Ausgabe 
14.12.1912 Erstes Blatt
 
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sie sich bei mtgunftiger Lage eines Seegefechtes rasch wieder in die Dardanellen hinter die schlitzenden Küstenbatterien zurückziehen kann.

Der andere Kriegsschauplatz Griechenlands gegen die Türkei hat sich an der Küste vonEpirus ent­wickelt. Bei Santi Quaranta, nordwestlich von Janina, machten die griechischen Truppen Landungsversuche und dort werden sich wahrscheinlich noch sehr yeftige Kämpfe abspielen, vielleicht auch unterstützt durch einen Teil der griechischen Flotte. Tort, an der Küste von Epirus, haben die kämpfenden Griechen sozusagen ihren historischen Bo­den. Blickt man durch das Fernrohr der Geschichte, so ist es dort fast so lohnend wie am goldenen Horn bei Byzanz. Es ist Weltgeschichte zu Schiff, was da an unserem Auge vorüberzicht Dort sammelte sich schon im peloponnesischen Krieg die stolze Flotte Athens, die Thucydides beschrie­ben. Es gibt kaum einen berühmten Römer, der nicht in diesen! Sunde erschienen wäre. Flaminius, Mummius, Paulus Emilius, Sulla, Pompejus und Cäsar, Cato, An­tonius und Octavian, Cicero, und Atticus, Brutus und Cassius, dann die römischen Kaiser, Nero auf seinem phan­tastischen Zuge nach Griechenland, dann jene gewaltige Jrankenflotte, die von Venedig zum vierten Kreuzzuge aus- gezogen ist. 1836 pflanzte dort die Republik Venedig ihr Löwenbanner auf. Unablässig kamen die Flottenzüge der Türken, der Venezianer, der Franken an dem heutigen Santi Quaranta vorbei, 1571 die große Christenflotte und Don Juan d'Austria gen Lepanto, wo der berühmte, aber er­folglose Sieg erfochten wurde. 1797 kamen die Franzosen unter Bonaparte, 1799 wieder die Russen und Türken, 1815 die Engländer, und erst am 1. Juni 1864 wehte Ivie- Ir er gegenüber in Korfu die Fahne Griechenlands und be­zeichnete den Stützpunkt für die künftigen Vorstöße Griechen­lands zur Wiedergewinnung einst verlorenen Landes in Epirus.

Die Aussichten der Griechen, in Epirus militärische Erfolge ^u> erringen, sind nicht klein. Man hat zwar in Anbetracht der sehr schwachen Finanzen des Staates von der Anlage ständiger Befestigungen und Garnisonen an der bisherigen Grenze abgesehen, was sich jetzt als großer Nachteil herausstellt, aber man hat doch immer­hin einigen Rückhalt in den Sperrbefestigungen bei Arta an der zwischen Berg und Fluß eingeengten Straße von Janina. Arta ist mit einer alten Umtuallung umgeben und hat einen Gürtel von vier Werken halbstündiger Bauart, je zwei im Norden und Süden der Stadt. Fort Punta bei dem Vorgebirge Aktion sichert die Einfahrt in den Golf von Arta. Sollte die Türkei nach dem Friedens­schluß mit den anderen Balkanstaaten neue militärische Initiative zeigen, so wird sich Griechenland auf diesem Kriegsschauplatz wohl nicht nur gewachsen, sondern über­legen erweisen.

Griechisch-türkische Kämpfe.

