Nr. 66
Erscheint tilgttch mit Ausnahme de» Sonntag«.
Die „Gießener FamittendlLtter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich detgelegt. da» „Kietibletl ffir den Kreis «letzen- zweimal -wöchentlich. Die ^RNdwINschafUtche, Lett» tragen" erscheinen monatlich zweimal.
162. Iahrannq
aviontrtn, 18. März 1912
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck an» Verlag der Br Üblichem Unteerfitfit» • Buch- und 6ietnbrudereL 5L Lange. Dieben.
Redaktion. Expedition und Druckereir Schul strotze 7. Expedition und Verlag: 6L
Rebofttoniey^ua. Tel.-Vtdr^ AnzeigerDietzen
zumute ist, der aus eigener Kraft sich emporarbeitet. (Beifall.)
den
iu be-
er -
liberalen sagte. Wer im Glasbause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen; ich erinnere an Köln und viele andere Dinge. Den Sozialdemokraten sage ich, damit sic sich keinen Illusionen
Am Tische V. Velsen.
Vizepräsident 16 Minuten und Wort dem
gegangen, was durch eine an sich bedauerliche Indiskretion bekannt geworden ist. Wir haben ein Protokoll, nach dem der Führer der konservativen Partei, Herr v. Heydebrand und seine Freunde sich vorbereiten auf einen ernsten inneren Konflikt, Und wir wollen diesen Stonflift nickt, es wäre ein Unheil für das deutsche Volk. Dam Herrenhaus
Und vorne auf der ersten Seite steht heute im »vorwärts" ein Aufruf an die Arbeiterschaft Deutschlands, der
Dr. Tove eröffnet die Sitzung um 11 Uhr erteilt vor Eintritt in di« Tagesordnung das
Abg. Dr. Sehda (Pole):
Es ist eine nichtswürdige Verleumdung, 1 Vorwärts" schreibt: „Um die römische Kurie und
wahr!) Wir werden die Kämpfe mitmachen, die wir für notwendig halten, uns aber nicht von Ihnen StreikSaufoktroyiercn lassen. (Stürmischer Beifall.) Man wird später ja vielleicht Näheres erfahren über die Taktik, die hinter den Kulisicn gespielt hat. Den Kampf um die Selbständigkeit unserer Politik werden wir durchfuhren, und die Polen und die Hirsch-Tuncke eschen werden eines Tages entdecken, welchen Fehler sie mit dieser Allianz gemacht haben. (Sehr wahr!) Wir werden uns nicht einschüchtern lasten, wir fahren auf unserer Bahn fort. (Stürmischer Beifall iw Zentrum.)
Wenn wir einmal Streik machen, oh, dann brauchen die Ge- noffcn nicht mitzustreiken; w i r aber sind die Sklaven, die Hunde! Ihre Streiktaktik ist der reine Klassenkampf. Wenn wir als christliche Organisation, die wir uns auf den Boden der bürgerlichen Ordnung stellen, nicht die Cchancen eines Streiks und seine Wirkung auf die Lage der Arbeiter prüfen wollten, dann hätten wir unsere Existenzberechtigung überhaupt verloren (Sehr wahrl), dann täten wir viel gescheiter, wir treten bei Ihnen einfach ein. (Sehr
Mb. Deutscher Reichstag.
28. Sitzung, Scnnabend, den 16. März.
de» BundeSratS: Delbrück, Richter,
Die Aeußerung des Herrn Erdmann über Bischof Kettcler zeigte nur seine Hilflosigkeit. Dem christlichen Gewerkverein gehören Arbeiter der verschiedensten Parteiricktungen und beider Konfessionen an. Die ganze Geschichte bedeutet nur den versuch, für den total verunglückten, den gegen alle gewerkschaftlichen Regeln inszenierten Streik (Lebh. Beifall im Zentrum) einen Prügelknaben zu suchen; daher die elende Kulturkampfhetze. Es sind ganz nichtswürdige verlogene Verdächtigungen.
