Der Mordanschlag ans Honig Dittor Emanuel.
Rom, 15 März. Alle Ain d er d er V o l k s s ch ul en zogen heute früh mit ihren Lehrern und Lehrerinnen nach dem Platz vor dem Quirinal, wo ftc dem Konigspaar ftur- mische Freudenkundaebunaen darbrachtem Der Platz, der ganz mit Kindern, die mit der Nationattokarde geschmückt waren anaefüllt war, bot irn Hellen Sonnenschein des herrlichen Frühlingstages ein reizendes Bild. Gleich darauf erschien auf dem Platze ein Zug von Bauarbeitern, »velche dem Königspaar eine Huldigung des Teils der Arbeiterschaft darbringen wollten, dem der -Angreifer angehörte. Ferner begaben sich die städtischen Körperschaften geführt von dem Bürgermeister Nathan, darunter einige Sozialisten, in das Palais, um den Souveränen zu huldigen. Kurz nachdem diese den Quirinal verlassen hatten, erschien der König und die Königin auf dem Balkon des Schlosses, um mit größter Herzlichkeit für die Ovationen zu danken. Die Königin sagte, sie sei besonders bewegt durch die Kundgebung der Kinder, die sie zärtlich liebe.
Die Reue bet Täter».
Rom, 15. März. Dalba wurde vergangene Nacht aus dem Polizeigewahrsam in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Bei seiner Ginlieferung erklärte er dem Direktor unter Tränen, daß er seine Tat bereue. Gr verweigerte jede Nahrungsaufnahme. — Der verwundete Major Lang hat die Nacht gut verbracht.
Deutsche» Reich.
Einen Initiativantrag auf Annahme eines Gesetzes betreffend Aenderung des Strafgesetzbuchs hat das Zentrum im Reichstage eingebracht. Dieser Antrag will diejenigen Teile der kleinen Strasgesetz- novclle, die im alten Reichstage keine Anfechtung erfahren hatten, mit tunlichster Beschleunigung angenommen wissen. Der Antrag übernimmt aus der kleinen Strafgesetznovelle die Bestimmungen über Hausfriedensbruch, Entführung Minderjähriger, Körperverletzung an wehrlosen Personen, Diebstahl aus Not, Mundraub, Telegrammgeheimnis. Die zutage getretenen Unstimmigkeiten der augenblicklichen Rechtslage sollen durch diesen Antrag beseitigt werden. Die Bestimmungen über Preßbeleidigungcn, die die frühere Strafgesetznovelle enthielt, sind bei diesem Antrag ausgeschaltet worden.
Wie der Berliner ,^Lokalanzeiger" erfährt, hat das Reichsbankdirektorium dem Deutschen HandelStag mitgeteilt, es werde in Zukunft die Hundertmarkscheine wieder im alten Format her st eilen.
Airche und Schule.
Das Urteil im Verfahren gegen Pfarrer Traub.
Breslau, 15. März. In dem Disziplinarverfahren gegen Psatrer Lic. Traub- Dortmund wurde heute abend nach viertägiger Verhandlung das Urteil verkündet. Es lautet auf Strafversetzung.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 16. März 1912.
** Tageskalender Stadttheater: Sonntag nachmittag 3l/t Uhr: ,X! u m p a c i u a g a b u n b u Se; abends 7*/, Uhr: Benefiz tue Oberregisseur Gähne: „Hamle 1".
Geistliche Al u \ i t a u f \ ü t) r u n g des Evang. Kirchengesangvereins in der Cladtkirche. Sonntag nachmütag 61/, Uhr.
Kolosseum: Täglich Vorstellung.
Kinernntograph: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorilellung.
Gemäldeaus st ellungdesKun st Vereins im Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag), von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr.
Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittag 11—1 Uhr unentgeltlich, zu anderen Zeiten gegen 50 Pfg. Eintrittsgeld.
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen von 11—1 Uhr und 4—ö Uhr.
21 n l a gemusst am Sonntag mittags 12 Uhr (nur bei gutem Welter) in der Süd-Anlage. Spielplan: 1. Schälers vonntagslied, von K. Kreutzer ; 2.Pilgerchor und Lied a.d. Abendstern aus der Lper „Tannhäuser* (Ter Sängerkrieg auf der Wartburg), von R. Wagner; 8. Ouvertüre zur Oper „Martha", von Fr. v. Flotow; 4. Armeemarsch Nr. 168, von E. Faust.
** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Jak. Kraus zu Darmstadt die evang. Pfarr- stelle zu Wackernheim übertragen.
"Erledig t sind: Eine evang. Lehrerstelle zu H e m- men. Mit ihr ist Organisten- und Borlesedienst verbunden. Dem Grafen von Schlitz genannt von Görtz steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Reich los. Dem Jnl)aber kann eine Ortszulage gewährt werden.
** Die Hinterland-Bahn. Aus Krofdorf wird uns geschrieben: Der Artikel in Nr. 56 des Gieß. Anz. über die Hinterland-Bahn schließt mit dem Mahnruf: .Sorgt dafür, daß die Bahn die rechte Linienführung und den Anschluß nach Gießen erhält*. Wir schließen uns diesem Mahnruf an. 3m übrigen sind wir auch der Ansicht, daß diese Bahn eine Zukunft hat. Unverständlich ist unß aber, daß in dem betreffenden Artikel nicht eine Linienführung über Kros. darf —Gleiberg gedacht wird, eines Ortes mit über 2500 Einwohnern, in dessen Nähe noch LaunSbach liegt, das auch, nochgroße Interessen an einer Linienführung über Krofdorf hätte. Da man nun von der elektrischen Bahn Gießen—Krofdorf nichts mehr hört, wäre eS gut, wenn unsere Gemeindevertretung für diese Linienführung eintreten würde. Auch haben wir zu der Stadtverwaltung von Gießen daS Vertrauen, daß sie, falls die Hinterland-Bahn Gießen__
Gladenbach zu Stande kommt, nur für eine Führung über Krofdorf wirken wird.
** Sonderzug Gießen — Traishorloff. Zu un- 0C|!n3Cn ^u'umcr unter dieser Ueberfchrisl gebrachten lurtiz wird uns von zuilandiger stelle mitgcieüt, daß Der Darin dlnlatz der Einweihung des Wasserwerks Inheiden d» |au’cni>e TNrazug. lediglich zur Beförderung
der von der Provinz mit besonderen Einlaounas- ta 11 e n pcr|ebencu Ö) ü |t c nad) I»beiden und von der: wieder zurück nach ließen bestimmt ut und für die Gäste k o ft e «l o -> zur 6U0CH biete b,m,ad> n, dn »u lafen. LS berechtigt vielmehr, wie auf den verschickten Einladungen vorgedruckt ist, die Vorzeigung der Einladungskarien zum ungehlnderlen Sanieren der Bahnsteigsperren. 4- < • Jaöung»tarien gelten also als Fahrtausweis £ie AhfahrrS- u > Ruckkunitszcileii lowie die iilbfahrtSzeiten aui den Zwischcn'tatic \\ni> in der Notiz zutreiiend angegeben w H
**SBainung. Ein gewisser Percy Zimmermann, der vt|t vor wenigen Monaten aus dem Gefängnis S Domingo entlassen wurde, beschäftigt sich augenblicklich bami't daß er durch Annoncen in deutschen Zeitungen junge Lei. e 111 Ausland engagiert, denen gegenüber er sich als Kaufmann und Plantagenbesitzcr anSgibt. Da seinem Treiben
keine guten Ansichten zugrunde liegen, mu„ ^aoor gewarnt werden, mit Zimmermann in Verbindung zu treten.
Landkreis Gießen.
-- Steinbach, 15. März. Am Mittwochs feierten Landwirt Heinrich Serth und Frau von hier das ,rest ihrer silbernen Hochzeit. Abends brachte der Burgerbund Steinbach dem Jubelpaar ein Ständchen. , _ ,,, E. . ,
s Lollar, 15. März. Am Montag, abends 8 Uhr, findet öffentliche G em ein der at ss itz u n g mit folgender Tagesordnung statt: 1. Genehmigung der Krankenkanenrechnung Pro 1911. 2. Gesuch des Ludw. Frank III. betr. Errichtung einer Bedürfnishalle an der Bürgermeisterei. 3. Geiuch des Kurl Meister um Wirtschaftskonzession. 4. Gesuch des Ludwig Rohrbach Vll. um Verlegung eines Feldweges. 5. Einpssanzung des Hochbehälters. 6. Errichtung eines Lokals für die Freibank. r Errichtung eines Arrestlokals. 8. Bange,uch der Buöerusschen Enen- werke. 9. Naturalisierung des Schneidermcisters Gottlich. — Von den eingegangenen Offerten zum Hauptnetz der eleitrischen Licht- und Kraftanlage für hiesige Gemeinde war die §irma Hintertür-Siegen mit 9,75 Mk. pro Lampe und 47 000 Mk. Gesamtsumme Wenigsmehmende und erhielt den Zuschlag. zu Lieferung der Zähler wurde der Allgemeinen ElektriZitatsgesell- 'chaft übertragen. Der Preis beträgt ohne Montage 10 Mk. Zur Straßenbeleuchtung werden 200 kerzige Lampen verwandt. Tie Konzessionsgesuche der auf die Hausanschlüsse reflektierenden Firmen Brinkmann-Gießen, Kutscher-Lollar und Wild-Lollar wurden genehmigt. — Zum Falle Fey findet nächsten Mittwoch hier nochmals Untersuchung mit Abnahme des Tatvestandcs statt.
