achtet worden.
S.
3 eurer
Geschäftsordnung für berechtigt, während Stadtv. U. r st a d t Be-
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. In B u d a p e st ist der langjährige Vertreter des römischen Rechts an der dortigen Universität ord. Professor Hofrae Dr. jur. Tl>omas V e c s e y im Alter von 73 Jahren gestorben. — Ter Deutsche Verein für Schulgesundheits- pflege wird in Gemeinschaft mit der Vereinigung der Schulärzte Deutschlands ferne diesjährige 12. Versammlung vom 28. bis 30. Mai in Berlin unter dem Vorsitz des Ministeriav« direktors Kirchner halten. — Wiener Blättern zufolge ist vor der Generalversammlung der k. k. zoologisch - botanischen Gesell- schast zum ersten Male die Verleihung der, anläßlich des Pro» tektoratsiubiläums des Erzherzogs Rainer gestifteten Rainer- Medaille, vorgenommen worden und zwar an den Botaniker Professor Baur-Berlin und den Zoologen Professor Boveri Würzburg.
Sitzung -er Stadtverordneten.
Gießen, 18. April.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: die Beigeordneten Keller, EnimeliuS und Grünewald: die Stadtverordneten Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Friedberger, Gabriel, Habenicht, Dr. Haberkorn, Heichelheim, Helfrich, Helm, Jann, Krumm, Löber, Loos, Orbig Petri, Plank, Simon, Urstadt, Vetters, Wallenfels, Wina.
ICirdjc und Schule.
* D i e 25. Generalversammlung des Evang. Bundes wird vom 3. bis 6. Oktober in Saarbrücken stau- finden. Für Sonntag, 6. Oktober, ist eine nationale Feier int , Ehrenthal" geplant. Alle Vorbereitungen lassen eine bedeutende Kundgebung deS deutschen Protestantismus erwarten.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter die,er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Lang-GönS. Am 6. d M. wurde durch den hiesigen Orts- und Polizeidiener bekannt gegeben, daß u. a. auch das Reinigen der Schulsäle an den Wenigstnehmenden vergeben werden soll. Wenigsmehmender war nun ein Steuerzahler, dessen Frau acht Jahre lang das Schulreinigen zur Befriedigung der Lehrer ausgeführt hat und trotzdem wird diese Arbeit anderen Personen übertragen! Ter Einsender erlaubt sich die Frage, welche Gründe die Gemeindeverwaltung haben mußte, um ihrer Bekanntmachung durch die Ortsschelle so zuwider zu handeln, toic Dies geschehen ist. Der Einsender hat noch nicht wahrnehmen können, daß unsere Gemeinde Geld weg zu werfen hätte und wäre der Gemeindeverwaltung dankbar, wenn sie die Gründe öffentlich angeben wollte, warum nicht der Wenigstbietende die Reinigung^ arbeiten bekommen hat?
eig. Grünewald Hal. den Wnn'ch tti
ft und Wissenschaft.
— Zur gestrigen Sonnenfinsternis wird uns von einem Leser geschrieben: Die gestrige Ausgabe dieses Blattes enthielt in dem von Paris erstatteten Bericht die interessante Mitteilung, daß bei der dortigen ringförmigen Sonnenfinsternis der Planet Venus 12 Uhr 48 Min. gesichtet wurde. Auch hier in Gießen, in dem Gebiet der oberen partiellen Finsternis, konnte er lange Zeit mit unbewaffnetem Auge gesehen werden. Er stand als blasser Stern rechts unterhalb der Sonne, etwa 2b Mondbreiten von ihr entfernt. Ich entdeckte die Venus kurz nach 1 Uhr. Gewiß war sie schon füherr sichtbar, denn ich konnte sie bis */43 Uhr verfolgen. Hoffentlich ist diese interessante Erscheinung unseres jetzigen Morgensterns noch von vielen beob-
Mitteilungen.
