Ausgabe 
3.1.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 2

Der Stet fiter Hnjetgti erscheint täglich, anher Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich Giehener^amilienl'Iätter, zweimal loöcfjentl.KreiSi blatt färben Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. £anb> wirtschaftliche Seitfrage« Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger «ichen.

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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Mittwoch, 5. Januar 1912

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Rotationsbru<f und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch und Steinöruderct R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7.

vüdingen: Fernsprecher Er. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Bezugspreis: monatlich 75Pf^ viert el- täbrlid) 'DK. 2.2t); durch Abhole- ii- Zweigstelle^ monatlich (k> Ps>; durch die Post Mk.2. vlertel- jährl. ansschU Besiella. ZeilenvreuS: lokal löPst, auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. lÄoetz. BerantivortUch für den politlfchen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton",Vermischtes* und .Gerichtsfaal": 51. Neu­rath; fürStadt und Land": E.Heh; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfafjt 10 Seiten.

Der höfische hauptooranschlag und die Sparsamkeit

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Als man nach dein allgemeinen Niedergang des Wirt­schaftslebens mit dem denkwürdigen Hauptvoranschlag für 1910 überrascht wurde, der dem hessischen Steuerzahler eine ZOprozentige Erhöhung der Einkommensteuer und eine 46prozentige Erhöhung der Vermögenssteuer zumutete, waren die Volksvertreter mit der Regierung über dieses finanzielle Ergebnis der Staatsrechnung sehr erstaunt, und schuldbewußt schlug man sich an die Brust mit dem Gelöbnis, in Zukunft mit den Staatsgeldern unter allen Umständen sparsamer umzugehen. Das lobenswerte Bestreben der Ab­geordneten verschiedener Parteien, alles irgendwie Entbehr­liche aus dem tzauptvoranschlag zu entfernen, fand ins­besondere in demStreichorchester der Zweiten Kammer" seinen Ausdruck. Man mag darüber auch vielleicht hier und da gespöttelt haben, jedenfalls ist es ein ernstes und vom besten Willen beseeltes Streben gewesen. Nimmt man den Voranschlag für 1912 zur Hand, und erinnert sich des Ge­löbnisses der für die endgültige Fertigstellung des Etats maßgebenden Stellen, Regierung und Landstände, so möchte man in Versuchung kommen, zu glauben, daß damals einig Nörgler mit ihren Bedenken, ob die Sparsamkeits- und Vereinfachungsbestrebungen wohl nachhaltigen Ein­fluß haben werden, Recht behalten werden. Die Einnahmen aus der Eisenbahn^emeinschaft, die gegenüber dem bis jetzt im Voranschlag für 1907 höchst eingestellten Betrag von 15 Millionen diesmal noch um die stattliche Summe von V/t Millionen überflügelt werden, und die sonstigen gestiegenen Einnahmen, insbesondere an Steuer­erlassen wieder Wünsche zum Vorschein kommen, die man sich höchstens in Zeiten des Geldüberflusses denken kann; namentlich treten dabei das Report des Ministeriums des Innern und in diesem wieder die eigentliche Verwaltung hervor.

Im Bereich des Finanz Ministeriums finden sich wesen-tiche N e u an f o r d er u n g en sür B e am t e u i ch t; selbst die Steuerbehörden, bei denen man infolge der Ber abschiedung des Gemeindesteucrgesetzes und die hierdurch notwendig gewordenen Vorbereitungen für die Neuveran­lagungen eine erhebliche Arbeitssteigerung erwarten muß, haben eine Vermehrung ihrer Arbeitskräfte nicht erfahren. Im Ressort des Ministeriums der Justiz sind die seit Jahren zurückgestellten Wünsche auf Vermehrung der Stellen ebenfalls nicht berücksichtigt worden. Anders beim Ministerium des Innern. Hier stützt man sich zunächst auf die Arbeitsvermehrung, die die neue Reichsversicherungs­ordnung den Verwaltungsbehörden bringen wird und fordert btc nur auf den Inhaber bewilligten drei Kreis- amtmänner wiederum als definitiv an; wei­terhin erfordert das zu errichtende Oberver- sichernngsamt drei Stellen, die mit Gehältern von 7200 und 7000 Mk. und die dritte mit einem Gehalt von 28006000 Mk. bedacht ist. Es muß demgegenüber fest­gestellt werden, daß zurzeit an jedem der Kreisämter der Provinzialhauptstädte ein Schiedsgericht für Arbeiter er­richtet ist, an dessen. Spitze ein Kreisamtmann steht. Die Geschäfte dieses Schiedsgerichts nehmen die ganze Arbeits­kraft dieses Beamten in Anspruch. Sollten die Vorschläge

