscrnährung und deren konsequente Bekämp- iung in erster Linie Virchows Werk.
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— Bild erschmuck für Eisenbahn-Abteile. Tic Schönheiten deutscher Städte und Landschaften in künstlerischer za eise oer breiten Oefsentlichkeit vor Vlugen zu führen, unternimmt der rührige Bund Teutscher VerkehrSvereine, indem er Bilder ia Eisenbahnabteilen anbringen roüL Nachdem die Verwaltungen der preus'ischcn und hessischen Staatseisenbahnen und der Reichs- lande Raymeii zur Veriugung stellten, wird soeben ein Ausschreiben cur Erlangung geeigneter Entwürfe veröffentlicht. Es i|t erlassen worden von dem Bunde Teutscher Verkehrsvereine e. L., der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, dem deutschetr, Buchgewerbeverein und der Firma R. Votgtländers Verlag, sämtliche in Leipzig. Tie Absicht des Wellocwerb- ist e-, Bilder :u beschaffen, die dem Bedürinis des Verkehr- dienen sollen und ---■en. 3m tvegensas zu oen für den gleichen Zweck von einigen außerdeutschcn Landern verwandten Photographien oder Tretiarbcnbrüden soll künstlerisch Vollwertiges geschaiten werden. Tie Veranstalter des Ausschusses sind der. -..'icinung, daß ihre zunächst rem praktische Absicht sich in künstlerischer Form vollkommener und zroectocenlicher erreichen läßt. Zunächst handelt es sich um die Wagen 1., 2. und 3. Klasse von Lh und Eilzügen. An dem vorliegenden Preisausschreiben sind bisher folgende £rte mit zusammen 58 Bildern beteiligt: Bielefeld, Binz a. Rügen, Bremey, Breslau, Danzig, Tüsseloorf,
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habe id) Zhn unter der Hand ausgefordert, seinen Sinn zu andern. Ich will nicht fragen, ob 5t es getan hat; hat Er es Nicht getan, jo tue Er es jc&t und lasse Er sich retten vom Verderben, Denn dahin führts doch, und das dauert Mich um so mehr, als ich bei solchen Vergehungen allemal an ein Erempel denken muß, an em Exempcl aus meuter Jugend, das mir noch heute durch die Seele geht. Zch wills Zhm erzählen: Wie ich von Kodurg hierher auf die Universität kam, da zog ich mit einem zusammen. Der schon ein Jahr Da war, guter Leute KinD — ein Predigerssohn aus der Lausitz. Wir wohnten in der Burgstraße drüben in der Badcret! Was batte Gott dem Menschen für Gaben gegeben! Was konnte der für Griechisch und Latein! Wir brauchten Den Ernestt (ein bekannter Leipziger Altphilologe des 18. Zahrhun- derts, Der damals berühmt war — scilicet — wir brauchten ihn nid)t. Zum Vergnügen fingen wir gleich damit an, den Thukidides zu lesen. Was hätte aus dem iverden tonnen! Aber er hatte auch so einen Hang. Er halte schon vorher Diel Deutsch gelesen; nun gewöhnte er sich auch. Deutsch zu schreiben, und machte deutsche Verse. Da gings immer nxitcr und war lern haltens mehr. Er war mein bester Freund, aber ich zog von ihm, ich toiiiit's nicht ansehcn. Er fing sogar an, Komödien zu schreiben. Und nun — nun ward er nach unD nach — ad), ich mag's gar nicht sagen! Frag' er nur Die Leute, Die's verstehn: 2er Kerl hieß Lessing!"
Virchow als Begründer der Sozialhygiene.
(Zum 10. Todestage, 5. September.)
