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16.3.1912 Fünftes Blatt
 
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Te!reT8rew Kent« anäenehw fein Die VTrpei^rfeTrefäre er­füllen aber in diesem Hause eine wicbt'ge Pil'ckt. mindestens ebenso wichtig, wie die langen schönen Reden GothcmS über die Zollpolitik (5ehr aut! rechts); warum diese Reden gehalten wer. den, versteht kein Mensch, Vorteil bringen sie nicht. Ich habe schon bei der Etatsdebatle erklärt: über die Berechtigung der Erhöhung der Löhne besteht unter den Arbeiter. Organisationen an der Ruhr kein Streit. TarauS ist aber nickt zu schließen, daß nun die Christlichen auch die Art und Weise und den Zeitpunkt dieses Streiks für richtig halten.

Die Christlichen haben nie einen Zweifel darüber gelassen, daß eine Lohnerhöhung über die Sähe von 1907 hinaus notwendig ist. Wir haben dir Idee von Tarifverträgen im Bergbau stets pro. pagiert. Wir halten auch das Lohnsvstcm und den Arbeitsvertrag .für reformbedürftig. Auf dem jetzt cinaeschlagenen Wege er. reichen Sie nichts. Wie vertreten lediglich die Interessen des Bergbaus und die deutschen WirtschaftSinterrffen. Etwas anderes kennen wir nicht. Politische Erwägungen u n d ZentrumSintcressen spielen im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter keine Rolle. Ta-z mögen sich die Zeitungen merken, liberale und sozialdemokratische, die etwas anderes behaupten! ,(Abg. Dr. Arendt: Berliner Tageblatt!) TaS -®er. Jiner Tageblatt" wollen wir nicht so oft erwähnen, sonst werden die Herren in der Jerusalemerstratze noch größenwahnsinnig. ^(Heiterkeit rechts.) TaS ist eines der arbeiterfeindlichsten Blatter. /Lachen links.) Weil die Herren von den Dingen nichts verstehen, über die sie schreiben. ES ist unwahr, wenn die Dinge so dar- igefteÖt werden, als ob hinter der ablehnenden Haltung der Christ, 'lufjen das Zentrum steht. Das Zentrum hat auf die T e ndenz und Taktik der christlichen Gewerkvereine keinen bestimmenden Einflutz. DaS sollen alle Zeitungen beachten, die rechts vom .Tageblatt" und vom .Vorwärts stehen, damit sie deren Märchen nicht glauben.

Den Lohnkampf machen toir nicht mit, Seil er aussichtslos und unberechtigt ist. Einen Vorteil haben nur die englischen Grubenbesitzer. WaS hat denn Herr Sachse in London gemacht? !(Äbg. Sachse: Daß habe ich am 4. März gesagt!) DaS scheint mir nicht ausreichend. Auch aus gewerkschaftlichen Gründen waren wir gegen den Streik, weil die größere Hälfte der Berg. Arbeiter im Ruhrrcvicr unorganisiert ist. In vierzehn Tagen kann nichts erreicht werden, angesichts der vorhandenen. Kohlen- Vorräte. Dauert der Streik aber länger, dann reichen die Finanzen nicht aus, um den vielen Unorganisierten durchzuhelfen. Einen Putsch machen wir nicht mit, der wie ein Sozialdemo, krat sagte die Bergarbeiter nur aufrütteln soll, damit sie nicht einschlafen. (Hört! Hört! rechts. Lärm bei den Soz. Abg. Sachse: Wer hat das gesagt!) Ich will den Namen nicht öffentlich nennen! (Abg. Sachse: Lüge!)

