'OGHAC
Leidem:
Montag, 19. ^ycDrimr 1912
1(>2. ^rtljrnrt’,a
u. a
Min.
Buß-
Ordnung.
Abg. Ledcbonr (Soz.):
Verschiedenheiten
Er dem ihm
Roinnontbrud und Verlag der Brüdlfchen Universität» - Buch» und StetnbtudectL ÖL Senge. Dießen.
Präsident Kaempf:
Das überschreitet die Grenzen der parlamentarischen
Nr. 42
Erscheint täglich mtf Ausnahme brf Sonntag«.
fjie ..Otetzener $«nillenblätler" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegL bat * Kreisblatt für den Kreit Liehen" zweimal wöchentlich. Die ..kandwirtlchaftlichen Lett, tragen" erscheinen monatlich zweimal.
Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck.
Abg. Ledcbonr (Soz.)
spricht sodann über Persien und die Unterdrückung der russischen Juden durch die zaristische Regierung, eine Barbarei, gegen die der Deutsche Reichstag Protest erheben müsse, und spricht seine Verwiinderung aus, daß jüdische Finanziers noch immer Geld an Rußland borgen. Die russische Regierung unter- hält im Ausland fortwährend Spitzel, dagegen ist Herr v. Kidcrlen ein kleiner Stümper. D-r Redner kritisiert sodann das Verbot der gemischten Ehen in Samoa, wodurch man bte Samoanerinnen ins Konkubinat und den regellosen Geschlechtsverkehr hineintreibe: das hat Herr v. Schuckmann getan, der eine fulminante Rede gegen die Berliner Friedrichstraße gehalten hat. Graf Westarp will Ausnahmegesetze und Mißbrauch polizeilicher Gewalt, trotzdem die Behörden die Arbeiter, wenn sie die berechtigten Mittel beim Streit und Boykott anwenden, schon genug terrorisieren. Ter Redner trägt lange aus seinem Material hierüber vor. Statt Ausnahmegesetzen ist" erforderlich die Ausgestaltung des KoalitionsrcchtS und Sicherung der Arbeiter gegen behörd- lichcn Truck. Tie skandalöse Wahlkreiseinteilung muß beseitigt werden. Wer diesen Ausland aufrecht erhält, der b r i ch t d i e Verfassung; und wenn der Reichskanzler zeigt, daß er — (der Redner führt den Satz nicht zu Ende).
Präsident Kaempf: Sie dürfen dem Reichskanzler nicht Der- fassungsbruch vorwerfen. Ich rufe Sie zur Ordnung.
Abg. Lcdebour (Soz.)
Mb. Deutscher Reichstag.
8. Sitzung. Sonnabend, den 17. Februar.
TaS Haus ist mäßig stark besetzt.
Präsident Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15
Die Generaldebatte zum Etat,
(Vierter Tag.)
Abfl. LcdkbouP (Soz.)7
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schiil- fttaBe ?. Expedition und Verlag, fern» Rebakllon:^»^llL reL-Adr^AiizeigerGießen.
risch« des BundeSrat«: Delbrück, Wermuth. ?itco, Frhr. v. Heeringen, v. Tirpih, Ställe
tastische Illusionen ....... - .
