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22.6.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 16 Seiten.

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Viele Worte^zu machen zum Lobe dieses Meisters kann ich mir crivarcn. Sein Ruhm steht fest, auch wenn eine oder die andere aut irgend ein Dogma bequem eingeschworenc sthque daran rütteln will, irr ist ohne Zweifel unter den lebenden deutsäxn Künstlern in seinem Gesamtschanen der an künstlerischem Ver­mögen reichste, die stärkste kunulerische Potenz.

Wir dringen hier eine von einem icunmnigcn Gießener Samm­ler sorgfältig aus den reichen Schätzen seiner Klingcrsammlung aus gewählte Reihe von Radierungen, wie man sic bei der Seltenheit und itonbarfcit dieser Stüde, zumal in solch frühen Drucken nicht ost zu sehen bekommt.

Freilich ist die künstlerische Wirkung dieser Blätter, so klar sie i)t, nicht mit einem Augenblick zu sassen und nicht zu er- ichöpscn. Wer sich ganz in dieses grogen zrunstlers Seele Hinern- iüblen will, soll auch sein Buch leienMalerei und Zcichmrng", schon um sich über das eigentümliche Wesen der G r i s s c l k u n st, der zeichnerischen Mu»ft klar zu werden Man soll sich auch hier wie in aller Kunst durch das Nacherleben des Schöpmngs Vorganges im Künstler selber über die bloße Reaktion aus den Inhalt der Darstellung erheben, gewiß; aber doch spielt dieser Inhalt, dieser tzsedanlengehalt des Werkes der ganz ja nie ausgcschaUct werden kann , in der Gnüelkunst, der in den Mitteln reduzierten, in der Wirkung so viel komplizierteren eine andere Rolle noch wie in der Malerei im engeren Sinne und in der Plastik: Cbnc eine vhilosovhische Ader wird niemand die volle, gewaltige Wirkung dieser ZyklenPom Tode" undEva und bu Zutun«i" erfassen, so wenig roic etwa die Wirkung von Durers Apocalypse. Mit die höchsten Werte gerade unserer deutschen Äuiiü liegen in solcher allen und neuen Griffelkunst beschlossen. Ebne weiteres aber wird roohl ein jeder sich freuen können an der schönlinigen virajie der Bilder zuAmor und Psyche" oder der zarten öcinbeü eines Bücherzerchens, wie etwa der kleinen Athena für Heinrich Mlmgcr.

Diese schöne Klinger Ausstellung möge ein gutes Emen sein für das Wirken unseres Gießener Kumwcreins aus eigener Kratt. Dem freundlichen Geber aber, der uns aus seinen Mappen diese in der Feinheit ihrer Drucke so empsindlichen Schätze groß inüug darlieh, sei auch an dieser Stelle Dank getagt.

Christian Rauch.

Die Bedeutung der neuen pompejanischen Wandgemälde.

Vor einiger Zeit unternahm der Inhaber eines bekannten Hotels in Pomoeii, Aurelio Item, mit Erlaubnis der Regierung, aber auf / eigene Kosten und Gefahr Ausgrabungen aut einem Grundstück nordwestlich von der begrabenen Stadt und batte das Glück, aus eine schöne Billa zu stoßen, in dec augenschetn-

Schwerpunktes der britischen Seemacht vom Miiiilmeer nach der Nordsee. Und dost dies eine gegen Deutschland ge­richtete Munbgcbung bedeutet, ist klar Deutschland soll bei den kommettdeit Beratungen diplomatisch nneber ins Schlepptau genommen werben, indem ihm die englische tteberlegenl-ett zur See drastisch vorgeführt wird.

