,hat daraus wartet in der Aeaäis Ministerrat soll den Bedingungen Muklars anfangs günstig ge- herzlich wenig erreiwt yat, Darauf roarici, in un «. j . ocacnüber aeftandcn haben. 3 im ter enlitandcn aber int
den Kampf nad)bnidhd^r aufzunehmen^ Ministerrat 3d.oüc des Minis: er ratS Meinungsverschicdcnbcilen, die die (är- . Noch am Montag hieß es, der italienische Mini'tcrrat MuktarS in o-ragc ftcllten 3Neulich mume das Ma-
werde sich am Mittwoch mit den Friedern-bedingungen de- ^nett demissionieren — Die Blätter melden, die Po,t m der fassen, man fei zu Geldentschädiaungen und zu (formellen) Umgegend von Kirkü-.see wurde von einer bulgarischen B-rnde an. Zugeständnissen in der empfindlichen Frage der L>ouvern- QCqVlijfn. Zwei Gendarmen und zwei Zivilperfonen wurden gc*
’.'icn, oas bisher doch in Tripolis trotz aller Siegcsfansaren rückziehung der in Albanien befindlichen Expeditionstruppen^Der
gegriffen Zwei Gendarmen und zwei Zivilpersonen wurden getötet und 800 türkische Pfund geraubt. .
UeSkueb, 18. Juli. TaS nach Albanien enttandte Militär ist mit den Albanern eine Ge finnu n g. oallö die noch zu erwartenden 12 Bataillone, wie die Albaner es winen wollen, au, Seiten der Aufständischen stehen, werden die albaniieveir Forderungen noch weiter als bisher gehen, andernfalls sind blutige Stümpfe unvermeidlich.
zu bekämpfen. c. , _c , .
Tie Jungtürken haben bie Loffnung auf em neues ft ab i nett Said noch nicht aufgegeben. Der Einstutz des ftoniitecs bei dose ist vorderhand unerschütterlich. Man hofft dre albamfdx Frage durch die Entsendung von Delegierten zu lösen.
lieber die Bedingungen, die Mahmud M u k t a r an die Uebernahme des ft r i e g s p o r t e f e u i 11 e s knüpfte laufen verschiedene Gerüchte um. Nach einer glaubwürdigen Vernon verlangte Muktar die Aufhebung des Belagerungszustandes und eine allgemeine Amnestie, die sich auf die Albanerchefs und die Würdenträger deS alten Regimes erstrecken sollte sowie die Zu- - . < v _ - ■ Of < i l. Atä wXl t Xaam ftrhohiiintiäfnihhpn er
Vezng4prel4: monatlich 75Vl^ viertel. jährlich Mk. SLO: durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Plk.2.—viertel- fäbrL ausschl. BesleüK ZtileiipreiS: lokal 15Pf^ auSwärtS 20 Pftnniq. (5 befrebafteur: 91 Goe^ Verantwortlich für de» polinichen Teil: Auauft Goetz; für .Fenille- lou^, .VerinifchtesE und ,®evichtelaal*". R. Reu» rath; für ,6tabt und Land": E.Heß: für den Aiizetgeuteil: H. Beck.
Kein ßünönis zwischen Rußland und Japan.
London, 18. Juli. DaS Reuterdurcau meldet aus Tokio ■ Petersburger Nachrichten von dem demnächst zu erwartenden Abschluß der Bündnisse zwischen Rußland unt> Japan sind ungenau. Von autoritativer Seite wird erklärt, daß keinerlei V e r lf a n d lun g en nach dieser Richtung stattgesunden haben und nichts derartiges geplant sei. Tie Europareise des Fürsten Katsura stehe mit keinem spezifisch politischen Auftrage in Verbindung. Es sei jedoch richtig, daß sehr wichtige Kommunique/ zwischen den Regierungen von Rußland und Japan ge- wechselt worden feien, die die Abmachungen von 1907 und 1910 ergänzen. Es handele sich dabei um die Abgrenzung der gegenseitigen Interessensphären und zwar der russt- scheu in der äußeren Mongolei und der nördlichen Mand- schurei, und der japanischen in der inneren Mongolei und der südlichen Mandschurei. Unter innere Mongolei ist ber- jenige Teil der Mongolei zu verstehen, der früher so be- zeichnet worden ist. Tie EommuniquSs, die durch die Re- voluiion in China und durch die späteren Anleihcverhand. lungen notwendig geworden sind, hätten eine klare 23er- siänoigung der beiden Mächte über die chinesische Frage ergeben und eine Entente von größter Wichtigkeit für die Erhaltung des Friedens im fernen Osten gezeitigt. Für das englisch-japanische Bündnis sei sie nur in zweiter Linie von Bedeutung.
