Ausgabe 
14.12.1912 Viertes Blatt
 
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Geltung 'kommen können. Dem alten Prinzipe, mehrereMittel­punkte" auf einer Tafel zu schaffen, ist man also untreu geworden. Hübschen Tafelschmuck geben auch Blumentöpfe aus echtem Meißner Porzellan ab. Als Material für das Tischtuch kommt ausschließlich Damastteinen in Frage. Kostbare Spitzen und Guipuresttckcrei geben angenehnre Unterbrechungen ab: eine Neuheit ist es auch, das Wappen oder die ^lnsangsbuchstaben des Namens möglichst groß und in die Augen springend auf dem Tischtuche anzubringen. Servietten hat man nach amerikanischer Mode länglich schmal. Die Menukarte ist möglichst einfach. Neu ist, daß ftc den Namen des Gastes trägt, für den sie beftimmt ist. Tie Beleuchtung ist in erster Linie geeignet, den intimen Charakter eines Gast­mahls hcrvorzuheben. Taher versteht es sich, daß man dem weiclwn Lichte" den Vorzug gibt. Häufig sieht man die Kerzen aus der Väterzeit wieder auftauchen. Ein seltsamer Anblick in unserer moderner Zeit, in das das elektrische Licht alles über­strahlt! Wird aber elektrisches Licht verwandt, so dämpft man seine Wirkung, indem man die Birnen in Seidenmousselinc tun den verschiedensten Farbenschattierungen vornehmlich ist Ko­rallenrot Mode enthüllt. Für die Blumendekoration der Tafel gibt es keine bestimmte Regel. Gerade hierin soll sich der be- londere Gksctmiack der Sxrrrut des Hauses äußern.

Im allgemeinen soll diese Dekoration flock) sein: Blumen unb Girlanden sollen aufliegen, nicht hängen. Eine hübsche Idee einer Pariser Dame der Gesellschaft mar es, die Sitte einzuführen, für jede Dame einen Blumenstrauß nebst einer Vorstecknadel hinzuleaen. Sie hat viel .Anklang gefunden^ Von den Gläsern erfreut nck angenblickliä' dasschwer" geschlinene Glas besonderer Gunst: dem entgegen gesehen Geschmacke tragen sehr dünne Gläser Rechnung, die man besonders in Form von Blütenkelchen her­zustellen pflegt.

Die Frauenrechtlerin im Kampfe gegen die Modestlaverei".

Die Führerin der amerikanischen Suffragettes Frau Carrie Chapman Eatt hat der Mode nun den Krieg bis cnifs Messer ange­kündigt. Jeder Versuch einer Vermittlung ist ausgeschlossen, es gibt kein Zurück, mit flammender Rede hat Frau Chapman Eatt ihre Gefolgschaft ausgerufen, ihre Hüte zu verbrennen, ihre Korsetts zu zerreißen und statt der Röcke nun endlich Bein­kleider anzulegen. Denn es ist hohe Zeit, daß die Ameri­kanerinnen sich von der unwürdigen Sklaverei der Mode befreien

