Grsüsamleiten bei der Gummigewinnung in Peru.
Ein Blaubuch, das von unsäglichen Scheußlichkeiten berichtet, die von den Beamten der „Peruvian Amazon Companys an der indianischen Bevöl- k e r u n g des Putumayogebiets in Peru begangen worden sind, ist von der englischen Regierung veröffentlicht worden. Die Greuel des Leopoldschen Regimes im Kongostaate, die Torturen des Mittelalters verblassen gegenüber diesen wahnsinnigen Greuel- taten, Morden und Folterqualen, von denen der Kommissar der englischen Regierung, der Generalkonsul Sir Roger Case - ment, der vor zwei Jahren von seiner Regierung nach dem Putumayo geschickt wurde, in langen Seiten zu berichten weiß. Man wird sich erinnern, wie vor zwei Jahren der Amerikaner Hardenburger, der die Gegend bereist hatte, in der englischen Zeitschrift „Truth" furchtbare Anklagen gegen die Agenten der „Peruvian Amazon Company", eine Gesellschaft, die ihren Sitz in London hat, erhob. Die Verbrechen, deren .Herr Hardenburger die Agenten dieser Gesellschaft anklagte, waren so gräßlicher Natur, daß manche geneigt waren, die Schilderungen als übertrieben zu betrachten. Aber _ Herr .Hardenburger kam ausgerüstet mit beeideten und notorisch beglaubigten Zeugenaussagen, und an den Charakter und die Wahrhaftigkeit des Mannes ließ sich nicht rütteln. Der Sturm der Entrüstung, der sich im Publikum erhob, veranlaßte die „Peruvian Amazon Company", eine Untersuchungskommission nach dem Putumavo zu schicken und dieser Kommission schloß sich der Generalkonsul an, der von der Regierung beauftragt wurde, zu untersuchen, ob die Berichte über die Verbrechen, die von den Agenten der Gesellschaft auch an englischen Untertanen, Neger von der englischen Kolonie Barbados, verübt worden sind, auf Wahrheit beruhten.
Schon bei seinem ersten Besuch der Gegend sand der englische Generalkonsul, daß die Angaben .Herrn .Hardenburgers keineswegs übertrieben waren. Er schickte einen vorläufigen Bericht an seine Regierung, der Sir Edward Grey im Januar 1911 ver anlaßte, dem britischen Vertreter in Lima «'Peru) folgendes Telegramm zu schicken: „Viele der obersten Beamten der „Peruvian Amazon Company" haben sich zweifelsohne der empörendsten Grausamkeiten gegen die Indianer schuldig gemacht, worüber reichliche und unwiderlegliche Beweise gesammelt wurden, die von Senor Tizon, dem Vertreter der Gesellschaft in La Chorrera, ohne Widerspruch als unwiderleglich anerkannt worden sind. Unter den Verbrechen, deren diese Leute beschuldigt werden, sind Mord, Tortur, Schändung, beständiges Auspeitschen in einer barbarischen Art und andere Handlungen von unsäglick>cr Grausamkeit. Ties sind nicht isolierte Fälle, sondern der Teil eines Systems."
Diese Angaben sind durch den Inhalt des Blaubuches leider vollinhaltlich bestätigt worden. Ms Urheber der Grausamkeiten kommen durchweg Peruaner in Betracht.
Gerichtssaal.
Toulon, 19. Juli. Das Zuchtpolizeigericht verur- teitte den in der Artilleriedirektion besänftigten Arbeiter Z i m m e r l e, der in M c n t v n e verhaftet wurde, als er für die nationale Verteidigung wichtige Schriftstücke aus* liefern .tvvllte, zu zwei Jahren Gefängnis und 100 Frank Geldbuße. Seine Geliebte, die Italienerin Jcardi, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Juli 1912.
** Ta geskalender Kin ein ato grap h: Täglich Vorstellung.
Biograpb-Lichtspiele: Täglich Vorstellung.
Museum des oberhessischcn Geschick) tsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich.
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11—1 Uhr.
G e m ä l d e a u s ste l l u n gdesKunstvereinsim Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag), doii 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr.
Ausland.