Ter D o r s i tz e n d e weist darauf hin, daß die heutige Sitzung die erste unter der Herrschaft der neuen Stadteordnung ict. A/te Städteordnung bringe manche gute Aenderung mit stch, von anderen müsse man erst abwarten, ob iw richtig feien, tfur die Atzungen der Stadwerordneten kommen zunächst zwet Neuerungen in Betracht. Es muß festgestellt werden, datz mehr als bie Halste der Stadwerordneten anwesend ilt- 2/lc^
Ter Sitzungsbericht ist von dem Vorsttzenden, zwet.^tadweror^ netcn und dem Schriftführer zu unterzeichnew. Auf Vor,chlag des Vorsitzenden beschließt man, daß dem ^tenstalter nach ie 2 der anwesenden Stadtverordneten als UrfunbSper 1 onen tätig |etn sollen. Für heute sind dies die Stadtv. Petri und Wallensels
Ter Vorsitzende hat den drei Ehrenbu^ern der Stadt Mitteilung von der Wahl, Bestätigung und Etmuhrung des Beig. Grünewald gemacht, worauf Gehetmerat Gafsky schrift- Vvd) ^in^Eingabe eines Beamten wegen Gehaltsaufbesserung geht an den Finanzausschuß.
Baugesuche.
Dem Aug. (saunte ist im Jahre 1889 bei Errichtung seine« Hauses Ludwigstr. 41 gestaltet worden, eine Mauer, die eigentlich als Brandmauer auszubilden gewesen wäre, mit Türen und jcnuern zu versehen. In zwischen ist ein Nachbargebaude errichtet worden, so daß die Brandmauer jetzt errichtet werden mußte, Ta kein Bedenken gegen die Belassung des seitherigen Zultandes vorliegt, wird Dispens von der Ällg. Bauordnung befürwortet.
Ein Baugesuch des Generalleutnants Klingelhöffer für die Georg-Philipp-Gail-Straße betrifst die Errichtung eines Pa- tentschornsteins. Ter deshalb erforderliche Tispens wird gud- gehechew Christel wird ein Dispens wegen eines 40 cm vorspringenden Erkers an seinem Neubau in der Mühlstraße befürwortet. m
Tem Ernst Krause wird gestattet, die Brandmauer des Hauses Mühlstraße 20, die wegen Aufbau eines Stockwerkes aul 50 cm gebracht werden müßte, in der jetzigen Stärke von 38 cm zu belassen. ,
Tie Herren Ritzert und Stein wollen an der Ltcher Straße zunächst der Kaserne zwei zusammenhängende Wohnhäuser errichten, für die Dispense erforderlich sind, weil der Bauplatz außerhalb des Bebauungsplanes liegt, die Fassade statt 8 nur 7 Meter breit ist und die Einfriedigung in Holz erfolgen soll. Tie Tispense werden unter der Bedingung erteilt, daß ein Vorgarten von 5 Meter Tiefe angelegt wird.
Tem Philipp Nicolaus wird bei seinem Neubau in der Süd-Anlage die Anlage der Einfriedigung in Holz gestattet.
Ltädllfche Straheao unh GtrndtücksaugelegenheiUn.
Hanöet und verkehr, Volfsivirtfdyaft.
** Deuts eher Verband Kaufm. Vereine. Der Verband, der in diesem Berichtsjahre um rund 6000 Mitglieder Angenommen hat, versendet gleichzeitig mit seinem Tätigkeitsbericht die Einladung zum diesjährigen Verbandstage, der am 19. bis 20. Mai im Reichstagsgebäude in Berlin staltfinden wird. Die Tagesordnung umfaßt einen Vortraa über ,,Kaufmannschaft und Weltwirtschaft", den Syndikus Dr. Gust. S t r e s e m a n-T resdcn übernommen hat. Außerdem werden Vorträge über ,chie Ge» baltsfrage der Handlungsgehilfen" (Berichterstatter Hugo Schwarz- Frankfurt a. M.) sowie „die Notwendigkeit der Jugendoraani- latum für den Deutschen Kaufmannsstand" (Sorfcagenber Ernst Vesper-Barmen) zur Verhandlung gelangen. — Der Verband verausgabte in diesem Jahre eine interessante Statistik über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, die für die kommenden Ver- Handlungen ttn Reichstage von aktuellem Interesse sein wird.