und sich lossagen von jenen bei jedem Schritt hin und her wallen- den Draperien, die einem die Hörigkeit der Frau so klar vor Augen führen. Ist doch ;n dieser Beziehung sogar das alte Chino dem modernen Amerika voraus. Denn .die Begeisterung des Frauenrechts für die Beinkleider stammt aus dem fernen Osten, dort sah sie die Töchter des Himmels statt der Röcke Beinkleider tragen und dabei kam ihr die Erleuchtung: der Weg zur Befreiung von Paris .führt über China. Tenn diese chinesische Frauen­kleidung, die für amerikanische und auch für europäische Zweckt im Schnitt etwas verändert werden könnte, Jet das gesündeste, hygienische, bequemfte und zugleich künstlerischste Gewand, das eine Frau anlegen könnte. Ja, wenn man Frau Chapmann Gatt und ihren temperamentvollen Freundinnen glaubt, ist für die Amerikanerin die Reform ihrer Kleidung beinahe schon zu spät, denn schonist die Amerikanerin mißgestaltet, ihr Rücken ge* früntmt, ihre Hüften entstellt von Korsetts und von Kleidern, die ihrer Gestalt nicht entsprechen. Wir glauben, wir seien schön, aber wird sind es nicht, wenn wir uns mit der natür­lichen Grazie unserer chinesischen Schwestern vergleichen. Ihnen gestattet ihre Kleidung leichte und anmutige Bewegungen. Sie können Treppen bequem hinaufgehen und wenn sie wollen, sogar Leitern erklimmen, sie sind schmiegsam und beweglich und können jede Muskel ihres Körpers spielen lassen, ohne eine Anstrengung zu verspüren. Tie Amerikanerin von heute aber ist ebenso wie ihre europäische Schwester nur noch ein Gestell, auf das die Schneider ihre Einfälle hängen. Nie würde sich eine Chinesin einer solchen Tyrannei unterwerfen. Zu lange schon sind die Amerikanerinnen Sklaven gewesen." Aber der Kreuzzug Tür die Beinkleider geht nicht mir gegen die Röcke: vor allem soll der Hut der Frau fallen. Keine Kompromisse! Keine Halbheit! Fort mit dem Plunder, die freie moderne Frau geht ohne Hut Hüte sind vollkommen zwecklos. Die Frauen ar-)erer Länder verbergen nicht ihre Haare unter unförmigen schweren und' oft grotesken Einfällen der Hutmacherinnen und sie fühlen sich wohler und glücklicher."Laßt uns unsere Unabhängigkeit von den Modeschöpfern beweisen. Tas Geld, das wir für Putz und Hüte ausgeben, können wir der Bewegung für Frauenstimmrecht zuwenden. Und der Welt würden wir damit unsagbar viel Gutes zufügen, besonders aber unserem Geschlecht." Und in der Theorie sind die Suffragettes Amerikas auch bereit, wenn auch bis zur Praxis immerhin iwch ein Schritt ist . . .

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vierter Blatt

162. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGieheuer Zawtllendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt f8r den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Samstag, tf. Dezember 19(2

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS Buch- und Sieindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: 12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

$d)ütrbpafcfia.

ist eiiner der ?llten," wie oft habe ich das Wort variieren hören von den Jungen, die damit sagen wollten, daß er gegen fie nicht aufkommen könne. Er blieb der Mte, unbekümmert, ob sie ihm Kosenamen gaben, er tat als Kommandant der Artillerie m Saloniki ferne Pflicht in des Wortes vollster Dedeuttmg. Trank er auf dem Heimwege fein Glas Bier in Olympos Palace, so geschah dies in der versteckten Ecke des Saales: denn er liebte nichts daß man den Alten, der sonst nur Wasser trank, beim Glase Bier überraschte.

Der Divisionsgeneral, früher Marschall Schükri-Pascha, ist heute zweifellos der populärste Manu in der Türkei. Wenn sein Land, das er so liebte, irgend jemand in den schweren Tagen vor dem Friedensscküusse zum Dank für alle Zeil verpflichtet ist, so ist es Schükri-Pascha. Adrianopel ist der jung- fräuütfre Platz geblieben, an dem alle Angriffe von Bulgaren und Serben gescheitert sind, der den Feilst» nötigte, auf Umwegen mühevoll Proviant unb Munition dem weit vorgeschobenen Heere nachzuführen. Schükri-Pascha wußte alle seine stürmischen An greifet mit blutigen Nasen heimzuschicken. Wenn freute die Türkei wohlfeilere Bedingungen zum Frieden crrcidjen wird, so kommt Schükri-Pascha allein das Verdienst zu. Der kühne unb geniale Mahmud Mukhtar-Pasdw, den der alte Schükn in erster Linie al3 beit Mann der Zukunft beneid?nctc, liegt sckpver verwundet im deutschen Hospital, und Ruhe ist seitdem die Losung vor der Haupt stellung der Türken geworden. Wäre Mahmud Mukhtar noch in der Front geblieben, so Hütte er wohl auch Mittel und Wege ge­funden, seinem getreuen Bewunderer die helfende Hand zu reichen.

Wenn der Friede geschlossen ist und Schükri-Pascha heimkelwt, roal)rfd)cm(id) geschmückt mit dem schönsten Ehrentitel Gl)azi (ber Siegreiche), wird er nicht begreifen, was mit ihm vorgeht. Er kannte Adrianopel so genau wie kein anderer, hat er doch eine lange Zeit seines Lebens hinter den Mauern dieser Stabt ver­bracht und eine große Zahl der Werke und Batterien danken ihre Entstehung seinem praktischen Blick. Er wird mittlerweile nidit müßig geblieben sein, nach seiner guten Gewohnheit fich weiter eingegraben haben, wie einst Osman-Pascha in Plewna. Von Natur die Güte selbst, oerftanb er keinen Spaß, wenn es sich um die Ausübung des Dienstes handelte Der Platz, der ihm un­vergänglichen Ruhm gebracht, war für ihn seinerzeit and) der Ort der schwersten Qualen gewesen. Seine offene, ehrliche Natur befragte dem Kommandierenden General des damaligen 2. Korps, Marschall Arif-Pascha wenig. Er fürchtete, in dem tüchtigen General einen Nachfolger zu finden und verfolgte ihn mit feinem Hasse.