allmählich die Sozialdemokratie durch den visronismus zu einer bürgerl.chen Partei Umlaute re. Wir können uns Nicht andern, wir sind eine proletarische Partei, der die Politik nicht Stammtisch, vergnügen und Abendunterhaltung, sondern ein ideales «treven mit den höchsten Anforderungen ist. UebrigenS gehen Die Meinungsverschiedenheiten in anderen Parteien ebenso Her ’c ° bei den Nationalliberalen. (Heiterkeit.) ES gibt nur eine Partei, die heute noch geschloffen auftritt: daS ist die $är tc t • f * dowsky. (Große Heiterke'L) Aber selbst innerhalb dieser Parker scheint es große innere Seclenkämpfe zu geben, und ich glauve, cs wird nicht selten Vorkommen, daß sich der Posa und> ver Dowsky grimmig in die Haare geraten. (Stürmische Hciter- leit)
Ter Re-ch»kanzlet glaubt ü b r t d e n Parteien «» stehen. Dos das bedeutet, dafür will ,ch Ihnen eine Autorität anführen, di- Sie -nach rccktSI sicherlich anerkennen. Stahl schreibt an einet Stelle: -Ich habe pesundkn, daß die Manner, von denen man sagt, sie sieben übet den Parteien, meist unter den Parteien sieben. TaS sind solche, die sich nach rechts und links nach den Parteien umsehen und sorgsam achten, wohin man treten muß, um unangefochten in der guten Mitte zu stehen Damit sind die Sammelrufe deS Reichskanzlers in Grund und Boden verurteilt. Tatsächlich haben wir a l l e S e h e r a l S e i n e unparteiische Regierung Tie Manner, bie 'm deut, schen Reich die Posten einnebrnen. wo sonst leitende Staats, männer sieben, haben im Wahlkampfe wobl nicht immer gegeii- über den Forderungen der Konservativen L^rbre pariert, aber stw doch wenigstens nach ihren schwachen Kräften bemüht. eS zu tun. Bei uns in Deutschland regiert nach wie vor das Junkertum, ver Hof. die agrarische Richtung. TaS sind unhaltbare Zustande. Es wäre erwünscht daß auch im Deutschen Reich ebenso ver- fahren würde wie jetzt in Bayern, daß man nämlich die Regierung auS den Reihen der Parte, entnimmt. Die die Mehrheit in der Volksvertretung hat. TaS ut der einzig würdige Ausland in einem großen Kulturvolk, "en Grundsatz deS Sck'atzsekretärS: .Keine Ausgabe ohne Deckung billigen wir; aber damit allein kann die Aufgabe deS Leiters ver Finanzen nicht erschöpft sein. Für den Sckatzsekretar sind die je tz t b e st e b e n d e n S t e u e rn e i n S ä u f l c , n R u h r m i cb- n ich t a n. Wir aber wollen die Gesundung der Finanzen herbe,- führen durch eine erhebliche Reduzierung der Ausgaben für Heer und Marine. Zunächst fordern wir Beseitigung der schlimmsten Stuern. Allmählich wollen wir die indirekten durch die direkten Steuern ersetzen und verfolgen damit den Nebenzweck, dem Reichstage ein wirkliches Budgetrecht zu verschaffen.
Ter Redner spricht nach annähernd zweistündiger Dauer seiner bisherigen Ausführungen über die auswärtige Politik und gerät dabei in immer größere Erregung Die Marokko- Politik nennt er einen faulen Zauber verlangt eine Auf- llärung über die Widersprüche zwischen den Erklärungen des StaatSsekreläiS v. Kiderlen und des Präsidenten des Alldcutsa;en Vereins Claas und verlangt unter Bezugnahme auf bic Zeugen- auSsageu im Prozesse gegen den Redakteur des ..Grenzboten vom Rkickskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen eine flipp und klare Erklärung, ob Deutschland Spitzel buch Agadir geschickt, ob die deutsche Regierung verbrecherische Umtriebe in Marokko angezettelt habe.
Gießener Anzeige
General-Anzeiger für Gderhefjen
^"IchEglaube, die Herren werden auS meinen Ausführungen ent. nommen haben, daß eS unwahr ist, daß ich irgenb icmanbem banut gekommen sein sollte, wir wollten Teile von Marokko nehm«, und seien deshalb nach Agadier gegangen, und die Herren sollten dafür Propaganda machen. Diese ,st gekommen ohne unser Zu- tun wie Sie schon daraus entnehmen können, daß ich gerade vmi jener Seite so heftig angegriffen worden bin. Ich bemerke noch, daß die Aeußcrungen, wir hätten da Spitzel hingesandt, oder irgend dergleichen, nicht von dem Herrn, dem ich gesprochen habe, sondern von dritter Seite gekommen sind. Ich 6m ia nicht gehört worden, und die Herren, mit denen ich gesprochen habe, sind ja bedauerlicherweise aüch nicht gehört worden. (Beifall.)
Abg. Gröber (Zentr.)
spricht über das jährliche Verzeichnis, in dem die Entschlüsse des Bundesrats zu den I n i t i a 1 i v a n 1 r a g e ri des Reichstages zusammengestellt werden. TaS batte langst gc- schehen müßen. Redner fragt an, ob die Angclegenhci.en dadurch, daß der Bundesrat von ihnen Kenntnis nimmt, formell erledigt sein sollen, oder ob sie weiter den BundeSrat bcschc^t'gcn. 8ur Frage der RcichSkanzlerver a n t w o r 1 l, chk e , t erklärt de? Redner: Ich frage den Herrn ^6tan^T nicht den Grasen PosadowSky: waS soll denn du: ftaa^rcchtl che Ver. antwortlichkeit deS Reichskanzl-rS, die doch rechtlich besteht, be- deuten, wenn cs nicht möglich ist, emen Verstoß gegen die.Wohl- fahrt des Reiches, als ein politisches vergehen, zu definieren. Dem Kollegen Mumm gebe ich barm recht, day eS für alle Parteien, nickt nur für bie Nationalliberalen, sehr unangenehm ist. wenn bie Stichwahlen nicht <m einem Tage stattfinben. In der Zwischenzeit werden bann allerlei Intriguen gemacht, die bei einheitlichen Stichwahlen nicht vorkommen können.
