Vertreter von Handel und Jnoustric im sorgen Rcrchslag um 16»o geringer ytnb, als die früheren. Hört, hört!) Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und die deutschen Bundesfürsten.
Ser folgere Redner mar der Burckessührer
Freiherr v. Wangenheim.
Sein Thema Maren die Reickstagswahleu. Er führte a. u. aus: Ser Bund oer Landmirte hat sich seit seinem Bestehen der liebevollen Fürsorge der deutschen Demokratie zu erfreuen gehabt. Mit Püffen und .Kniffen Hal man ibn empfangen. Ein Strom schmutzigster Gewässer aus den Kloaken der Großstadt, mit Haß durchsetzt und nicht reinlicher geworden durch den Zustrom des Goldes, den man ihm zuführtc, ist über uns dahingebraust. Und was war die Folge? Allerdings haben wir in den Stichwahlen eine Reihe von Dtandatsverlusten erlitten, aber mehr auch nicht. -Und wir geben ihnen die Versicherung, diese 93erlüfte wieder ein» Erbringen, wie wir die Verluste von Lyck-Eletzko und Usedom- Wollin wieder eingebracht haben. Stürmischer Beifall.) Wir verschließen uns kernen Augenblick der Erkenntnis, daß kein geringer Teil der Schuld an diesen Verlusten auch uns trifft, aber nur deshalb, weil wir nicht rechtzeitig die, Gefahr erkannten, die in einer Ueberschätzung der nationalen Instinkte des Liberalismus lag, von dem wir nun einmal nicht glauben wollten, daß er bei der letzten Reichstagswahl in dieser Weise mit der Sozialdemokratie zusammengehen würde. Sehr richtig und Pfuirufe.) Als der Liberalismus zeigte, daß er selbst nickt auch Evfer bringen, sondern in allmählicher Arbeit uns dahin bringen wollte, daß die Finanzreform uns wirtschaftlich ruinierte und gleichzeitig die preußische Wahlrechtsreform politisch, da haben wir erklärt, daß hier die Grenze sei, die wir nicht überschreiten könnten. Und so mußte es zum Krack) im Block kommen und trotzdem haben wir es auf urrs genommen, als der Liberalismus damals versagte, die Reform mit Hilfe der festgebliebenen Parteien dennoch zustande zu bringen. Uni) auch hier: Welch ein Erfolg! Die finanzielle Lage des Reiches erscheint gesichert und was das heißen will zu Seiten großer politischer Gefahren, brauche ich hier nicht weiter auszumalen. (Sehr richtig unb lebhafter Beifall.) Kein Starck hat unter der Finanzreform gelitten, die Blüte des Reiches ist geblieben, sein Aufschwung hat sich nock) verstärkt. Alte Anzeichen lasser: darauf schließen, daß der Satz, den ich in einer großen Versammlung ausgesprochen habe, schon bald Wahrheit werden wird, nämlich daß Herr Basscrmann der Totengräber der alten nationalen Partei sein wird. Er hat es inzwischen bewiesen. (Beifall. > Und nod) etwas anderes ist durch diese Konstellation heraufbrschworen, das Wiederer toa cken d es Antisemitismus. Stürmischer Beifall.) Wir erkennen dankbar an, das. es ruck im Judentum gute und große Manner gibt. (Zuruf: Aber sehr vereinzelt! Heiterkeit.) Aber in diesem Kampfe der letzten Zeit lyat das Judentum durch das Vordringen jüdischen Geistes nick Kapitals in Presse und Versammlungen eine so verhetzende und .'ersetzende Tätigkeit auSgelöst, daß linr vor dem Wiederaufleben eines.viel schärferen Antisemitismus stehen, als ilpi der bekannte Führer der säckftischen Antisemiten Theodor Fritsch in Leipzig uns predigt. Ich hoffe nicht, daß das Wort Friedrich Wilhelm IV. zur Wahrheit wird: Katholiken und Protestanten schneiden sich die -Halse ab unb der Itcke macht die Musik dazu! (Große Heiterkeit.), Darum begrüßen mir cs auch mit um so größerer Freude, daß sich inzwischen Katholiken Und Protestanteit näher zusammen gefunden haben. (Großer Beifall.) Wir hoffen, daß die Ansätze, die seit der letzten Wahl sich auf diesem Gebiete gezeigt haben, bauernb'bleiben und segensreiche Anregungen für das Volksleben mit sich bringen werden. (Lebhafter Verfall.)