Ein unmenschlicher Willkürakt Arif-Paschas veranlaßte, wie dem Berl. L.-A. ans Konstantinopel geschrieben wird, einen Gen­darm, ein Attentat auf den Marsd>all auszuüben, dem der ihn begleitende Mjutant zum Opfer fiel. Sofort war der Plan im Hirne Arifs fertig, der Gendarm mußte als Mörder von Schükn gedungen sein: ta der erstere leugnete und zu einem falschen Geständnis auch nicht zu bewegen war, so wurde er in einem eigens dazu frergeridrteten, mit Nägeln ausgeschlagenen Käfig, in dem er sich nicht setzen, nicht legen konnte, mit gefallenem Brot ein paar Tage gefüttert, ohne einen Trunk Wasser zu bekommen, und als er fast irrsinnig geworden und auck> jetzt noch der Wahrheit treu blieb, erschossen. Diese Tage Ivoran dem braven General die fdjroerften seines Lebens. Eine Untersuchung ergab schließlich Schükris Unschuld, unb Arif-Pascha kam auf dem Wege nach Mekka, irofrin ihn Abdul Hamid zur Buße schickte, plötzlich um.

Schükri-Pascha ist erst 57 Jahre alt, von kleiner Statur mit .Kavalleristenbeinen. Seine halbgeschlossenen Augen sprechen von Herzensgute. Der fast weiße Bart umrahmt ein breites Gesicht, dem eine Hakemiase einen energischen Ausdruck gibt. Er ist, irotibem ihn viele einen Kurden nennen, ein echter Türke aus Erzerum. Von Abdul Hamid, seinem früheren Herrn, hielt ec wenig, die Lotterwirtschaft verdammte er. Wenn wir mit anderen zur Dämmerstunde als Nachbarn unsere Wolyrung aufsuchten unb auf dem großen Felde vor der Kaserne in Salonifi das dreimalig' Hoch auf ben Sultan ausgebrackst wurde, blieb er jedesmal beim Rufe stehen und salutierte. Tie anderen zuckten die Achseln und gingen weiter. Ich blieb bei ihm stehen: denn das Gefühl der tiefen Untertänigkeit feinem Herrn gegenüber, unter Ausschluß aller perfönlicfren Empfindungen, mußte Achtung erwerben.

An Teutschland hängt Schükri Pascha mit der ganzen Wärme des Herzens: hatte er doch dort seine militärische Erziehung vervollkommnet. Zu unserem Feldmarschall v. d. Goltz-Pascha blickte er mit der größten Bewunderung und Verehrung auf, als dem Gründer einer neuen Zeit in der türkischen Armee. Kein beutfdjcr Artillerieoffizier studierte mit größerer Hingebung die Schriften und Tabellen des Artilleriegenerals Rohne. Aber and) kein packendes Wort von Lessing, Schiller oder Goethe ging an ihm spurlos vorüber: er musste es notieren und freute sich von Herzen, wenn er es verinnerlicht hatte.

Physika!. Instituts eingeladen. Es waren für die fchienenen einige interessante und genußreiche Stunden durch, daß sie mit Hilfe der modernen Lichtbilderkunst Geiste herrliche Ueberlandflüge auf dem Flugzeug und Zeppelinluftkreuzer unternehmen konnten und daß da8

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botene in fast allen Teilen als hervorragend gelungen zu be­zeichnen war. So konnten die Vereinsmitglieder teils auf dem Doppeldecker das herrliche Gestade von Monte Earlo unter sich vorbei fliegen sehen und einen Wettflug zwischen dem Aeroplan und Motorbooten mitmachen, oder vom Ufer aus die Flüge einer Anzahl Wasierflugzeuge bewundern. Ferner fuhren sie in der Kabine des LuftkreuzersSchwaben" von Gotha nach Düsseldorf über den herrlichen Thüringer Wald und das industriereiche Ruhrgebiet. Interessante Flüge der Lustschiffer-Abteilung Straßburg auf Eindeckern, das Marine- Luftschiff Z I, das französische Luftschiff Clement Bayard mit 28 Passagieren, der Aufstieg zu einer Zielfahrt des Ber­liner Vereins für Luftschiffahrt, kriegsmäßiger Flugzeug- schuvpenbau usw. wurden vorgeführt, und viel Freude rief die wohlgelungene Aufnahme des FlugfesteS des hiesigen Vereins vom 27. Oktober hervor, wobei mancher der An­wesenden sich selber auf dem Trieb herumwandern sah.

