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3.1.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. 2

Zweites Blatt

162. Jahrgang

<$rr1d)tini täglich mtt Ausnahme 6eS TonntagS.

Die Lietzener $amilicnb!fitter** roerben dem ,91nAcic* *er* otennol roöctietitlttfc betg*leqt, da- Krdsblatl für ötn Kreis Lietzen" groetmal wöchentlich. DieLanüroirkichaftlichen Lett- fragen" eriehernen monatlich iroeimaL

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefjen

Mittwoch, 3. Januar 1912

Relation! brurf und Verlag der Vrüblichen Untoerfuäig - Buch- und Steindrucke«».

R. Lange. Dießen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Verlag: dL

Redaktion:Tel.-Adr^AnjeigerGletzen.

Die Ueichstagrwahlbcwegung.

Aus dem Wahlkreis Ciegen-Erünberg N üba.

Wir erkalten folgende Zuschri t, in der der Kandidat der beiden liberalen Parteien, Äerbandssekretär Erkelenz, in der Hauptsache, unseres Erachtend mic vollem Rec.)t, gegen den Vorwurf verteidigt wird, als fei er ein Feind be-3 Kapitalismus und neige zur Sozialdemolratie. Ta dieser Vorwurf auch in der Presse er olgt ist, lassen wir die Verteidigung des Angegriffenen hier gerne zu:

An allen Gelegen.'eitspartcien vollzieht fich ciu'grau­sames Gesetz der Geschichte. Wobei man als Gelegenycirs- parteien solche auzuiebeu hat, die ohne den Hintergrund einer politischen Weltanschauung >aus gelegeultichen Ur­sachen entließen, aus Erregung, aus populären Strömun­gen. Politische Parteien dieser Art tonnen vorübergehend einen Erfolg erzielen.1 Wenn aber ihre Entstehungsur^ache, eben jene Erregung oder Strömung, vergangen ist, bann stirbt die Gelegenycitspartei ab. Nicht ehrenvoll im dampfe, nein, langsam, aber unaufhaltiam vergeht sie an Entkräftung. Und greift in dieser Zeit zu jedem Strohhalm, um sich zu retten. Ihr grausamstes Geschick ist, daß sie bei diesem Absterben sich an eben jenen Tiugen erretten will, zu deren Bekämpfung sie ins Leben trat.

Ties, Geschick vollzieht sich mit langsamer Sicherheit seit einigen Jahren am politischen Antisemitismus. Schon bpi der Nachwahl in Emden-Leer bettelte der Anlisemckis- inus um die Stimmen der Juden. Wie er sagte, um die Juden vor derliberalen Revolution" zu retten. So ähnlich ui unserem Wahlkreise. Vergangene Woche bereits ertlärle ein antisemitischer Agitator in unserer Versammlung in Langsdorf: er kämpfe nicht gegen alle Juden, sondern nur gegen die reichen Vörsenjuden. Tie andern Juden seien ehrlich arbeitende Leute. Und ein antisemitischer Reoner erllärte dieser Tage im Privatgespräche auj den Vorhalt, der Antisemitismus hade abgewir,schabtet: ja, die Zeiten laben sich geändert. Unsere Polini ist mehr und mehr Wirtschaftspolink geworden, wodurch die Rafsefragen ihre Bedeutung verloren.

In dieser innerlichen Auslösung und Entkräftung des Antiiemitismue. greift er nach dem Strohhalm. Er will den gemeinsamen liberalen Kandidaten Erkelenz als einen Feind des Kapitalismus, ja als einen marxistischen Sozialdemokraten hinstellen und ^scheut also nicht davor zurück, sich in Presse und Versammlungen als Retter des Kapitals aufzuspielen. Ter Antisemit, der auszog, um zu­nächst wenigstens das jüdische Kapital zugunsten der Staats­lasse einzuziehen, kehrt heim als müder Greis, um das Kapital, aljo auch 'das jüdische, vor den Liberalen zu erretten.Daß du die Nase im Gesicht behältst", würde Cntel Bräsig sagen. Lediglich damit die Herren nicht etwa sagen, wir hätten auf diese auch in der Presse erfolgten Vorwürfe nichts erwidert und sie damit als berechtigt an­erkannt, müssen wir auf diese Dinge hier eingehen.

