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Der Gießener Anzeiger erscheinl tdglid), außer Sonntags. - Beilagen: viermal ruödicntlid) -ietzenerZomilienblälter aoetinal ivodieiitLKteis blatt für Öen Kreis Rieften <TienstagundFrellaa»i zweimal monail. Land- wirtschaftliche Seitfragen Fern!vrech - Anschliisse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
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Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 17. Dezember 1912
Gietzener Anzeiger i
wF politischen Teil: August
General-Anzeiger für Cberheffen LML
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Land" :^E.peü^für den
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Unser Schinerzenskind 27eu-Gninea.
Ter Gouverneur von Neu-Guinea hat in einem Bericht ocs Deutschen Kolonialblattes die zahlreichen neuen Zu- sammenstöße der deutschen Verwaltung mit den Eingebore neu auf Kaiser-Wilhelms-Land bestätigt und dabei die zunächst etwas ausfallende Bemerkung gemacht, man müsse unterscheiden zwischen Unruhen im Sinne von Aufständen und Unruhen im Sinne von kriegerischen Zusammen flößen und Ermordungen von Weißen, wobei es sich einfach nur um das Vordringen in das Innere des Landes, um die Berührung der Kultur mit der Wildnis handle. Natürlich ist das eine wie das andere höchst bedauerlich, und der Bericht des Gouverneurs beweist nur, was alle Kenner des Schutzgebiets bisher behauptet haben, nämlich, daß Neu-Guinea neuerdings mehr als alle anderen Kolonien ein Schmerzenskind der deutschen Verwaltung geworden ist. 28 Jahre lang ist Neu-Guinea bereits in deutschem Besitz. Am 3. November 1909 wurde der Gedenktag in Matupi an derselben Stelle festlich begangen, iio 25 Jahre vorher, am 3. November 1884, die Flaggen- hissung als Zeichen der Besitzergreifung stattgefunden hatte, Aber erst Ende 1908 Tonnte man mit der Entsendung einer Expedition zur Aufnahme der deutsch-englischen Grenze im Südosten von Kaiser-Wilhelms-Land den Anfang machen, die Landgrenzen des Sd)ufcflebicte3 festzulegen. Das Ergebnis der Expedition >var nicht befriedigend. Der Führer der deutschen Grenzexpedition erkrankte sehr bald so schwer, daß er fein Arbeitsgebiet verlassen mußte, ohne daß es zu einem Abschluß der Arbeiten kam. 'Ein Verhängnis war es auch, daß der Regierungsdampfer „Seestern", der am 3. Juni 1909 von Brisbane ausgelaufen war, während der Fahrt nach Herbertshöhe untergegangen ist An der anderen Seite von Kaiser-Wilhelms Land, im Westen, ist seit Februar 1910 eine deutsch-holländische Expedition am Werke, dort die Grenze festzustellen. Auch hier haben sich der Durchführung der Arbeiten außerordentliche Schwierigkeiten in den Weg gestellt. Die undurchdringliche Wildnis des Landes gebot ihr Halt und zwang sie zur Umkehr.
Die „Unruhen" im Sinne von traurigen Einzelfällen sind auf Kaiser-Wilhelms-Land in der letzten Zeit leider ebenso hciu.fig wie die Unruhen im Sinne ausgedehnter Aufstände. Im Stromgebiet des „Markham" hat der un ermüdliche Forscher Dammköhler, dessen Name seit vielen Fahren mit der Erschließung des Schutzgebietes verknüpft ist, im Kampf,mit den Eingeborenen seinen Tod gesunden. Im Webtet des Bezirksamts Friedrich-Wilhelm-Hafen — wir folgen hier den allerletzten amtlichen Berichten — laut es zu verschiedenen blutigen Zusammenstößen mit den Eingeborenen. Die fortgesetzten Raub und Mordzüge der Bergbewohner des Finisterre-Gebirges gegen die schwächeren Müftenbörfer der Raiküste (Maelayküste) machten ein Einschreiten erforderlich. Bei dem großen Torfe Kuarong fand ein erbittertes Gefecht statt, in dessen Verlauf zwei Soldaten schwer, fünf leicht verwundet wurden. Der Bezirksamtmann, der nur über 14 Soldaten verfügte, war gezwungen, sich an die Küste zurückzuziehen Man unternahm eine neue Expedition mit stärkeren Kräften. Die verlassenen Dörfer Kuarong, Mot und zwei wei tere an den Ueberfällen gegen die Küstenbewohner beteiligte Dörfer wurden zur Strafe niedergebrannt. Ein anderes Gefecht fand im Hinterlande des Herzoggebirges auf dem rechten Ufer des Markhamslusfes statt. Die Veranlassung zu diesem Zuge war die Ermordung eines weißen
