Ausgabe 
20.1.1912 Fünftes Blatt
 
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ar. 17

fünftes Blatt

162. Jahrgang

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonnlag».

D«eeifUcnei ZamlUendlSNer- merben dem tttnjeifler' viermal wöchentlich beigelegt, das Krttsbloti für den Kreis Oleften" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Selb Ueyrn erscheinen monatlich trocunoL

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General-Anzeiger für Gberhejjen

Samstag, 20. Januar 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brükl'schen Unwers iälS - Buch- und 6teinbnideteü

R. Lange. Dieven.

Redaktion. Exvedition und Truderet: Schul- straße 7. Erved von und Verlag: e*i# 5L Redaktion: «LSS112. Tel.-Abr.:Ai:zeigerGießen.

3ur Revision öes volksschulgcsetzer.

Tin oberhessischerGei st kicher sendet uns einige Aeußerungen über die von und veröffentlichten schulfach- männischen Ausführungen. Wir nehnten auch sie zuin Ab­druck auf, obgleich wir an dem Vergleich der Lehrer- mi: der Pfarrerkultur und namentlich an 'her Gegenüberstellung der Psarrerfrauen und Lehrersrauen gar Feinen Ge fallen finden. Tiefe Verallgemeinerungen sind nach un­serer Meinung nicht gerechtfertigt. Tie Geringschätzung, die darin liegt, ivenn vonv ermöglichen Bauern- t ö ch t e r n" gesprochen wird,die zu Lehrersfrauen aus rüden", wird auch nur von sehr wenigen geteilt wer­den. Tie Einsendung lautet: i

Zu den Ausführungen, die hierzu in Nr. 15 aus Lehrer Freisen veröffentlicht worden sind, seien auch einem Pfarrer ein paar ganz persönliche Randglossen gestattet: Ich Haiti die Forderungen der Lehrerschaft auf reinliche Trennung von Kirche und Schule, also auch die Aufhebung des § 5( über obligatorischen Organistendienst und des § 68 über den Schulvorstand für durchaus berechtigt. Aber die Be­gründung, die diese Forderungen an genannter Stelle ge­sunden haben, ruft doch an einigen Stellen lebhaften Wider­spruch yervor. Zunächst ist es ein Irrtum, zu meinen, eine gesetzlicheNebenordnung von Kirche und Schule" sei gleichbedeutend mit einer solchen von Pfarrer und Lehrer Ich begrüße in jedem tüchtigen Lehrer mit Freuden den gleichwerten Arbeitsgenossen. Ist's ein älterer, bewährtet Mann, der durch die Reife seiner Persönlichkeit sich die all gemeine Verehrung erworben hat, so stelle ich mich and gerne u n te r ihn und bin dantbar für jeden guten Rat Aber dieses Verhältnis entspringt rein dem freien per­sönlichen Entscheid auf Grund perfönlicher Qualitäten Stand gegen Stand als Ganzes gehalten dürfte aber bod dem auf akademischer Vorbildung Beruhenden der Vorrang gehören. Und zwar denke id) habet weniger an das größer! oder kleinere Maß von intellektuellem Wissen, als wie - mehr an das Plus von allgemeiner Kultur, das der Aka­demiker mit fid) bringt, zumal in einem Stand, der einer so hohen Prozentsatz von Söhnen gebildeter Häuser auf weist, wie der Pfarrstand, wenigstens der evangelische. Ec hängt damit etwas anderes zusammen, das der Leyrerstanc nid)t gut wird bestreiten können: Tank seiner durchsdinit - Itch besseren Minherftube und Ausbildung ist her Pfarrstan dem des Lehrers gegenüber erheblich günstiger gestellt ii der Wahl ferner Frauen. Es ist wohl nicht nötig, vorher auözuführen, welchen Einfluß das auf die Höhenlage dec Standes hat. Die Tüchtigkeit der vielen verrnögliche, Bauerntöchter, die zu Lehrersfrauen aufrücken, in Ehren £b aber durch sie das Lehrerhaus in gleichem Maße geistic gehoben wird, wie das Pfarrhaus durch seine meist erheb iid) besser erzogenen und gebildeten Frauen?