Herr Erdmann hat über die katholischen Fachabtcilungen Sätze gesagt, die im „Berliner Tageblatt" gestanden hatten. Ich habe den Eindruck, daß er selbst oder einer seiner nächsten Bekannten der Auwr ist. ES ist eine Verleumdung, was er über unsere Annäherungsversuche an die National-
Episkopat günstiger zu stimmen und den Bachemitcn die Fort- setzung ihrer bisherigen Macktpo!:: k zu ermöglichen, wurde skrupellos das Interesse der kathc! n Bergarbeiter geopfert."
Hört!) Herrn Erdmanns Rede hatte nicht die Tendenz, zr ruhigen, sondern aufzureizen. Sie ließ das V antwortlichkeitsgefühl vollkommen vcrmisien, das ein Arbeiterführer haben muß. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Die Sozialdemokraten wollen ja kein Ende des Streiks, sie erklären, daß er vorzüglich steht. (Hört! Hört!)
Wem das Wohl der Arbeiter wirklich am Herzen liegt, muß dafür sorgen, daß der Streik möglichst bald zu Ende gehe. (Lebhafte Zusttmmung.) Die christlichen Arbeiter werden unausgesetzt von den Streikenden schwer bedroht. Ick babe hier einen Zettel,
der an die Haustür eines christlichen Arbeiters geheftet war. Da ist oben ein Totenkopf gezeichnet und darunter stehen die Worte: „Wenn du morgen noch zur Arbeit gehst, kriegst du die Knochen kaputt geschlagen. (Lebhaftes Hört! Hört! rechts und im Zentr. Große Unruhe bei den Soz. und Zuruf: Das geht doch nicht von Sozialdemokraten aus!) Das hab ich auch nicht behauptet. Ich konstatiere nur, daß der Terrorismus existiert und daß die Arbeitswilligen das Recht haben, dagegen Schutz zu verlangen. Ich kann Sie nur bedauern, wenn Ihre Aufgabe darin besteht, derartige Nichtsnutzigkeiten au verteidigen, wie sie jetzt im Ruhrrevicr gegen die Arbeitswilligen verübt werden. (Stür- mische Zwischenrufe bei den Soz. Abg. Kunert schreit: Das unverschämte Behauptungen! Vizepräsident Dr. Paasche schwingt die Glocke und bittet den Redner nicht zu unterbrechen und nicht zu beleidigen.)
Es scheint ivirklich, als glaubten die Sozialdemokraten, ihnen sei alles gestattet, sogar Gewalttätigkeiten jeder Art. Dir sind nicht Ihre Hunde! (Lebhafter Beifall und Lärm.) Wir sind liberzcugt, daß unser Verband schließlich gute Fortschritte macht. D i e s e r S t r e i k i st e i n R a ch e a k t für Ihre Niederlage bei der letzten Wahl. Mit 200 000 Unorganisierten unternehmen Sie den Streik, das ist geradezu eine Unmöglichkeit. (Hört! Hört!) Gerade für eine einzige Woche reicht der sozial- demokratische Verband mit seinen Mitteln aus, und wenn die Generalkommission ausnahmsweise 10 Millionen Mark gibt, haben Sie erst für drei Wochen Streikunterstützungen. An eine s ch a f t S f ü h r e r persönlich z u b e l e i d i g e n. Wir sind I ^'tätzung von vier bis sechs Wochen ist gar nicht zu denken, daher dazu übergcgangen, diese absichtlichen Beleidigungen 6 e - , 1 lL C *" unverantwortlich, unter söl
st r a f c n zu lassen, und in zwei Jahren haben wir bereits 2® n yoräusfefcun0cn an z u y r hmen, daß der 64 derartige Prozesse zu einem guten Ende geführt. (Hört, hört!) I * e V nvl ,/ ö/ V °.r c n ht. Ein Dergarbeiterstreik, der Di« Stimmungsbilder des „Vorwärts" über diese Reichstags- sofort Hunderttausende tn anderen Berufen lahm legt, ist ganz fitzungen find dafür ein glänzendes Beispiel. anders zu beurteilen, als ein anderer Streik. Man sollte e i n
Der Redner verliest u. a. den heutigen Bericht des „vor- Syndika tSg e setz schäften, wonach, wenn die Kohlenpreis:
wärtS", der von einer 60-Pfennig-Bazar-Rede des steigen, auch die Löhne steigen müssen. Dieser Streik wird auf
Abg. BehrenS spricht, und erregt große Heiterkeit, als er Jahre lang die ganze Aktionsfähigkeit der GewerkschaftS- unß
zitiert, die Rede des Abg. Erdmann sei bie Höhe der Debatte Krankenkassen lahmlegen.
