gewesen, die dem Lande
bald der deutsche Einfluß überwog.
Di« Schwierigkeiten, die sich aus allen dreien
die Zeit für gekommen erachten, um geseßgebung vom Reiche auf tragen. Davon kann keine Lothringen ist Reichsland.
Bundesrat und Reichstag sind es
die Verfass ungS-> das Land zu über« Rede sein. Elsaß.
ficbem Sinne Danach hat die Eisenbahnverwaltung im Be- nehmen der Landesverwaltung eine Untersuchung angestellt, deren ^rqednis der UnterstaatSsekreiar Mandel >n der elsässischen Kammer mitgcteilt hat. Ich will aus dieser Mitteilung hier kurz folgende» anführen: Die elsässische Regierung erklärte, e» sei für sj, notorisch, daß der leitende Direktor de» Werke» d'e Seele aller deutschfeindlichen Bestrebungen sei. die sich in und um Gravcnstoden bemerkbar machen. Alle persönlichen Beziehungen zwischen Fabrilleitung und Behörden hätten aufgehört und daran habe jener Direktor schuld, der bei jeder Gelegenheit daS Deutsch- tum bekämpft. Er hat auch die gesellschaftlichen Vereinigungen in französische» Fahrwasser zu lenken gesucht. Aus Grund dieser Ergebnisse stellte die Eisenbahnverwaltung dem Derk die Einstellung weiterer Aufträge m Aussicht, falls nicht in bestimmter Frist dieser Direktor von seinem Posten entfernt würde. «Härt! Hört! link». Sehr richtig! rechts.) Und bis zu seiner Entfernung Gewähr dafür geboten würde, daß er seine Tätigkeit in deutsch, feindlichem Sinne in der Fabrik und in der Gemeinde einstelle (Abg. E m m e l (Soz.) ruft Zorn von Bulach sagt, daö sei nur Kinderei! Vizepräsident Dove bittet, den Redner nicht zu unterbrechen.) Ich kann nicht begreifen, wie jemand daraus Vorwürfe für die Verwaltung herleiten kann. Für da» Deutsche Reich ist e» ein Ding der Unmöglichkeit, geschäftliche Be- ziehungen zu einem Werke aufrecht zu erhalten und ihm jährlich Millionen-Bestellungen zuzuwenden, dessen Leitung die Verachtung deutschen Wesens zur Schau trägt. (Sehr richtigk — Abg. Ernmel: Wo denn, wann denn?) Ich würde dankbar fein, wenn Sie mich n i ch t durch Zwischen- rufe stören würden. Sie kommen ja später zum Wort. Die deutsche Eisenbahnverwaltung würde pflichtwidrig gehandelt hoben, wenn sie diese Vorgänge ignoriert hätte.
ES ist nicht Gesinnungsschnüffelei — dieser Au«, druck ist in der elsässischen Kammer gebraucht worden —, sondern es waren, al» die Bahnverwaltung durch Vermittlung der Landes- regierung die nähere Untersuchung einleitetr, staatliche und nationale Notwendigkeiten. (Sehr richtig! rechts.) Ein
Gründen ergaben. — die ich heute nur ondeute, wir haben ja vor einem Jahre ausführlich darüber gesprochen —- diese Lck»w c- rigkeilen sind zuerst drastisch bervocgetreten bei den ersten Wahlen zur elsaß-lotbringischen Kammer im vorigen gerbst. Tomol» mußten sich eigentliche politische Parteien im Lande erst bilden. Charakteristisch für die verworrenen Zustände, die damals entstanden, waren auch die Gewissenskonflikte, in die ein Ter' er deut , chen Wählerschaft ge» riet, al» sic vor die Frage gestellt wurden, ob sie mit Hilfe der Sozialdemokraten den Nationalismus überwinden, oder ihm durch Stimmenthaltung zum Siege verhelfen sollten. Und alle diese Zustände, wie hätte c» ander» fein können, baben ibre Rück- Wirkung au»geübt. Cb diese Vorgänge eine andauernde politische Bedeutung k-gben. ob aus ihnen der Schluß gezogen werden kann, daß die verfaffung unzweckmäßig gewesen fei, da» kann heute nickt entschieden werden. Aber unzweifelhaft — und da» hat auch der lebte Vorredner zugegeben — haben diese Vorgänge das nationale Empfinden weiter deutscher Kreise tief verletzt, und einen verständlichen Unwillen hervorgerufen.