Athen, 13. Dez. Das Kriegsministerium erläßt fol­gende Veröffentlichung: Da man es für zweckmäßig erach­tete, daß ein Teil der bei Janina konzentrierten tür­kischen Truppen während des gegen die Türken gerichteten Frontangriffs abgelenkt werde, landete die Armee von Epirus bei Santi Qua­ranta, nordwestlich von Janina, zwei Bataillone Jnfanterieund vier Kanonen und machte eine Di­version, die vollkommen gelang. Sobald die Landung des griechischen Korps bemerkt worden war, wurden den Griechen von Janina acht türkische Bataillone mit zwei Batterien und zwei Belagerungsge­schützen entgegengesandt. Nach einem Scharmützel, das den Griechen ermöglichte, die Stärke des gegen sie kämpfenden Feindes festzustellen, kehrten die Griechen, ohne verfolgt zu werden, nach Santi Qua­ranta zurück. Sie gingen in guter Ordnung zurück mit allem Kriegsmaterral auf die war­tenden Schiffe und wandten sich dann nach anderen Punkten der epirotischen Küste. Ihre V e r l u st e betrugen fünfToteundl9Berwundete, die an Bord der Schiffe gebracht wurden. Ein amtliches Telegramm des Generals Sapuntjakis meldet aus Pendepigadia, daß gestern abend die allgemeine Offensive gegen die feindlichen Truppen begonnen habe und auf der ganzen Front der griechischen Linien toährend des heutigen Tages erbittert gekämpft worden ist. Ohne besonderen Befehl warfen die Griechen die feindlichen Vorposten zurück imb trieben sie in wiederholten Angriffen mit dem Bajo­nett zurück. Der Feind wurde bis nach den Befesti­gungen von Bezami zurückgeworfen, wo die griechische Ar­mee lagerte. Dem Feinde wurden drei Schnellfeuer­geschütze, eine große Menge Kriegsmaterial und eine große Zahl Zelte abgenommen.

Konstantinopel, 13. Dez. Ein Abendblatt er­fährt, daß die Türken auf Chios st arten Wider-

gcnauen lebenden Dimensionen. Dann ging die Darstellung gc lwirnnisvoll zurück zur Wiege der christlichen Kunst, bis zu einem Punkt, an dem ich immer wieder sagen wollte:Um des Himmels Willen, lwren Sic auf und geben Sie mir das: es ist ein byzantinisches Meisterwerk." Dann fing der Stein an, auszu- sehcn, wie wenn Bernini daran gearbeitet hätte. Zu meinem Schrecken glättete er sich zu einem recht eleganten Stück des 18. Jahrhunderts, fast wie wenn Houdon eilten Kopf von Canova gearbeitet hätte . . . Dann ging ein weiteres Jahrhundert dahin in einer einzigen Nacht: die Büste wurde ein Werk Rodins und wurde das lebendige Haupt, non hem ich das Abbild auf meinen Schultern trug. Es war ein Prozeß, den ein Embnp lo. e su'.ieren muß und nicht ein Aesthet. jivouiy a^auo schuf, nicht wie eines Bildhauers Hand schafft, sondern wie die Lebenskraft selbst."

Hauptmann und die Politik. Aus Stockholm telegraphiert unser Korrespondent: Tic schwedische ZeitungSo­zialdemokraten" hat sich in den Kopf gesetzt, Gerhart Hauptmann sei ein Sozialdemokrat, und hat ihn darüber befragt. Hauptmann zab folgende Auskunft:Ich habe einer politischen Partei nie zugehört und werde ihr nie zugehören. So etwas bindet zu sehr, und alle Kunst muß frei sein. Die Dichtung, die politisch ge­färbt ist, ist nicht mehr Kunst. Tas DramaDie Weber" ist ein rein menschliches Dokument und keine Gesellschaftskritik. Ob ich politische Sympathien und Antipathien hege, fragen Sie? Wohl möglich aber der Nobeltag eignet sich nicht dazu, diese Frage zu beantworten."

