162. Jahrgang
Zweiter Blatt
Rr. 272
Erscheint täglich mit Ausnahme deS SonntagL.
von
lwen und den Bund der Landwirte. Die Volkspartei verliert Krailsheim an den Bund der Landwirte. Der Be- itzstand der übrigen Parteien hat sich bis- hernichtverändert.
Die Nationalliberalen gewinnen Welzheim von den S^ialdemokraten.
Montag, 18. November 1912
Rotaticmrdruck und Bering der Br üblichen Unwersuäts»Buch» und 6teinbrucfecei.
R. Lange, Gießern
werde. . . «
Herv 6 aus Italien ausgewrelen? •
Ter bekannte französische „Antimilitarist" Gustav Herve, der am Samstag abend in Nom eintraf, und am Sonntag aus einer Versammlung g e g e n d e n K r i e g sprechen wollte, wurde g l e t m nach seinem Eintreffen auf die P o l i z c r p r a f e ft u r zitiert, wo er z u r ü ck b e b a l t e n wird, brs eine Entt.cherdung darüber getroffen worden ist, ob er ausgewiesen werden ioll oder nicht. ____________________________
zur ländlichen Unfallversicherung noch mit einer ganzen Reihe von Anträgen der sozialdemokratischen Fraktion, resp. des Abg. Ulrich. Die Ulrichschen Anträge wurden sämtlich mit allen gegen zwei Stimmen, die des freifinm« aen und des sozialdemokratischen Vertreters, abgelehnt und zwar besinden sich darunter: Der Antrag auf Einführung de-> Proportional Wahlsystems bei Stadtverordneten-Wahlen, der Antrag aus direkte Dahl der Bürgermeister und Beigeordneten, und weiter die Anträge, betreffend das passive Wahlrecht für Pfarrer und Volksfchullehrcr in Stabt* und Landgemeinden, betr. die Aufhebung der Be» stimmung, das; in Stadt und Gemeindevertretungen mindestens die Hälfte dem höchstbesteuertcn. Drittel der Wählbaren zu entnehmet! ist, daß das Bestätigungsrecht der Bürgermeister und Beigeordneten aufgehoben wird, das; die Gemeinderatsfitzungen öffentlich sein sollen usw. 9hir bic zuletzt genannten Anträge würben mit Stimmengletat- hcit abgelehnt Der Antrag Ulrich, die Kommunalwahlen stets am Sonntag, unb zwar in der Zeit von 10—8 Uhr, stattfinben zu lassen, würbe ebenfalls abgelehnt, dagegen ein von dem freisinnigen Vertreter gestellter Eventualantrag, den Bestimmungen für die Landtagswahlen entsprechend die Wahlzeit für die Städte und die größeren Landgemeinden von 10—7 Uhr festzusetzen und in kleinen Gemeinden unter 500 Einwohnern die Wahl vorbehaltlich der Zustimmung des Krcisamtes in der Zeit von 2 7 Uhi zu gestatten, angenommen.
Die „chietzener .famltienblätter“ werden dem .Ameiaer* Biennal möchentlich bcigrlegt, daS „XrcUMett fttr den Kreis Sletzen" zweimal wöchentlich. Die „can-wirtschafttlchen Zeit* frage," erscheinen monatlich zweimal.
Rus Stadt und (and.
Gienen, 18. November 1912.
"Das GrohherzogSpaar ist am Samstag vor» mittag von seiner Reise nach Bayern wieder nach Darmstadt zurnckgekehrt.
" Lebrerpersonalien. Uebcrtraqen rourbe dem Schulamtsaspiranten Karl R ü h l au8 Michelbach bic Lehrerstelle an der Geinemdeschnle zu Helmbof. — Erledigt ist eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu P s u n g st a d t.