Nun, m. H.. (mit erhobener Stimme) dieser Unwillen ist es. dem S. M. der Kaiser in seinem Gespräch mit dem Cberbürgermeifter von Straßburg Ausdruck gegeben hat. Wegen diese» Gespräch« sind in der Ocffentlichkeit heftige Angriffe gegen den Kaiser gerichtet worden. Ich lege gegen diese Angriffe verwah- rung ein (Beifall rechts, Unruhe b. d. Soz.) Wie war denn die Sache? In einem Kreise geladener Gäste (Zuruf d. Soz.: Ist ja ganz gleichgültig!) hat der Kaiser dem Unmute Worte verliehen, der in diesen Wochen viele deutsche Herzen erfüllt hat Diese Worte sind durch eine bedauerliche, nicht aufgeklärte Indiskretion (Hört! hört u. Lachen d. Soz.), bei der, wie ich indessen ausdrücklich hervorheben möchte, der Herr nicht beteiligt war. an den die Worte gericht-t worden sind — in die Oeffentlicb- feit geraten und zwar, was peinlich ist, und was, wie ich annchme, auch von vielen Elfaß-Lothringern als peinlich empfunden werden wird, nicht in einer deutschen Zeitung, sondern in einer französischen. (Zustimmung und Hört! hört!)
M. H. trotz dieser Veröffentlichung (mit er. hobener Stimme) ist keine Situation geschaffen, für die ich nicht die Verantwortung trüge. (Bei- fall und Hört, hört.) Solange ich an dieser Stelle stehe, trete ich vor den Kaiser. (Beifall recht», Lachen der Soz.) Nicht aus höfischen Rücksichten, wie schon in der Presse angedeutet worden ist — die kenne i ch nicht — sondern auS staatlicher Pflicht (Beifall) und wenn ich dieser staatlichen Pflicht nicht gerecht werden kann, dann werden Sie mich nicht mehr an diesem Platze sehen. (Hört, hört und Lachen der Soz. Ledebour ruft: Also Sie billigen den Verfassungsbruch.) Mit Bundesrat und Reichstag werden offene Türen eingerannt.
Privatmann erhält geschäftliche Beziehungen ohne zwingende Notwendigkeit nicht aufrecht, wenn der andere Teil sich fortgesetzt darin ergeht, wichtige Interessen seines Auftraggebers zu schädigen. Und hier sollte es der Staat tun, wenn die nationalen Jnt.-ressen in Frage stehen? Der Staat ist berufen, in erster Linie die nationalen Interessen zu schützen. Dann ist auch der Vorwurf gemacht worden, die Eisenbahnverwaltung wäre von ter Rheinisch- Westfälischen Großindustrie al» Vorspann be- nutzt worden, um die Konkurrenz von Graden staden auSzuschließen. Man hat daS daraus geschlossen, daß zufällig auch die ..Rhein.-Wests. Zeitung" auf daS Treiben in Gravenstaden auf. merksam gemacht hat. Dieser Vorwurf ist w i d e r s i n n i g. Ich habe bereits mitgeteilt, in welchem Umfange, nicht nur die NcichS- eifenMnen, sondern auch die preußischen Eisenbahnen Graven- staden mit Aufträgen versehen haben. Preußen besitzt Fabriken genug, um seinen Betarf an Maschinen zu decken. Es wurde nickst auf die reichsländischen Fabriken zu rekurrieren brauchen. Preußen sieht es aber als seine Aufgabe an. die reichsländische Industrie so viel als möglich zu fSrdern, und ich setze michdafür ein, daß das an- dauernd geschehen wird. (Lebh. Beifall.)