Unter diesen Verhältnissen müssen natürlich die Ham- bitrger Kaiscrwortc einen besonderen Widerhall wecken. Sie lmbcn den Glauben an die englische Ueber,nacht zur See aufs neue unterstrichen. Da mir heute int allgemeinen noch die alten Feinde, wie die alten Freunde haben, so könnte man besorgt danach fragen: wird der Kaiser auch in Zukunft zögern, sein Fähnlein an die Stange zu binden, wenn wichtigere Interessen als die marvlkanischen auf dem Spiele stehen? Halte es einen großen Zweck und Rußen, wieder au unsere diplomatische Zurückdrängung vom vorigen Jahre zu rühren? Tie Alldeutschen haben sich nicht überzeugen lassen, und es war im Grunde wieder ein wenig peinlich, dast die stolze rhetorische Blüte, die wir als Meisterwerk nicht als diplomatisches bezeichnet haben, von der Presse wie. Spinat zerhackt und mit den sonderbarsten Zutaten als schmackhaft für alle Parteien serviert werden konnte. Tie Wirkung auf das Ausland ist die ernsteste Prüfung wert. Tie Friedensliebe des Kaisers, seine Vorsicht und Zurückhaltnng bei drohendem Kriegs- gewölk, befriedigen und beruhigen uns. AVer hat nicht ein leises Bebenten, das Wort von zurückl;altenber Friedens­liebe und Vorsicht allzu ost im Munde zu führen, wird der robustere Gegner draußen dadurch nicht am Ende zu rück­sichtslosen Uniernehmu. gen ermutigt? Mehrfach Hal man im Auslande, in Frankreich sowohl wie in England, bei schwic rigen Auseinandersetzungen die amtlick-e deutscl-e Tiplo- maiie zum Friedenswillen des Kaisers in Gegensatz ge­bracht! Es liegt auch nahe, auf historische Beispiele zu verweisen. Friedrich Wilhelm III. war auch ein Mann der gewissenhaftesten Vorsicht; aber konnte er, als er schließlich den Aufruf an sein Volk erliest, genau wissen, ob er sein Fähnlein nut Ehren wieder herunter holen werde? Ter Kaiser hat nur die AusdehnungspoUtit im Auge ge­habt, darauf werden wir das Ausland verweisen dürfen. Tie Ehre der deutschen Flagge wird er in allen Fällen schützen. Frhr. v. Marschall wird nach diesen Grundsätzen zu handeln wissen.

Aehnliche Auslegungen wie um des Kaisers Worte, sind auch um die letzten Kundgebungen des Papstes versucht worden. Dieser hat aber unseres Erachtens ganz unzweideutig gesprochen, und die Blätter der Berliner Rich­tung haben ganz recht, wenn sie von einer Rechtfertigung ihrer Sache durch den obersten Kirchenfürsten sprechen. Pius X. hat durch den Nuntius Frühwirt erklären lassen, daß er jetzt Schluß der Aussprache über die Gewerkschafts­frage wolle. Er ersucht zugleich,eS dem heiligen Stuhl zu überlassen, diese wichtige Frage im Einvergändnis nut den Bilchöfen zu prüfen und dann angemessene Verhaltungs maßregeln zu geben." Wir fürchten, daß die Sache der Kölner Richtung doch nochverurteilt" werden wirb. Was der Papst durch seine letzten Kundgebungen und durch den Zeitungskrieg nicht zuwege gebracht hat, das wird er letzt aus dem Wege über Die bischöflichen Instanzen kräftiger betreiben. Da cs vor kurzem hieß, daß die soziale Kommission der preußischen Bischöfe" in Hildes­heim wieder eine Konferenz gehabt habe, von der dem­nächst eine öffentliche Erklärung zu erwarten sei, scheint

lich ein reicher römischer Herr die Sommermonate verlebt hatte. Bald ging die Kunde durch die Welt, daß sich im Speisesaale' dieses Landhauses herrliche Wandgemälde gefunden hatten. Seit­dem ist es um diese Entdeckung wieder still geworden. Von oem Haus ist etwa nur ein Drittel audgegraben; der Staat aber trat in Verhandlungen mit dem Besitzer, um den Grund uno Boden ju erwerben und so die kostbaren Kunstwerke zu seinem Eigentum zu machen. Während dieser geschäftlichen Besprechungen, die sich gewöhnlich unendlich lange hinziehen, da die Regierung einen niöglichit geringen Preis zahlen will, ruhen die Grabungen und niemanden ist der Zutritt zu der Villa gestattet. Ta man sich auf gütlichem Wege nicht einigen konnte, schwebt gegenwärtig ein Prozeß, und so wird wohl der Rest der Villa noch lange in der Erde schlummern müssen und die Herrlichkeiten antiker Kunst, die bereits das Licht des Tages wieder erblickt haben, werden der Leffentlichkeit unzugänglich bleiben.

