.'oie begnügte fidj, obwohl sie al£ ftärfftc -pürriei unzivekfel- haft auf den Reichstagspräsidenterrsitz selbst Anspruch er- heben kannte, mir der Stelle des ersten Vizepräsidenten, um in Rücksicht auf ifyre radikalen Anhänger nicht in erster 'Linie für die l/öjischen Verpflichtungen in Betracht zu Lammen. Ist es doch heute durchaus zweifelhaft, ob dem alten Brauche gemäß das Reichstagspräsidium verpflichtet ist, dem Kaiser in corpore die Konstituierung des Reichstages anzuzcigcn und sich „drei Marm hoch" an den Hof- jestlichkeiten zu beteiligen. So hat augenscheinlich der zunächst zum Präsidenten des Reichstags gewählte Zentrums abgeordnete Spahn dem Kaiser die Konstituierung des Hauses allein anzeigen wollen, und auch früher ist, zum Beispiel aus NrankheitSgründen, dieser Modus beliebt wor den. Ja, es hat sogar beispielsweise der freisinnige frühere «erste Vizepräsident Schmidt Elberfeld, eine Einladung zur kaiserlichen Hoftafel zur Feier des 80. Geburtstages Bismarcks ausgeschlagen, um konscquenterweise den (ja frei» 4ich nicht zu entschuldigenden) Standpunkt der damaligen .Reichstagsmehrheit, von einer Glückwunschaüresse an oen i.Atreichstanzler abzusehen, einzuhalten.
Der jetzige erste Vizepräsident des Reichstages, der ch^ialdemokratische Abgeordnete Scheidemann, hat nun die höfischen Verpflichtungen nicht a limine abgelehnt, was ihm .auch den größeren Teil der natiouallibercuen Stimmen bei feiner Wahl sicherte. Wenigstens wird jetzt mit Bezug auf eine Aeußerung des alten Bebel berichtet, daß Scheioemann bereit sei, zu S>ofe zu gehen, wenn der erste Präsident verhindert sei, und daß er auch in diesem Falle das Kaiserhoch inr Reichstage ausbringen wolle. Das deutet auf eine Häutung der Sozialdemokratie in dieser Frage hin, und wenn Bebel dann noch hinzufügt, er könne feine bindenden Versprechungen dahin abgeben, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten nicht auch jetzt vor der Ausbringung des Karserhochs den Sitzungssaal fluchtartig verlassen würden, da man die einzelnen doch nicht dazu bewegen könnte, so .zeigt das zum mindesten, daß auch diese Frage, deren Beantwortung bisher für die Sozialdemokratie bei ihrem Haß /gegen die Monarchie selbstverständlich war, jetzt im sozialdemokratischen Lager zur Debatte steht.
Für die bürgerlichen nationalen Parteien ist es natürlich keineswegs angenehn«, einen Vertreter der roten Internationale im Reichstagspräsidium zu wissen. Wäre Dr. Spahn Präsident und Dr Paasche zweiter Vizepräsident »geblieben, so wäre das Präsidium so in der Wolle gefärbt gewesen, daß von Rot wenig zum Vorschein kam. Jetzt, wo der Fortschritt die Präsidentenstelle mit dem Abgeordneten der Fortschritt die Präsidentenstelle mit dem Abg. Kämpf und die ziveite Vizepräsidentenstelle mit dem Abg. Dove besetzt hat, ist bei der numerischen Schwäche der Fortschrittlichen Voltspartei gegenüber der Sozialdemokratie das Reichstagspräsidium ein rotes und dürfte den Reichstag kaum bis zur definitiven Präsidiumswahl nach etwa drei Wochen arbeitsfähig erhalten. Und dazu tritt leider noch die Tatsache, daß der erste Vizepräsident, der Sozialdemokrat Scheidemann, dem Hause Hoyenzollem gegenüber vor mehreren Jahren Beschuldigungen erhoben hat, die in der Verallgemeinerung, in der er sie vorbrachte, keineswegs zu- tresfen. Das jetzige Präsidium wird damit nicht nur zu einem roten, sondern bedeutet direkt eine Brüskierung unseres Kaiserhauses. Die sozialdemokratische Parteileitung -hätte — und das berührt angenehm, wofern es zutrifft — Herrn Scheidemann nicht für die Wahl zum ersten Vizepräsidenten aufgestellt, wenn sie an seine Aeußerung vom Jahre 1905 (Bei den Hohenzollern ist der Wortbruch eine geheiligte Tradition) gedacht hätte, sondern hätte vielmehr an der Kandidatur Dietz festgehalten.