der Negierung die Billigung der Volksvertretung finden, so wäre die Verwaltung vermehrt nicht nur um die brci auf den Inhaber bewilligten Kreisamtmänner,.sondern auch um die Kreisamtmänner, die bisher im Dienst der Schiedsgerichte tätig waren. Bei einem Beamtenstand von 29 Kreisamtmämtern muß diese Personalvermehrung doch als eine ganz bedeutende angesehen werden.

Neben diesen Mehranforderungen bringt für die Ver­waltung der nach dem Gesetz über die Venvaltungsrechts- pflege zu errichtende Posten eines Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs eine mei ere Stelle. Im Bereich des Ministeriums selbst wird ein siebenter Ministc- rialrevisor angeforbert; ob das in Zeiten her Beschränkung auf allen Gebieten der Staatsverwaltung notwendig ist, erscheint zweifelhaft, ebenso die Anforderung eines dril t e n Hofbibliothekars, ber eine Anwartschaft auf An­stellung noch nicht besitzt.

Außerhalb der Besoldungsordnung ist nun auch im gegenwärtigen Hauptvoranschlag beantra jt worden, die G c- h älter der Kreisärzte und der K r e i s a s s i st e n z - ärzte neu zu regeln und in Verbindung hiermit in Zu­lun, t die Imp; geb stören zur Stea si ffst zu vereinnahmen. Es ist kein Zweifel, daß die Verhältnisse dieser Beamten dringend einer Verbesserung bedürfen und es soll auch nicht verkannt werden, daß diese Regel unabhängig von der Verbesserung der Gehälter der übrigen Beamten erfolgen iänn. Unangebracht dürfte es jedoch f-tin, den Kreisärzten, die gegenüber allen übrigen Beamten unoerbiente Mehrein­nahmen hatten, in biefem Augenblick biefe Mehreinnahme statutarisch seftzulegen. Wenn in Zukunft bie Ernennung als Kreisassistenzarzt für die Festsetzung des Gehalts als Kreisarzt angerechnct werden soll, so erscheint 5>ies durch­aus angebracht und es ist de geforderte Mehrbetrag von>10 000 Ml. begründet; nicht ver­anlaßt aber erscheint der weitere Vorschlag, den Kreisärzten bei dieser Gelegenheit für den Ausfall an Jmpfgebühren eine Entschädigung zu gewähren, deren Gesamtsumme im Voranschlag auf 15 000>Mk. bez'sfert ist. Entweder das eine oder das andere Zugeständnis durste den in 'Betracht kom­menden Beamten zu machen sein; keinesfalls aber erscheint es gerechtfertigt, dafür die Summe von 25 000 Mark auf­zuwenden.

Die Ausgab'', .di." zum erstenmal für die Jugend­pflege vorgesehen ist, wird zweifellos auf Bewilligung der Kammer zu rechnen haben; ob jedoch ber willkürlich ge­griffene Betrag von 15 000 Mark nicht zu hoch angenommen ist, dürfte fraglich fein.