Um die Leitung des Breslauer Stadt­theaters sind, wie uns von dort geschrieben wird, HO Be­werbungen emgelauscn. Bon diesen Bewerbern sind, wie ver­lautet, zunächst 15, dann 10 in die engere Wahl gekommen; unter diesen werden Gerhäu s e r - Stuttgart, Tr. Kilian München und H a g c m a n n - Hamburg genannt. Unter den übrigen Be­werbern waren mehrere Generale und auch Leute aus dem Volke, die sich tiir den schwierigen Posten des Breslauer Stadttheater- Jntendanten befähigt Hütten. Direktor Löwe soll, wie es heißt als Grcg-oris Nachfolger nach Mannheim geben

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Die breiartige Sittenkomödie Sumpf von Riclwrd Bein er fand bet seiner Uraufführung im Bremer Tlwlia thcater lebhafte Anerkennung.

stand leisteten. Die Griechen konnten nicht bis in die Reichweite der türkischen Kanonen^ vorrücken und warten auf Verstärkung. Die Türken seien im Besitz von Lebensmitteln, die ihnen einen langen Wider­stand ermöglichten.

Athen, 13. Dez. Der Minister des Aeußern ver­öffentlicht eine Depesche aus Philippiadha: Um 6 Uhr 30 Min. früh begann unsere Armee den allgemeinen An­griff gegen den rechten Flügel des Feindes. Trotz unab­lässigen Feuerns der Türken besetzte sie A e t o r a ch o n. Unsere Artillerie, deren Feuer von großer Treffsicherheit war, gelang es nach vierstündigem Kampfe, die Batterien des Feindes bei L a g a t o r a zum Schweigen zu bringen. Offiziere und Soldaten gingen mit Mut und Begeisterung vor. General Sapunjakis befehligte den Angriff per­sönlich. Wir haben ungefähr 2 00 V erwundete. Mit Einbruch der Nacht wurde der Kampf unterbrochen.

Die 8rie.enstonferen5 in London.

Der türkische Vertreter bei der Londoner Friedens­konferenz R e s ch i d Pa s ch a erklärte einem Redakteur des Temps":

Wir haben, den aufrichtigen Wimsch, Frieden zu schließen, aber wir sind vollständig entschlossen, diesen Frieden nur unter ehrenhaften Bedingungen abzuschließen. Unsere mili­tärische Kraft wächst täglich. Zur Stunde haben wir 17 0 000 Mann in Tschataldscha, die reichlich mit Muni­tion versehen sind. Die Feindseligkeiten würden sofort wieder ausgenommen werden, wenn eine Partei der anderen allzu- drückcndc Bedingungen auserlegen sollte. Mit Griechenland könnten wir erst verhandeln, wenn cs seinen Waffenstillstand unter denselben Bedingungen wie die Verbündeten abgeschlossen haben wird. Der zwischen der Türkei und Griechenland herr­schende Kriegszustand bietet in der Tat für Verhandlungen eine allzuschwankende Grundlage. Wir wünschen mit den Balkan- verbündeten direkt zu verhandeln. Sollten aber ihre Forde­rungen derartig sein, daß eine direkte Verständigung unmöglich erscheint, so würden wir, falls die Großmächte an den Ver­handlungen teilzunehmen wünschten, diesen Vorschlag annehmen. Zum Schluß sprach Reschid sein Bedauern darüber aus, daß man in Frankreich die entschlossene Haltung der Türkei aus die Rat­schläge gewisser Mächte zurückgcsührt habe. Tie Türkei habe nur auf ihre eigenen Interessen Rücksicht genommen.

Das Reutcrburcau meldet aus Konstantinopel: Die türkischen Delegierten zur Friedenskonferenz erhielten die Weisung, die Unterhandlungen mit den griechischen Delegierten vor der Unterzeichnung des Waffenstill­standes durch Griechenland abzulehnen.

Der bulgarische Vertreter Tr. Da new erklärte dem Berliner Korrespondenten desTemps", die Balkanver­bündeten würden einmütig die Zulassung der Ver­treter Griechenlands zu den Friedensver­handlungen verlangen. Was Adrianopel an­lange, so sei dessen Besitz eine conditio sine qua non für die Unterschrift auf dem Friedensvertrag. Bulgarien würde es zum Bruch kommen lassen und nötigenfalls den Krieg von neuem anfangen. Danew beabsichtigt, am Sonntag nach Paris zu kommen.

