Ausgabe 
18.10.1912 Erstes Blatt
 
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ig strikter Neu tra- Hält dadurch Freiheit

Division freibcfommt.

am

27.

Rumänien hat den Großmächten eine Erklärung

Kolonial-Gemälde-AuSstellung- im Turmhaus Brand und im oberen Saale des neuen Schlosses täglich bis Oktober von 111 und 24 Uhr.

li tat zu gehen lassen. Bulgarien er im Rücken, so daß es die Weddiner '

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Oktober 1912.

** Tageskalender. Stadt! l> enter:Ter Traum ein Leben". Freitag abend 8 Ubr. Samstag nachmittag V,4 Uhr: Schiiler-Porstellniig:Stalban der Weise."

C c l f e n t L Vers a m m lung der freien Vereinigung für die Pensionsversirberung der Privainiigencllten. Vortrag des Herrn K o y m - Frankmrt: Tie Wahlen zur Angeslellten-Versichcruug. Freitag abend 8>$ Uhr int Hotel Emhorn.

W a r t b u r g - V e r c i n : Aussübruug des Volksbühne n- st ü ck e sT e n t I ch und f r c i". Freitag abend 8 Uhr int Fest­saale Walltotfiraße 38.

fanung ist jedoch nicht richtig. Auf Vorstellungen des Deutschen Zuschneider-Verbandes hat das Direktorium der Reichsverfiche- rungsanstalt für Angestellte die aufgetauchten Zweifel behoben Nach deren Entscheidung ist die Berufsbezeichnuna ..Zuschneider" auf die Vrruckerirngsvflicht ebensowenig von Einfluß irne die Größe des Betriebes, in dem der Zuschneider bescr.äftigt ist, maßgebend ist vielmehr nur die Tätigkeit des Angestellten. Liegt dem Zuschneider Mas-nehmen, Musterentwerfen, Zuschnciden, In­formieren der Schneidergesellen, Anvrobieren und teilweise auch Verkaufen ob, dann liegt eine gehobene, mehr geistige Tätigkeit vor und solche Angestellte sind dann als versicherungsvflichtig anzusehen. In der Praxis ist die gehobene Stellung dieser Zu­schneider ja auch dadurch anerkannt, daß sie gegen Monatsgehalt und mindestens monatliche Kündigungsfrist angestellt sind. Es fallen demnach unter das Perficherungsgefetz für Angestellte die Zuschneider in den Maßgeschäften und die Zuschneider in der Konfektion, die selbständig Muster entwerfen, nicht aber die eben­falls Zuschneider genannten Gcwcrbegehilfen in der Konfektion, weil ftc nach den von den Erstgenannten entworfenen Mustern den Stoff zuschnciden. Nach den angegebenen Unterscheidungs­merkmalen werden nunmehr nickt bloß die Arbeitgeber und die gewerblichen Angestellten im Sckneidergcwcrbe, sondern auch die mit der Ausgabe der Versicherungskarten betrauten Behörden sick unschwer darüber schlüssig machen können, ob im einzelnen Falle für einen Zuschneider die Versicherungspflicht zu bejahen oder zu verneinen ist.

Serbiens zu wissen? Weder politische noch kommerzielle Inter - cssen könnten Oesterreich dazu bestimmen, das sein natürliches Uebergewicht dadurch gefährde, wenn es sich von Monoen leiten ließ, die den kleinen Vallanstaaten, wie auch den anderen mäckstigeren Staaten die Notwendigkeit auferlegen würde, auf das kotigste dagegen anzukämpfen.

Soll dar eine Drohung sein? Oesterreich wird feine . Interessen vielleicht doch besser keunen als die Belgrader Herren.

Dewtidics llcid).

Ter Bundesrat überwies die Vorlage, betreffend das Wb Tom men zwischen Teuischland und Belgien über die Unfallversicl>erung den zuständigen Ausschüssen. lieber die Wahl eines Direk- toriumsrnitglieds und von höheren Beamten der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte wurde Beschluß gefaßt Ter Südnwstasrikanischen Bodenkredit-Gesellschaft wurden die Rechte einer Kolonialgesellschaft verliehen.

