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20.11.1912 Erstes Blatt
 
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1^ 274 Erstes Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 20. November M2

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»IW General-Anzeiger für Oberheffen MMM mnahme oon Anzeigen ROtafton$bni(! und Verlag der vrühl'fchen Univ. Buch- und Steinbrudcret R. Lange. Redaktion, (trpebition und Druckerei: Schulftratze Land": E.Hev. iüx den m Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 GeschSstrstelle vahnhosstratze 16a. ^mciqenteii & Beck.

i( nt die \t- uqclausdcrBeinwunde genommen wurde. I versehen sind, keinen unnützen Sein Zustand ist befnebiaenb. _ _______ drernpuwern Seit

Die heutige Nummer umfaßt 12 Setten.

j-urüdgciuorf en.

l. Nov Mahmud Mukh -1 doch freut man sich, rote prächtig diese Kerle hier arbeiten. Dabei deutsche Hospital gebracht, wo | verschwenden sie, obwohl wir mit Munition mehr als reichli

fa r Pascha wurde in das

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i schütz, während die drüben unaus- MVlllu, v,,,yMlvvt.. seit süns Stunden stehe ich nun hier oben und sehe zu, wie die bulgarischen Artilleristen das tfort vor mir suchen, das ihnen anscheinend sehr unbequem ist. Ununter­brochen feuern sie, bald rechts von mir, bald links fallen ihre

Konstantinopel, 19. Nov. (2 Uhr nachmittags.) Ein soeben imGroßwesirateingetroffenesTele- g r a m m meldet: Die achteDivisionschlug gestcrn rüh die Bulgaren zurück, als diese mit der Front einer Division vorrücktcn. D i e Bulgaren erlitten g r o s;e B e r l u st e. Der Artilleriekarnpf dauert heute auf der ganzen Front fort.

Wie dieAgenzia Stefani" meldet, ist bei der bulga- rischen Armee die Pest ausgebrochen.

Wieder eine Siegesmeldung Razin, Paschas.

Konstantinopel, 19. Nov. Das Kriegs m i n i - tcrium teilt ein Telegramm des Generalissi­mus von heute mit, das folgendes besagt: Die feind­lichen Streitkräfte, die das türkische Zentrum angriffen, ziehen sich zurück. Eine türkische Division ist bis zu den von dem Feinde verlassenen Schan­zen vorgedrungen und hat dort eine Menge vor­trefflicher G ew e h r e, Munition und .Helme mit dcrZnschrift :35. Regiment Branja" ge- funden. Die Bulgaren griffen auch den rechten Flü­gel der Türken an, wurden aber unter Verlusten von etwa 400 Toten, d a r u n t c r 20 O f f i z i e r e u, zurück getrieben. Die Türken nahmen ihnen zwei M i t r a i l l e u s e n fort. F a st die ganze Front der feindlichen Batterien ist zum Schweigen gebracht worden.

Lchlachtcubcricht eines Augenzeugen bei den Türken.

Dem BerlinerLokalanzeiger" wird aus Konstantinopel vom 19. b. Mts. früh morgens gemeldet:

Um 7 Uhr gelangten wir nach scharfem Ritt nt den Mittel­punkt der ganzen Linie, die alte Nedonte Machmud Pascha an der Bahn dicht bei Hademkiöi, von der fast die ganze Linie zu übersehen ift. Vor uns, 3V» Milomcter entfernt, befittbef sich der etwa 300 Meter hohe Otluck Badschir, dazwischen der kleine Fluß Karadscheh Lu, ein Nebenfluß des Katardschi. Jenscit des­selben hatten die Türken Schützengräben ausgehoben, sic aber noch lischt besetzt. Tas halten die Bulgaren genau gemutzt. Zn der Nackt zum 17., als es dämmerte, bemerkten die tür­kischen Tirailleurc diesseits des Flusses die Gegner und begannen sofort Schnellfeuer. Tie Bulgaren hatten unterdes gerade uns gegenüber vier Batterien aufgefahren, südlich standen drei, rechts lm Zentrum vier andere: als id) auf unserm Posten anlangte, war die Schlacht auf "ber ganzen Linie in vollem

Direkte Hriedensverhan-lungen.