Paris, 19. Juli. Der Bericht des Senators Reymond, dc§ Obmanns des Ausschusses für die nationale Flng- spcnde, hebt hervor, daß die Sammlung für das Militärflugwesen in Wirklichkeit nur 2 660 000 Frs. ergeben l»abe, während die von einigen Blättern veröffentlichten Zeichnungslisten 3 669 000 Franks ausgewiesen hätten. Dies sei damit zu erklären, daß diese Blätter, um den patriotischen Eifer anzu stacheln, auch die lediglich versprochenen Summen in das Sanrmlungsergebnis ausgenommen hätten.
. , ~ Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- klassischer Malerei FrankreiM im 19. Jahrhundert in »z-rankfurl a. M. Kunstverein, Junghof- neflcrn eröffnet. Ar Ausstellung umfaßt aeqen Scrfc' der führenden französischen Meister ist mit
kf. ^ie Rck la m c - E n t e. Diese Ente ist keine Sommcr- und «aure^Gurken-Ente, sondern eine richtige, mit zwei Beinen
&DCl . 'Vhiflcln versehene Schnatterente. Ein Juwelier in -os Angeles hatte für seinen Sohn eine Ente gekauft, die sich al.' sehr gelehrig erwies. Sie lernte rasch unangcbunden hinter m£L5,CinCn. ?rUrnrClt Erlaufen und macht jetzt auch im dichtesten Menschengewühls keine Fluchtver)uck>e, sondern bleibt ganz ruhig Nun hat der Juwelier für die Ente eine Art Rock Herstellen k-T11 'yu‘ma in Stickerei zu lesen ist. Der Junge mit dieser Ncklameentc durch die belebtesten Straßen bt-r Stobt, natürlich starrt alles das Wunder an, und die Folge ist daß das Gcsckfast großen Zuspruch bekommt.
erfahren. „Wenn Sie vom menschlichen Verkehr abgeschnitten wären, — welche fünf Bücher wären Ihnen da unentbehrlich?" Im ganzen haben 3273 Leute geantwortet, und zwar fowohl einfache Arbeiter wie Gelehrte. Die höchste Zahl von Stimmen l>at — das Konversationslexikon erreicht: 2902. Nicht viel weniger, nämlich 2886, entfielen auf die Bibel, die damit in die zweite Stelle rückt. Dann müßte, so sollte man glauben, das Werk eines der großen rnssisckfen Dichter kommen, aber gefehlt: an dritter und vierter Stelle stehen Homers Ilias mit 2416 und Dantes Göttliche Komödie mit 2325 Stimmen. Brehms Tier- lebcn wurde als „fünftes unentbehrliches Buch" 1314 mal genannt. Mcht mehr zu den fünf unentbehrlichsten Büchern werden von den, Durchschnittsleser offenbar Puschkins Werke gehalten — 1027 Stimmen trafen auf sie, — dann folgen Tolstois Anthologie „Der Lesekreis" (1690). Goethe wurde 147 mal genannt, Shakespeare 158 mal: einer der Abstiurmenden erklärte allerdings, er brauche keine fünf Bücher: drei Bände Shakespeares genügten ihnr vollständig.
kf. Eine Witwe mit 1500 Bewerbern. Jüngst ging durch die Zeitungen der östlichen Staaten Nordamerikas ein Niescninserat, in den eine junge, lustige und sehr reiche Witwe mit dem Namen Clara Brown aus KKnsas City in Missouri einen Begleiter für den Rest ihres Lebens suchte, der aber weder westamerikanischer Erde entstammen noch Bauer sein dürfte. Tie männliche Jugend in Ostamerika schwelgte in den schönsten Hoff nungen, und feder sah sich schon an der Seite der sckiönen Witwe zmn Mtare treten. Da aber kam plötzlich ein furchtbarer Schlag! In einer Unterredung äußerte die Witwe, daß sie keinem der 1500, die inn sie angehalten, ihre Hand znm Lebensbnnde reichen würde, weil „sie alle nichts taugten". Auch war sie so freundlich, dem Zeitungsmanne eine Statistik ihrer Bewerber zu übermitteln 150 waren Adlige, deren „Zunge, wie die schöne Witwe sagte, vor lanter Gelddurst sckwn weil zmn Halse heraushing!" Vielleicht war das aus den Photographien ersichtlich.) 6«! waren Akademiker der Harvard-Universität, 30 hatten in Pale studiert, und 13 hallen ehemals in Oxford die Bänke gedrückt. 200 der Bewerber per
Deutsches Reich.
