Ausgabe 
19.1.1912 Erstes Blatt
 
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Menden Dr. Noesicke zu stimmen. Tie National- lihtzrglen haben Stimmenthaltung beschlossen.

Zn Hochsl-Homburg

Mkerstützen die Nation alliberalen in der Stichwahl den Zentrumskandidaten. Tas Zentrum hat als Gegenleistung frie Unterstützung Uartlings in Wiesbaden -ugesagt.

Bereinbarung-u in MestfalkN.

Essen, 19. Jan. Der Vorstand der Nationallibe- ralen Partei in Westfalen beschloß, mit dem Zen­trum in Verhandlungen einzutreten zum Zwecke gegen­seitiger Unterstützung in den Wahlkreisen Dortmund, Bochum, yt-plsenkirchen, Essen und Duisburg-Mülheim. Die Verhandlungen werden auf der Basis geführt, daß die Nationalliberalen dem Zentrum bei der Stichwahl Wahlhilfe in Dortmund und Essen leisten unb dieses dafür die Natio- nalliberalen in Gochum-Ectsenkirchen und Duisburg-Mül­heim unterstützt. Mit Rücksicht auf die besonderen Ver­hältnisse im Wahlkreise Saarbrücken, wo Bassermann auf die Sozialdemokraten angewiesen ist, wird Köln in das Wahlabkommen nicht eingeschlossen.

Vereinbarungen der Retchspartei mit der natio"all>b?raftn Partei.

Berlin, 18. Jan. Zwischen den Parteileitungen der Deutschen Reichspa rtci und der N a t i o n a l l i b e- ralen Partei wurden Vereinbarungen getroffen, daß sich beide Parteien in den nachstehenden Wahlkreisen gegenseitige Stichwahlhilfe leisten: in der Pro­vinz Sachsen in Mansfeld, Bitterfeld, Sangerhausen, Neu- Haldensleben, Halberstadt und Torgau; in der Provinz Bran­denburg in Frankfurt-Lebus, Guben-Lübben, Sorau-Forst, Kottbus-Spremberg, Jüterbog-Zauch^Belzig, Potsdam-Lst- havelland, Westpricgnitz. Die von dem ge,chäft'-führenden Ausschüsse der F o r t s ch r i t t l i ch e n V o l k S p a r t e i aus­gegebene Wahlparole hat die Leitung der Reichsparlei ver­anlaßt, ihre Parteigenossen zu ersuchen, keinen in der enge­ren Wahl stehenden Kandidaten der Fortschrittlichen Volls­partei zu unterstützen.

Deutsches Reich.

Auch der Entwurf des Reichshaushaltsetats für 1912 sieht eine erhebliche B e r st ä r k u n g des Unter st ützungsfonds für Beanitcn unb Unteroffiziere vor. Wie in Preußen be steht auch im Reiche die Absicht, schon für das Rechnungsjaln 1911 den Unterstützunasfonds int Wege der Etatsüberschreitung Mittel­flüssig zu machen. Allerdings kann die Auszahlung der Mehrbeträge erst erfolgen, nachdein sich die verbündeten Regie­rungen der Zustimmung des Reichstages vergewissert haben. Zu diesem Zwecke wird bei der Einbringung des Voranschlags im Reichstage eine entsprechende Ankündigung gemacht werden.

In der Sitzung des Bundesrats aut Donnerstag wurde über die Vorlage, betreffend den Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und der Türkei, über die Berichte betreffend die Ergebnisse des Reichs- hausltalts (Haushaltsübersichtcn) für das Rechnungsjahr 1908, die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1907 und 1908, die Uebersichten der Einnahmen und Aus­gaben des Schutzgebietes Kiautschaus für 1907, 1908 und 1909, die Rechnungen der Kasse der Königs. Preußischen Oberrechnungs­kammer und des Rechnungshofs des 'Deutschen Reichs für 1907, ferner über die Vorlage betreffend die Matrikularbeiträge für 1912, die Vorlage betreffend Versetzung von Orten in andere Klassen des Wohnungsgelbzuschußtarifs Beschluß gefaßt.

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Ausland.

Ter spanische Kriegsmini st er brachte in der Kammer verschiedene Gesetzesvorlagetr ein, von beneit eine die Organisation des Generalstabes, eine andere die Feststellung der Effektiv­stärke der Armee auf 118 000 Mann im kommenden Etats- iahr betrifft. Der Marincminister brachte eine Vorlage ein, nach der die Effektivstärke der Flottenmannschaften auf 6537, die der Marine-Infanterie auf 3000 Mann festgesetzt wird.