Denn man heute, ein Dezennium nach dem Tode Rudols Virchows, der seltenen Verdienste des großen Mannes gedenkt, so wird man m ihm junädjlt Den Vorkämpfer Der Zellenlehre, Den Schöps er der modernen pathologischen Analomcc i eiern, und neben diesen unsterblichen Leistungen auf dem engeren medizinischen Gebiet tritt eine andere Tat Virchows m den Hintergrund, Die gerade heute tausendfältige Früchte trägt: es ist Virchows Bedeutung für die soziale Hygiene. Bewegt sich doch Die Bahn, Die die Hygiene in neuester Zeit so erfolgreich emgeidHagcn hat, wie Tr. Gotlsteiti m seiner Geschichte Der Hygiene betont, aus schließlich in Der Richtung, die Virchow schon um Die Mitte des vorigen Zahrhunderrs vorgezeichnet. Die Lehren, bic er als junger Forscher aufstellte, sind noch heute maßgebend und haben allgemeinste Anerkennung gefunden. Virchow hat 1848 als erster Den Gedanken betont, daß em innerer Zusammenhang zwischen sozialen Mißständen und vielen Volkskrankheiten bestehe und daß Die Aufgabe, solchen rem körperlichen Vorgängen mit Erfolg entgegenzutreten, nur durch eine Zusammenarbeit von Arzt und siaat--mami, von Hygieniker und sozialpolitischem Reformator gelöst werden könne. Der .Gelehrte Halle damals die m Lber-
eitS mit Händedruck begrüßte. Gefolgt vom Bundespräsidenten und den anderen Herren schritt der Kaiser unter dem Beisall der Menschenmenge tum Bahnhofsplatz^ Hauptmann Moser erstattete beim Betreten des Ba'Mdo,s • Platzes deut Kaiser die vorgcfdiriebem* Meldung. Ter Belast von allen Seiten erfreute sichtlich den Kaiser, Hierauf uhren die Wagen vor Ter Kaiser bestieg uni 5 Uhr 38 Minuten mit dem Bundespräsidenten den Wagen, dem zwei Tragonerofsizicre zur Seite ritten. Um sechs Uhr trat Der Kaiser in der Villa :Hictbcrg ein. Auf der Villa wurde die Kaiserstandarte gehißt.
Der Lcidensgang Traubs spielt nun schon seit dem Frühjahr 1910! Unter dein 12. Mai 1910 ließ das West- »tische Konsistorium durch einen Bonner Staatsanwalt intlaflc gegen Traub erl-eben wegen zweier Artikel in b fsen „Christlicher Freiheit", obwohl Traub selber den -inen der beiden Artikel gar nicht verfaßt hatte. Diese tnifet bildeten ein Glied in der Kette des Traubschcn
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monatlich'7öPk, vierteljährlich Mk. SJO: durch Adhole- il Zweigstellen monathdi 6b Pf., durch D>e Post Pik. 2.— viertel- fährt. au-scht. Be>lecl^ Zeileiipreiü: lokal 15P'^ aiisivans 20 Pfennig. 6 befrebatieur: 9L Goetz. Verani'voNlich für den voliiifchen Teil: August MioeH; für .Feuille- lon*, .Verniilchie»' und .Geiichlüfaaf: SL 9leu- rntb; für .Stadt und <?anbe: E.He"; lür Den Anzeigenteil: H. Beck.
3m Urteil der Zeitgenoffen.
Die Monalsschrift „Der Sachsenfreund" vom Oktober 1832 hingt folgende namenlose „Stimmen über Goethe":
„Unser Goethe ist vergessen, wie zu erwarten roar. Zu er» zarten nicht der llncnipfäiiglid)Ieit halber, rocldie Die Weimaraner ;r achtbare Erschemnngen hätten, sondern einer eigaiai ^npi« t[Dualität wegen. Ter Mensch fühlt sich nur vom Mcmchlichen ,1 gezogen, so lange er es hat,, unD sieht ,hm traumiD nach, o,NiS ihm entrissen wird. Menschlid-es aber Halle Goethe Nicht, lie alle wissen, die ihn näher kannten unD nicht, rote eine anbvoll hiesiger Goell-oinanen mit Blindheit über ihn geichlagen nb. Er fühlte unD litt mit keinem menschlid^cn Wenn außer nn' und Die großen Zmeressen Der Menschheit waren ihm völlig :vmb, insofern nidu etwa im Gefolge Depclbcn die ariiwkratischen fesellsdxnisverhallnisie bedroht waren, an Denen iem verz hing a roar eine m sich abgeschlossene Marmorstatue, in welcher nur <iä große Talent wohnte, Die Wellerschecnungcn, die nch an und t ihr abspiegelten, nut der vbjetlivischen Anschaulichkeit unD Jcllenbunq wiederzugcbcn. Einen Eindruck brachten lie aber ui t am ihn hervor. Denn dazu gehört das Meduun dc» Gemüts, jiD das Halle Goethe nia-i. Darum kamen ,erne Anuchlen und Tarim en, wenn sie ihm emmal über Die weniger ben»ach:e Lippe Vbren, dem gemütlichen Menschen fast schauerlich vor, uiid man
