Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.
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s wegen seiner Angriffe auf das Benehmen des fozi ■ kratifchen Abgeordneten Borchardt von der th
deutscher Leite nicht immer der konsequente diplomatische Verstand gearbeitet hat, sondern das; Gemütsimpulse den Ausschlag gaben. Tas rächt sich natürlich in der Politik. jRan darf solche Gemütsstimmungen bei politischen Schrit-
Persönlichkeit des Kaisers, die hinter ihnen steht. To hätte Vilhelm II. auch zu den Franzosen sprechen können, denn es ist keine Neuigkeit, das; die westlichen Nachbarn in den letzten Jahren linde Lüste über die Grenze wehen sühl- ten, die mit dem starren Eis in ihrem Busen ringen iollten. Wir alle wissen, datz in der Marotiopolitik auf
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an die Gefühle des deutschen Volkes müssen gerade angesichts der antinationalen Rede des sozialdemokratischen Wortführers einen besonderen Widerhall finden. Wenn es durch das Verhalten der Sozialdemokratie in der nächsten Zeit wirklich einmal zu einer Katastrophe kommen sollte, die eine Auflösung des Reichstages zur Folge hat, dann mag Herr Lcheidemann sich täuschen: ivcitaus die grös;te Mehrheit des deutschen Volkes will von Radauszenen im Parlament nichts wissen Enn gewisses Gefühl für Ordnung und Anstand, ein bestimmtes Matz auch von Liebe und Achtung für das eigne Land gehört, trotz der Gegen meinung des Herrn Ledebour, zur Legitimation des ernst zu nehmenden Politikers.
(Ein russisch-französischer Diploniatenftreit.
Wenn es wahr ist, was bas „Echo de Paris" schreibt, so haben die mahgebenden russischen reife dem fiatV zösischen Botschafter in der Zarenstadt einen eigenartigen Ltreich gespielt, der im diplomatischen Verkehr beinahe einzig dastehen mag. Rußland hat durch seinen Vertreter in Paris amtlich Beschwerde über den Botschafter Louis erhöben und auf dessen Abberufung „beharrt". Ta es sich um die „befreundete und verbündete Nation" handelt, scheinen die französischen Patrioten gar nicht so aus dem Häuschen zu kommen, wie es wahrscheinlich ocr Fall wäre, wenn etwa die deutsche Regierung ein ähnliches Ansinnen stellte. Es wird gemeldet:
Paris, 17. Mai. Tein „Echo de Paris" zufolge, habe sich vor etwa 10 Tagen der hiesige russische Botschauer Iswolski zum Ministerpräsidenten P 0 i n c ar« begeben, um ihm di? Gründe darzulegen, aus denen der f r a n z ö s i s ch c Botschafter in Petersburg Louis nicht länger auf feinenjboften verbleiben könne Ter Miniuer des Aeußent Taffonow habe sich darüber beflagi, daß seine Pläne betrcisend die Vermittlung der Mächte im tückisch-italienischen Kriege und eine im Orient anzustrcbendc C-ntentepolilik sowie verschiedene andere Fragen nicht verstanden würden. T a s s o n o w habe den Eindruck
„Berliner Tageblatt": Wahrscheinlich hat Herr Lcheidemann Preußen nicht beschimpscn, sondern nur sagen wollen, die Trohnng des Kaisers mit der Einvcrlcibnng in Preußen lasse die Annahme zu, das; eine solche Einverleibung die schweruc aller Lirafen sei. Aber wie Herr Lcheidemann das sagte, kühn und allzu berechnet, hatte es einen anderen Klang. Wenn nun an einer Stelle, so war an dieser die R ü g e des Präsidenten gerechtfertigt. TaS Blatt bemerkt, es müsse sympathisch berühren, daß der Reichskanzler gegen die Hetzereien von nationalistischer und scharfmacherischer Seite kaltes Blut bewahrt.
„Neueste N a chr i ch t e n": Tnrd) die an die Spitze der gestrigen Verhandlungen gestellte Lcheidemannsche Rede ivar von vornherein so etwas wie ein unsichtbarer B l o ck der bürgerlichen Parteien geschaffen. Ohne die Unglaublichkeit des Genossen batte die Verhandlung vermutlich einen anderen Verlauf genommen. Ter Reichskanzler wußte diese Lage geschickt auszunuhen. Tenmxv ist er nur scheinbar, nicht in Wahrheit, der Lage gerecht geworben.
„V ossische Zeitung": Tie Lvzialdemokratie suchte die Kaiserlichen Worte auch im Reichstage als A g > t a 11 0 n s - mittel zu verwerten. Fe weniger Nervosität sowohl der Reichs- lanzler wie der Reichstagspräsident und die bürgerlichen Paneien in solcher Lage zeigen, desto besser.