"Die Gießener freiro. Feuerwehr veranstaltet heute abend im Saale deS Eafo Leib nach langer Pause wieder eine Festlichkeit, eine Weihnachtsfeier. Zu dieser Ver--

in die Gesellsckxift cintrctat. Tie außerordentlichen Mitglieder bn Abteilung bezalsten nur 2 Mk. Beitrag, der sie perföwich zum freien Besuch der Vorträge berechtigt. In nädiftcr Zeit werden Listen zur Anmeldung herumgefren. Audi hat sich Rechtsanwalt Eugisck, Bahiihvfftraße 67, bereit erklärt, Anmeldungen entgegen* zuuelmien. Wer der Kolvnialgescllschaft bei tritt, dient einer gut nationalen Sache. Dem hiesigen Kolonialfrauenverein gebührt besondere Slnerfcnnung, daß er diese Gründung veranlaßt bot.

Aus Stadt und CanX

Gießen, 14 Dezember 1912.

** Auszahlung der 23 c t er a n c n b e ifr i l f c. Bei dem Ueberzug eines Beihilfenempfängers in einen aiibcren Bundesstaat hatte seither die Fortzahlung der Beihilfe für Rechnung des Bundesstaates stattzufinden, von dem die e r st m a 1 i g e BcN> i l l i g u ng ausgesprochen worden war Tie Auszahlung der Beihilfe erfolgte durch eine Kasse des Bundesstaates, in welchem der Empfangsberechtigte seinen Wohnsitz genommen hatte. Da sich aus dieser Zah­lungsweise tlnzuträglichkeiten ergeben haben, frat das Reichsschatzamt angeordnet, daß die Zahlung der Beihilfen für die aus anderen Bundesstaaten zuziehenden FeldzuaS- teilnehmer auf den Etat desjenigen Bundesstaates für die Folge zu übernehmen sind, welchem sie zuziehen. Dabei sind die nachstehenden Grundsätze zu beobachten: Eine Ueberweisung findet nur bann statt, wenn der Wohnsitz dauernd unb endgültig in einen anderen Bundesstaat ver­legt roorben ist. Die Uebernahme der Veteranenbeihilse für neuhinzuziehende Kriegsteilnehmer findet mit dem 1. des auf den Umzug folgenden Monats statt. Die Umzüge sind von den Bürgermeistereien durch Vermittlung der Großh ..ivreisämter auf einem vorgeschriebenen Formular an das hessische Ministerium des Innern mitzuteilen. Die neue Zahlungsweise tritt mit dem 1. April in Wirksamkeit.

Kunst verein. Die Sammlungen von I. Lipp- mann, E. Biedermann,Die Werdenden" und die Bildhauer- arbeiten von I. Ködding bleiben nur noch kurze Zeit aus­gestellt. Reu zur Ausstellung gelangten drei Qelgemälde (Landschaften) von Emmy Dingel dein und vier Aquarelle von Ottilie Kowarzik. Verkauft wurden ein Pastell­gemälde von I. Lippmann, ein Aquarell von K. Keßler und vier Plastiken von I. Ködding.

" Die Anlagenmusik fällt am Sonntag auS, da die Negimentsmusik des Kaiser Wilhelm-Regiments be­urlaubt ist.

"Der Verein für Luftfahrt hatte seine Mit­glieder und die deS Luftflottenvereins am Mittwoch zu einem kine matographischen Abend in den Lehrsaal des

KoIonialDortrag.

Gießen, 13. Tezembcr.