Tas norwegische Odelsting nahm den Gesetzentwurf an, nach dem Frauen unter den gleichen Bedingungen wie Männer Staatsämtcr erhalten können, ausge- nommen Ministerposten, geistliche, diplomatische. Konsular- und militärische Aemter. Die Anträge, Frauen auch zu diesen Aemtern zuzulassen, wurden abgelehnt.

Aus Port-Sudan wird gemeldet: Der König und die Königin von England trafen am Mittwoch abend an Bord derMedina" hier ein und begaben sich nach S i n ka l, 50 Meilen landeinwärts, wo sie die einheimischen Truppen, zu denen auch 3500 Kamelreiter gehören, besichtigten. Dann kehrten sie nach Port-Sudan zurück, von wo sie abends nach Suez weiterftihren.

Drei von den des Bombenanschlags auf Yuan s ch i k a i Beschuldigten sind, wie aus P.king gemeldet wird, durch den Strang hingerichtet toorbeit.

Arbeiterbewegung.

Bergarbeiterausstand in England.

Birmingham, 18. Jan. Das Ergebnis der Abstim­mung der Bergarbeiter wurde auf der Versammlung der Bergarbeitervereinigung bekannt gegeben. Für den Streik stimmten 445 801, gegen den Streik 115 921. Da nur eine Zweidrittelmehrheit für den Streit erforderlich ist, erfolgt die allgemeine "Arbeitseinstellung der Kohlenindustrie am 1. März, falls es nicht zu einem Vergleich kommt.

Aus Statt und Land.

Gienen, 19. Januar 1912.

* * Tageskalender für Freitag, 19. Jan. Stadt» f t) e a t e r;p a n n e l e s Himmelfahrt". Aniang 8 Uhr. Samstag nachmittag 8V2 Uhr: Kindervorstellung zu Volkspretsen: Dornrösche n*.

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'* Landes Universität. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes­universität, Gehetmen Justizrat Dr. Johs. Bi er mann in Gießen auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1912 ab on6 dem Staatsdienst entlassen.

Lehrerpers onalien. Bestätigt wurde die von dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstand zil Bensbeim aut die zweite Lehrerinstelle an der kath. Schule zu Bensheim präsentierte SchulamlSaspirantin Elise Knies aus Offstein

Das selbständige Neubau bureau für E r richtung des neuen A m ts g erichts-Gedä u b es ist in­folge anderweitiger Verwendung seines Vorstandes auf­gehoben worden; seine Geschäfte wurden dem Großh. Hochbauamte Gießen übertragen.

* Stadttheater. Es sei barauf hingewiesen, daß die morgige Kinder-VorstellungDornröschen" zu Volks­preisen slattsindet.

* Die Eis ernte, die vorgestern schwach begann, Ijat gestern stark eingesetzt, lieber die städtische Wage an der Neustadt wurden bisher 90 Wagen mit Eis geführt, die den Brauereien rund 5000 Zentner zuführten. Das Quantum Eis, das über die städtische Wage an der Frank­furter Straße ging, wird etwa ebenso groß sein.

"Sic hiesige M e t h o d i sl e n g e m e t u d e, die kürzlich ihr ^bjührtges Jitbiläum feiern konnte, veranstaltet, ivie man uns

schreibt, am nächsten Sonntag einen G e f a n g - M o t t e s d i e n 1r. Allen, die an der Jubiläumsfeier leilnobnien, werden die schönen Stunden noch in bester Erinnerung^ sein und auch der föefaiuv lttotiesdienil verspricht oeuußieiche Stunten, zumal ansmärtiae Sänger zur - eifchöneruiig des Feiles beitiagen iverden. (e. heutige Anzeige).

** Selbstmord. Die stellenlose Kellnerin Marie S vergiftete sich in verflossener Nacht in ihrer Wohnung mit Lysol. Sie soll das Lysol in Gegenwart ihres Lieb­habers getrunken haben. Als dieser die Wohnung verließ meldete er dem Hausbesitzer, die S. habe Lysol getrunken, er solle seine Pflicht tun, denn er selbst müsse mit dem Zuge fort unb tonne nichts unternehmen.