Der ReickStagSabgcordnete v. Normann ist am Donnerstag auf seinem Schloß Barkow gestorben, v. Normann, der 68 Fahre alt geworden ist, vertrat seit 1890 int Reichstage des Kreis GreifenbergKnnnnin. Er war Mitglied des Bundes der Landwirte und führte leit 1902 den Vorsitz in der dentschkoiiservaliveit Fraktion, zu deren führenden Persönliche keilen er gehörte. Mitglied deS preußifclx'n Mgeordnetenhauses war v. Normann seit 1897. Dem verstorbenen konservativen Führer widmen auch die gegnerischen Blätter warme Worte des Gedenkens, indem sie hervorbeben, daß v. Normann auch aus den Gegner shmpathtsch wirkte und daß er einer der fleißigsten Arbetter war.

TicFleischzufuhr in Berlin.

Dtc Berliner >2 t ad t v e r o r dn et e n v e r s a m m l u n g be- A"?gte einihniinig zur Ermöglichung der Einfuhr von friicbem Rchd und «ckwcmefteisch auS Rußland 600 000 Mark. Dir erlettckzusuhr beginnt am nächsten Sonntag.

Die Wahlen zur württembergischen Zweiten K a m m e r.

Laut amtlicher Bekanntmachung finden die Wahlen zur Ivurttemberflqdfen Zweiten Kammer am 16. November statt Tie LersicherunaSpflickt der Zuschneider in der

*1 n 9 c 1t e 111 e ti o c r f i d) c t u n g

i)t in der letzten Zett mehrsach verneint worden. Diese Auf-

'** Bahnpersonal-Nachrichten. Etatsmäßige Stellen von Regierungsbaumeisteru bei der Staatscisen- bahnverwaltung wurden den hessischen Regierungsbau- meistern Ucf o in Essen (Eisenbahnbaufach) und Busch­baum in Witten (Maschinenbaufach) verliehen.

** DaS Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren tumbe verliehen durch Ent­schließung deS Groß Herzogs Johann Paul und Ludwig Hahn zu Schlitz.

** Angestellten-Versickerung. Ter Wahlausschuß des Hauptausschusses für die staatliche Pensionsversicherung, dem der Teutschnationale Handlungsgehilfenverband, ber Verband Tcutschcr Handlungsgehilfen Leipzig, der Kansmäunische Verein Gießen, der Deutsche Werkmeister-Verband, der Verband deutscher Rechtsanwalts-' und Notariatsbeamten, der Verband reisender Kaufleute, der Deutsche Gruben- und Fabrikbeamten-Verband, der Verein für Handlungskommis von 1858, der Verein für katholische Beamte und Kaufleute, der Technische Verein Gießen und der Deutsche Techniker-Verband angehören, hatte gestern abend in dem Hotel Großherzog von Hessen eine öffentlidjc Versamm­lung cinberusen, um über die Angestelltenversicherung Aufklärung zu geben. Vor dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal entledigte sich der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Hand­lungsgehilfen zu Leipzig, G e ß n e r - Frankfurt a. M. dieser Auf­gabe. Er wies darauf hin, daß vor der Entstehung des Gesetzes angeregt wurde, die Angestelltenversicherung burd) Ausbau der schon bestehenden Invalidenversicherung zur Turd)führung zu bringen, daß dieser Weg aber zum Glück für die Angestellten nicht betreten worden sei. Ter Reichstag habe am 5. Dezember 1911 ein Sondergesetz über die seit einem Jahrzehnt von den Privatangestelltkn geforderte Angestelltenversickerung einstimmig angenommen, mit dem man sich jetzt einzurichten habe. Ter Redner erörtert den Zweck des Gesetzes und die beabsichtigten sozialen Leistungen für die Versicherten, die durch den Ausbau der Invaliden- und Altersversicherung nicht zu erreichen gewesen wären. .Er stellt die Leistungen an die Versickerten im Vergleich zu den gezahlten Beiträgen zusammen und erörtert die Möglich seit des Fortbestehens von Fabrik- und anderen PensionSkasseu und kommt dann zum Schluß aus die Bemühungen der Berliner Freien Vereinigung, die einen Kamps gegen den Hauvtaussckuß für. die staatliche Pensionsversicherung führt, indem sie gleichzeitig das Sondergesetz für die Privatangestcllten verwirft. Der Redner wendet sich zum Schluß seiner Darlegungen an die Wähler, die am Samstag dieser Woche die Wahl der Vertrauensmänner zur Reichsanftalt für die Angestelltcnvcrsichcrung vorzunchmen haben, und fordert ftc zur Ausübung des Wahlrechts und zur Abgabe des Stimmzettels auf, den der Wahlausschuß für Gießen im Sinne des Hauptausschusses für die staatliche Pensionsversicherung ausgestellt hat. In der Aussprache trat ein Anhänger der Ber­liner Freien ^Bereinigung dem Redner entgegen und erklärte, daß auch er sick) auf den Boden des Gesetzes stellen würde, doch übt er Kritik an dessen Bestimmungen. Herr Geßner bemerkte dazu, ihm sei bekannt, daß einzelne Anhänger der Freien Vereinigung den gleichen Standpunkt vertreten wie der Vorredner. Von der Zentralstelle der Vereinigung werde in Flugblättern und Ver­sammlungen gegen den Hauptausschns; und die ihm angehörenden Verbände gehetzt, die sick auf den Boden des Rechts stellen und praktisch Mitarbeiten wollen. Daß Mängel bestehen, bestreitet niemand, aber darum das Segensreiche des Gesetzes nicht achten zu wollen, sei ein Unrecht. Darum müßten alle, die der Seg­nungen der Angestelltenversicherung teilhaftig werden wollen, bei der Wahl der Vertraneusmänuer am Samstag nur den Männern und Frauen ihre Stimmen geben, die sich auf den Boden des gegebenen Rechts stellen und an dessen weiterer Ausgestaltung Mitarbeiten wollen. Es handle sich nicht um einen Klassenkampi und um parteipolitische Bestrebungen, sondern um ein soziales Fürsorgegesetz, das trotz seiner Mängel einen gewaltigen Fort­schritt bringt, das zwar verbesserungsfähig, aber doch für die Verhältnisse von Privatangcstellten von großem Vorteil sein werde

