Dienstag, 20. $ebmar M2
Erstes Blatt
162. Jahrgang
Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.
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sich auch im Temen Osten, in Japan, wo es seit 21 Jahren im Gebrauch ist, allmählich die Stellung eines unentbehrlichen Verkehrsmittels erworben. Es ist heute nicht nur in den großen Städten des Mikadoreiche-s, sondern auch in kleineren Ortschaften vielfach eingemhrt. Tie Regierung hat für die Anlagen 30 Millionen ?)cn (60 Millionen Mark- ausgegeben und beabsichtigt für 1912 weitere große Telephonanlagen, für die die bedeutende Summe von 18 Millionen Pen ausgesetzt worden ist. Das bisherige Telephonnetz erftredt sich über einen Umkreis von 470 Kilometern. Damit kann Japan freilich mit den Telephonverkehr von Europa und Amerika nicht wetteifern, aber es ist ein großer Aufschwung in der Benutzung des Telephons noch $u erwarten, da die Preise außerordentlich erniedrigt worden sind. Die Anlage des Telephons kostet jetzt etwa 30 Mk., das Jahresabonnement 80 bis 120 Mk., während man früher 1600 Mk. und dann 400 Mk. für die jährliche Benutzung des Telephons zahlte.
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dem Museum überwiesen.
— Tas Telephon in Japan. Das Telephon hat
— 400MillionenfürdieKulturdesNildeltas. Lord Kittbener, der neue Gouverneur Aegpptens, beginnt seine Amtstätigkeit mit einem großzügigen Projekte, das darauT abzielt, die Bewässerungsfrage in dem 'JZilbelta endgültig zu regeln und ;u lösen. Tie Besprechungen Kitcheners mit dem englischen «tireftor der Suezkanal-Gesell schäft, Sir William E. Garstin, und Mr. Artur L. Webb gipfeln in einem großartigen Entwürfe, der die künstliche Bewässerung des ganzen Nüdetas vorsieht und einen Kostenaufwand von rund 400 Millionen Mark erfordert. Das Hauptziel des Projektes ist die Verbesserung der ägyptischen Baumwolle.
kk. Einevogelfres sende „Gottesanbeteri n". In die Schar der Infekten, zu deren Beuteltieren Heine Vögel gehören. ist nach einer ganz neuen Beobachtung eine nordafrikanische Mantisan, eine „Gottesanbeterin" einzureihen. Ter französische Militärarzt Millet-Horsin hat nämlich, wie „La Nature" berichtet dem naturgeschichtlichen Museum in Paris mitgeteilt.
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Schlinge gefangen zu haben schien. Zuerst glaubte der ?lrzt, es sei eine Schlinge, die irgend ein Diener im Garten ausgehängt habe, aber nach einiger Zeit sah er, wie die vermeintliche schlinge den Vogel losließ und dieser tot zu Boden siel. Jetzt erst konnte der Arzt erkennen, daß die „Schlinge" der Fuß eines großen Mantis war, deren Körper unter dem Laub verborgen lag. Die nähere Betrachtung des toten Vogels zeigte, daß der Jnsektenfuß tief in den Hals eingedrungen war: der Vogel war an Blutverlust oder Erstickung gestorben, und die Blätter des Strauches wie der Boden loaren mit Blut besudelt. Tr. Millet-Horsin hat beide Tiere an sich genommen und
Die Eamapäpitin.