In einer stark besuchten Versammlung sprach gestern abend in der neuen Aula der Universität Haupttnann L ebner vom Jns.-Regt. Nr. 168 überKoloniale Grund- und Tagesfragen". Die Versammlung war vom Frauenbund der Teutschen .Kolonial Gesellschaft, Abteilung Gießen, einberuien. 2koor Hauptmann Leßner sein eigentlid)c-5 Thema behandelte, besprach er die Tat­sache, daß wir Teutsche und nicht zuletzt die Gebildeten im Gegensatz zu den anderen Kulturvölkern, fick) viel zu wenig um unsere Kolonien kümmerten, und daß wir die Verhältnisse in unseren Kolonien nidit oder nur ungenau kennten An alle An­wesenden richtete er die Bitte, sich möglichst genau über unsere Kolonien zu mitcrridjtcn unb die Bevölkerung über den Nutzen und Zweck unserer Kolonien aufzuklären Damit iror Herr Seiner bei seinem Thema angelangt, das er noch einmal, besonders in die Frage einkleidete: Welchen Zweck fraben Kolonien für eine Großmacht und wie weit erfüllen unsere Kolonien diesen Zweck? Ten Hauptzweck, den eine Kolonie zu erfüllen frat, so führte der Redner aus, ist die Aufnahme von Auswanderern. Tiefe Frage ist für Deutsdland mit seiner ständig wachsenden Bevölkening wichtiger als für jede andere Großmacht. Wie die Verhältnisse jetzt liegen, können unsere Kolonien schon einen recht erheblid»en Teil von 9luswanderern in sich aufnehmen, hauptsächlick) komme Südwest-Asrika in dieser Beziehung in Betracht. Freilid) müsse das Mutterland seine Kolonien nid mehr als bisher unterstützen, durch Anlegen von Wegen und Eisenbahnen, und durch Erschließung von Wasser wirtschaftlick) kräftigen. Ein weiterer Zweck, den eine Kolonie zu erfüllen frat, ist die Wnähme der vom Mutterland gelieferten Waren. Teshalb ging im verflossenen Jahrhundert, das ein Zeitalter wirlscltastlicben Aufschwungs war, das Streben aller Volker dahin, Absatzgebiete zu erschließen. Man gründete oft mit den größten finanziellen Cpfern Kolonien. Wir Deutsche fafren erst spät ben Nutzen bet Kolonien ein. Um demnach eine statt­liche Zahl von AbnelMern in den Kolonien für unsere Waren zu erhalten, müssen wir mit allen Mitteln darnach streben, die Bevölkernngszisfer in den Kolonien zu heben. Das ist aber nur möglich, wenn wir die hygienisd)en Verhältnisse, wie wir sie in Deutsd)land fraben, auf unsere Kolonien übertragen können. Auch aus diesem Gesichtspunkte heraus ist der Bau von Eisen­bahnen bringenb erwünscht. Dann muß es uns aber vor allem daraus ankommen, die Bevölkerung kaufkräftig zu madxn. Dazu ist nötig, daß wir den Neger an die Arbeit gewöhnen, daß wir ifrnt ben Segen ber Arbeit bringen. Einen weiteren Zweck, ben bie Kolonien zu erfüllen fraben, ist der, möglichst billiges Rofr- material für das Mutterlaub zu liefern. Auch in dieser Beziehung sind unsere Kolonien für uns von großem Wert. Sie sind in der Lage, Rohmaterialien wie Hans, Mais, Gummi usw. besser und billiger zu liefern als unsere Nachbarstaaten. Auch Kupfer unb Straußenfedern werden jetzt schon in großer Zahl ausgeführt. Was speziell Baumwolle betrifft, so ist in cinwandfteier Weise feftgeftcllt, oaß im Laufe ber Jahre unsere Kolonien den ganzen Baumwvllenbedarf decken können, und wir bann von ben ameri­kanischen unb englischen Großkaufleuden unabhängig werben. Daß bie Kolonien biese Rohstoffe alle hervorbringen können, ist ein Benwis für ihre Güte und ein Ansporn für uns, sie in jeder Beziehung auszubauen. Daß in unseren Kolonien größere schiff­bare Flüsse fehlen, was von gewisser Seite für ihre Wertlosigkeit als Beweis angeführt werde, hält der Redner für einen Vorteil unb fernen Nachteil. Mit schiffbaren Flüssen wären sie längst, bevor wir an Kolonien dachten, englisch ober ftanzösisch gewesen. Die Ausführungen des Redners, die als Ergebnis eifriger Studien und eigener Anschauungen einen starken Eindruck auf die Zu­hörer machten, wurden mit großem Beifall aufgenommen.