„M o r g c n V o ft": Unverzeihlich war der Fehler, den Lcheidemann beging. Herr Lcheidemann war Bethmanns Rettet. Tie beleidigte Preußenehre drückte die Straßburger Trohnng in den Hintergrund.
„Tägliche Rundschau": Ter Genosse Lcheidemann hat im Reichstage zur Verhinderung einer vielleicht peinlichen Kaiserdebatte jedenfalls das B e st e goto n. Es war nichts mit dem Scherbengericht.
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Lin stürmischer Tag im Reichstag.
(Siesten, 18. Mai.
Rauh, wie int November, erhoben sich in den letzten Tayen Winde, die der Maienfrühlingswelt beinahe alle Blüten raubten. Und der Sturm kam aus dem Wetterwinkel Elsaß-Lothringcn. Tic junge Blüte der reichslän- dischen Verfassung zitterte unter klimatischen Beschwerden und bereitete ihrem Pflanzer Sorge. Ist cs der Kaiser, der hier Sämann war? Er hak in Strastburg zweifellos Dargetan, daß er die Zügel führte: „Ihr habt mich bis- her von der guten Seite kennen gelernt . . ." Diese Worte sind amtlich nicht bezeugt, aber es ist die unverkennbare
— Ein F o r s ch u n g s i n st i t u t für Geistcswissen- s ch a ft c n i n L e i p z i g. In der Finanzdeputation dc, Jweitcn sächsischen Kammer gab, wie bereits mitgeteilt, die säcbniche Regierung tine Erllärung über die Errichtung eines Forichungs- instituts Tür Geisteswissenschaften im Königreich Lachsen ab. Danach soll als Gegeitgewicht gegen die ("trilnDnng derKaisc r- Wilhelms-Gesell schäft in Berlin zur Forderung der Naturwissenschaften in Leipzig ein Institut zur Förderung der Geisteswissenschasten gegründet werden Ter Rektor des vorigen Ltudicnjahrcs Lamprecht hat bereits über 620 OOO, 'JJiarf von Leipziger Bürgern gesammelt. Auch wird die Ltaotge- metnde Leipzig einen jährlichen Beitrag von 20OO> Mark zahlen. Tie Regierung ist bereit, vorläufig 75 000 Mark jährlich zu bewilligen. Es soll eine Angliederung an Die Universität Leipzig erfolgen, um dadurch die Toppelbeschaffung lostspicliger Bücher und sonniger Hilfsminel sowie auch die Toppelanpellung von Arbcusträften zu vermeiden. Im Einvernehmen mit dem Senat der Universität Leipzig sind vorläufig Forschung, uisiiiute auf den Gebieten der Geschichte, der Sprachwissenschaften, der Geographie und Ethnograph.e, Philosophie und Psychologie sowie auch der Volkswirtschaft in Aussicht genommen.
— Auf Andrees Spuren. Der Polarforscher Christian Leden ist in Kopenhagen eingetrorsen, um hier die letzten Vor- bereitungen zu einer Expedition zu treffen, die das Rätsel von Andrees Schicksal lösen will. Leden, Der sich vorher in Reuyork aufgehalten hatte, hat sich, wie aus Neuyork gemeldet wird, dahin geäußert, daß cs ihm gelungen sei, neue Informationen über Die Andreesche Expedition zu erlangen. Ein Missionar im nordöstlichen Eanada teilt ihm mü. daß er genaue Mitteilungen darüber erhalten habe, dost der Ballon Andrees an einem Punkt 800 englische Meilen nordwestlich von Fort Churchill im Lmdson- Bay-Gebiet niedergegangen ici. Zwei Männer mit Flinten be» mannet seien aus dem Kvrbe gestiegen und hätten, da sie (ich in der Nähe eines Lagers von mit Pfeilen und Bogen bewafsnetett Eskimos befanden, wahrscheinlich auf die Eing
Tie Eslimos hätten auf das Feuer Der Weißen mit einem Hagel von Pfeilen geantwortet unD einen der Weißen getötet. „Ter andere," so erklärte Leden, Der nach Den mir gegebenen Schilderungen Andree war, wurde schwer verwunde:. Tie Eskimos tradien ihn nach eine ihrer Hütten, setzten sich dann u 5.13 des Ballon: und zerschnitten n in Stücke, worauf rc c.. -,i.ee zum Teil für Kleider, zum Teck für Schlaiiacke verwendeic.i. Ute Instrumente Andrees wurden von den Eingeborenen ginoininen unb versteckt. Etz ist meine Absicht, Die Wahrbei; bvfee U-«
Ühantasie mit kühnem Flug den Weiser spielen lassen. Lo scheint uns an des Kaisers Straßburger Worten Die gar so persönliche Ausfassung unrichtig und bedauerlich zu (ein. Ter Kaiser vergast auch, bat: nicht e r letzten Endes dem Aeichslande die Verfassung gegeben hat, sondern die zuständige gesetzgeberische Instanz. Allerdings scheint er der s Führer gewesen zu fein; die persönlichsten seiner Reden hat er zumeist in den Rcichslaudeu gehalten. Seine Versöhnungspolitik stimmte zufällig mit der grundsätzlich volks- | ireunblichcn Reichstagsmchrhelt harmonisch zusammen.