gewesen. Diese Art zu schildern ist geradezu korr um - Die Rheinisch-Westfälische Zeitung, die der Abg. Sachse zittert Monbcrß, wenn man bedenkt, tofc die Leute, die daß hat und als Kronzeuge anerkennen muß, schreibt, toß tor Kohlen-
nr r^mnm n l & ftTett pt0 Woche einen Verlust von 9,6 Millionen Mark an Förde-
«Ä. Hartl) Mir ist rungen, von 6,2 Millionen an Löhnen bedeutet. (Hört, hört! r?chts.) gestern mugeteilt worden, dieze Stimmungsbilder wurden von nnh her snnrmÄWs'' mwfc ax,,2. ‘ l £
darüber nicht wundern. Herr Wendel ist niemals Arbeiter fle- f * a f ♦ a f f f e n h » nn fr / WrV!; ® *r5Le n? ’
wesen, er hat nur in den Redaktionen der sozialdemokratischen . JJ b e i t«r ^Stürmische Zu-
Pr-ff- E'r». Serum «-'b.-r. -mch ni». »ie rin«, «tirit« PS' (ÄKXÄÄ
sind die gebildeten 110!) Die jungen Herren von der sozialdemo- | kratischen Fraktion können sich schlecht parlamentarisch benehmen. I (Heiterkeit und Zustimmung im Zentrum und rechts.) An der Konferenz mit dem Staatssekretär nahm ich lediglich in der Absicht teil, alles zu versuchen, das Unglück zu verhüten, und schließ, lich waren wir einig, daß versucht werden soll, die Zechenverwal- ttingen zu veranlassen, die Arbeilerausschüss« einzuberufen und ihnen^ möglichst positive Zusagen zu machen. Darauf haben aber d,e Sozialdemokraten gesagt, sie könnten nicht garantieren, daß der Streik nicht auSbricht; erkönne seineLeutenichthal- ten, hat Herr Hue gesagt. (Hört, hört!)
Der Staatssekretär hat Ihnen eine goldene »rüde gebaut. (Sehr war!) Sie sagen, Sie könnten auf Die Zulagen der Zechenb'sitzer nicht vertrauen; ja warum wenden Sie sich dann mit Eingaben an sie? Sie muten ihnen Tarifverträge zu und erklären zugleich. Sie trauen ihnen nickt, und er- klaren im selben Atem, Sie könnten Ihre Leute nicht halten! im rheinisch-westfälischen Gebiet hingeben: Wenn in S) ul ß b u r g I ^orf^enbe ^rMetallarbeiter-Organisotion
und Bochum die chrfttlicher Arbeiter so geschloffen für den Sieg lft b?8 l#te Mittel (Zuruf ton den
der Nationalliberalen gestimmt haben, so ist das der ehrliche g G Qx? f e,' 'fi ^age
Haß dieser gequälten malträtierten, verfolg. - 2tar^
ten und terrorisierten Arbeiterschaft. (Stür- ^ll die Mittel der frieb-
misch-, SBcif. i. gentr.) Di' Wahl mar di- Quittung für alte ß1*! S1.“4“
Unb'il. ES ist mn- nichtsnutzig- B-rtenmdun« - und i-i> werbe aEfiabl. e £n ^3eil gu J un® nk6t für 0^6? eß draußen wiederholen, damit er mich verklagen kann —, »enn ßfl{ nrfnnt- »in <*u**»r 'm r \
mir der -Vorwärts" vorwir^ ich ,^tte mit den Nationallcheralen feine Armee'auffordert, den KanU aufouneWen, wenn 7r we^ verhawdelt; ich habe weder etwas verhandelt, daß er verloren gehen muß. Der FZrer, der das tut, ist in noch Überhaupt etwas besprochen^ meinen Augen cm elender Kerl!" (Hört, hört!) Herr
wenn heute der Sachse, Sie haben auf der Konferenz erklärt, Sie können gegen die Masse nicht auftreten. Wo find Sie gegen sie aufgetreten? Wenn es gilt, da s rücksichtslose Grubenkapital einmal zur Raison zu bringen, dann führen wir den Kampf mit Ihnen, wie wir es dutzendmal getpn haben, nach den gewerkschaftlichen Regeln, dann zeigen wir unsere Solidarität. (Zuruf von den Sozialdemokraten: Wenn e S das Zentrum e r - Streikbr uch! sagt Herr Sachse. Wenn eine Or-