B a l e st r a n d , 19. Juli. Tie zunehmende warme Witterung erlaubt dem Kaiser, Spaziergänge zu machen. Znr Frühstückstafel waren heute außer dem Staatssekretär des Reichsschatzamts Kühn die Familien der Professoren Dahl und Unger geladen. An Bord ist alles wohl. Der Kaiser besuchte heute nachmittag die englische Jacht „Rasvenska".
Kiel, 19. Juli. Das Torpedoboot „G 110" kam gestern abend beim Nachtangriff vor den Bug S. M. Schiff „H esse n" und wurde in der Höhe des hinteren Turmes g e rammt. Leider sind bei diesem Unglücksfall drei Mann der Bootsbesatzung ums Leben gekommen. Das Torpedoboot „G 110" ist heute abend 6V2 Uhr, von drei Torpedobooten geschleppt, hier eingetroffen. Voraus fuhr das Torpedoboot „G 112" mit den drei Opfern des Unglücks. Die Flaggen der Boote wehten auf Halbstock.
Karlsruhe, 19. Juli. Die „Karlsruher Zeitung" bezeichnet das aus einem Berliner Blatte in badische Zeitungen übergegangene Gerücht von einer M i n i st e r k r i s i s als jeder tatsächlichen Begründung entbehrend. Die Mitglieder des Staatsministeriums erfreuen sich ohne Ausnahme des vollen Vertrauens des Landesherrn. Weder jetzt noch zur Zeit des Landtagsschlusses ist das Ausscheiden einzelner Minister zu er- warken.
R u d o l st a d t, 19. Juli. Die fürstliche Staatsregierung verfügte die Ueberweisung einer Teuerungszulage in Höhe von 8Prozent des Gehaltes an sämtliche Staatsbeamte und Volksschullehrer des Landes für das lausende Jahr. Dies erfordert eine Ausgabe von rund 130 000 Mark, wofür die nachträgliche Genehmigung des Landtags erforderlich ist.
* Die landw. Winter schulen beginnen ihren Unterricht im kommenden Winterhalbjahr am Montag, 4. November.
** Ausstellung von Bildern aus Gießens Umgebung. Im Kollegiengebäude der Universität ist wieder wie im vorigen Jahre eine Sammlung von Bildern und Photographien ausgestellt, die von Studierenden und anderen Angehörigen der Hochschule au ein Preisausschreiben des akademischen Ausschusses für Leibesübungen eingesandt wurden. Es sind hübsche Sachen aus der Umgebung Gießens, die den Freund unserer Heimat wohl befriedigen können, und die manche Anregung bieten. Ein Besuch erscheint daher wohl der Mühe wert. Tie Sammlung ist vormittags von 10—1 Uhr, Sonntags von V2I2—i/2l Uhr bis Anfang August jedermann zugänglich.
” Der Sängerkranz veranstaltet morgen nachmittag einen Ausflug in das Biebertal, der sehr schön zu werden verspricht. Falls das Wetter den Ausflug unmöglich machen sollte, treffen sich die Mitglieder mit ihren Familien nachmittags auf der Liebigshöhe. (S. Inserat).
** An dem diesjährigen Jugendfefte werden sich etwa 4300 Kinder aus allen Schulen der Stadt beteiligen. Der Festzug stellt sich gegen 2 Uhr nachmittags in der Ost- und Süd-Anlage auf, und der Abmarsch erfolgt pünktlich 2y4 Uhr. Bei Ankunft auf dem Festplatz marschieren die zwei unteren Jahrgänge der Mädchen und der unterste der Knaben auf den Bretzelptatz, erhalten hier Geschenke und werden dann an ihre Angehörigen entlassen Die Kiiaben des 2., 3., 4. und 5. Jahrganges und die Mädchen des 3., 4. und 5. Jahrganges begeben sich im Walde sofort auf ihre Spielplätze. Die übrigen Züge nehmen Aufstellung vor der Rednerbühne. Für die Eltern der Kleinen und namentlich für hie E l t e r n v 0 n s ch w ä ch - lichen Kindern empfiehlt es sich, stets in der Nähe des Zuges und der Spielplätze zu bleiben, um sich nötigen-
fügten über Einkommen zwischen 40 000 und 200 000 Mk.; Geist . liche gab es 18. 29 der Bewerber waren von ihren Frauen ge
trennt und hofften, daß die Witwe ihnen das Geld vorschießen würde, die Scheidung zu erlangen Und zuletzt kamen 208 Witwer in allen Lebensaltern. Wer nicht alle Briefe, die die schöne Witwe auf ihr Inserat hin erhielt, enthielten Anträge, und man vermutet, dal; gerade diese den größten Eindruck auf sie gemacht hal»en. Der Bürgermeister von New Bork, W. I Gavnor, erlaubt, fi* ÜK den Rat zu erteilen, daß sie auf der Glückssuche den falschen Weg eingeschlagen habe. „Wenn Sie wirklich glücklich sein wollen." so schreibt er, „dann utachen Sie andere glücklich, und vergessen sie sich selbst!" Ein anderer Bürgermeister cs war der von Boston (Massachusetts) - sandte eine vollständige l ausnlcsenen Schöpfungen" vcüreten.'
