Ausgabe 
17.5.1912 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

162. Jahrgang

Nr. 115

Erscheint lL-71ch mit Ausnahme *d Benni041.

butter

für Matratzen

itogr. Ausnahme.

tieGletzeaer LomMendlätter" werden dem .Anzeiger* »lermal wöchentlich beigelegt, da« Krdiblatt für den Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Tielandwirtschaftliche» Seit« frage»" erscheinen monatlich zweimal.

allem Ruhe für seine Produktion forderte, waren zu friedlichem Nebeneinandcrleben wohl nicht geeignet, und wenn Goethe in Bezug auf sichte die Furcht äußerte, die Herren Idealisten wür- sich auch wieder gelegentlich einander in die Haare lahrcn, so hatte er darin nicht unrecht. Aber auch ihm hat doch der ungeheure Frnst Fichtes, sein männlicher Charakter, seine Tätigkeit und sein unbeugsames Streben nach dem Höchsten gewaltige Achtung ab­genötigt.

Zreitag, 17. Mai 1912

fUtcttcnibrurf und Verlag der Vr übliche» UnwersuLl« - Buch- und StembrudcciL

8t Lange, Ließen.

in alles einlassen."

Inzwischen hatte nun freilich Fichtes merkwürdige Persönlich­keit in Jena ihre eigene Wirkung ausgeübt und mehrfach Anstoß erregt. Tie Kird>enbehördc beklagte sich darüber, das; er eine seiner Vorlesungen aus den Sonntag verlegt hatte; die Studenten- schasl aber geriet in eine große Spaltung unb Erregung, weil er aut die Auslösung der Studentenorden hinzuwirken unternommen hatte. Es geschah, daß ein Hause vor sein Haus zog und ihm die F e n st e r c i n ro a r f. Und da wird denn aus Goethes Aeuße- rung über dies Ereignis vom 10. April 1795 bereits eine gewisse Ironie vernehmbar, mit der er die Persönlichkeit des Philosophen behandelt.Sic haben also so schreibt er unter Anspielung auf die philosophische Kunstsprache Fichtes an Voigt das absolute Ich in großer Verlegenheit gesehen, und freilich ist es von den Nichl-Jch, die man doch gesetzt hat, sehr unhöflich, durch die Scheiben zu fliegen." Wie Goethe, so rückte auch Schiller um diese Zeit von Fichte ab, dessen Verhalten zwischen ihnen ge­legentlich wohl als Absurdität beurteilt wurde. War nun Goethe ohnehin schon mißvergnügt, m dem Philosophen ein unruhiges Element in seiner Nähe zu wissen, so schlug der berühmte A t h c i s - musst reit in 1798 99 dem Fasse den Boden aus. Er ging auf einen Aufsatz Fichtes zurück, der in kirchlich-religiösen Kreisen

Reste einer römischen Villa in bc r Eifel. Bei ben (rröbaggcrarbcücn für bic Verlegung der Eisenbahn bei Ahrweiler würben kürzlich die R e ft c eines alten Ge­bäudes angeschnitten. Bei einer Untersuchung, bic dm- Bonner Provinzialmufeum vornahm, wurden noch größere Teile eines römischen Gebäudes ausgegraben, wovon insbesondere noch Teile der Badeanlage, das Warmbad und das Schwitzbad und ein weiterer Raum, der Heizkeller, sehr gut erhalten waren. Von diesem aus geschah, wie dem Nachnchtenamt des Ei i c I D c r c i n s berichtet wird, die Heizung durch einen großen Kanal, der die heiße Luft unter die auf Pfeil er chen ruhenden Fußböden ver­teilte, dann aber auch in die in den Wänden angebrachten Hciz- kästchen führte. Turch diese Zirkulation wurde eine gleidjmäßig temperierte Wärme erzielt. Abgesehen von dem eingestürzten Tack, sind die Räume noch fast vollständig erhalten, in einem ist sogar noch das Fenster vorhanden, bei uns zu Lande eine große Seltenheit. Angesichts des guten Zustandes der Räume tauchte bald die Frage nach der Möglichkeit der Erhaltung der Anlage auf. Nachdem Vermessungen seilens der Ensenbahnbauabteilung Ahrweiler ergeben hatten, daß die römischen Reste im Bahn- planum nicht hinderlich werben würden, da sie nur in einer Seitenböschung liegen, weilten dieser Tage der Koblenzer Re­gierungspräsident und der Kölner Eifenbahndirektionsprftident an £rt und Stelle, um eine Besichtigung vorzunehmen, Anwesend waren u. a. Lanbrat Heising unb Bürgermeister Blume aus Ahrweiler unb Professor Lehner aus Bonn. Man kam zu dem Ergebnis, daß die römischen Geländereste dem Bau der Bahn­linie nicht im Wege liegen. Sie werden demnach dauerns erhalten bleiben, durch geeignete Maßnahmen geschützt unb dem Publikum zur Besichtigung zugänglich gemacht werden.