Was dient alv Beweis, um den Antisemiten als den Retter des Kapitals bezeichnen zu können. Herr Erkelenz hielt vor einiger Zeit in einem wissenschaftlichen Studenten- bcrcui einen .Vortrag über Liberalismus und Arbeiterbe­wegung. Darüber erschien <in Berliner Blättern cm etwa zwanzig Zeilen langer Bericht, der in seiner Kürze ein völlig falsches Bild der Anschauung des Vortragenden gab. Tas aus diesem Bericht vom Reichsverband gegen die So­zialdemokratie aufgepickte und von den antisemitischen Wer­bern verbreitete Korn ist die Feststellung, daß sich in unserer Zeit sozialistische Gedanken ausbreiten und in die Tat uber- gesetzt werden. Deshalb sei Erkelenz ein Sozialdemokrat, ein Gegner des Kapitals u. a. in. Dabei bestätigt jedes Kind den von Erkelenz ausgesprochenen Gedanten. Tast es alltäglich an

Verstaatlichungen oder Verstadtlichungen nicht

fehlt, ist belannt. Ga-Z- und Wasserwerke, Straßenbahnen usw. sind städtisch, d. h. sozialistisch verwaltet. Und Herr Dr. Werner tu. mt «ich, im Reichstage mi.gewirkt zu haben bei Der neuen Angestelltcnversicherung. Als wenn ü nicht auch ein großes -st urf Sozialismus iroäre. Wenn euer einliberaler oas auo,pr.cht, so ist er

ein Revolutionär.

Was uie Antisemiten auS den Erkelenz,'chen Schriften herausholen, ,utt a.^ .i^iurcr i>.weis g.cken ,ur seine Kapi- taiistrnscindlichteit. Wr.n)er»G»«'.e biCjC Vorwurie )inb, bc- luci(l lci* nachstehende, von den Autiscuiiten angeioch.eue. Satz:Fori,ä)eeiwn^e «DCivC||\2i;.ig o.r ;uu.ilsuem'.ißuu*' gen, zum müwei^t im Einklang m.t t;cij stoigerndett Uuicr- iieijmcrgciuinncu." Ls giut jub(i auj vtr uuMer|ien Rechnen laum noch einen Unternehmer, oer oie,e ^ovuc^ung der Ar­beiter als unbcrca);igL oezTchuen w^rbe. ^uu^iciiv aber oas Maß der Lohnjteigerungen lann gelegentlich ein Streit entstehen. Es öiuu deut,ch-soztaleu Par.ei voroe- ijaitcn, selbjt bicje bvjij.ijviie ovroerung ui^ uiiUvtLujiig, zu bezeichnen.

Im uorigen haben selten Wahlkreise so aubgi.big Ge­legen./eck, |) über uie loihtrebungen ihres Siaituiuaivn zu unterrichten, wie der Gieß.ner Kvcks ü^er Herrn umclci^. In meieren neueren ^chri,ten hat er )4<te Äiijichten cm* gehend begründet. Aber er dar, erwarten, dop nicht ein einzelner Satz ans ocm Zujat..men.-ang geri.s^u wird. Erlelenz vertut. Arbeiter^oroertukgen, i.b.. Li vuthi.ien des nationalen Wohles. Seine Gruuo.vroeruiig war überall in der Politik acke erwerostä.igen blande zu gemein,amer Arbeit |ür die Freiheit zu,ammen,a,scn zu hälfen. Gegen Klassenhast und b. a j e nij a g. S^it.n i|t aus oen Reihen deut,cher Arbeicer |o ilar uiu) unz.v.id.ui.g Stellung genommen worden gegen oie Klassenpockiii. als d^vck) Herrn Errelenz-Treptow. i/tnige /ao.n |u uar und jajurf die nationale Volksidee in den Vordergrund gestellt. Das beweist uach,olg:noe Atwla,iung aus (einer)ri|t: Freiheitckch-nativnaic ArbeKerbewcgung:

Wie der Kamps um vas Höhere im ri.ro. iierstandc, um Glcich- bcrccl;dguiig und Freiheit, das schließlich.- Fiel des Ar.eiterstanoes ist, so iit das Ringen um den nationalen Gedanken das letzte Ziel aller Ideale eines Volkes. Alles, was wir als Arbeiter erreichen können, müssen wir im Volke (für uns un deutschen Volle, erreichen/ Und da ein Glied des Leibes nicht ohne den ganzen Körp.r blühen und gedeihen kann, ist ein Stono nichts in all seinen Wünschen und Hoffnungen, wenn er nicht am Körper der Nation milroirft. Die Sprache, die Geschichte, Die Kultur schließt die Völker voneinander ab. Alle Kultur i st nationale Kultur. Gewiß, ein Volk lernt vom anbern und was das eine erreicht, geht ost auch in das andere über. Aver das ist dann ettoas Angelerntes, etwas nicht selbst Erobertes. Tie höchste Vollendung dessen, was wir wollen, erreichen wir nur in der deutschen Nation, wie es die anderen Völker in thcer Nation erreichen.