Liste aller Junggesellen seiner Gemeinde ein, und hinter jedem Namen standen die Eigenschaften, deren sich der mehr oder weniger vlr91^1 ann -er^reu.tc c^rau Clara Brown ist leider auch so in-
HM en, einige der Bewerbungsschreiben zu veröfsent.- licheu. Wahrend natürlich die meisten von Eigenlob und Sclbfh "Arhebung strotzen, schreibt ein New Yorker Chauffeur, wie folgt- „Gehrte Fran! ^ch bin gewillt, jede Frau — mag sie schwarz^ weiß, roh grün, blau oder gelb sein — zu heiraten: denn ich arbeitslos. Aber wem: ich Arbeit hätte, dann würde ich selbst die beste #rau auf Erden nicht nehmen."
. . k,!- Küssen verboten! Bei uns ist sehr viel „ver- boten . Neuerdings scheint es aber, als wollten uns die Pariser .2ic’cm Punkte Konkurrenz machen, wie folgender Vorfall be- weist, der sich lungst auf einer Pariser Untergrundbahn abgespielt hat. Ein lunger Mann und eine junge Dame bestiegen zusammen einen Untergrundbahnwagen, der von Paris nach Pantiu fährt, und da sie die ernzigen Fahrgäste dieses Wagens waren, benutzten sie die günwge Gelegenheit, „ch nach Herzenslust zu küssen. Plötzlich ertönen jeood) cm Kontrolleur, der ihnen mit sauertöpfischer Miene und in nicht allzu höflichen Worten diesen harmlosen Zeitvertreib verbieten wollte, indem er dem jungen Manne sagte, „er solle doch Verpichen, nch anständig zu betragen". Ter junge Mann ließ sich . natürlich nicht ohne weiteres gefallen, sondern verteidigte sich indem er sagte: „Ich küsse meine Braut! Das inacht mir Ver- ^L?,,,und ist nicht nur mein Vorrecht, sondern auch meine Pflicht! Der Kowrolleur war jedoch anderer Ansicht, besonders, als er das Wort Pflicht horte. Die jungen Leute mußten ihm in Pantin zum L a hu Hofsvorsteher folgen, und als hier da^ lunge Mädchen sagte, sie hätten sich doch nur geküßt, was kein Gesetz verböte, meinte der harte Mann, es sei gegen die Dienst betnmmungen der Untergrundbahn, und dabei blieb es'
falls der Kinder sofort annehmen zu können. Es wird beten, verirrte Kinder zur Musiktribüne neben devr Festausschußzelt zu bringen, bomit sie dort von den Eltern i!i Empfang genommen werden können. In einem Zrmin.r 'er Harnickelschen Wirtschaft wird eine Sanitätswache eingerichtet, damit nötigenfalls sofort Hilfe zur Hand ist Ter Rückmarsch wird um 7'.. Uhr angetreten; er wird 'urci) ein um 7i 4 Uhr an verschiedenen Stellen des Fest. Platzes abgegebenes Trompetensignal angezeigt und erfolg: :it derselben Reihenfolge wie der Ausmaiffcki. Im Interests der Jugend ist es sehr erwünscht, wenn die Eltern dafür sorgen, daß die Kinder auch beim Rückmärsche am Zuge teilnehmen und nicht noch länger im Walde zurückbieibe^ Tenn ein Fest, das der Jugend gewidmet ist, muß mu Anbruch der Nacht beendet sein. Im Interesse eines ord. nungsmäßigen Verlaufs des Festes wird das Publikum ctffucht, den Weisungen der Festordner zu folgen und sich nicht in den Zug zu drängen, nicht die Spielplätze zu falteten oder sich gar in die Spiele einzumischen.