<9crid?ttfaaL
Mainz, 18. April. Der frühere Kassierer des Deut- chen Bauarbeiterverbandes (Zahlstelle Mainz) Wilhelm Werner hatte sich wegen Unterschlagung zu ncranl warten. Werner genoß großes Vertrauen, sowohl bei den Bauarbeitern als auch in der sozialdemokratischen Partei, deren Bezirkslasiierer er war. Tem Bauarbeiterverband ;at er 5aö.71 Mt., der Bauarbeiterschutzkommission 28.89 Mark, der sozialdemokratischen Partei 219.50 Mk. unter- chlagen. Dem Bauarbeiteroerband hat der Angeklagte 323.71 Mk. zurückerstattet. Ter Angeklagte erhärte, er wisse nicht, wie die Fehlbeträge in den von ihm geführten Kassen entstanden. Ter Amlsanwalt beantragte 1 Monat 3 Wochen und 5 Tage Gefängnis. Durch heute verkündetes Urteil wurde Werner zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Das Mainzer Schöffengericht hielt für fesigestellt, daß der Angeklagte für die sozialdemokratische Partei und die Ver- bände vereinnahmte Gelder unterschlagen und für sich behalten habe. Tie unterschlagene Summe wurde auf 418 Mk. esrgestellt. Der grobe Ver^auensmi^brauch uno der Um- taub, daß es Arbeitergelder waren, die der Angeklagte unterschlagen', sei bei Ausmessung der Strafe erschwerend ns Gewicht gefallen.
Internationaler psychologenkongreh.
-- Berlin, 18. April.
In den fortgesetzten Verhandlungen deS 5. Internationalen Kongresses für experimentelle Psychologie führte Professor K i e - ow (Turin) einige interessante optnche Täuschungen vor, die er vor allem dadurch erklären will, daß Vorstellungen, bte gleid> zellig ins Bewußtsein treten, einander gegenseitig beeinflussen. — L. Marlin, Professorin der Psychologie an der Stanford Univerfity in Californien, sprach über die Lokalisation der vi- iblen Bilder normaler und anormaler Personen. — Katz (Göllingen) zeigte in feinem Dortrage über „Experimentelle Psi>- chologie und Gemäldekunst" einige von den Umbildungen, welche der Maler im Kunstwerk mit seinen natürlichen Eindrücken vornehmen muß, und der vornehmlich in der Unterdrückung eine« Elementes, z. B. der Farbe, des Lichtes usw. besteht, unter Hervorhebung anderer.
Menzerath (Brüssel) sprach über die sogenannten „Kom- plexmerkmale beim Assoziationsexperiment".
In der Aussprache führte S o m m er (Gießen) einen Apparat zur praktischen Darbietung von Komplexworten vor.
mm» ’vt Ää I SmÄ? £ ÄÄÄ ES
^e r tigg e stellt und wird gleichfalls m bex nächst Session dem Hause zugehen. ,
Nun die Fragen internationalen Charakter?. Degen ein
j-t E- ß nale Konferenz bat einen Entwurf seNgestellt "e ? Verein-
S. Ä? Ä ein »f steh,
in Aussicht.
Bei bet gorSerung bet ® t Ijö5 uin 0 S«f.t ®em ten Ein« °E-1n-"e°rhöh» ng°d-i"G-iüh»u l"-chl«°nwSU- Innn em standesgemäßes Einkommen zu bieten. ^n Bewe'S baf^. daß die Gebühren dafür nicht ausreichen, ist noch nicht gevracht worden. Auf unseren Fragebogen haben b'« «nwaltSkammern die Antwort nicht direkt verweigert, aber sie haben erklärt, datz Fer Fragebogen ganz ungeeignet fonrt. Die DunbeSregsetungen sind der Ansicht, daß ein e G rh oh un g de r G e buhr en nicht notwendig sei. Die Sache ist noch nicht geklart, zu meinem Bedauern kann also eine allgemeine Erhöhung der Gebühren de. RcckiSanwälte jetzt nicht vorgenommen werden. ES mag viele Anwälte geben, die nicht ein genügendes Einkommen haben, das liegt aber nicht an den Gebühren, sondern on bet Uebeifülle von Anwälten. (Sehr richtig.) Ein Gesetz- Entwurf über die Erhöhung der Gebühren der Zeugen und Sachverständigen ist seit zwei Jahren fertiggestellt, aber mit Rücksicht auf bie Finanzlage dem Reichstage nicht vorgelegt worden. Jetzt schweben Erwägungen, ob der Entwurf in diesem Zeitpunkte vorgebracht werden soll.