Wir werden stets beweisen, daß wir gewillt sind, für das deutsche Vaterland jedes Epfcr zu bringen. 9fber die eine Bitte haben wir: die Lasten in sozial gerechter Weise zu verteilen unb die besitzenden Stände entsprechend zu belasten, aber die Opfer zu fordern von ©en Lebeicken und nicht von den Toten. (Stürm. Beifall.)
Hierauf erstattete mit turnen Worten Kammerherr v. B l ö d a u (Ehrenberg) den Kassenbericht. (SS folgte Dr. Dieder ich Hahn als Redner. Er fordertc u. a. dazu auf, seine Feststellungen mit aller Energie ins Land hineinzuttagen, damit bei den Neuwahlen, die intterUmständen sehr bald kommen können, -Zurufe: Hofserttlich recht bald!) ja sie können über Nacht kommen, die Gegner nicht mehr damit operieren können. 'Beifall.) Noch niemals ist es dagewesen, daß die Regierung .uns ohne jede Unterstützung ließ, daß man die Partei, die mit 500 Millionen die Finanzen des Reiches aufgebessert hat, so vollständig im Stiche ließ. Das war noch niemals in der Geschichte da und wird auch nicht wieder Vorkommen, denn es erträgt kein anderer, das erträgt nur der selbstlose Patriotismus, der nur im Deutschen lebt unb nirgends sonst in der Welt. (Stürmischer Beifall.) In jedem anderen Lande würde man als Entgelt auch die entsprechenden Rechte verlangen und die zu ihnen gehörende Macht Das haben mir nicht getan, sondern nur Unseren Buckel hingehalten und uns verhauen lassen für 500 Millionten Mark, mit denen wir die Finanzen des Reiches in Ordnung gebracht haben und den.Respekt vor unserem Vaterlande zu erneuern. Wir werden auch für die Zukunft gerne auf die Hilfe der Regierung, die man uns für frühere Wahlen wohl nachgesagt hat, verzichten. (Stürm. Beifall.)
v. Oldenburg-Jnuschau
führte u. a. aus: Am 21. Januar ist ‘in Berlin der Wehrverein gegründet worden. Zu den Vorstand dieses Vereins ist Dr. Paasche als Vertreter der Landwirtschaft gewählt worden (Pfui- Rufe: Hört! Hört! Mir ist soeben ein Eilbrief aus Westpreußen zugegangen, in welchem es beiftt: 1 Wir müssen uns dagegen energisch verwahren, daß uns ein. derartiger Vertreter der deutschen Landwirtschaft aufgedrängt wird. (Lebh. Bravo.) 2. Dr. Paasche hat dafür geredet, daß die Juden Offiziere werden können. (Pfui- Rufe.) 3. Dr. Paascke ist Mit sozialdemokratischer Hilfe in den Reichstag eingezogen. ,^Jck glaube, wir find darin einig, daß der Dr. Paasche allerdings nicht in erster Reihe als ein Vertreter der deutschen Landwirtschaft bezeichnet werden kann. (Sehr wahr!) Ein altes Sprichwort sagt: „Wer vom Juden ißt, der stirbt daran." Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir können wohl hinzufügen: „Und wer vom Sozialdemokraten ißt, der stirbt daran erst recht." Stürmisches Bravo.) Der Liberalismus hat von beiden gegessen und darum wird er sterben. (Langanhaltender stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Es unterliegt keinem Zweifel, daß der letzte Wahlkampf der Kampf des internationalen Judentums gegen den ckristlich-monarchischerl Staat loar. (Lebhafte Zurufe und Sehr richtig!)
Es sprach rwch Landtagsabgeordn. Pfarrer D. Äeckenroth, worauf eine längere Aussprache stattfand. Tr. Roesicke sprach das Schlußwort.
Deutscher Reich.