** Flugveranstaltung in Gießen Die Vor­bereitungen für die am 27. d. Mts. stattfindende Flug Veranstaltung auf dem Trieb sind in vollem Gange. Die städtischen und staatlichen Behörden, sowie die Militär­behörde leihen dem Unternehmen weitgehende Unterstützung und eine Reihe hiesiger Vereine hat sich in den Dienst der Sache gestellt, indem sie Vertreter in die einzelnen Aus­schüsse entsandten. Tie Veranstaltung ist in der Weise ge­dacht, daß am Sonntag nachmittag die bekannten Flieger, Fräulein Charlotte M o e h r i n g und Herr von S t o e v h a - sius, Inhaber der unter dem Protektorat des Großher. zoglich Hessischen Verbands für Flugwesen stehenden Flie­gerschule in Mainz, auf dem Trieb mit zwei Eindeckern eine Reihe intereffanter Fluge ausführen, Höhenflüge Gleit Kurven- und Achterflüge Am Schlüsse soll noch unter Wahrung militärischer Gesichtspunkte ein Bombenwerfen auf eine Schützenlinie ober auf besonders errichtetes Biwak naltnnden. Unter der Voraussetzung, daß es gelingt eine genügende Zahl von Mitfahrern zu gewinnen, wird'auch das ZeppelmlustfdiifkV i k t o r i a Lu i s e" eine Fahrt von Frankfurt nach Gießen mit Landung und Personenwechsel und Rückfahrt nad) Frankfurt unternehmen. Die Ankuiif aus dem xneb wird etiva um 2 Uhr erfolgen. Wenn audi bcw Luttfdiiu schon mehrmals unsere Stadt überflogen W 1° bieten doch Landung und Ausstieg für die meisten Bewoh­ner unterer etabt und namentlich für die der Umaeaend cm ganz neues, noch nie gesehenes Schauspiel. Tie Halte-

Kreis Schotten.

X<w^ V * - l7, Okt Die Verwirklichung des Plane-

nner Antomobilvost ift jetzt dem Ziele näher gerückt. Ein Irrobewagen fuhr bte)er Tage die Strecken ab. Ter Wagen ent­wickelte eine bewundernswerte Schnelligkeit. Beispielsweise durch- '"vr, der Wagcn dw «trecke Ruppertenrod-Mücke. 5 Kilometer, . m 12 Minuten Ebensoviel Zeit brauchte der schwere Wage» 'u * »ner Rlic-iahrt Da die Aussicht auf eine Eisenbahn auf )ent Nullpunkte steht, so tollten die interefsierten Gemeinden nicht zögern, die gewiß nicht hohen Beisteuern für den Autopost­verkehr zur Verfügung zu stellen.

Starkenburg und Rheinhessen.