Trotz der Bereitwilligkeit der Sozialdemokratie, die Repräsentationspflichten zu übernehmen, trotz dieser Entschuldigung und trotz der Erklärung des sozialdemokratischen "Abgeordneten Frank, die Arbeitsfähigkeit des Reichstags bis zur definitiven Präsidiumswahl sicherzustellen, kann man es Kaiser Wilhelm nicht verdenken, wenn er den Empfang des jetzigen Reichstagspräsidiums im Schlosse abgelehnt hat. Daß dabei die Persönlichkeit des Abgeordneten Kämpf als Reichstagspräsident, der dem Kaiser die Konstituierung des Reichstags allein anzeigen könnte, eine Rolle spielt, halten wir für ausgeschlossen. Soll sich doch Kaiser Wilhelm für die Wahl Kämpss im Schloßbezirk persönlich eingesetzt haben. Vielmehr wird man, wenn man die Verherrlichung berücksichtigt, die der Kaiser seinen Ahnen zuteil werden läßt, in der Zugehörigkeit Scheidemanns zum Präsidium 'den ersten und in oer Tatsache, daß dieses Präsidium nach brei Wochen wahrscheinlich einem anderen weichen wird, den zweiten Grund für die kaiserliche Ablehnung zu erblicken haben.
Der Stapellauf Des Linienschiffes Ersatz Odin.
Kiel, 17. Febr. Heute mittag 12 Uhr ist auf der /Gerrnaniawerfl in Gegenwart des Kaisers, des Prinzen Ludwig und der Prinzessin Therese von B a v e r n das Linienschiff „Enatz jübtn" glücklich von Stapel gelaufen.
Tie Taufrebe be8 Prinzen Lubwig.
Prinz Ludwig von Bayern hielt folgende Taufrede:
Euere jöoiserliche und Königliche Majestät! 'Es ist heute >daS dritte Mal, daß cs nur, der gütigen Einladung Euerer Majestät folgend, vergönnt ist, dem Stapellaus eines Euerer Maje- Ität Schiffe beizuwohnen. Das erstemal toar es in Stettin beim Stapellan« des Kreuzers, nunmehrigen Schufschisfes Hertha, das zwcitcmal in Bremen beim Stapel laufe des Kreuzers München und das drittemal ist es hier in dem aus einem selten guten Naturhafen durch die Mühewaltung der Kaiserlichen Marine iu einen erstklassigen umgewandellen Kriegshosen Kiel, beim Stapellaufe eines Linienschiffes. Was dem heutigen Feste iseine besondere Weihe verleiht, ist, daß es Euere Majestät,durch Höchst ihre persönliche Gegenwatt verherr lichen und daß Euere i Majestät bestimmt haben, das; das Schiff einen Namen führe, «der jedem Bayern, ia jedem Deutsckren teuer ist: den Namen „Prinz Regent Luitpold". Euere Majestät erweisen dadurch meinem hohen Vater eine seltene Ehre, mir aber — das darf ich wohl bi hau lüg en eine große Freude. Mein hoher Vater ge
denkt dieser Stunde mit seinen Segenstvüuschen für das Schiff, für die ganze Kaiserliche Marine und ganz besvrcherö für deren obersten Kriegsherrn, Euere Majestät. Er nimmt innigsten Anteil an dem Erstarken der Kaiserlichen Marine und dem Aufblühen der deutschen Interessen über See, welche letztere zu schützen und zu fördern auch eine Ausgabe der ersteren ist. Se K. H. der Prinzregent twn Bai>ern, der, ungebeugt durch sein hohes Atter, Rücksckrau hält aus die vier Jahrzehnte des neuen Teutschen Reiches ist einer der wenigen unter uns, die in der Recke des Mannesalters den großen Ereignissen nabe- gestanden, die. diesen neuen Abschnitt in der Geschichte des deutschen Volkes eingtieitet haben Sein Herz, das in Wärme für alles schlägt, Ium.' die Grüße und die Wohlfahrt des Reiches betrifft, tft voll Glauben uub Lossen für des Reiches 3 u -* Fünft, die das Zusammenwirken der in Treue verbündeten deutschen Fürsten und Staaten verbürgt. Du stolzes Schiff wirst dick, wohin immer von dem« in Kaiserlichen ft ernt uim -Lckuitze deutscher Ehre und »iuii Schirme deutscher Interessen u-whien — Ki es un Frieden, den uns Gott recht lange erhalten möge, sei
es tm Kriege, den wir nicht fürchten — deines hoben Paten, dessen Namen bu trägst, stets würdig erweisen. Deine Besatzung wird immer eingedenk sein des Wahtspruches des PrinzregeiUen, der auch der des ersten bäuerischen Ordens, des Hubettusordens, ist und den jeder bayerische Soldat als. Helmschmuck trägt, des Wahl- spruches: In Treue fest!