Also, das Konkurrenzmotiv, das angeblich für das Borgeben der Eisenbahnverwaltung mitbestimmend gewesen ie,n soll, existiert nur in der Phantasie derjenigen Personen, die die Angelegenheit politisckaegenPreußen anSbeuten wollen Gegenwärtig hat Gravenstaden noch für die beiden L«er- Wartungen Maschinen im Werte von etwas über 1 Million Mark, zusammen 9% Millionen, zu bauen. Die Aufträge sind für Die erste Hälfte des Jahre» 1912 vergeben, für die zweite Halste werden Bestellungen in ungefähr gleichem Werte zurückgehalten in der Hoffnung, daß nock eine Verständigung gelingt. Diese Verständigung ist bisher nicht zustande gekommen, weil das Werk sich weigert, den Direktor zu ent- lassen. ES ist selbswerständlich. daß die Eisenbahnverwaltung auf ihrer Forderung besteht. (Zustimmung rechts.) Wenn die Arbeiter der Fabrik noileiden sollten — wa« ich nicht hoffe . weil da» Werk die Forderungen nicht erfüllt, dann wird eS das Der? sein, welche» die ausschließliche und alleinige Verantwortung dafür trägt. (Beifall rechts.) Denn nichts Unbilliges wird hom Werke verlangt, sondern nur daS Selbstverständliche, daß em geschäftliche» Unternehmen, daS Aufträge von deutschen Staats, bermalhtngen haben will, nicht da» vom Staate repra- sentierte Deutschtum bekämpfen darf. (Beifall.)
Denn man den Eisenbahnverwaltungen einen Vorwurf machen wollte, dann könnt« e« vielleicht nur der fein, daß sie ^vorsichtig gewesen sind. Mancher andere Staat würde bei diesem Verhalten der Werkleitung einfach mit der Bestellung aufgehort haben, ohne daß man in Verhandlungen dntrat. (Sehr richtig! rechts.) Tann war kein Stoff zur Agitation gegeben. Hier ist man aber in ver- Handlungen eingetreten. Zu wessen Gunsten? Zugunsten von Gravenstaden und der in Gravenstaden beschäftigten Arbeiter. Und durch diese Verhandlungen bat man die Erregung verursacht, in welcher Weise, dafür eine kurze Bemerkung. Die Verhandlungen galten auf beiden Seiten al8 b e r t r a u I, c6. Sie sollten vertraulich geführt werden im industriellen Interesse der Fabrik, im Interesse der Arbeiter um Agitation und Beunruhigung zu vermeiden. Die Vertraulichkeit ist auf feiten der Regierung auf da« strengste gewahrt worden und auch bann noch, al8 vor einiger Zeit im preußischen Abgeordnetenhause die Sache zur verband- lmig kam. bat sick die Regierung auf eine ganz kurze Bemerkung beschränkt. Der Abg. Blumenthal war e8, der in der elsässischen Kammer zum erstenmal die Sache vor die Oeffentlichkeit brachte und im nationalistischen Interesse zu verwerten suchte
Meine Herren! Damit komme ich auf die allgemeine politische Bedeutun g diese» Falles. Die elsässische Kammer hat bekanntlich für Gravenstaden und gegen die Regierung Partei genommen. Daraus und aus manchen anderen Vorkommnissen haben die Gegner der vorjährigen DerfafsungSgesetzgebung den Schluß ge- zogen, daß diese Gesetzgebung v-rfchlt oder doch verfrüht gewesen sei. Daß sich die neue Verfassung leicht und ohne Reibungen ernteten würde, babe ich nicht erwartet. Ich möchte da auf Einzelheiten nicht eingehen, nachdem dieses Hohe Haus die vor. treffliche Rede des Abg. van Talker gehört hat Herr van Talker hat in ganz ausgezeichneter Weise das schwierige Milieu E l s a ß - L o t h r i n g e n S gezeichnet, die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, daß em Land, das m feiner ganzen vergangenen Geschichte sich keines iclbitanngen staatlichen Lebens zu erfreuen gehabt hat, jetzt ubergegangen ist zu einem großen Maße staatlichen selbständigen Lebens und das, nachdem die kulturelle, die geschichtliche, die politische Entwi^ung, die Umwälzungen der beiden letzten Jahrhunderte m EI,aß- Lothringen keinen einheitlichen Boden geschaffen hatten, der em^m solchen staatlichen Leben günstig war. weil bald der franzofiiMe,