Aber es gab auch in den Kreisen der zustimmenden Abgeorb- neten manchen, der es zum Ansdrun brachte, das; die volle : j politische Verantwortung für das Wagestück diejenigen über- iw nehmen müßten, aus deren Kenntnis der Sachlage die
die wir Clsaß-Lothringcu nicht so genau kennen, wissen erst recht nicht. Wir wissen aber, dah eine schwankende Politik hier noch weit verderblicher wäre als etwa ui der Rarokto-Frage. Schon das; heute die Frage gestellt werden konnte, ob den Elsaß-Lotstringern nicht in absehbarer Jeit die Verfassung wieder geiiommcit werden müsse, scheint uns bebcutlid) und gefährlich. Gesunde Vernunft hat da- aegeit erfreulicherweise der Regierung gesagt, daß sie trotz ihres freundlichen Kurses vor den Eisbergen offener Leutfchfcindlichtrit die Augen nicht verschließen dürfe. Das wir der Grafenstader Fall, den der Reichskanzler gestern in der schon bekannten Weise darlegte. Alle Parteien, außer der Sozialdemokratie, waren sich darüber einig, daß die Eifenbahiiverwalkung gegenüber den Treibereien des Deutschfeindlichen Fabrikdirertors in ihrem Rechte war, wenn »sie mit ihren Aufträgen zurückhielt und gewisse Bedingungen stellte. Sogar das „Berliner Tageblatt", das erst u ' äaldemo- >m sonst
Initiative entstanden war.
Herr v. Bethmann-Hollweg, der in treuer, vielleicht allzu unbedenklicher Gesolg)ck)aft des Kaisers steht, hat qeslcrn in der Verfassungsfrage keine Siegermienc zur ^chau getragen, sondern offen zugegeben, daß es sich erst später zeigen werde, ob die Einrichtung der Verfassung in den Reichslanden richtig und zweckmäßig Ivar. Wir,
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Dom alten und vom neuen Könige von Däncmatl-
Nicht viel mehr als sechs Jahre hat König Fredrik VII. aut Tänemarks Throne gesessen. Wenn es während ) einer langen .^ronprinzenzeit in Der Natur seiner Stellung gelegen hätte, daß tc sich zurückhiclt, so hat er dock» auch als König her Cefrcntlidp teil nicht viel Veranlassung gegeben, sich mit ihm zu beschastigen. Und daS war gerade, was König Friedrich liebte. Wie alle Nitglieder des dänischen Köuigshaitscs, so war auch er eine durch- aus bürgerliche Natur, Doch unterschied er sich von seinem Vater, lern aristokratischen alten Christian IX., dadurch, Das; er eine lebhaftere unD persönlichere Natur war. —ein vauptvergnügen i^ar, möglichst viel Menschen kennen zu lernen unD sich durch weite Iekanntsckmsten in allen Kreisen eigene Ansdmuungen von Menschen unD Dingen zu erwerben. Er liebte es ungemein, Unterhaltungen enzuknüpfen unD besaß ein erstaunliches Gedächtnis Nie wurde tr müde. Das muntere Straßenlebcn Kopenhagens zu beobachten.
Gegenüber seiner Sommerresidenz m Cl-arlottenlund beiand sich ein Heine» Varietetl.eater, und Da saß Denn König <zredrik cn schönen SommerabenDen gern mit einem Der Herren seines Ücfolges im Schloßgarten unb betrachtete sich behaglich Das „Aus rnb Ein" Der Theaterbesucher, das er von seinem verborgenen Llatze aus gut beobachten konnte.