I Was in Europa längst durch die Geschichte widerlegt jft, fclidi daß auf dem Heiligen Stuhle eine Päpstin gesessm Er ist in der asiatischen Kulturwelt eine allerdings wenig Ernte, aber unbestreitbare Tatsache Außer seinen zwei Päpsten V Papst int Sinne des lateinischen Wortes papa d. h. Da et: — L der zahlreichen Gegen Papste besitzt der Lamaismus C eine Päpstin, deren Residenz das Kloster von -amding ist. | Tic Lamapäpstiu ist die Verkörperung der Göttin Bad- Aorahi: sie trägt im Tibetanischen den uns etwas eigen* Elich anmutenden Namen des „Ttamanten^chwetnes«. In
km äußerst interessanten, soeben in Paris brschetnenden Buche, kielt „Les Ronauntes des Netges , weiß dn aus ^’betz.u- Ksnkehtle Forschungsreisende Charle^Eues ^onin von dieser Eschen Gottheit allerlei WiNenswerles >u berichten. Ihre Re !*nä liegt aus einem einige hundert Meter hohen Berge, der d , z, Umgegend beherrscht und eine wahre §mung dar stellt, ^ort « niet sich die Totenkammer der zahlreichen Verkörperungen, » die Tordjre-Pagrne d. h. das „Tiarnantemchwein tm.Laufe t Zeit auf Erden gehabt bat. Keinem men,chl>ck>en Wesen ist 1 gestattet, diese geheimnisvolle Lotengrust ö" buretrn, und m der jeweiligen Nachfolgerin des „Dlatmintschwemes ist _ einmal in ihrem Leben erlaubt, einen Blick in btaic m 4» fce Kammer mit ihren zahlreichen vermoderten Leichnamen zu T, zu denen auch der ihrige kommen wird, ^anwtng ist em „g Echtes Kloster", d. b. feine Insassen sind teils männlichen, Es weiblichen Geschlechtes, etwa 200 an der Zahl- du. göttliche Rpfiiit herrscht über sie nach den geheiligten Buchern, die da» Zierliche Leben — insbesondere der Frauen auf das ge=
Was ist nun eigentlich das „Tiamantenschwein"? Tie zahl- pbtn Gottheiten, die der Pantheismus der Warnas ausweift, ■tb im Grunde genommen niästs anderes als Verkörperungen verschiedenen Erscheinungen, in denen sich eine beschranne Ft:M'l von göttlichen Wesen kundtut. So ist denn auch das ,7i«inantenschwein" nur die Verkörperung einer Eigenschaft einer Fieren Gottheit; wir haben von dieser Gottheit noch die Bei- Iknutn „Tie Glänzende", die „Göttin der Morgenröte', die .'iö rigin des Himmels" u. a. Gewöhnlich tritt eine Gottheit in hü Formen auf, die den drei verschiedenen Zuständen der Ruhe, '^Zornes und der Raserei Ides höllischen entsprechen. ^.ie . «nlicl>e Morgenröte" wird nun in der Ruhe als „Tianianicn- i in" bezeichnet: das Schwein ist dem tibetanischen Glauben das Symbol der Kraft des Frühlings und 2üimant he-
Vezng»prel»: monatlich vierteljährlich 'DH. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen n'.onatlich üb Vf.; durch diePoslü'ck.2.—vienel- jäbrl. auflfdjL Benellg. Zeilenpreis: lofallb'BU auswärts 20 Pfennig. E heiredakteur: Goetz. Vcrautivortlich für den politischen Teil: August iSociz; für .FeuiUe- tou', .Vermischtes' und „GeilchtSfaal": R. Ren- ratb; für .Stadt und 2and": E.^eß; für den Aiizelgenteil: H. Beck.
9„$% Bund der Landwirte tritt in ungebrochener Kraft für den gleichmäßigen Schutz jeder nationalen Arbeit ein. Er erachtet es gerade jetzt für besonders wichtig, das deutsche Volk in seiner Versorgung mit Fleisch und Brot vom Ausland immer unabhängiger zu machen und zu erhalten. Für die Erreichung dieses Zieles ist aber die Erhaltung des bisherigen Systems des Schutzes der landwirtschaftlichen Produktion unbedingt geboten und zwar einschliesslich der Erzeugnisse des deutsckien Futtervaus und der deutschen Gärtnerei. Der Bund der Landwirte sieht eine besonders wichtige Aufgabe der gegenwärtigen Zeit in der sozialen und toirb , —, —- - ■ • - . ■_ . .