" Allgemeiner S taatSeiscnbahnvercin Dag zweite Winterfest, verbunden nut der Feier deS Geburtstages des GrostherzogS, stndet am Samstag, 30. Ro eiuber, auf der LiebigShöhe statt. Die Feier loirb durch Konzert der hiesigen Reginientskapelle, durch GesangSvorträge, Theater, humoristische Szenen und anschließenden Ball eine besonders festliche werden
** Ortskrankenkasse-Versammlung. Man schreibt uns: Die hiesige -Ortskrankenkasse hält morgen (Dienstag, 19. I. Mts.) abends im Gewerk, schaftshause (Schanzenstraße > ihre Herbst-General- u|ersamm-lung ab. Es ist Pflicht der Arbeitgeber, diese Generalversammlung möglichst zahlreich zu besuchen, da ihre Tagesordnung sehr lvichtig ist. Zur Erledigung kommen folgende Punkte: Ersatzwahl des Vorstandes (von den Arbeitgebern scheiden 3, von den Arbeitnehmern 4 aus), Wahl der Prüfungskommission, Antrag auf Zulassung und weiteren Ausbau der Ortskrankenkasse zur allgemeinen Ortskrankenkasse, Berichte über die Kölner Jahresversammlung des Hauptverbandes deutscher -Ortskrankenkassen (Reckstsanwalt Raab) und über die Bad-Nauheimer Jahresversammlung !der freien Vereinigung der Krankenkassen im Groß Herzogtum Hessen i Geschäftsführer Fourier). Da die Bedeutung der sozialen Gesetzgebung immer mehr wächst, liegt dem Arbeitgeber die Verpflichtung ob, sich über sie eingehend zu unterrichten und insbesondere die Rechte auszuuben, die ihrn neben den nicht geringen Pflichten durch das Gesetz gegeben sind. Das faitn er aber nur, wenn er die Versammlung^ besucht und bei allen Fragen, bei denen er mitzuentscheiden hat, seine Stimme abgibt. Der Kaufmännische und Lrtsgewerbeverein fordern daher ihre Mitglieder zu zahlreichem Besuch dieser Herbst- versammlung am Dienstag auf. (s. Anzeige).
**Der Männerturnverein feierte am Samstag abend in Steins Garten sein diesjähriges Winterfest, das sich eines starken Besuches zu erfreuen halte. Das reichhaltige Programm wies neben Konzertstücken hauptsäch-
Redaktion, teypebihon und Druckerei: Schul* (trage 7. Expedition und Verlag: bl.
Redaknom^MK 112. Tel.»Adru AnzelgerEießen.
Die sozialdemokratischen Sricöensfunögcbiin^en.
Berlin, 18. Nov An den sozialdemokratischen Bersamm- lunaen, um für den Weltfrieden einzutreten, beteiligten sich gestern schätzungsweise 30 000 Personen. Tic fremden Redner waren febr vorsichtig in der Form, um der Behörde keinen Anlaß zum Einschreiten zu geben. Die -LcutidKit legten sich weniger Selbslbeherrschung aus. Tic Bcriammlung und der Abmarscl» der Massen nahm im ganzen einen rühmen Verlau'
Der Polizeipräsident v. Iagow hatte das Auftreten der ausländischen Führer davon abhängig gemacht, daß ckc nch m deutscher Sprache äußerten, ein Ilmsland, der die all gemeine Ausmerksamkeil nur noch mehr aus die Peranualtung gelenkt balle. Ter Hauptansturm der „Genossen" richtete Um in das Versammlungslokal „Neue Welt", wo F a u r e s über das Thema „Mricg dem Kriege" sprach. Er sagte u. a.: Proletarier aller Länder leiden unter der Last des bewaffneten Friedens, und wenn die regierenden Klassen zum allgemeinen Krieg losschlagen, wird der Sturm den Dämon der Revo- lulion Hervorrusen. Wir wollen alle einig sein gegenüber dem Wahnsinn der herrschenden Miauen, und idijmrbc meinen irair zösischen Genossen sagen, daß die deutsche .Sozialdemokratie mit allen ihren Organisationen und mit allem Idealismus cintteht für den Frieden und die Einheit der Völker, und daß wir alle auf dem nächsten internationalen Proletarierkongreß nut der Mrfljt und der Gewalt der Stimmen von Millionen unterer Anhänger uns gegen die Hetzer zum Mriege wenden.
/S d) c i b e m a n n in Pari s.
