Erstes Blatt
162. Jahrgang
Donnerstag, 20. Juni 1912
Gietzener Anzeiger
msnatkicd75 Pt, viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abdole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post viertel- jährt aurscht Bestetta. Zeilenvrei-: lokal 15 Ps^ mi5ipärt» 20 Plenmq. 6 lresredakteur: 91 Goetz. VerautwoNllch für den politischen Teil: Slugufl Goetz; für .Femlle- lone, ,'13cnni|d)tc»* und .GerichtSsaal^: 51. Neu» rntb; tüt ,Sladt imb Land": E.Hefe; stlr den Anzetgenteil: £». BecL.
Nr. 145
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von einer Gruppe Leuten kontrolliert werden könne, „dann
ger zogen un,her und schrien sich vor
|tt-
aui dem Hutterkopfc und einen goldenen Mneifer auf der Nasen-1 und liefe nun einen Tunnel unter dem Broadway ato ivchc. sre wehrte ihm den Zutritt- der kleine Derr schrie aus der Warrenstrafee bis zur Murraystraße. Als der ÄU
Victor Hugo in der Verbannung.
den — von
genommen, ve illen Besuchen
aus
er in
vollem Halse und gevärbeie sich wie rasend; seine langen Rock- schöfee flatterten rote bei einem Besessenen in der Lust herum. Eben wurde eine Tür geöffnet: es war*Hugo, der die Summe erkannt hatte.
Dor Antrag rief eine heftige Aussprache hervor von Lärmen, Zischen und Zivi scben rufen wie „Sieb c",
„So kommen Sie doch heraus, Herr Lacroix."
Das kleine Männchen, Ehes der jtrma iacrotj, Verboeck- Hoven u. Co., überbrachte ihm die pernagsgernäfeen dreihundert- tauienb Stanken für die „Miserables". Aber nicht einmal drei- bunberttaujenb iyranfen waren danach angetan, der biederen Mutter Sebert zu imponieren. Sie, deren kleine Einnahmen alle wieder für die Verbannten babingingen, sie konnte nie begreifen, dafe er biefe Summe für sich behielt. Sie schlug mit der Saust out den Tisch und nannte ihn einen Knitter. „Und wie viel Gelb
hatte, du guter Gott! Alle Tage trug er einen kleinen Dausen die Bank." £. St.
Line Untergrundbahn vor 60 Jahren.
Man schreibt uns aus New Uork: Bei den Unter*
„Stäuber", auf das Nationolkomitoo gemünzt, unter» brochen Dor Vorsitzende deS Nationalkomitecs erklärte den Antrag für aufeerhalb der Tagesordnung.
Da der Konvent noch nicht organisiert ist, nominierte der Vorsitzende deS Nationalkomitecs N o o t einen vorläufigen Vorsitzenden. Tie Anhänger Roosevelts nominierten dagegen den Gouverneur Mac Goorn. ES folgten grofec Lärmszenen.
Als Watson, der Führer der Anhängerschaft Tafts, die Aussprache schloß, wurden H a d le y ohrenbetäubende Ovationen dargebracht ^?ic RooseveltanbLn-
Als Victor £>ugo nach dem Staatsstreich vorn 2. Tctcmbcr >51 ausgeroiesen wurde, zog er sich erst nach der Insel Jersey, cier nach Guernsey zurück. Einige Zeit weilte er Luch in r fessel, oaS damals viele Verbannte aus Varis aninahin. Unter* arbeiteten sie, um rlw Brot zu verdienen, abends traf man in den kleinen Gasthausern, die bald pariserischen Eharak.er iifahme». Eanulle Lemonnier, der zurzeit in der Hamburger jeüschriit" Erinnerungen veröffentlicht, sah damals auch Victor fo. Dieser allerdings war nie in den Tavernen zu finden.