Am klarsten liegt dieser Zusammenhang bei den wirtschaft­lichen Verhältnissen. Alles, was wir auf wirtschaftlichem Gebiet für die Arbeiter an Lohnerhöhung usw. erreichen können, muß aus dem wachsenden Reichtum Deutschlands, seiner gesteigerten Leistungsfähigkeit geben; werden. Würde die Arbeiterbewegung das Ziel haben, anLcu zu unterdrücken, so müßte das eine Er­schütterung des Nationalwohls Hervorrusen, die ,ich am schwersten an den Arbeitern rächt. Tie Annahme, die dem Arbeiterstande zufallenden Verbesserungen müßten aus dem Vermögen und dem Einkommen der anderen Stänue bezahlt werden und es könne des­halb eine Ausbesserung der Arbeiterklasse slattstnden, während es zugleich dem anderen Stande schlechter gehe, ist in der Siegel latsch. Eine Arbeiterbewegung, die den naiionalen Gedanken ver­wirft, verneint damit, wenigstens theoretisch, ihre eigenen Exi- Uenzbedingungen.

Auch das geistige Leben ist nationales Leben. Es wird gedachi, geschrieben und gesprochen in einer bestimmten, bei uns der deutschen Sprache. Nur schwer geht das in dieser Weise Eroberte in ausländische Kulturen üb er, weck die fremde Sprachedorin hindert. Und wer macht das geistige Leben der

Station? Wer sormu..... u . ;... ... wirst sie in dci^Meinungö-

lampf hinein, damit sie sich in hartem Ringen chre Stellung er­obern? Der Arbeiter lann das nicht oder selten. Die sckuvere Körperarbeit fesselt seine Gedanken, es wird ihm^ schon idnDcr, das in, sich ornzuneh.nsn, was andere gedacl.r. Die Gedanken, bic geistige Kuicur neu auszubauen, weiterzuführen, die Much zu erzeugen, von d.r wir später ane trinken, unb Kraft sammeln, vesorgt die K.ape der Gevi.oeten. Mit tau^ciid Fäden hängen ivu mit ihr zusammen und nähren uns an ihren geistigen Leipungen, wie sce an unser.ii wirt,chuftlichen. So liegt deutlich der Zu sammcnhaug v.ji,u,ai u^iuiuß ...n Wirtschafrsschichietl klar. Sie ' i.ctücn |iuj oll gegens.üig, in üsse n sicy ancinandee reiben, da :..c diiuiic |ia) iiuio unuL.inattücr versackeben. Als Nation uoer ickno wcr alle im höheren Sinne eine Einheit, von ucr sich incuiatib trennen darf, der sich nicht vorn Duell (einer Kraft eniiernen und bald müoe hinsiulen will.

Uno gerade weil Erlelenz mit gleicher Klarheit den Arbeitern oicneii und jur )ie arbeiten will, weil er un* zweiseli-a,t ein Munn ucr Freiheit und Gleichberechtigung uiicr Staatsbürger ist, bar( man ertoarieu, das; er vieles leisten kann ) u r uie Annäherung zwischen einem jozial gerechtuenkenden B-ürgertunt und einer freudig nationalgesinnten Arbeiter i d) a) t. Als Rcichsiagsavgeorutteier wurde ihm diese Arbeit nicht nur sehr ericidjicrt, sondern auch der Erfolg wahr- (cheinlicher werden.

Vom Wahlausschuß für die Kandidatur Dr. Werner werden tuir um Au,.i. ML o.g.-udee »uschrift ersucht:

In dem Bericht des liberalen Wahlbureaus in s Nr. 1 vom 2. Januar, der auch sonst Unrichtigkeiten enih.il-. | wird auu) die Versammlung des Herrn Erkelenz in L a n g dors besprochen. Tarin ist versucht, aus der Aeußerung ein , jugcnüliaxn Dislussionscedners über das Reichsiagswalstrecht piial zu schlagen. Es wird dabei vergessen, hinzuzufügen, laß , her beires.ende Herr die Saaje sofort als Entgleisung rid.i;: zu stellen such.e. S e l b st v e r it ä n ü l i ch steht unser Kan ! 0 i d a t auj dem Booen des bestehenden Reichstag­wahl rechts.