schaftlichen Fürsorge für den gewerblichen und kaufmännische^ und' hier wohl sachverständig sein mag, hebt selbst hervor, das; die
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bürgerlichen Mittelstand, der in einer von Jahr zu Jahr gefährlicher werdenden Weise durch großkapitalistisclw Unternehmungen, gewerkschaftliche Zusammenschlüsse, Koniiinwereinsbestte- bungen usw in seiner Existenz bedroht wird. Tiefe Fürsorge muß sich in gleicher Weise auf unseren immer zahlreicher werdenden Beamten st and ausdehnen. Der Bund der Landwirte hält es für unbedingt geboten, den Zusammenschluß der (briftlidjen und nationalen Arbeiterschaft zu unterstützen und hierbei die Arbeitswilligen vor der Vergewaltigung durch sozialdemokratischen Terrorismus unbedingt zu schützen. Die stetig fteigenben Anforderungen für Heer und Flotte verlangen nach der Ankündigung der Regierung wiederum die Einführung neuer Steuern. Ter Bund der Landwirte erwartet, daß hierbei unsere Steuerpolitik nach dem Grundsätze sozialer Gerechtigkeit geregelt wird. Angesichts der Tatsache, daß die -.'tttsgaben für die Erhaltung und Verbesserung des gegenwärtigen Kulturstyndes in Deutschland den einzelnen Staaten, Provinzen und Kommunen obliegen und Überwiegend durch direkte Steuern aufgebracht werden, die in erster Linie zweifellos den Mittelstand belasten, bedeutet es einen gerechten Msgleich, wenn sich demgegenüber an den Aufwendungen für unsere nativ nöle Verteidigung und für die Erweiterung unserer politischen und wirtschaflliästni Weltmachtstellung auch diejenigen Bevölke- rungskrrise in gerechtem Maße beteiligen, denen die -Segnungen dieser Aufwendungen in besonderem Maße zugute kommen. Tas kann aber nur unter Beibehaltung indirekter Steuern und bei gleichzeitigem Ausbau einer besonderen Besteuerung des mobilen Großkapitals geschehen, nicht aber durch eine ebenso unsoziale und ungerechte, wie in ihren Erträgen weit überschätzte Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder unb Ehegatten, bereit Wiedereinbringung nur dazu dienen würde, die Zerrissenheit der bürgerlichen Parteien von neuem zu vermehren, lieber alle wirtschaftlichen Fragen jedoch stellt der Bund der Landwirte die Sorge um Kaiser und Reich. Für des Reiches Macht und Stätte, für die unverminderte Erhaltung der Machtsülle der Monarchie werden wir in unerschütterlicher Treue zu Kaiser und Reich mit allen Kräften eintreten."
Der Bundesvorsitzende Dr. Roesicke
leitete die Verhandlungen mit folgender Rede ein: Ich eröffne die 19. Generalversammlung des Bundes der Landwirte und danke Ihnen für Ihren freundlichen Empfang. Ich glaube aber annehmen zu können, daß ein solcher Empfang bei uns nie ibet Person, sondern stets der Sache gilt, für die wir eintreten unb für die wir unser ganzes Sein einsetzen. (Bravo!) „Tie Waf'en ruhen, des Sttieges Stürme schweigen, auf blutige Schlachten folgt Gesang -ind Tanz." Das sollte eigentlich das rechte Wort sein nach einem so schweren Wahlkampf, wie wir ihn durchzufechten hatten. Unb doch auch heute müssen wir genau so wie bamalö», als im Jahre 1902 dieser Spruch Schillers einmal in unserer Bundesversammlung gesprochen wurde, sagen, daß die letzten Worte für uns nicht anwendbar sind. Nur ein Teil derer, die im Wahlkampfe standen, können Gesänge unb Tänze aufführen, das ist die Sozialdemokratie, der die Liberalen einen in diesem Umfange nie erwarteten Sieg gebracht haben. (Stürmische Pfuirufes Für uns ist immer und stets die Losung: Weiter und unermüdlich
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissenschaft. Seinen 80. Geburtstag feiert am 21. Februar der um die Entwicklung der deutschen Landwirtfchaft verdiente ehemalige Lehrer an der Lanbwirtsckwftlichen Hochschule, Geh. Regierungsrat Prof. Schotte. — Ter Geheime yorrat Professor Franz Krcuter, Ordinarius der Jngenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule zu München begeht am 21. d. Mts. seinen 70. Geburtstag. — InBonn ist der emerit. Professor der Hygiene an der dortigen Universität Geh. Med.-Rat Tr. Tittrnar Finkler im Alter von 59 Jahren gestorben. — Tie belgische Akademie für Medizin ernannte die Professoren Hermann- Königsberg und K o s s e l - Heidelberg zu Ehrenmitgliedern.