Nun ein Wort über Beseitigung des obligatorischen Or ganistendienstes. Mag er fallen! Aber nicht, weil erden Ansehen der Volksschule und des Volksschullehrers keiner Nutzen gebracht hat". Tenn das stimmt einfad) nicht; mai frage nur unsere Bauern! Einstweilen bedeutet eine kirch lidic Haltung des Lehrers einschließlich seiner aktiven Mit Wirkung bei solchen Höhepunkten dörflichen Lebens, wie e der Gottesdienst ist, stets eine Wahrung seines Ansehen- Aufheben soll man den § 50, um die Seminarausbilduw von dem Ballast her obligatorischen Orgelstunden zu be­freien, ferner, um nicht tüchtigen, aber nicht oraelsvieleu den Lehrern den Weg in so viele Schulen des Landes ai versperren. Schließlich and), weil es unter der Würde her Kirche und ihrer Gottesdienste ist, erzwungene Hilfen zu brauchen. Die Kirche muß und wird sich für freiw.llige Kräfte sorgen. Und wenn es dazu künftig an Lehrern mangeln sollte, oder wenn die Lehrer ihre Besoldungs- forberungen über das hinaus steigern sollten, was die Ge- meinbe leisten kann, so toerbcit wir, mit ober ohne Spiel­apparate, unsere Orgeln von musikalisd)en Gemeinbeglie- bern spielen lassen.

Zuletzt zur Frage bes Schulvorstandes. And) hier ist zweifellos die Forderung der Lehrer berechtigt, selbst den

Hunft Wijicnidniit und Ccben.

Ein neuer Tunnel für bic Gotthardtbahn. Tie Ausführung des H a u h e n st e i n b a s i s t n n n e l s int Zuge der Gotthardbahn ist, wie die Baumelt berichtet, einer Berliner Tief- kau-Firma übertragen und damit wieder ein großer Erfolg d e u t s ch e n U n t c r n e h m u n g S g e i st e s erzielt worden. Die Eisenbahnstredc Basel Olten mit dem bereits vorhandenen Hauhensteintunncl von 2495 Meter Sänge hat io ungünstige Stei- gungsverhältnisse, dast der ständig wachsende Verkehr nid)t mehr ordnungsgemäss durchgcführt iverden kann. Zur Verbesserung der Betriebsverhältnisse bleibt kein anderer Ausweg, als eine teil­weise Verlegung der Linie, fcurd) die günstigere Steigungs- und Krümmungsverhältnisse erzielt werden. Nad) dem Plan der Gc ncraldirektion her schweizerischen Bundesbahn zweigt dicie neue Linie hinter dem Bahnhof Sissach von der alten ab, wendet l'id) östlich dem Torfe Geldertinden zu, schlägt dann eine fast südliche Richtung ein und tritt hinter dem Bahnhof Tecknang in ben neu zu erbauenden, 8135 Meter langen Hauheitsteiit-Basistunnel em, den sie kurz vor der Ueberschreittuig der Aare verlässt, um alsdann in den Bahnhof Olten einzulaufen. Tie neue Linie i|t bei 16,2 Kilometer Baulänge 111 Meter lürjer als die bestehende, und der Sckmitelpunkt der Bahn liegt 110 Meter tiefer. Ihre größte Steigung beträgt 10,5 Prozent, während die der bestehenden Strecke 26,6 Prozent hat: int südlichen Tunnelidtenkel ist eine Steigung von 7,5 Prozent angeordnet, bei einer Länge von 6,3 Kilometer. Tie Quellen, die nach dem geologischen Gutachten int Tunnel zu erwarten sein werden, haben höchstens die Temperatur, von ach: Grad C.: nur im südlichsten Muschelkalkgebiet wird die Temperatur der Quellen auf *2025 Grad C. steigen. Tie Kürzung Basel. Olten beträgt 30 Kilometer, die Abkürzung her Fahrzeiten für Schnell- und Personenzüge 1520, für Güterzüge 26 Minuten. Bei der Ausschreibung int August vorigen Jahres waren vier Angebote eingegangen, zwei von schweizerischen, eins von einer französischen und eins von einer deutschen Firma. Tie Berliner Tiefbau-Firma Julius Berger, überschritt den Anschlag her Ge­neraldirektion, um 1,6 Millionen Mark, blieb aber hinter den übrigen Angeboten um 1, 34,3 Millionen Mark. Bei einem neuen Ausschreib.n erhielt die deutsche Firma, obwohl sie ihr erstes Angebot um' 72o 000 Mark erhöht hatte, aL- mindestfordernde ben Zuschlag MA Ausführung des Tunnels unb der anschließenden stredeiL *3-