Vizepräsident Dove: Herr Sachse, Sie haben bereits gestern diesen Ausdruck gebraucht, ich rufe Sie zur O r d n u n al

Abgeordneter BehrenS:

Der Streik ist politischer Natur. Er ist eine Revanche für Bochum. (Lachen der Soz.) Sie haben einen großen Verleumdungsfeldzug gegen uns Christliche in Szene gesetzt. Ta kann man kein Vertrauen zu dem alten sozialdemokratischen 93er- band haben. Er will unfl den Garaus machen! Er will die Bahn frei haben im Ruhrrevier für den politischen Massenstreik. (Lachen der Soz.) Wir bedauern, daß die Hirsch.Dunckerschen und die Polen in dieser Gesellschaft sind. Tenn wenn eS dem alten Verband gelingen sollte, unS kalt zu machen, dann sind die Hirsch.Tunckerschcn und die Polen dran! (Sehr richtig! im Zentrum und rechts.) Z°ür die Sozialdemokraten sind sie jetzt nur baß bürgerliche Schildchen, hinter dem sie sich verstecken. (Lachen der Soz.) Die Sozialdemokraten wollen keinen Frieden, sie wollen nur ihre Kampffront stärken. Wir fragen den Staats, sekretär: Sind nach dem Berggesetz die ArbeiterauSschüffe in Lohnfragen zur Verhandlung rechtlich befugt? Darüber herrscht Unklarheit. In unverantwortlicher Weise ist von den Sozial, demokraten zum Streik gehetzt worden.

Die Streikproklamation ist schon vorher gedruckt geivesen. '(Abg. Sachse ruft: Quatschen Sie doch nicht so!) Vizepräsi­dent Dr. Dove: Herr Abg. Sachse, brauchen Sie doch nicht solche Ausdrücke, ich habe Sie schon einmal zur Ordnung gerufen. Sie haben sich der Formen zu bedienen, die sonst in der Gesell, schäft üblich sind. (Lebh. Beifall rechts und im Zentr.) Abg. BehrenS: Tie Sozialdemokratie ist gegen die Reglements aller Gewerkschaftsorganisationen, sogar ihre eigenen vorgegangen, mit dem einzigen Ziel, den Streik hervorzurufen. Daher müssen Sie die Verantwortung für die Not und das Elend tragen. Die Christlichen haben aber nicht zu gehorchen, wenn die Sozialdemo, kraten beschließen; wir brauchen nicht zu tanzen nach Ihrer Pfeife. Ihre Moral ist nicht die Moral der deutschen Arbeiter, schäft. Dieser Streik soll ein internationales politisches Demon- strationSmittel fein, und sind bei ihm Handlungen vorgekom» men, die in einem geordneten Staat unter keinen Umständen ge. duldet werden können. (Lebh. Beifall rechts und im Zentr.)

Schon bei dem Ausstande von 1005 kam soweit, daß nb Hue schließlich alle Ursache hatten, Polizei. > "«Schutz in Anspruch zu nehmen. (Große Heiter, feit.) Wenn ein Christlicher heute zum Schutze seiner Gesund- heil einen Revolver mit sich trägt, so hat ja der alte Verband da- mal« auch Revolver angeschafft, und im Keller des Verbands. Hauses Schießübungen veranstaltet. (Stürmische Heiterkeit.) Bei diesen Zuständen kann man dem einzelnen Selbsthilfe nicht so sehr verargen: wäre hier Sache der sozialdemokratischen Ge­werkschaften, Disziplin in ihren Kreisen zu halten. Es ist übri- aenS eine Feigheit, wenn die Streikenden, wie berichtet wird, Frauen und Kinder au solchen Ansammlungen mitnehmen. Will man sich mit denen decken, weil die Polizei Frauen und Kinder

stickk aW'*'Vl DerärNcke'S Muffen Gewerkschaften unter allen Umständen verhindern. Wo e3 vorkommt, ist-es eine Feig- beit ohnegleichen. (Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Mein Freund Effert hatte bei dem Ausbruch des Streiks im Auftrage des Verbandcö wicht ge Auftrage im Sieger- land zu erfüllen und steht jetzt in dem Kampfe im Ruhrgebiet ganz auf unserer Seite.