Zum Tode AehrenttM.
Ter Tod des Grafen von Aehrenthat hat erniae wich- tiae Feststellungen und Kundgebungen hervorgerufen, die Umentlid) die Erhaltung der Dreibund Politik in dein bis Aliiqen Geiste betreffen
Wien, 19. Febr. Der Generaladjutant des Kaisers, Wru Paar, überbrachte persönlich der Gräfin Aehrenthal tzas in wärmsten Worten abgefaßte Handschreiben des Kai- sfranz Josef. Vom deutschen Kaiser ist ein in Adr herzlichen Worten gehaltenes Telegramm eingetroffen jili Befehl des Kaisers wird die Leichenfeier mit ganz be Knbercm Gepränge stattfinden. Dem Ministerium des Michern und der Familie Aehrenthal sind von fast allen Wiialsoberhäuptern und Regierungen Beileidskundgebun- zugegangen.
Tie italienische Presse.
Nom, 19. Febr. Sämtliche italienischen Blätter widmen Bkbrentbal lange Artikel unb drücken die Erwattung aus, daß MiafBerchtolddieselbe Politik befolgen werde. „T r i - ■una" sagt: Das kaiserliche Handschreiben an den sterbenden Minister bildet den Beiveis der vollsten Billigung der Politik Mcbrnthalo und gleichzeitig das Programm für die Zukunft „iribuna" widmet den zweiten Artikel dem Grafen Ber cht ol d erflärt, man könne fickier sein, daß feine Politik ebenso wie M iiehrenthald wesentlich friedlich sei von der Art, daß die wieder Kira.tten Sympathien, die in österreichisch-ungarischen Kreisen fit Italien herrkben, noch zunehmen würden. „Giornale |i'3talia" schreibt: Aehrenthal verstand uns, nköge auch sein -i«f)'olger die Italiener verstehen, bas sind die Wünsche, die ran im Interesse der beiden Verbündeten hegen muß.
Rücktritt des FinanzMinisters.
D i e n, 19. Febr. Der gemeinsame Finanzmini st er Durian erbat von dem Monarchen die Enthebung von 'Hinein Amt. Das alleinige Motiv ist der Umstand, Miß infolge der Ernennung Berchtolds, der nngari Mer Staatsangehöriger ist, zum Minister des kaiserlichen inb königlichen Hauses und des Acußern im Falle des »eiteren Verbleibens Burians im Amte entgegen der bisher jittt eingehaltenen Gepflogenheit n u n mehr zwei Ungarn i ii b e ui g e ni eins a m e n M i n i st e r i u m wären ter Kaiser hat über das RiicktrittSgesuch noch keine Entschei- .junß getroffen. Er vereidigte am Vormittag den Minister Vi Leus;ern Berchtold.
Ein Tklegrammwkchfrl zwischen Wien und Rom.