Zeir des Mittagsmahles im „Adler" ausgenommen, verliefe r Gou niemals seinen Olymp; er wich a
i) spielte den Toten, sobald jemand an seine Tür pochte. Er lohnte zwei Heine Stuben in dem ersten eines der alten miet aui der „Grand Place". Der damalige Bürgcrmenter irles de Brouckere, ein fortschrittlich gesinnter Mann, hatte von der Märglid’fcit seines Mobiliars gerührt, cm Kanapee ir.iicn lassen; um dieses standen die drei einzigen -Stühle des Miners im .Valbfrci-:- herum, liebtigens schrieb XDugo niemals mb: auf dem Fußboden platt auf dem Bauche liegend, lieb seine gewaltigen Schrtstzeichen über das Papier hüifließcn, t bann und wann den Kopf erhebend, um von der Lurmuhr Rathauses die Zeit abzulesen. Jeden Morgen brachte ihm Bürgerin Söbert, Mrantciiroärtcrüi und Zigarrcnhandterin in tu Person — „die Proskribiertenmutter", wie ne die dankbar . der Verbannten nannte —, eine Schale Kaffee und zwei kötchen hinaus, die berühmten „Pistolets", die den Parisern riet Spaß bereiteten, dafe sie später, als sie längst wieder zuruck- l^rt waren, ihre Brüsseler Freunde, die Jic befuchcn kamen, :ett, ihnen einen Korb voll mitzubringen.
Tas Land, ohne jedwede eigene Literatur und von Jiatur 5 gleichgültig gegen alle Wissenschaften, schenkte auch den Trent» : Poeten nicht die mindeste Beachtung. iyür Zeitungen und bHifuni roar £ntgo nichts anderes als einer von den ^rr- imien. Selbst die „Jndepcndance", bei der er immer gute iianbe hatte, sprach von ihm nur als von ,,X)ern &ugo . JUcin, t untersetzter Gestalt, mit ungepflegtem Ban, einen rociäxn Aut auf dem Kopfe und in einen fadeiisch^ungen Uebertoa li'llt, sah er auf der Straffe aus wie ein yanbroerfer. Zu ust: angelangt, schloß er sich ein: die Bürgerin ^ebert hielt Mzpaiitoffelii im Treppenhause Wache. Eines -tages kam ein Lltünnchen daher, mit lehmfarbenem Ziegenbart, den A-ut
h. Em neues Mittel zur Erzeugung -von Nerventaubheit hat ein Londoner Ar-1, Tr. F. W. Fordes-Roß erfunden, das er selbst bereits in zahlreichen Fallen bei schweren Operationen erfolgreich erprobt hat. Tr. Fordes- Roß mattn in das Operationsgebiet unb dessen nächste Umgebung eine Einspritzung einer Lösung von Ehinm und Harnstoifchlorid. hierdurch soll völlige Empsindungslosigkeit hervorgerufen werden, die längere Zeit, 24 Stunden bis zu 6 Tage anhalt, so daß nach Beendigung der Cpcration und während der ersten Zett der Heilung der Operierte an seiner Wunde durchaus schmerzfrei ist. -purch die eingefpritzte Flüssigkeit werden dabei die Gewebe durchaus nichts geschädigt. Tr. Forbes-Rofe hat fein neues Mittel bisher in 15 Fällen angewendet, in denen es sich um größere Operationen, darunter solche am Unterleibe, handelte. Er hält es für sehr geeignet bei Quetschungen und Knochenbrächen, außerdem empfiehlt er es bei Operationen von Kindern und in allen Fällen, wo aus irgend einem Grunde kein Morphium verabreicht toerden darf.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schast. Prinz Heinrich von Preußen ist von der philosophischen Fakultät bet Universität etiel zum Ehren-- dokt o r ernannt worden.