Im Anschluß oaran taufte Prinzessin Therese von Bayern das Linienschift auf den Namen „Prinz-Regent Luitpold".
Kiel, 17. Febr Ter Kaiser ergriff' bei der heutigen Frühstückstafel im Königlichen Schloß das Dort und trank auf das Wohl des Prinzregenten Luitpold, indem er diesem seinen wärmsten Tank für die Entsendung eines nahen Anverwandten zur Taufe des Linienschiffes aussprach. Die Devise auf dem bayerischen Wappen am Bug des Schiffes „in Treue fest" werde der Besatzung des Schiffes stets als Richtschnur ihres Handelns dienen; sie sei aber auch ein Wahrzeichen der deutschen Fürsten und Stämme, welche im Teutsck-en Reiche in fester Treue vereint feien. Prinz Ludwig dankte sogleich und trank auf das Wohl des .Kaisers. Abends sand an Bord des Flaggschiffes „Deutschland" Abendtafel bei dem Kaiser statt an welcher Prinz Ludwig teilnahm.
Der Kaiser verlieh dem Prinzen Ludwig die Kette zum Schwarzen Adlerorden, der Prinzessin Therese den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14.
Die Revolution in China.
Eharbin, 17. Febr. In der angrenzenden chinesischen Stadt Fudsjadjan drangen heute morgen 6 00 bewaffnete Revolutionäre in das Regierungsgebäude, erklärten, die Behörden feien vom Volke zu wählen, verhafteten den Bezirkschef, verlangten die Auslieferung der Kasse, der Dokumente und aller Akten. Tie Wache und die Pvlizeitruppen, hegen 600 Mann, leisteten Widerstand. Der in Eharbin wohnende Taotai suchte mit den Revolutionäreti zu verhandeln, um Unruhen zu verhindern, die durch die Freilassung der Sträflinge entstehen könnten.
Mukden, 17. Febr. Nach 27stündigem, heftigem Kampf besetzten die Revolutionäre nachmittags die Stadt Tel ine.
vom italienisch türkischen Kriegsschauplatz.
London, 17. Febr. Ein Kriegsschiff beschoß heute früh die türkis chen Forts in der Nähe von Perim zwei Stunden. Es dampfte dann in nördlicher Richtung ab.
Trip o lis, 17. Febr. (Agenzia Stefani.) Die allgemeine Sage ist unverändert. Es kommen noch immer zahlreiche Flüchtlinge aus Azizia und Benghasi an, die bestätigen, daß im türkischen Lager Krankheiten herrschen.
Konstantinopel, 19. Febr. Jrn hies. Auswärtigen Amt wird von offizieller Seite versichert, die Pfotte habe Informationen erhalten, wonach Oesterreich-Ungarn und Rußland gewillt seien, keinerlei Veränderungen des Statusquo aus dem Balkan oder Komplikationen in diesem Gebiete zu dulden. Sie würden, wenn nötig, selbst mit den Waffen, diese Forderung aufrechterhalten.
Deutsche Kolonie«.
Daressalam, 18. Febr. Gestern wurde das Urteil des Kaiserlichen Obergerichtes in der Berufungssache des F r e i h e r r n v. Wächter, dem früheren Referenten des Gouverneurs, verkündet, v. Wächter war wegen Meineides angeklagt und in der ersten Instanz zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wurde gestern freigcsprochen und die Kosten der Staatskasse auserlcgt.
Qcer und Flotte.