In Sofia hat man setzt die Pforte amtlich verständigt, daß mit dem türkischen Oberbefehlshaber in Verhandlungen wegen des Waffenstillstandes eingetreten werden soll. Das ist eine höchst erfreuliche Post, denn des unsäglichen Elends, das durch die Cholera noch in furchtbarer Weise gesteigert worden ist, ist es jetzt wahrlich genug. Freilich, Bulgarien hat jetzt allen Grund, die Friedensverhandlunaen zu be­schleunigen, denn auch in fein Heer ist die Cholera ein­geschleppt worden. Wenn die bisherigen Gegner vor dieser dritten grauenhaften Kriegspartei die Waffen strecken, so könnte das mit allgemein erlösender Erleichterung aus­genommen werden, wenn nicht eben die Freunde der Tür­kei dabei zu bedauern hätten, daß der Waffenstillstand in tiitem Augenblick eintritt, wo die türkischen Soldaten ihre ersten wirklichen Erfolge sich holten. Könnten sie am Ende das .Kriegs glück noch auf ihre Seite wenden? Auch heute sind wieder Meldungen cingclmtfen, daß die Bulgaren unter großen Verlusten bei Tschataldscha zurückgeschlagen worden liiib, und zuverlässige Augenzeugen im türkischen Lager be­stätigen, daß ein ganz anderer Geist im türkischen Heere herrsche. Das sind die neu in die Schlachtordnung cingc» gerückten Truppen, die vomschwarzen Tod" noch un­berührt geblieben sind.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Sofia, 19. Nov. Nach dem Einvernehmen mit de »verbündeten Kabinettenver st äudigkedie bulgarische Regierung die Pforte, daß sie Be­vollmächtigte designiert habe, mit dem tür­kisch en Generalissimus die Bedingungen des Waffenstillstandes fest zu stellen, um dann zum Schluß des Friedens zu schreiten.

Nach Mitteilung von kompetenter Stelle dürfte der Waffenstillstand, falls die Türken die Bedingungen des Valkanbundes annchmcn, demnächst unterzeichnet werden

unb zwar seitens der Delegierten der Balkanstaaten einer­seits und dem türkischen Generalissimus andererseits. I m bulgarisch enHanptquartier befinden sich höhere serbische und griechische Offiziere, welche da zu bevollmächtigt werden sollen. Falls die Türken die Bedingungen annehmen, wurden auch die Operationen so­fort eingestellt und die frühere Absicht des Einzuges in Konstantinopel aufgegeben werden

Die Fricdcnebcdingungcn der Balkanstaaten.

Sofia, 19. Nov (Reuter.) Die Bedingungen für ficn Waffenstillstand sind heute früh zugleich mit den bauptfriedensbediugungen nach Konstantinopel übermittel worden. In den ^riedensbedingungen wird der Türkei die Stabt K v n st a n t i n o p e 1 sowie ein europäi­scher K ü st e n st r e i f e n belassen. Im übrigen gab Bulgarien im Namen des Balkanbunbes ber Türker als dedrngniigen für den Friedensschluß die Räumung -drianopels, Janinas und Skutaris sowie bei 1 s ch a t a l d s cha l i ni e binnen 2 4 ©tun b en, bas heißt bis Mittwoch mittag, bekannt, widrigenfalls bie bul- igarischeil Operationen fortgesetzt würden und ber Einmarsch ni Konstantinopel erfolge.

Der Fortgang der Schlacht bei Tschataldscha.

Konstantinopel, 19. Nov anr"

Tic Scrbcngräucl in Albanien.