Es hat dem Kaiser völlig ferngelegen, d ie Rechte von BundeSrat und Reichstag auch nur irgendwie zu berühren. Wem will man es denn klarmachen, daß der Kaiser, wenn er von einer Beseitigung der Verfassung gesprochen hat, nicht an einen A k t der ReichSgesetz- g e b u n g gedacht hat, der doch nur als ultima r at i o in Betracht kommen konnte? Der Kaiser hat auch nicht davon ge- sprochen, daß jetzt an eine Revision der VerfassungSzustände in Elsaß-Lothringen herangelreten werden soll. DaS hat er nicht getan. Aber verwunderlich ist es, daß elsaß-lothringische Politiker
seine Verfassung gegeben haben. Un d nur Bundesrat und Reichstag werden darüber zu befinden haben, ob einmal die Zeit kommen sollte, wo die Ver. fassungSzustände geändert werden müssen und wie sie geändert werden müssen. Darum sind alle Konjekturen über die Richtung, in der sich Aenderungen bewegen sollten, völlig gegenstandslos. BundeSrat und Reichstag werden, wenn ihnen solche Beschlüsse aufgenötigt wer- den sollten, sich nur von den Lebensinteressen de» Reiches leiten lassen. Bei Elsaß-Lothringen steht eS, ob diese Lebensinteressen die Erhaltung und Konservierung der dem Lande gegebenen Freiheit und Selbständigkeit oder ihre Einschränkung fordern werden. DaS Land wird sich fein Schicksal selber schaffen. Das Land wird, wenn es den Prinzipien folgt, die der Abg. van Talker hier eben angebeutet hat, daS erreichen und das erhalten, was es jetzt hat und wird es sichern. Wenn eS einen anderen Weg geht — ja. meine Herren, niemand kann die Augen davor schließen, daß deutschfeindliche Bestrebungen im Lande vorhanden sind, welche au» dem Lande ein der Verbindung mit dem Reich widerstrebendes Land machen wollen.
Gegen diese Bestrebungen muß alles, was deutsch ist. zu- sammenstehen. dann werden sie überwunden werden. DaS. meine Herren, und bie Sorge für bie Zukunft deS Reichs- lande« ist Kern und Inhalt der ernsten Mahnung des Kaiser« gewesen. (Abg. Ledebour (Soz. ruft: Faule AuSredek) War eS ein Unrecht, daß der Kaiser den Mahnruf auSgestoßen hat? Nein, meine Herren, denn darüber ist sich die ganze Nation einig. Elsaß-Lothringen ist ein Land, daS zu u n 8 gehört wie jeder andere Teil des deutschen Vaterlandes. (Lebh. Beifall.' Sollten — ich glaube e« nicht — Treibereien die Ueberhand gewinnen, welche diese Tatsache auch nur entfernt in Zweifel ziehen können, dann allerdings würde eS Bflicht deS BundeSratS und des Reichstages fein, nach Mitteln auSzuschauen, um diese Treibereien zuschanden zu machen und — deS bin ich gewiß — diese Pflicht würde dann erfüllt werden, denn eS wäre eine Pflicht deutscher Ehre. (Lebhafter anhaltender Beifall. — anhaltendes Zischen bei den Soz. Abg. Ledebour ruft: Eine feige Drohung war daS!)
Vizepräsident Dove:
Den Ausdruck „faule Ausrede" muß ich als u n parlamentarisch entschieden zurückweisen.
