Ausgabe 
24.6.1912 Zweites Blatt
 
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Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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Juni 191?

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24.

Nachweisung über den Stand der Maul- tmb Klaue« seuche in Hesse» vom 15. bis 21. Juni 1912.

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Handel.

' Die Po st an st alt in Abong-Mbang (Kamerun) nimmt fortan am Po st anweis ungS- und Nachnahme« d i e n st e teil. 1

Sport.

Akademisches Sport- und Turnfest. Sonntag, den 21. Juli findet in Darmst adt unter dem Protektorat de» (9ro6beriofl3 von Hessen ein Akademisches Sport« und Turntest statt. Es ist ein Arbeitsausschuß gebildet worden, dem der Rektor der Technischen Hochschule, sowie Professor Dr. Finger, der aka­demische Ausschm; für Leibesübungen und der Ausschuß der Stu» dierenoen angeboren.

Müllcr'ichc BaöeanftolL

ffi? af ie rro arme der Lahn am 24. Juni: 18® R.

UniVerfttäts-Nachrichten.

[1 Marburg, 23. Juni. Der außerordentliche Professor der Geschichte an der hiesigen Universität, Tr. HanS G lag au, bat einen an ihn erganflcneit Ruf als Nachfolger von Geh. Rat Prof. Ulmann in Greifswald angenommen.

bis 23.

, 23.

Höchste Temperatur am 22.

Niedrigste , , 22.

Niederschlag: 17 mm.

Spielplan öes Uurhaur-Tbeaters Baö Nauheim.

Montag, den 24. Juni: ,2er Graf von Luxeinburg.® Tlitt- ivod), den 26. Juni: 3. Kammerspielabeud. Zum Gedächtnis uon August Slruidberq. Gastspiel von Friedrich Kayseler, Helene Fcdnier und Ensemble:Mit dem Feuer spielen®. Romöbic von August Strindberg.Tie Stärkere". Eine Szene von August Striiidberg. Freitag, den 28. Jun«:Gasparone". Sonntag, den 30. Juni: ,Alt-Heidelberg.®

Landwirtschaft.

* Der 28. Deutsche landwirtschaftliche Ge - nossenschaftstaq des Reichsverbandes der deutschen larrdw Genossenschaften findet vom 11. bis 13. Juli in Dresden statt Die Tagesordnung weist eine große Reihe bedeutsamer Verhaudlungsgegenstäude auf. Unter den genossenschaftliänn Fragen allgemeiner Natur steht neben dem Jahresbericht des Generalanwalts voran ein Vortrag des Verbaudsdirettors Hofrat Bach- Dresden üTrcr die ,,Eiitwickelund des landwirtschaftlichen Genossenschafts-

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Juni + 27,5' C.

, = 4- 9,3 ® C.

Prozeß Schapiro-hirsch.

bs. Darmstadt, 22. Juni.

Fünfter Verhandlungstag.

Obern,edizinalrat Balzer: Ich kenne die Tätigkeit der Frau Assistentin in der Fürsorge für entlassene roetblidie Straft gefangene und im Prostitutionswcsen. Was chre Fürsorge für Okiattgcitc anbetrifft, so kann ich nur erwähnen, das; auch vom Staatsanwalt Schwarz der Frau Schapiro cm glänzendes Zeugnis ausgestellt mürbe. Sie bat ihre Ausgabe mit großem Verständnis und Erfolg angepackt. Was ihre Tätigkeit auf dem Gebiete der Prostitution anbetrifft, so hat sie vor allem dafür Sorge ge­tragen, bafo die Ausbeutung der Prostituierten gemildert wird. Bors.: Haben Sie jemals eine Klage über schroffes Vorgehen ge­hört, oder war es nmgekelnl der Fall? Zeuge: In der Ge° fangenenpffege weis; ich zwei Falle, in denen über Frau Schapiro Klage geführt nnirbe. Bors.: Ist es nicht zu verwundern, wenn bei dem Material, mit dem sie es zu tun hat, Beschuldigungen erhoben werden? Zeuge: Man tut, was man kann, und wenn nicht alle Wünsche erfüllt sind, wird man beschimpft Es wird dann aus einen Vorgang in der Husarenkaserne eingegangen. Der Vorsitzende unterbricht hier aber, da Dinge zur Sprache kommen können, die hier nicht bergehören. Der von der Ver­teidigung geladene Zeuge Werle ,st nach der Ansicht des Ober« meduinalräts jedenfalls ein stark degenerierter Mensch.