Vorsitz ru erhalten. Schreiber dieses hat deshalb seiner­seits auf den Vorsitz verzichtet. Mer es ist wiederum eine starke Behauptung, wenn in der Führung des Vorsitzes durch den Pfarrer eineungeheuerliche Zurücksetzung", eine Degradierung der Volksschule und der Lehrerbildung" ge­sehen wird. Zunächst fällt auch hier wieder die unbedingte Gleichsetzung vonSchule und Lehrer" auf. Daß beider Interessen weitgehend zusammen fallen, ist klar. Sie laufen mitunter auch recht kräftig wider einander! Jedenfalls: wenn hier bei der Frage des Vorsitzes im Schulvorstand von Degradierung die Rebe sein soll, so hätte wohl ab­gesehen von Fällen klerikaler Herrschsucht eher bei Pfarrstand ein Recht, barüber zu klagen. Denn es ist kein sehr würdebringendes Geschäft, in der Hauptsad)e nichts als her Briefträger zwischen Schule und Kreisamt zu sein Biele Pfarrer unterziehen sich diesem undankbaren Geschäft auch nur, ben Lehrern zulieb, um sie vor noch unwill- l'ommeneren Vorsitzenden zu bewahren! Ob wohl, wenn künftig der Lehrer selbst den Vorsitz führen und der Pfarrei als Religionslehrer und Mitglieder des Schulvorstandes ihnen unterstellt sein werden, der Psarrstaud anfangen mirb, über Zurücksetzung usw. zu klagen? Wir werden nick)t so kleinlich sein!

Aus Hessen.

An8 dem Finanzausschuß.

bs. Darmstadt, 19. Jan. In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses wurde zunächst bei der Beratung des Kapitels 53, Aerztlichen Dienst betreffend, der Wunsch ausgesprod)en, daß man mit diesem auch das I in p f - wesen verbinden möge, das im Budget als Kapitel 54 besonders behandelt wird. Tie Kapitel 5657b, hie hie Ausgaben für bic Lanbes Heilanstalten in God- betau, Heppenheim, Alzey und Gießen betreffen, wur­den angenommen. Zu Kapitel 70, Landeskrehilkas.e, wurde der Gedanke angeregt, ob fick) nicht in absehbarer Zeit )iese Landeskredttkasse in der Organisation aufheben und mit der Landeshvpothekenbank bereinigen ließ. Bei Bera- ung der Landwirtschaftskapitel 7173 sprach der Abg Weber bei Erörterung der Gestüte den Wunsch ans, daß eine Station in Ulfa errichtet werden und eine andere Art der Erhöhung der Sprunggelder vorgesehen werden möge. Außerdem möge eine Aufklärung darüber gegeben werden, wie sich die genossenschaftliche und private Hengsthaltung bewährt habe. Bei Kapitel 76, Bergbau, wird die Stelle )es vortragenden Rats im Ministerium der Finanzen, die seinerzeit auf den Inhaber bewilligt war, der aber am 28. Februar 1911 starb, nicht wieder besetzt, wodurch eine Ersparnis von 7200 Mk. erzielt wird. Bei Kapitel 77, .kunststraßenwefen, ist die Erledigung der Frage der Kreis .»auinspeltoren hinausgesd)oben worden mit Rücksicht auf ne Organisation der Bauverwaltung. Zu Kapitel 82, Tampfkesselprüfung, regte ein oberhessisches Ausschußmil- ;lied an, daß ein oder mehrere Assistenten in ließen ihren Wohnsitz nehmen sollten, was ine Ersparnis an Reisekosten bringen würde und auch im znteressc der Interessenten läge. Zum Kapitel 83, Eich^ jefen betreffend, wurde hervorgehoben, daß eine Nenorgani- ation auf Grund einer reichsgesetzlichen Regelung eine um- angreiche Organisation der Behörden erforderlich mache. 3ei der Besprechung über die Kapitel 98113, bic zur ibteilung des Ministeriums der Finanzen gehören, wurde arüber debattiert, ob die Ministerialabteiluug für Finanz­wirtschaft und Eisenbahnwesen mit einem Mtnisterial - rat an der Spitze bestehen zu bleiben habe, ober ob nicht eine Vereinigung dieser Abteilung mit einzelnen Zweigen anderer Abteilungen geschehen könne, wodurch man bic Stellung eines Mrnifterialrates ersparen würde. Hierüber soll mit der Regierung nochmals verhandelt werden. Auck) über die Stellung eines vortragenden Rates im Bauwesen soll noch einmal mit der Regierung gesprochen werden, auch darüber, wie bic Frage her Gesamtorganisation im Ver­einfachungsausschuß gelöst sei. Bei Kapitel 103, Bau­wesen, würbe angeregt, bei her Frage her Bauinspektoren,