** I n den G e s e l l e n au s s chu ß der Handwerkskammer wurde als Mitglied gewählt Schneifax Wilh. Huthmann, besck)äftiat bei Schneidermeister h. ^eib in Gießen; Ersatzmann ist Schneider Alfred Krischer, der bei Schneidermeister Leib u. Sohn in Gießen befdiä^ ngt ist.
* * Das Krusesche Musikinstitut veranstalte; am Sonntag, 28. Juli, ein Schülerkonzert im Konzert. Haus des katholischen Bereinshauses.
* * Silberne Hochzeit feiern am Montag Schnei- bermeifter Heinrich Loos und dessen Ehefrau.
* * Ter Bier verbrauch betrug in Gießen 1911 nach dem dafür eingenommenen Oktroi 48 753 Hektoliter gegen 46 667 Hektoliter im Vorjahr. An obergärigem Wer (Weißbier, Lichtenheiner usw.) wurden 406 Hektoliter gegen 207 Hektoliter im Vorjahr getrunken. Der Bierkonsum fai sich, wenn man das obcrgarige Bier außer Betracht läßt, im abgelaufenen Jahr um rund 2100 Hektoliter erhöht, stellt sich der Verbrauck) bei 32000 Einwohnern für das Jahr und den Kopf der Bevölkerung auf 152> 3 Liter, gegen 1453/i Liter im Jahre zuvor, eine immerhin sehr mäßig» Zunahme, wenn man die lang anhalteirden Glutwellen des abgelaufenen Jahres berücksichtigt, die großen Durs: verursacht haben.
"Gelegenheit nr a ch t Diebe. Durch ein offen- stehendes Fenster einer Wirtschaft in der Mar bürget Strafe stiegen in verflossener Nacht Diebe ein und et- brachen Sammelbüchsen und sonstige Behältmffe, wobei ihnen etwa 20 Mk. Bargeld in die Hände fielen. Außerdem toten sic sich an Speisen und Getränken gütlich und ließen aucb :.och Zigarren und Zigaretten für den späteren Gebraut mitgehen.
Landkreis Gießen.
= Klein-Linden, 19. Juli. Die Leiche, die aus der Lahn geländet wurde, wurde von einem fischenden Bahnbeamten entdeckt, als sie an dem Ufer antrieb, und alsbM mit Hilfe einiger Knaben geborgen.
Kreis Friedberg.
L. F r i e d b e r g, 19. Juli. Seit N/z Jahpen wurde hstk kein Viehmarkt abgehalten, da die Maul- und Klauen- seuck)e im hiesigen Krerse herrschte. Jetzt scheint sie am Erlöschen zu sein; aber vor einigen Tagen ist im Stabt teil Fauerbach die Seuche wieder ausgebrochen. Damit ist die Abhaltung der Märkte für die nächste Zeit wieder nnmöflfci geworden.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Erbach i. O., 19. Juli. Eine hier abgehaltcnt Versammlung betr. den Bahnbau Würzburg- Heppenheim—Worms beschloß nach lebhafter Ansprache folgende Entschließung: „Das über 50 Jahre bo tehende Bestreben der Erbauung einer Eisenbahn ÜBürv )urg—Mildenberg (Erbach—Michelstadt) — Fürth—Heppen- )eim-Worms—Kaiserslautern zur Verbiitdung mit den Reichslanden soll in der Folge mit größter Energie geordert werden. Die Notwendigkeit der Herstellung der gedachten Bahn wurde allseitig als eine unbedingte anerkannt, dieselbe bedeutet für die beteiligten Gebirgstecke, Städte, Orte und deren Bewohner eine Lebensfrage." Tic Entschließung soll mit entsprechenden Erläuterungen bev mit einer Denkschrift den beteiligten Regierungen, Abgeordneten und sonstigen maßgebenden Organen vorgelegt werden.
(!) Mainz, 19. Juli. Schwere Gewitter, von wolkenbruchartigem Regen begleitet, tobten gestern abend über unserer Stadt und Umgegend. Der Regen staute fick in vielen Teilen der Stadt und hielt die ganze Nackst über an. — lieber 300 Kinder aus den Volksschulen reiften heute in Begleitung ihrer Lehrer bezw. Lehrerinnen in die im Odenwald und Taunus gelegenen Ferien- Kolonien ab, wo sie drei Wochen verbleiben.
Hessen-Nassau.