London, 13. Dez. Der Minister des Aeußern Sir Edward Grey empfing heute mittag die serbischen Dele­gierten im Auswärtigen Amt. Dr. Danew, der Präsi­dent der bulgarischen Sobranje, hatte heute vormittag eine lange Unterredung mit dem bulgarischen Ge­sa n d t e n.

London, 13. Dez. Sir Edward Grey empfing auch die griechischen und montenegrinischen Delegierten. Die Delegierten gaben darauf ihre Karten im Buckinghampalais in der Wohnung Asquiths ab. Der Lordmayor wird am 20. Dezember zu Ehren der Delegierten ein Frühstück geben.

2litd Stadt und Land»

Gie ßen, 14. Dezember 1912.

** Tageskalender S1 a d 11 h e a t e r. Sonntag nach- mittag 3/, Uhr:Das Prinzip"; abends 7'/, Uhr:2 i e fünf Frankfurts r".

Gießener Konzertverein. Erster Kamermusik- Abend. Sonntag abend ö/4 Uhr in der Neuen Aula.

E v a n q. Kirche ugesaugvereiu. In der Stadtkirche: ..T ie Geburt Jesu Christi". Sonntag nachmittag 5 Uhr in der Stadtkirche.

Kinernatograph: Täglich Vorstellung

B i o g r a v h*£ ichtspiele: Täglich Vorstellung.

B a t o s s K a in m e r - L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sountaa vormittags 11 1 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11 i Uhr unentgeltlich.

Gemäldcaus st ellungdes Kun st Vereins im Turm­haus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 111 Uhr, Sonntags von 113 Uhr, anßerdem Mittwoch nachmittag von 3-5 Uhr.

Ausstellung der W o r p s w e d e r in der Alten Klinik. Täglich von IC7 Uhr.

Handarbeitsschule San b mann. WeibnachtS-- Ausstellung. Samstag und Sonntag von 118 Uhr.

* Ordensverleihung. Der Großherzog hat bem Kaiser!. Bczirksanttmann a. D. Geh. RegierungSral Gg. Fritz in Alzey das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen und bem Steueramts­rendanten RechnungSrat Christian DongeS zu Friedberg die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Kronenordens 4. Klasse erteilt.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Oskar Sorg zu Gatt-Bickelheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Anheitn. Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Bingen; eine mit einem coang. Lehrer zu besetzende Stelle an der Ge- tneindeschule zu Vilbel.

** Stadttheater. Es sei nochmals auf die beiden Sonntagsaufführungen, nachmittagsDas Prinzip" (bei kleinen Preisen), abendsD i e 's ü n f F r a n k f u r t e r" (bei Volkspreisen) hingewiesen. Der neue SchwankS o 'n Windhund" von Kraatz und Hoffmann, der in der nächsten Tienstag-Abonnementsvorstellung zum ersten Male gegeben wird, hat dank seiner flotten Technik überall einen durchschlagenden Heiterkritsersolg erzielt und sich als so erfolgreich erwiesen, daß er in einer Anzahl von Groß­städten bereits auf eine hohe Aufführungszahl zurückblicken kann. Der Schwank wird an allen Äbonnementstagen gegeben werden.

** Kaufmännischer Verein, Kanfm. Fachschule und Kaufm. Lchrlingsheim begehen morgen abend üt der Turnhalle (Stcinstraße) zusammen ihre diesjährige Weih nachts sei er. Es ist dem Vorstände.gelungen, ba-ür hervor ragende Künstler zu gewinnen, so daß ein sehr genußreicher Abend erwartet werden dars. Professor Döring und Frau, die u. a. mitwirken, sind von einem früheren Konzert her nod) in guter Erinnerung hier.

* Reichstagsabgeordneter B a ssermann spricht voraussichtlich nm Sonntag, 22. Dezember, hier in Tteßen.