Erfreulich ist die Beschränkung ber Anforderungen ber Unterrichtsverwaltung, insbesondere bei ben Weniger-Anforderungen von Oberlehrerstellen, bie dankbar anerkannt werden muß. Andererseits aber hätte man wohl erwarten dürfen, daß bie an verschiedenen Stellen ange- forderten Beträge für Nebenstellen, z. B. als Direktor des Landesmuseums, als Vorsitzender der Zentralstelle für Ge­werbe, als Vorsitzender des Landes-Jmpfinstituts, als Lan­desgestütsarzt, die zum erstenmal angeforderte Summe für einen Vorstand der Eichungsinspektion usw. aus dem Vor­anschlag verschwinden würden, nachdem schon im vorigen Jahr mit anderen Nebenstellen aufgeräumt und beantragt worden war, alle diese Anforderungen zu beseitigen. Man muß auch daran denken, daß die vielfach im Hauptvoranschlag als Nebenstellen bezeichneten Posten eines Rechners, wie z. B. bei den höheren Lehranstalten, beim Arbeitshaus Die-

-urg, Den tanbiDiil|d>a|tlid)en Schulen, den Taubstummen- und Blindenanstalten, der landwirtschaftlichen Versuchs­station usw. beseitigt werden, indem die staatlichen .Kassen, Die Hauptstaatskasse ober die Bezirkskassen jeweils die Funk­tionen der Rechnungsführung übernahmen.

Nach dem Beschlüsse des Ausschusses zur Vereinfachung der Staatsverwaltung sollen in Zukunft neun Ober- förftereten eiligeben; im Hauptvoranschlag 1912 werden daher auch bereits drei Stellen, die in der Zwischen­zeit erledigt wurden, weniger angeforbert.

Der vorstehenbe Streifzug durch einige Kapitel des neuen Hauptvaranschlags wird die Behauptung bestätigen, daß von einer wesentlichen Einschränkung der Ansprüche auf allen Gebieten, wie man sie vor zwei Jahren zum festen Vorsatz nahm, bisher noch wenig zu verspüren ist. Es wird Aufgabe der Ständekam- mern sein, die neuen Vorschläge der Regierung eingehend zu prüfen und die Verwaltungsorganisation immer mehr zu vereinfachen.

Line englische Stimme über bas deutsch-englische Verhältnis.

»Daily Telegraph", in dem bekanntlich baS berühmt aeroorbene Interview unseres Kaisers im Jahre 1908 ver­öffentlicht worden ist, schreibt:

Soweit wir bie Tendenzen der öffentlichen Meinung inter­pretieren können, leh-nt sich bie Mehrheit der Engländer mehr und mehr dagegen aus, irgendwelche weitere ernste Unterbrechung unserer-richtigen und normalen Beziehungen zu Deutschland zu­zulassen. Tas ist eine neue Note der internationalen Politik, bie mit unverkennbarer Deutlichkeit ertönt. Die Entdeckung, die wir kürzlich machten, daß wir im letzten Herbst am Rande eines Krieges standen, hat den kriegerischen Geistern unter uns einen nützlichen Shock gegeben.

Das Blatt wendet sich gegen einen Artikel beS Pro­fessors Zorn in berKölnischen Zeitung*, und bezeichnet die kürzlicka Aeußerung be§ Professors Delbrück, England habe im Sommer beabsichtigt, ohne formelle Kriegserklärung über Deutschlanb herzufallen, als reine Legenbe und fährt bann fort:

Wenn so zwei Nationen grundlose Erdichtungen übereinander erfinben können, muß etwas geschehen, um die Atmosphäre zu reinigen, die so mit den Elementen gefährlichen Mißtrauens geladen ist. Das ist die unserer Diplomatie in den nächsten Monaten wartende Ausgabe. Es ist absurd, anzunehmen, daß England und Deutschland immer nebenein* ander leben sollen, ohne durch gegenseitige Vereinbarungen die natürlichen Interessen ber beiden Länder zu sichern.

Der italienisch-türtische Krieg.

Tas neue Kabinett Satd.

Konstantinopel, 2. Ian. (Agcnce Havas.) DaS neue Ministerium ist gebildet worden. Großwesir wird Said Pascha, Scheich uel Islam Nessib Efsendi, Minister des Innern Talaat, Ackerbauminister Senator Aristi, Unter­richtsminister Emrullah, Arbeitsminister Dinapiam. Das! Ministerium der Posten ist vorläufig nicht besetzt. Die

Gicszerier Stadttheater.

Hanneles Himmelfahrt.

Tramndichtung von Gerhart Hauptmann.

Gießen, 3. Jan.