In den Orten, wo die Sozialdemokratie nicht herrscht, ist heute noch Ruhe und Ordnung. Tie Darstellung, daß die u-priit- liehen zur Unordnung Anlaß geben, ist vollkommen unrichtig und gefärbt. Den Anlaß geben die Sozialdemokraten, und wie diese dort auf dem Lande ausseben, daß kann man an dem Ver­halten der Herren hier sehen, die ;a d i r E l i t e der ganzen Partei darstellen. (Stürmische Heiterkeit rechts und im Zentr. Unruhe bei den Soz.) Ja, wenn Sie sich nicht im Zügel halten können, was wollen Sie dann von Ihren Leuten auf dem Lande verlangen? Gehen Sie ihnen mit gutem Beispiel voran, dann Serben Sie. dort eine andere Stellung gewinnen. ist un­geheuerlich, wie man ehrenhafte Männer, die auf unserer Seite stehen, beschimpft und besudelt. Herr Hue hat in seinem Bochu- mer Volksblatt den Kollegen Heckmann eine vorübergehende Er- scheinung genannt, eine Unternehmerpuppe, der in anderem Auf­trage handele. Vorübergehende Erscheinung ist im Munde des Herrn Hue gut. (Heiterkeit.) Es ist aber ungeheuerlich, einen Mann wie Heckmann, der während dcS Wahlkampfes noch seine schwere Bergarbeit verrichtet Bat, der sein Lebtag ein ehrenhafter Bergmann war und jetzt nach einem schweren Unfall mit zer­brochenen Gliedern im Krankenhaus liegt, in dieser Weise zu behandeln. (Stürmische Zustimmung rechts, bei National!, und im Zentr.)

DaS ist eS, was unß empört, und man konnte im Ruhrgebiet sehen, wenn man diese Tinge vor tausendköpfigen Versammlungen festnagelt, wie eine ungeheure Entrüstung durch die Menge ging. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum, Unruhe bet den Soz.) Ich will bas hier feststellen, damit nicht auf» neue die Lügen der sozialdemokratischen Presse über die Vorgänge ins Land hinaus» gehen und die Sozialdemokraten als die einzigen berufenen Ver- treter der Arbeiter hinstellrn. Tie Briefe und Telegramme des Abg. Sachse besagen nichts, dem Kenner können sie nickt imponieren. Wir kennen die Fäden, die dort gesponnen sino, ganz genau. Ten Klagen des Abg. Sachse über die Tinge im niederschlesischen Revier könnte bald abgeholfen werden, wenn die Sozialdemokraten dort für bessere Löhne sorgten; sie haben ja die Mehrheit dort. Wenn jetzt Militär ins Streik­gebiet berufen ist, so habe ich Briefe genug über die dort herrschende Unsicherheit. Gewiß, wenn daß Militär da ist, ist all.'s ruhig. Wenn Sie das Militär überflüssig machen wollen, so haben Sie ja die Macht dazu, sorgen Sie tafür, daß die Streikenden zur Vernunft kommen und das Militär keine Gelegenheit zum Eingr?ifen hat. (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.)

Wir unsererseits können nur wünschen, daß die Maschi­nengewehre dort außer Tätigkeit bleiben._ Nach unseren Nachrichten ist der Streik jetzt auch bereits im Rückgänge begriffen. (Lachen bei den Soz.) Menn das nicht noch mehr der Fall ist. so liegt an dem TerroriSmuS, der geübt wird. Von Christlichen haben sich nur ganz wenige Hundert freiwillig dem Streik angeschlossen, und gibt Tausende von_ sozialdemokratisch Organisierten, die ihn nicht billigen. (Hört, hort!) @8 arbeiten mehr Sozialdemokraten, selbst Vertrauensleute, als vom Gewerk­verein der Christlichen. Das ist noch heute morgen in Essen fest- gestellt worden. Wir wünschen auch, daß die Lohnerhöhung mog- lichst bewilligt wird, Herr Sachse hat ja selbst gesagt, eS brauchten ja nicht fünfzehn Prozent fein. Unser Dreibund besteht auß dem christlichen Gewerkvcrein, dem evangelischen und katholischen Knappen- und Arbeiterverein, also eine interkonfessionelle Ge- Werkschaft verbündet mit konfessionellen Vereinen. Wir haben unfern Standpunkt im Interesse oer deutschen Volkswirtschaft ein­genommen und werden oen Kampf auf dieser Basis weiter durch- kämpfen und daran festhalten bis zu seiner Erledigung. Hoffent- lich kehren die falsch beratenen Arbeiter zu ihrer Arbeit zurück, und dann wird Ruhe, Friede, Sicherheit und damit die Wohlfahrt in baß Ruhrgebiet wieder emkehren. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.)