Noch von seinem Vater hatte er die Borkiebe tut Spaziergänge in Kopenhagen geerbt, unD Dabei ist ihm sowohl allein, wie zu- ’mnicii mit seinem Vater so manches kieine^Abenteuer zuge- ':oßen. Einmal war er auf einem solchen ^Da;icrgang: mit litTiftian IX. begriffen, als ein unvorsichtiger Radler den König erträume. Ter Radler, der nicht wußte, mit wem er zu tun batte, begann aus Leibeskräften auf die beiden unvorsichtigen Pauamen zu schelten und drohte ihnen sogar mit einer Anzeige, -ter alte Sönig lächelte nur und blieb sehr freundlich, aber um w zorniger ^ar Kronprinz Fredrik, Der von feinem Vater nur mit Muh. ^gehalten werden tonnte. Den Radler zur Straie ui Ziehen. > schon seit langen Jahren liebte König Fredril ^bie unerwarteten Äesuche: bald in einer Klinik, bald in einer etgufc ober )onit I citncr öffentlid)cn Anstalt. Besonders von seinen Lchulbemck'-en sürb manche ergötzliche Szene berichtet. Einmal kani er über :i.>chcnd in eine Klasse von kleinen Mädck-en, Deren (ich nun ge- vccktige Ausregitng bemächtigte. BesonDers Die eine_Dcr Kleinen vuißte vor Erregung Feine <yragc zu beantworten, -ta na hin ne it-; König, Damals noch Kronprinz, freundlich auf Den td .’ib j und siehe Da: von diesem Augenblicke an gingen alle unrworten .mic geschmiert". Himerher erzählte das Kind, Der Kronprinz hcove ihr die Antwonen alle vorgesagt ! Aber nicht immer konnte
sympathischen Umsturzpartc^ höhnend angefaucht worden war. Was war es also, das den Sozialdemokraten den Mnt gab, in der gestrigen Reichstagssipung die wütende Sturzwelle gar so hoch schäumen zu laijen, |o das; Reichs kanzler und Bundesrat den Saal verlassen mußten? Das; der Kaiser seine Worte unglücklich gewählt hatte, war vielfach in der Presse beklagt worden. Man sprach vom Wiedererwachen absolutistischer Neigungen, bemängelte es, daß der Kaiser eine Drohung ausgesprochen habe, die er versassungsrcchtlich gar nicht aussuhren konnte. Für die Verständigen, nicht von Parieiwut Geblendeten, war aber nicht die Form, sondern der Kern der Sache ausschlaggebend. Bei dem erprobten Schweigen des jetzigen Reichskanzlers liegt sogar ein gewisses Bedürfnis vor nach Aeußcrungen und Richtlinien unserer Regierenden, namentlich wenn es sich, wie hier, um nationale Gefühlssachen handelt, die doch das ganze Volk angchcn. Ten Reichsländern gesckstth es ganz recht, daß ihnen von hoher Stelle einmal ein Hauch von der gesamten deutschen Volksstimmung entgegengeblasen wurde. Darum war die Aufgabe für den ' Reichskanzler, im Reichstag Rede zu stehen, nicht allzu schwer. Ter s 0 z i a l d e m o t r a t i s ch e Reduer Scheide »na un hat sic ihm noch leichter gemacht. Tiefem früheren Vizepräiidenten des „hohen Hauses" schien cs nach den Lorbeeren des Herrn Borchardt zu gelüsten. Seiuer Rede erster Teil war eine persönliche Schmähung bev Reichskanzlers, der zweite Teil eine überaus geschmacklose uud dazu noch ungeschickte Beschimpfung des preußischen Staates. Scheidemantt geriet ganz außerhalb des f a ch l i ch c n R a h m e u s. Er schob Pie Ver- haudluug auf etn ganz anderes Geleise, und nicht zu seinem unb seiner Partei Vortell. Zweifellos konnte an7>em Straßburger Vorkommnis höchst wirksame Kritik geübt werben. Lchcibemann blieb sie schuldig unb machte nur Phrasen über bas „herrschende morsche System". Tann mühte er sich bamit ab, ben preußischen Staat verächtlich zu machen. Seine Logik brachte es nur zu bem merkwürbtgen Schluß, ber Kaiser habe bem Reichslanbe mit ber Einverleibung als einer Strafe gebrvht, ber f ch w e r ft e n Strafe, „gleich bem Zuchthaus mit Verlust ber bürgerlichen Ehre, nämlich ber Einverleibung in Preußen". Also: wer sich Preuße nennt, ist ehrlos! Damit kamen ganz neue Ge- jichtspuntte in bie Debatte Da bas Wort vom Prüsiben- ten nicht gleich zurückgcwiesen würbe, verließ ber Reichskanzler nebst seinem Anhang mit vollem Rechte