Tie Berichte über angebliche Grausamkeiten der Serben gegen die Albanesen sind tendenziös unb in der offenkundigen Absicht verbreitet, die Bestrebungen ber Albanesen zu unterstützen Tie böswilligen Gerüchte entbehren jeder Begründung. Wahrend der Kämpfe sind allerdings st r c n g c M a ß r e g e l n angewandt ro e g e n der treulosen Haltung der kämpfenden Albanesen, bie in zahlreichen Fällen mit weitzen Fahnen Zeichen der Unterwerfung gaben und dann in verräterischer Weise die serbischen Offiziere töteten, die (id) ihnen näherten. Tie Alba­nesen terrorisierten die Bevölkerung, Frauen und Kinder z ü n d c t e n Häuser a n. Wir meldeten die Untaten uichr, weil die Aufmerksamleit Europas auf die Ereignisse des Krieges ge­richtet. F a st in allen Gegenden kam die B c v o l k c - rung den serbisdien Behörden entgegen, um sich zu unterwerfen, da sie an vielen Beispielen erkannte, daß die serbischen Behörden gereckt vorgingen und Leben und Eigentum schützen. Die Militärgerichte in Uesküb, Prischtina und Prizrenb bestraften streng mehr fad) Soldaten und chriälichc Marodeure, die iidi Untaten zuschulden kommen ließen, sowie Ruhestörer, die die öffentliche Sicherheit gefährdeten, was guten Eindruck bei oen Albanesen hcrvorrief. Man darf also nicht von Verfolgungen sprechen, sondern mutz die tendenziösen Meldnngen auiiassen als in der Absicht verbreitet, den guten Ruf der serbischen Armee unb Verwaltung zu beflecken. _____________________________

Schrapnells, alle viel zu weit.

1LUhr. 100 Meter südlich von nur fährt eine Batte­rie auf, die die Türken seinerzeit den Serben abnahmen, und gibt fünf Probescküsse ab auf eine starke bulgarische Abteilung, die von Tickataldscha her ins Tal will. Der Ton bringt eine neue Note in dieses Höllcnkonzert, ganz hell und schmetternd ist er. Auf 4000 Meter stellt der Offizier ein. Die Geschosse auscn los, explodieren über der Kolonne mit einem Gerausck), bas unbedingt auf das Miauen von Katzen erinnert. Wieder kürzen eine Menge schwarzer Pünk l cki en. Die an­dern lausen panikartig in die Wälder, wo sie Teckung finden. Eine feindliche Batterie sckiemt fick) aut unser Grüppchen einzusckneßen. 10 Meter vor uns bohrt fick) ein Geschoß in den Boden. Wir ziehen uns hinter die Brüstung zuruck.

Nock) einmal versuchen die Bulgaren, kiirz nacki 2 Uhr, einen Durchbruch, kommen aber gar nicht bis zum Fluß. ES beginnt t a r k zu regnen. Ter Pulverdampf macht die Atmoipl^re vollends unsichtig. Trotzdem dauert der Kampf an. Gegenüber dem Gasi Badsdür haben die Bulgaren bret Batte­rie n a ii t g c t a hr c n. Bevor noch eilt Schutz a b g c - geben ist, find Mannschaft unb Pferde getötet. Deulick erkenne id) von rückwärts neue Leute und Pferde. Sie sind weg, n o d) bevor sie ze hn Schritte heran sind. Tann ein mörderisches Schnellfeuer, und die Türken holen sich die schönen Kanonen. Ausfallend g e r i nq c Verluste hoben wir. Bor dem Fort Harbi.'h, kaum l-)00 Mieter davon, ließen die Bulgaren drei K a n o n c n t m 2 tiN' Mackmud Pascha, der Kommandeur des ReierGkorpS, gab bekannt, die Abteilung würde dekoriert, die fte hole. Bevor id) abrttt, haben sich mehr als vvanug darum beworben, um ii Uhr verstummte der Kampf Als roir an den Truppen vorbei­kamen, die den ganzen Tag bercitgeftaiiben hatten, .dröhnte uns überall der Ruf entgegen:Padisckah -ild'ü Jaschah! Xte Kerle strahlen förmlich, und man sah ihnen bie ivreube, die Lust an, mitzumachen. Heute, in der sJfad)t zum Montag, hat eine bulgarische Abteilung wieder un Zentrum einen ^urchbruchver­such gemacht. Hätten sie ihn vor sechs ^agen gemacht, vielleicht wäre er geglückt Heute gehl das nickst mehr.