Paradiesvogeljägers durch die Wambaeingeborenen. In mehrstündigem Gefecht wurden diese unter Verlust von 40 Toten in die Flucht geschlagen, ihre Dörfer eingenom men und durch Feuer zerstört. In Potsdamhafen brachen unter dem Monumbostamme Unruhen aus und zwar in folge des Einschreitens gegen das in den Monumbodörsern wie in ganz Kaiser-Wilyelms-Land sehr verbreitete liebel des Abtreibens und der Kindestötung. Sollten nicht au di noch andere Umstände den Grund für die immer wieder ausbrechenden Unruhen in Neu-Guinea bilden ? Der öfter reichische Weltreisende Ernst v Hesse Wartegg gibt in seinem Werke „Samoa,'Bismarck-Archipel und Neu-Gui nea" folgende Beobachtung wieder. Als das Vermessungsschiff „Möwe" 1897 nach Berlinhasen (Station Eitape auf Kaiser -Wilhelms-La ud) fuhr, 'um die crforberlidjen Auf nah men zu machen, kam es zu einem blutigen Scharmützel mit den Eingeborenen. Auf der im Eingang ber weiten Bucht gelegenen Alt) sollte ein „Möwenpfeiler" zur baucrnben Mzeichnung eines trigonometrisch festgelegten Punktes er richtet werben. Ta bei. mußte ein mächtiger Baumriese gefällt werben, der unglücklicherweise den Eingeborenen heilig und unantastbar war. Kaum waren die ersten Axtschläge gefallen, so wurden die ahnungslosen Matrosen mit einem Hagel von Pfeilen übers d) ü 11 e t und mußten sich unter schweren Verwundungen zurückziehen Natürlich folgte die „Strafe" auf dem Fuße. Die £rt schäften der Eingeborenen luurben in Brand gesteckt. „Wie hier", meint dann der Forscher, „so find auch andere blutige Kämpfe jm Schutzgebiet auf derlei unscheinbare Ursachen zurückzuführen, und die Verteidigung ihres Landes, ihrer Reck)te und Gebräuche mit den Waffen in der Hand hat viel dazu beigetragen, daß die Eingeborenen als blutdürstig und hinterlistig verschrieen sind." Wie es scheint, sind fjier wirtlich Fehler gemacht worden. Es gibt eine Kolonialpsyck)ologie, ohne die das Vordringen ber „Kultur" in die „Wildnis" überaus schwierig, wenn nicht unmöglich wird.
Die erste Sitzung der Friedenskonferenz.
London, 16. Dez. Bei Eröffnung der ersten Sitzung der Friedenskonferenz sagte Sir Edward Grey in französ scher Sprach.', der Körrig habe ihn beauftragt, den Delegierten die Gefühle seines Wohlwollens an Andrücken. Der König hege die aufrichtigsten Wünsche für den Erfolg ihrer Ausgabe. Grey hieß die Delegierten ebenso namens der Regieimng willkommen. Da ber König wünsche, ihnen ihre Arbeiten mit allen möglichen Mitteln zu erleichtern, habe er bie Säle des St. Iamespalastes zur Verfügung gestellt. Die Regierung werde ihr möglichstes tun, um den Delegierten das zu sichern, was für sie nötig sein könnte. Sie werden hier in England, fuhr Grey fort, eine ruhige, unparteiische, Ihrer Aufgabe günstige Atmosphäre finden. Läßt die Politik es an Weisheit und Mäßigung fehlen, fo haben die kriegerischen Gewinne keinen Wert für die künftigen Generationen, andernfalls aber können die Schäden, die der Krieg verursachte, wieder gut genrachk werden, und die Bitterkeit macht den Wohltaten des Friedens Platz. Ick) habe Ihnen nun nur noch, meine Herren, Erfolg zu wünschen für die Aufgabe, die Sie erwartet und Jhneir zu versichern, baß Ihnen allerr für den Zweck ihrer Vereinigung wohlwolKnbe Svmpathie gesichert ist und daß der Friede, der sick) aus Ihren Beratungen ergeben wird. Ihnen die Achtung ganz Europas gewinnt.