Liliencron und bie Schiller st iftung. Bei den Angriffen auf bic deutsche Schillerstiftung wurde auch von mehreren Seiten auf die bekannte Postkarte hingewiesen, durch die Lilien- cron von der Ehrengabe Kenn.nis erhi.lt und über die er feinem Aerger in Briefen an den Verleger Friedrich in echt Liliencron- scher Weise Luft machte. Da ist es denn von großem Interesse, in der Zurückweisung, bic die Verwaltung der Schillerstiftung den gegen sie erhobenen Vorwürfen ui der nächsten Nummer desLiterarischen Eckws", das in diesen Tagen ersck)eint, zuteil werden läßt, auch diese Liliencronlegende zerstört zu sehen. In den Liliencronbriefcn an Friedrich handelt es sich um die erste Unterstützung, die der Dichter im Jahre ,1886 von der Stiftung erhielt. Also sdwn damals, als nur seineMjutantenritte" Vorlagen, bat d.'r Generalselretär der Sd)illerstiftung Julius (Grosse auf das hervorragende Talent des neuen Mannes hingewiesen. Die Schillerstiftung bewahrt in ihren Archiven einundzwanzig, zum Teil sehr umfangreiche und vertrauensvolle Briefe des Dichters, die an Grosse und Heyse gerichtet sind. Man darf aber von dem Takt der Stiftungsverwaltung die Veröfsentlidmng dieser Briefe nicht erwarten, ebensowenig wie die Angabe der f ü n f st e l l i g e n Summe, die Liliencron insgesamt in den folgenden Jahren von der Schillerstiftung zugewendet erhielt. Tie erste Unterstützung ging wie in einigen folgenden Fällen, gerade wegen der den Herren in Weimar wohlbekannten Gläubigergefahr, durch Vcr- mittlung von Hermann Heiberg an Liliencron. Ob dieser wohl in der Freude seines Herzens" die unheilstiftende Postkarte an Liliencron geschrieben hat? Auf jeden Fall kann sie nicht der Verwaltung der Schillerstiftung zur Last gelegt werden.

D i e Erbschaft des Mini st c r p r ä s identem Aus Paris wird berichtet: Für einen alten Bewohner der Seine­stadt ist es ein ganz ungewöhnliches Ereignis, daß Paris sich durch einen Ministcrweckpel aus seinem Gleichmute aufschrecken läßt. Kabinettskrisen stoßen sonst auf die größte Gl ickrgültig- keil: der Sturz Eaillaux' aber war ein wirÜiches Ereignis für das Pariser Leben. Ter Sturz des Premiers verdarb der Pariser Gesellschaft auf einige Zit die Laune. Tenn M. Eaillaux war jung verheiratet, seine Gattin ist entzückend uitb gilt als gciitreicb, und die großen Empfänge sollten gerade jetzt beginnen. Allgemein erwartete man eine große Saison gesell- schaf.licher Feste und reizende Uebecrafchungen. Alle diese sdzönen Träume sind nun zerstört. Der neue Premierminister Poincarö ist weder ein Führer gesellschaftlicher Mode noch jungverheiratet.