Rom, 19. Febr. Der Minister des Aeußern M a r ,uiS di San Giuliano bat von dem ueuernannteu Merreichisckf-'ungarischen Minister des Aeußern, Grafen Lcrchtold, folgendes Telegramm erhalten:
Ticfbeivegt von dem kostbaren Beweis dcS Mitgefühls Wurer Exzellenz bitte ich Sic, den Ausdruck der lebhaf. Utesten Dankbarkeit der Kaiserlichen und Königlichen Re W gnrung zu genehmigen für die warmen Worte, die dae ■ hinscheiden des Grasen Aehrenthal Ihnen eingegeben hat. ■ Dem Grasen Aehrenthal hat es besonders am Herzen geil legen, die innigen Beziehungen zwischen unseren ■beiden befreundeten und verbündeten Ländern immer I enger zu gestalten. Die persönlichen Beziehungen, btc ■ mit Eurer Exzellenz zu pflegen ihm vergönnt war, nichi ■ feuriger wie die politische Uebereinstimniung der Ansick ■ teil die • zwischen Ihnen und sich beste.,end wußte, haben Maußerordeullich zu dem vollen Erfolg seiner auf dtesee [iel gerichteten Bemühungen beigetragen. Von dem
e l b e n G e f ü h l b e s e e 1 t, habe ich mir vorgenommen, cm Wege zu folgen, den er vorgezerchnet hat und Wbin sicher, so dem Vertrauen Eurer Exzellenz zu be
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gegnen, dem Vertrauen, das Sie niemals ausgel)ört, dem Hervorragenden Staatsmamt zu bezeugen, dessen Verlust tvir alle beklagen."
Marquis di San Giuliano antwortete:
„Die Gefühle, die Eure Exzellenz mir die Güte haben, zum Ausdruck zu bringen und die ich in jeder Hinsicht teile, werden in Italien ein sympathisches Echo finden. Ich bin tief davon überzeugt, daß meine Beziehungen zu Eurer Exzellenz, gegründet auf dem selben gegenseitigen Vertrauen und derselben Einstim» mingkeit der Ansichten, die mich mit den: ausgezeichneten Staatsmann vereinigten, dessen Verlust wir alle so leb haft beklagen, dazu beitragen werden, die Innigkeit der Beziehungen zwischen unseren beiden befreundeten und verbündeten Ländern immer zu verstärken."
Eine Aeuherung des deutschen Regierungkblattes.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt:
Mit tiefem Bedauern wurde in Dcutschlarrd die Kunde von dem Ableben des Grafen Aehrenthals ausgenommen. Bis zur letzten Stunde auf oaS unerschütterliche Vertrauen des el-rwürdigen Herrschers der Habsburgischen Monarchie gestützt, konnte Graf Aehrenthal in fünfjähriger Wirksamkeit als »Leiter der iauswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns eine bedeutsame Tätrgleit entfalten und die Erwartungen vollauf rechtfertigen, die an seine Berufung nach Wien geknüpft worden waren. Jetzt liegt der unbestreitbar geschichtliche Beweis vor, daß die ihm schon damals nachgesagten hervorragenden staatsmännischen Eigenschaften in hohem Maße eigen waren. Seine Tätigkeit in leitender Stellung zeigte darüber hinaus, daß Gras Aelxrenthal bei der Verfolgung klar erkannter und bestimmt ins Auge gefaßter Ziele auch über Entschlußkraft, Festigkeit und Zähigkeit verfügte. Der Standort, von dem aus er die österreichisch-ungarische Staatskunst orientierte, war und blieb der Dreibund- ged an ke. In den Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn, die währerrd der Annektionskrisis die Belasttingsprobe glänzend bestanden hatten, gab es auch im letzten Jahrfünft kein Moment, dessen Behandlung hätte Schwierigkeilen bereiten können. Ein hohes Verdienst des Grafen Aehrenthal ist, daß er die Bemühungen der italienischen Regierung, die öffentliche Meinung des Landes mit den großen wirklichen Interessen des Königreichs im Einklang zu halten durch behutsame Pflege der Beziehungen zu der südlichen Nachbarmacht unter» stützte.
Oie Hauptversammlung des 'Bundes der Landwirte.
~ Berlin, 19. Februar.
Unter Beteiligung von über 8000 Landwirten aus allen Teilen des Reickn's trat heute mittag im Sportpalast in der Potsdamer Straße der Bund der Landwirte zu seiner diesjährigen Haupt Versammlung zusammen. Zu Beginn wurde folgende
Erklärung
an die Arbeit.