Aus dem Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotlen.

Ulrichstein, 1. Jan. Auch der Kandidat der n a > tionallib eralen Partei, Landwirtschastslehrcr .Heck aus Alsfeld, hat heute zu den hiesigen Wählern gesproch.-i: nut) seine An, ich len klargelegt. Tie Ausführungen diele Redners ließen ebenfalls an Klarheit und bezüglich der Sachlichkeit nichts zu wünschen übrig. Selbstredend waren es vor allem die allgemeinen Ansichten, die der Kandidat lundgab, sodann aber auch der Umstand, daß auch dieser Sperr (ich acker gei)ä|jigen und persönlichen Angriffe gegen die anderen Kandidaten enthielt, wodurch er sich den Veif ckl der Versammelten zuzog. Rechtsanwalt Kaufmann-Alsjeck» gab nach Schluß der Rede des Kandidaten Heck noch einig Erläuterungen.

Die konseivative Stichvahlparole.

B e r l i n, 3. Jan. Die rechtsstehenden Blätter bringen heute eine bemerkenswerte Auslassung derSlonservaliven Korrespondenz" zur konservativen Stichwahl Parole. Tarin heißt es:

Wo bis jetzt schon ein lokales Stichwahlabkommen zwiscß. n Liberalen und Konservativen gegenüber der Sozialdemokratie vc standen hat, bleibt es dabei, wo es nicht zutriist, da soll anzr Ureben sein, ein auf gegenseitiger voll- und gleichwertiger Verpslu tung beruhendes Stichwahlabkommen zwischen den Leituiigen i? Varteien für weitere geeignete Falle herbeizusühren. Gelingt da - nicht, dann treffen von selbst die in Königsberg angeregten Stich wahlbedingungen ein, falls man auf die konservativen Stimm. - rechnet: sonst ist aus konservativer Seite Stimmenthaltung geboten. Selbstverständlich sollten in Königsberg nur Grund- Züge angegeben werden: Keinerlei Schwächung der Verfassung, mäßigen Rechte der Kaiserlichen Gewalt, völlige sidicrücl'.'jtg eines ausreichenden Zollschutzes für Landwirtschaft und Industrie und Sicherung der bürgerlichen Gesellsckmt und des Einzeln, n gegen den Terrorismus der Sozialdemokraten. Diese Grund

2ius öen letzten Tagen einer Kaiserin.

. ilE cin merkwürdiges Zusammentreften, daß kurz, bevor Ioic uns zur Feier des 200. Geburtstages FrievridfS oes Großen rüsten, dec Todestag der Kaiserin Elisabeth von R u ß - l a n d, seiner erbittertesten Feindin, sich zmn 150. Male jährt. Gegen Ende des Jahres 1761 waren Friedrichs Kräfte erschöpft. Ta brachte der Tod der Kaiserin Eliiaberh die entscheideiide Wendung zum GUicklichen, die vielleickst Friedrich und Preußen vor dem Untergang gerettet hat.