Paris, 18. Juli. Bezüglich der an die Reise ftat- suras geknüpften Gerüchte jchreibt das „Echo de Paris": Die Meldung über die bevorstehende Unterzeichnung eines russifch-japanischen Bündnisvertrages erscheint unrichtig. Im hiesigen Ministerium des Aeußern
Das Ende her junglürfischen Herrschaft.
Noch am Dienstag schien eS, als ob am goldenen Hom la Friede im Innern und der Friede nach außen bereitet t,erben sollte Tie Rede des Ministers deS Aeußem Assim tvm wie die des Großwesirs Said Pascha ließen einen l-fcn Unterton durch klingen, der für iric von verschiedenen L iten gemachten Friedensanregungen ein schwaches Echo iU sein schien. Freilich man wollte Italiens Friedensvor- Utäfle nur bann in Erwägung ziehen, wenn sie annehm- ler sind. Gleichzeitig sang der Grotzwesir das Lob der U banefen, die fr als-gute, aber leider auf einem Abwege Ufindliche Söhne des LsmanenreichS pries.
Zugeständnissen in der empfindlichen Frage ... _ nitat geneigt. Aber am Mittwoch abend war man in der römischen Nonsulta plötzlich anderer Ansicht, da war Gio- litti gar nicht der Tripolis-Frage wegen wieder nach der Tiberstadt zurückgeLebrt. Italien, das in Albanien seine gut bezahlten Emissäre unterhält, war wohl über die Plane Tajar Bests gut unterrichtet. Ader vielleicht schätzen die listigen Söhne der Roma die Söhne Albaniens nicht ganz richtig ein. Diese sind auS einstigen Stützen und Freunden der Jungtürken deren entschieoenste Gegner geworden, aber nicht auch Gegner des LsmanenreichS. Vielleicht zählt riefe* außer den eigentlichen Türken keinen Volksstamm, der treuer zu ihm hält als die Albanesen, wenn man ihnen bie bisher bestandenen Vorrechte unangetastet läßt. Tie Albanesen hatten gehofft, sich eine ruhige nationale Entwickelung im Rahmen des ottomanischen Staates fichern zu können; in jedem anderen Großstaate wäre ihnen daS unmöglich, hier müßten sie nach der fremden Pfeife tanzen, ob sie mollien oder nicht. Die Jungtürken, in ihrem Tränge zu zentralisieren, vielleicht auch in dem Bestreben pantur- lische Ziele zu verfolgen, setzten sich über die Wünsche der rapferen Bergsöhne hinweg und sie trieben durch ihre Strafexpedition die ihnen einst ergebene Bevölkerung zu Didier Erbitterung, daß man letzt überall in Albanien die Wone hören kann: „Alles wollen wir ihnen heimzahlen, selbst wenn das Reick) in Trümmer gehen sollte."
Tie Heimzahlung ist erfolgt, das lungtürkische Komitee hat nach vierjähriger Herrschaft der Militärpartei, die mit ben Albanesen verbündet ist, weichen müssen. Wird nun auch das Reich in Trümmer gehen oder wird es durch einen Systemwechsel in dec Regierung die Verhöhnung mit bin Air aneseu und die nötige Kräftigung gewinnen, um bem oerftärtten Anprall von außen Stano zu halten?