Fräulein B., eine Vorstandsdarne des Vereins der Freundinnen junger Ptädchen spricht sich stber die Tätigkeit der Fran Schapiro mit allerhöchster Anerkennung aus. Auf Wunsch des Verteidigers Bernstein erläutert die Zeugin an einem Fall die Art der Fürsorge- tätigkeit.

Landgerichtsdirektor Nees gibt Auskunft über die Vergleichs-' Verhandlungen während des ersten Prozesses zwischen Herrn Berndt und Herrn Hirsch: Herr Hirsch hat zunächst mich und sämtliche Richter abgelehnt mit cm er Begründung, die ich für unzureichend halte. Er sagte, ich hätte ihn auf die Bank der Raubmörder geschickt Ferner soll ich Herrn Hirsch gesagt haben: Lasten Sie Ihre Verteidigung, es ist von Anfang an umoahr. Bei wich­tigen Punkten der Anklage sagte Herr Hirsch:Herr Vorsitzender, es ist mvr leid, ich bin saljch informiert Ich bin bereit, Herrn Berndl und Frau Sckwpiro jede Genugtuung zu geben. Ick» werde, die Sache mag aussehen nne sie will, in meinem Blatte nichts mehr geaen Herrn Berndt bringen. Ich werde, wenn ich Herrn Berndt sehe, Tränen vergießen. Pon mir lpird nichts tveiter-

samrnlung in das Hoch aus den Protektor, den Großherzog, ein. Kreisrat Schliephake sprach einen Willkommengruß namens der Kreisstadt und der Welterau. Unter lebhafter Zustimmung schloß er mit den besten Wünschen für die Tagung. Geheimrat xr. M elior über brachte der Friedberger Wehr die Glückwün,a;e der Brandversicherungskammer und hebt ihr segensreiches Wirken m den 50 Jahren mit größter Anerkennung hervor. Die Wehrleute sind bis jetzt aus der Kasse mit 62 000 Mk. unterstützt worden, an Gemeinden und Wehrvereine wurden insgesamt 686 000 Mk. verausgabt. Auch iemer will die Kammer das Feuerlösckpvesen nach Kräften unterstützen. Zustizrat Windecker sprach namens der Stadt Friedberg Begrüßung:^ und Dankesworte. 50 Jahre habe die Friedberger Wehr durch selbstlose, opserwillige Nächiten- liebe der Stadt und ihren Bewohnern hervorragendes geleistet. So­dann sprach der Landesvorsitzende Ä e Iler der Friedberger Wehr herzliche Glückwünsche aus und erwähnte besonders die Verdienste der Führer Hieronimus und Ferd. Damm. lBeifall.) Mit kurzem Worten dankt Ferd. Damm für die Glückwünsche.