Der geschästsführeickc Ausschuß der nativnallibe- ralen Partei Württembergs hat folgenbcn Beschluß gefaßt: Der Ausschuß begrüßt die Ä) i e d e r w a h l B a s s ermann s zum Vorsitzenden der Reichstagsfraktion. Er steht einstimmig auf dein Standpunkt der Ablehnung der Großblockpolitik und hofft, es werde bei der end- ilültigen Wahl des Reichstagspräsidiums gelingen, ein Ge- chäftsprasidium zu bilden, in dem neben dem Liberalismus •ie stärksten Fraktionen des Reichstags vertreten sind. Sollte aber das Zentrum bei seiner ablehnenden Haltung beharren, so wird der Ausschuß den Eintritt eines Nationalliberalcn in ein mit der Linken zu bildendes Präsidium nicht beanstande.
In Stettin hielt am Montag der Reichstagsabgeordnete Bassermann in einer start besuchten Versammlung von Vertrauensmännern einen Vortragüber „Nativ- Lalli berate ^Quertreibereien". Ter Partei- Tufyrcr tadelte scharf, daß zahlreiche Parteigenossen im Reich Durch aufgeregte Telegramme oder übereilte Entschließungen Die Unstimmigkeiten vermehren. Bassermann erklärte, die Mativnätkbcralen könnten sich ebensowenig an ein reines
Großblockpräsidium wie an einem rein schwarz-blauen Prä sidium beteiligen. Tie Sozialdemokratie müßte zur praktischen Mitarbeit herangezogen werden. Das den Abgeordneten Scheide mann betreffe, so hätten die National- liberalen nichts gewußt von dessen früherer Aeußerung über das preußische Königshaus. Es sei offenbar Absicht des Zentrums und der Konservativen gewesen, die Nationalliberalen in den Großblock hineinzuzwängen. Ueber den Ausgang der nächsten Präs idente n w a h l sei man ganz im ungewissen Tie Rede Bassermanns wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen und ihm in einer Entschließung das vollste und einmütigste Vertrauen ausgesprochen.
Der Prinzregent von Bayern berief den Landtag auf den 27. Februar ein.
Tas LandgerichtMünchen I verurteilte nach achttägiger Verhandlung den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Auer-München wegen Beleidigung der Zentrumsabgeordneten Frank und Cadau, sowie des Bahnverwalters Rupprecht zu einem Monat Gefängnis. Auer hatte den drei Beamten in einer Eisenbahnversammlung vorgeworfen, sie hätten ihr Amt zugunsten einer der Zentrumspartei nahestehenden Baugenossenschaft mißbraucht.
Ausland.
Tas Oberste Gericht der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat entschieden, daß der Norddeutsche Lloyd die Einwanderungsgesetze verletzt habe, indem er die Auswanderer gezwungen habe, im Falle ihrer Ausschließung von der Landung die Rückreise selbst zu bezahlen .
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Februar 1912.
Tas Gebühreneintommcn der Bürgermeister.
Mit der am 1. April in Kraft tretenden neuen Landgemeinde-Ordnung treten auch in den Bezügen der Bür - germeister der Landgemeinden insofern Aende- rungen ehi,öl£ sie statt ihrer seitherigen, von dem Gemeinderat festgesetzten Bureautosten eine VergütungfürZeit- a u f w a n d erhalten, deren Höhe der Gemeinderat im Einvernehmen mit dem Bürgermeister auf Vorschlag des Kreisrats unter Berücksichtigung der in der Gemeinde vorkommenden, dem Bürgermeister obliegenden Geschäfte festzusetzen hat. Ferner hat er Anspruch auf Ersatz der von ihm im Interesse der Gemeinde bestrittenen notwendigen Auslagen, besonders für Bureaubedürfnisse und für die Vergütungen des von ihm angenommenen Bureaupersonals. Bei Bemessung der Dienstbezüge ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß nach Artikel 84, Abf. 3 der L.-G.-O. die von Großh. Ministerium des Innern noch festzusetzenden Vergütungen für solche Amtsgeschäfte, die dem Bürgermeister vorwiegend im Interesse Privater obliegen, künftig in die Gemeindekasse zu fließen haben, daß mithin das Gebühreneinkommen der Bürgermeister eine nicht unwesentliche Schmälerung erfahren wird. Bei Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Vergütung für Zeitaufwand ist eine Entscheidung des Kreisausschusses herbeizuführen.
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** Tageskalender für Dienstag, 20. Februar: Stadttheater: .Pension Schüller" und Karnevalistisches Zwischenspiel. Anfang 8'/, Uhr. .
•• Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger ist aus Urlaub zurückgekehrt und hat gestern die Dienst- geschäfte wieder ausgenommen.
** Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den Lehramtsassessor Dr. Karl Völzing zum Oberlehrer an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt, den Lehramtsassessor Theodor Heuß zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms und den Lehramtsassessoo Aug. Keller zum Oberlehrer an dem Wolfgang Ernst- Gymnasium zu Büdingen ernannt.
** Landwirtschaftslehrer. Der Großherzog hat dem Lehrer für Naturwissenschaften an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim Dr. Franz Muth den Charakter als Professor erteilt.
** Landesheilan st alten. Der Großherzog hat den Assistenzarzt Tr. Wilh. Schmeel aus Darmstadt zum Oberarzt der Landesirrenanstalt bei Alzey ernannt.
Landkreis Gießen.
= Lollar, 19. Febr. Der Gesangverein Liedertafel feierte am 17. Febr. seinen Fastnachts- ball. Humoristische Vorführungen und Tanz hielten die in großer Zahl erschienenen Festbesucher bis in die frühen Morgenstunden beisammen. Am Sonntag fand die Jahresversammlung des Vereins statt. Alle aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt. Der Rechnungsabschluß brachte im Verhältnis zu früheren Jahren einen größeren Ueberschuß. Der Verein, der sehr rege und arbeitsfreudig ist, zählt heute einen Mitgliederbestand von nahezu 130 Mann. Beschlossen wurde u. a., in diesem Jahre keinen Wettstreit zu besuchen, sondern die Brudervereine in den Nachbargemeinden durch Festbesuch zu unterstützen.
s Lollar, 19. Febr. Am SamStag abend hielt der Männergesangverein Germania im Gasthaus zur Traube seine Hauptversammlung ab. Der Schriftführer L. Geißler erstattete einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins int verstossenen Jahre. Die Vorstandswahl ergab folgendes: 1. Vorsitzender P. Freudenberger, 2. Vorsitz. Hr. Espnch, Rechner Hr. Kood, 1. Schriftf. L. Geißler, 2. Schriftf. 63. Wlßemann, 4 Beisitzer A. Kreuter, Hr. Kaietsch, Hr. Henkelmann und L. Hofmann. U. a. wurde beschlossen, dieses Jahr von dem Besuch eines Wettstreites Abstand zu nehmen und dafür einen gemeinsamen Ausflug nach Kossel.WilhelmS- höhe zu machen. Die Zahl der aktiven und passiven Mitglieder beträgt zur Zeit etwa 200. — Besitzwechsel. DaS dem Braucreibesitzer Hr. Göbel in Niedershausen gehörige GasthauS zur Linde in Lollar ging heute durch Kauf m den Besitz deS seitherigen Pächters Hr. Hofmann über. Ter Kaufpreis beträgt 60 000 Mk.
— Großen-Linden, 19. Febr Am Sonntag fand hier in der Wirtschaft zum '2htfcr die Hauptversammlung des Turnvereins statt, die reckt zahlreich besucht war. Der langjährige 1. Turmvart Gg. Klingel Höfer wurde zum Ehren- turmvart mit Sitz- und Stirnrnrcckt in dem Vorstand ernannt »nd ihm im Namen des Turnvereins vom 1. Vorsitzenden eine Ehrentafel überreicht. Von dem 1. Vorsitzenden wurde über die Tätigkeit des Vereins Berickt erstattet, dann folgte die Reck- itungsablage, woraus dem Rechner Degen Emlastung erteilt wurde. In den Voritand wurde I. Steinagel als 1., Bürgermeister Leun alS 2 Vorsitzender aut 2 Jabre. sowie die sayungsgemäß aus- fdicibcnben Vorstandsmitglieder Apotheker Schlich, I. Volk I., PH. Sckaum und L. Lang wiedergcwählt. Als 1. Turn wart wurde W. Vock gewählt. Ferner wurde bqchbossen, das Jubttckonsgau-
fest in Gießen mit Musterriege zu beidudcn und den Bciuch d.z
..s den Mitgliedern dringend ui emviehlen. Da- Süjähnge Stiftungsfest des Turnvereins Gros.'n-Linden soll am 25. August festlich begangen werden.