Paris, 17. Nov. In einer heute vor ben Toren
Paris in St. Gervais abgehaltenen sozialbemokratffchen Protestversammliing gegen den Krieg erklärte der beutimc Reichstagsabgeordnete Scheidemann, bau int Falle eines Krieges bas deutsche Proletariat nicht aut seine französischen trüber schießen
— Ein Meister der Erdkunde. In Schul- und Ge* lehrtenkreisen wird am 18. November d. I. der 100. Geburtstag des graphischen Schriftstellers Hermann Adalbert Dani e l gefeiert werden. Daniel wurde 1812 zu Köthen geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Halberstadt und die UmDerutät Dalle. Von 1834—1870 wirkte er als Lehrer und Erzieher am Kgl. Pädagogium in den Franck eschen Stiftungen zu Halle, ^ie Anhänglichkeit seiner Schüler und die große Wertschätzung leckens seiner Mollegen und Vorgesetzten sprechen für seinen Eharakter. War D-aniel schon ein vorzüglicher Lefrer, so hat er doch noch größere Bedeutung erlangt pls Forscher und Gelehrter. Lern Verdienst ist cs, der Geographie, die bis dahni wenig gepflegt wurde, mehr Beachtung und vor allem Ausnahme in ben Schul unterricht verschont zu haben. Dies gelang ihm durch seine verschiedenen Lehrbücher. Seine leichtsaßliche, lebendige Dantellungs- ivcne machte den Schülern den vorher verschmähten Stoff mund- acr'dit und intcrcifam. Daniel schöpfte seine Studien aus den Werken der Großen dieser Wissenschaft: Humboldt, Ritter u. a. And) unternahm er selbst Forschungsreisen, die ihn icdoch selten über die Grenzen des Vaterlandes hinausfübrten. 1844 erschien fern erstes , Lehrbuch der Geographie für höhere Unterrichtsanstalten". Der Erfolg, den dies Buch üd> rasch in Deutschland erwarb, und die Uebersetzung in einige fremde Sprachen beweisen feine Brauchbarkeit und feine Notwendigkeit. Wenige Jahre später erschien der weltberühmte „Leitfaden für den Unterricht in der Geographie", der in seinen verschiedeneit Ausgaben: für allgemeine Schulverhältnisse, für Mittelschulen, für höhere Lehranstalten, für höhere Mädchenschulen und Lyzeen, einige mit zahlreichen Abbildungen versehen —, ohne in die Bilderbuchmanier zu verfallen — über ganz D-eutt'chland und im Ausland verbreitet ist. Daniels Bucher sind keineswegs veraltei. sondern stets zeitgemäß vervollständigt worden. So'erfreuen fü iich heute noch einer gleichgroßen Beliebtheit wie zu Daniels LÄizeiten. Das „Lehrbuch." hat leine
Dichter aus. Als Schilling zeigte sich Herr Kurt Ehrle wreder als ein Schauspieler von ganz außergewöhnlicher Begabung. .tic vanna Elias spielte Frau Raffay. Ten Mäurer gab Herr Baumeister. Frl. Käte Meißner die Lucic und Frl. Heumann die Eveline Tie Spielleitung hatte Herr Valdek, der die landschaftliche Stimmung, die dem Trama als Hintergrund dient, lehr wirksam hervorzubringen verstand.
Gabriel Schillinas Flucht.
Darmstadt, 17. Nov.