Unter den Wenigen, die bisher die Schätze genauer besich­tigen und studieren konnten, befand sich der deutsche Archäologe Prof. Paul Hartwig, der in einem Aufsatz des Scicntific American die Wandgemälde zum ersten Male beschreibt und ihre hohe Bedeutung für unsere Kenntnis der klassischen Malerei bar­legt. Es sind bisher einige kleine Wohnräume, eine sehr große Küche mit Nebengelaß und ein Teil des von dorischen Säulen getragenen Peristils aufgebedt; außerdem ein Ted der cben- Talls mit Säulen gescknnückten Terrasse, die einen herrlichen Blick nach dem Meer hat und der große acht Meter lange und adg Meter breite Speisesaal, der die Malereien enthält. Man betritt diese Halle von der Terrasse aus durch eine breite Tür und steht nun unter der hohen, gewölbten, gut erhaltenen Stuckdecke in­mitten der leuchtenden Pracht herrlicher Figuren. Tie rechte Wand ist in der Mitte von einer vier oder fünf Meter hohen Oefs- nung durchbrochen, die augenscheinlich zur Ventilation des- Wales diente. Diese fenfterartige Ceffnung führt zu einem Flur, Der wahrscheinlich durch einen Vorhang abgeschlossen war. Tie Gemälde bemiben sich auf zwei kleinen Flächen rechts und links vom Eingang, dann auf der durch feine Ceffnung unterbrochenen Unken Wand, die dem Eingang in ihrer ganzen Ausdeutung gegenüberliegt und auf zwei Flächen rechts und links von der Ceffnung an der rechten Wand, von denen jede etwa zwei Meter breit in. Ter untere Teil der ganzen Wandiläche ist etwa einen Meter breit mit einem farbigen Streifen bedeckt, und darüber und nun die Bilder gemalt, die zwei Meter hoch find, so daß tue firne ber Figuren mit dem Kopf eines stehenoen Mannes in gleicher Höbe ^erscheinen. Ueber den Gemälden führt ein Fries von reichen Inkrustationen aus bemaltem Marmor rund um den Raum an der Decke. Der untere Streiicn und der Fu-s und in dunklen Farben gehalten, bei denen Schwarz vorherrscht. *ie Umrifjlinicn der Figuren stehen in einem starken farbigen

Ausland.

Tas österreichische Abgeordnetenhaus lehnte in einfacher Abstimmung den Antrag des Sozial­demokraten Leuthuer, über die Wchroorlagen zur Tagesordnung überzugehen, ab, und beschloß in nament­

politifctye Wochenschau.

Gießen, 22. Juni.

, r^rn ijer, über den Ozean, hallt der Lärm amerika­nischer Wablmache. Roosevelt ist selbst in Ehicago aus den Plan getreten, aber dieschwanke ranzige Menge" droht, lvic einst dem Casus Marcius Coriolanus, ihm ihre Gunst zu entziehen. Doch dersmarte" 'Jlmcrifancr ver­geht bas Geschäft besser als ber römische Kriegsmanu, dem ber Hohn sich auf bic Zunge legte, als er um Stirn men warb. Kleine Mißerfolge verstimmen ihn nick)t, unb er rebet zu seinen Getreuen, baß nicksts verloren sei. Wenn der Konvent ihn nicht aus den Schild erhebt, so gibt es noch andere Möglichkeiten, die zum Ziele führen. Ent­weder, seine Anhänger machen sich von der republikanischen Partei unabhängig und folgen ber neuenFortschritts- Partei", die Roosevelt gründen n> ! oder sie bleiben, wo sie fittbjuiD folgen dem Obersten b r ra hlen Reiter bcnnoch pack). Tic neue Fortschrittspartei wirb bem amerikanischen Parteilichen ein neues interessantes Glieb hinzufügen Ueber ihr Programm weist man ebensowenig etwas gewisses wie über das der republikanischen unb ber demokratischen Partei. Aber ber Name wird dem modernen Amerikaner impo- pieren. Und nun stehen die Anhänger Roosevelts wie einst Werner Sombart, der die amerikanischen Parteien studieren wollte, gleichfalls als Bileams iisel zwischen den beiden Heubündcln. Er wirb das Feld nicht räumen, wie jener Eoriolanus, der > schimpst nd das Forum verließ:Gemeines Kotccpack, des | Hauch ich hasse wie fauliger Sümpfe Stank." Und doch | ifl es auf dem republikanischen Naiioualionvent sicher feiji \ viel kindischer zugegangen als in den römisck)en Bersamm Ilungcn. Von den Roosevelt Anhängern hieß cs, daß sic |umherzogen und sich vor Begeisterung fa|i heiser schrien". | Mit welchen Mitteln dieseBegeisterung" entflammt wor- I den ist, kann man sich denken. Ganz aincrikanisch war es, I als man eineDame" mit Roosevelts Bild auf den Schul- ] tern zur Rednertribüne trug. Man sieht, daß Mark Twain seine Wahlbilder nicht zu stark aufgetragcit hatte; der i Hauptwahltamps, der vielleicht nicht weniger als drei aus- ji.htsreiche Kandidaten ins Feld stellcu wird, dürfte die Begeisterung" noch ganz anders ausschlagen lassen.