Darauf erfolgte die Aufnahme von drei neuen Wehren: Zell, Großhausen und Rüsselsheim (Opelfabrikl. Keller- Mainz erstattet ausführlich Bericht über die wichtigsten Fragen im abgelaufenen Vereinsjahr. Er weist auf die großen Brände zu Bingen, zu Hechtsheim, Rüsselsheim (Opelfabrikl usw. hin. Zum Andenken an die verunglückten und verstorbenen >la- meraden erhebt sich die Versammlung von den Sitzen. Eine weitere Vertreterversammlung sindet im Dezember statt. Hinsichtlich des von Wehrleuten zu zahlenden Brückengeldes hat sich der Ausfchnl; in einer Eingabe an das Ministerium der Finanzen gewandt und gebeten, anstelle der Wortebei Ausbruch von Bränden" braucht die Feuerwehr kein Brückengeld zu entrichten, zu setzen ,,der ;eg- licher Hilfeleistung". Leider lassen sich die gesetzlichen Bestim­mungen nicht ohne weiteres ändern, so daß auf Antrag des Kreisfeuerwehrinipektors Vetzberger -Nidda beschlossen wird, daß der Aussäpiß sich an die Landstände wenden soll, damit eine gesetzliche Aenderung herbeigeführt wird.

Müller-Offenbach hielt einen Vortrag überErfaß der Menschenkrast int Feuerlöschdienst, insbesondere bei Spritzen". In großen Zügen behandelt er die Feuerlöschgeräte und ihre Vervoll­kommnung bis zur heutigen Rundlaufpumpe und zum Feuerwehr- automobil. Es entspinnt sich nach dem beifällig ausgenommenen Vortrag eine lebhafte Aussprache über Fabrikbrände und Vorbeugungsmaßnahmen durch Wasserleitung, Reservoirs und dergleichen mehr. Es beteiligten sich an der Aussprache Ftscher- Darmsladt, Völker-Mainz, Müller-Offenbach, Braubach- Gießen. Kreisrat Schliephake fordert, daß jede Wehr darauf binarbeiten solle, daß in allen Dörfern Wasserleitungen erbaut würden. Der Vertreter Schottens erklärt, daß im Kreis Schotten von den 52 Gemeinden bereits 44 Hochdruckwasserleitungen hätten, Stornfels sei erst kürzlich wieder durch seine Leitung vor einem ferneren Großfeuer bewahrt worden. Das Material der Aussprache wird dem Ausschuß zur Bearbeitung überwiesen. Da mm-Fried­berg hielt einen Vortrag überNeues auf dem Gebiete des Feuer­löschwesens"." Er sprach namentlich über Löschung des Benzins mittels Schaum, über die neuesten Jmprägnicrungsversahren von Holz und Stoffen, über Kurzschluß und seine Erkennbarkeit und die neueste Schlauchverkuppelung durch Storz-Kuppelung. ..

Der Deutsche Feuerwehrtag 1913 findet in Leipzig statt. Schrift­führer Vetzberg er-Nidda teilt mit, daß vertreten feien aus Starkenburg 61, aus Oberhessen 35, aus Rheinhessen 50 Vereine und 12 Kreisseuerwehrinspektoren, insgesamt zähle der Landes­verband 340 Vereine. Das nächste Landes-Feuerwehrfest Tmbet in Bensheim statt. ., ,

An die Verhandlungen schlossen sich abends em Kommers auf der Seewiese mit Brandangriff auf ein brennendes Haus, Konzert und Volksbelustigungen. Hauptmann D a m m - Fnedberg eröffnete den Kommers durch eine Begrüßungsrede.

Darauf erfolgten Ansprachen mit Glückwünschen und lieber- reichung von Gesclfenken zum goldenen Jubelfest der hiesigni Wehr Geschenke übergaben Vertreter von Darmstadt, Offenbach, Bad-Nauheim, Nieder-Eschbach, Butzbach, Nidda und Gießen. Den Dank der hiesigen Wehr sprach Kommandant Damm aus.. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde durch Hoffeuerwerkstechniker Fischer- Kleebronn ein prachtvolles Feuerwerk abgebrannt. Zum Schluß kam die Darstellung eines brennenden Hauses, das die Firma Mörschel kostenlos errichtet hatte. Der Brandangriff fand die volle Anerkennung der berufenen Führer des Landesverbandes. Die Militärmusikschule Friedberg konzertierte. Eine riesige Men- schenmenge wohnte dem Kommers bei.