Ter Vorsitzende jeder Mission dankte Grey warm. Grey nahm das Anerbieten des Ehren Vorsitzes der Fric-
benskonfereuz an Die Sitzung wurde Johann aufgehoben. Die nächste Sitzung findet morgen früh 11 Uhr statt. Die Delegierten haben fid) geeinigt, daß der Vorsitz ab- wechselnd nach dem alphabetischem Namensverzeichnis der Staaten geführt wird.
Aus London wird berichtet: Die Eröffnung der Friedenskonferenz erregte die AufmerTsamkeit nur wenig. Etwa 100 Journalisten, Photograplren und einige Neugierige sammelten fid) eine Stunbe vor der Eröffnung der Konferenz in der St. Iamesstraßc Die strengsten Vorsichtsmaßregeln waren ergriffen worden Die gewöhnlichen Sck)ildwachen roaren durch Polizeibeamte verstärkt worden Das Wetter war schön Zuerst trafen die türkischen Delegierten ein. Ihnen folgten in Ab - ständen von einigen Minuten die Missionen Serbiens, Montenegros und Bulgariens. Zuletzt kam die griechisd)e Mission.
Ein Kampf zwischen der türkischen und der griechischen Flotte.
Konstantinopel, 16. Dez. (W. B.). Heute morgen . sand außerhalb der Dardanellen ein Mampf zwischen der türkischen und griechischen Flotte statt. Nad, Informationen aus türkischer Quelle mußte sich die türkische Flotte zurückziehen.
Konstantinopel, 16. Dez. Das Blatt „Tertschu' nani Hakikat" veröffentlicht den Bericht eines Reisenden, meld)er von den Dardanellen eingetroffen ist. Darnach eröffneten gestern vormittag drei hinter einem Lloydschifs versteckte griechische Torpedoboote das Feuer gegen die Forts, das diese erwiderten, wobei sie darauf achteten, das Lloydfchiff nicht zu treffen. Nach halbstündigem Feuer entfernten sich die Torpedoboote.
Tie Angelegenheit Prohaska.
Wien, 16. Dez. Es verlautet, die Qeffentlichkeit wird mit dem Ergebnis der Untersuchung des K onsuls Edl in der Prohaska-Affäre durch Beantwortung der Anfrage des Abgeordneten Langenhahn seitens des Ministerpräsidenten Stuergkh im Abgeordnetenhause bekannt gemacht werden.
KriegSstimmuug auch in Bulgarien.
Das bulgarische Blatt „Mir" stellt fest, daß die Stimmung unter den Sobrnnjcmitglicbcm eher kriegerisch sei, und daß die Mehrzahl damit nicht einverstanden ist, daß die bulgarische Armee noch vor den Toren von Konstantinopel Halt mache. Die Abgeordneten sehnten vielmehr das Scheitern der Friedensvcrhand- jungen herbei und wären bereit, alle notrovnbigen Kredite zu bewilligen und die Regierung bis zum Ende des .Krieges zu unter- stützen, der nach ihrer Ansicht mit dem Einzuge der Verbündeten in Konstantinopel zu enden hätte. Das Blatt hofft, daß die Abgeordneten ihre Anschauung aufgeben, wenn sie aus Ausklärungen der Regierung erfahren, daß es notwendig war, Europa den letzten Beweis 'zu geben, daß die Ballänvöller den Frieden Europas nicht zu stören wünschten. Nad) Erklärungen verantwortlicher türkischer Staatsmänner erklüri das Blatt, die Friedensaus sicht en feien nicht besonders groß. Es fei wahrscheinlich, das anstelle der Bevollmäd-tigtcn die Kanonen wieder zu fv rech en beginnen werden. - Diesmal würde ihre Stimme nirksamer sein; aber bis dahin müssen ivir, so schließt das Blatt, aufrid itg für die endgültige Einstellung der Operationen und den Absdjuß eines würdigen, dauerhaften Friedens tätig sein.
Deutsches Neich.
Der König von Württemberg wird, wie der „Schwäbische Merkur" erfährt, auf ärztlichen R a t von einem persönlichen Besuch in München und von der Beteiligung an der Beisetzung des Prinzregenten Luitpold absehen. In Vertretung des Königs wird
Giefzeuer Ponzertverein.
4. .Konzert: 1. Kammermusik-Abend.
Gießen, 15. Dez.
