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22/02/1912 Erstes Blatt
 
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£ et 6itfjtetr Anzeiger rschkmr täglich, außer Sonnt lagen:

vermal wöchentlich -ietzenerZamilienblätteri loeunalivöchentl.Xreis- tlattjürdenXr«i5»iehen iTienStag und Freitag); -ivetmal monoil. Land- oirtschafllicheSeitsragen ;.miiprert)-9lriid)Uine: 1 ir die Redaktion 112, tterlaq u. Expedition 51 Kbrefie tiir Tepeschen:

Anzeiger Gieren.

rnnadme von Anzeigen für die Tagesnimnner b S vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt )H2. Jahrgang Donnerstag, 22. Zebrnar 1912

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chener Anzeiger

L AV Verantwortlich für den

politischen Teil: August

General-Anzeiger für Gberhefsen SMS

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Mr den

Büdingen: Fernsprecher Rr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Seck.

werde. Dem früheren 3(hab sei durch Vermittelung deS russi­schen 5foiriulS milgeteilt worden, das; seine 3ache hoffnungslos sei, und das; er befser täte, das Land zu verlassen.

Vie franMich-spanijchcn Dcrtyanöhnigcn.

Paris, 21. Fcbr. lieber die heute zwifck^n Garcia Prieto, Gcoffray und Bunsen stattgchabte ll n t c t r e - d 11 u n wird nuö Madrid gemeldet, daß Spanien endgül­tig folgende Punkte onneljme: ,

1. Schlichtung etwaiger Reklamationen durch ein inter­nationales Schiedsgericht; 2. allgemeines Scliiedsgericht für alle mit dem künftigen Abkommen zusammenhängenden Fragen; Vreinheitlichung der Zolltarife; 4. Verpflichtung Spaniens, seine Rechte auf die ihm zu überlassende Zone an niemanden, auch nur zeitweise, abzutreien; 5. Revision des Madrider ?lb- kommens von 1885, bezw. des SchutzverhältnifscS der Einge­borenen.

Was die Ernennung des Vertreters des Sultans in der spanischen Zone anlaugt, so verlangt Spanien eine mög­lichst baldige Ernennung dieses Vertreters und besondere Bürgschaften für dessen Befugnisse. Bezüglich der Bahn Tanger-Fez schlägt Spanien vor, daß die Betriebsgesell- schaft der französischen Strecke 30 Prozent ihrer Einnah­men der spanisclien Gesellschaft überlasse, welch letztere 30 Prozent ihrer Einnahmen der sranzösisck>en Gesellschaft zu überlassen hätte. TerTcmps" bemerkt, daß dies für Frankreich einen beträchtlichen Rachteil bilden würde, da die französische Strecke weit größer ist als die spanisckzc. Tie Frage der Gebietskompensationen wurde noch nicht er­örtert, da Spanien um eine genauere Feststellung der fran­zösischen Ansprückzo ersucht hat.

Die heutige Nummer umfofet 10 Seiten-

Zum lNinifterwechfei in Oesterreich.

Wien, 21. Fcbr. Der russische Miuißer- präsi de n t und der russische Minister des Aeußern sandten .ps Anlaß der Ernennung des Grafen Berchthvld zum Minister des Aeußern Glückwunschtelegramme an tiefen. Die Depesche des russischen Ministerpräsidenten » okozow lautet in deutscher Ucbersetzunq:

Ich erfaftre soeben, daß Sie, von Ihrem Souverän berufen, den Posten des Ministers des Acußcrn angenom rt-?n haben. Gestützt auf unsere alten Beziehungen bitte ib Sie, bei dieser Gelegenheit meine aufrichtige Gratu- jüion und die besten Wünsche entgegenzunehmen und an hc besondere Genugtuung zu glauben, die die Nachricht Ihrer Ernennung mich empfinden lieft. Ich bin gewiß, daß Ihre Bemühungen dahin zielen werden, die auf Erhaltung des Friedens gerichtete gemein­same Aktion unserer Regierungen noch wirksamer zu ge­halten."