Dieser Wahllärm hat uns in Deutschland nicht lief I berührt; ob es Roosevelt, ob es Taft sei, kann uns ziem- | lid) gleichgültig fein. Unsere Augen sind jetzt gespannt ujf England gerietet. Ueber das Vorspiel zu dein »otid)tifterioed)jel ui London wußten die Eingeweihten im ' lintc das Geheimnis zu hüten. Wir wissen nicht, ob ein |neuer, sicherer Kurs beabsichtigt wird, und Herr v. Mar- | schall hat die Aussragcr lächelnd abgclviesen. Tie Triiif- I ß rüchc des scheidenden Wolfs-Metternich aber hatten einen l leisen, bitteren Bei Slang. Wenn dieser Diplomat einst seine '.Lemoiveit schreiben sollte, so würben wir vielleicht viel , Interessantes und Neues hören, besonders aus der sorgcn- Iteilen Zeit des vergangenen Jahres. Deutschland hat seine Iji.iliuiiß verbessert, uno, wie um das eifersüchtige Briten- Itolf zu beschwichtigen, den besten deutschen Tiplomatcn Li ad) London geschickt. Die Vcrständiguugstsofsnungen dür- Ifen gleichwohl nicht zu hoch geschraubt werben. Frhr. |b. Marschall hat kaum in Ertgtand den Fuß aufs Land Ibesetzt, im kommt die Nachricht von der Verschiebung des

2Ius der nationallibcrakn Partei.

Zahlreiche nationalliberale Parteiführer veröffentlichen einen Aufruf an ihre Partcisrcuubc im Lande, ber sich mit der G rundung b c s n 11 national- liberalen Reichsverbandes beschäftigt In ihm heißt es:

Zu ber in ber Zentralvorstanbssitzung vorn 21. März b. I. erhobenen Forderung, daß es unbedingt nötig fei, bic Partei fester zusammen zusaffen, ftebt in sdrarfein Gegensatz die mm mehr erfolgte Begründung des Altnationallibcialen Reick»sverbandeS. Ec ist eine in völligerEelbständigkeit außerhalbder Partei stehende Organisation, die sich über daS ganze Reick» bilden will, die allen Parteimitgliedern, and» ganzen Ver­bänden ohne irgendwelche Beschränkungen, wie sie bisher den SonbeiDcrbänben auf erlegt waren, offen steht Der Altnational- liberale Reichsverband schafft überall neben ber offiziellen Spitze eine zweite und trägt eine A r t Verwirrung in die Reihen der Parteien. DaS bedeutet zweifellos eine Zer­splitterung der Kräfte, eine Sdnvächung der Stoßkraft, eine un­heilvolle Lockerung des gesamten Parteigesüges. In ernster Be­sorgnis warmen wir daher alle Parteifreunde, dem neu ge­gründeten Sonderverband bciuitrcten. Wir halten es für not­wendig, daß ohne Sonderbündeleien die vorschiebenen Ansichten in der Partei in den satzungsgemäßen Instanzen in Erscheinung treten, damit bic nationallibcralc Partei entsprechend ihrer großen Vergangenheit die Vertreterin des gesamten national und liberal suhlenden Bürgertums bleibt.

Deutsche- Aeich.

Bei der Reichstagsneuwahl im Wahlkreise Haaenow-Grevesmühlen wurden nad) dec neuesten Meldung abgegeben für Pauli (flonf.) 6815, für Sivko - vZ ch (Fortschrittler) 7018 unb für Kober (Soz.) 4288 Stimmen.

Aus Göppingen wirb berichtet: Mit allen gegen vier Stimmen ber Sozialdemokraten, bei einer Stimm­enthaltung, hat der hiesige Gemein berat in nick)t öffenllidjcr Sitzung als Aufsichtsbehörde der Orts­krankenkasse beschlossen, den Lanbtagsabgeord- neten und K'rankenkassenkontrolleur Kin­kel wegen der ihm zum Vorwurf gemadyten Verfeh­lungen bei ber Ausführung seines Amtes ohncKündi- gung zu entlassen. Ein sozialbcmokratisccher Antrag auf Rückverweisung an ben Kasscnvorstanb wurde gegen fünf Stimmen abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft, die sich sck)vn mit dem Fall beschäftigt hatte, stellte seinerzeit bas Verfahren ein, weil sie Kinkel nicht als Beamten im Sinne des Gesetzes ansah, gab aber bic Akten an die zuständige Verwaltungsbehörde weiter, weil sie -die Handlungsweise Kinkels als großes Disziplinvergehen beurteilte.