flUbaftUn, Expedition unb Druckerei: Schul­straße T. Expedition unb Verlag: Rebaftwrce«!!!. Tel.-Adr^AnzeigerGietzen.

Anstoß erregte: die weimarische Regierung und auch Goethe l-.illen die Sache gern in der Stille bcigclegt, aber hier zeigte sich nun derrigide" Charakter Ficklcs in seiner ganzen Un- gebrockenheit; er machte die Sache selbst erst öffentlich und er­klärte jeden, auch noch so milden Verweis mit seiner Temission beantworten zu wollen.

So kam es zu Fichtes Entlassung, über die sich Goethe in charakteristischer Weise geäußert hat.Er ist gewiß einer der vorzüglichsten Köpfe, aber, wie ich selbst fürchte, für sich und die Welt verloren. Seine jetzige Lage muß ihm zu seinen übrigen Fratzen noch Bitterkeit zuiügen. Ticser Auffassung, daß sich in Fichtes Charakter Vorzüglichstes mit Fratzenhaftem vermische und vereinige, hat Goethe auch sonst Ausdruck verliehen. Fickte seiner­seits war gereckter; er gab offen zu, die Regierung habe in der Lage, in der sie war, vielleicht gar nickt anders handeln können; er wußte aber auch, daß' die Universität Jena von seinem Ab­gänge den Schaden haben werbe und darin hat er Recht ge­habt, beim Fichtes Verlust ist für sie ein schwerer Schlag gewesen. Memmen sich nun bic beiden, der Tichtcr und der Philosoph, in nächster Nachbarschaft nicht recht vertragen, so sind sie boch, als

bewährten Stiftern der lenffl rlich wesentlich verbencrtM Kante flcgcn obige Abbildung liegenden MalratzenTchonkM Berpoltiernng. Hier nimrj werste.eincnatürlickekiM unberttnufenhe im &eb rout nbrauchbar. selbst bcck ingeMch, itatt der. am de: udjbav find für Gewnde uri

zur Erlwhung des Fonds bereit. Ein R e g i e r u n g s Ver­treter dankt für das Entgegenkommen. Es seien übrigens in Cbi'iia zwei neue Sduilcn in Gründung. Ein sozialdemokra­tischer Redner erklärt die Sympathie seiner Partei i.ir die dculschvn Sckulen im AuSlandc. Wünschenswert sei die Ablenkung der bcutfdicn Auswanderung von den fiimamd) ungeeigneten Ge­bieten von Nordbrasilien nach besseren .Gebieten in den südlichen Provinzen, sowie nach Argentinien und Chile. Wertvoll.! als bic Unterstützung der Schulen in Odessa würde eine solche für die russischen Lant bezirke und für die Deutschen an der Wolga, eventuell auch bei Deutschen in der Dobrutscha fein. Ter Regierungs- Vertreter erwidert, daß das leider nid t möglich fei, da es fich hier um russische Untertanen handele .'Inch die Tcuftdnrn m der Tobrutsd-a haben meist die rumänifdK Staatsangehörigkeit angenommen. Ter Brcnnpunlt des Tcuticktnms in jener Gegend sei Odessa, so daß die dortigen Schulen zweircllos gute Wirkung haben.

Von konservativer Seite wird bic Erhöhung des Fonds begründet und gewünscht, daß die Liste der unterstützten Schulen immer wieder revidiert werde, damit keine bauernden Aiftprüd-c sich entwickeln.