Eine Besichtigung des städtischen Elektri­zitätswerks sand am Donnerstag Nachmittag durch die Mitglieder der städtischen Verwaltung statt. Der Besichtigung wohnten n. a. auch Provinzialdirektor Geheimerat Tr. llsinger und Regierungsrat Tr. Merk bei. Wir haben über das Elektrizitätswerk, besonders über den Umbau der Maschinenhalle, kürzlich eingehend berichtet.

Landkreis Gießen.

Wieseck, 13. Dez. Am Sonntag findet im Saale des Gastwirts T o r f e l d hier cm Orchester-Konzert ^er hiesigen Musik­kapelle und verschiedener Gesangvereine statt. <S. Anzeige).

h. Watzenborn-Steinberg, 13. Dez. Heute abend, kurz nach Veil Uhr, brach in der Zigarren fabrik von Rinn L Cloos zu Steinberg, Untergassc, Feuer aus. Das Feuer war auf dem Speicher des Hinterhauses entstanden. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt. Das Feuer wurde rechtzeitig von Nach, barsleuten gesehen, so daß die Feuerwehr sofort alariniert werden konnte. Durch ihr schnelles und tatkräftiges Ein greifen konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt bleiben und nur der Dachstock des Hinterhauses fiel den Flammen zum Opfer. Als einen großen Vorteil beim Löschen erwies sich die Wasserversorgung durch die hiesige Wasserleitung. Die Vorräte an Tabak und Zigarren sind zum größten Teil in Sicherheit gebracht worden.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 14 Dez. Vom 16. bis 22. Dezember finden Probefahrten der in unserer Gegend geplanten Kraft­wagen-Verbindungen Büdingen Rinderbügen, Wolferborn, Kefenrod, Hitzkirchen, Neuenschmidten, Schlier­bach und Büdingen, Büches, Düdelsheim, Lindheim, Hamchen, Himbach, Langenbergheim, Eckartshausen, Rommelhausen Büdingen statt.

Kreis Friedberg.

m. Aus der Wetterau, 13. Dez. Seit neuerer Zeit mehren sich in unserer Gegend in den kleineren Zei­tungen Inserate wegen Kreditgewährens gegen Verschrei­bung von Mobilien, Löhnen, Gehältern und auch auf Personalkredit. Den Anfragenden wird die Antwort zuteil: Schicken Sie 10 oder 20 Mk. ein, damit wir in die Lage versetzt werden, über Ihre Person und Vermögensverhält nisse nähere Auskunft einzuholen." Bemerkt wird dabei ausdrücklich, daß das Geld jedenfalls für die Ermittlungen reichen wird. Nach einigen Wochen kommt dann regelmäßig die Nachricht, daß die angestellten Erhebungen nicht aus­reichten, den verlangten Kredit gewähren zu können. Zur Erlangung weiterer, jedenfalls besser ausfallender Aus­künfte werden nochmals 10 oder 20 Mk. verlangt. Die Gesuchsteller bekämen dann zweifellos das gewünschte Geld (meistens 100200 Mk.). Was aber nicht kommt, ist das Darlehen, das gesandte Geld ist unrettbar verloren, denn nach den Bedingungen derSelbstgeber" sind diese nicht verpflichtet, es zurückzuzahlen. Auf dieses gemein­gefährliche Treiben sollte die Staatsanwaltschaft ihr Äugen- merk lenken.

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Grl ^"kapital (jetzt ^srrvefonds .

nehmen yft zu 50/ . A'°rgcn den § ^E'nbarung.

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Direktor. '