Abg. Haos-Baden (Vv):
Der Abg. Scheidemann wollte jedenfalls nur Einrichtungen des Preußischen Staates kritisieren. Die beleidigende Art der Kritik aber wirkt schädigend. In Baden baben wir auch ein Wahlrecht. daS zwar nicht ganz so schleckt ist wie das preußische Dreiklassenwahlrecht, aber bock ein ,'cklechieS Wahlrecht Würbe aber deswegen einer sagen, wir gehören in Baben gewissermaßen in die zweite Klaffe deS Soldatenstandes. so würde er sogar von den badischen Sozialdemokraten eine Antwort erhalten, w i e er sie nicht wünscht. Dir müssen un? fragen ist durch bis Aeußerung bes Kaisers nickt schwerer Schaden in Elsaß-Lothringen und ganz Deutschland an- gerichtet worben? Haben sich Ding- in Elsaß-Lothringen ereignet, bie im Ernst eine Aufhebung der Verfassung ober gar
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Be gehabt, als bri uni in 1 n und Traditionen machen l g gebend, aber das hindert ' e>l'es sich dollständig ; uno von ganzem Hetzer. !•: Preußen teilen sie d.-ck eichslanqlet, als ich vrgen n mit ihm sprach: Die i in Ostelbien ganz Nischen und gerade nchmalknapp. Gewiß d von Herzen deutsch wird. . ist manchmal nicht ganz ster fauler als sie es oer- Ävriuurt fragte mich da on, wie ich heiße und was larauf: Ich halte Eie für Heiterkeit.) Hch erwiderte, ib er wieder m demselben i Cffhier markieren wollen.
und oie Ausdrücke, die ich öniglich Preußischen, jedem ereicht. (Große Heiterkeit.) den Worten: Zu Befehl, it.) Ich will, den Gen.
gewiß nach bestem Wissen jn an die falsche Stelle Staatsangehörigkeit - ich leit)
lenem und Württembergern ür eine äußere Betätigung । en nicht den entsprechenden ! ist von großer Bedeutung, nd. Ebenso ist el mit der soll nicht geduldet werden, zsition vorgetrayen wird.
Das ist mm wohl bei den Inen Unterorganen und hier gelesen eine Ausschwt , muß bei uns ein graziöses teilen nicht als groß anseben. sischer Zeit genau so ausge- daher mit einanbeit faS* ichtig und namentlich gerech it bin, gegenubn^ So überzeugt, t«hwn'ch"' 4ebe besondere »az rassischer Kreise ge Annäherung °n da.
fiöiI -1 i. im W bet EmseWg Parum in d^ W ;et weiten «KW
,on der «■*£ Deutl-d^W g guter tzanll- , "“n'mU -'S* ^t £hie®rflb<- ft & ■
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eine Einverleibung be» Lande- in Preußen redjtfcrtigen’ U n b bat ber Kaife - b a 8 Reckt, von sick au« eine Verfassungsänderung anzukünbigen, unb wenn er da« Reckt batte, war es banngut. daß er autokratisch einen Gedanken ausgesprochen bat, den burckzuführen andere gesetzgebend« Faktoren mitzuwirken haben?
Abg- Schultz (Rv.):
In Elsaß-Lothringen baden die Dinge den verlaus nickt ge* nommen den wir alle hier bei Erlaß der Autonomie gewünscht haben. (Zustimmung reckt« ) Der NeickSkanzler bat aktenmäßig in einem eklatanten Fall gezeigt daß die Dinge dort seit Erlaß der Verfassung in de u t s ch-n a t i 0 n a l e m Sinne in der kalscken Rick.unp laufen. Dir baden dafür alle Tage Beweise in den Zeitungen, die immer neue Fälle melden. E» ist nickt zu verwundern, tuß der deutsche Kaiser s'ck in seinem tiefsten Innern verletzt füdlt. nachdem er durch die Aufhebung be« D'ktaturparagraphen unb bie Einführung bec Homerule für Elsaß-Lothringen so oft feine Anteilnahme dem Lande bewiesen hat Er siebt nickt bloß in staat-rechtlichem. sondern auch in einem gemütvollen Verhältnis zu dem Lande. Da muß er berechtigt sein, eine Warnung a uSzu sprechen Kein Mensch bat bav Reckt ihm vorzuwerfen. baß er sick über die Verfassung hiiiwegge>etzt 60t. Gerade die Sozialdemokraten find eS. die an her Verfassung rütteln. Der Aba. Scke'demann hat das mit klaren Worten heute auSgesprocken. al? er entschlossenere Männer wünlck'e bie. nachdem Ebina zur Republik geworden ist auck Preußen zu einem modernen Staat gestalten würben. Da» beißt bie Reckte der Krone herunterreißen (Sehr richtig! reckt», Unruhe b. b. Soz.)