~,7 w,anrr^-ar/!J.7' $,tl?ttns9ciud d°r AuSstcllllN, er M en I ch ist jetzt noch ebemo stark, wie seit den ersten Eröffnungstagen, und je mehr die Ausstellung ihrem Schluß zugeht, umso großer wird der Andrang. Namentlich an Sonn» tagen nafnn ber Besuch zuweilen solchen Umfang an, daß die Ausstellungsleitung zuerst den Versuch machte, die Hallen zeit- weite polizeilich absperren zu lassen. Schließlid) entschloß fnan lid) aber dazu, tm Innen, oer Ausstellung räumlidye Verände­rungen vorzunehmen, wodurch die Absperrung nach Möglich- ke,t Dcrmtcben^ivtrbeit konnte. Durch den starken Besuch bat ich nun bet «chövser der Ausstellung, Exzellenz Lingner, be- tnnmen lauen, den «d)lufe der Ausstellung, der ursprünglich nur unbe Oktober festgesetzt war, hinauszuschieben. Die Ausstellung bleibt noch bis Mitte N o v em b e rgeössnet.

~ . b^ -t a r m it a t> t, 17. Okt. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurden zur Erweiterung der Dienst» raume der «tadtkatte 82 000 Mk. bewilligt. Durch die Erweitert

Tie englischen Wünsche.

TerTernps" meldet aus Wien, daß England, un­zufrieden mit der bem Baltanvierbund allzu auffällig Günstigen Haltung Rußlands, jetzt willens sei, die britische Orientpolitik mit der Tendenz Oesterreich-Ungarns in Ein- llang zu bringen. Hier glaubt man, daß England al.er- dings keiner anderen Nation die dauernde Festsetzung in der Suda-Bai jjq'tatten wolle und den Besitz Kretas Griechenland nicht mißgönnen würde.

: mannschaft wird von der hiesigen Feuerwehr gestellt werden.

Dem Luftfahrcrverein Gießen, der die Flugveranstattung , und die Zeppelinlandung ins Leben gerufen hat, ist es ge- , hingen, für die Mitfahrer eine ganz wesentliche Preis­ermäßigung zu erzielen. Während sonst der Preis 200 Mark für die Person für eine einfache Fahrt von 1U3 Stunden beträgt, wird er für Mitglieder des Luftfahrer- Vereins wohl kaum über 100 Mk. und für Nichtmitglicder nicht über 150 Mk. betragen. Vielleicht läßt sich für letz­tere bei genügenden Meldungen noch eine weitere Preis­ermäßigung erzielen. Genauere Angaben können erst in Kürze gemacht werden. Anmeldungen müssen aber schon jetzt erfolgen und Interessenten werden gebeten, sich an den Vorstand des Luftfahrervereins, Seltersweg 56, zu wenden, wo alle näheren Einzelheiten zu erfahren sind. Um einer möglichst großen Zahl auch Minderbemittelter das interessante Schauspiel zugänglich zu machen sind die Preise für die in Aussicht genommenen Plätze niedrig gegriffen. An alle Besucher wird in ihrem eigenen Interesse die dringende Bitte gerichtet, sich die Karten möglichst im Vor­verkauf zu sichern, um ein Gedränge an den Platzkassen am Tage der Veranstaltung zu vermeiden und so eine leichtere Bewältigung des Massenverkehrs zu ermöglichen. Schon bei dieser Gelegenheit muß aber den Besuchern dringend ans Herz gelegt werden, die getroffenen Absperrungsmaßregeln unter allen Umständen einzuhalten, da jedes lieber» schreiten der Absperrungsgrenzen mit Le­bensgefahr verbunden ist. Bei der bisher bei derartigen Gelegenheiten bewiesenen Disziplin der hiesigen Bevölkerung ist zu erwarten, baß diesem Wunsche allseits Rechnung getragen wird, und daß die besonnenen Elemente der Bevölkerung die Veranstal­ter bei dem schwierigen Amte der Absperrung nach Mög­lichkeit .unterstützen. 9hir auf diese Weise ist ein Gelingen des Festes möglich. Es iriire erfreulich und im Interesse späterer größerer Veranstaltungen dieser Art wünschens- wert, weua in dieser Beziehung keinerlei Mißton hervor- gerufen würde. Für Erfrischungen und Militärkonzcrt ift ebenfalls Sorge getragen. Weitere Mitteilungen werden baldigst erfolgen.