Außer dem Kaisermanövcr, das sich an der mittleren Mulde zwischen Merseburg und Torgau abspiclen dürfte, werden in diesem Jahre noch im Osten und Süden des Reiches große Truppenübungen abgehalten werden und zwar sollen voraussichtlich im Netzedistrikt das 2. Pommerschc Armeekorps gegen das 1. Westpreußischc Armeekorps unter der Oberleitung des Gencralfeldmarschalls von der Goltz sowie zwei bayerische Armeekorps vor dem Armeeinspektor Prinz Leopold von Bayern je an zwei Tagen gegeiinnander fechten.
Deutsches Neich.
In Berlin ivurde am Samstaa in einer Versammlung von Mitgliedeim der deutschen Bank-, Industrie- und Handelswelt der deutsch-brasilianische Handelsverband gegründet. Tie anwesenden Herren erster deutscher Firmen erklärten sich einstimmig für die Errichtung eines derartigen Verbandes, dessen Bestehen durch Entgegenkommen der deutschen Reichsbehörden und eines Vertreters der brasilianischen Regierung in Berlin unterstützt wird. Zu Mitgliedern des Vorstandes wurden gewählt u .a. Exzellenz General v. Alten, der Vorsitzende der Deutjch-Süd- amerikanischen Gesellschaft; ferner Maschke, der in Brasilien seit langem wirtschaftlich betätigt ist, Georgius, Vertreter der deutschen Exportfirma Theodor Wille, Konsul Heinz.
Arn heutigen Montag beginnen in Berl in die Ve r s a m m » hingen der großen landwirt schaftlichen Organisationen, des Bundes der Landwirte, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, der ^Bereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer und der zahlreichen Reichs- und Landesverbände für die verschiedensten Berufszweige.
Das Wolffsche Bureau schreibt: Geleitet von dem Wunsche, im Interesse des heimischen Gewerbefleißes eine engere Verbindung zwisckfen dem deutschen Handelstag und der ständischen Ausstelkung'skommrs- iion für die deutsche Industrie auf dem Gebiete des Ausstellungswesens herbeizüführen, ist zwischen beiden Körperschaften eine Vereinbarung getroffen worden, der- Aufolge der deutsche Handelstag in die Kommission zwei ständige Vertreter entsendet, und zivar den Präsidcntenl Kämpf und den Generalsekretär Dr. Soetbeer.
Der Zusammentritt einer Sachverständigenkommission zur Schaffung einer deutschen Einheitskurzschrift, der bereits im vorigen Jahre in Aussicht genommen worden war, wird endlich am 11. und 12. März erfolgen. An dieser Konferenz werden 23 Sachverständige teilnehmen. Wie verlautet, besteht keine große Aussicht auf eine Bereinigung der bestehenden Systeme. Tie Gründe sind mannigfaltiger Art. Es scheint, daß keines der bekannteren Systeme hinter den anderen zurückgestellt zu werden wünscht.
Ausland
In Teheran erhält sich das Gerücht, daß der Ex schah nicht bereit sei, die Apanage von 50 000 Ternans anzunehmen unb unter Verzicht auf seine Thronrechte Persien zu verlassen. Weitere Meldungen besagen, er soll ein großes Heer sammeln, um im Frühjahr gegen Teheran zu ziehen. Tie Regierung beabsichtigt nun, ein neues Parlament einzuberusen, um eine Anleihe zu ermöglichen.
KurncDal in Gietzen.
Gießen, 16. Februar.
Am Samstag nachmittag wurde unter starker Beteiligung der ganzen Bevölkerung, soiocit sie etwas für Humor übrig hat, der Prinz Karneval in leine neue Residenz Hießen geleitet. Um
der
*' In Audienz empfangen wurde am Sam-lL vom Großherzog u. a. Pros. Dr. von Fronqu« Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Gießen.
•• Stadttheater. Die Spieldauer der Mittwoch-Vo:'' stellung von .Julius Gä fa r* ist im letzten Wochen-spie plan durch einen Druckfehler falsch angegeben wordcn. To»
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dem prinzlichen Gefolge einberi Prinzengarde - Feldattillerie und
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garde-Jnfanterie (Männer Turnverein), woraus der pr Karl Stückrath gestiftete
von der Firma des Prinzen mit
Es folgte die
3 Uhr 30 Min. wurd? die Tollttät und ihr Gefolge im Late Kühne von seinem Stadtkommandanten, den Vorsitzenden de- Geschäftsführenden dlusschusses und der Zugkommiision empfangen" und hielt dann in goldener Karosse seinen Umzug durch die 3taht um dann in seinem Palais, dem Hotel Großherzog von bch-, abzusteigen. Eine stunde später hielten die Rekruten ibrtn ümju. in der Beste Gießen und leisteten vor der 2tabt[ommai:>j tm' den Treueid. Am Abend fand dann ein Fackelzug statt, btr i f: nach dem Palais des Pttnzen und der Wohnung des Präs wenn, des Geschäftssührenden Ausschuiies bewegte. Nach der Tafel br suchte der Prinz die - Veranstaltungen einiger Vereine.