♦* Kleine Mitteilungen. In der Notiz über öie Gründung einer neuen Kreditgenossenschaft in Allendorf a. d. Lumda muß es Spar- und L e i h k a s s e, eingetr. Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung heißen.
Kreis Alsfeld.
-m-. Alsfeld, 15. März. Tie Firma Th. Köster, Tabak-und Zigarrenfadrik, konnte gestern auf ihr hundert- jähriges Bestehen zurückbllcken.
-u-. Billertshausen, 15. Marz. Gestern abend wurde ein löjähriger Bursche von einem hier bediensteten Knecht mit einem Revolver in den Kopf geschossen. Tie Kugel konnte bi§ jetzt noch nicht entfernt werden.
Kreis Friedberg.
(?) Friedb erg, 14. März. Heute abend fand auf Einladung des Voltsbildungsvereins ein Lichtbildervortrag im Saalbau statt, den Seminarlehrer G a tz e r t übernommen hatte und unter lebhaftem Beifall der sehr zahlreichen Anwesenden durchführte. Die Lichtbilder und der sie begleitende Vortrag war so lebendig und ansprechend, daß viele Phantasiebegabte zu dem Glauben kommen konnten, sie machten die schöne Fahrt an der Küste Dalmatiens bis zu den schwarzen Bergen wirklich mit. Es war ganz selbstverständlich, daß dem Vortragenden sehr lebhaft gedankt wurde. — Der Volksbildungsverein bot in diesem Winter der Allgemeinheit manche schöne Gabe.
— Butzbach, 15. März. Der Butzbacher Fasel-, Zuchtvieh- und Schweinemarkt findet am Donnerstag, 21. März, statt. Zugelassen ist nur Vieh aus oberhessischen Orten, die nicht in einem Sperr- oder Beobachtungsgebiet liegen.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 15. März. In der bekannten Strafsache des Geh. Hofrats Prof. Dr. Wagner gegen den Hofrat Prof. Dr. v. Soxleth in München hat die Staatsanwaltschast den Beschluß ge- fafjt, bei der hiesigen Strafkammer den Antrag auf Einstellung des O sfizialv erfahrens gegen Dr. v. Soxleth zu stellen.
Hessen-Nassau.
w. Frankfurt a. M., 15. März. Heute früh wurde in einem Zimmer eines kleinen Hotels ein 45jähriges Fräulein erschossen ausgefunden. Als Mörder kommt ihr eigener <3 Jahre alter Vater namens Vögel in »Betracht, der mit ihr zusammen gewohnt hat, nach der Tat das Zimmer verschloß und flüchtig geworden ist.
— Frankfurt, 15. März. Das geistliche Mu- sikfest in der Charwoche bringt am Donnerstag, 4, April, vormittags im großen Saal des Saalbaues eine Matinee der Amsterdamer Künstler (Solisten, Chor und Orchester).
fo. Wiesbaden, 15. März. Der Schreinerstreik ist heute beendet und in sämtlichen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen auf Grund folgenden Tarifs: Der Stundenlohn beträgt von heute ab 54 Pfg., vorn 1. Juli d. Js. ab 55 Pfg., vorn 1. Januar 1913 ab 57 Pfg. und vorn 1. Januar 1914 ab 58 Pfg.
Landwirtschaft.