Preußischer Minister Dr. Sydotv

erklärt auf die Ansraae des Abg. Behrens bezüglich der Zu» ständig leit der Arbeiterausschüsse in Lohnfragen: Gegenüber von Zweifeln habe ich durch eine an die Bergwerks- direktionen gerichtete Verfügung vom 10. Dezember 1910 Stellung genommen, in der ich diese Zuständigkeitanerkannte. (Hört! Hört!) Schon bei der Beratung de- Bergegesctze» im Abgeordnetenhaufe wurde von der Regierung betont, daß die ArbeiterauSschüffe Lohnfragen allgemeiner Natur zur Sprache bringen könnten, weil man sie sonst ziemlich illusorisch machen würde. In diesem Sinne zu handeln, habe ich die fiskalischen BergwerkSdjrektionen gewiesen, , " 3V

' Dbg. Dr. Erdmann (<5o3.)T '. r

Bei der RcickßtagSdebatte 1906 war mit Ausnahme ber Konservativen fas. der ganze Reichstag auf feiten der Streikenden. Heute leider nicht. Ter Streik von 1905 bildet ein Chren- bla 11 in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Herr BehrenS hat dieses Ehrenblatt herabgerissen und mit Füßen getreten, denn alles, WaS er gegen den jetzigen Streik auSgcfuhrt hat: den Kontraktbruch, die geringe Zahl der Organisierten, hat er tatfächli vergleich gegen Den Streik von 1905 gesagt. Und doch war damals der Reichstag fast einstimmig auf fetten der Streikenden.

Unterdessen ist ater das Zentrum nach rechts gerückt, nicht nur räumlich. Jetzt weist mm in diesen Kreisen mit Vor­

liebe auf b i c A n ar cho-Sozialisten hin, obgleich diese Trt der Bewegung loch gar keine Rolle spielen. Tie »Köln. VolkSztg.^ bringt sogar oaS Attentat auf das italienische Kö­nig S p a a r mit dem deutschen Dcrgarbe'ter-Streik in Beziehung.- (Heitert, links.) Aber ber Anarchismus stammt gerade auß ur­katholischen Gegenden (Sehr richtig! links.), au3 Spanien, Italien usw. steht fest, daß der neueste Attentäter in Italien eine stark religiöse Natur ist. (Hört! Hört b. d. Soz.) Jedenfalls bat er mit ber deutschen Arbeitebewegung auch geistig nichts zu tun. Dir Sozialdemokraten brauchen die Ar­beiter nicht zu verhetzen. Bei uns hetzen die Verhältnisse. Denn z. B. im Ruhrgebiet eine einzelne Person es ist eine Dam- über eine KapitalSmacht von 180 Millionen und über ein Arbeiterheer von 70 000 Mann verfugt, so ist baß doch ungesund und muß den Arbeitern zu denken geben. Speziell der Beruf deß Bergarbeiters ist sehr bart, jeder siebente Berg­mann verunglückt jährlich. Und gerade im Bergbau fitzen die .Herrenmenschen, die mit den Arbeitern nie verhandeln wollen: 1889 nicht, 1905 nicht und jetzt, beim dritten großen Streik wiederum nickt. Gesteigert wird die Erbitterung auck ber Berg­arbeiter durck die Politik beß schwarz-blauen Blocks und die Reicksfinanzreform. \

Daß Zentrum hat am wenigsten Grund, unß Verhetzung vor­zuwerfen, denn z. B. der Bischof Kettler, der erst im vorigen Jahre vom Zentrum als Vorkämpfer gefeiert worden ist bat sich über den modernen Kapitalismus sckärfer geäußert als je ein Sozialdemokrat. Ebenso andere klerikale Schriftsteller! Der Redner verliest scharfe Stellen gegen dennationalliBe- ralen Mastbürger", gegen die .weißen Sklavenhalter der modernen Industrie" ufto. auß klerikalen Sänften, die von den Sozialdemokraten mit lautem Hört, hört! begrüßt werden.) Warum Herr Schiffer jede Beziehung zu den gelben Gewerk- schäften ableugnet, weiß ich eigentlich nicht, da daS Zentrum doch enge Beziehungen zu den .katholischen Fachabteilungen" hat, die von Bischöfen als Streikbrecher-Kolonnen gegründet wurden, und die noch vor kurzem von den Christlichen als ..schlimmer als die Gelben" bezeichnet wurden, jetzt aber mit den Christlichen zusammengeschmiedet sind, auf Veranlassung ber Zentrumßführer. Heute gehen von 8 Arbeitern im Ruhrgebiet 7 ins rote und nur einer ins schwarze Lager. Ein guter Katho­lik charakterisierte mir mal die Taktik der christlichen Gewerk­schaften mit den Worten: "

Unb willst bu nicht mein Bruder sein. So schlag ich dir den Schädel ein In Gottes Namen. Amen!" (Heiterkeit.)'"