Tie Cholera in Belgrad ciugcschlcppt?

TieDeutsche Tageszeitung" meldet ans Semlin: In Belgrad ist die Cholera durch türkische Gefangene -eingeschleppt worden. Von elf Erkrankungen ver­liefen sieben bisher tödlich.

Gange. Die türkische Feuerdisziplin ist gut.

10 Uhr. Tas Torf Ezetin, südlich am Abhang des Otluck, roo sich die Bulgaren eingenistet haben, wird von untern Schrap­nells getroffen und beginnt lichterloh zu brennen, ob- wohl es unaufhörlich regnet., 10 Uhr 25 Min. Deut­lich bemerke ich durch das Glas eine st a r k e b n l ga r i s cki c A b t c 11 ii n g von etwa tausend Ät a n n nun Sturm über den Karadscheh vorgehen. Einen Augenblick verstummen unsere Geschütze, dann aber konzentriert sich das Feuer i u i bie Stelle, wo sich die Bulgaren gerade in ausgelösten Sckiützcnsdiroärmen befinden, südiveßlick des tyortd Hainidifcheh in der Richtung Ezetin, nördlich Gasi Badschir. Zch sehe, auf die ilhr, genau zwei Minuten hat esged^uert. Es steht kein Mann drüben mehr auf. Es ist furcktbar,^und

Nach einem amtlichen Telegramm be« Ober­befehlshabers von heute dauerte der Artille­ri ekampf mit geringerer Stärke als gestern auf der ganzen Linie fort. Die bulgarische F n sau­er i e , die an einigen Punkten vorzurücken versuchte, wurde

Dastieö von deiSlocke in Oer Vertonung von Moxvruch

Zur Einführung in das Konzert des Gießener Sängerkranz es aml 24. November schreibt man uns:

Die Glocke, dieses hohe Lied vom rnemchlichen Leben, ist von manchem Komponisten in Musik gesetzt worden. Don allen diesesl Serien ist jedoch nur noch die bekannte, l-auptfachlich bet Schuld jeierii gesungene Vertonung von Romberg, sowie die neuere von Aar Bruch erhalten geblieben. Die erftd verlangt nur beichcidene vkunstm-ittel und ist im Kvnzertsaal ganz verschollen. , | Dagegen hat sich die Max Bruchsche Koinpoiltwn in seinem Ihdberiieif und monumentalen Ausbau ht den weitesten Krepcn jüngebürgert.

emDnngtta-.tCTt in ylenn u-uui uiu- \ v < j ;

ut) sie geben ein prägnantes Bild von dem Aufbruch des treuer?.

Nach dem resignierenden:Mützig lieht er leine Terke und bewundernd untergehn" singt der Sopran das ausdrucksvolle idagio-Ein süßer Trost ist ihm geblieben . Vom ^jloauartctt uni) EHor wiederholt, gehört diese Stelle zu den ergrencnblten deS Tonwerkes. Hiermit schließt der 1. 4.cd.

Zu Beginn des 2. Teiles verkündet der Meister die tvuUung bcc iyornt. Tann ertönen dumpfe Trauerklänge: die Glod.m- «s «hallen ernst und schwer und vermischen nck mit dem dusteren Srauergefang des Chors. Der ^olo-Alt gibt dem ^-chmerz über be: verlorene Gattin und Mutter:Ach! die Gattin tlts, die

Das Werk beginnt mit dem Giotto: ,,viyos,voco, mortuos iilanpo. fulgura frango". ,Lebende ruf' id), Tote beklag ick, Elitze brech' id)/1 Mit mächtigen Unisonoklängeii bringt Zuerst Ur Mänmn'ckwr das Motiv. Nach und nach von sämtlichen (stimmen roeilergeführt, wird es mit dem Crdie)ter geroaltiger irileigert Es folgt nun der teierltche Awang des Gedickstes. vochst farakteiinisch. ist später das Brodeln und Quterlen der kock)end<m Glockenspeise gesdtzld-ert. Nack einem pastoralen Orchester-Vor- ipiel -- das den Gang zur Kirche versinnbildlidst, bringt der Srorba« liebliche Hauptmotivdenn mit der Freude Fcierklänge .