** JVälb er ö c r m i 111 u n g. za r.andwirtschastskammer- ausschust für Ober Hessen beabsichtigt in Verbindung mit der Zucht- vermittlungsstelle eine Kälbervermittlungsstelle zu er> ruhten. .Diese Vermittlungsstelle soll weibliche Buchtkälber Ijaupt» sächlich tnt Alter von mindestens 10 Tagen aus Gegenden mit geringer Aufzucht nach Orten mit größerer Nachfrage vermitteln. Für die Verkaufsvermittlung kommen grundsätzlich nur Kälber mit ausgesprochenem Simmentaler oder Vogelsberger Rassentvvus in Betracht; nur ausnahmsweise können für Geoiete und Shirt» )ebaften mit vorherrsck-ender Milchwirtsckxsst auch reinrassige Niede- rungskälber vermittelt werden. Bestellungen und Angebote sollen in 5er iReibenfolge ihres Eingangs erledigt werden. Für größere Kälberltestrungen, sowie nach Orten, die außerhalb Lberhessens liegen, werden die LtejerungSbebingungen besonders vereinbart. Eine demnächst erscheinende Geschustsordnung wird nähere Erläuterungen über die Preise und Lieferungen erhalten. Die Ge- lchäste der Vermittlungsstelle werden durch die Tierzuchtinspekiion des Landwirlsck-aftslammerausjchusses in Gießen geführt.
Gericht»jaaU
R. B. Darmstadt, 15. Marz. Der große Kautions- s ch w t n d e l p r o z e ß gegen den Bensheimer Direktor Schmitt, mit dem sich das hiesige Schwurgericht volle vier Tage bis spat m die Nacht hinein zu beschäftigen hatte, ging heute zu Ende. Dte Vernehmung der llu Zeugen und Sachverständigen war erst Ktt nachmittag beendet und dann begannen die mehrstündigen Plädoyers. Der Staatsanwalt hielt die Anklage auf fortgesetzten und versuchten Betrug, sowie auf selbständigen Betrug, verbunden mit schwerer llriundensaischung, in vollem Umfang aufrecht. Das UrteU lautete auf 6 Jahre Zuchthaus und 1 u Jahre Ehrverlust, sowie dauernde Unfähigkeit zur Bekleidung eine« bürgerlichen Ehrenamtes.
Berlin, 15. Acarz. Die Zeugenvernehmung in dem Spteler- prozetz gegen den Grasen Wolff-Metternich und den Ruman ert xJuieS wurde gestern, Freitag, nach eintägiger Unterbrechung fort; geicpt zu Aussagen sind für die Allgemeinheit ganz unwesentlich.
8 Berlin, io. Marz. Rach mcpriugigL. lyuitoiung wurde beule b.-v Prozeß gegen den Agenten Eugen Josef Margolin aus MstanidlGL: n Galizien zu Ende geführt Schon im oorijin Zar,re roat Margoltn wegen Betrugs uno Urkunoensalschung zu Dc<.i unbcmbalb wahren Zuchthaus und seine Geliebte, d-.e Kabareit. sängerin ^rna Frobnä, ir-.u BcihUte zu c.^eii Sti^'.aten zu . Jahren Gesang ms verurteilt worden. In dein neuen Prozeß Cer lebt our Verhandlung tarn, wurden dem Angel amen ^-ee.'
uno Betrugsversuche ut drei Fällen zur Vau gelegt. Das Urte-.i lauu-te juu^icb der im vorigen Pro; i. meUcr^i0111 t aCrllU^1Ul Ljuchu-ausstrafe von 3 > fahren k *r Zuchthaus ouglcid) wurden Die bürgerlttixn ?iC Ur-U Schwurgericht auf 5 Jahre averlamu batte, noch aus wettere d Jahre aoertannt. Der Slngeflaate er» Karte, baß er das Urteil nicht annahme, 3 9
V,i|Clluui/iiünijiaU Uil
Giu schweres Eisenoahnunglück, das mehrere Menschenleben forderte, ereignete sich in der Nach: auf dem Bahnhof Wittenberge. Seither liegen folgende Mitteilungen vor:
Wittenberge, 15. März. Ter Postzug ist heute morgen 2.20 Uhr infolge Uebersahrens des Einfahrtsignals aus Bahnhof Wittenberge gegen den nach Lüneburg einfahrenden Kohlenzug 6994 gefahren. Ter Zugführer und ein Wagenwärter wurden getötet, vier Zugbeamte verletzt. Alle Geleise von und nach Hamburg, Lüneburg und Perleberg sind gesperrt, voraussichtlich auf 12 Stunden. Tie Personenbeförderung von Berlin nach Hamburg und Lüneburg über Stendal ist unterbrochen. Ter Materialschaden ist groß, drei Wagen des Postzuges sind verbrannt.