Eine längere Erörterung eitlfpann fidi über die Ausbil­dung der Ti v 10 in a 1 e n 1111 b M on i 111 a t s b ca m t c n. All­gemein begrüßt wurde die Neuerung der Abhaltung von volks­wirtschaftlichen Borträgen sür die jungen Tiplomaten unb Koiisulaisbeamten. Ter Staatssekretär fuhrt aus, man habe daraus gehalten, baß and) bic Diplomaten an ben Vorträgen tcilncl.mcti; es werde auch tu Zukunft so bleiben. Er könne nicht versprechen, daß bic diplomatische >1 giriere vollständig mit der Konsulatskarriere verbunden würbe; anbere Staaten hatten darin schlechte Erfahrungen gemad t. Jrn übrigen sei die Ausbildung der Diplomaten neu geregelt durch die E x a m e n 0 r d n 11 n g von 19 0b. Es sei erst eine Prüfung gewesen, so baß man mit Aeitde- rungen immerhin vorsichtig sein müsse.

Ein nationalliberal cs Mitglied wünscht eine enge Verbindung der Ausbildung vonTiplornateu und K 0 n s n l a t s b c a ni t e n. Es könne daS der Anfang für die Entwicklung einer Akademie für das ganze A uslauds- wesen sein, >vie solckie and) im Ausland bestehen. Ein loziat- demokratifches Mitglied begrüßt glcid)salls die Einführung von volkswirtschaftlichen Vorträgen. Besser aber wärx es, wenn bic Tivlomaten unb Konsulats beamten auch außerhalb der zünf­tigen Kreise aus den Reihen bewährter Kaufleute ge­nommen würden. Wenn sogar ein Staatssekretär aus solchen Kreisen sich bemüht habe, so könnte man allgemein mit dem Vorurteil gegen die nichtzünstigen Beamten aufräumen.

Ein Zentrumsmitglied meint, man solle lieber die allmähliche Ausgestaltung der Verhältnisse, wie sie der Staats­sekretär erstrebe, fördern, als mit neuen Reformen kommen. Ern n a 11 0 n a 111 b e r a l c s Mitglied weist, wie der Zentrumsredner, auf die gewaltigen finanziellen Anforderungen an die jungen Tivlomaten hin. Die Fragerei im rocfcntlidicn eine Fiiianzfragc. Tie in Betracht kommende Summe von 300 000 Mart falle für das Reich nicht so schwer ins Gewicht, um die Vorurteile prcis- zugeben. Ein Mangel im diplomatischen Tienst sei bic Tat­sache, daß die Zahl ber gesamten Botschafterpostcii nahezu gleich groß sei, wie bic Zahl der unteren Stellender Botschaftsräte unb Legationssekretäre, so baß beinahe mit Sicherheit jeber Lega- tionSfefretär in einen Gcsanbtenposteii einrüden müsse.

Ter Staatssekretär bestreitet biesc Angabe, denn eins große Zahl unserer Gesanbteuvoften werbe aud) mit Männern be­setzt, bic aus ber Konsulatslaufbahn hervorgehen; das sei sogar bei sehr wichtigen Posten der Fall. Ter uanonallibcralc Redner könne ja aus seinen eigenen Erfahrungen wissen, daß nidn jeder Gesandter werde.

Wegen dieser Bemerkung gegen einen Abgeordneten greift ein sozialdemokratischer Redner den Staatssekretär scharf an. Tiefer verwahrt sich gegen die Auftastung seiner Bemerkung. Zeder Lcgationssekretär trete freiwillig aus. Er habe nur baiaiif auf­merksam machen wollen, daß es trotzdem an Nachwuchs nicht fehle. Ein sozialdemokratischer Redner bezweiselt bis Notwendigkeit der großen Rcpräsentationsausgabeii. Ein volksparteiliches Mitglied wendet sich gegen die Etat- bebenfen des Zentrumsvertveters und sagt bic Bewilligung einer Ausgabe von mehreren Hunderttausend Mark, wenn sie im kom­menden Jahre angeforbert werbe, zu Ein freisinniges Mit- glieb äußert sich über i>ie fremden Tiplomaten, die vielfach aus dev Journalistik hcrausgemadnen seien. Der Staats fefre* 1 ä r macht dabei die Bemerkung, die Kenntnis der Journalistik bef fremden Vertreter beruhe auf den reicheren Mitteln, die ihnen zur Verfügung ständen.

Der Voranschlag des Auswärtigen Amtes würbe genehmigt. Es schloß sich daran eine Aussprache über bie auSroär*

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Goethe unb Sichte.

(Zu Fichtes 150. Geburtstage, 19. Mai.)