** Gewerbliche Revisionen. Im Oktober, November unb Dezember wurden in Gießen revidiert: 1. Gummiwaren- sabriken bezüglich ge< elfter Bedingungen. 2. Borstenznrickster im in bezug auf Desinfektion ausländischer Borsten und Impfung ausländischer Arbeiter unb aus Grund tec bundesratlichen Be­stimmungen vom 22. Oktober 1902. 3. Tie Trödler und Pfand­leiher auf Grund der Verordnung vom 2. August 1899. 4. Ver­schiedene Petroleumlager und Ifttroleumtanklager aut Grund der Verordnung vom 20. Mai 19)3 und der gefeiten Bedingungen. 5. Steinbrüche und Gräbereien nach der Polizeiverordnung vom 16. Dezember 1902, betr. die Unfallverhütung in diesen Be­trieben uno des Art. 281 des Polizeistrasgesetzes. 6. Fellhand * lungert und Lumpensortierereien in bezug aus Umkleide- und räume der Arbeiter aus Grund be§ > 120 b und d der Ge­werbeordnung. 7. Die Mineralwasser'abriken in bezug auf Ein­richtung unb Beschaffenheit der Gerätschaften auf Grund der Polizeiverordnung vom 22. Juli 1885. 8. Bäckereien unb die damit verbundenen Konditoreien auf Grund der Bundesratsver­ordnung vom 4. März 1896 und der Polizeiverordnung vom 20. Oktober 1907. 9. Tie Kleider- unb Wäschekonseltionen, sowie Putzmachereien auf Grund der Verordnungen vom 31. Mai 1897 unb 17. Februar 1934 und der Bekanntmachung vom 1. Januar 1910, Reg.-Blatt Nr. 26. 10. Karbidlager bei den Gewerbetreibenden nach der Polizeiverordnung vom 4. April 1906. 11. Geschäfte, in denen nach § 6 der Bekanntmachung vom 18. März 1910 vergällter Branntwein in Behältnisse ge­füllt und verfchlosseir wird. 12. Die Verkaufsstellen, in denen der sogen. Blutwein feilgehalten wird. 13. Lumpenlager, aus Grund des Lokal-Reglements vom 8. Oktober 1884. 14. Die Steinhauereien unb Steinvrüche in bezug auf Einrichtung unb Betrieb aus Grund der bundesratlicheti Bestimmungen vom 31. Mar 1909. 15. 132 Betriebe mit mehr als 10 Arbeiterinnen und diesen gleichstehende, in denen jugendliche Arbeiter und Arbeite­rinnen über 16 unb 21 Jahre beschäftigt werden, auf Grund der §§ 107, 135139 der Gewerbeordnung, sowie § 163 der Ans führungsanweisung zur Gewerbeordnung. 16. Gewerbliche Ne­benbeschäftigung schulpflichtiger Kinder, auf Grund des Kinder schutzgesetzes unb der Polizeiverordnung vom 22. Juni 1900. 17. Die Barbier- unb Friseurgefchäfte nach der Polizeiverord- nung vom 14. Juni 1901 unb der Bekanntmachung vom 14. März 1904, bezw. 20. Dezember 1909. 18. Färbereien in Bezug gestellter Bedingungen. 19. Sitzgelegenheit für Bedienstete in den offenen Verkaufsstellen, auf Grund der Bekanntmachung vom 28. November 1900. 20. Die Warenhäuser in Bezug auf Feuer­sicherheit nach den ministeriellen Bestimmungen vom 15. Juni 1905 unb den gestellten Bedingungen. 21. Verkaufsstellen, in denen mit Stearin- und Paraffinkerzen ein Kleinhandel betrieben wird, nach der Bekanntmachung vom 4. Dezember 1901. 22, Die Benzinlager nach der Verordnung vom 20. Mai 1903 unb den gestellten Bedingungen. 23. 71 Verkaufsstellen, in denen Mar­garine, Margarinekäse oder Kunstspeifesett gewerbsmäßig her- gestellt ober verkauft wird, auf Grund des Gesetzes vom 15. Juni 1897. 24. Verkaufsstellen und Warenhäuser in Bezug auf Lage­rung und Herstellung von Zelluloidwaren. 25. 68 Milchhändler auf spezifisches Gewicht der Milch, Reinlichkeit der Gefäße und Wagen. 26. Zur Erhebung kamen 51 Nahrungs- und Genuß- mittel, darunter 27 Milchproben, und wurden dem chemischen Untersuchungsamte übergeben. 2 Milchproben wurden wegen Wässerung bezw. nicht genügendem Fettgehalt beanstandet. Straf- versahren schwebt noch. Bei weiteren 16 Proben von Ver­brauchsgegenständen fand eine Beanstandung statt unb wurde Anzeige erhoben: außerdem wurde Anzeige erhoben wegen Ver­kaufs von Kaffee mit Leguminosensamen-Mischung (Feldfrüchte) ohne Deklaration,

Landkreis Gießen.