Jch muß die Haltung der englischen Regierung im Gegensatz zur deutschen warm anerkennen, auch die Haltung vieler englischer Arbeitgeber. Mir hat in England der Haupteigentümer einer der größten Schiffswerften gesagt: Wenn heute ein Arbeiter in mein unternehmen eintreten will, so lasse ich ihn zunächst fragen, ob er organisiert sei; wenn nicht, muß er erst in eine Organisation eintreten, bevor er bei unS eingestellt wird. (Hört! Hört! links.) Diese Auftaffung, die aus der praktischen Erfahrung geschöpft ist, möchte ich auch den Grubenherren im Ruhrgebiet empfehlen. Sie sollten doch direkt mit den Arbeiterorganisationen in Verhandlungen eintreten. Ich bedauere, daß der leitende Staatsmann das Arbeitskam-
: Abg. Jlkler (Not.):
In der Hauptsache handelt es sich bei dem Streik um eine ! Lohnerhöhung. Weder von den Organisationen noch hier *m Hause ist die Berechtigung dieser Forderung bestritten worden und eß be st eh t auch kein Zweifel, , daß bie Grubenbesitzer eine Lohnerhöhung zu - gestehen wollten. Damit wäre jede Begründung Oes Streiks geschwunden. Die Sozialdemokraten ver- wahren sich gegen den Vorwurf, daß cd ein Sympathiestreik sei. Aber auch sie können nicht bestreiten, daß bic englischen Gruben» Herren gan^ erhebliche Vorteile barauß ziehen und andererseits unser Wirtschaftsleben schwer geschädigt wird. (Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Wir hatten den englischen Markt gewinnen können, und damit wäre nicht nur den Gruben- Herren, sondern auch den Grubenarbeitern und dem gesamten Wirtschaftsleben wichtige Vorteile berfd?afft worden. Die meist« Schuld an dem Ausbruch des Streiks wird dem Nichtfunk- Monieren ber Arbeiterausschüsse zugeschoben. Ich kann nur bestätigen, daß bie Arbeiterausschüsse nickt das finb, wofür sie in ber Oesfentlichkeit gehalten werben. Alö Ergänzung ist daS paritätische EinigungSanit notwendig. Ter Krebsschaden liegt ja allcrbingS in bem' Mangel ber Rechtsfähigkeit ber Berufsvereine. Tiefe selbst wollen aber unter ben gegenwärtigen Verhältnissen bie Rechtsfähigkeit nicht, weil sie bann mit ihrem ganzen Vermögen haften unb ihnen so bet Lebensnerv angeschnitten würde. Ich würde Vorschlägen, daß man nur einen Prozentsatz des Vermögens als haftbar erklärt. So würde die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine möglich werden.
.Wir verurteilen di- Uebergriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen und halten eß für unrecht, wenn ganze Organisationen für die christlichen Gewerkschaften als Streikbrecher hin- gestellt und in der Achtung ber Mitwelt herabgesetzt werden. Die Zechenverwaltungen wollten, das st-ht jetzt ziemlich fest, eine zehnprozentige Lohnerhöhung zugestehen. Damit ist bic Brücke für eine Verständigung geschlagen. Wir wollen hoffen, daß aus dieser Besprechung baß greifbare Resultat erreicht wirb, daß unser Wirtschaftsleben in Zukunft vor wesentlichen Erschütterungen be- wahrt bleibe. Den Schutz d r Arbeitswilligen halten auch wir für notwendig. Aber w i r können ben Wunsch nach einer A u s n a h m e g e s e tz g e b u n g nicht teilen. (Lebhafte Zustimmung links.) Wir sind bet Meinung, baß bie vorhandenen Gesetze vollständig auSreichen. Unsere Arbeiterorganisationen, die der arbeitenden Klaffe die Atzf- wärtSentwicklung möglich machen soll, dürfen nicht behindert werden. Wir wünschen, daß ber Kamps bald beendigt werde, ehe es Sieger und Besiegt« gibt. Ich möchte bitten, daß beide Teile die Vermittlung deS yteichskanzler» oder des Staatssekretärs anrufen, um zu einer Gini- gung zu gelangen. (Lebhafter Beifall bei ben Nationalliberalen.)