-------------- fertig war, kam Beach von jetnem ersten Plan ab,: nicht eine gewöhnliche Pferdebahn sollte durch feinen Tunnel fahren, sondern ein mit Preßluft getriebener Zug. So wurde denn eine Truckluslanlage von 100 Pferdekrästen eingerichtet und dadurch oer kleine Zug hm- und berbeförbert. Jeder Wagen konnte 18 Personen auinehmen. Die ganze Strecke roar nur 400 Fuß lang und eigentlich mehr ein Mobell als eine bem Verkehr dienende Anlage. Wahrscheinlich wollte Beach der Stabtoerroaltnng nur vor Augen fuhren, „daß es ginge", und sie dadurch zur Ausführung größerer Pro)ekle veranlassen. Aber die Stabt roar einstweilen nicht bazu zu bringen. Man wolle erst abroarten, so hieß es, wie bie zur selben Zeit in London im Bau befindliche unterirdische Dahn ausfallen werde. Diese war für Tampfzüge berechnet. Beach liefe seine Untergrundbahn ein Jahr lang m betrieb, dann mufetc sie wegen mangelnden Verkehrs eingestellt werden. Seine Idee rour.be in New Hort erst rmeber ausgenommen, als man bie ersten elektrisch betriebenen Untergrundbahnen baute.
rung fast heiser. Als eine Tante dann von.oer Galerie herab ein Bild Roosevelts schweultc, lvuchs der Tumult ins grenzenlose Die Dame wurde von einigen Delegierten in den Saal geholt und auf Schul- lern zur Rednertribüne getragen
Der Lärm hielt 3/< Stunden an. Die Sitzung mußte während einer Zeit unterbrochen werden. Sobald Hadler sich wieder Gehör verschaffen konnte, beantragte er, dazz seine Entschließung dem Ausschufe zur Prüfung der Beglaubigungsschreiben der Delegaten überwiesen werden soll.
Gouverneur Den een (Illinois) brachte einen Zusatz, antrag ein, dafe fein Delegat, dessen Mandat bestritten worden sei, sich an der Abstimmung beteiligen dürfe. Hierauf beantragte Watson, das Amendement Deneens unberücksichtigt zu lassen. Der Antrag Watson wurde mit 561 gegen 510 Stimmen angenommen. Tie Annahme bedcutel einen Triumph für Taft. Die Abstimmung zeigt, dafe Taft seit der gestrigen Abstimmung sechs Stimmen gewonnen hat. Die Angelegenheit der angefochtenen Mandate wurde sodann unter Beifallskundgebungen der Anhänger Tafts bem Prüfungsausschuß überwiesen und die Sitzung wurde vertagt.
Chicago, 1. Juni. Roosevelt und feine hauptsächlichsten Anl-änger erklärten, sie würden die Sezession unter feinen Umständen gutfycifeen.
2lu$ IHaroffo.
Paris, 19. Juni. Nach einer Blättermeldung aus Mogador wurde der Prätendent des Susgebiets Hida zum Sultan von Agadir ausgerusen.
Aus Fez wird gemeldet: Das Lager der Kolonne des Generals Gouraud im Jnauentale wurde von zahlreichen Marokkanern angegriffen. Die Angreifer wurden in die Flucht geschlagen. Die Franzosen hatten acht Tote und etwa 12 Verwundete. Auch eine auf dem Marsch befindliche Abteilung der Kolonne
haben wir nicht hie Herrschaft einer politischen Partei, sondern eine politische Oligarchie".
Der Antrag rief eine heftige Aussprache hervor.