insbesondere bei den Hochbauämtern, neue Stellen vor beit endgültigen Organisationen nicht zu schaffen. Die Bera­tung über Kapikel 104, Brücke über ben R l; e i it b e i Mainz betreffend, wurde cinftivciten zurückgcstellt, bis der Vertrag zwischen der Stadt Mainz und her Regierung vorliegt, weil ja bod) noch Aenderungen ftattjinben werben. Bei Kapitel 115, Pensionen, soll, wenn mögtid), eine Besei - tignng der Staatsrenten erstrebt werden, lieber die Her­stellung eines vierten Afsembleezimmers im Großuerzog- liehen Rcsidenzschloß, die im Kapitel 119 gefordert wiro, soll iwd) mit her Regierung Rücksprache gepflogen werden. Tas Kapitel 124, das die Staatseisenbahnen betrifft, wurde vollständig bewilligt. Es soll aber nod) eine allgemeine Besprechung über Staatsetsenbahnen mit der Regierung stattfinden.

Tic nächste Fiuanzausschuß-^Sitzung wirb am' Dienstag, ben 23. Januar, in Gcmeinsck)aft mit der Regierung, ab* gehalten werden.

Heer und Flotte.

Das 2. Bataillon E i s e n l> a h n - R e g i m eN t S 91 r. 2 in Schöneberg-Berlin beabsichtigt, den dnrck) Uabinettsordre auf den 11. Marz festgesetzten Sliftnngölag iiiv Erinnerung an die vor 25 Jahren erfolgte Gründung des Bataillons am 8. und 9. Marz d. Js. durch ein Zusaminensem nut bei, ehemaligen Angehörigen des Bataillons m einfacher Weise festlich zu begehen, l'llle alten Kamerabeii werden gebeten, ihre be- iiimnue Ansage zum 1. Februar d. IS. abzugeben.

An» Stadt und Land.

Gießen, 20. Januar 1912.

Hessische Fratten-Erwerbs-Vereinigung.

Es wird uns gefd)rieben:

Diese Einrichtung ist etwas neues für Gießen. Sie imlT das in feste Form zu bringen suchen, was für die Erwerbs- tätigfeit her Frauen fehlt: sic will eine Vermittclungsstelle einen Sammelpunkt schassen für Arbeitgeber und Ar­beitnehmer.

Die Umwälzung aller Frauenbetätigung hat in ihrer Freizügigkeit einen so großen Umfang angenommen, baß es jetzt heißt: die Wege ebnen, auf denen bic Erwerbs-t tätigen wandeln, damit die eingeseßten Frauenkräfte auch zu ihrem Vorteil kommen.

Nicht alle Frauen und Mädchen können in Geschäfte ober auf Arbeit gehen, um hort Unterhalt ober Ncbeneiunahmcni zu erlangen. Die bas wollen, finden auch bereits in ben verschiedenen Bernfsorganisationen ihre vorbeschriebenen Bedingungen. Viel schwieriger ist es für biejentgen, bie aus verschiedenen Gründen ihre Häuslichkeit nicht verlassen mö­gen ober können und für sie perabc ist es oft noch notwen­diger, Erwerb zu suchen. Bei vielen hat es fast immer an Zeit und Mitteln gefehlt, bie eine Ausbildung ^möglichleit in dem einen oder anderen Fache zugelassen hätte. Aber zu irgend einer Betätigung hat jedes weibliche 01esd)öpf eine Neigung, sei es zum Hauswirtschaften, waschen, bügeln, kod)en, nähen u. dgl. m., worin sie bald durch Ausübung zu großer Gesck)icklichkeit gelangt, die ihr genug Verdienst gibt. Es liegen aber eine Menge Arbeiten gänzlich bradi, bic von Frauen noch ganz anders als bisher ausgenustti toerben können. Aber was? unb wo?