Tie Stichwahlen sollten an einem Tage stattfinden. Dem Wunsche. Die W a h l p r ü f u n g e n einem befonberen Gerichtshöfe zu übertragen, können wir nicht beitreten. In Elsaß-Lothringcn haben wir zwar dies, aber wir können ba noch nicht von Erfahrungen sprechen, bie eS rechtfertigen wurden, ein so wichtiges Recht desReichStages abzugeben. Gegeben ist solch Recht rasch, wieder genommen nicht leicht, ©arten wir längere Erfahrungen in Elsaß-Lothringen ab. Ter Wunsch nach Wahlkreisabändcrungen bat politische Zwecke. Tie Linke ist mit der letzten Wahl, wie auch früher, nicht zufrieden. Sie erhofft von einer Aenderung der Wahlkreise Vorteile. ^.ie stadtilche Bevölkerung würde nach den Wünschen der Linken em lieber- gewuhl gegenüber der ländlichen Bevölkerung vetommen. Aus
Dbg. Ledebour bestreitet, die Aeußcrungen in der positiven Faffung getan zu haben.
Präsident Kaempf: Sic können Beschwerde ein- legen, dann wird das Weitere erfolgen.
(Tie Rede Ledcbourg hat 2-% Stunden gedauert.)
Staatssekretär des Auswärtigen von Äiderlen Wächter:
Der Abg. Lcdebour bat Angriffe gegen die Re- gicrung unseres großen NachbarreicheS.mil Dem wir in Frieden und Freundschaft leben, gerichtet. Diese Angriffe waren solche, wie sie in Dieicm Haust wohl noch nicht gehört worden sind. (Sehr richtig'.) Er hat der Regierung verbrecherische Absichten und Taten w ziemlich m Der ganzen Welt vorgcworscn. Ich kann diese Angriffe nur auf da- lebhafteste bedauern und muß sic auf das all er en er- gisch sie zurückweiicn. (Beifall! Ich bin der Ueber» zeugung daß die große Mcbrzab! in d'esem Hause mein Bedauern teilt. (Lebhafte Zustimmung; Zuruf von den <-oz.: Nee.) -ter Dhg. Lcdebour hat auch mir Verbrechen vorgeworsen. trüber glaube id>. mich nicht weiter verbreiten zu sollen. Er bat aber, indem er auf die Marokkoangelegenheit kam. mir die gewünschte Gelegeuheil gc? bcn. einmal mit , e ' ncm Mar- d) c n aufzuräumen, das sich schon lange in Der Presse her- umtreibt. Tas ist daS daß ich gewiffe Kreise ausgeheyt hätte, indem ich gesagt hätte, wir wollten Teile von
Drei Dußprediger traten gestern aus.
Predigt deS Grafen Posadowsky kann man ja zum Teil auf sich wirken lassen. Ter Reickskanzlcr war der andere und der Herr Lizentiat Mumm der drille. (Zurufe recht»: Bitte, nick' den Beruf zu nennen! TaS ist hier nicht üblich!) Herr Mumm (Zurufe rechts: Bitte, Herr Abgeordneter Mumm!) — daS grenzt geradezu an, Obstruktion. Herr Mumm trat wie ein Posaunenengel auf, der am Tage dcS jüngsten Gerichts auf Instrument dem armen Sünbcr bie ewige Verdammnis bläst. Wir würben vielleicht zerknirschter sein, wenn der Inhalt seiner Worte nicht in peinlichem Gegensatz stände zu der moralisierenden Salbung. Herr Mumm bat ein liberales Blatt bei den Behörden denunziert, um bcn politischen Gegner materiell zu fa^ibiflcn. DaS ist eine Denunziation, bic unter allen anständigen Politikern als schäbig gilt. Im VolkSmiind hat man dafür em außerordentlich derbes Wort geprägt, das ich parlamentariick übersetze: Ucberall im ganzes« Land gilt als mäßig achtbare Persönlichkeit der Denunziant. (Beifall bei den Soz.)