minierunarn, bie zurzeit am Broadway zum Bau der neuen Unter- grundbahncn ausgefuhrl werben, wirb man, wie hiesige Fach- blätttr ankünden, ohne Zweifel auf einen alten Stollen, einen ocrlaifencn Tunnel stoßen, der nichts anderes ist, als bas Gehäuse einer Untcrgrunbbaim, bie vor mehr als 60 Jahren ausgeführt rourbe. Sic ist wohl bie erste bcr Welt gewesen. Ihre Ent- stchungsg. schichte ist intcrcnäm genug. A. E. Beach, ein aus- gezeichneter Ingenieur unb Herausgeber des „Seientiric Ameri- cam" schlug in einer Zeit, ba ben Nero Dörfern bie große Steigerung des Verkehrs zum ersten Male unheimlich rourbe, in seiner Zeitschrift vor, man solle unter ber Hauptgeschäftsstraße, eben unter dem Broadway, einen Tunnel durchführen mit zwei Fahr glcifcn unb zwei Fußgängersteigen. Die Wagen folhcn von Pferoen gezogen und die ganze Anlage taghell durch Gas beleuchtet werden. Drr Plan erschien bcr damaligen Stadwcrrreruna zu abenteuerhef), man fürchtete vor allem, die ui ber Nähe des Tunnels liegcnbci Häuser könnten cinftürym; dazu kam eine starke Opposition von Privatleuten, die irgendwie für ihre Interessen fürdnaen. Indes, Beach roar cnergifd), immer wieder kämpfte er in seinem Organ unb in anderen Blättern für seine Idee, die der Ocffentlichkett schließlich cinleuchien mußte. Es roar nidtt mehr möglich, dem unternehmenden Mann die BewiUigung zum Bau auf eigene Losten zu versagen, er erhielt sie anfangs der fünfziger Jahre
Dom Pressetag in München.
München, 19. Juni. Im Laufe des heutigen letzten Verhandlungstag«, der 20. Delegiertenversammlung des Verbandes Deutscher Journalisten- und Scksriststellcrvereine wurde ein Ausschufe eingesetzt zur fttarftellung der Frage des Urheberrechts der ro i n e m a t o g r a p h e n Vorführungen und der Festsetzung eines entsprechenden Honorarvertrages. Es wurde ein Antrag angenommen auf Schaffung einer Zentral st elle für die deutsche Presse zur Schlichtung von Streitigkeiten und zur Vertretung der Berussinteressen. Als^Vorort und Ort bcr nächsten Tagung wurde HaBiburg gewählt. Heute nachmittag beschloß eine Fahrt auf den Wendelstein die Tagung.
Eine Kaiferrcöe.
Der Kaiser hat, angeregt von einer schwungvollen Rede des Hamburger Bürgermeisters Dr. Bnrchard beim Diner an, Bord bcr „Viktoria Luise" wieder einmal eine poli- il|ri)c Rede gehalten. Dr. Bnrchard hatte der Heber- inigung Ausdruck gegeben, daß die deutschen Kaufleute sicher waren, unter dem Schutz bcr deutschen Flagge im fernsten Ausland eine ergiebige Tätigkeit entfalten zu lonncn. Da griff der Kaiser, ohne Marokko direkt zu rennen, doch sehr deutlich auf diese letzte Krisis und das Bemühen nach neuem Siedelungsland zurück. Die kaiser- lichen Sätze find ein rhetorisches Meisterstück, und in ihrer Allgemeinheit klingen sie richtig und überzeugend. „Die Flagge darf da nicht aufgepslanzt werden, wo man nicht b.chcr ist, sie verteidigen zu können." Da der Kaiser auf einen bcstimmlen Fall nicht hinwies, ist es müßig, etwa auf ben Marokkostreit nochmals einzugehen. Welchen Standpunkt ber Kaiser und feine Regierung in dieser Frage eingenommen haben, ist ja hinlänglich bekannt. Neu und inter- (ffant ist wohl nur nach den vorausgegangenen Sätzen die Wendung: „Sie werden es verstehen, warum ich Zu- tidljoüung geübt habe. . . ." Also war der Kaiser ur- jprünglich mit Kiderlen-Wächter bereit, in Marokko festen äufe zu fassen, und er hat nicht etwa diesen norbroeftafri- kanischen Boden für ungeeignet als deutsches Siedelungs- lono angesehen? In bcr Welt wird man nun vielleicht Niehr noch als bisher annehmeu, daß wir aus Besorgnis ror. dem englischen Tazwisct'entreten schließlich zurück- «wichen sind. Dafe da - in Ehren geschah, will der Kaiser ijeute noch einmal unterstreichen: „Bisher ist unserer Flagge choch niemand zu nahe getreten, solangeichregiere. I Der deut scheu Kaufmannschaft hat der Kaiser noch ein Äelöbnis-abgelegt, das große Zustimmung finden wird; „Da luo Sic vorgehen, ba wird meine Flagge Ihnen folgen." Darin liegt Die Betonung eines entschiedenen Willens, die lkutsche Uebersecpolitik nach Kräften fortzusetzen.