tc Mühe, sich von der ihm inncnwhnendcn selbst,nckt und L-artc inen angemessciren BegriN iu machen. 'Jäc tat er anemn»bl, r ihm nicht persönlich Dienmerug öarur rouci>e,_uiiö Wohltaun iiBlc er seinem größten Gönner nicht -rank. Las Testamau, ._ er hinterließ, zeugt für jenes, unD Der Mann, der lan ohiu die unmittelbar geleisteten Lienste Weimar in mehr als fünfzig jobren Hunden tausende kostete, r-crmadjie den .Irmen oirr irgcnc- aitem milden Institut bei seinem Tode — nicht ""en geller. 3eine Werke — nun ja, sie iverden ihn überleben, namhd) Die 6 "bis 8 Bände, in Die eine tritt,che tfaiib einmal Die Wn,en- !5mer sammelt, welche in 40 und mehr Bänden voll Spreu ent- ulten sind. Diese Spreu wird aber vergeben werden, *ie honend wird and) hier ihr Amt verwalten, rote sie e- in Dm- At seiner häuslichen Verhältnisse tat" _ m ,
Ter Leipziger Erzähler und Mniil'chnllstÄler Friedrich Ro^ liB. ein Freund Goethes und begeisterter Vorkammer Beethe^ns 1'769 bis 1842), deridstet in seinen ^ugendenniierungen eine afteiternDc Unterredung mit seinem einstigen Lehrer, dem m 'cmem )ache außerordentlid) verdienswollen Altphilologen und Rektor : Leipziger Thomassdmle, Johann ^rredrid) pnicyer. JiocDik •■xni) bei Fischer in Dem Verdacht, daß er niät nur ^ulfch ine umd schreibe, sondern sogar — dichte. <yi,a)er ivarnte ibn ^hald :inbringlid) vor Dem erngeschlagenen ^Lbivegc und bidt_ igau ein Ecscheulid-es. Beispiel mit folgenden Worten vor: „>schon ost
Zürich, 3. Sept. Der K a i s e r c m p s a n g gestaltete sich zu einer sehr herzlichen Kundgebung. Um 5.20 Uhr kündigte Heller Jubel das 9kahen der BundesratSdele- gation, bestehend aus dem Bundespräsidenten Dr. For- r e r, den Herren Hoffman und Motta. Neben den Kutschern saßen auf den ersten drei Wagen die Bundesweibeln. Neben den Vertretern des Bundesrats fanden sich Regierungspräsident Naegelin, der Präsident des. Ständerats Billcter, Der schweizerische Gesandte in Berlin, Dr. de Ela- paredc, der deutsche Generalkonsul in Zürich Faber du Faure, und verschiedene Militärs zur Begrüßung des Kaisers ein. Bei bedecktem, aber regenlosem Himmel traf der kaiserliche Sonderzug pünktlich 5.20 Uhr in Zürich ein. Unter den Klängen der Musik entstiegen der Kaiser und seine Begleiter dem Zuge. Der Kaiser trug die Uniform des Gardeiäger-Bataillons mit den Abzeichen eines Generalseldmarschalls. Der Kaiser drückte dem Bundespräsidenten und den Bundesräten die Hand und nafym durch den Bundespräsidenten die Vorstellung der verschiedenen Militärs und der Vertreter der Behörden entgegen. Hierauf stellte der Kaiser dem Bundespräsidenten seine Begleiter vor, welche Bundespräsident Dr. Forrer seiner-
der vorher im ordentlichen Gerichtsverfahren eine fstteder- lagc gegen Traub erlitten hatte! Das sah nun auch der i Cbcrnrdienrat selbst ein. Er verwies das Disziplinarverfahren an das Schlesische Konsistorium in Breslau. Dessen Urteil erging am 15. März 1912 und wurde dem Pfarrer Traub am 11. April 1912 zugestellt In diesem Urteil hieß es, und das ist angesichts der vtel chärferen Entscheidung des L)berkirchenrats von größtem Interesse:
„Tie Verschlungen deS Angcschulbigtcn sind so schwer, daß sie mit einer Ordnungsstrafe, insbesondere dem von dem Merreter der AnNage (!) beantragten Verweise nicht genügend gc* ühnt angesehen werden konnten; hiernach blieb nur die Entfer- iung aus Dem Kirchenamte übrig, die in ihrer mildesten trorm, der Versetzung — trotz mancher gegen diese Strotan gerade im vorliegenden Falle bestehenden Bedenken — als angemetfen CI|d)tTo8 Schlesische Konsistorium sprach also nur die Versetzung aus. Der Evangelische Lberkirchenrat dagegen richtete den vollen Bannstrahl gegen Gottfried Trauv, inDem er ihn aus Amt und Brot wies. Und gegen diese letzte Entscheidung gibt es keinen Appell mehr.