Die Bestimmungen über die juristische Vorbildung sind Sache der Einzelstaaten. Wir können die Angelegenheit nicht in die Hände nehmen, da uns die Erfahrungen dazu fehlen. Die Fortbildung der Beamten gehört noch weniger zu meiner Befug- nis, aber die Landesverwaltungen tun auf diesem Gebiete schon sehr viel durch Fortbildungsmöglichkeiten aller Art. Tie erste Lesung deS Strafgesetzbuches wird bis Ende des Jahres fertig- gestellt werden. Das Strafgesetzbuch wird dann wohl dem neuen Reichstag am 1. April 1917 vor- gelegt werden. Auch wenn es eher fertig werden sollte, wird es diesem Reichstag nicht mehr zugehen. Rach den Erfahrungen, die wir mit der Strafprozeßordnung gemacht haben, würde der Reichstag gar nicht fähig sein, in kurzer Zeit diese ausgedehnte Materie zu erledigen. Sachverständige der verschiedenen Gruppen sind dabei zugezogen worden, z. B. a u ch ein Herr von der Presse. Die StrnfrechtSnovelle wird vor der allgemeinen Revision nicht mehr vorgelegt werden. Einige Paragraphen können aber wohl herausgenommen werden. Ein entsprechender Vorschlag liegt den Bundesregierungen vor.
Herr Stadthagen hat gestern sehr übertrieben lind verallgemeinert. Wenn er behauptet, daß zwei Schulmädchen und ihre Eltern schwer bestraft wurden, weil sie Kohlen auflasen, so muß doch festgestellt werden, daß die Leute mehrfach gewarnt worden sind und daß sie mit den Kohlen einen schwunghaften Handel getrieben haben. Ter Staatssekretär geht dann auf eine Reihe einzelner Falle ein. In dem Falle des Arbeiters Hermann ist alles Nötige schon un Abgeordnetenhause gesagt worden, es ist tatsächlich alles geschehen, was geschehen konnte. Ter Fall ist bedauerlich, wird aber unter ähnlichen Umständen wieder Vorkommen können. Tie Behauptung, bei den Ruhrftrelkprozes fen fei das GerichtsversassungSgejetz außer Kraft gesetzt worden, weise ich mit allem Nachdruck zurück. Weil bte Strafanzeigen sich mehrten, wurden Hilssrichter eingesetzt und die Geschäfte anders verteilt. TaS ist ganz korrekt und kein Ausnahmeverfahren. (Sehr richtig! rechts.) UebrigenS ist das Sache des Gerichtspräsidiums und nicht des Justizministers. Auch bei den Verhaftungen ist nicht ungesetzlich verfahren worden. Daß die Strafprozeßordnung nicht zustande gekommen ist, ist nicht Schuld des RcichsjustizamteS. Zurzeit ist erst abzuwarten, wie die Reform des Strafrechts ausfällt, ehe wir die Arbeit wieder in Angriff nehmen tonnen.
Abg. Holtschke (Kons.)'
kittet um recht baldige Vorlage einet Novelle über daS Jugendrecht und andere dringende Materien. Ter Redner spricht über die neuerlich sich häufenden Zusammenstöße zwischen den Richtern und Verteidigern urtt führt das auf die Reklamesucht bet Rechtsanwälte zurück. Er begründet eine Resolution seiner Fraktion, die zum Schutze der Jugend einen Gesetzentwurf gegen die Schmutz- und Schundliteratur und die Auswüchse des Kmcmato- graphen fordert. Er verteidigt den Richterstand gegen dje An- griffe Stadthagen».