Gerhart Hauptmanns Drama ist die Tragödie eines Schwächlings, der zwischen zwei Weibern, einer pervers intellektuellen Russin und einer geistig unbedeutenden äeuttchen hin und her geschleud-'it wird. Schilling ist ein Maler mit leidlichem Talent. > bat er aber in Berliner EafShäusern und in unfruchtbaren Liebc- , (eien unb Liebesrasereien vergeudet hat. _ Neurastheniker ist er geworden, ber sich anlelmeii muß, aber selbst nicht einmal die Kraft mehr besitzt, sich fefnubalten ^n einem wichen Lu'tand seelischer Verkommenheit suckst er Sdmtz bei dem Bckdhauer Maurer, seinem Freunde. Mäurer ist das Gegenteil von Schilling: track- voll unb lebensmutig Audi er steht zu einer fyrgu in Beziehung Mer er ist nicht an der Liebe leidend, er laßt sich beglücken, bestrahlen. Stimmungsmensch ist auch er, nur mit dem Unter mürbe, -aß er die Stimmungen beherrscht und nicht nc ^ibn. -ucie >2>eü ist seine Gefährtin, ein kübl denkendes, klares Somtenktnd, da-.- ohne Sentimentalitäten in die Welt ncht. unb telbnorwust:. selbst in dem Augenblick, wo ihr Mäurer zu entgleiten droht. An diesem Kraftmenschen gemessen, wird Zwilling mmo'.'lein er. «a klein, daß uns sein Schicksal gleichgnlttg wird, «cktllmg ut ferne tragische Gestalt, er ist ein Ueberzähliger, den dw Natur aus verbrauchten Nerven erschaffen hat. AuS verbra ucku c n Nerven und einem Uebcnnaü von Sinnlichkeit Er must — ^ '"N wlle i Klaren Geistes hätte freier ^chwackilmg wobl mc den Eickickluf, 1 fassen können, den Fraueii unb dem Leben 511 fliegen. .
Mäurer hat mit seiner <vreunbui Aufenthalt an ber Ostler genommen. Dorthin also geht Schilliiw, ber bir cmigen MIagt lieber seines Weibes Eveline ums tägliche Brot Nickt mehr hören will. „Nimm Kraft aus deiner Schwache" ruck ihm Maurer. zu. Nnd wenige "Augenblicke lang faiclt Gabriel etwas von Entfchlonen- S'it. Aber seine Emergie Überdauert nicht einen Tag. Hanna erscheint auf der Bildfläche. Sicist ihm gctolgt gut?t Vor stctze versinken in das Nichts. Er ist in dm Krallen die,er Blutt ifflugerüt nun ein rettungslos^ Verlorener, unb wenn er endlich ins Meer geht, atmen wir erlöst aut. . an..««.
Es ist eine auälenbe Tragödie, der !mr unter gciunite. ©ollen ixmfcrc gesunde Kraft cntgegcnltenrmcn. Wir wollen mckts mit miefem Gabriel Schilling gemein haben. Maurer und Lueie sind mnb sollen unsere Kameraden sein. .
Trotz der guten Darstellung und Regie wollte kerne Begeisterung durchbrechen. Man zeichrnete mehr die Darsteller als den
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
83 Auflage, d. h. - jreitung in 416000 Exemplaren erlangt und der „Leitfaden" sogar eine Verbreitung in 1 655 000 Exemplaren und ist somit das am meisten verbreitete geographisckie Schulbuck der Welt Auch ein größeres wissenschaftliches Werk aut diesem Gebiet entstammt der Feder Daniels: „Das Handbuch der «Geographie in drei Bänden". Pros. Dr. H. A. Daniel starb am 13 September 1871, nachdem er kurze Zeit in Dresden im Ruhestand gelebt hatte. Sein Lebenswerk, die Ausarbeitung der Geographie zur Schulwiffcnschaft, hat seinem Namen Weltruf und Unsterblichkeit verliehen.
— Allgemeines Deutsches Kommersbuch. Für die in Vorbereitung befindliche 100. Stuftage des SCHgemeinen Deutschen Kommersbuches hat die Redaktion eine Slnzahi Sieber» texte ausgewählt und der Pfleger ein Preisausschreiben für die besten Kompositionen erlassen. Nachdem der Einsendungs- termin für den Wettbewerb abgelausen ist, gibt die Verlagsbuch- banblung von Moritz Schauenburg in Lahr «'Baden) als vorläufiges Ergebnis bekannt, daß die Wettbewerbsbedingungen von über 1100 Interessenten verlangt wurden. Von diesen beteiligten sich 736 Einsender mit 2437 Kompositionen an dem Wettbewerb, so daß also den mit ber Prüfung betrauten Herren Preisrichtern eine ganz erheblidje Arbeit zufällt und das endgültige Wettbewerbsergebnis fo rasch nicht erwartet werden kann. Der weitaus größte Teil der Einsendungen, närnlich 681, erfolgte aus Deutschland: Cefeerreicb-Ungarn ist mit 41, die Schweiz mit 8 Bewerbern vertreten, während ber Rest aus sonstigen europäischen und sogar überseeischen Staaten stammt. Bei diesem weltum- spannenben Interesse bars man wohl auf bas Ergebnis des Preisausschreibens gespannt sein.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Geheimer 5?vfrat Dr. phil. August Horstmann, ord. Honorarprofessor für Chemie in Heidelberg, feiert am 20. dieses Monats feinen 70. Geburtstag. — Geheimrat Professor Tr. meb. Lubwig Stieda, ber bekannte Königsberger Anatom, begeht am 20. November sein 50jähriges Dozenteniubi- läum. Am 19. November 1837 in Riga geboren, studierte er in Dorpat, Gießen, Erlangen, Wien und habilitierte sich im Jahres 1862 in Dorpat. Im Herbst 1885 folgte a. o. Professor Stieda einem Rufe nach Königsberg als Nachfolger von Professor Merkel.