Was alles in dem langwierigen Prozeß gegen -traub hinter den Kulissen mitgewirkt hat, wird man vor läufig nicht erfahren. Die Verhandlung vor dem Schief, schen Konsistorium war nicht öffentlich, noch nicht einmal, wie im Jrrlehrevcrfahren, beschränkt öffentlich Tie Verhandlungen wurden nicht stenographiert. Tas Protokoll gibt nur ein sehr unvollständiges Bild unb wird unseres Wissens nie veröffentlicht. TaS Verfahren vollzog sich also völlig geheim. Noch weniger Garantien aber als die erste Instanz bot die zweite. Auch dieses Verfahren war völlig geheint und grundsätzlich schriftlich, nur ausnahms weise kann der Oberkirchenrat eine mündliche Verhandlung anordnen, in der aber nur der Angeklagte unb ber Vertreter Der Anklage gehört, ein Verteidiger auf keinen Fall zugelassen wird. Traub will jetzt, wie wir hören, Z a t h o s Beispiel folgen unb in Dortmund religiöse Hebungen veranstalten. Auch sollen sich bereits wohlhabende Freunde Traubs zu einer großen materiellen Aktion für den entlassenen Geistlichen zusammen tun.
Ein persönlicher Freund und AmtSbruder deS Pfarrer- taub äußerte sich zu einem unserer Berliner Mitarbeiter »er das Urteil des Evangelischen Lberkirchenrats sol- »dermaßen:
Daß Gottfried Traub ohne Brot aus 2lint und Würden agt merbe, das hat wohl keiner seiner Freunbe, auch idit jeder seiner Feinde erwartet. Aber Traub selbst t eS von Anfang an gefürchtet und geahnt. Das Diszipli- rterfalyrcn gegen ihn arbeitete von vornherein mit der Imuptiiug, daß er sich ber Achtung, des Ansehens und | Vertrauens, das sein Beruf verlange, unwürdig er- efen habe, und diese Begrifssbestimmung ließ als der n folchen Fällen gebräuchliche amtliche Terminus technieus rauf schließen, oaß man gegen Traub die schärfste Form c Bestrafung neben amtlicher Entlassung mit Verlust c Pension unb des Titels zur Anwendung bringen wollte. Iic Behörden wußten sehr wohl, warum sie Traub nicht L*id) vor das Spruchkollegium ivegen Irrlehre stellten, dcnn bei seinem geistige,t Rüstzeug hätten sie sich von tjr.er Seite wohl einer weniger glimpflichen Entgegnung orrsichert, als dies bei Pfarrer Jatho der Fall war. D c Kirchenbehörde glaubte ganz besonders Flug vorzugehen, in dem sie den Kampf sofort vom Jrrlehreverfahren ab- trifte. Das Spruchkollegium sollte umgangen werden. Nach ber Kirdjenorbnung nahm zunächst bas Tfziplinarverfalrren seinen Lauf. Enbete btes mit ber Einlassung Traubs, so erübrigte sich bic Tagung des aruchlollegiums ganz von selber. Auf biefe Weise würbe brm Pfarrer Traub Die Möglichkeit genommen, sich mit btt Orthoboxie geistig audeinanber zu setzen.
Bunbespräsibent Tr. Forrer, die Bundesräte Ho,,- mann unb Motta, sowie ein Teil der sonstigen Geladenen trafen um 6 Uhr 10 Minuten im Hotel Baur au lac ein. Das Publikum bereitete dem Kaiser, bet überall freunb- lich grüßte, einen enthusiastischen Empfa n g, be- onders in ber Bahnhosstraße Ter Saal im Hotel Baur au lac, in Dem bas Bankett heute abend stattfindet, zeigt außer Blumenschnnuk keine andere Dekoration, al- deutsche und sd)weizerische Fahiien. Um V28 Uhr kam der Kaiser im Automobil im Hotel Baur au lac an, begleitet vom Oberst-KorpSkommandantcn Sprecher v. Bernegg und beu übrigen Delegierten. Er wurde vom Bundespra,ident Dr Forrer und den Bundesräten Hoffmann und Motta empfangen. Beim Eintritt des Kaisers in das Hotel spielte Die Musik die deutsche Nationalhhmne. Nach füm Minuten nahmen die Gäste an dem prachtvoll dekorierten Tisch des Speisesaals Platz. Links vom Kaiser reihten sich an Bundespräsident Tr Forrer, Exzellenz v. Bülow, Bundesrat Motta u. a., rechts vom Kaiser folgten Bundesrat Homnann, Generaloberst v. Plcssen, Regierungsrat Naegelin und andere. Der Kaiser zeigte sich von dem Empfang in Zürich sehr erfreut. Dem Bunbespräsident drückte er seine Befriedigung darüber aus, wieder in Zürid) zu sein, wo er schon einmal in seinen jungen Jahren gement habe.