= Fronhausen a. d. Lahn, 19. Juli. Am Sonntag >em 28 und Montag, dem 29. Juli begeht unser Turnverein das Fest der Einweihung seines von der Gemeinde zu- gewiesenen Turn-, Spiel- und Fe st Platzes auf dem wegen seiner schönen Aussicht ins Lahntal und den Ebsdorjer Grund bekannten Stollberg. Bei einigermaßen gutem Wetter duck' ten sich wohl viele junge Leute aus den nahegelegenen Dörsenr hier einfinden: und der seit 6 Jahren bestehende Turnoenin wird die Wohnungen seiner Mitglieder mit Fahnen kennzeichnen und den Festplatz schmücken.
London, 19. Juli. Die Luftschifferliga von Großbritannien erließ einen Aufruf für die Sammlung von einer Million Schilling, die dazu beitragen foll, das Flugwesen Großbritanniens mit dem Auslande auf gleiche Höhe zu bringen.
London, 19. Juli. Tie K a b in e 11 s m i t g l i e d e r, die sich und ihre Angehörigen ständig von den Suffragette^ bedroht sehen, haben ihre Kaltblütigkeit verloren. Meb rere stehen vor dem nervösen Zusammenbruch, besonders Premierminister Afguith, dessen Befinden seit einiger Zeit nicht befriedigend ist und bei dem sich die Aufregungen unangenehm füh - bar machen. Ein Heer von Polizisten begleiten die Minister jetzt auf ihren Ausgängen Die Presse fordert energische Maßregeln gegen diesen unhaltbaren Zustand.
Tublin, 19. Juli. Während der Premierminister, der gestern abend hier eintraf, von der Menge freudig begrüßt, durch die Straßen fuhr, warf eine Frau ein Beil gegen den Wagen. Nach einem Bericht verfehlte das Beil den Weg, nad) einem anderen wurde Mr Redmond über dem Auge verletzt. Am Schlüsse einer Vorstellung im Variet e'! caler, indem Premierminister Asguith heute sprechen will, warf eine Frau aus einer Loge einen brennenden, mit Oel getränkten Stuhl ins Orchester, der den Vorhang der Loge in Brand setzte. Tie Frau entkam aber. Das Feuer wurde gelöscht, ehe eine ernste Panik entstand. Tie Polizei verhaftete acht Anhängerinnen des Frauenstimmrechts, die an den Vorfällen beteiligt waren In ihren Wobmmgen fand man Schießpulver, Petroleum und andere entzündliche Stosse.
Petersburg, 19. Juli. Prinz Waldemar von Preußen ist bei der Kaiserjacht „Standart" eingetroffen und wurde vom Kaiservaar empfangen.
New Bork, 19. Juli. Ter Negergeneral Petro I v 0 n c t auf Kuba wurde heute bei dem Vega von Ballaoo von Regierungstruppen getötet. Dadurch ist der kubanische Auf stand tatsäckflich beendet. Das Marineamt ordnete bereite- die Zurückziehung zweier Kompagnien Marinetrupven aus .Kuba an. Die Zurückziehung aller amerikanisd-en Truppen steht un mittelbar bevor.
perlen.
Perlen sind seit altersher Symbole der Schörtheit und btt Tränen, und wirklich stehen in der Welt, deren leuckstenden Mittcl- punkt sie hüben, Luxus und Elend, Glanz und Trauer gar eng nebeneinander Die Dame, die sich das herrlick)e Kollier um der Hals legt, ahnt nichts von den Mühen und Enttäuschungen, den Aufregungen und Gefahren, mit denen das köstliche Kleinod dem Schoß des Meeres entrissen wurde.
In einem Aussatz über den Perlenhandel in der Revue er* zählt Leonard Rosenthal von der traurigen Lage der Peckm* ischer im Persischen Golf. Die Perlenbänke befinden sich etwa 15,0 bis 200 Meilen von der arabischen Küste, die eine einzige große Wüste darstellt. Etwa 60 000 bis 80 000 Eingeborene bt> d)äftigen sich mit der Perlenfischerei: einer von den 10 oder 15 reichen Arabern, in deren Händen das ganze Land ist, gibt rhnm etwas Reis, Datteln und Kaffee zur Nahrung. Dafür müssen sie ihm das Vorkaufsrecht der Perlen unter den günstigsten Bedingungen zugestehen. „Die Art der Fischerei ist auberoübifltf*i i uch prwntlv: die einzigen Instrumente, deren sie sich bedienen,