= Reiskirchen, 18. Febr. Gestern und heute abenb hielt unser Turnverein sein Wimervergnügen im Saale des Herd Guntrum ab. War der gestrige Abetck nur für Mitglieder c - Vereins und bereit Angehörige, so galt der heutige auch sonstige Gästen. Der erste Sprecher des Vereins Becker leitete fr Feier mit einer Ansprache ein, in der er mit Recht hervor hob, bet der Verein trotz seines kurzen Bestehens uck^ schon eine stan'icb. Anzahl Preise und Diplome geholt habe. Seine Rede hang einem ,,Gut Heil" aus. Darnach folgten Pyramiden mit Thea:ki stücken Von letzteren Tauben ,cker verwunschene Prinz' uno „das fidele Gefängnis" reichen ^Beifall. Am meisten gefiel aber der von 8 Turnerinnen und 8 Turnern aufgeführte Reigen, ruf: endemvollender Beifall belohnte die Darsteller.
/X Langsdorf, 18. Febr In der Nähe der Bahn strecke wird seit Oktober an der Erbohrung einer Quelle zur Wasserleitung gearbeitet: bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den Felsen zu durchschlagen. Mög lief) daß man jetzt wieder auf den Plan des Abg. ftöbler zurückkommt, der schon vor Jahren den Anschluß an da: Gruppenwasserwerk Bad-Nauheim-Lauter empfahl.
Kreis Schotten.
A Lardenbach, 19. Febr. Tie Mitglieder btt Kriegervereine Klein-Eichen und Lardenbach hatten fick gestern nachmittag in stattlicher Zahl bei Kanterad Diehl ein. gefunden. Noch EröffnungSmorten deS 2. Vorsitzenden, Lehr. Schmidt, hielt Lehrer Keil-Klein-Linden einen hockinteresianln. Vortrag über das sehr zeitgemäße Thema: .Wissenswertes über Marokko, Neukameriin und Tripolis*. Drei Landkarte
werden-
und zahlreiche Abbildungen von Land und Leuten erläuterten den Vortrag.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 19. Febr. Arn Samstag abend fand in hiesigen Saalbau der A b s ck i e d s k o m m e r s der ©eminarütei der Klasse Ib des hiesigen Lehrerseminars statt. Ter Saal ncr überfüllt von den Angehörigen der Abgehenden, den Klassenbrüde?? aus la, die am 27. Januar abgingen, und vielen Damen uni Herren Friedbergs. Abiturient Muller aus Gießen hielt du Begrüßungsrede unb leitete den Kommers. Seminardirektor Tr. Schäfer sprach herzliche Worte des Abschieds an seine ehemalige» Schüler und machte die Namen derer bekannt, welche mit PrälM» bedacht wurden. Gemeinsame Lieder, Chorgesänge der 5d)cibenbei wechselten mit humoristischen Vorträgen, Klaviersolos und Solo», ausgeführt von Musikern der Gießener Regimentskapelft Zwn Theaterstücke wurden noch gespielt. Um 12 Uhr nachts fand ein Ball statt.
Friedberg, 19. Febr. Hier wurde Ludwig Gäfgen. geb. am 8. April 1868 zu Simmern im Hunsrück, ivohnhaft in Nied a. M . festgenommen. Er besuchte die Geistticken der Stak — bei katholischen Geistlichen war er katholisch, bei evangelisch» evangelisch —, und gab an, er wäre auf vier Wochen probewaß als Bahnbeamter von Limburg hierher versetzt worden und sei iO Verlegenheit mit Geld wegen Auslösung seiner Möbel. W» Anfrage bei der Bahnbehörde stellte sich die Sache als Schtoindcl heraus. Tie hiervon verständigte Polizei verfolgte nun den Betrüger und erwischte ihn noch in dem Vorort Fauerbach wo bei dem dortigen Pfarrer ohne Erfolg dasselbe Manöver Dtd suchte. Ms Ausweis besaß er eine gerichtliche Vorladung.
L. Friedberg, 17. Febr. Heute vormittag sand im Gebäude der Augustinerschule dahier unter dem Vorsitze des GW Oberschulrats Nodnagel von Darmstadt die mündliche Ma tun- tätsprüsung der Abiturienten des Gymnasiums ftai- Von den 24 Primanern wurden 11 von der mündlichen Prüfun, befreit. Von den Ab geh end en werden zwei zur Marine gehen Das Mschiedsbällchen findet nächsten Samstag, 24. d. Mt. statt.