Vizepräsident Dove:
Sie haben von Verachtung gesprochen haben Sie damit ein Mitglied des Hause» gemeint?
Abg. Schultz:
Ich habe auch bie Worte des Abg. Sckeidemann gemeint. (Beifall reckt«.) Aber über das Gefühl de» Unmut« unb de« Zorne« empfinbe ick bc n Stolz, ein Preuße zu fein. (Stürmischer Beifall rechts.) An dem ehernen Fel» der preußischen Monarchie werben alle Ihre Angriffe zerschellen, unb er wird bestehen bleiben. (Stürmischer B.ifall reckt«.)
Abg. Hnuß (Elsässer):
Das sieht ja bald io au», als ob wir ReichSseinde der schlimmsten Art sind. Dein ist nickt so. Wir sollen den Kaiser unb w.ite Kreise be« deutschen Volk« verletzt haben, weil wir bic s 0 , e n a n n t e Kai crjagd gestrichen haben Der ftaiicr bat aber siit 189P bie Jagd mit keinem Fuße betreten. Da« Wild häufte sich, der Waldkompler wurde ganz verwüstet Da sagten wir mit vollem Recht: Nein, daö gebt nicht mehr. Dann der Gnadenfond». Sr beträgt 100 000 Mk Einen so hohen Gnadenfond« — im Verhältnis zur Bevölkerung — gibt c* in keinem deutschen Staate. Er stammt au« einer Zeit, da man noch aus dem Vollen wirtschaftete (Der Reichskanzler verläßt den Saal.) Da« elsaß-lothringische Parlament war berechtigt, da« Kontrollrecht zu verlangen Erst weigerte sich die Regierung, bann machte sie die Konzession, baß bem Landtag über bic Verwendung Mitteilung gemacht werden sollte. Darauf wurde der Fonds wieder bewilligt. Nun Gravenstaden!
Der Reichskanzler hat in sehr geschickter Weise den Kern der Sache verschoben. Eö ist zu unterscheiden, zwischen der Haltung der preußischen und der der elsässischen Regierung. Die preußische Regierung kann ihre Bedingungen stellen. Aber die elsah- lothringische Regierung bat diesen Direktor, diesen „notorischen Deutsckenfeind" ja erst ein halbes Jahr vorher zum Prüfung»- kommissar der Kaiserlichen Technischen Eckule in Straßburg ernannt. (Hört! Hört!) Die elsaß-lothringische Regierung klage ick hier an. daß sie höchst leichtfertig borgegangen ist. Ihr allein galt daö einstimmige Tadelsvotum unseres Landtags, nickt der preußischen Negierung. (Hört! Hört!) Eine gewisse deutsche unb französische Presse hat bie Oeffentlichkeit bewußt irregesührt. (Hört! Hört!) Wir denken nicht an eine Loslösung vom Reiche. Aber wir wollen auch nicht zu Staatsbürgern zweiter und dritter Klasse degradiert werden Wer läßt unß nicht zur Ruhe kommen? Sind eß vielleicht nicht die Regierenden? Die Drohung. Elsaß-Lothringen in Preußen einzuverleiben, hat keinen besonderen Eindruck auf uns gemacht.