Wittenberge, 15. März. Bei dem Eisenbahnunglück wurde der Oberschaffner Delse aus Hamburg, der üerbrannte, und der Hilfswagenwärter Ide-Altona getötet Ter Aushllfs- heizer Prätz-Husum und der Heizer Panteleit-Jnsterburg wurden schwer verletzt. Ersterer erlitt einen doppelten Schädelbruch, der zweite, der zwischen die Lokomotive und den Tender geriet, wurde an den Beinen und am Oberkörper schwer verletzt. Der Lokomotivführer Knock-Wittenberge vom Zuge 6067 und der Lokomotivführer des ausfahrenden Zuges 6994 Springer Wittenberge wurden leicht verletzt. Wie verlautet ist Prätz inzwischen seinen Verletzungen erlegen.
Tie Schuldsrage ist noch nicht geklärt. — Ter Lokomotivführer Knaak hat in seiner Vernehmung ausgesagt, er habe die Bremse gezogen, diese habe aber versagt. Wie verlautet, war bei einem neuen, in Ludwigslust eingestellten Wagen die Luft- bremse nicht in Ordnung.
Lust,chiffahrt.
Teltow, 15. März. Heute vormittag 11 Uhr 30 Min. stürzte der Wright-Pilot Witte ab. Er war zwei Runden bet starkem böigem Winde geflogen und ivollte niedergehen. Beim Landen überschlug sich die Üstaschlne und wurde total zertrümmert. Witte war io'ort tot.
Börsen-22ochenvericht.
— Frankfurt a. M., 15. März. .
Tie Börse hat den Ausstand der Bergarbeiter im' Ruhrrevier mit Gleichmut aufgenommen. Obwohl die Nachrichten aus dem Streikgebiete nicht erfreulich lauten, blieb die Grundstimmung vorwiegend fest, aiisgehend von der AiilivärtS- beivegnng der 'Dlontanpapicre. Vor Ausbruch des Streits sind vielfach Blankoabgaben in Kohlen- und Eisenwerten auSgessihrt ivorden, zumal man mit umfangreichen Realisationen des Privat- publikilins gerechnet hatte. Ta aber von dieser Seite fern größere- Angebot sich einstellte, die ganze Streikbewegung vielmehr recht optimistisch beurteilt wu'de, sahen sich die Blankooerkätlier zu. Deckungen und Rückkausen veranlaßt, die die Kurse in. steigende Richtung versetzten. Vor>viege>id hegt man die Zuversicht, daß eine schwere Storung des Kohlengewerbes oder der Kohlen' verbrauchenden Industrie durch den Ausfland nicht hervorgeruien werde, da die Lager stark gefüllt sind. 'Mit demselben Optimismus wie die deutsche Arbeiterbe,vegustg beurteilt man auch die. Vage des englischen Streiks, dessen Beendigung man in den nächsten Tagen erwarten zu dürfen glaubt. Bisher hat übrigens der Ausstand nn Riihrrevter nur die Wirkilng gehabt, daß die 9iad)- frage nach Kohlen ziemlich stürmisch geworben ist und da daS auf die Feststellung der Preise nicht ohne Einfluß bleiben dürfte,» werden die Werke in ihrer Renzabilität taum eine Einbuße er-: leiden. Infolge dieser Meinungen ging die Kontremme nut £echmgen , vor. Wenngleich davon der Anstoß zu einem festen Grundton Der • Börse ausging, so blieb doch das Geschäft aui anderen Gebieten sehr beschränkt. Zur Zurückhaltung mahnte die V e r st e i f u n g am Geldmärkte. Tie Rücksicht aui den diesmaligen Quartalswechsel und die Bereitstellung sehr großer Beträge für demnächst fällig werdende Tividenden- und Kuponszahlungen macht die Geldgeber reserviert. Infolgedessen nehmen Die Einreichungen bei der Reichsbank schon jetzt einen bedeutenden Umfang an, so daß an Die Ermäßigung des Diskontsatzes im laufenden Vierteljahr nicht mehr' zu denken ist. Ter Privatdiskont verfolgte eine steigende Richtung und ist jetzt nur noch % Proz. von der o'fiziellen Rate von d Proz.' entfernt. Wenn trotzdem Die Börse recht feite Haltung zeigte, so: geht mail vielleicht nicht fehl, bay die Interessen mächtiger Finanz- treife dahin drängten, einer Ermattung der Börsenteiidenz entgegen- znarbeiten. Es ist wocl kein zufälliges Zusammentreffen, ivenn jetzt, kurz vor der schweren Quartalswende und inmitten enieS- Rieseiistieiks die Wochenberichte aller Großbanken aui Den Ton Der Zuversicht gestimmt sind. Ties dürste der Börse auch weiterhin' trotz der steifen Geldsätze einen Halt verleihen. Bon Einzeliiciien im Verkehr ist wenig Bemerkenswertes zu berichten. Tie grüßten’ Aoanzen erzielten Montanpapiere, doch waren auch andere" Jndustriepapiere vieliach etwas höher. Am Banken- markt konnten sich die leitenden Werte durchweg befestigen.. Bahnen lagen ruhig und teilweise schwächer, ebenso 6 dj u f •; fahrtswerte. Heimische Fonds gaben neuerdings Bruchteile nach, auch frembe Renten stellten sich meist etwas niedriger.