Am Sonntag früh hat der Prinz mit seinem Gefolge vor b-:n Theater die Parade der (Warben abgenommen und im Anschl»i daran wurden die verschiedenen Ernennungen und Auszeichnung t vollzogen. Darnach fand kleine Hof täfel statt, woran sich Aussadtt zum Karnevalzug anschloß.
Mit der üblichen Verspätung setzte sich nach i »3 Uhr br Karnevalzug von Oswalds Garten aus in Bewegung 'tü die kurze Zeit der Vorbereitung, die dem Zugausschuß zur ttr fügung gestanden hatte, ist der Zug recht gut ausgefallen trug vor allem die Mithilfe der zahlreichen Vereine und Ein.n Personen bei, die sich an dem seit vielen Jahren hier ritt- mehr gewesenen öffentlichen Karnevalstreiben beteiligten. Maiup glückliche Idee allgemeiner oder lokaler Natur war in dem dargestellt, fast zu viel des Guten, so daß vielleicht mehr gewesen wäre. Bei wenigen Gruppen wäre vielleichi bv Durcharbeitung der einzelnen dargestellten Vorgänge besser my sinnfälliger möglich gewesen und wenn auf einzelnen bie Zahl der Personen nicht so groß gewesen wäre, hätte bet behandelte Gegenstand bei der raschen Dorübertahtt besser gesehen werde können. Aber von diesen kleinen Ausstellungen ab gesehen, kann gesagt werden, daß der Zug wohl gelungen war unwohl allen Zuschauern viel Freude bereitet hat. Und Zuschuß waren in Menge da. Ganz Gießm war auf den Beinen wu> aus der Umgegend waren tausende hierhergeströmt, um sich an br- in Aussicht gestellten Herrlichkeiten zu erfreuen.
Nun zu den Einzelheiten. Zunächst machten zwei maschinen dem Geist der dtarrheit saubre Bahn, worauf Lat
anzünder die Gaslatemen nicht anzündeten, denn die hier s und recht sunttionierende Fernzündung ist noch nickst für I valistische Veranstaltungen eingerichtet. Dem stolz zu Roß herziehenden Zugmarschall folgten Fanfarenbläser und Hc Die Wallensteiner halten ihre Atusik abgeordnet, worauf die nungsvolle Gießener Jugend als luftige Kleppergarde hinter ibr-n auf einem Schaukelpferd reitenden Major einherzog. Ein pra^ tiger Wagen der Zugkommission eröffnete dann eine ganze Aechr teils humoristischer, teils prächtiger Wagen. Zunächst tarn nt lieber alter Bekannter, ein Omnibus, der angeblich in 111 Jaur eine Reise um die Erde machte. Dann kain der Wagen „flotirr Deutscher", worauf hinter einer .Matrosenkapelle auf einem tneth tigen Wagen Rhein, Main, Mosel und Donau der Lahn cl? dem jüngsten Strom im Karnevalreich huldigten. Die Darftdium eines Lügentisches folgte, worauf auf drei Wagen Anfang, (huv und Moral der Maul- und Klauenseuche in äußerst brajhidxr Form zeigte. Tann kamen die vier vom Bund deutsckfer Karneval vereine gestellten recht hübschen Wagen Fttihling, Sommer, Wertet und Winter, die von anderen Gruppen unterbrochen waren, (fu origineller oberhessisckjer Hochzcitszug war das Werk des schen Gesangvereins, während ein Wagen dem G.....