. Schon zu Anfang des Jahres 1761 zeigten sich bei Elisabeth die ersten Vorboten ihres Todes. Infolge ihrer geschwollenen Beine, die now dazu teilweise mit offenen Geschwüren bedeckt waren, luar ii: an den Palast gefesselt. Sie, die früher rastlos ihren Vergnügungen nachgegangen und ihren Aussci.weisuugen leine Zügel auÜTlegt halte, verbrachte nun ihre Tage in eitler Müßigkeil, lausdne dem Geschwätze ihrer Sperlinge, und zu ihren Privatgemächern hatten nur einige Auserlesene Zutritt. Die ständigen Sorgen um die innere ^>0^1^01)11 des Landes und um die auswärtige Politik, jener Krieg, der alle Einnahmen des Landes verschlang, die Un* Whigkeit ihrer Minister, die Intrigen, die fortwährend in ihrer Umgebung angezettelt wurden, endlich oas Mißtrauen gegen ihren Neffen, den Großmrstcmhre'nfolger, und seine Gemahlin, von denen i,e be,nmmt wußte, daß sie alles versuchten, um ihre Pläne zu durchkreuzen, sowie die Trauer über das Verschwinden per letzten Reste ihrer einstigen Sd-önbeit, alles dies gab ihrem Wesen etroae- Unstetes, Mißtrauisches und Grausames. Manchmal über* rani fie eine Sehnsucht nach den alten, schönen Tagen der Gcsund- hett; ne erinnerte sich der rauschenden Hoffeste, und sie befahl pwtzlic.,, daß alle Vorbereitungen zu einer mit enormen Unkosten verbundenen, aber glänzenden Hoffeierlichieit, sei es ein Ball, ci es eme Kpernvorsteiiung, geiroffen worden sollten. Sie liest (ich idjTimaen, unb dann, wenn sie vor dem Eintritt in den Saal einen letzten Blick m den Soiegel warf, brach sie plötzlick) in Schluchzen aus, das manchmal sogar in hysterische Krampfe au-.-- artete, sie riß fich die Kleider vom Leibe, warf fich zu Boden, und fte, die ioii)t im Herzen Fromme, und allen Schieckaisfügungen Gottes Ergebeiie, erging sich in lauten Verwünschungen über den Gott, ber ber Natur das Gesetz ber Vergänglichkeit ausgeprägt bat Recht bezeichnend pir ihre Todesfurcht ist das erlassene Verbot,,lch vor dem raiserlichen Paiastc m Trauerkleibern zu zeigen", uub Todesfälle ihr bekannter Personen mußten vor iyr geheim gehalten werden.

. In Ichter Augst um ihr Leben mid in beständiger Furcht vor einer Ver>d)wöriing, litt fie an Wahnvorstellungen und giauLec an eur Komplott, das ihren Palast, einen .Holzbau, durch Feuer zu zerftoren beabsichtige. Ter neue Palast, ein Prachnvert de^

italienischen Architekten Raskrelli, war noch nicht fertig, und sie befahl, wenigsten^ ihre Privatgemächer zu vollenden. Aber selbst dieses konnte nicht gesck/ehen aus Mangel an Geld; denn der Krieg hatte alles verschlungen. Bisweilen ;edoch kamen in ihr wieder die alte Tatkraft unb ber starke Wille der Tochter Peters des Großen zam Vorfchein, und nahezu alle Erfolge der ruimchen Diplomatie im Jahre 1761, das ihr sonst so viele Niederlagen brackste, sind wohl einzig und allein diesen Augenblicken zuzu­schreiben. Gegen Ende des Jahres besserte sich ihr Ge.undheits- zuftand ein wenig; aber im neuen Jahre, am 3. Januar pm 10 Uhr abends erlitt sie plötzlich einen starken Rückfall. Vor Qualen verzerrte fis ihr Gesicht vis zur Grimasse und schrie angst­voll um Hilfe. Ihre Hustenanfälle wurden so heftig, dast sie einen Blut stur; erlitt. Tie Aerzte hielten es für ihre Pflicht, fic von ihrem bevorstehenden Ende in Kenntnis zu setzen. Sie bat so sott um einen Beichtvater und empfing am folgenden Tage die letzte Lelung. Ten ganzen Tag hinducd) mußten dieGebete für die im ^odeslampse Liegenbe" gesprochen werben, und die eindring­lichsten Bitten za Gott um Gnade und Barmherzigkeit wiederholte fie selbst mit großer Inbrunst. Gegen Abend begann ber Todes- Icrmpf unb er dauerte die ganze Nacht hiiibuw' unb nod) den größten -teil des folgenden Tages. Nur das Thronfolgerpaar, ihr morganatiicher Mann R.-iitmovsky und dessen Bruder und emige andere Vertraure waren anwesend. In den Vorzimmern drängten sick) die höchsten Würdettträger des Reiches; aber einige unter ihnen, der Kanzler Vorontfos, der nod) dazu ein Jugeno- gefyielc der Kaiserin war, halten cs vorgezogen, ud) aus weiser Fürsorge für ihre Zu'unst, vom o.odesbette Elisabeths sernzuhalten und selbst Krankheit vorzuschützen.

~ Hw 4 Uhr^tiachmittags am ö. Januar trat plötzlich der älteste Senator, bet oürjt -vrubetzloi, üb er die äd/iuellc des Vorzimmers und verkündete unter lautem Leuszen unb Jammern der Menge: Ihre kaiserliche Majestät ist k erschiedeti, Gott erhalte nnsern nllcrgnäbigften Herrscher, den Kaiser Peter III." K.F.