Konstantinopel, 17. Juli. Es bestätigt sich, daß der Sultan den Botschafter in London, Tewfik Paicha, telegraphisch von seiner Ernennung -um Gr oßwejir benachrichtigt uno ihn aufgefordert hat, nach Konstantinopel zu kommen, doch glaubt man, daß dieser nicht annehmen wird. Wie es heißt, wird in diesem Falle versucht werden, em Kabinett unter dem Vorsitz des Ministers des Aeußern, Asjitn Bey, der gestern vom Sultan empfangen woroen ist, zu bilden. Die jungturbsche Partei nahm in einer Versammlung Kenntnis von dem Rücktritt bc5 Kabinetts und drückte ihr Erstaunen darüber aus, daß zwei Tage, nachdem die Kammer fast einstimmig dem Ka° binett ihr Vertrauen aussprach, dessen Rücktritt erfolgte.
Dis 6 Uhr abends lag noch keine offizielle Müteilung vor, ob Tewfik P ascha das Großwefirrat angenommen habe oder abgelchnt habe. Gerüchten zufolge habe er ausweichend geantwortet. Trotzdem habe er aber den Auftrag erhalten, nach uonstanlinopel zu kommen. Tie früheren Minister Taalat und Hadschi Adil hatten in der Teputiertenkammer Besprechungen mit den Führern der jungtürkifchen Partei. Wie behauptet wird, sei die Partei entschlossen, die Bildung eines Kabinetts K i a m i l
Konstantinopel, 18. Juli. An der türkischen Grenze wurden laut Zeitungsmeldungen grotze oulga r»1 ch e Truppenabteilungen zusammengezogen und viele Munition und Lebensmittel zusammengebrachi.
Sofia, 18 Juli. Wie das Blatt „Strela" meldet, baden die Mazedonier im Lande in geheimen Versammlungen deschlosten, zwei Mitglieder des Kabinetts Geschow zu ermorden, um dadurch die bulgarische Regierung zu einem kriegerischen Einschreiten mit der Türker zu beitimmcn.
Cetinjc, 18. Juli. Nach einer amtlichen Meldung kam es an der t ü r k i s ch - rn o n t e n c g r i n i s ch c n Grenze rn der Nähe des Skatarisees gestern zu einem blutig e n Z u - samrnenstoß zwischen den Montenegrinern und den turkstchen Truppen. Zwei auf montenegrinischem Gebiet mit yelbarbetten besckstiftigte Montenegriner wurden plötzlich aus dem nächsten tur-s fiid)eit BlockHause von türkischen Soldaten beschoßen und verwundet. Als mehrere Montenegriner zu Hilfe eilten, wurden neun von ihnen durch Salven der Türken getötet, fünf Wpocr verleg Nachdem die Montenegriner, die unbewaffnet waren, sich zurückgezogen, überschritten die türkischen Soldaten dte Grenze und verstümmelten die Leichen mit den Baionettrn. Unter der Grenz- bcvölkcrilng herrsäst ungeheure Ausregung.
Beirut, 18. Juli. Said Idrtß hat neue Siege über die Türken errungen. An vielen Platzen deS yenteir herrscht Hungere not.
Aber iu jpät kam diese Erkenntnis, zu fpät dies Ein- i laifen. Gmiz. Albanien — der Unterzieh des Glaubens , li iiTt keine Trennung mehr herbei, das Fickwa des Scheich- i ;i Islam wird ebenso wenig beachtet wie die lauwarmen F iedensmahnungen einiger orthodoxer Geistlichen — stehl ir Flammen. Der allgemeine Aufstand gegen die Regierung, d. h. gegen die jungtürkische Herrschaft, ist verstärkt, u ’ö Issa Bolennaz schreitet '.tnerbittlich mit Feuer und Sitstvert gegen alle die in Albanien ein, die es mit den ingtürken halten. Noch am Dienstag war man ent- jc (offen, Mahmud Mukhtar Pasd>a, den eben ernannten t iegöminister, nad) Albanien „mit weitgehenden Voll- n.lebten" zu entsenden, um die Forderungen der Albanefen ;t prüfen". Aber er kam nicht dazu, seine Frtedens- ir (ffion __ uur so hätte seine Reife nach Albanien einen Sinn ß. habt — auszusühren. Tie Albanesen, die eine Autonomie D rfangen, nicht um sid) vom -Lsmanenreid) loszureiven, fcndern um ihm um so treuer dienen zu tonnen, hegen । ;t) durch Verspred)en auf die Zukunft nicht mehr beschwtch- u.ien. Sic mären fest entschloffen, den in ganz Albanien 1 ritt fachten Kriegsbrand nid)t eher zum Stillstand kommen lassen, als oiS btc Jungtür ken die Segel streichen. Und bis ist geschehen. Es gibt keine jungtürlische Herrschaft . wehr. Sie wäre den Albanesen allein, die zum Marsck>c | n-gen Konstant in Opel bereit waren, nicht gewichen, wenn Nicht ein großer Teil des Heeres, nicht bloß Lffizlere und «... unnschaften albanischer Herkunft mit den Revolutionären finiig gewesen märe.