Friedberg, 13. Dez. Am 12. Dezember fand im Saalbau eine Versammlung des hessischen Landesverbandes Jungdeutschland, Bezirk Friedberg, statt. Kreisamtmanil Herberg betonte, daß schon eine große Anzahl von Vereinen und Einzelpersonen seit Jahren mit Erfolg auf dem Gebiete der Jugendpflege tätig seien, es bisher aber an dem notwcndiaen Zusammenschluß gefehlt habe. Heute abend solle nun der Zu­sammenschluß versucht werden. General Frhr. von H e Y l -Darm­stadt, der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes Jungdcutfch- land, gab zunächst seiner Freude über das zahlreiche Erscheinen Ausdruck, was beweise, daß man der Jungdeutschlandssache Inter­esse entgegenbringe. Besonders hebt er den riesigen Rückgang der Wehrhaftigkeit hervor. In Berlin seien von 100 Militär- pstichtigen nur 28, in Frankfurt 50 tauglich, von 100 Militärpflich­tigen mit akademischer Bildung nur 30. Diese Tatsachen ver­anlaßten Generalfeldmarschall Frhr. von der Goltz den Jung- dcutschlandbund zu grihtben. Ein Aufruf habe in allen Gauert des Deutschen Vaterlandes reichen Widerhall gefunden. Dec Jungdeutschlandbund will die körperliche und sittliche Ertüchtigung der Jugend. Der Bund wlll nicht in Gegensatz zu den bestehende» Vereinigungen treten, sondern eine einigende und zusammen- fassendc Tätigkeit enthalten. Die Grundlage aller körperlichen: Hebungen müsse das Turnen bilden. Der Deutschen Turnerschaft gebühre für die körperliche Ausbildung der Jugend ganz be­sonderer Dank. Der Redner warf auch einen Blick auf die Ereignisse der Gegenwart und gab seine persönliche Anschauung kund, daß über lang oder kurz eine Entladung nach aufceit kommen müsse. Reichen Beifall ernteten die Ausführungen Kreisamtmann Herberg brachte dem General den Dank dar. Die Aussprache leitete Prof. Dr. Schoell ein. Er führte au?, wie er sich die Verwirklichung der Jungdeutschlandbewegung bent Dic Turn-, Sport- und konfesionellen Jünglingsvereine feiet die berufensten. Tie katholischen Jünglingsvereine hebt er bc» sonders hervor. Er verurteilte den Besuch der Kneipen un> Kinos durch die Jugend und die Schundliteratur und sprach siÄ für die Einführung einer Jugendbiliothek, Betätigung der Ingen» in Wald und Flur aus. Ferner sprachen Pfarrer Tory, Vilbel, Lehrer Klös, Turnverein Friedberg, Prof. Lampas, Feier­abend für Lehrlinge, Friedberg, Finanzrat H 0 0 s , Taunusklub Wetterau, Major von H e l m 0 l t, Jugendwehr Friedberg, Lehrer Koch, Kreisarzt Medizinalrat Tr. Nebel und Schulrat Süß, alle sagten ihre Mithilfe zu. Krcisamtmann Herberg schlug bann vor, aus den an den Landesverband Jungdeutschland an* geschlossenen Einzelpersonen und Vereinen eine Ortsgruppe zil bilden. Ein Widerspruch erfolgte nicht und die Ortsgruppe galt als gegründet.

Bad-Nauheim, 13. Dez. Im Bortragsverern erzählte uns Dr. Albrecht W ir t y - München vom Balkan- kriege, insbesondere von seinen Erlebnissen als Kriegskorn- spondcnt. Die interessanten Ausführungen des Römers erntetet viel Beifall.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Mainz, 13. Dez. In dem Prozeß Nußhag, dck unter außerordentlich starkem Andrang des Publikums verhandelt wird, kam es zu einem Zwischenfalle, als auf eine merkung des Zeugen Grau der Präsident meinte, auch bid Presse habe sich an die Wahrheit zu halten. Die anwesenden Pressevertreter verwahrten sich gegen diese Bemerkung des Bo: sitzenden mit der Erklärung, daß sie sich an die Aussagen dis Zeugen zu halten hatten und sich keineswegs auf Vermutungen stützten. Wenn Aussagen gemacht würden, die für Grau nidt j vorteilhaft seien, so könnten sie dieses nicht verschiveigen. I übrigen könnten ihnen doch wohl keine Vorschriften über d Gestaltung ihrer Berichte gemacht werden. Diese Erklärung g< einer der Herren für die anderen mit ab.