'-V Großen-Linden, 18. Jan. Dem hiesigen Pfarrhaus, dem ältesten Fachwerk'bau in Oberhessen, drohte der Abbruch. .Heute abend teilte in einer Sitzung des Oberhessischen Geschichtsvereins der Vorsitzende Geh. Hofrat Pros. Dr. Behaghel mit, daß nach einem Gemeinde­ratsbeschluß das Gebäude, das Jahrhunderte hindurch den Geistlichen in Großen-Linden als Heim diente, erhalten bleiben wird, daß also die Gefahr, die über dem altehr­würdigen Gebäude aus dem 15. Jahrhundert schwebte, be­seitigt sei. Die Versammlung beauftragte den Vorstand, den Gemeinderat in Großen-Linden in einem Schreiben zu seinem Beschluß, womit das Pfarrhaus für kommende Geschlechter erhalten bleibt, zu beglückwünschen und aus­zusprechen, daß der Gemeinderatsbeschluß ein Ruhmesblatt in der Geschichte Großen-Lindens bilde.

Kreis Büdingen.

Bergheim. 18. Jan. Am Samstag beschloß der Gesangverein, am 7. unb 8. Juli Fahnenweihfest zu halten. Der Festplatz ist in sehr schöner Lage oberhalb Bergheims. Einladungen an verschiedene Vereine werden erfolgen.

Kreis Fnedberg.

-l- Butzbach, 18. Jan. Im Fahre 1911 wurden hier geboren: 78 Kinder, davon 38 Knaben und 40 Mädchen, getraut 18 Paare. Gestorben sind 39 Personen. Nach der aufgestellten Hebliste für die Hundesteuer betrug die Zahl der Hunde 135, davon zwei steuerfrei (Schäfer­hunde). Ein hiesiger M etz gerleh rling, der seinem Meister 200 Mark unterschlagen hat, ist ver­schwunden.

Starkenburg und Rheinhessen.

d. Mainz, 18. Jan. Lauser, der sich bei dem gestern gemeldeten Liebesdrama schwer verletzte, ist heute gestorben. Frau Liebing, welche von dem Damen- ichneider Deschmann am Samstag vor Weihnachten in ihrem Laden überfallen und schwer verletzt wurde, ist so­weit h e r g e st e l l t, daß sie am Samstag nachmittag aus dem Spital entlassen wird. Deschmann hatte in der Unter­suchungshaft den wilden Mann gespielt, er kam jetzt in Einzelhaft. Die Untersuchung ist soweit abgeschlossen, daß, wenn Frau L i e b i n g vom Untersuchungsrichter vernom­men und die Gegenüberstellung mit dem Tater statt gesund en hat, Deschmann demnächst die Anklage zugestellt wird.

: JpeibeSt)eim, 18. Jan. Schwer vom Schicksal verfolgt ist der Sabemeiücr Arnold, dem innerhalb dreier Wochen zwei Töchter im Aller von 18 und 16 Jahren an Diphtherie gestorben sind. Kurz vor Weihnachien starb die älteste, gestern die andere. Dazu liegt ba§ jüngste Kind, ein zwölfjähriges Mädchen, ebenfalls an der tückischen Krank« beit darnieder. Auch im übrigen waltet über dem Hause deS geprüften Mannes em unglücklicher Stern, denn anfangs dieser Woche ist ihm auch eine wertvolle Kuh plötzlich ein« gegangen»

Slrciv Wetz

Q Münchholzhausen, 18. Jan. Die Gesang, vereine der Sol ms er Lande halten ihre Hauptprobe hier ab, wäbrend der Sängertag im »Jagdschlößchen* zu Dutenhofen tagen wird.

Hessen-Nassau.