Daß bet Streik politische Motive hat, ist durch nicht- 6t« wiesen. Man kann doch nicht, tote Herr Gisberts, den Arbeitern daraus einen Vorwurf macken, daß sie sich e>nen möglichst günsti­gen Augenblick außsuchen. Wenn die deutsche Industrie dadurch geschädigt wird, so haben die Arbeitgeber selbst schuld, die die auch vom Abg. GießbertS als berechtigt anerkannten Arbeiter- forderungen ablehnen. DaS Zentrum sucht Anschluß an die Nationalliberalen, weil der vielbesungene Zentrums- türm geborsten ist und sogar seine Krone, Köln, ver­loren hat. Sie kennen alle die Zwistigkeiten im kle­rikalen Lager! Darum dürfen die Christlichen nicht streiken mit Rücksicht auf die gefährdete Kirche.

Ich erinnere an den Silvesterbrief auß Rom. Deshalb speku­lieren dir christlichen Gewerkschaften auf den Zbfluß auß den ab­hängigen Existenzen ber StaatSarbciter. Deshalb dürfen sie aber au£j mit der Regierung nicht verderben. Zentrum, Kirche und Regierung bilden einen dreifachen Ring t e ß Zwanges um die christlichen Gewerkschaften. Sin Zentrums- blatt aus dem Wahlkreise des Herrn GießbertS war deshalb, das zuerst den Ruf nach Militär außstieß. (Hört, hört! b. d. Soz.) Tie Bergleute sind freilich keine Salon-Menschen mit Monokel. Da darf man nicht gleich nach Militär rufen, wenn ihnen mal der Ellenbogen ausrutscht. Dazu kommen die vielen Elemente aus dem Osten, die ihre Erziehung unter dem Regiment ter Junker und der Klerisei genossen haben.

Die Sckauermären com RegierungStische find' nicht ernst zu nehmen. Wo stammt denn eigentlich der Herr HandelSminister her? (Heiterkeit.) AIS ich keine Erzählungen hörte, schweiften meine Blicke zufällig über die Tribünen weg und sah Dort eine Reihe von Gesichtern, die auf eine sagen wir sehr tem­peramentvoll verlebte Univerfitätßzeit schließen lassen. So lange die Regierung eS nicht für nötig hält, die Uni­versitäten unter Belagerungß-Zustand zu erklären, um die Jugend der zahlungßsähigen Vourgoise daran zu lindern, auß ihren Ge- sichtern Hackfleisch zu machen (Heiterkeit.), so lange sollte sie auch kein Militär aufblcten, wenn ein Bergmann dem anderen .Pfui" zuruft. (Sehr richtig! bet den Soz.)

Auch dieKöln. Z t g." hot anerkannt, daß die moderne Arbeiterbewegung immer gesitteter wird. Am schwersten ist freilich, diejenigen Elemente in Ruhe zu halten, die auß ber Gegend deß Herrn Rogalla von Bieberstein stammen. (Heiterkeit und Beifall links.) Der Bestand deß Reiches wird wohl nickt gefährdet, wenn die äußerst empfindliche Ehre eines Streikbrechers mal durch ein scharfes Wort von Streikenden verletzt wird. Sollte der Belagerungszustand das einzige Ergebnis des Streiks sein, so wird keine sieben Jahre dauern, biß der vierte große Bergarbeiter streik auSbricht. Die Arbeiterforderungen sind berechtigt und werden dock einmal durchgeführt werden, mag eS biegen oder brechen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.),

STbfl. Werner (Nesormv.)k '

Die Sympathie bei Volke! ist mithin auf feiten ber Streikenden.

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R. Schich, Murg 3.