Die Zeiten sind vorüber, wo gute alte Flickfrauen für bescheidenes Essen unb 6080 Pfg. von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends ganze .Hausen unb Körbe voll wegslickten. Wenn auch bie Stoffe nicht mehr so solib und haltbar wiej früher sind, so hat hoch jeher Gegenftanh schließlich seinen Wert und jeder Lappen findet Verwendnng. Ans jedem, alten Jaket, .Hut, Kleid ober sonstigen Bekleibnngsstück ist etwas anderes anzufertigen.

Aber nicht nur Altes ist neu und wieher brauchbar zu machen, es gibt auck) viele neue, moderne, künstlerische und wertvolle Gegenstände, bic gebildete Frauen, ohne sick) in bie Oefsentlichteit zu begeben, gerne anfertigten, um fick) bamit einen Nebenerwerb zu sichern.

Ter Frau unb hem Mädchen bringt bas Leben so mand)C Erlebnisse unb Bekümmernisse, über bie sie sich an einer

Er ist nur ein Gelehrter unb ein Politiker von ungewöhnlicher Be­gabung. Aber von ihm kann man die Wiederkehr einer neuen Directoirezeit nicht erhoffen, und bis Eaillaux wieder einmal Minlstcrpräscdent wird, wird wohl nod) viel Wasser die S ine bin» ablaufen. Eine Erbschaft aber hat er seinem Nad)solgcr überladen, die dieser wohl oder übel antreten müssen wird. Das erste, was Poincare bei seinem Amtsantritt vorsand, war eine stattliche Reckmung. Sein jungverh.irateter Vorgänger toollte seiner Gattin eine Freude machen und ließ daher alle Zimmer der ihm vom; Staate zur Verfügung gestellten Ministerwohituitg umbauen unb renovieren. Unb obgleich Eaillaux ein r.icher Mann ist, ließ er diese Neuausstattung natürlich auf Staatskosten vornehmen. Er brachte einen kleinen Krebit von 80 000 Frs. für diesen Zweck ein: inzwisckten mürben die Arbeiten ausgeführt, unb sein ''Jlady folger in der Wohnung, der neue Minister des Innern, wird für die Bezahlung dieser 'Rechnung einzutreten haben. Ter neue Mi­nister aber M. Steeg hat jedock) keine Vorliebe für die reizenden kleinen Umwandlungen, die Eaillaux getroffen hat. Er liebt die Einfachheit und Poincarc wird es nicht leicht haben, seinen Mi- tnsterkvllegen dazu zu bringen, die Angelegenheit zu ordnen. Tenn die Reiwvierung hat natürlich viel mehr als die ausgesetzten 80000 Frs. gekostet, und nun erhebt sich die Frag?: wird M. Steeg eine Renovierung bezahlen, die er nickst bestellt hat, ober soll ber gestürzte M. Eaillaux alle die schönen Neuerungen be­zahlen, die er und seine junge Frau nicht genießen werden?

Die englische Bücherslut. Tie Jahresstatistlk der neuen Bücher für 1911, die i'ocben in englischen Fachzeitschriften veröffentlicht mirb, zeigt, daß die Ueberproduktion nod) immer zunimmt 1910 waren es 10 804 Bücher, 1911 sind es 10 914. Tie größten Zunahmen entfallen dabei aufjbie Abteilungen Philo­sophie und Religion, Wissenschaft unb Technil, Geschichte unb Biographie, Poesie und Trama. Nene Dichtungen gab es 1238 Bände: mit 933 Neuausgaben, 40 Uebcrsetzungen und 4 Bro­schüren, kommt diese Abteilung auf die stattliche Gefamtziffer oon 2215 Bänden. Es ist zweifellos, bemerkt dazu das Athenaeum, daß bas Angebot bei weitem größer ist als bie Nachfrage.JludJ Der Fachmann findet es unter den heutigen Betstngungen fctmicrig, das Bemerkenswerte unter einer solche Fülle von Neu^ erscheinungen herauszufinden, aber er erkennt schließlich darunter eine MengeÄufgewärmtes", das nicht zu existieren brauchte.