Hanneles Himmelfahrt hat heute schon für bie Geschichte unserer deutschen Literatur eine wesentlich größere Bedeutung als für die Literatur selbst, denn mit ihr hat sich Gerhart Hauptmann nach der Rieinung vieler energisch von dem damals unter seiner Führung herrschenden Naturalismus abgewendet wenn auch nicht endgültig aber als reines Kunstwerk ber Bühne kommt ihr nicht' dieselbe Bedeutung zu. Sie ist gewiß eine Dichtung von nicht gewöhnlichen Wirkungen und mit wahr­hafter Kunst ist sie geformt und gebildet, aber was das Drama erst macht, die Entwickelung eines Charakters und einer Handlung, bas ist hier völlig außer Acht gelassen. Die Traumgeschichte eines armen, sterbenden Kindes, die zum Teil nur dadurch möglich wird, daß die Diakonissin in dem Augenblick völlig un­begründet verschwindet, wo sic am nötigsten wäre, die Fieber- Vhantasien des gemarterten Mädchens vertreten die Handlung, bie an sich schon fesselnd und rührend genug ist, aber das ist wohl gerade das bedeutendste an dem Werk, daß es der Dichter gewagt hat, diesen Stoff zu gestalten. Das war eine Tat, die mehr gervirft bat als hunderte von Vorträgen über soziale Not, und wenn Hannele auch ein hysterisches Kind ist, so ist das gerade der TypuS der Proletarierkinder. Hanneles Phantasien sind des­halb auch nicht unnatürlich, ihre Ausdrucksweise und ihr Ge­haben nicht gesucht und geschraubt, sondern wahrhafteste Natur, wenn auchZ'ranke, kümmerliche. In der Seele des Mädchens ist alles im Treiben; religiöse und erotische Motive tauchen auf, Märchenerinnerungen und Lebenserfahrungen mischen sich mit ihnen; das Bild des geliebten Lehrers geht sacht in dasdes Herrn Jesu" über, und Hannele selbst sieht sich wie Schnee­wittchen in einem gläsernen Sarg, an dem der Heiland licht­voll herantritt und es auffteben heißt. Einzelne Ausdrücke aller­dings gehen wohl weil über das Verständnis des vierzehnjährigen Bauernkindes lstnaus; selbst ältere Stadtkinder werden sich von demm a l a ch i t n e n Grün des Estrichs" keinen rechten Be­griff machen können. Aber solcherlei Kleinigkeiten spielen keine Rolle gegenüber dem Ganzen. Ein bedeutendes Kunstwerk ist Hanneles Himmelstchrt jedenfalls, und wenn ihm Bulthaupt jeg­lichen^ Weil abspricht, so ist das einer seiner vielen Irrtümer.

Tie gestrige Ausführung mürbe unter Herrn Gühnes Leitung den hohen Anforderungen des Wertes gerecht, wenn auch einige Heute Fehler bei der ^Beleuchtung und bet der Verwandlung etwas

störten. Für die Hauptrolle hat unsere Bühne in Fräulein Frieda de Bruyn eine ausgezeichnete Vertreterin. Mit feinem Gefühl fand sie den richtigen Ton und unter den erschwerten Umständen einer int Bette liegenden Kranken auch das künstlerische Maß einer fingen, überzeugenden Darstellung, ohne durch allzu natür­liche Jammerlaute das ästhetische Empfinden zu beeinträchtigen. Recht schön war Herr Kaiser als Lehrer und Heiland. (Ta es in Preußen verboten ist, Christus auf die Bühne zu bringen, hat Hauptmann ihn als ein Fremder benannt.) Bei seinem Auftreten als Christus war allerdings der kurze schwarze lieber» wurf nicht ganz am Platze. Fräulein Gafsrey war eine würdige Diakonissin, aber ihre Tracht war die einer kath. Barmherzigen Schwester. Herr Norden als Pleschke schuf in feiner kleinen Rolle ein schönes Charakterbild, auch die Damen Scholz (Tulpe) und Jüngling (Hedwig) gaben in knappen Umrissen treffende Charakteristiken. Herr Hilbert war ein tüchtiger Waldarbeiter, Herr B o l ck ein liebevoller Arzt, Herr Goll, der nur wenige Worte zu foreeben halte, fiel durch eine sehr glückliche Maske auf. Von den Gestalten des Traumes sind noch Fräulein de la Cha- pclle als Hanneles verstorbene Mutter und Diakonissin, Herr Großer als Schneider sowie die Damen Schmidt, Mühl- pforth und Weber als Engel zu erwähnen. N.