DaS Telegramm Kokozows erwiderte Graf Berch- thold mit folgenden Worten:

Sehr dankbar für die sympathischen Worte, die Sie die Güte hatten, mir anläßlich meiner Berufung auf den Posten des Ministers des k. k. Hauses und des Aeußern zu übermitteln, iriedic ich meine aufrichtigsten Wünsche dahin aus, daß die von riüncnt friedlichen Gefühlen geleiteten Bemühungen der beiden Regierungen zur Befestigung und Entwickelung der Beziehungen hei beiden benachbarten und befreundeten Reiche dienen werden.

Em Telegramm an den d.mschea Reichskanzler.

Graf Berchthold telegraphierte an den Reichskanzler: Durch die Gnade Sr. Maj. meines allergnädigsten Derrn aal den Posten des Ministers des Aeußern berufen, gereicht es mir zum besonderen Vergnügen, in dieser Eigenschaft Ew. Exzel- lcn; zu begrüßen. Mein verewigter, tiefbetrauerter Vorgänger bat in dem Dreibund d i e unverrückbare Grund lagc seiner Politik erblickt und sich durch seine stets kvähric Bundes treue jenes hohe Maß von Vertrauen cr- Uorben, das ihm von Seiten der verbündeten Mächte entgegen forscht wurde. Indem ich nun das vom Grafen Aehrenthal mtcrlaffene reiche Erbe inniger und vertrauensvoller Beziehungen jur kaiserlich deutschen Regierung an trete, hoffe ich zuversicht­lich, auf die bundesfreudige und tatkräftige Unterstützung Ew. 'zellenz rechnen zu dürfen."

Die Antwort Bethmann-Hollwegs.

Reichskanzler von Bethmann-Dollweg beant- frortete die Depesche des Grafen Berchthold folgendermaßen :

Eurer Exzellenz danke ich lierzlichst für das Tcle- iramm, womit Sie die (tote hatten, mir Ilwe Ernennung nun Minister des Kaiserlichen und Zköniglichen Dauses und des 83tfeern persönlich mitzuteilcn. Ich spreche Eurer Exzellenz zu km Beweise hohen Vertrauens, den ihr allergitädiglter Derr lZhiien damit gegeben, meine wärmsten Glückwünsche aus ? in der festen rind frohen Heber» cugung, daß die vertrauensvollen, Kindes freundschaftlichen Beziehiuigen, die Ihr uiwergcnhdk-r Derr ItmtÄwrgänger so zielbewiißt gepflegt, in gedeihtickjer Weise sich I Unentwickeltn werden. Ihneii zur Erfüllung der würdevollen, |bkn Ausgabe vollen Erfolg wünsckjcnd, bitte ich. Eure Exzellenz IKrsichert zu fein, daß ich in fester Bundestreue be­llt e b t fein werde, Ew. Exzellenz Politik, wo ich kann, mit |il(en Kräften zu unterstützen.

Die Vorgänge in Persien und dar englische Unterhaus.

L o n d o n , 21. Fcbr. Bei der Fortsetzung der A d r e ft - Hebatte im Unterlaufe brachte der Radikale Pon-

f o n b t) ein Amendement ein, in dem er erklärt, die britische Regierung ftabe, indem sie es unterließ, wirksame Schritte zur Aufrechterhaltung der Integrität und Unabhängigkeit Persiens entsprechend dem Wortlaut des englisch-russischen Abkommens zu tun, eine scknvere Bedroh ungIndiens und der Lebensinteressen ('Großbritanniens zugelassen. Pon- fonbn bedauerte, daß der Minister des Aeußern Grey feinen Kritikern unterstellt habe, sie vertreten die Politik mög lieft ft zahlreicher Einmischungen in allen Weltteilen und möglichst weniger Freundschatten. Was er, Ponsonby, je­doch verlange, sei gerade die Nichteinmischung. Tas einzige, was nötig sei, sei, daß England sich entschlossen zeige, darauf zu sehen, daß Rußland seine vertragsmäßigen Verpflich­tungen ausführt.