Am Sonntag brachten aus allen Richtungen die Eisenbahnen Feuerwehren. Um V-V Uhr sammelten sich viele Wehrleute am Kriegerdenkmal, um die Sehenswürdigkeiten Friedbergs zu befich tigen. Um 11 Ulyr nahm die Friedberger Wehr auf der Kaiser straße Paradeaufstrilung, die Front wurde vorn Ehrenausschuß und Landesvorstand ab geschritten, Geräteübung, Vorbeimarsch und Branddienstübung sckstossen sich an. Kreisrat Schliephake übergab hieraus an eine Reil>e von Wehrleuten Ehrenzeichen für langjährige, treue Dienstzeit. Der Festzug wurde um 2 Uhr am Marnzertor ausgestellt: es waren wohl über 150 Abteilungen, die der unab­sehbare Zug aufwies. Auf der ©eeioiefe begrüßten Bürger­meister Stahl und Kommandant D a m nt die Gäste. Nach noch einigen Glückwiinschansprachen entwickelte sich dann das Fest. Eine große Mensewnmenge hatte sich emgefunben. Abends sand eine Fackelvolonaise statt. Tas Fest nahm in allen seinen Teilen einen prächtigen Verlauf. Von den damaligen Gründern der Friedberger Wehr leben aus dem Jahre 1862 noch Beigeordneter Falck, Emil Becker, Karl Berg, G. Schenk, G. Prcußer, W. Kreuter, Aug Frank, K. Walz, M. Stahl, M. Boll, Ph. Wrndecker, Mich. Höck, Ferd. Engel und Adam Heidt. Der jetzige Kommandant Ferd Damm gehört der Wehr 34 Jahre an und leitet sie seit 12 Jahren.

getragen." Herr Hirsch hat vielleicht Fä/v- oder achtmal Vergleiche ! angeregt, die aber der Beigeordnete Berndt abgelehnt hat. Es wird dann auf den Brief an Frl G eingegangen. Vor;.: IN ; es Inen erinnerlich, was Herr Berndt über die -tragmeitc des , Briefes gesagt bat? Zeuge: Ich gebe zu, daß die Zeugin der Ansicht gewesen sei, daß ich ihr ein Eheversprecheu gegeben haben kann. Vor,'.: Hat die Aussage des Herrn Berndt den Eindruck : einer Fahrlässigkeit gemacht? Zeuge: Im Gegenteil, er bat eigentlich mehr gesagt aus feinem Leben, als notwendig war. Staatsanwalt: Es liegt vielleicht im Jnterepe des Angeklagten, ich dazu zu äußern Bert. Bernstein: Ich rate dem Herrn Angeklagten nicht, sich dazu zu äußern. Staatsanw.: xaS ge­nügt mir . .

Pros. Tr. .K., Direktor des Frauempttals, erklärt, daß nie rnals ohne besondere Erlaubnis eine Person in das «sPital komme. Der Frau Schapiro sei von ihrer vorgesetzten Behörde der .1u,- trag erteilt. Bors : Wie waren die Erfahrungen über die Erfolge ihrer Tätigkeit? Zeuge: Ich habe den Eindruck gehabt, daß die Zahl der eingelieierten Mädchen merkivürdig abgenommen hat. Ob die Tätigkeit der Polizeiassistentin allein daran schuld ist, weiß ich natürlich nicht.