I ! Wir erhalten folgenden Bericht:
B r u li s b ü t t c l - K o o g , 18. Juni. Der Kaiser Ibe- fifib sich nach der Rückkehr von der Regatta um 7»/, Uhr nut dem Dampfer „Willkommen" an Bord deS Dampfers ber Hamburg-Anterika-Linie „Viktoria Luise", wo das Diner 'lattsand. Währctid bts Mahles hielt Bürgermeister Dr. bnrchard eine Ansprache.
Der Kaiser antwortete mit folgendem Trinkspruch:
Euere Magnifizenz wollen mir einige Worte des Dankes ge- iflaiicu für die patriotisch von Flainnien durchglühte, mit ora» ^tonschem Schwung vorgetragene Rede, bie, wie ich fest über- i-'iigt bin, alle hier Versammelten mit sich fortgerissen hat. Wir :.sahen aus der Skizze, die Eure Niagnisizen; entworsen baben, lie bod) in allen Jahrhunderten bie Geschichte unseres Reid-es Dnb Volkes, obwohl im allgemeinen eines kontinentalen, doch iwmcrljm mit dem Meere und bem Wasser in Verbindung ge- ■iinben hat und mehr oder roeniger davon beeinflußt gewesen ist. ff loü, roie I eroorgehoben, fehlte es an der Zusammensassung der
. ne unb eine Z itlan i j Blüte der Hansa mufetc vergehen, weil der Rück Hali der kaiserlichen Reichs gemalt fehlte. Durch die pchöpsung des Reiches unter meinem Großvater ist es inder> geworden, und nunmehr kann der deutsche Kaus- maim nicht unter sremder, sondern unter eigener Flagge rotzig seinen Weg ziel-en. Er kann alle seine Fähigkeiten an- splnncn und iit sicher, dafe, wo es nötig ist, des Reitties Sd)ufe teiner ihin sieht. Das ist nur mögiid), wenn alle Kräfte unter un* [trer deutschen Flagge zusammeiigefaßt werden, aber, wie Sic die wissen, meine Herren, bie Flagge mufe in Ehren »shen, und es bars nicht leichtsinnig ihr Tuch in bc n Winden entfaltet werden und nicht leichtiinnig darf sie aufgepslanzt werden, ro o man »i d) t sicher i|t, jic verteidigen z u können Sie Verden es verstehen, warum ich Zurückhaltung
geübt habe in der Au-breitUHg der beatfAen Flagge, ro o s i e vielleicht von manchem gewünscht unb ersehnt war.