Abg. Dr. b. LaSzewöki (Pole) begründet eine Resolution, die Tagegelder für Schöffen und Geschworene fordert. Der Redner führt Beschwerde über Verletzungen de» Verein»- und Versammlungsrecht». Bei dem unschuldigsten Polen operieren die Richter mit dem Gedanken, er wolle die Provinzen loSreißen.
Abg. Mertin (Rv.)k
Die maßlosen Uebertreibungen de» Herrn Stadtbagen geben kin Urteil über seine ganzen Ausführungen. Eine schnelle Justiz liegt auch im Interesse der Angeklagten. Sn den Zänkereien vor Gericht tränt eine gewisse Gruppe von Strafverteidigern die Schuld; aber auch die Richter werd.n oft in einer Weise nervö», wie e» sich nickt gehört. Au« Prozessen, bei denen e» sich um Leben und Freiheit handelt, dürfen nicht Spektakelstücke gemacht werden.
Da» Hau» vertagt sich. Weiterberatung Freitag, 1 Uhr.
Schluß 6H Uhr,
Auf Wunsch des Architekten Huhn soll der Ausbau der verlängerten Bleichstraße jetzt schon vorgenommen werden, nach- dem Herr Huhn sich verpflichtet hat, die aut ihn entfallenden Straßenkostenbeiträge jetzt schon zu bezahlen. Tie Grundanlieferung hierzu wird der Firma Kahl übertragen.
Tie Herstellung einer G a r t e n e i n f riedig un g amR eal- g y m n a s i n m, die 850 Mark kostete, wird nachträglich gut» geheißen. ,
Ter Handelskammer wird der Bauplatz in der Lony- straße, den gegenwärtig Herr Kronenberg gepachtet hat, zum Selbstkostenpreis (22,67 Mark für den Quadratmeter) für die Errichtung des neuen Handelskammergebäudes abgetreten. Tie Stadt ist damit einverstanden, daß für diesen Teil der Lony- straße offene Bauweise vorgeschrieben wird und übernimmt die Kosten der vorläufigen und der endgültigen Kvnalisationsanlage. Tie Vereinbarung wird nach kurzen Bemerkungen der Stadtv. W i n n und Heichelheim genehmigt.
Konrad Walther will von der Stadt ein H».-ck Gelände an dem Seitengäßchen zur Neustadt pachten. Ta bte'' Angelegen» heil noch nicht genügend geklärt erscheint, wird si^-nach kurzer Aussprache zurückgestellt.
Tie Hinlerlandbahn.
Ter Vorsitzende teilt zunächst mit, daß die Ansicht, die Stadt wolle nach dem sogenannten Tezember-Abkommen allen Ansprüchen entsagen, bis die staatliche Nebenbahn Wetzlar—Sieben» köpf gesichert sei, nicht richtig sei. Es sei in dem Abk>mmen ausbrücklich gewahrt gewesen, daß eine Abzweigung nach Gießen angestrebt werden solle. Auch die weiter verbreitete Behauptung, er (Redner) habe kein Interesse an einer Vollbahn, sondern wolle nur eine elektrische Bahn, sei nicht richtig. Tie Verhandlungen roegeh des Baues elektrischer Bahnen nach Krofdors usw. feien älter als die Verhandlungen über das Hinterlandbahnproiekt. Ihre Weiterbetreibung sei in Punkt 3 des Abkommens nieder-- gelegt. Tas bedeute feinen Verzicht Gießens auf bas Hinter- landdahnprojekt, sondern eine Erweiterung der Bahn» vläne. Auch fei in dem Abkommen ausdrücklich gefegt, daß die Angelegenheit der elektrischen Bahnen unabhängig von dem Zustandekommen der Hinterlandbahn sei. Tas Tezember-Abkommen habe ein anderes Gesicht bekommen durch eine Besprechung mit dem Eisenbahndirektionspräsidenten in FranNurt. Tamals sei zugestimmt worden, daß in Gemeinschast mit den Kreisen Wetzlar, Biedenkopf und Marburg die Erschließung des Hinterlandes durch eine Nord-Süd-Verbindung zu erstreben sei, die an einem noch fesrzustellenden Punkte sich nach Wetzlar und Gießen verzweigen solle. Inzwischen habe per Landrat des Kreises Biedenkopf mitgeteilt, daß am 3. April der Krcistag^beschlossen habe, eine staatliche Nebenbahn zu erstreben, die im Süden nach Wetzlar und Gießen auslaufen solle. Zunächst aber solle die Bahn nach Wetzlar gebaut werden, da sich dem Bahnbau nach Gießen Schwierigkeiten durch das Vorhandensein der Bieberthalbahn in den Weg stellten. Einen ähnlichen Beschluß habe nach Blättermeldungen an demselben Tag der Kreistag des Kreises Wetzlar gefaßt.