Zeuge Ttadtv. Stein, Vorsitzender des Lrtsg^ncht^: xsa) kann der Frau Schapiro nur das beste Zeugnis au^ftcUen. ~te hat sich besonders der Fürsorgetätigkeit gewidmet, -sie bat durch meine Vermittlung weit über 60 Vormundschasten übernommen. Bors.: Haben Sie Klagen gehört, daß sie rigoros vorgegangen sei? Zeuge: Das habe ich nur durch die Zeitungen gehört. Bert. Pagenstecher: Haben Sie gehört, das; Herr Berndt bezonders schatt vorgegangen sei? Zeuge: Ganz gewiß nicht. Bert. Löwenftem: Haben Sir nicht aus Theaterkreisen gehört, daß man um über Herrn Hirsch beklagt habe, daß er persönlich geworden fei? Zeuge: Das weis; ich nicht. Bert. Bernstein: Ich habe lange Jahre Theaterkritiken geschrieben, ick kenne aber keinen Fall, wo man nicht dem Kritiker denselben Vorwurf gemacht hat.

Nack> einer kurzen Pause wird in der Vernehmung fortgesahren.

Mlizeikommissar Neumann: Ich bearbeite die Kriminal geben. 7 ie die Polizeiassistentin eintrat, erhielt ich die An weisimg, sie zu beschästigen und zwar selbständig mtt Ver­nehmungen von jungen Personen männlichen und weiblichen Ge- chlechts. Ich habe ihr die einzelnen Fälle, die zur Untersuchung 'tauben, übergeben. Sie hat sich der Ausgabe mit großer Ge- vandtheit und mit einem gewissen Geschick unterzogen. Ver­meiden konnte sie nicht, das; im Anfang einzelne ihrer Arbeiten Mängel hatten. Wir haben diese Mängel, soweit :d möglich war, verbessert. Diese Mängel haben auch der Staatsanwaltschaft Anlaß zu Beanstandungen gegeben, besonders in ihrer Kenntnis der Gesetze. Sie hat sich aber in kurzer Zeit hineingesunden und zu keinerlei Anständen mehr Anlaß gegeben. Der Zeuge geht bann auf einzelne Fälle ein, in denen sich Frau Schapiro an Untersuchungen beteiligt habe. Bors.: Ist ein Uebereifer zu konstatieren? Zeuge: Ich habe darüber keine Wahrnehmungen machen können. Vors.: Hat Ihnen die Polizeiassistentin etwas vorweg genommen? Zeuge: Nein.: Ist Ihnen bekannt, daß seitens des Herrn Berndt und der Frau Sckwpiro eine besonders schneidige Art des Auftretens erfolgt ist? Zeuge: Das ist mir nicht bekannt. Als Fran Schapiro angestellt wurde, begann zuerst eine reine Prozession oder Völkerwanderung zur IZolizei- assistentin. Ich nehme an, das Publikum hat die Frau Schapiro mit Kleinigkeiten belästigt. Aus die Frage, wie die Ladungen versandt werden, antwortete der Zeuge, daß er alle Ladungen offen herausgesandt habe. Bert. Löwenstein macht darauf auf- merksam, baß der Zeuge nur von seinen Ladungen spreche. Frau Schapiro bestreitet aber, offen geladen zu haben. Bert. Bernstein izum Zeugen): Ein Zeuge, Kriminalschutzmann Rech, soll gesagt haben: Wenn ich die Wachtmeisterstelle nicht bekomme, ist Herr Berndt fein Beigeordneter mehr. Worauf bezieht sich das? Bei der Einbruchsgeschichte habe sich ergeben, daß nicht Geld gestohlen worden sei, sondern dem Fräulein, von dem der Einbruch verübt worden sein soll, war es darum zu tun, die Briese in die Hand zu bekommen, die sie von dem Herrn Beigeordneten früher be­kommen I>at. Staatsanw.: Ich halte die Frage für unzulässig.

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Bei Wiedereröffnung der Sitzung teilt Bert. Bernstein mit, daß er auf die Fragestellung verzichtet. Verteidiger Pagenstecher: Wenn auf die Frage verzichtet ivird, so beantrage ich Beweisführung über die hier erhobene Beschuldigung. Er benennt dann die Zeugen, die in dieser Sache gehört werden sollen.