Im letzten Wahlkampfe war das völlige Faltchfplelen unserer Gegner das Gegebene und Charakteristische. Das waren nicht nur eine Hand voll Noten, die unter den Tisch fielen, sondern ganze Musikstücke, und statt dessen brachten unsere Gegi,er Vorführungen, die nach Art der Führer unserer Gegner mit orientalischem Gepränge auSgestattet, äußerlich gleißend, innerlich hohl und faul, die Köpfe verwirrten. Und was war schließlich das Ergebnis dieses Wahlkampfes, der von unseren Gegnern mit vergifteten Waffen geführt wurde? Die Herrschaft der Parteien, deren Einfluß zu brechen man oorgab. Gegen nichts zog der Hansabund so sehr ins Feld als gegen den Einfluß der Zentrumspartei. Daneben behauptete er schämig und verschleiert, man wolle auch die Sozialdemokratie bekämpfen. Jetzt aber ist das Ergebnis seiner Tätigkeit, baß ohne eine der beiden Parteien im Reichstage kein Gesetz gemacht werden kann. Die Liberalen aber, die der Hansabund zu großer Macht führen wollte, sind geschwächt und eine Traban- tentruppe der Sozialdemokraten geworden. (Lebhafte Zustimmung.) s Tie Vertteter von Handel und Gewerbe sollten vermehrt werden, doch Herr Kämpf, der derzeitige Präsident des Reichstages, der h * mnh( i'nrhhfritrtnhia irin maa. hebt selbst hervor, daß die
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Eichener Anzeiger
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1 r ^”*2mie5nununec Rotation5bruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. vormittags 9 Uhr. vüdingen: Zernfprecher Rr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.
beutet hier so viel als das kostbarste Juwel, das Gesck-enk des I baß er vor einiger Zeit in Tunis in einem Garten einen Himmels. Tie Göttin wirb dargestellt als ein Wesen mit drei Laubsäger, Fitisvogel (Phyttoscovus trochilus) in einem Busche Stöpien; der linke ist ein Schweinskopf. Hierin fußt eine alte j bemerkte, der heftig mit den Flügeln schlug und pch in einer tibetanische Legende, die auf historischen Tatsachen beruht, ob- " wohl sie von den verschiedensten Ereignissen berichtet wird. So soll z. B., als im Jahre 1716 mongolische Horden in Tibet einbrachen, der Führer bei seinem srevlerischen Eintritte in das Heiligtum des Klosters statt irgend welcher Insassen nur eine Herde Schweine vorgefunden haben, die, teils männlichen, teils weiblichen Geschlechtes, von einer großen Muttersau angeführt wurden. Bestürzt wollte er sich entfernen, als sich plötzlich die 24 Schweine in ehrwürdige Mönche und Nonnen verwandelten, die von der hochlfeiligen Tvrdjre-Pagmo selbst angeführt wurden.
Tas Lebeii der Päpstin verläuft in den finstersten unb eintönigsten Bahnen: trotz ihrer Gottheit und ihrer überirbischen Kraft muß sie sieh äußerst strengen Regeln unterwerfen. So darf sie niemals in einem Bette ruhen: nur während des Tages ist es ihr gestattet, eine kurze Zeit in einem noch dazu höchft unbequemen Stuhle zu schlafen: die Nacht jedoch hat sie in religiösen Betrachtungen unb im Gebete zu verbringen. Von bet hohen Achtung, bie sie genießt, zeugt ihr Vorrecht, wie bie Großlamas im 'Tragstuhl zu reifen, ein Beförderungsmittel, denen sich sonst niemand in Tibet bedienen darf. Tas finstere unb jeder Weltfremde abholde Leben der Päpstin ist um so befremdender, als die „roten Lamas", zu denen sie gehört, im allgemeinen in ihren religiösen Anschauungen sehr lax sind.