Unseren Kammermusikabenden sehen wir stets mit besonderer Freude entgegen, bieten sie uns doch die feinste Blüte der Musik, künstlerische Erlebnisse, die — losgelöst von blendendem äußerlichen Beiwerk — rein durch sich selbst und ihren geistigen Inhalt wirken. — Das Programm des heutigen Abeubs war ein sehr einheitliches und von einem Hauch weihevoll ernster Weihnachtsstimmung durchweht. Als GefangS-Lolistin durften wir erstmals Frl. Else Pfaff aus Köln hören, deren klangschöne, wohlausgebildete Altstimme und verständnisvoller Vortrag loiort bie Zuhörerschaft gewinnen mußte. Die Wahl ihrer Lieder zeugte von diskretem Geschmack. Von den beiden Brarnsschen Gelangen mit Bratsche und Klavier! sprach besonders das „Geistliche Wiegenlied" an. Mit feinstem Eingehen aut bie nicht immer leicht zu treffenden Intentionen des Tondichters lang uc non Hugo Wolf drei der schönsten Mörike-Lieder „veimweh „Rat einer Alten" Das verlassene Mägdlein") und „x.sm schatten meiner Locken" aus dem Spanischen Liederbuch: am itürmudjcn Beifall wendete sie als Zugabe nod) das schwungvolle „Frühling lagt sein blaues Band". Wir glauben, ber jungen Sangerm bci weiterer Pflege ihrer prächtigen unb burch ein fein künstlerische^ Temperament gcabelten Mittel eine bebcutenbe Zukunft in Aus- "ch* Der instrumentale Teil des Konzerts brachte uns als will- fommene Neuheit ein Trio von dem französischen Komponisten ^seither Direktor des Konservatoriums in Paris) E. -i-nbm». Billigerweise darf es mit dem später folgenden Beethovemchen Trio nicht in Vergleich, gesetzt werden: es nahm aber durch chrliche, in der Form erfreulich klar und knapp gehaltene ^md iür sich ein, will weder durch, gejuchten Tiefsinn, noch durch Lcidemchaftsausbrüche ober kraue Enekte verblunen noch auch burch ord estermäßige Wirkungen glanzen, beschrankt sich vielmehr m vornehmer Zurückhaltung auf ben gelegenen > °mmermusiksti imb vermochte erfreulidicrrocue aud) hiermit den Beifall ber Hörer zu gewinnen. Tie Schanensart Dubois bringt e- wohl mit sich, bau er mit feinen Opern bis jetzt nicht burchzudrmgen oermochte- seine Kammermunkwerke nnben neuerbings mehr und mehr die verdiente Beachtung. - Von den ^chumanmchen „Märchenbildern" für Bratsche und Klavier mochten wir Jlr. 3 Imd 4 hervorheben. Die Bratsche mit ihrer verschleierten, träume» rnrfien Klanafarbe — als Solo-Instrument auf einen engeren Wirkungskreis beschränkt — ist hier, wo sie das Halbdunkel der
Märchenstimmung malen soll, glücklich am Platze — ebenso wie bei den obengenannten Brahrnsschen Liedern mit ihrem dämmer-1 grau angehauchten Kolorit. Als würdiger und erhebender Sckstuß folgte das Beethovensche Esdur-Trio op. 70), das in seiner olympisdren Heiterkeit und Kraft alles andere überglänzte. — Die ausführenden Instrumentalisten: Professor Trautmann >Kla vier), A. Redner Biolin» und Bratsche^ und I. Hcgar iViolon- ccll) sind uns ja keine Fremden: über die künstlerische Höhe ihrer Leistungeii, den Schwung unb die Wärme ihrer Auffassung, die reife Ausgeglichenheit ihres Zusammenspiels ließe sich nur Ofl- gesagtes wiederholen. Herrn Trautmann, ber von der ersten bis zur letzten Nummer am Flügel mitzuwirken hatte, gebührt hierfür besondere Anerkennung. — Ter Beifall war sehr warm, der Besudi befriedigend: jede noch vorhandene Lücke im Saal bedeutet in erster Linie einen Verlust für bie Weggebliebenen. Durch bie Gewährung ermäßigter Abonnements für die Kammer- musikabende ist der Konzertverein weitgehend cntgcgcngcfommcn: alle Kreise unserer Intelligenz haben nun Gelegenheit, zu beweisen, daß sic es mit ber Musik ernst meinen. P-