Ich habe mich von einem alten hanseatischen Grundsatz leiten lassen unb bcr steht in markigen Lettern am Rathaus zu Lül»eck: „Das Fähnlein ist lcid't an bie Stange gebunden, aber cs kostet viel, es mit Ehren wieder herunterzuholcn". Nun meine Herren, ich glaube das wohl vindizieren zu können, daß bisher ber Ehre unserer Flagge noch niemand zu nahe ge- treten ist, so lange wie ich regiere. Dafür kann ich mid) ein setzen und dafür kann ich stehen. Da wo Sie voran- gehen, da wirb meine Flagge Ihnen folgen. ।Bra- vo.) Das ist so int Grofeen nnc im K,einen. Ein jeder stindet des Morgens seine Flagge an den Stock und hofft zu siegen. Das gelingt nidtt jedem Trotzdem freuen wir uns, daß der heutige -rag der Elb-Regatta nicht nur deutsche, sondern auch viele Fahr^ icugc eines verwandten unb uns bcfrcuitoctcn Volkes herbeigeführt unb das Bild zu einem farbenreichen gemacht hat. Darum wollen wir uns freuen, und ich spreche hier wiederum von ganzem Herzen meine Hoffnung aus, daß der Segelsport und bcr Wassersport auf ber Eibe und bcr Ostsee, im Binncnlandc wie aus bem Meere blühen und gedeihen möge! Wir aber, bie wir hier versammelt sind unter bcr Flagge Hamburgs, aus dem sdsönen Sd)iff bcr Hamburg-Amerika -Linie, erheben unsere Gläser unb trinken aus auf das Wohl der Stadt Hamburg und aller Segler, bie hier versammelt sind! Die Stabt Hamburg Hurra! Hurra k Hurra!
Nach bcr Tafel hielt bcr Kaiser noch längere Zeit E e r c l c unb begab sich bann auf die „Hohcnzollcrn" zurück, welche morgen früh um 6 Uhr durch den Kaiser-Wilhelm- Kanal nach Kiel gehl, wo bie Kieler Jubiläums-Woche beginnt.
Kiel, 19. Juni. Die „H o h e n z o l l e r n" mit bem Kaiser an Borb ist heute mittag 12 Uhr 45 Minuten, gefolgt Dom „Slcipuer", in ben Hafen eingclaufcn. Die Kriegsschiffe, welche Toppslaggeu gesetzt hatten, feuerten Salut. Die in Parabc stcheitdeit Mannschaften begrüßten ben Kaiser mit einem dreifachen Hurra. Die im Hafen liegenden Dampfer unb Jachten haben sestlid)en Flaggen- schmuck angelegt. An ben Ufern erwartete ein zahlreiches Publikum bie Ankunft bcr „Hohenzollcrn", welche church bie Reihen bcr Kriegsschiffe bem gewohnten Liegeplatz vor ber Reventlow-Brücke zusteuerte.
Russische Slottcnbauplönc.
Petersburg, 19. Juni. Aus bcr heutigen Tagesordnung bcr Reichsduma stand bie Gesetzesvorlage be- treffenb bas SchissSbauprogramm. Der Berichterstatter bes Ausstt-usses für bie Lanbcsverteibigung erklärte, die geforberten 502 Millionen seien für fofgenben Bebarf notiucnbig:
Für ben Bau einer .Kriegsflotte 292 Mill Rubel. Diese Flotte soll umfassen: vier Panzerkreuzer mit Gesamtkostcn von 182 Millionen, acht leichte Kreuzer, bavon vier für bas Baltische Meer, zwei für bas Schwarze Meer unb zwei für ben Stillen Ozcan, ferner 36 Torpebo- bootszerstörer für bie baltische Flotte mit einem Kosten- aufwanb von 92 Millionen, 18 Unterseeboote.
'21hfeerbem feien erforberlich 16 400 000 Rubel für Hilfsschiffe, 13133000 Rubel für schwimmende Hafen- cinrichtungen, 70900 000 Rubel für den Ausbau der Hafen Reval, Kronstabt, Swcaborg, Sebastopol, Nikolajewsk und Wladiwostok. Der gesamte Hafenbau erfordert 112 Millionen unb wirb 1923 abgeschlossen fein.
Der republikanische Hationalfonoent in Amerika.
Chicago, 19. Juni. Der republikanische National- konvettt ist eröffnet worden. Gouverneur Hadley - Missouri beantragte nack) Eröffnung, bic vom National- romitee vorbereitete Liste zu ändern, ba bO Delegierte Tafts unehrlich gewählt worden seien. Wenn bcr Konvent