Ter Radikale Norrell drückte die Hoffnung aus, daß Grey feinen Zweifel darüber bestehen lassen werde, j)aft das Einvernehmen mit Rtttßland nur unter Bedingungen fort­dauern könnte, die für das persische Volk leichter zu tragen wären und der britischen Ehre mehr entsprächen.

Der Unionist Mark Snkes erklärte, es fei nicht be­liefen, daß die russische Besetzung Persiens unnötig ober die über gewisse Personen verhängten Strafen unverdient seien. Tie gegenwärtige Lage enthalte jedoch Keime zu­künftiger Gei-ihren, wenn England nicht sofort eine be­stimmte Stellung nehme. .

Staatssekretär (fiten über die persische Frage.

Nach weiterer Aussprache antwortete Grey in einer längeren Rede aus die .(trittf an der persischen Politik und gab ein Gesamtbild der Lage in Persien.

Er betonte, daß das englisch-russische Abkommen nicht eine Aus­dehnung der Verantwortlichkeit Englands darstelle, sondern eine Begrenzung seiner Einwirkung bei einer entsprechenden Begrenzung der russisckjen Einwirkung und erklärte, das Abkommen fei, auf ' beiden Seiten innegehalten worden. Ter russische Einfluß fei in Nordpersien vorherrschend gewesen, bevor das, Abkommen gc- , troffen wurde. Die Frage, ob England jetzt strategisch daran sei. hänge von dem Gebrauch ab, der von bem rufjiieften Einfluß in Nordpersien gemacht worden sei. Was für Schwierigkeiten, auch mit Bezug auf die inneren persischen Angelegenheiten be­standen hätten, so sei der russische Einfluß doch nicht benutzt worden, um die strategische Lage an der indischen Grenze un­günstiger zu gestalten, als sie vor dem Abkommen war.

Grey fuhr fort: Tie Anwesenheit der russischen Trup­pen in Nordpersien sei durch verschiedene Ursachen her- vorgerufen worden, aber die britische Regierung fei in Kenntnis gefetzt worben, daß die rufÜHftcn Truppen nicht in der Absicht, einer dauernden Besetzung Persiens in dieses Land entsandt wor den seien. Grey betonte weiter, baß innerhalb der letzten Jahre die russischen Truppen bereits einmal zurückgezogen worden seien. Diese Tatsache müsse als ein Bernds dafür gelten, daß die Ent­sendung der Truppen nicht auf Grund eines vorher erwogenem stzlanes zur Besetzung von Persien erfolgt sei. Ter Minister wies weiter darauf hin, daß die russischen Truppen nicht die ein­zigen ausländischen Truppen in Persien seien. Es ständen auch türkische Truppen lenseils der Grenze in Persien. Sie seien allmählich immer weiter vorgeschoben worden, und die spätere Anwesenheit russischer Truppen in Nordpersien dürste zu dem noch weiteren Vorrücken der türkischen Truppen geführt haben. Wenn die strategische Lage Rußlands bedroht würde, oder durch Vorrücken der türkischen Truppen vielleicht geschädigt würde, so sei Rußland vollkommen befugt, zum Schutze feiner Interessen jede Maßregel, die es für nötig halte, zu ergreifen. Die Regie­rung habe sich geweigert, den früheren Schah anzuerkennen, doch Tonne dieser nicht ausgewiesen werden, außer auf Gruird von Bedingungen. Es wäre nicht das erste Mal in der Getchichte, daß eine Pension nicht auf Ifirunb von Verdiensten gegeben

Dcutsches tteich.

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: An den 111 ch len be i u ch, den der i ran zösi i che Botsd ter am Sonntag dem Reichskanzler abltaUete, knüpfte ein Tril der Presse Kommentare, in denen die angeblichen Gegenstände der Unterhaltung wiedergegeben sind. Dtad) einer Notiz desBcrl. Lokalanzeigers" soll in Paris behauptet wvrden sein, die Unicr- haltung drehte sich um den belgischen Kongostaat. Diese Angaben beruhen aut (£ r f i n b u n g.