Ter inhaltlich wie sprachlich vollendete, von innerster Begeiste­rung belebte Vortrag, dem nad) einer Pause eine Reihe wohl- gelungener Lichtbilder ans den Kolonien folgte, fesselte die Zuhörer bis zum letzten Worte und brachte dem Redner außer einem lebfraften Beifall den besonderen Lohn, daß sofort über 50 Anwesende zu einer Abteilung der deutsd>en Kolonialgesellschaft für Gießen zusammen- traten. Die deutsche Kollonialgesellfchaft frat am 6. Dezember 1912 ifrr 30jcihriges Bestehen gefeiert unb es erscheint hiernach für eine Stabt von so lebhaftem geistigen Interesse, wie Gießen, verwunderlich, daß es erst jetzt zur Gründung einer Abteilung der Kolonialgesellsck^aft kommt, während schon seit einigen Jahren eine Ortsgruppe des Frauen bundes derselben Gesellschaft be­steht. Die Kolonialgesellschift, au bereit Spitze Herzog Johann Albrecht zu Mecklettburg steht, zaW jetzt nicht weniger als 43 000 ordentliche Mitglieder. Ihr Organ ist die deutfche Kolonial­zeitung, die jedem ordentlichen Mitglied allwöck-entlich frei zugeht. Der Jahresbeitrag für ordentlick-e Mitglieder der Abteilung beträgt 8 Mk. Er berechtigt die Mitglieder und ihre Familien besonders aud) zum freien Besuch der von der Abteilung veranstalteten Vorträge (4 bis 5 in jedem Winter). Korporationen und Vereine können unter besonderen Bedingungen als ordentliche Mttglieder

^rnuen-^enilleton.

Vom gedeckten Tisch.

Die Winterszeit ist die Zeit der Diners und Gesellschaften. Neben der eigentlichen Frage:Was wird gegessen?" hat die Herrin des Hauses noch eine große Zahl nicht minder rtndrtigcr zu losen, unter denen die der Tafelbekoration an erster Stelle steht. Bei der großen Konkurrenz hält es schwer, ihr einen per­sönlichen Zug zu geben. GroßeAbfütterungen" kommen gluck licherweise mehr und mehr aus der Mode; man zieht ihnen das Diner im intimen Kreise vor. So ist für die DLrne des Hames die erste Aufgabe, dem kleinen Kreise durch die Tafeldekoratwu bie intime Note zu geben.

Hamwuie ist das oberste Prinzip des gedeckten^Li,che^. v?r ntonie sowohl bei ben einzelnen Gegenständen der -Laielbcforahon untereinander, als aber auch Anpassung an bas getarnte '..luicu, an ben Ton des Raumes allgemein. Aber auch Einklang zwischen der Tafeldekoration unb den gebotenen leiblichen Gemmen, ^er moderne Stil ber Tafelbekoration, bem man in ben letzten Jahren so sehr huldigte, geht allmählich langsam aber sicher zumalten Eisen" Reumütig ist man in diesem Winter zum Ltile Lud­wigs XVI. unb auch in gewissem Grade zu dem des <oonnen- königs yuriirfgetebrt. Die alten getriebenen Silberstücke aus jener Zeit sind äußerst begehrt, und hoch im Preise stehen jene ent­zückenden großen Supventerrineii aus getriebenem Silber, die in einem angepaßten Milieu als Tafelauftatz iokb bestechende Wirkung haben. Zn ifrncn gesellen sich bie Leuchter aus jener Zett, unb cm besonderer- Luxus narb in ben Schirmen biejcr Leuchter ge­trieben. Vornehm wirken jene aus Spitzen. Bluniengirlanden stellen bie Verbindung zwischen ben einzelnen, gejchickt über die Tafel verteilten Leuchter- bar. Als Unterlage sur dcwPrunk stück" der Tafel dient noch immer Spiegelglas. 211» Ann atz ver­wendet man außer ben oben erwähntenSuppenterrinen auch solche Prunkstücke, die dem bs'ssrderen Charakter be» Einers an« ^^Bei^iem kürzlich in Paris stattgefundenen Hochzeitsmahle erregte beispielsweise eine Tafelbekoration bie ben tiehestem oel darstellte, allseitige Bewunderung. Wie rn der berzettigen inobe das Prinzcip herrscht, nur em Prunkstuck zu haben jo tragt auch bie Tafelmvde diesem Geschmacke Rechmmg unb duldet Schlechterdings nur em einziges Prunkstück, denen Glanz alle anderen so überstrahlt, daß sie gleichsam nur als Rahmen zur