Ans befielt.
Die Einberncktng ber zweiten Kammer war, so wird uns ans Darmstadt qeschricbcn, vom Präsidium der Kammer zuerst schon für den 26. November in Aussicht genommen worden. In Rücksicht daraus aber, daß zu dieser Zeit mir ein für wenige Tage ausreichendes Beratunasmaterial vorhanden gewesen wäre und die Kammer alsdann noch einmal um Mitte Dezember hätte ,^u- sammentreten müssen, hat Präsident Köhler die Einberufung erst für Dienstag, den 10. Dezember, angeordnet Bis zu diesem Termin wird es nicht nur den Ausschüssen möglich sein, noch verschiedene weitere Beratungs- acaeiislände für die Plenarsitzungen fertig zu stellen, nric l. B. das Gesetz über die Abänderung der Handelskammern, sondern man erwartet vor allem auch, daß inzwischen die neue Vorlage über die B e s o l d u n g s - ordnung eingegangen ist und deren Studium dann bereits so weit vörangeschritten sein wird, daß sich die verschiedenen Fraktionen der Kammer schon mit der ganzen bedeutungsvollen Materie werden befassen können. Weiter dürfte bis dahin auch über den noch zwischen Regierung und beiden Standekammem strittigen J-nitiativ- Gesetzentwurf über die Besoldungsänderung für die landständischen Kammerbeamten eine Derständiguna erzielt worden sein, so daß etwaige heftige und zeitraubende Kam- merverhandlungeti über diese Angelegenheit erspart werden könnten.
Ter Gksehgebungsausschuh.
rb. Tarnt ft abt, 17. Nov. Der Gesetzbebnngs- Ausschuß ber Zweiten Kammer beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung neben ber Beratung des Ausführilugsgesetzes
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Der Kaiser bei der Einweihung der Voder Taispeire bei Mauer.
Der Kaiser wohnte am Samstag von Hirfchberg aus 1 tz-r Eüurei!ung ber Bober-Talsperre bei Mauer HK. Sic ist die größte Talsperre Deutschlands unb unter großen technischen Sck» vierigkeiren, unter Jeitnng des Baurats Bachmann, erbaut worben. Nach ipehrfährigen Vorbereitungen an Ort unb Stelle würbe im 20. Juni 1908 in Gegenwart bes -Prinzen Friebrich ^.ilkielm von Preußen tM'r Grundstein gelegt. Sie ist ztir Zurückhaltung von 50 Millionen Kubikm.cker Wasser bestimmt, unb ber Stausee wirb sich, wenn er später gefüllt ift, ackckeinhalb Milometer boberaufwärts erstrecken^ Tic Oberfläche bc? Stausees mißt 240 Hektar Tic Sperrmauer hat eine Länge von 280 Meter, eine Höhe von liO Meter, eine Fußbreite von 50,3 Meter unb eine Mrcmcn» breite von 7,2 Meter. Die Baukosten belaufen sich auf •>650000 Ml , bie Gmnberwcrbsiosten auf 2 500000 Mk.; MDon trägt ber Staat 4/.„ bie Provinz ’/5. Außerbcm trägt bic Provinz bic Kosten für bas dort erbaute El ktrizi- tetswerk in Höbe von 2V» Millionen Mark, bas später ber U.cfcrung non elektrischem Strom durch Fcrnleitungsnetz für Niederschlesien bicnstbar gemacht werben soll.