Das Woltß'che Bureau schreibt: DerBerliner Lokalanz." bringt einen aus London datierten Aussehen erregenden Artikel über englisch-deutsche Verhandlungen. An unterrichteter Stelle ertabren wir, daß die Angaben des Artikels lediglich aut Kombinationen beruhen und daher geeignet sind, falsche Erwartungen und falsche Befürckstimgen heroorzurufen.

Die Abteilungen des Reichstags traten heute zusammen, um die eingegangenen Wahlproteste ans ihre Zulässigkeit zu prüfen und die- jenigen Mandate, gegen die Wahl Proteste nickst eingegangen sind, für gütig zu erklären. Zwei Abteilungen konnten wegen >m- genügender Beteiligung nicht in Tätigkeit treten. Jin übrigen wurden achtzig Mandate dem Wahlprüsungsaus- schuß überwiesen, gegen die zulässige Proteste vorliegen. Ter W a h l p fu n g s a u s sch u ß bot entsprechend der Verein­barung des Aellestenrats die Msicht, ein starkes Tempo in ihre Arbeit zu legen, und die von ihr bcbanbcltcn WahlPrüfungen, sollen bann möglichst sofort vom Plemtm erledigt werden.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs­tags beantragt, die verbündeten Negierungen zu ersuchen, eint Revision des Beamtende so ldungsg es etzes in dem Sinne vorzubereiten, daß eine angemessene Erholmng der durchaus un­zulänglichen Bezüge der Unterbeamten eintritt.

Ausland.

Tas japanische Auswärtige Amt hat nach einer Reutermelbnng den Vorsckstag des Generalgouverneurs Don Köret,

Plagiate der Natur.

Vor beinahe 50 Jahren, im Jahre 1863, wurden die Pa kontologcn durch eine Entdeckung des englischen Geologen ^tr tifliam Tawson vor ein Rätsel gestellt. Tawson wollte tm Ihgiiciß ein Fossil entdeckt haben, und dieses Fonil erhielt den rMinen Namen Eozoon canabenic, das ..fanabiidic Morgenröte r", weil das Austreten von Lebewesen in einer w frühen rbschicht als die Morgenröte des Lebens angefehen wurde^ icses rätselhafte Tier sollte eine riesige Foraiiiimfere lern und lilt auch als solche, bis der deutsche Zoologe Mobutv und dei Amerikaner Waleott überzeugend bartateit, da,; es lüft nicht um i(puren eines lebenden Gefchöpses, londern uni Knollen von jkecpentin mit eingeschalteten Kalkschichten bandelt, zte Natur litte die Gelehrtenwelt geäfft, indem |ie ihnen ein Plagiat rorlcgti

Plagiate sind nun in der Natur nicht fdtm; im Tierreichs h der Pslanzemvelt, ja auch im Reiche der steine linden iicli R andere Werke der Natur, ia auch xinge der mcnicftlidHn Jültur fvieberholt. Wer im Walde von einein morlchen Baunie bu rinbe abstreift, findet an bereu UnierfeiU haimg merfiourbig !loufe, verschlungene Schriftzüge, bie w, Wirklichkeit «puren der Weit des Buchdruckers smd: es gibt '"gar Pflanzen und aere, auf Denen wirklich richtige Buchstaben adznleien lind, ^a.- ikstr Beispiel dafür ist wohl die Gammaeule, auch Y-Eule ge rinnt iVlusia gamma L.ß cm ziemlich ftauiigcr, >ii beit ..ittali Hirn gehöriger Schmetterling, auf beiien BordMlugeln der gru -psche Buchstabe Gamma ganz klar abzulefen ist- E-.- gehor^: auch Ur wenig Phantasie dazu, um auf einzelnen Blumen Plagiate hr Natur zu. entdecken: aus dem Gladtolus dvsantimis erkenn