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Jk- a? 1 e Schub en le mochte r. Lucie Bugai re, die Toch­ter ber Pariser Ltudenken will heiraten, unb nach reiflicher lieber* legrnig unb nach sorgfältigen Erlundigurigen über ihren zukünftigen Gcviahl haben sich die Vertreter der Pattser Sludentenfchasi em* !cr,loiicn, ihre Einwilligung zu der H^T-m . . ucn - Deittenlochter hat es eine eigemümtichi. -- .

im Juck des Jahres lb03 ginn . a\: e r ror banne ähnlich zu wie Heu-.. Aua- uam.nv- ...... i u.e-

dtttten und verlangten reu Rücttrin ttmg.r luivelieb:. Pro - ieisocen. .'tue wae man damals in oer Way^ c.! miitct mchr io maßvoll wie heute; denn Varriladeii w , errichtet, Wagen in den Straßen u iigeworja , Zca tu Ve^no gesteckt, furz

alles erinnerte an die Tage der Kominuiie. Ta wurde eines Nachts, als die Studenten wiederum zum Sturme gegen die am gebotene Polizcimannschaft heranruckten, an einem Eingang b t Universität ein kleines Kind gemnben, das inmitten dieses Tu muttes sich eines friedlichen Sckstummers erfreute. Tie stubentc.t nahmen sich des Findlings an, und das kleine Mädchrn wurde össenttick) zurStudenteiltochler" proklamiert. Tie Behörden legt./ den Studenten nichts in den Weg und ernannten den jeweilig, n Vertreter t/cr Studentenschaft zum Vormunde des Kindes. E wurde getauft, und da es am Voradeirde des Festes der Helligen Luiee aufgefunden worden war, so wurde diese zu ihrer Schn- Patronin ausersehen. Aber welchen Familiennamen sollte-mw' ihr geben! Ta hatte ein Stuben' den glücklichen Gedanken, ihr zum Andenken an die stürmischen Ereigniffe zur Zeit ihrer Aus linbung, bett Namen Lagarre, d. h. Tumnii zu geben. T-.- kleine Lucie wurde aus Kosten ber Studentenschaft erzogen um IVäter sorgten ihre Pflegeväter dafür, daß sie zu einer Modis-n in die Lehre kam. sie haben ihr sogar ein Geschäft eingerw-ttl, und fte soll es trotz ihrer Jugend zu einer kleinen Künstlerin m ihrem Fache gebracht haben. Vor einigen Tagen crhictten nun ihre Pflegeväter einen rührenden Brief von ihr, tu oern /c bat, ihr doch die Heirat mit einem ehrenhaften Bäcker aus Nroe - zu gcitatien, ohne den sie nicht mehr leben könnte Aber i Studenten nahmen es sehr ernst mit ihrer Vormundschaft nun erst nachdem fie fich überzeugt hatten, daf; alle Anzeichen für ein glücltiche Zukunft Luciens vorhanden waren, gaben sst ihre Ein nrültgung. Eine Sammlung wurde veranstaltet, die zur Folg- hatte, , daß Lmce ihrem künftigen Ehemanne eine beträchtlich - Mitgift in die Ehe mitbringen kann.

. k/-. i n e Schrn etle r l i ngssa mui tung für vi.r

Jc V- 0 n e ? jjc a 11. Tas nahugejdjidjtiidje Museum in Ne>! York ist mngit um eine außerorbentnd) wertvolle schmettcrl. ig - jammlung bereichert worden, oie zusammen die Riesensumme t>i. 4 Millionen Mark wett ist. Wie man sich denken kann, Hal ea-- Muieuni dieie Sammlung nicht getauft; vielmehr b-mbclt es jir. um eine Stuiung, die ein Schmetterlirrgssamm 1 er, Tr. Hermann stremer aus Penjylv-anie'.i, oem Museum testamentarisch m macht hat. Unter ben Pracht stückest der Sammlung befinoet eins, bas wohl als der teuerüe Schmetterling ber Well ju 1> leidin-'u ift 'Tiefes eine T1-.

so.met'.erttngSfagdZup' nach s u.i. <zs.-.: senden D tettingS^ttger Hatten reckst lange ?>u tun, bis sie in Gnür r c 1;l" erlctnun LdMtterkinacS yavi.ast wurde., ui "eauL

fich der R^senpreis.