* Marburg, 18. Jan. Mit allen akademischen Ehren wurde heu:e der dahingeschiebene Professor der Rechte, Geh. Justir- rat Dr. jur. Westerkamp, zur letzten Ruhe gebracht. An der Trauerfeier beteiligten sich außer ben Angehörigen^die Chargierten sämtlicher studentischen Korporationen mit ihren «Zah­nen, bet gesamte akademische Lehrkörper, Vertreter der nädttichen und staalichen Behörden und viele Bürger. Profestor v. Rade widmete dem Verblichenen einen warmen Nachruf, während Prok. Andree und Prof. Hey mann sowie Prof. Dr. Mittet- m a u r aus Gießen Kränze niederlegten.

Zweiter deutscher ZuverlässigkeitsNug.

£ t r a r b n r a, 18. Jan. Der Arbestsaue-scl' des zweiten deutschen ftuverläsn.fteitsslua^- am Oberri,em 1912, ber vom 12. bis 26. Mai stallfmdei, bai beschlossen, bei dem diesjährigen Ile er- landklug auch einen Wettbewerb zwischen olugzeuaen und Luft- schisien emjuh'igen. Bei Handlungen bieiüber sind eirgeleiteL

** Wintermarkierungen. Mit dem von Jahr zu Jahr steigenden Wintersport hat sich auch das Bedürfnis nach besonderen Markierungen herausgebildet, da die üblichen Fatben- zeichen an den Bäumen usw. im Winter meistenteils verschneit sind und ihren Wert deshalb verlieren. Die Wintersportvereme sind deshalb dazu übergegangen, besondere Markierungen an­zulegen, die auch bei Nebel unb Schneetreiben noch deutlich zu erkennen sind. Auf freiem Felde oder an Straßen bestehen diese Wegezeichen meistens aus dicht beieinander stehenden Stangern an denen ein Richtungsstab angebracht ist, im Walde gewöhnlich aus farbigen Wimpeln, die an Drähten quer über den Weg gespannt sind. Im Har;, im Schwarzwald und anderen Gebirgen kennt man diese nebelsicheren Markierungen schon lange unb im Vogelsberg haben sie nun auch ihren Einzug gehalten. Ter Schillub Wintersport Gießet! hat vor einigen Wochen die erste Strecke in Angriff genommen und eine Stangenmarkierung vom Hohcrobskopf nach dem Gackerstein und der Langen Schneise fertig gestellt. In den nächsten Tagen soll die Markierung über Rudingshain und von da nach ber Straße MichelbachSchotten angelegt werden. Die nächste Strecke wird dann vom Gacker­stein direkt nach Schotten gelegt werden und späterhin werden auch noch weitere Strecken angelegt, soweit die in Betracht kom­menden Gemeinden die Erlaubnis dazu geben. Die schnelle Mar­kierung vom Hoherodskopf nach ber Langen Schneise ist der Gemeinde Breungeshain und dem Klubwirt Stein zu danken.

Gerichtssaal.

sh. Chemnitz, 16. Jan. Einen seinen Vorsitzen» den hatte sich der SparvereinEinttackü" in der Person des Putzers Meier gewäh.t, der sich w.gen schweren Diebstahls vor ber hiesigen Straftämm.r zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte während des verflossenen Jahres die Spargelder der Mit­glieder in Empfang genommen, die kurz vor Weihnachten wieder- verteilt werden sollten. Bis zu Weihnachten hatte der Angeklagte aber bereits 300 Mark von den Spareinlagen abgehoben und für sich verbraucht. Er beschloß daher, ans Mitleid mit feinen Ver­einsbrüdern, die nicht um iljr G.ld kommen sollten, eine Zwangs­anleihe bei einem befreundeten Sparverein. Nachdem er in Er­fahrung gebracht hatte, daß der Vorsitzende dieses Vereins das ganze im Laufe des JahreS gesammelte Vennögen bei sich zu Hause aufbewahrte, paßte er einen Augenblick ab, als ber Mann nicht zu Hause war und begab sich mit einem Schlosser nach dessen Wohnung. Diese ließ er sich unter dem Vorwande, er sei ber Wohnungsinhaber, öffnen unb stahl 1250 Mark. 'Durch das Zeugnis des Schlossers konnte halb ber Dieb verhaftet werben, bet bem auch noch das ganze Gelb in einem Versteck im Keller vor- gefunben wurde. Durch die Untersuchung kamen auch die Unter­schlagungen bei seiner eigenen Kasse heraus. 'Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu insgesamt einem Jahre Ge­fängnis und drei Jahren Ehrverlust.

vermischtes.