Angc>ic. .s dieser veränderten Sachlage beantrage die 93er» kehrskommission nunmehr eine Eingabe an das preußische Ministerium der öffentl. Arbeiten, des Inhalts zu richten, daß es der Stadt Gießen fern liege, die Wünsch« der Kreise Wetzlar u. Biedenkopf auf Erlangung einer Bahnverbindung Biedenkopf—Wetzlar vereiteln zu wollen, aber sie erwarte, daß von dieser Bahn aus «pätestenS gleichzeitig mit der Verbindung nach Wetzlar auch eine geeignete Verbindung nach Gießen geschaffen werde. Abschriften dieser Eingabe sollen an das hessische Ministerium, die Landräte der beteiligten preußischen Kreise und an die beiden Gießener LandtaaSabgeordneten gerichtet werden. Eine ähnliche Eingabe sei bereits von den beteiligten Gemeinden (LrtSvorstehern und Bürgermeistern) des Hinterlandkreises an das preußische Ministerium gerichtet worden.
Stadtv. Heichelheim ersucht, auch der Handelskammer die Eingabe zugehen zu lassen, damit sie Gelegenheit habe, dazu Stellung zu nehmen.
Die Versammlung stimmt den Vorschlägen zu.
Die Bestimmungen über bie
AuSschufle und Deputationen
ber Stadtverorbneten-Beriammlung sind auf Grund der Art. 130 usw. der neuen Städteordnung voit der juristischen und Vorschlags- lommission neu bearbeitet worden. Wie Beig. Keller berichtet, sollen folgende Teputatwnen gebildet werden: Betriebs- iGas-, Wasser- und Elektrizität-), Bau-, Annen-, Schul-, Schlachthof-, landwirtschaftliche, Arbeitsnachweis-, Pserdemartt- und Einquar- tlerungsdcputatlon: ferner an Ausschüssen: Finanz-, Verkehrs-, Rechts-, sozialpolitische, Markt-, Schankkonzesiions-, Verkehrs-, und Theaterkommisswn, sowie der Atunitbeirat Weiter gelangen bie ziemlich umfangreichen allgemeinen Bestimmungen über bie Zahl und die WaÄ der Mitglieder, die GeschajiSordnung usw der Deputationen und Ausschüsse zur Verlesung.
Stadtv. Dr. Ebel wünscht, daß bei wichtigeren Vorlagen die Anrrage vorher in bie Hande ber StahtDecorOneten gelangen füllten. Das härte auch bei biefec umfangreichen Vorlage ge» ichehcn sollen.
denken gegen schriftliche Astimmungen auf Grund bei gefügt er Akte« bat Stadtv. Heichelheim ist für sofortige^Entichlieyung. Rack» weiterer kurzer Aussprache, an der sich bie «tablv. E i ch e- nauer, Wallenfels und Winn, sowie der Voriitzende beteiligen, wird beschlossen, bie allgemeinen Bestimmungen zu vervielfältigen und zusammen mit den besonderen Bestimmungen in der nächsten Sitzung zu beraten.
Die
Wirtschaft?konzesfiousgesuche
d«s Wilhelm Rehmann für Neuen Bäue 22 und deS Georg Schrimpf für Goethestraße 54 werden befürwortet.
Uttlversitäts-Nacbrlchten.
hk. Marburg. 17. April. Dr. med. et Phil. Martin Schenck habilitiert sich am 22. d. M. in der hiesigen medizinischen Fakultät mit einer Antrittsvorlesung über: „Synthesen im Tierkörper".