Uetrcr bic Eimveihung erhalten wir solgetide Meldungen:
Mauer Talsperre, 16. Nov. Gegeii mittag klärte sich bc5 Wetter etivas auf. In kurzer Folge brachten Sonberzüge sd)arcn von Menschen, Mricgcmcreinc mit Fahnen, ebenso bic rfeuenneln- und die SKnien ber Umgebung. Gegen zwei Uhr ver 4inbt*t.'n Hochrufe, bic fick an dem niclfad>en Eckw ber Berggrünbc brachen, das Herannabeu des Kaisers. An der Brücke mürbe yr Kaiser voin Priu - n Friebrich Wilhelm, dem Herzog von Totibor, dem Gr:'.f( Strsch unb bei» Lanbesbaupimann Freiherrn 33ii Richtigstn empfangen unb nach bem Kaiserzelt geleitet. Der Herzog von Ratibor hielt hierauf eine Begrüßungsansprache, in bet er sagte: .
Ms im Jahre 1897 weite Gebiete unterer Heimatprornnz durch die von ben Bergen herabstürzenden Fluten verwüstet worben waren, war es Eure Majestät, die bic Stätten bes Ilenb-,- auffuri.tn, helfenb unb tröitenb. Damals schon würbe r-5 bei Eurer Maief, it fest beschlossene Sache, baß fr er uorge- beugt werben müsse, damit künftig derartige Berfrerungen ocr- mindert, ober doch ininbestens am in geriiiges Maß beschränkt würden. "!ls bie Snrägungen in Taten umgesetzä merben sollten, ei' Eure Majestät unS zu: Baut Talsperren! unb wiesen und au; bic Werke bes Meisters Jntze hin.. Wie ost sagte der damalige Oberpräsident, Fürst von Hatzfelb, wenn wir ihm für bie Inangriffnahme bes Baues von Tal- fperi.'i danken wollten: Nick.-i nur aebübrt ber Dank, sondern brm Maiser, ber zuerst den Gebanken erfaßte: ich war nur der Vollstrecker feine? W'l.'nrS. Heute stehen wir vor dem Schluß- ftein bre« gröl ten dieser Werke unb sind glücklich, an dieser Statte v r Majestät unseren tiefsten, ehrftirck/tsvollsten Dank barbrirgen unb • Füßen legen zu dürfen.
Sodann :;:elt Gras Stosch einen längerem Vortrag über bie turdMiih unc ^er H-eck-waff-rsckmtzgeksetzgebnng für Schlesien. Darens fiel bu- Hülle des Denksteins, worauf der Herzog von Ratibor ein breiiad'f- Hurra auf ben Kaiser aus brachte. Der Kaiser iefiditigte , jiaet: ub ben D<mkstein unb nahm bie Vorstellung bes Droseffors G-.-ien entgegen sowie die Baurats Backmann und ber MiigUfb-'r be? .'ir'isau.ffckmsses. Daran schloß sich ein Runb- gan.i an. ?.'ai’ herjlidjcr Verabsdstebung von ben einzelnen Herren trat der Monarch nach 3 Ul;r im Automobil bie Rückfahrt
nach Hirsckberg an. _ . . .
Wildpark, 16. Nov. Der Karger trat um 10 Uhr 5 Minut :i von Oberschlesien fommenb fr er ein und begab sich im Automobil nach bem Neuen Palais.
Der Kaiser trat heute abend 11 Uhr mit Gefolge bic Reise nach Kiel zur Rekrutenvereidigung au.
Die tofirftcmbergijchen Laudlaazwahleu.
Stuttgart, 16. Nov. Bei ber heutigen Landtagswahl wurden im ersten Wablgange von 69 Oberämtern iinb „Guten Städten" 45 Mandate entschieden. Davon entfallen auf das Zentrum 19, den Bund der Landwirte mtb die Konservativen 10, die Sozialdemokraten 7, bie Volkspartei 6 und die Nationalliberalen 3. 24 Nachwahlen sind erforderlich. Die Nationalliberalen verlieren Eßlingen und Maulbronn an die Sozialdemokraten, ferner Mergentheim und Hall an die Louserva-