ben Saal. Man konnte cs ihm nicht zumuten, solche Schimpfereien noch weiterhin ruhig anzuhören. Herr Lchcibemann hat bekanntlich früher schon ähnliche geschmacklose Rebewen- bungeit gegenüber Preußen und bem Hohenzollernhause gebraucht. Daß non einem solchen Manne bem von ben Welschlingen in Elsaß-Lothringen verletzten beutschen Rationalgesühl keinerlei Verständnis entgegengebracht werben konnte, bas leuchtet ja freilich ein. Die Rebe bes nationalliberalen Straßburger Professors van Calker, ber sich keineswegs in nationalen Brusttönen berauschte, war ein höchst wirksamer unb erfreulicher Gegensatz zu ben Schimpfereien bes Gen offen, van Ealker sparte nicht mit Kritik gegen bie Regierung, ließ keinen Zweifel barüber, baß seine Partei für gesunde Fortentwickelung sei, aber er machte es sich auch zur Ausgabe, ben für ben Reichstag entwürdigenden Ton bes Genoifcn Lchcibemann abzuweh- rcn. Er tat es mit vollster Ruhe, trotz ungehöriger Zwischenrufe bes Ultrarabifalen Lcbebour, unb feine Worte werben im beutschen Volke unb barüber hinaus nicht weniger yemehmlich werben als bas Tosen bes Genossen. Der Reichskanzler, ber wieder im Saale erschienen war, hatte natürlich einen leichteren Stand. Sein Slppcll
er so gut mit. Einmal geriet er in die Malhcmatilstunde einer höheren Lehranstalr. Der vorgerusenc Schiller verwirrte sich in seiner Ausgabe vollkommen und schrieb baren Unsinn an die Tafel Wer aber feine Geistesgegenwan :iichl verlor, das war der Lehrer, Der laliblülig erklärte, die Ausgabe sei glänzend gelöst. Und da König Fredril der beüe Malhemanker gerade auch nidit war, so bunte es geschehen, daß er hiernach Die Klasse in wohlgesetzten Worten zu ihren mathematischen Leistungen beglückwünschte.
Eine nicht zu unterschätzenDc Ersahrung hat König Friedrich gleichsalls in seiner Kronprinzenzeit in einem deutschen Badeorte seiner Anonymität zu verdanken gehabt. Er kam inkognito hin und wurde beim Mahle von einem ''ehr redseligen Kellner bedient. Der zählte ihm all die Notabilitäien vor, die den Ort mit ihrer Anwesenheit beehrt hätten, uttD rührte auch an, daß der König von Dänemark mehrere Male Badegast gewesen sei. Kronprinz Friedrich fragte, was für eine Art von Mann denn Das sei, und er erhielt daraus die überrasck)endc Antwort: „Ach, bas ist eine ganz ciniachc Art von Mann, so wie Sie und ich!" Um die Gelegenheit weiter auszunatzen, fragte der z^ronpriuz, ob denn nun Könige in einem Hotel mehr, als gemeine Sterbliche, zu bezahlen hätten. Tie Antwort war: „Aber natürlich! Wofür sind sie Denn sonst Könige ?" Tiese Erfahrung war dem künftigen Könige von Dänemark Das Zwanzigmarkstück wert, Das er Dem Kellner als Trinkgeld gab.
König Friedrich war, wie die meisten Mitglieder seiner Familie, von hoher imlanter Figur und gab zusammen mit seiner Gattin, der Königin Luise, einer sckyvedischcn Prinzessin, die für Jne „größte" Fürstin der Gegenwart gilt, ein stattliches Paar. Tie idilanlc hohe Gestalt hat sein Sohn Christian, der jefct. Täne- marts Königsthron besteigt, von ihm geerbt. König Christian X. ist nut einer Deutschen Prinzessin aus nwdlenbiirgüdjem Geblüle verheiratet. Ein vornehmer und zugleich liebenswurDiger Mann, hat sich Der neue König bereits als Kronprinz im LanDc große Beliebtheit erworben. Turch sein offenes unD herzliches Wesen hat er sich FreunDe gemacht. Es war für Das leonprinzlichc Paar immer ein großes Vergnügen, wenn sie auf ihrem Schlößchen sorgenfrei einen SruDciucnrrcrein zu Gapc haben konnten. Christian X. ist selbst SmDem gewesen, unD er rourDc Dann immer jung mit Den Jungen. Tann mußte gesungen werden, „Kron- vrinyns"jpurbcn nicht müde, Butterbrot unD „Cd" anzubieten, und die Sommernack: war 11 o;r Regel >'d,j;t »rcü vorgerückt, wenn Die jungen Herren endlich Das gastliche Haus Des jetzigen Königs verließen.
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