Eine Persönlichkeit wie Fichte, ber große Vertreter bes philo- kothisd'cn Idealismus, dessen Geburtstag am 19. Mai zum 150. Male wieher kehrt, ist anclbotiidjcr Bchandliing völlig unzngäng- lich. Von einem tiefen unb starten sittlichen Gefühle erfüllt unb beherrscht, stellte er an sich selbst, aber auch an bic Welt bic höchsten Ansprüche und würbe so überall als imponierender unb großer Charakter, zugleich aber aud) oft als ein unbequemer Zeitgenosse unb Nachbar empfunden. Höchst djaraftcriitifdj wiegelt dieses Verhältnis FickncS zu seiner Mitwelt sich in seinen Be­ziehungen zu Goethe, deren Zeugnisse zuerst von Robert Neumann zusammengetragen worden sind Als Fickte im Jahre 1794 nach Ze na bcruicn wurde, da war das ein Lckritt, zu dem einiger Mm gehörte, nachdem Fickte fid> über die französische Revolution in ziemlich radikalem Sinne ausgesprochen hatte unb von ber demokratischen Jugenb zu einer Art Führer erklärt worben war. Ader Goethe interessierte sich selbst für bic Berufung Achtes, bie beimmit Kühnheit, ja Verwegenheit" auch wirklich cnolgt. Für seine Person staub Goethe, wie ber Philosophie überhaupt, 0 aud) Fichte philosophischen Bestrebungen ziemlich fern. Zwar 'and er, baß bic ersten ihm überfenbeten 'Sogen feiner ,,Xi-men« ciaftslehre" nichts enthielten, was er nicht verstände, ober wc- iiigstens zu verstehen glaubte, unb was sich nicht an feine gewohnte Denkweise willig anschlösse, aber schon bei ber oortie&ung des Buckes gestand er F. R. Jacobi, von dem er über Gehalt unb Form diesersonderbaren Produktion" etwas zu Horen wunjchle, .'c sei zu wenig in dieser Tcnkart geübt, und könne daher nur ntit Mühe unb von ferne folgen.

Stauben ihm nun aber Fichtes wissenschaftliche Gedanken ifnnlid» fern, so hatte er umsomehr Interesse für die bedeutende Persönlichkeit, die mit dein Philosophen in seinen Gesichtskreis trat.Seine Nachbarschaft (so schrieb er im Mai 1794 an Ei ar- lotte von Kalb ist mir sehr angenehm unb bringt nur manchen Nutzen; es konversiert sich aud) mit ihm sehr gut, unb oa er uns 0 crsvricht, den Menschenverstanb mit ber Philosophie auszuwhncn, können wir anbere nicht aufmerksam genug fein." Aud) nod) ivi nächsten Jahre lautet Goethes Urteil über Fichte vorwiegend j ünstig. Zwar ist er ihm da schonein wunderlicher Kauz', unb i^rin, daß er meist mit jungen Leuten umgehe, ficht er cm iingiüd für feine Entwicklung, weil fie zu sehr unter ihm feien: a.bcr immerhin urteilt er doch:Er hat bei einem sehr rigiden

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhefjen

Line Denkschrift über die veamtenorganisation der Reichrpoft- und Telegraphenverwaltung

ist dem Reichstage zugegangen. Bei der Voranschlags­beratung im Jahre 1911 hatte der Reichstag eine Ent­schließung gefaßt, die bal)in ging, eine Denkschrift über die anberweitc Organisation der Postbeamten unter kon­sequenter Festhaltung des Grundsatzes, daß Arbeiten, für bic eine geringe Qualifikation ausrei­chend ist, Beamten mit niedrigerem :Hang und Gehalt übertragen werden, vorzulegen In der nun­mehr vorgelegten Denkschrift wirb zunächst ein Bild über Die Entwicklung der gesamten Beamtenorganisation der Reichspost seit ihrem Bestehen gegeben und hierauf der jetzige Stand dieser Crganijaüon und die künftige Ge­staltung der Personalverhältnisse eingehend geschildert. Es wird dargelegt, daß die Verwaltung seit Jahren plan­mäßig das Ziel verfolgt, Arbeiten, für die eine geringere Qualifikation ausreichend ist, Beamten mit niedrigerem Rang und Gehalt Übertragen Tie Entwicklung tonnte aber nur allmählich fortschreiten, um bie Interessen der vorhandenen Beamten zu schonen Die günstige Wirkung dieser Maßnahmen war in ben finanziellen Ergebnissen jum Ausdruck gekommen, so daß die Verwaltung ent* schlossen ist, aus dem eingeschlagenen Wege s'ortzufchreiten. Jede ll e b e r l) a ft 11 n g muffe hierbei aber ber» mieden werden. Im mittleren Dienst muß die Klasse ber Obersekretäre und Sekretäre bestehen bleiben. Bei der Vielseitigkeit des Gesckftistsbctricbs der größeren Acmler müßten besonders ausgebildete Beamte angestellt sein, die für die ordnungsmäßige Handhabung dieser Geschäfts sorgen