Der Redner wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen deS Abg. Mumm über Vorgänge im Wahlkreis Bielefeld. Der Abg. Mumm hatte dem früheren Abgeordneten Scvering Hcuckclci vorgeworfen, weil er Versammlungen mit Hurrarufen und mit dem Anstimmen eines Kirchenliedes eröffnet habe. Ledebour erklärt. der Abg. Mumm habe wiffen muffen, daß das erlogen fei. Er spricht von ..Mummerei"; die Sozialdemokraten machen Zwifwenrufe wie ,.M u m m p i tz". Der R c i chs k a n z I er war in dieser innerpolitischen Situation zwei Tage lang nicht erschienen. dann huschte er wie ein trübseliges Irrlicht einen Augenblick durch den Egal, hielt gestern seine Bußpredigt und heute ist er trotzdem er die Antwort auf seine heftigen Angriffe erwarten mußte, wieder nicht da. Er hat anwesend zu fern, er hat seine Politik zu bcrtrcicn, er hat das nicht einem Grafen Westarp zu ickerlassen. Wir sind c8 ja von Bismarck gewöhnt, aber vom jetzigen Reichskanzler verlangen wir größere Gewissenhaftigkeit. Wie Bismarck sich schnäuzt und wie er spuckt. daS bat er ihm glücklich abgeguckt. Er Hal nicht so viel Courage, die so unerhört herauSgcforderke Kritik anzuhören. Wenn ein Bureaukrat. der von höfischen Gnaden auf seinem Platze sitzt. alS strebsamer Be- nmtcr durch.die Gunst der Vorgesetzten ins Amt gekommen ist. sich hier erlaubt, d e n Dcutsck--n Reichstag beruhter, zuputzen, weil er den ober jenen ins Präsidium gewählt bat, der ihm nicht paßt, so ist daS eine u n e r h ö r t c A n m a ß u n g. (Sehr richtig! links; Unruhe rechtS; Rufe zur Ordnung.)
Marokko nehmen. Ta möchte ich historisch zurückgreifen auf die Entwicklung der M a r o f I oa f f a re. SS war damals ein ausführliche? Programm auSgearbeitet worden. Dieses Programm habe ich dem Reichskanzler vorgelcgt. der e» ge. billigt und die Genehmigung des Kaifcrv dazu erhalten ba . Wir haben mit Frankreich verband In wolle,i weil die Sac^ so Nicht weitergehen konnte, wie sie sich gestaltet ba'tc. Dir haben da» Schiff nach Agadir geschickt und haben dadurch fcststellcn wollen daß die Franzosen nicht daS Meck und kein Mandat haben, für ganz Europa in Marokko Vorzüge'en und daß wir. wenn unsere Untertanen in Marokko irgendwo gefährdet werden dasselbe Recht Halen unS zu schützen. Wenige Tage ehe daS «ch'sf nach Agadir ging, habe ich mit Tr. Elaß gesprochen.
Ich möibte hier einschiebeu. baß alle Bemerkungen In bet Preffe auf die Unterredung mit T r. Elah. dem Rubrer der Alldeutschen, zurückgeben. Tr. Elatz hat übrigen» nirgend» die Aeußerung getan, die ihm zugesckricben wird, und ist auch ,m Prozeß gar nicht gehört worden. Ick havc dem Tr. Elaß gesagt, wir werden demnächst etwas tun, um bie Marokkoangclcgenheil in Fluß zu bringen. Ick bitte, daß baruber nicht zuviel Ge- schrei gemacht werde. Seien Sie vorsichtig. eS ist nur em Ern- gong zu Verhandlungen. TaS ungesäh' war bie Sprache, die leb geführt habe. Darauf bin ich nach Kissingcn gegangen und habe dort mit dem französischen Botschafter bereits bic erste VI u 8 i p r a rf) t übet Kompensationen gehabt und zwar nbci Kompensationen außerhalb Mar o kk o S. Ich habe ihm nur zugeschoben, baß er sagen soll, wa» er bieten könne. Im Juni wollte mich Dr. Elaß sprechen. Ick war nicht hier; anstatt meiner bat der UnteistaatSsekrct.ir Dr. Zimmermann mit ihm gesprochen. Er bat dabei auSdrückl.ch auSemanbcrgcsctzt. daß wir nicht Teile von Marokko haben wollen unb Hal ihm gesagt, warum wir keine SiedelungS-Kolonie cinricbtcn. warum wir keinen KriegSbasen wollen, der unS nickt Helsen würbe usw. Ta bat Tr Claß selbst zum Schluffe gesagt, ba 8 ist ickabcI Dann hat er seine Schrift geschrieben: .West Marokko deutsch." Er hat mir immer nur vorgeworfen daß c« ein Fehler war, nur einen Teil zu nehmen. Daß ich aber gesagt hätte, wir wollten daS tun. darüber l'Cgl von Tr. ElaßJeme Behauptung vor. Sie Ware auch unbrreditmt. Es ist darüber viel gesprochen unb behauptet worden, ich hatte einmal einem Abgeordneten, der dem Hause jetzt nicht mehr angehort, aus- drücklich gesagt, daß wir Marokko nehmen wollen, und er hatte iidi sofort Aufzeichnungen i'cker diese Unterredung gemacht. Mit diesem Märien ist man viel herumgeganaen. Ich war mir bewußt, daß ich in dieser Unterredung bie Grunde, warum wir nicht einen Teil Marokkos haben wollen, auSeinandergcseht habe.