Märkte.
ko. Frankfurt a. M., 10. Amrz. Heu- und St roh mark t., Angefahren waren 12 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4.20—4.50 Mk., Stroh (Koriilangstroh) 0.00—u.00 Mk, Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles <ür 50 Kilo. Geschäft mäßig rege. Tie Zufuhren waren aus Oberhessen, den Kreisen Sieburg und Hanau.
Vermischte».
* Ein ausdauernder Schulschwänzer. Daß ein Junge vier Jahre lang die Schule schwänzt, ohne daß die Lehrer oder Eltern dahinterkommen, sollte man kaum für möglich halten. Bis^zu seinem neunten Lebensjahre besuchte der jetzt 13 Jahre alt Schüler Erich Steiner, Sohn eines Bergmannes in Dortmund, die Melanchthonschule und als seine Eltern im Jahr« 1908 in einen anderen Stadtteil übersiedelten, wurde er der Krimschule überwiesen. Durch irgend ein Versehen muß der Name des Angeklagten aber aus den Schullisten verschwunden sein und das machte sich der Junge zu nutze, indem er seil dieser Zeü die Schule schwänzte. Jären Morgen ließ er sich von jeiner Mutter sein Schulränzel packen und mit einer ordentlichen tyrüb- stücksstulle ausgerüstet, begab er sich angeblich auf den Weg zur Schule. Statt aber zur Schule zu gehen, trieb er sich aut den Wochenmärkten umher, wo er sich durch allerhand Botengänge usm. einige Groschen verdiente. Jetzl erst, nach vier Jahren, kamen die Eltern hinter dies Doppelleben ihres Sprößlings, und der Vater brachte ihn sofort zur Schule, die der Junge nun wohl etwas länger als bis zu seinem 14. Lebenswahre wird besuchen müssen-
kf. BierMillionenMarkErbschaftssteuer fcabfl* die Erben des Eisenbahnkönigs E. H. Harriman soeben des» amerikanischen Schatzmeister erlegen müssen. Es ist dicS der größte Betrag an Erbschaftssteuer, der je in Amerika, wem» nicht überhaupt in der ganzen Welt, gezahlt woroen ist. Beim Tode ihres Gatten gab Die Witwe den Betrag des Vermögens aut 14 Millionen Pfund an. Aber dank ihres GeschäftsgenieS hat sie es verstanden, in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die seinem ven'lossen ist, das Vermögen aut eine Hohe von 400 Mib» 1 tonen Mark zu bringen. In dieser Zeit hat es 80 Millionen
I Mark an Zinsen gebracht.
* 200 000 MarkGehaltsüreinedeutscheMetzger^ Meisterin Frau Kathi Littlch zu Ergoldsbach in Nieder- v^ern, bie vor einiger Zeit als erste Frau in Deutschland die Prüfung als Metzgermeisterin ablegte, hat sich dadurch anscheinend einen Namen in der Weltgeschichte gemacht. Ihr Ruhm Drang bis nau) Amerika, und nun Hal, wie die „Allgemeine Fleischer- Zcilung' berichtet, der Besitzer eines großen amerikanischen Hotels r.vrau Litnch das Anerbieten gemacht, chr 50 000 Dollar für ein zweiiahriges selbständiges Auftreten in seinem Hotel zu zahlen.^ Metzgermeister Littich ließ feine Gattin Die Reise über Den großen
Ä amreien, nachdem die Summe in einem baperu'OT, Banlhause deponiert worden war.