Zürich, 3. Sept. Um 8V3 Uhr war bas Diner int Hotel Baur au lac zu Ende. Hierauf mürbe ber Kaffee serviert. Ter Kaiser unterhielt sid) mehrere Male mit Dem Obersten Wille, Kommandant des dritten Armeekorps, der dort direkt vom Manöver zum Diner gekommen, war. >turz vor 9 Uhr hatten sid) die Ge s a n g v er e i ,i e „Männerchor" und „Harmonie"-Zurich un Hof des Hotels aufgestellt. Um 9 Uhr erschienen der Kaiser, der Bundespräsident und die anderen Teilnehmer auf dem Balkon vor dem Haupteingang. Die Sänger trugen vier stücke vor. Der Kaiser gab nadj jedem Stück feinen Beifall zu erkennen. Nach Schluß des Konzerts ließ sich der Kaiser die beiden Dirigenten vorstellen und unterhielt sich mit ihnen. Sodann wurden ihm die beiden Direktoren Linde (Harmonie) und Thommer (Männerd-or > vorgeslcllt, denen gegenüber der Kaiser sich sehr anerkennend über das Konzert aussprach. Die Sänger brachten ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus. Um 9.30 Uhr zog sich der Kaiser mit den übrigen Herren wieder in den Salon zurück. Kurz vor 10 Uhr begab sich der Kaiser mit dem Lberst-Korps- kommandanten Sprecher v. Bernegg unb seinem Gefolge im Automobil unter ben Hochrufen ber Menge roieber m die Villa Ritberg zurück. Der Kaiser war in vorzüglicher Stimmung und äußerte sid) über den Verlauf bes« ersten Tages seines Aufenthalts in Zürid) sehr befriedigt.
Der Kommanbant ber Ehrenkompagnic, bic bem Halfer an ber Villa Ritberg bic Honneurs erwies, ist der s 0 z i a l i st i s ch e K a n t 0 11 r a t Hauptmann Ender li. Auch der Polizeipräsident von Zürich, der die
Ergehens gegen daS Pfarrbcsctzungsgesetz, und genau die llc.chc Angelegenheit bildete bann den ersten Punkt des chr endgültig unb unumstößlich erledigten Disziplinär' cr fahrens. Im Kriminalverfahren würbe Traub b am als ont Landgericht in Bonn fre,gesprochen. Die Revision ks Konsistoriums beim Rcid)sgericht wurde glatt zurück- twiefen. Am 10. Oktober 1911 leitete bas Westfälische oufiftorium gegen Traub das Disziplinarverfahren ein. .11! 16. Oktober sollte sid) Traub bereits in Münster vc» vmworten. Unb nun eine unglaubliche Tatsache: Im lanb- ficriditlidjcir Verfahren war der Konfiftorialrat R ich t er |m Vertreter des Konsistoriums 'Jicbentläger, weil diese örperschast nickst für sich selbett, sondern für eben diesen onliftorialrat Strafantrag roegen Beleidigung gestellt arte. Dieser selbe Richter sollte jetzt im Tisziplinarver- iljrcn ein unparteiisckstir Rickster über Traub sein. Mit ollstem Recht wehrte sich Traub mit aller Macht dagegen, km Urtcitsspruck) eines Mannes überautwortet zu iverden,
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’lbet: Das Urteil des evangelischen Oberkirchenrates ebftfoiTisziplinarverfahren gegen Psarrex Traub lautet aus J" Sp!: <Hjnilaffung aus bem Amte ohne Pension.
GletzenerMzeiger iWZL" General-Anzeiger für Gderheffen
Rotationsörud und Verlag der vriihl'schen Univ.-Vuch- und Stcinöruderd N. Lange. Redaktion. Erpedition und vruckerei: Schulftratze 7. H DornuimflS 9 Uhr. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.__