Es hat sich nachher herauSgestellt, daß ein kleines Versehen vorlag; cs waren zwei stenographische Aufzeichnungen verwcch,elt worden. Diese Unterredung, in der davon die Rede war, daß man einen Teil von Marokko nehmen sollte, war mit einem Journalisten geführt worden. Nachher wird bann aber behauptet, ,ch hätte das gesagt. Ich hatte eine dritte Unterredung mit Tr. Elaß. auf bie in diesem Prozeß Bezug genommen wurde. ES war im September, wo ich ziemlich über daS reine Marokkoabkommen tml dem Botschafter einig war und eine kleine Pause machte, um nach- her über den Kongo zu verhandeln. Wie soll, ich dazu kommen, in dieser Unterredung zu sagen, totr wollen Teile von Marokko nehmenI Es war damals eine ziemlich chauvrni st. sche Stimmung in der französischen Presse, und cS war ganz erwünscht, baß, wenn man tenscstS brr Grenze sah. daß auch bei uns eine patriotisch e ® t, m m u n g war, für unser Recht einzutreten. (Rufe: ^! bei ben Soz.) Da sagte Elaß zu mir, er wolle in einer großen Versammlung btt Alldeut- scken sprechen, was er ba sagen solle. (Aha! bei den «oz. Gelächter.) Ja. er fragte, was er ba sagen solle. _ (Nochmaliges Aha!) Ja, meine Herren, wenn S i e gekommen waren und mich in solchem Falle fragten, so würbe ich dasselbe tun. Er hat mich ausdrücklich gefragt, welches die Absicht der ^61 rung sei, und 'ch habe eS ,hm gesagt. Darüber soll man ihm keinen Vorwurf machen, mir aber auch mcht. Ich> habe ihm dann gesagt, die Unterhandlungen seien noch nicht in einem Stadium, daß man sagen könne, die Sache sei fertig. ES ist ganz gut. wenn wir bei uns eine patriotische Stimmung haben; aber chenn man sich etwa» Reserve auflegt, so kanni daS mchtS schaden. Ich glaube, das ist doch kein Verbrechen. (Rufe rechts.
wendet sich dann weiter gegen Graf Posadowsky. sitzt auf dem Zaune und schlenkert mit dem einen Fuß nach Zentrum und mit dem andern nach der Reckten, und hätte die gütige Natur noch einen dritten Fuß geschenkt, dann wurde er mit dem nach den NationaNibcralen schlenkern. (Heiterkeit.) Und dieser Phantast wirft unS phantastische Ziele vor! Wer glaubt denn in der Welt, daß die Revisionisten sich dazu hergeben werden, die Sozialdemokratie zur bürgerlichen Partei zu macken! Tie Sozialdemokratie ist daS notwendige Produkt der kapitalistisckfen Entwicklung. Sie wird mit ihren Bruder- Parteien im AuSlar.de fortschrciten, bis die wirtschaftliche Ent- Wicklung so weit gediehen ist, daß der Uebergang der kapitalistischen Crbnung in die sozialistische zur zwingenden Notwendigkeit wird. In unseren Händen, bei der internationalen Sozialdemokratie, ruht die Zukunft unb das Wohl unseres Vaterlandes unb bet ganzen Kultur. (Beifall der Soz.)