Nach diesem Zwischenfall wird der Zeuge Neumann ent­lassen und der Redakteur Adelung ans Mainz vernommen Er hat in der Stadtverordnetensitzung die Anregung zur Anstellung einer Polizeiassistentin gegeben: Der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme (Justizrat Horch) angenommen. Etwa 60 bis 70 Bewerbungen liefen auf die Ausschreibung ein. Bors.: Wenn die Anregung von Ihnen .ausging, werden Sie doch auch die Wirkungen verfolgt haben? Zeuge: Ich habe die allerbesten Er­fahrungen gemacht. In vielen Fällen kann man wohl auch manches anders mackfen. Aber ich bemerke, daß sie mit großer Liebe an ihre Ausgabe ging. Frau Schapiro hat große Ersolge erzielt, besonders im Bordellwesen. Wenn sie sonst nichts erreicht hätte, so wäre dieser Erfolg allein schon des höchsten Lobes wert. Bert. Bopp: Sie sind mit Herrn Berndt befreunbet. Zeuge: Was heißt Freundsckwst, politisch sind wir jedenfalls die größten Gegner. Wir stehen aber persönlich in einem guten Verhältnis. Dert. Bopp: Ist der Herr Berndt nicht auch Pate Ihres Sohnes? Zeuge: Das ist schon richtig.

Schluß der Sitzung gegen 1 Uhr. Fortsetzung der Verhand­lung Montag vormittag 8 Uhr.

^'-5 uii Königreiche Sachsen" GeneralsSrelkr Prsseffor Dr. Ta de-Berlin ttrirb über diesittliche unb rmrtschast- liche Krast der genossenschaftlichen BenTegang in der deut­schen Landwirtschaft", Gcnerallandschastsdrrettvr l^^eheimer Lberregierungsrat Dr. K a p p - Kömgsberg über dieS3c- beutunq der öffentlichen LebensverfichernngSanstalden für die ländliche Bevölkerung unter Mitwirkung der Genossen- schäften und ihrer Verbände" sprechen. Unter den speziÄben Angelegenheiten behandelt ein besonders zertgemätzes Thema das Referat des Generalsekretärs Oekonomierat Hohenegg- München über die wichtige Fvaye:Inwie­weit und unter welchen Voraussetzungen sind ine ländlichen 5par und Darlehnskassen in der Loge, bei der Befriedi­gung des ländlichen Recttkredits mitzuwirken?" Verbands- direktor Oekonomierat Tr. Rabe-Halle a. S. referiert über das Thema: Inwieweit tragen die Genossenschaften zu einer fachgemäßen Verwendung landwirtschaftlicher Be­darfsartikel bei?", Verbandsdirettor Ei cke-Braunichweix wird dieMitwirkung der Genossenschaften bei Sinbcnutg der Futternot" ^behandeln. Professor Dr. F a l k e - Leipzig spricht überErrichtung von genossenschafttickLn Vieh­weiden, Schweinezucht- und Mastanstalten". Oekonomierat Dr P e t e r m an n - Ehemnitz wird überStellungnahme betreffend die von den NahrungsmittelchemiLern erstrebte Einführung eines Deklarationszwanges für Kche nach F«l- gehalt" referieren und Molkerei-Instruktor Schwarz» Bonn wird das Thema:Tie Schädigung des genoffnv chastlichen Molkereiwesens durch die übertriebene Ver­breitung von Handzentrifugen" behandeln.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 21. Juni. Gewerbsmäßiges Jagen.