ber Vatikan sich beeilt zu haben, einstweilen Halt zu ge­bieten. TicKölner" haben aber bic Kraftprobe noch nickt ausgegeben, wie aus ben halb grollcnben flciificrungrn ihrer Blatter hervorgeht. Sie wollen, wie berKöln. Volksztg." zu entnehmen ist,'auf bem Sprunge bleiben, falls die Organe von und fürSitz Berlin" Beranlaffung zu neuen Erörterungen geben.

tltw. Erstes Blatt 162. Jahrgang Samstag, 22. Juni (912

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für die Tagesmminier oiauon.oruck uno Verlag der vruhl fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und Druckerei: 5chnlstraße 7. 'btadt unr

bl« vormittags 9 Uhr.___vüdingen: Fernsprecher Rr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16». Anzeigenteü: H. Beck.

Die Aurjleüung des Gießener ttunstvereinr.

Simplicissimns-Originale. Radierungen von Max Klinger.

Tie jetzt abgclöstc Ausstellung bcul|d)cr Illustratoren war eine Wusammcmiellung leiser Melodien von weichem Klange Iprijcher jgtxt. Trotz der rech: guten Cualitat einzelner «lucke und trotz Md s durchaus eifre-ilidjcn Niveaus Der technifctn'ii Leistung klang «13 Ganz<- ein wenig matt. Tas merkte man schon beim Auf- lugen. Ee- war jchr schwer, die woyl in der Technik und in Mi reu Vvrivüri ;i recht veifchiedeuen, im Temperament aber zur Mtehrzahl voUstaudig glcidr.näöigen Werke jener Griffelkünstler Mzi crnculid;em Ncocncinandcr und zu leidlicher Gcjamtwirtung Mn die Wand zu bringen. So feine Emzelstücke wie Ubbeloh h 5 Radierungen wurden vom ganzen verwischt, venoeht, man Mlcd)ic sie baiiycn, wie man wollte

Hier bei den Simplicissimus-Lriginalen ist daS fteilich etwas Wilders- Eine trotz Der Fülle und Verschiedenheit der Indivi- ljalitätcn durch em sprühendes Temperament iKrbunbenc am lijcuDc Gruppe, die sich alle Wirkungen moderner Platattunii b vor allein Fernwirtung durch vereünachcnde etilifienmg von |arbe unD Liiu- un) impreffionistische, den belcbtcitcn Augenblick Msaisende Tie fiid-crheit zu uutze zu machen versteht. Diese Büdcr Ii-heii auch, i:m dekorativ genommen, prachtvoU au, der Wand. |j Es ist wirklich gut, daß man diese kraftvollen Künstler so Itnmal k.-Mjeiuit von dem Text studieren kann, dem Buchikaben, llr immer Hock) auf das Volt der Tichter unD xenter zehnmal io lief ein wirft, wie alle Form in bildender Kunst. >so beycrr,cht lli uns die allgemeine Vorstellung vom aimphcujimas der ^ext ILlein mit feiner oft recht groben Satire. v>n diesem Zusammen ILngc aber allein wichtig ut, daß Simplicissmms und ougcnD lljrd) ihre lüiuilerischeu Illustrationen Franzosen und Engländern I :t Vörraug auf diesem Gebiete künstlerischer Betätigung ab-jc

Lien haben. Beide Zeiifchrliten haben reformierend aui unscrc Mvllufiranon, die vorher in der Hauptsache nut den ichlechten foliltödcii der FarniUcnblätter bestritten wurde, cmgcwirn.

Also: Man vertiefe sich einmal losgelöst von allemI n h a l t" f litifchcr Tendenz, losgelöst von demWas" tn dasW i c , ||lc5- rem kunulerische dieser Bilder, gentcize die Grazie ReziucckL, 61 h: treffsichere Wucht Thönvs, Den schweren ^vn Des Romamikcrs Kl^toula, Die ausDrucksstarkcn Linien Pauls unD ^ilfes. Die nervo-

fein stilisierten Linien Thomas Theodor önncs und Gul- hj »ssons.

Unb nun heißt es sich einen Augenblick sammeln, wenn man || htefi:n Faufarcilstößen gilausdst hat und hinübcrtriU in Die hohe M»Me der Lfttnst Max Klingers.

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