Starkenburg und Rheinhessen.
m. Offenbach, 19. Febr. Mit der Frage der Beist aatlichung des Offenbacher Polizei wesen-, zu der von dem Finanzausschuß der Zweiten Hessifcket Ständekammer die hierzu erforderlichen Mittel bewilligt wurden, wird sich u. a. die nächsten Donnerstag stattfindends Stadtverordnctensitzung beschäftigen. Vom Stadtverordr- ten Bruhns (Soz.) und Genossen ist hierzu folgend.'! Antrag ein gebracht worden: „Die Stadtverordnetenversammlung zu Offenbach legt Verwahrung ein gegen die Al- sicht der Staatsregierung, der Stadt Offenbach die bisbe: von dieser ausgeübte Leitung der Polizeiverwaltung zi nehmen unb sie staatlich angestellten Leitern zu Übertrager Eine solche, in keiner Weise gerechtfertigte Maßnahme de StaatSregieruna würde zu einer loefcntlidjcn Beschränkun der gemeindlichen Selbstverwaltung führen. Die Stad:- Verordnetenversammlung bittet daher die Zweite Kammr der Hessischen Landstände, der von der Staatsregieruw beantragten Einstellung von Mitteln in den Etat zweck Besoldung staatlicher Leiter der Offenbacher Polizeiverwa hing die Zustimmung zu versagen."
Kreis Wetzlar.
§ Krofdorf, 20. Februar. Von gut unterrichtet^ Seite wird mitgeteilt, daß die Autoverbindung zwischen st rost dorf und Gießen nicht zustande fomnien wird. Da gegen wärtig noch Verhandlungen schweben wegen der Elektrische- Bahn, soll vorerst noch keine andere Verbindung angeknüp
Gerichtssaal.
Schwindeleien eines falschen Grafen.
^Dresden, 19. Febr. Unter der Anklage der Hockstaoe!« hatte sich der Gummiarbeiler Ernst Winkler und sein Bruder Cr zu verantworten. Nach eingehenden Studien gingen sie als ,®r. Henckel von Donnersmarck, Rittmeister o. D. und Kammerdiener auf Reisen. Ueberall wurde derselbe Schwindel versucht. T< „(traf' bestellte telegraphisch für sich zwei Ziminer in den, b- treffenden Ort und trat sehr nobel auf. Bald nach seiner Anknw sandte er seinen .Kammerdiener' zu einer Bank mit dem Ersuche ihm aut einem Wechsel 10 000 Mk. zu leihen. Die Banken ro<ir< aber so vorsichtig, Bürgschaften zu verlangen und begnügten Ü3 nicht mit dem schönen Titel. In Dresden versuchte Ernst Winkls bei einem Hoijuwelier einen Brillantkchmuck im Werte von öO* Alk. zu erschwindeln. Der Juwelier, der schon einmal btreir- gefallen war, benachrichtigte die Krirninaloolizei, die sie oerbaitei. als sie eben abreifen wollten. Ter Gerichtshof sah Ernst Winkls als den geistigen Urheber der Schwindeleien an und Dcruruil? ihn zu vier Jahren ÄesängniS. Sein Bruder Otto kam mit einer Jahr und vier Monaten GefängrnS davon.
Berlin, 19. Febr. Der in Betrugs- und Spielaffären weh' fach genannte Graf Wolff-Metternich wurde wegen Lite» standes und wiffentlich falscher Anschuldigung der ®efängnifln)ärti- zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
Die Meineidsbande Minerva vor dein Sckwu- geriet)!. In einer besonderen Schwurgerichtsverwde gelangt Gleiwitz ein umfangreicher Prozeß gegen die MeiiieidSban« Minerva zur Verhandlmig. Angeklagt sind nicht weniger, a* 20 Personen. Ihr Zweck war, für alle möglichen Prozeüe Leu zu stellen, die nach Wunsch rechts oder links schworen. 3n Rl09< Straf- und sonstigen Prozessen wurden je nach dem Wunsche v Besteller Ent- oder Belastungszeugen gestellt, durch deren Eide die Gegenpartei den Prozeß verlieren mußte. In der rahl sind es kleine Leute, Schneider, Installateure, (^nibcnarbene Maschinenwärter und Agenten. Auch ein Briefträger befindet unter ihnen. Die einzelnen Fälle sollen jo zur Derhandlun« 9