Im sonstigen mittleren Dienst soll sich die fernere Entwicklung in ber Weise vollziehen, daß das Arbeitsgebiet der gehobenen ll n t c r b c a m t c 11 und ber Gehilfinnen aus gebe hnt wirb. Tie Beamten der Assistentenklasse müssen aber auch in Zu fünft bic Haupt und Kerntruppe des Betriebspersonals bleiben. Tic Ansicht, daß die außerordentliche Eiuwick- j hing des Post , Telegraphen und Fernsprechverkehrs über­all eine weitere Arbeitsteilung zur Folge gehabt habe, ist unzutreffend. Nur in den größeren Betrieben ist durch­weg Gelegenheit vorhanden, neben den mittleren Beamten bauernd Unterbeamte zu beschäftigen und voll auszunutzen, die für gewisse einfachere Beamtcndienstleistungcn ausgc bildet sind, im übrigen kann der Beamtendienst in der Regel nicht in zwei voneinander geschiedene Arbeitsgebiete zer j legt werden, von denen das den mittleren Beamten ber bleibende die schwierigen, das den llntcrbcainten zuzu weisende die einsachcreu Geschäfte zu umfassen hätte. Tie in weniger umfangreichen Betrieben beschäftigten Beam­ten müssen im Interesse der Wirtschaftlichkeit möglichst in allen Tienstzweigen verwendbar sein, damit ihre Ar- | beithkraft stets voll ausgenutzt werden kann.

Hieraus ergeben sich so mannigfache und weitgehende h Ansoroeruiigen, daß einseitig ausgebildete Unterbeamte f ihnen nicht genügen können. Tie wichtigeren und schwic- I rigeren Geschäfte des Betriebsdienstes müssen nach wie k vor den mittleren männlichen Beamten überlassen blei- t ben. Die Ersparnisse, die sich in Bezug auf den | mittleren Tienst ergeben würben, wenn bic weitere ; Ucbcrtragung von Beamtend1enstgeschäf1en auf weibliche Kräfte unb gehobene Unter- beamten in dem geplanten Umfange burchgeführt fein wirb, werben im Beharrungszustandc, der in etwa siebzehn Zähren erreicht sein wirb, runb 1612 Millionen Mark betragen.

Auch im höheren Tieu ft wirb sich bie Möglich- ' feit bieten, Dienstgeschäfte auf mittlere Bc- amte zu übertragen. In nicht zu ferner Zeit sollen alle Stellen für Overpo st Praktikanten in bem Maße, wie bic noch vorhanbenen Inhaber zu Inspektoren L befördert werden, in Stellen für Beamte ber mittleren Laufbahn u mgewandelt werben.

2lu$ den Reichrtagrausschüssen.

:. Berlin, 15. Mai.

Ter Budgelausschuß

erledikste heute zunächst die zum Marinevoranschlag ein» gegangenen Bittschriften. Ein Teil wurde für erkbigt er- Härt, ein anderer, der sich auf Acnderung der Besoldungsordnung bezieht, entsprechend den allgemeinen Beschlüssen des Ausschusses durd. llebergang zur Tagesordnung erledig!.

Tann begann die Beratung des Voranschlags des Aus­wärtigen Amts. Tie Mehrsorderungen des Etats werden entsprechend den Anträgen des Berichterstatters angenommen.