TajarBey, der Führer der meuternden Offiziere und Ewldaten von Monastir ist der Mann des Tages. Er hat f burdb feinen Handstreich den Stein ins Rollen gebracht; wie cj. vor vier Jahren Niafi Bey und Enver Bey und nach dem ' iiDolulionaren ^Iprilpulfd) Mahmud Schefket Pascha getan Ipben. Monastir hat Konstantinopel, die Provinz, die Haupt- stladt zum ziveiten 9)hile überwunden. Es hätte nicht viel iL-sehlt, so hätte Mahmud Mukhtar Pasck)a die Forderun- gum der Mbaiiesen vor den Toren ftonstantinopels „priifcn" i-nncii. Denn Tajar Bey woNte am Donnerstag em Ultimatum mit den Forderungen der Albanesen an die i forte richten. Und wäre dies unbeachtet geblieben, so bitte sich die Garnison von Monastir am Sonnabend auf Sem Mcirsd)e nach Konstantinopel befunden. Tie „Prüfung", die da Mahmud Mukhiar Pasd>a hätte vornehmen wollen, wäre wohl nicht ohne beträchtliches Blutvergießen cuf beiden Seiten ausgefallen. Das hat vas jungtürkifche Ladin et t burd) feinen Rücktritt klüglick) vernneden. Sem Zurückweichen vor der blutigen Entscheidung, kurz nach- tem ihm die Kammer mit überwältigender Mehrheit ihr Vertrauen bekundet hat, mag auf den ersten Augenblick wie Ivpslose Furcht aussehen. Aber es war der einzige Schritt, der übrig blieb, wollte man nicht den blutigsten Bürger- Iricg im Herzen des OSmanenreichs emfeffeln, während t-ic Feinde ringsum auf^ber Lauer liegen, lvährenb Jta-
Ht. 168 Erstes Blatt 162. Jahrgang 8reitag, 19.3uli 1912
r-r «letzever »vzeiger
Siebener Anzeiger
inwrech. Anschluß: V
General-Anzeiger für Gberhesfen
sntiabmt1 von anjeigen RotationsöriKf und Verlag der vrühl'lcken Univ.-V»ch- und Steinbrudtrd R. lange. Redaltion, Expedition und vruckerei: Schnlftratze 7.
Büdingen: Zernlprecher Nr. 269 »«!chSstrft-ll- vahndoiftrahe ,ba.
Das 2uslulum der Reichrlanzlerr.
„Der Rcichskanzler v. B c t h m a n n - H o l l w e g hat sich nach Einern Gute Hohenfinow begeben", so meldet der Telegraph. Ucber das Tustulum des Reichskanzlers schreibt die „Deutsche Zournal- . oft": Der alte Fontane, der doch in der ganzen Mark Brandai^ urg die £rte ausgesucht hat, wo etwas landschaftlich oder historilch Zuierefsantes zu linden war, ist an Hohensiiww vorbeigegangen. co kannten cs kaum ein paar Berliner, die einige Wochen in der kommenrtfdK im Bad Freienwalde an der Oder verbrachten und cuf ihr Reise die Station Niederfinow berührten.