Von den nun folgenden einzelnen Sätzen, ,et beionders das IigreifendeO, daß sie ewig grünen bliebe, die ichone Zeit der jungen Liebe", bervorgehvben.

'x'er >)umvi ums Dasein wird in dem Mannerchor, ,,-tci ll'diin muß l inaiis ins feindliche Leben" wirkiingsvoll gezeichn.t. 5ilis Rul epuntt erscheint der vierstimmige «z-ranenchorUnd drinnen »Iiitct die zu ästige Hausfrau", der als Spinnlied gedackst icut dunte.

Dumme Posaunentöne nebst Chor mahnen dann:Loch mit Ikö Geschickes Mächten ist kein cro ger Bund zu tleckstew, und der 5brr:Hört ihrs wimmern hock: vom Turm" gehört ohne .stvestel I- tu den gewaltigsten Chören des ganzen Werkes. Mn Eckender i Finbringliafeit ift hierin Chor und Orchester realistisch behandelt

Teure" Ausdruck Doch bie düsteren Gedanken verscheucht das Baß-Rezitativ. Lieblick; und anspruchslos roiegt uns ein heiteres Tl-ema in frohe Latme und roir genießen mit den Gesellenlebig aller Pslickst" die freundlichen Gaben der Mutter Natur. s.tc nächste Szene führt uns das farbenprächtige Bild der Heimkehr und den Tanz der Schnitter vor. . .

Paukenwirbel unb Sopransolo führen dann ^u dem leierlichen Chor:Heilige Ordnung", der untcrbrodxm wird von dem leb­haften TempoTausend fleißige Hände regen" undArbeit ist des Bürgers Zierde". Von besonderem melodischen Reiz ist das SopransoloHolder Friede, süße Einttacht". An dessen Schluß erklingt vom Orchester wie in weiter Ferne das wohlvettraute WeihnackstsliedStille Nacht, heilge Nackt".

Inzwischen ist das Werk weiter gewachsen, die tyorm fallt Tyerab, und bald wird die Glocke in strahlendem Gewände vor uns stehen. Jetzt kündet uns ein trotziger Revolutionsmarsd)i des Orckxsters die Sckirecknisse deS Ausruhrs. Stöhnend verklingt der Glocken Geheul, gellend ertönen die Rufe der sinnlos wütenden Menge:Geiährlick-, tst's, den Len zu rocien".

Stoßze Posannenklänge verkünden die ValleTtdimg des^Wcrkes, jauchzend tönt es aus des Meisters Munde:Freude hat mir Gott gegeben". Das Ord^ster malt die handelnde Bewegung des Glockenziiges. Der Meister gibt den Befehl zum Aufziehen der Glocke, und das Glockenmotiv erklingt in den BaffenFriede sei ihr erst Geläute". ... m . c

Ein gewaltiges Tcmgemälbe türmt nch über diesem Motto aut unb führt zu mächtigem Mschluß.

Max Bruck) wurde am 6. Januar 1838 zu Köln a. Rhein geboren/ Seine musikalische Begabung entwickelte sich so schnell, daß er bereits 1852 als Vierzehnjähriger das Stipendium der Frankfurter Mozartstiftung erhielt Seinen Weltrut begründete er durch die Komposition derFritjossagc", und sein berühmtes Violinkonzert in G-moll: ferner sind nockNormannenzilg'^und Schön Ellen" besonders zu erwähnen. Auch hat er einige Sym­phonien und drei Messeitsätze geübrieben. Tie Sätze sind wahre Kabinettstücke des strengsten polyvlwnen Stils.