Bei Beratung des Fonds für die Unterstützung der deutschen Schulen im Ausland, der mit einer Million dotiert ist, gibt Ministerialdirektor Dr. Kriege einen lieber» blick auf die Aufwendungen anderer Staaten. Italien ragt mit 2,3 Millionen hervor, Frankreich mit einer Million, England gebe etwa 100- bis 200 000 Mart aus; für die anderen Länder ftnd die Zahlen unsicher. Ein Zentrumsmitglied fordert stärkere Berücksichtigung des Schulwesens in Südtußland unb Südamerika, wo vielfach erhebliche Notstände herrschten; er sei

Die Ummanbfung von Jnspcktorenstellen in Stellen für mittlere Beamte kann erst in Frage kommen, wenn keine Lberpostpraktikanten mehr in Juspektorenstellen unterzu­bringen sind. Die Klasse der L b e r p 0 st Prakti­kanten wirb voraussichtlich 1 9 2 0 v c r s ch w u n b c n sein. Von biesern Zeitpunkt ab wirb es möglich fein, ben größeren Teil ber Stellen für Post- unb Telegrapheninspettorcn in Stellen für mittlere Beamte umznwanbeln. Zunächst wirb dies für mittlere Postämter möglich erscheinen, bei ben größeren Aemtern sollen höhere Beamte als Inspektoren bestehen bleiben. Weiter in geplant, auch Postämter erster Klasse mit einfachen Bctriebsvcrhälrnissen in Aemter nied­rigen Ranges umzuwandeln und ihre Vorstcherstellen mit mittleren Beamten zu besetzen. Auf diesem Wege einer ruhigen Entwicklung der Verhältnisse wird unter voller Schonung ber Interessen ber vorhanbenen Beamten all­mählich eine beträchtliche Einschräntung der Pcrsonalaus» gaben erreicht werden.'

Ter Denkschrift sind eine Reihe erläuternber Uebcrsichten beigegeben. Nach ber Uebcrsicht über bie Entwicklung des Personalbeft an bes seit 1876 betrug bas Gesamtpersonal im Jahre 1876 50968 Köpfe, baruntcr 19814 Beamte, 31017 Unterbeamte, 137 weibliche Beamte. Tiefe Zahl ist bis 1910 gestiegen auf 209 589 Köpfe, baruntcr 66 092 Beamte, 124 056 Untcr- bcainte, 19 441 weibliche Beamte. Tic etatsmäßige Ein­nahme betrug 1876 117 455 020 Mk., 1910 705 728 749 Mk. Ter Ueberichuß war von 1876 von 4994971 Mk. auf 72 195 743 Mk. tin Jahre 1910 gestiegen. Währenb die Aus­gaben für das Penonal im Jahre 1887 nur etwas über 66 Millionen betrugen, sind sie im Jahre 1910 auf fast 4621/2 Millionen gestiegen. In ber gleichen Weise ist auch bie Zahl ber Postsenbungen auswärts gegangen. Im Jahre 1876 würben 731828 402 Briesseudungeu sc ft- gestellt, im Jahre 1910 6 087 372 400, bie Zahl der Pa- tot- unb Geldsendungen flieg von 61 Millionen im Jahre 1876 auf 271 Millionen im Jahre 1910, die Zahl der beförderten Telegramme voii IOV2 Millionen auf fast 56 Millionen im gleichen Zeiträume. Auch im Fern sprech die nst Hal sich diese ungeheure Entwick­lung bemerkbar gemacht. Statistiken liegen erst aus den ersten Jahren der 80er Jahre vor. So stieg bic Zahl ber Gespräche von 65 Millionen im Jahre 1886 auf 1664 662 520 im Jahre 1910.

'Nach ber Hebers i ch t über bic Beförbcrungs- verhältnissc betragt bie durchschnittliche Wartezeit vorn Bestehen ber höheren Berwalttnigsprüfung bis zur An­stellung als Inspektor zurzeit etwa acht Jahre, als Ober- lujrcftor etwas über 12 Jahre bei ber Post unb 10 Jahre bei ber Telegraphie, als Tirektor etwa 12*» Jahre. Tie Wartezeit der mittleren Beamten beträgt vom Bestehen ber Setretärprüfung bis zur Anstellung als Sekretär zur­zeit zwei Jahre, als Lbcrsckrctär 7 Jahre, begleichen als Postmeister.

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Sinne dock sehr viel Behendigkeit des Geistes und mag sich gern I sie sich im Jahre 1800 zum letzten Male sahen, ohne Groll und mit größter Hockiacktung voneinander geschieden. Ter Philosoph, der das Absolute wollte und verlangte, und der Tickster, der vor