Abseits von den großen Heerstraßen gelegen und doch nur l Meilen von Berlin entfernt, eignet sich diese Befrtzung wie wenig? als Erholungsaufenthalt für den höchsten Beamten des Reiches, der als der allem Verantwortliche sozusagen niemals itie Zugel aus den Händen geben kann. Wenn e»~ not täte, iönnte Herr v. Bethmann-Hollweg in weniger als zwei stunden in Berlin sein. Das Rittergut Hohenfinow mit feinen Vorwerken ist ‘1000 Morgen groß, von denen die größere Hälfte Forst ist. Kaiser Wilhelm II. bat in diesen Wäldern zwischen lb< < und loJb Häufig getagt: ein Denkstein am Waldesrande und eine von bem Herrscher im Jahre 1890 selbst gepfbangte Eiche bezeichnen die Stelle, wo der einstige Prinz Wilhelm von Preußen icinen ersten Ziehdock ul diesem Revier auf die Decke legte. Daß man in des ..Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse" sich^benndet, ivutt man auf der Hohenfinower Flur nicht. Große Umlage weisen »eigen, daß der Boden fett und gut ist. TaS herrlickstte für ben Besucher aus der Großstadt sind die Baumriesen des Lckstotz- warkes und die mächtigen Linden einer Allee, die vom Eingang ■ja t>aS Dorf zu einer Anhöhe führt, von der, aus man eine entzückende Fernsicht über die Wiesen und Wasseradern, bie ioner unb Städte des LderbmcheS genießt, bas Preußens groBcr König titor anderthalb Jahrhunderten erst systematisch kolomnert hat
Herr v. Bethmann Hollweg ist kein Landwirt, wie er, z. -ö. «ein Vater, der im Jahre 1900 verstorbene Felix v. Bethmann Dar. Als dieser im Jahre 18od das Besitztum nut tamtlichem Inventar und einem Teil der Möbel für 400 000 ^alcr erstand, .fudite er, der Sohn des bekannten fwgefinnten KuttusmiNisterr,, tune Betätigung als Bewirtschafter eines Gutes und hat durch Lbingabe und unermüdlickien Fleiß aus Diciem ^clbe heroor- naaendes geleistet. Vater und Sohn sind, öbschon der erste kein Laurist war, von 1874 und 1885 an Landrat in bem ausgedehnten
Kreise Oberbarnim gewesen und dadurch, obgleich das Geschlecht erst etwas über 50 Jahre in der Mark Brandenburg ansässig ist, mit dieser und vor allem mit dem Kreise verwachsen. Tas ist auch darin zum Ausdruck gekommen, daß der Reichskanzler feine Gattin unter den Töchtern des märkischen Mels gesunden hat.
Das Hohenfinower Schloß, ein dreistöckiger Backsteinbau,.der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammt, hat erst durch spätere Anbauten ein gefälligeres Aussehen gewonnen. Tie Jnnen- räume sind schön und zum Teil |ogar kunstvoll ausgestattet. Imponierend ist der innere Lichthof, bas Treppenhaus. Zic Herrensitze der Umgebung sind keineswegs prunkvoller, obwohl sie zumeist viel länger im Besitz derselben Familie sind als Hohensirww. Als dessen Name zuerst in der Geschichte austauckste, gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts, ist von einer Burg Hohenfinow die Rede, die als eine trutzige Warte sich am Rande deS Barnim-Plateaus erhob und die Uebergänge über bie Finow ^ü^ie ältesten Grundmauern der Torskirche sind noch älter als das Zisterzienserkloster Chron, das zwei Meilen nördlicher gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Als enter beglaubigter. Besitzer von Hohenfinow wird ein Sparr genannt, ein Ahnherr des Generals des Großen Kurfürsten aus der Schlacht bei Fehrbellin. Ihm folgt 1609 Hieronymus -schlick, Cßer- kammerhcrr, Cberjagcr und Cberitallmcuter des xurrünten Joachim Friedrich. Nach seinem Tode erhob bie Familie Putbus Ansprüche