* Amtliche Mitteilung über die Massenver­giftung in Berlin. Der Polizeipräsident von Berlin richtete cm ben Verein der Fischinbustricllen Deutschland folgendes Schrei­ben:Ich teile Ihnen ergebenft mit, daß nach den neuesten Er­mittelungen die Erkrankungen und Todesfälle im hiesigen Asyl lür Obdachlose sämtlich oder wenigstens zum großen Teil infolge Vergiftung durch Methylallolwl herv-orgernfen worden sind."

* 53 Mann ertrunken. Aus Aberdeen wird unter« 18. Januar .gemeldet: Der DampferW i st o w H a l l" ist an dem nördlich von Aberdeen gelegenen Felsen ber schottischen Küste, bem sogenanntenBullers of Buchan" gescheitert. Von ber größtenteils aus ostinbischen Laskaren bestehenben Besatzung sind 53 ertrunken. Der gestranbete Dampfer war ein Stahl­schraubenfahrzeug von 3311 Registertonnen. Das Schiff ging in wenigen Minuten in Trümmer und die 57 Mann seiner Besatzung wurden in die Brandung gerissen. Augenzeugen am Ufer schildern die Szene als herzzerreißend. Ein Rettungsboot wurde flott ge­macht ; es konnte aber nur vier Mann retten. Die übrigen 53 Mann ertranken vor den 9£igen ber Zuschauer am Ufer.

* UeberfaH durch Räuber. Das etwa 20 Kilometer vom Dorfe Ber z en ein bei Warschau im Walde gelegene Häuschen des Forstkassiers Weiicherg wurde in »ergänzter Nacht von einer Räuberbande überfallen. Weinberg, seine Frau, sowie ein anderer Forstbeamter unb b. ssen Frau unb drei Kittber, endlich ein zu Besuch weilender Forstkassierer wurden durch Beilhiebe auf bestialische Weise ermordet und beraubt. Ein einziger Wächter wurde gefesselt halbtot aufgefunden. Die Räuber sind mit reicher Beute unerkannt entkommen.

* Als dritter deutscher Bundesstaat hat Br«m- schweig soeben wenn auch zunächst versuchsweise die Ein­führung des Pollarbsystems beschlossen, nachdem Lippe-Schaun^ bürg unb Hessen bereits bamit vorangegangen waren. Nach dem Pollarbsystem wirb bekanntlich bei leichten, erstmaligen Ge- sedesübertretungsn, bie im Zustanbe ber Trunkenheit begangen werden, ein Strafaufschub gewährt, wenn der Betreffende abftinent zu leben verspricht. Tas Herzoglich Braunschweig-Lüneburgische Staatsministerium teilt ber Geschäftsführung bes Allgemeine deutschen Zentralverbandes zur Betämpfung des Alkoholismus, e. V., darüber mit, daß dieser Versuch zunächst auf bie Stabt Braun­schweig beschränkt werben solle, unbbestimmend für bie Stellung­nahme war der Umstand, daß sich bie hiesigen alloholgegnerischeu Vereine zu einem Verbanbe zusammengeschlossen und ihre Unter­stützung bei bem Versuch zugesagt haben, so daß zu erwarten ist, daß die Gewinnung geeigneter Fürsorger nicht auf Schwierigkeiten stößt.

Kleine Taqeschrontk.

Tie Elbe ist von Dresden bis Meißen zugefroreL Tas Treibeis ist bei Meißen stehen geblieben.

Beim Reinigen der Kanäle ber Blechwalzwerke in Köln kamen drei Arbeiter burch giftige Gase um. Zwei weitere konnten gerettet werben.

Tie Goldwarenfabrik von Köhls und Wild in Mühlhausen an der Würm ist infolge einer Gasexplosion niedergebrannt« Der Schaden wird mit 200000 Mart angegeben.

Von dem Lotsenschooner Nr. 4 in Cuxhaven führ am 17. Januar früh morgens bei eisigem Oststurm ein Lotsenversetz* boot zu einem einfahrenden Dampfer unb gab einen Lotsen ab. Seitbem ist das Boot, bas mit einem Lotsen und zwei Aspiranten besetzt war, verschwunben. Alle Nachforschungen waren bischer vergeblich.

In ber Hofvper in Petersburg ftürzte wahrend ber Probe von .Tristan #nb Isolhq bie Brücke äusauunen, aul