Ueberblickt man das weite Gebiet der musikalischen Schöpfer- täiigtdt Bruchs, so erhält man das,Bild einer ftühzeitig in sich gefestigten und abgeschlossenen Persönlichkeit.

Zwei Eigensckiaften geben seinen Werken besondere Bedeutung unb individuelles Gepräge: Ebenmaß der Form und Klarheit und Einpräglickkeit der Melodik.

Während unsere Ultramoberntn in erster Linie daraus bedacht sind, mit neueriunbenen Instrumenten, mit immer neu ausge­klügelten Klangeffekten zu arbeiten, begnügt sich Bruch stets mit

einfachen Mitteln. Nie wirb man iinben, daß eine Bruchsche Melodie von trivialen Anwandlungen getrübt, aber auch nie, daß eine seiner Harmonien von Mißlichen, unlogischen DesonanKen entstellt wird. Jede melodische Linte erhält bei chm ihre plastische Abrundung unb baburd: ihre unmittelbare Zündkrast. So wird uns Bruch -zum Vermittler einer im besten Sinne edlen Voltsmustk, die von innen heraus schSpfend, am ehesteii im,tcmde ist, Eingang in der Menschen Herz zu finden.

Czernys 70. Geburtstag Aus Heidelberg, 19. Nov., wird uns geschrieben: Dem berühmten Heidelberger Chirurg und Begründer des K r e b s - Forschungsinstituts, Er). Geheimrat Prof. Czerny, sind zu seinem heutigen 70. Ge­burtstage überaus zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen zuteil geworden. Kultusminister Erz. Dr. Böhm überbrachte dem bereits 41 Jahre im badisdn'n Tienften tätigen Jubilar bie Glückwünsche ber badischen Regierung, Prof. (Geheimrat von Lilienthal biejenfacn der Universität, Geheimer^ Hofrat Fleiner die Glück-rmnsche der medizinischm Fakultät. Tie Gra­tulation des Heidelberger KrebsforsdmngSinstituts brachte Prof. Freiherr von Düngern, diejenigen ber Heidelberger Chi­rurgischen Klinik Pros. Films, und die des medizinisckm Ver­eins Prof. Bettmann dar. Im Namen der deutschen Gesell­schaft für Chirurgie gratulierte Gel/eimrat Garr 6 - Bonn, im Namen der mittelrheinischen Chirurgifchen Gesellschaft Geheimrat Rehn-Frankiurt a. M. Tie Stabt Heidelberg, vertreten durch Bürgermeister Prof. Dr. Walz, hat eine neue Straße nach dem Jubilar, ihrem Ehrenbürger, benannt. Czernys Vaterstadt Trautcnau ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. Schüler und Freunde, vertreten durch Professor Benno S ck m i b t, überreichten ihm eine vom Bildhauer Professor Seffner-Leivzig ausge'uhrte und für das Heidelberger Samariterl^aus beftimmte Marmorbüste.

Sluru Nachrichten aus Kun >1 u n 0 >en* f dj a 11. Tie Akademie des Bauwesens hat einer Berliner Korre- spon)en; zulolge die Begutachtung ber ihr durch den Minister oeröfsentlichren Arbeiten überwiesenen Enttourssskizzen zum Neu­bau des kgl. Opernhauses in Berlin abgeschlossen. Von 68 eingegangenen Arbeiten sind fünf als in erster Linie be­achtenswert bezeichnet. Es sind dies in alphabetischer Reihenfolge die Entwurisskizzen von Martin T ü l f e r - Tresden, Jürgen- s e n und Bachmann- Charlottenburg, Otto March- Char- loticiiburg, Karl Mobitz- Köln unb Richard Seel - Berlin.. In Zürich starb am 19. d. Mts. im Alter von 81 Jahren ber Mathematiker Prof. Tr. Wilhelm Fiedler. Er hatte von 1867 bis 1907 den Lehrstuhl für barstellende Geometrie an der eidgenössischen Technischen Hochschule inne4