Abg. Dr. Heckfcher (Vp.):
MS überzeugtet Freunb ber gewerkschaftlichen Bewegung beklage ich aufs tiefste die große Leidenschaft und Heftigkeit dieser Verhandlungen und die haßerfüllte Stimmung, di« zwischen den verschiedenen Gewerkschaften herrscht. (Lebhafte Zustimmung links.) Wit haben gegenüber den gewaltigen Unternehmer-Organisationen gerade im Ruhrgebiet, aber auch ganz allgemein, als Gegengewicht eine machtvolle Ge. werkschaft unbedingt nötig. Wir dürfen nicht in bie amerikanische Entwicklung hineingeraten, wir müssen den Syndikaten tüchtige Gewerkschaften entgegensetzen. (Zuruf: Aber neutrale!) Ihre Gewerkschaften, Herr Kollege, sind nicht neutral und Ihre (zu den Soz.) auch nicht. Was uns gegenüber bet großen Gewerkschaftsbewegung ,n Gnglanb, bie ich genau kenne, fehlt, bas ist eben bie Neutralität. Wir müssen unß endlich frei von ber politischen Umklammerung machen. (Seht richttg! rechts unb links.) Die Politik hat auch in diesem Streik eine entschribende unb nicht erfreuliche Rolle gespielt. Es ist meine unerschütterliche Ueberzeugung, oaß Ihre (zu ben Soz.) politische Leitung ben Blick ton England nicht abgewandt hat. Ich spreche Ihnen wahrhaftig nicht bas nationale Empfinden ab unb habe mich stets bagegen gewandt, bie große deutsche Arbeiterbewegung als vaterlandsloS hinzustellen. Aber Tatsache ist doch, daß von Ihrer Seite bei jeder Gelegenheit Gelder zur Unter- stützung der ausländischen Arbeiterbewegung ausgegeben worden finb, während das Echo ans dem Ausland« gefehlt hat.
Dizepras. Dr. P a a s ch e hat gestern meinem Fraktionskollegen Sosinski einen Ordnungsruf erteilt und einen Satz hinzu- gefugt, ben wir nicht genau verstauben haben. ES schien so, als ob der Herr Vizepräsident gesagt hat: JnDeutschland könne — oder müsse —-ieder deutsch sprechen. Eine solche Aeußerung würde vielleicht im Munde eineß nationallibcralen Abgeordneten verständlich sein, nicht aber im Munde eineß Prä- f men ten d e s Reichstags. (Sehr gut b. d. Soz.) Wir würden baß deshalb nicht ruhig hinnehmen können. Da wir ben Wortlaut nicht verstanden haben, warteten wir das amtliche Stenogramm ab, unb bieses ergibt, baß ber Herr Vizepräsident ben Satz gestrichen hat. (Hört, hört! b. b. Soz.) Nachdem also ber Herr Vizepräsident sich auf biefe Weise selbst korrigierte, halten auch wir die Angelegenheit für erledigt.
Vizepräsident Dr. Dove: Sie ist damit erledigt.
Die Ruhrifreik-UnfeipeUaHon.
(Dritter Tag.)
Abg. Giesberts (Zentr.)k
mergesetz nicht durchßeseht hat; ick habe später einen An- trag in dieser Richtung eingebracht. Es liegt ein wahrer Zauber in diesem Zusammenarbeiten von Unternehmern und Arbeitern, die Verhandlungen verlausen ruhig und besonnen. Meine Freunde verlangen aufs dringendste ein solches Gesetz; mögen der Kanzler unb ber Staatssekretär ben Ultras von rechts unb links aktive Energie zeigen. Aus ben ruhigen, sachlichen unb maßvollen Ausführungen Dr. Delbrücks leuchtet burck, baß ber Streik begonnen hat, ehe alle Mittel einer ftieblichen Beilegung ausgenuht toorben find. Wir bebauern ben Kontraktbruch, aber ein Au snahmegesetz gegen bie Arbeiter, ich versichere bas ernst unb feierlich namens meiner Freunbe, lehnen mir auf bas allerentschiebenste ab.