Auge der Griechen das Wehewortat , "aturlich Mit grie- äfften Buchstaben geschrieben. Einige Sinologen wollen tm Dülsen der gewöhnlichen Erbse sogar onciitahKftc todmfriuge tifbcdt haben, icdoch ist es bisher nicht gelungen, bic|e it^te i3 entziffern, offenbar weil die Natur lic vor der Cnmounj oc rc«schlichen Schrift vorersunden hat. Eine ganze SRcipe wuu Aegiate der Natur stellt der franzöfilckic NaNinvnst.n|chan!I fe. Roux in einem Aufsätze derRevue" zulammen, wo^ !iz vielen, den Fachleuten ziemlich bekannten, einige ueue mg. Mer Japaner kennt z. B. den Tairakrebs, ein -Lier, geraö ix den Gewässern Japans besonders häufig ist, wo im "^bre m.? große Schlackst stattgesunden hat. Von der Ruckieite beua «le icht der Panzer des Tairakrebses vollständig b<m V' _

Tairakriegers: man sicht deutlich den oncntalueben -tnm -, r mehr dem koreanischen Typus ähnelt als dem jawini lii'is Plagiat der Natur erklärt die buddhistilckie llcberlu er g v, daß c» ein Beweis für die Seclenwanderung ist: die trüge ^ax^I^mmes, der bei Dan-no-ura vernichtet wurde, leben ia)

heule als Tairakrcbse weiter. Die Aehnlichkeit mit Menschcn- gesichtern ober Menschenkövfen ist ein ziemlich häufiges Plagiat der 'Natur. Der bekannteste Fall dieser Art ist der Totcnkops, die Zeichnung des Totenkopsschwärmers, und noch üderrasckiender ist die Aehnlichkeit mit einem Men scheu gesichte bei einem anderen Schmetterling, nämlich J-eniseea tarauinius, dessen Puppe ein menschliches Gesicht mit gefurchter Stint und zusammengeknü- fcnen Lippen, dem kaukasischen Typus ähnlich, zeigt.

Beinahe noch weiter geht die Gesichtsähnlichkeit bei einem rocftafriUwndicn Scftmcttcriinge, Spclgiv-Signeta, bei dem man sogar die Behaarung des Kopses und die Pupillen in den Augen deutlich zu sehen meint. Sonst ähnelt das Gesicht freilich mehr dem eines Schimvansen als dem eines Menschen. In einer norwegisckstn Bückst hat man einen seltsamen Gegenstand gefunden, der einen Fi,stier im Profil zeigt, und dieser Fisckier hat ausgesprochen ikandi n an lüften Typus. Auch hier lwndelt es sich um ein Plagiat der Natur, denn der merkwürdige (togenftanb ist ein Gehörknochen eines Walfisches. Eine rcicftbaltigc Fundgrube für Plagiate der Natur ist ferner die Pflanzenw.lt. Zahllose Blumen weifen schon in ihrem Namen aui die Aehnlichkeit mit anderen Dingen hm, z B Lerckxnsporn, Rittersporn, Frauenschuh, Fichtenspargel, ober da- Vogelnest, eine Crdnixe, Wasser Helm, Wasserlinse, Fingerhut: ürdribecu, namentlich einige tropische Arten, gleichen zum Ver- weckiseln manchen Insekten, und umgekehrt wieder gibt cs Insekten, die Blumen ober anderen Pflan.zenteilen ähneln, wie z. B. bas wandernde Blatt" oder Stabheuschrecken. Auch die unbelebte Natur kennt Plagiate. In der Nähe des französischen Badeortes Eautcrels im Purenäengebiete ist auT einer Granitwand ein Bild nis zu sehen, bas einen muselmännischen Soldaten darstellt. Es handelt sich Dabei aber nickst um ein Werk von Menschenhand, wie man glauben konnte. Eines der merkivürdigsten Plagiate der Natur ist in der Maonagrotte bei Eastello de Montecatmi. In dieser Tropfsteinhöhle findet fick eine richtige Lrgcl, deren Pfeifen in den verickiedensten Größen von Stalagmiten und ^talaf tuen gebildet werben: ja unter dem.Einfluß des Windes soll diese Naturorgel sogar Tone von sich geben!