Präsibent Kaempf: Ich habe mir baS Stenoaramm ber Rebe des Abg. Lcdebour kommen laffen. Der Präsibent verliest bic bctrcffcnbe Stelle. Tanack Hal der Abg. Ledebour unter Bezug- nähme auf den Staatssekretär des Auswärtigen von ver- breckeriscke'n Umtrieben unb Meineid gesprochen. Der Präsibent ruft ihn bcShalb zur Crbnung.
Alle Parteien sollte ba ein Gemeingefühl erfüllen. (Zuruf von rechts.) Daß Herr Arenbt auch bieser Hanblung beS Reicks- kanzlerS zustimmt wundert mich bei diesem felbstbestallten Ver- leidiger deS TeulscktumS nicht; aber von einem Mann, der zu einem selbstsicheren Geschlecht gehört, erwarte ich, daß, wenn er bic Ehre hat. als ReickiStagSabgeordncter baS beutscke Volk-zu ver- treten, berariigv Ucbergriffc eines Beamten gegenüber den Ab- geordneten zurückweist. Ick warte ab, ob die Redner der Parteien noch Gelegenheit nehmen, meinen Appell zu besahen oder zu verneinen. Sachlich hat der Reichskanzler sehr wenig^vor- gebracht, gegen unS unsere Ungefährlickke't, und gegen bic Fortschrittspartei, daß sie uns in ber Stichwahl unterftützt hat. ^ie Stichwahlen sind für alle Parteien ein Uebel. Der Kanzler hat den bürgerlichen Parteien seine Gnabe gezeigt, wenn sie d,e Ge- Geschäfte ordnungsgemäß weitersiihren. Und zugleich den Kübel seines Unwillens auSgegoffen auf die Na 11 o- „(illiberalen. Was soll das heißen, daß er sie h,er fo terrorifiirt und bedroht? Er droht ihnen mit der Ungnade höherer Behörden, daß ihnen bei der nächsten Neuwahl beten Unterstützung fehlen werde. Aber daS Volk ^t gesprochen, und wir haben seinem Unwillen in der Gesetzgebung Ausdruck zu (.eben. Deshalb haben wir unsere Anträge zur V.'rfaffung und zur Geschäftsordnung eingebracht, zum Teil m Gemeinschaft m' der Volkspartei, unb auch die Nationalliberalen haben fick zu beffern gesucht. WaS bat denn jene Stimmung im veutichen Polke heraufgeführt? Schließlich doch d,e Entgleisung de« persönlichen Regiments. die schon 1608 daS jetzige Re- flierungssystem hätte Hinwegfegen können wenn die Partc.cn ge- wollt hätten. Mit diesem bureaukralischen Negie rungSsystem kommen toir_ nicht weiter. Ich habe damals unsere VerfaffungSanträgr begründet.
Die liberalen Parteien hätten bie Pft'ckt unb Derantwo^ung gehabt, diese Anträge zu unterstützen. Abn wie lag die ^acke damals? DaS Zentrum war in Ungnade, und ber Abg. Grober hielt dann wundervolle bcmofratifd'c ^^n. ES war eben zu Zeiten des Bülow-BlockS, und da mußten d'e Liberalen auch R 'ck sicht auf die Konservativen nehmen. TaS ist «ine nackwe.slube Tatsache. Sie wollten damals etwas zustande bringen, und wir waren in der Minderheit. Aber daö sind MemungSvttich.eden- beiten, über bic wir Hinwegkommen muffen. Wir muffen e in einiges Volk und ein demokratisches Volk m dieser Hinsicht werden. Darum braucht man a"f diese MeinungS- Verschiedenheiten keine Hoffnung zu setzen und stck mcht p ha a - tastifcke Illusionen einreben von einer Entwicklung, die
war am h'kd)t( itetroeltfiemiäbuTt e Jucken rag und?: Ate. 9» U r°gn ker'* Pateni’lN il-Seife baö Uct? it. Diese Seife t“' N.. sondern 100 Ä» 1.3Jl.»äSL5O$|.iiy 150 M- n>. 2)O3U ZactN mc iä Uj- Wü; er Universitast » c, SirichDotdc!- i. Noll. Carl llilbingrr. C. ilSarn, Ernst
rn
nonymen LrieM^ merdiem'^ edeuieien ibait moctit w . idjtlid) vorgeMgc-,
"MS
SM
>n
* *-* Weinen Z Cognacbrenne-6^ Iachou, WN ke. Überall erhättfri;
«'«»litm;
«rrhäh»,
sche ^»zsischr Jaubet
*
)ernspr. 231