Ff. Hammersteins panamerikanischeOper. Oscar H a m m e r st e i n, der „Unermüdlick)e", wie man ihn mit Recht genannt hat, tritt ständig mit neuen menschenbeglückenden Plänen an die OÖffentlichkeit. In einer höchst angesehenen amerikanischen Zeitschrift setzt er soeben seinen Plan auseinander, ganz Amerika mit einem Netz von Opernhäusern zu überziehen, burch bie bem Volke das beste, was bie Menschheit an Musik besitzt, geboten werd.n soll. In der Musik wurzelt, so sagt er, bas Glück der Völker. Er hält feine panamerikanische Oper für ein weit bedeutenderes soziales Unternehmen als etwa das, welches Carnegie durch seine über ganz Amerika verbreiteten Volksbück)ereien geschaffen hat. Tie Musik soll nicht allein Vergnügen bereiten, sondern Ha mm erstech will den Spielplan feiner Opern fo aufbauen, daß bie gebotene Musik in erster Linie erzieherisch wirkt. So glaubt er allmählich eine Veredlung des Volksgeschmackes herbeiführen zu können unb „badurch wird für unsere Enkel eine bessere Welt geschaffen". Man kann nicht umhin, Hammersteins Genialität zu bewundern. Rastlos ist er tätig, unb nicht immer haben ihn feine Versuche pekuniären Gewinn gebracht. Man benkc nur an den Fehl schlag seiner großen Oper in London! Man kann es ihm schon zum Teil glauben, wenn er sagt, daß ihn jetzt nicht mehr fo sehr ber pekuniäre Gewinn, als vielmehr ber Reiz, etwas Gutes für seine Mitmenschen zu tun, zu feinen Plänen anrege. Hammerstem t|t ein vielseitiger Mann. Er hat mehr Theater gebaut und geleitet,
als irgend einer auf der Welt. Er spielt Flöte, Klavier und Geige: er hat einige beachtenswerte Musikstücke komponiert, unb dennoch, verfolgt man den Lebenslauf dieses unternehmenden Mannes bis in feine fernste Jugend zurück, so sieht man, daß er keineswegs unter musikalischen Aspekten geboren, noch erzogen wurde. In Berlin ward er geboren, als Junge fuhr er im Aus- wandererfchiff nach Amerika, in New Bork lernte er Zigarren drehen. 'In der Tabakfabrikation legte er den Grundstein zu seinem Vermögen. Eine Reihe von Maschinen, bie heute zur Zigarrenfabrikation gebräuchlich sind, hat Hammerstein erfunben. Als ihm eines feiner Patente einen Riesengewinn brachte, da entdeckte er plötzlich feine mufikalifche Ader, und er wurde Theater- unb Opernbirektor.
Tf. Tie „Ausgrabung" bes Louvre. Vor einigen Jahren schon war, wie bie „Kunstchronik" berichtet, bie Rede davon, den alten Louvre „auszugraben", das l-eißt den früher um das Gebäude herlaufenden Graben wieder herzustellen. Tiefer Graben ist fckwn vor mehreren hundert Jahren burd) Gartenanlagen erfetzt worden, unb man weiß nicht recht, welches archäologische ober ästhetisch Interesse burch die neue Ausgrabung befriedigt werden soll. Indessen ist es immerhin möglich, daß das Gebäude dadurch gewissermaßen einen Sockel erhielte und sich so majestätischer und vornehmer darstellte als jetzt, wo es in ber Tat wenigstens nach der Rivolistraße zu ein wenig im Boden zu stecken scheint. Jedenfalls wird im Ministerium des Innern unb im Staatssekretariate ber schönen Künste über die Frage beraten.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissenschaft. Gerhart Hauptmann ist aus Schweden nach Berlin zurückgekehrt und nahm im Hotel „Adlon" Wohnung. Heute nachmittag 1 »3 Uhr veranstalteten studentische Chargierte in etwa 50 Wagen eine Auffahrt vor dem Hotel zu Ehren des Tichters. Heute nachmittag wird Hauptmann einer Sondervorstellung „Biberpelz" im Leffingtheater beiwohnen. Ein Teil der Studentenschaft wird darauf bei dem Tichter im Hotel zu Gast sein. — Tie Friedrich-Wilhelm Universität zu Breslau zählt im lausenden Wintersemester 2710 immatrikulierte Studierende gegen 2641 im Wintersemester 1911/12. Tazu tommer 303 Hörer. Tie (Mamtfrequenj beträgt mithin 3113. — Professor Tr. theol. et phil. Julius v. Grill, ber bekannte Vertreter der Exegese des Alten Testaments in der evangelisch- theologischen Fakultät ber Universität Tübingen ist auf fein Ansuchen in den Ruhestand versetzt worben.