Zu 1 Jalhr und 6 Monaten Gefängnis die Staatsanwalt­schaft hatte 3 Jahre Gefängnis beantragt wurde der Former H. F. von Lollar verurteilt. Der Angeklagte hatte im März 1. I. in der Gemarkung Daubringen ein Reh geschossen, es im Walde versteckt und dann später abgeholt. Das Versteck war alsbald aus- gesunden worden und führte dies zur Entdeckung des Tävers. Der Angeklagte, der als ein braver, fleißiger Mensch geschildert wird, will nur dies eine Mal von der Jagdleidensckwst über­mannt worden sein, als er von feinem Onkel eine Flinte erhalten hatte, irm seine Tauben gegen Raubzeug zu schützen. Allein!, das Gericht nahm aus Grund der Tatsache, daß der Angeklagte wegen Wilderns bereits einmal eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren erhalten hatte und daß er wie ein gewohnheitsmäßiger Wilderer vorgegangen sei, an, das; er das unberechtigte Jagen gewerbs­mäßig habe betreiben wollen. Außer der Freiheitssttase wurde aus Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren und auf Einziehung des Gewehres erkannt. Ferner wurde der Mitangeklagte Arbeiter PH. F. in Lollar mit 5 Monaten Gefängnis bestraft. Er hatte seinem Neffen das Gewehr ge­liehen, das gefdiilbcrte Reh abladen helfen und sich mit ihm das Fleisch geteilt. Tie Straskammer erblickte hierin Beihilfe zum getverbsmäßigen Jagdvergehen und Hehlerei.

R ü ck s a l l s d i e b st a h l.

Ter wegen Diebstahls mehrfach vorbestrafte Arbeiter M. H. von Rockenberg hatte im 2lvril I Js. in Friedberg im Laden einer Trödlerin, als diese sich in einem anderen Zimmer begeben hatte, eine Tainenuhr gestohlen. Er wurde zu 4 Monaten Ge- sängnis verurteilt.

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Unser täglich Brot Läßt die Nachfrage nach gute» Brot eine der verbreiteten Kenntnis entsprechende Bevorzugung der dunkleren Brotsorten in nicht allzu ferner Zukunft erwarten? Es stehen sich hier, man möchte sagen, zwei Welten fcinbW gesinnt gegenüber. Die Einen, die alles, was das Kvm entfcHt, m erster Linie für den menschlichen Magen verwertet wissen wollen, und die Anderen, womöglich noch ökonomischer veran­lagten, die für den unersättlichen Magen ihrer Haustiere btt Kleie nicht entbehren möchten. Zwischen beiden Gruppen hält die Wage, seit unvordenklichen Zeiten immer selbstgerecht,^ der Mann, der beides, Mehl und Miete, macht und zu diesem Zweck das Fttd belwrrscht. Sollte eS dem Landwittschaflsminister mit dem ihm eigenen Scharfsinn und dem neuerdings entTmckritm Draufgängertum nicht glücken, in das Kartenhaus verfehlter Mrt- schaftsgestaltung Bresche zu legen, geräumig, genug, daß alle er­halten, was ihnen von Gottes- .und Rechtswegen zusteht? 'Aber Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage, wenn der Ge­schmack einspielt bei Beurteilung der Frage: Welche BedÜAU»-J sind art ein erstklassiges Bollbrot zu stellen und sind diese ntwH etwe im «yimonsbrot heute schon erfüllt?.

KreiS:

Am 15. Juni waren verseucht:

Vom 1b. bis 21. Juni sind neu ver­seucht :

Vom 15. bis 21. Juni ist die Seuche erloschen in:

Darmstadt .

Tlrheilge»

Bensheim .

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Dieburg . .

Urberach

Erbach . . .

Gr.-Gerau .

Heppenheim

Offenbach .

Dietzenbach, Hainhauseti

Dreieichen- Hain

Gießen

Groben - Buseck, Laug- Göns

Großen- Buseck

Alsfeld . . .

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Büdingen. .

Büdingen, Nieder-Mock- ftabt

Nodheim, Stammheim, Ockstadt, Okarben,

Friedberg .

Harheim Offenheim

Lauterbach.

Schotten. .

Ulrichstein

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Alain; .. .

Alzey....

Flomborn

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Bingen . . .

Oppenheim.

Bodenheim

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Worms. . .

Eppelsheim