Als Bewohner eine» großen Weinlandes nehmen wir Tischgespräche niemals tragisch. (Große Heiterkeit.) Unb bann werben wir ja schon feit 40 Jahren nach preußischen Maximen regiert. Eine Einverleibung würde also nichts Schlimmeres bringen. Also besonders aufgeregt bat uns die Aeußerung nickt, aber wir haben sie tief beklagt. Im Interesse le« deutschen Kaisers selbstI DaS Vertrauen zu unserem fo genannten Landesherrn (Hört! hörtl) bat einen gewaltigen Stoß erlitten. (Hört! hört!) Ich bitte den Reichskanzler, den von unserer Negierung schlecht informierten Kaiser besser zu informieren. Wir tun unsere Pflicht für das Reich, mit schimpfen auch. Aber da« ist vielleicht gerade ein Beweis dafür, daß wir gute Deutsche geworben sind. (Heiterkeit.) Es gibt kein friebfertigeres Volk als uns. Wir gehorchen nicht aus Zwang, sondern aus unserer Ueberzeugung unb au« unserem Gewissen heraus! (Beifall.)
Abg. Dr. Lenfch (Soz.):
Das war ein dramatischer Auszug der Herren vom BundeSrat, der Reichskanzler an der Spitze. Warum? Weil der Präsident Herrn Scheidemann nicht schnell genug zur Ordnung rief! Was wäre geschehen, wenn der Präsident in den Worten ScheidemannS nicht» gefunben hätte? Wäre der Reichskanzler bann dem Reichstag bauernd fern geblieben ? Er durfte den ©aal nickt verlassen, da sein Etat zur Debatte stand, ©cbeibemann hat nicht daS preußische Volk angegriffen, dessen Vorkämpfer wir sind, sondern nur daS preußische Shstem, biefe elende BevormunbungSsucht. (Sehr richtig! bei ben Soz.) Diese» Lo d der Junker! Unb da hat Scheidemann dreimal recht. Herr Schultz tat besonder» entrüstet Aber gerade die Rechte hat grien Vc ReichSgrünbung gearbeitet. (Sehr richtig links.) Sie sollten sick also nickt mit aufgedonnerter feierlicher Entrüstung hier hinstellen. (Lachen rechts.)
Der Reickskanzler trug eine besonders freie entwickelte Evi bermi« zur Sckau Er hat aber nicht das Vertrauen des Volkes, auch nicht des Reichstage, sondern nur daS des persönlichen Regiments. Er wagt eS. die größte Partei der Welt an- zugreifen. (Lacken rechts.) Wir haben schon für bie Kultur gestritten. als Se. Erzellenz nock in den Windeln lagen (Lacken.) Unb wir werben es noch tun. wenn diel er beiläufige Hanblanger längst in den Katakomben der Vergessenhe" eingesargt sein wirb. (Lachen.) Eristsanurd e r P tu gel- junge be S persönlichen Regiments. (Lärm.)
Präsident Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.
Abg. Dr. Lensch:
Er nimmt alle» gehorsam von oben. ..Der Herr hat'S aegeben, der Herr hat's genommen — der ?lame des Hem sei gelobt!" — (Unruhe unb Pfuirufe reckt». — Präsident kavmpf ruft ben R ebn er nochmal« zur Ordnung.)
Abg. Dr. Lensch:
Tie Behandlung, die der ReichSkmizler Lern Reichstag angebeiben läßt lassen wir unS nicht gefallen. Der Reichstag ist kein preußisches Abgeordnetenhaus, wobei ick bingestellt fern lasse, ob das preußische Abgeordnetenhaus überhaupt noch ein Par I am ent ift! Der Redner schließt unter bet Heiterkeit der : bürgerlichen Parteien: Machen Sie, waS Sie wollen, wir werden : mit Ihnen allen fertig’
Ein Schlußantrag toirb gegen die Sozialdemokraten : angenommen.
Sonnabend: 1 Uhr: A uswärtige Politik.
Schluß 6% Uhr.