Den Verhandlungen im Herrenhaus ist etwas voran-
von ber Generalkommission ber Gewerkschaften unterzeichnet ist ,_o_ ___ .... ,
unb vom sozialdemokratischen Partervorstand. (Hört! Hört!) ! ganisatton von 45 000 Mitgliebern^aus woblerwogencn Gründen Nennen Sie mir eine einzige andere Partei, die in einer solch I die Beteiligung an einem Ausstand ablehnt, ber aussichtslos ist, engen Verbindung mit der Gewerkschaft gestanden hat! (Hört! bat niemand ein Recht, ihr Streikbruch vorzuwersen. (Lebhafter
«. --1 l Beifall.)
Wie kommt es denn, daß schon am ersten Tage Ausschreitungen vorgekommen sind? Die Polizciberichte sind doch nicht er- funben. Wenn Sie (zu ben Soz.) wirklich bie Ruhe aufrecht er- baUen wollen, so beweisen die Tatsachen, baß Sie eS eben nicht können. Ich bin gewiß bet Auffassung, daß baß Militär nur im äußersten Notfall zu Hilfe gerufen werden soll Aber wir hier >m Reichstag kennen nicht die Empfindungen der Bürger und der Arbeitswilligen, die in höchster Angst sind, und bie bringend energischen Schutz verlangend Ich tobe seinerzeit beim Mansselder Streik hiev bie Zuziehung von Militär entschieden verurteilt. Nachb-'r aber bekam ich eine Menge Briefe aus dem Streikgebiei, in denen cS übereinstimmend weh, wenn Sie hier wären, würden Sie ganz anders sprechen! Ich begehe wohl keinen Vertrauensbruch, wenn ich mitteile daß bei unserer Konferenz vor Ausbruch des Streiks der Staatssekretär Dr. Delbrück zum Kollegen -sachse auk dessen Frage bemerkte, die Regierung schicke absichtlich viel Polizei in baß Streikgebiet, um z u verhindern. daß die Entsendung von Militär notwendig wird. Wenn ttotzdern Militär hinzugrzoaen werden mußte, so beweist das eben bie Schwere ber Ausschreitungen. (Zustimmung im Zentrum.)
Die Verhandlungen haben einen Gang genommen, der unß m 11 ® e f r i e b i g u n g erfüllen kann. Nachbern aber von sozialbemokratiscker Seite aufß entschiebenste geleugnet toorben ift, baß hinter dem Streik irgenb welche politischen Motive stehen, haben wir uns vorgenommen, nachzuweisen, baß dieser Streik gegen alle gewerkschaftlichen R e - 6 e I n ausgebrochen unb durchgeführt toorben ist. Der Abg. Erbmann, der gestern im Namen der Sozialdemokraten sprach, hat nichts Besseres zu tun gewußt, als den Abg. Schiffer in persönlicher Weise au attackieren. Man hätte eigentlich erwarten können, daß ein Redner, der zu dieser Stunde zu Worte kommt, auch neues Material verwenden würbe. (Sehr richtig! rechts und im Zentr.) Aber was ber Abg. Erdmann vorschlägt, war nichts als olle Kamellen, die man in den sozialistischen Monatsheften und anderswo viel schöner unb besser lesen konnte. Aus alledem geht immer bcutlicher hervor, wie bas Salonsozialisten- »um an Boben gewinnt unb baS proletarische zurückgeht. Wir beobachten biefe Erscheinung schon seit mehreren Jahren und kennen ihre Gepflogenheit, die christlichen Gewerk- fchaftSführer persönlich zu bei ' "
daher dazu üf
uuiiuiuiajun xjuiciuiqungcn oe-i kl, r ,
zwei Jahren haben wir bereits ^/^?u s s etzungen ten Ende tzeführt. (Hört, hört!) | °C V°.r c n
über biefe Reichstags- " " **"