** Ter Gießener Eisverein hielt gestern abend im Kaiferhof seine Generalversammlung ab. 'Ten Kassen­bericht, der ein recht günstiges Ergebnis aufweist, erstattete Herr Karl Gemmecker. Bei der Vorstandswahl wurde der feitherige .Vorstand mit Herrn Amtsgerichtsrat Hirsch als Äorfitzrilden wiedergewähtt; neu hin^gewählt wurde Herr Karl Neurath. Tie weiteren Punkte der Tagesord­nung, die rasch erledigt wurde, betrafen innere Vereins^ angelegenheiten, wie Herrichtung der Eisbahn, Vervoll­kommnung der Kontrolle usw.

** Männer-Turnverein. Wie im Frühjahr soll auch jetzt wieder gemeinsam mit befreundeten Turnvereinen der Nachbarschaft ein Kriegsspiel veranstaltet werden, um die Landvercine, die auf vaterländischem Boden Leibes­übungen pflegen, in der Förderung dieser Bestrebungen zu unterstützen. Eine ganze Anzahl Vereine hat ihre Mit­wirkung zugesagt. Tie eine Partei wird sich bei Garben- teich versammeln, um die dortigen Bahnanlagen zu decken, die andere in Hörnsheim an treten, um von bürt aus Garbenteich zu erreichen. Der Hauptzusammenstoß wird voraussichtlich zwischen 3 und 4 Uhr auf der Linie Stein­bergGröningen stattfinden. Der Hauptziveck der ganzen Uebung ist der, die der Juna-Deutschlandbewegung z. Zt. noch fernstehenden Kreise für diese gute Sache zu gewinnen. (Siehe die Anzeige im Anzeigenteil.)

* Vom Elektrizitätswerk. Es sei auf die Bekanntmachung hingewiesen, nach der am Sonntag, 20. ds. Mts. das Elektrizitätswerk die Stromliefe­rung von mittags 12 Uhr bis nachmittags 3 Uhr unter- bricht. Die umfangreichen Erweiterungen haben Ver­anlassung gegeben, die alte Gleickstromtafel M erneuern und ihr einen für die.Heberficht des Betriebes günstigen Platz zu geben. Bisher sind sämtliche Umlegungsarbeiten während des Betriebes vorgenommen worden, doch muß ür die Umschaltung der Akkumulatorbatterie die Strom» icferung' auf kurze Zeit eingestellt werden.

** D e r st ä d t i s ch e S e e f i f ch rn a r k t in den Markt­auben bot gestern Backfische, Nordsee-Schellfische und Ka- bliau, Seelachs, Schollen und grüne Heringe. Der Andrang an den beid.en Verkaufsständen war wieder sehr stark und >ie vorhandenen 14 Zentner Fische konnten in zwei Stun» den verwogen, verpackt und zum Verkauf gebracht werden. Die Abfertigung der Käuferinnen könnte noch schneller erfolgen, ivenn sich alle Leute der Ordnung, die bei einem olchen Menschenandrang sein muß, mehr fügen würden, denn es wird streng darauf gesehen, daß die'Abfertigung nach der Reihe, ohne Bevorzugung nach Rang und Stand geschieht. Es wäre auch gut, wenn sich die Hausfrauen ini*J?ei-n9cIb ucrMen wurden, damit sich das Wechsel- gcschäft sdjneller abwickelt. An eine Käuferin werden nicht mehr als 10 Pfund Fische.abgegeben.

"Eine Ausstelluna künstlerischer Hand­arbeiten veranstaltet die Firma Salomon u. Cie., Schul» trage, am Sonntag von mittags 5 Uhr ab in ihren Schau- enstem und im innem Lokale.

* Von der Bergschule Dillenburg weilte gestern die erste Klaste, Bergleute im Alter von 20 bis 30 Jahren, in unserer Stadt. Die rund 30 Bergschüler be- ichtigten vormittags die Gruben der Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke und zerstreuten sich am Nachmittag in unserer «tobt, ivv sie purch ihre Uniformierung Auk- ehen erregten. ö

Ter Sultan an die Bevölkerung in Tripolis.

Rom, 17. Olt. Der Erlaß, welcher den Arabern in Tripolitanien und in der Cyrenaika Straferlaß ge­währt, ist gestern vom Sultan unterzeichiiet worden. Er hat folgenden Wortlaut:

Ta meine Negierung einerseits sich in der Unmöglichkeit be­findet, euch eine wirksame Hilfe zu geben, die erforderlich ift, um euer Land zu verteidigen, und da sie andererseits um euer gegenwärtiges und zukünftiges Wohlergehen besorgt ist und die Forlietzung des für eure Familien verhängnisvollen und für unser Reich gefährlichen Krieges vermeiden will, und die Ab­sicht hat, in eurem Lande Frieden und Wohljahrr Wiederauf­leben zu lassen, verleihe ich euch Kraft meiner Herr­scherrechte die volle und ganze Autonomie. Euer Land wird nach einem neuen Gesev und besonderen Verord­nungen regiert werden, an deren Ausarbeitung ihr burd) euren Ral mitwirken werdet, und damit euren Bedürfnissen und Ge­wohnheiten entsprochen. Ich ernenne zu meinem Vertreter bei end) meinen treuen Ticner Choinsoddin-Bcy, den ich mit dem Schutz der osmanischen Jnteocssen in eurem Lande beauf­trage. Das Mandat, das ich ihm übertrage, hat eine Taner von fünf Jahren. Nad) dipser Frist behalte ich mir vor. dieses Mandat zu erneuern ober einen Nachfolger zu bestellen. , Ta unsere Absicht ist, daß die Besiimmiingen des Schariatsgesetzes dauernd in Kraft bleiben, fo behalten wir uns zu diesem Zweck die Ernennung des Kaids vor. der seinerstitS gemäß den Vor­schriften des ScheriatS die Naibö ans den Reihen der örtlichen JlemaS ernennen wird. Tie Bezüge deS Kaids werden von uns bezahlt, die unseres Vertreters sowie deS Sd>:riat5 werden aus den örtlichen Einkünften entnommen werden.

Der italienische Erlaß.

Rom, 17. Okt (Amtlid).) Ter folgende Erlaß hin- sid)tlich des Gesetzes vom 25. Februar 1912§ das Tripo^ litanien und die Cyrenaika in vollem Umfange unter 'die Oberhoheit des Königreichs Italien stellt, wird zu dem Zwecke veröffentlicht, um die Pazifizierung der genannten Provinzen durchzuführen:

Artikel 1: Vollständiger Straf erla ß wird den Be- wohneni Tripolitaniens und ber Cyrenaika gewahrt, die an den Feindseligkeiten tcilgenommcn und sich bei den Feindseligkeiten bloßgestellt haben, soweit es sick) nicht um gemeine Verbrecher handelt. Daher wird keine Person, lueld/cr Klasse ober welcher Lebensstellung sie angehören mag, verfolgt ober in seiner Person, seinem Eigentum ober in der Ausübung feiner Rechte gestört werden wegen der von ihm begangenen politischen oder mili­tärischen Handlungen oder wegen während der Feindseligkeiten von ihm geäußerten Meinungen. Personen, die aus diesem Grunde fid) in Haft befinden oder deportiert worden sind, werden so­fort in Freiheit gesetzt.

Artikel 2: Die Einwohner Tripolitaniens und der Cyre­naika werden, wie in der Vergangenheit, and) weiterhin voll­ständige Freiheit in der Ausübung des musel­manischen KultuS genießen. Der Name Sr. Kaiserlichen Majestät des Sultans als Kalifen wird weiter in den öfient- lichen muselmanischen Gebeten erwähnt werden und seine Ver­tretung in einer von ihm ernannten Person anerkannt. Tie Einkünfte dieses Vertreters werden aus lokalen Eingängen bestritten werden. Die Reckfte der frommen Stiftungen werden, wie in der Vergangenheit, respektiert werden und die Miy'clmancn werden in keiner Weife behindert werben, in ihren Beziehungen zu ihrem religiösen Oberhaupt, dem genannten Kadi, dessen Ernennung durch den Scheich uel Islam erfolgt und zu den Naibs, die von bem Kadi ernannt und deren Einkünfte ebenfalls aus lokalen Eingängen bestritten werden.

Artikel 3: Ter genannte Vertreter wird and) bei dem Sckutz der Interessen des ottomanischen Staates und ber otto- manischen Untertanen, soweit sie in den beiden Provinzen nach dem Gesetz vom 25. Februar 1912 verbleiben, anerkannt werden.

Artikel 4: Durch ein anderes Dekret wird ein Aus­schuß ernannt werden, an dem auch die Notabeln ber Ein­geborenen teil nehmen werden, um für die beiden Pro­vinzen zivil- und v e r w a l t n n g s r e ck t l i ch e Maßnah­men rmrznicklagen, die auf liberalen Grundsätzen beruhen und lokale Sitten und Okbräudie respektieren.

Tas Tekret ist vom König vom 17. Oktober gezeichnet und von dem Ministerpräsidenten Giolitti. sowie von dem Minister des Auswärtigen und allen Ministern gegen- gezeichnet.