geist gewidmet war. Ein sehr hübsch?r Wagen Kinder Fl verdanste der Firma Dietz sein Entstehen. Es folgte eine risttsche Darstellung des Säuglingsh. ims (Verein für Bewegn spiele), ein weiterer schön ausgeschmückter Wagen der Zugko mission, ein Gambrinuswagen und eine Wirtszunit aus 1 (beide von den Brauereien und der Wirtsinnung Gießen', die „Jmpfzwanggegner" ließen es sich nicht nehmen, für i Ideen Stimmung zu madicn. Sehr originell war die Grupp« Jünger Gutenbergs in Tätigkeil" (Verein Typographia'. schönen Wagen schritt das Alphabeth voraus und Extrabl die verteilt wurden, zeigten die Leistungsfähigkeit der hiesigen drucker. Tann huldigte die Philwpsgemeinde dem wieder denen Karneval. Ein geheizter Wintergarten und eine stellung im Kolosseum zogen in rascher Folge vorüber, fcarmon spielbuben ließen ihre Weisen ertönen, woraus ein gebeimmt voller Eselprozeß (Freie Turnerschast) gezeigt wurde zukünftiges Kamevalprinzeßchen zog in goldener Karosse vo dem der Viererzug des Stadtkommandanten «Biindesvräsidn Hcideckcr) folgte. In schmucker Uniform marschierte die Pri gardemusik, der Generalstab der Prinzengarden, und tue Pn'
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Luftschisferabteilung (Turnverein), die ehemalige Bür (Freie Turnerschast), Munitionswagen, Feldpost und Feldapot ein Wagen für Nörgler und unnütze Kritiker, der bezeichnenden leer einhersuhr. Ter Zug bewegte sich von Lswaldsgarten die Neustadt, Bahnhofstraße, Alieestraße, Frankfurter Str Seltersweg, Kreuzvlatz, Sonnenstraße, Kanzleiberg, Brandt Landgras-Philipp-Platz, Brandplatz, Marktlauben, Walltors Ost-Anlage, Süd-Anlage, Frankfurter Straße, Alieestraße, Lu straße, Gartenstraße, Neuen-Bäue, Schulstraße, Marktplatz^ straße, Neustadt wieder nach OswaldSgarten, wo er aufgclölt._
Am Wend fand in der sesttich geschmückten Turnhalle Oßwalds Gatten eine große Fremden sitzung statt, bi« eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatte unb bei den zahlrei Närrinnen und Narren großen Beifall fand. Nachdem das rische Ministerium seinen Einzug gehalten hatte, hielt Präsi Hornberger die Begrüßungsansprache, worauf das Protokoll lesen wurde. Botträge und Lieder wechselten in bunter und gaben den Anwesenden viel Stoff znm Lachen. Ten Ick Haftesten Beifall fand verr M. Mundo, der mit seinen Voi trägen wie stets die Stimmung auf den Höhepuntt brachte, den sonstigen Borttagenden erwähnen wir irych die Herren Dn Kaufmann, Berlin, A. Dickor4, Rüdiger, ein Ouai tett vom Bauerschen Gesangverein u. a., die alle großen Berul sanden. Die Lieder waren verfaßt von den Herren Hasenkrug Weidig, K. Neurath, K. Kaufmann, Dickorö.Ltt Neurath, Schwalm und Heidecker.
beginnt am Freüag, 23. Februar, ein Gastspiel von dr7 Wochen Dauer. Alle Freude eines herzerquickenden, "r verfälschten Humorö werden diese Ziachncht gewiß nut Freite begrüßen, denn Prang ist den Gießenern kein Fremder hifbr seine früheren überaus erfolgreichen Gastspiele werden ttot in Aller Erinnerung sein. Zur Aufführung gelangen nr auSprobierte zugkräftige Kölner Schioänke. Aus eine gediegen Ausstattung ist der größte Wert gelegt.
"Die für den öligem. Staats eisenbabn verein am SamStag abend vom Stadttheater vet- an|ialtete Sondervorstel.ung war sehr gut bejucht.
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Zinsen 148 Slammen aus _ Mche Bch ie Prämie b ‘iere$, das E ^ödiguna nri Mezahlt. < M seitdem f «ichäste des f^dorfer Gr e abgele samtes i -nnnlung gefl sUrens" toiri
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•• Vom Kolosseum wird uns geschrieben: herrscht im Kolosseum eitel Heiterkeit und Frohsinn. Pran
Au» Stadt und Land.
Gießen, 19. Februar 1912.
** Tageskalen der für Montag, IS. Febr. Ma«k Dr. Gießener Karnevalgesellschaft 1911 in CtemS ©arten.