auf Hohenfinow, wahrend der aus Böhmen itamincnbe Schlick seinen Schwestersobn Heinrich Mathias v. Thurn zu feinem Erben eingesetzt hatte. Tann hat der Besitz die t>ericbicbernten Herrn gehabt, darunter einen Ludwig o. Pfuel, der dafür 28 000 Taler gab. Tte interessantesten Besitzer sind später die Vemezobres. Infolge der Aufhebung des Edikts von Nantes war einer der ebbne des Kaufmanns Salomon Vemezobres zu Villemagne in Languedoc nach Königsberg in Preußen ausgewandert und hcttte dort durch Seibenhanbel ein Vermögen erworben. Sein ältester Sohn, der sich Franciskus Mathaeus Baron von Vernezobre de Launeur, Erbherr auf Ehatelarb in Frankreich nannte, erstand Hohenfinow für 90 000 Taler. Binnen wenig mehr als einem Jahrlnindert haben seine Nachkommen den Besitz weniger ver- schleudert als in Spekulationen und Experimenten vernrirrschaftet. Hohenfinow wurde Eigentum des Freiherrn Konstanz von Jakobi- Kloest, eines Sohnes des ehemaligen preußischen Gesandten in London. Er war kein guter Wirt und Herr unb erlebte denn auch
im Jahre 1848 eine kleine Revolution unter den Dorfbewohnern« Die Familie von Bethmann-Hollweg hat schneller und fester als irgend ein anderer Vorbesitzer von Hohenfinow dvtt Wurzel geschlagen und Fuß gefaßt auf märkischem Boden.
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Ick. Das Doppelleben einer Frau. In der „Psiche" berichtet Professor Morselli von einem merkwürdigen Falle einer Spaltung des Bewußtseins in zwei völlig getrennte Bewußtseinszustande, so daß sich ein richtiges Doppelleben ergab. Fräulein Mary Reynolds erwachte eines Tages nach einem sehr langen, zwanzigstündigen Schlafe und war fortan eine neue Persönlichkeit, denn sie hatte alles, was sie bisher erlebt hatte, vollkommen vergessen: sie erkannte weder ihre Eltent noch ihre Bekannten, und alle Gegenstände der Umgebung kamen ihr ganz unbekannt vor: selbst dte Sprache war ihr ungewohnt, und zunächst konnte sie sich nur in kindlichen Stammellauten äußern. Bald jedoch beherrschte sie die Sprache wieder und mußte nun beim Lesen und Schreiben wieder mit dem ABC anfangen. Der Charakter ihrer neuen Persönlichkeit war das Gegenteil des früheren. In ihrem ersten Zustande war sie trübselig, schweigsam und zurückhaltend gewesen, während sie nun heiter, lebhaft und gesellig erschien. Dieser Zustand hielt genau 5 Wochen an. Tann erwachte Fräulein Mary Reynolds cinc3 TagoS, wieder nach einem ungewöhnlich langen Schlafe, in ihrer ersten Persönlichkeit. Sie erkannte ihre Verwandten, hatte die letzten 5 Wochen völlig vergessen und glaubte nichts von dem, was man ihr über diese Zeit erzählte. Natürlich hatte sic auch wieder ihr alte«, trübsinniges Temperament, worin sie durch den Bericht ihrer Verwandten noch bestärkt wurde. Wieder nach einigen Wochen trat ein dritter Wechsel ein: aus einem erneuten tiefen Schlafe erwachte sie wieder zu dem zweiten „Zustande", in dem fte ihr Leben an genau' der Stelle fortsetzte, wo eS vorher abgebrochen worden war. Sie glaubte, seitdem nur einmal geschlafen zu haben und wußte wieder nichts von dem, was sich ut der Zwischenzeit begeben hatte. Tiesesmal lachte sic, als man es ihr erzählte, getreu dem Temperament des zweiten Zustandes. Diese beiden Zustände ihrer Persönlichkeit wechselten im Verlaufe von 15 Jahren noch mehrfach ab, bis sie schließlich vom 36. Lebensjahre an dauernd im zweiten Zustande bheb. Diese „zweite Persönlichkeit" lebte noch 25 Jahre,