Das jüngste europäische Markenland ist das kleine Fürstentum Liechtenstein. Bisher wurden in dem Ländchen, das im ganzen etwa 10 000 Seelen zählt, ausschließlich oster- reicki'ck'e Marken venvendet. Nachdem der mit Oesterreich lau­tende Postrertrag Anfang dieses Jahres erneuert werden mußte, machte der Fürst zur Bedingung, eigene Marken in seinem Lande berausgebcn zu dürfen, was ihm mit einigen Einschränkungen auch von L esterreich bewilligt wurde. Seit dem 1. Februar dieses Jahres sind raut int Fürstentum drei eigene Marken im Verkehr und zwar zu ö, 10 und Heller, die auch im sWeltpost-

Dcrein Gültigkeit haben. Für die übrigen Werte kommen nach wie vor österreichische Marken zur Benutzung. Tie Farben der drei neuen Wertzeichen sind die vom Weltpostverein vvrgeschrie- benen, grün, rot, und blau. Die Herstellung der Marken erfolgte in der Rcickisdruckerei in Wien. Sie tragen in einem durch die WorteSt. M. Lcsterr. Post im Fürstentum Liechtensdein" ge­bildeten Schriftrahmen das Bild des regierenden Fürsten Iohann.ll von Liechtenstein. Für Sammlung dürfte die Mitteilung von be­sonderem Interesse sein, daß Liechrcnstein selbst keine Marken nach auswärts verkaufen darf: dies hat sich m oben erwähntem Poswertrag ausdrücklich die Wertzeichenverschleißstelle des K. K. Postamts in Wien Vorbehalten.

Ausgrabung und wissenschaftliche Erfor­schung des Römischen Staiserpalastes in Trier. Die Ruinen des römischen .staiserpalastes in Trier, des ein­zigen seiner Art auf deutschem Boden, haben eine planmäßige Ausgrabung und wissenschaflliche Untersuchung bisher nicht er­fahren. Tie Lösung dieser Aufgabe ist für die archäologische Wissenschaft, für die Kunst- und Stulturgeschichte von großer Wich- tigfeit. Tic Gesamtlosten des Unternehmens, das sich voraus­sichtlich auf 5 Jahre erstrecken wird, sind auf 200 000 Marl veranschlagt. Für das Etatsjahr 1912 sind 40000 Mark er­forderlich.

kf. Ter elektrische Prophet. Ein Prophet, der etwas in seinem Vaterlande gelten will, muß mit der Kultur fort- l'dneiten: zur Ausrüstung eines modernen Heiligen gehören dd» trische Batterien, phosphoreszierende Farben unb Zauberlaternen. Ein Mitarbeiter des Ereelsior weiß über die Art und Weise, wie der bei den Arabern allmächtige Mahdi Seyyide Jdrissis sich die Geiolgschait feiner Anhänger erhall, viel Interessantes zu be­richten Gewöhnlich empfängt der Heilige seine Besucher in einem dunklen Raume. Sein Gesicht ist über und über mit Leuchtfarben beschmiert, in seiner Hand hält er einen Zauberstab, der mit einer elektrischen Batterie in Verbindung steht. Jeder, der ein­tritt, hat dem Zauberftob seine Ehrfurcht zu beweisen, indem er ihn mit der Hand berührt. Aber kaum hat der (tottesfürchtige den jedesmal erfolgenden elektrischen Schlag empfangen, als er auch schon zu Boden sinkt unb den allmächtigen Propheten um (toabe bittet Bisweilen greift der Heilige auch ;u noch stärkeren Mitteln. So zeigt er seinen Anhängern feinenabgehauenen" Kopf, aus dessen Munde Weisheitsworte strömen: bann tritt er auch als Ballcteuse auf, unb bas soll am meisten anziehend fein. Aber selbst all diese Mittel helfen nicht mehr, seitdem Jdrissis von den Italienern Waffen angenommen hat; seine Anhänger können nicht verstehen, daß ihr Proplx-t sich mit den Ungläubigen, den Feinden Allahs, anders als kriegerisch einläßt.