»

Bummclstudenten.

Große Posse mit Gesang von Bcrnaner und Schanz er.

Vor einem Jahre brachte dasBerliner Theater" in Berlin eine neue Posse unter dem NamenBummelstudenten" heraus, die so starken Erfolg hatte, daß sie an dieser Bühne seitdem über 300 mal gegeben werden konnte. Bald fand sie auch den Weg in das übrige Deutschland und jetzt ist sie wohl an fast allen deutschen Bühnen zur Aufführung gelangt, überall mit dem gleichen Erfolg. Bei näherer Betrachtung erweist sich die neue Posse als ge­schickte Bearbeitung der altbeliebten PosseAuf eigenen Fußen", und auch im übrigen ist vieles bekannten Bühnenwerken entlehnt. So ist bei den neuen Operetten 'Lustige Witwe, Tvllarprinzessin, Fideler Bauer usw.) eine starke musikalische Anleihe gemacht. Aber zu der alten Musik hat Bogumil Zevler so viel Neues und Originelles lnuzugefügt, daß die neue Posse ein sehr reiz­volles musikalisches Gewand bekommen hat. Tritt dazu noch eine so luftige Handlung, die wie bei ber Erstaufführung am Neujahrs- tage, von gutem «viel getragen wird, dann darf man wohl Der Posse eine große Zahl von Wiederholungen auch in Gießen Voraussagen.

Von ben Mitwirkenben seien vor allem bie beiden Bummel studeuten der Herren Rappeport und Groner genannt, denen als dritter Hwr Goll in köstlicher Maske kräftig assistierte. Sodann

die fesche Kellnerin Liese des Frl. Scholz, die namentlich als blasse Luise in der neuen OperetteKabale und Liebe" stürmische Heiterkeit hervorrief, ferner die Berliner Philister Glattbein und Pinkert der Herren Norden und Hilbert, und ber Verwanblungs- künstler Maroni bes Herrn Gähne. Auch der Justizrat Lobetanz bes Herrn Volk mit feinefn stereotypenJs ja Unfinn" erregte viel Heiterkeit. Auf bem Höhepunkt aber war die Stimmung des sehr gut besuchten Hauses bei der Darstellung ber neuen OperetteKabale und Liebe" und am Schluß des vierten Bildes, als die beiden Bummelstudenten den letzten Vers ihres hübschen chen-Tuetts" auf dem Souffleurkasten fangen und das gesamte Haus ben Refrain in der vorgeschriebenen Weise im Takt mit Händeklatschen begleitete.

Ick. Die Lieblingsgerichte der Könige. Ein Mit­arbeiter eines Pariser Mittagblattes scheint das Vertrauen der Hof- köche aller europäischen Herrscher erworben au haben; denn er ist in ber Lage, authentische Mitteilungen - wie er sagt - über die Lieblingsgerichte der Könige zu geben. Nikolaus II. leibet nach ferner Angabe an Apveiitmangel und er benutzt zur Anregung ein provencalffches Stockstschgericht die Brendade de morue, das mit Pfeffer, Del und Knoblauch zubereitet wird, Kaviar sott er völlig verachten. Ter Kaiser von Oesterreich zeigt eine Vorliebe für Wiener Kotelettes. Aber diesen soll er ein österreichisches Nationalgericht vorziehen: Kalbslunge mit Notweintunke. Ter König von Italien hebt Süßigkeiten und auf feiner Tafel fehlen nie Schokoladen-, Kaffee- oder Teecrsme, die er noch dazu arg ver­süßt. Alphons XIII. hat denselben Geschmack und er soll wahre 'Berge von Schokolade mit Schlagfahne vertilgen. Unter dem Einfluß ferner aus England stammenden Gemah.in, der Königin Enn, hat er sich aber dazu verstanden, seinen Geschmack etwas zu anglisieren und die auf seiner Tasel erscheinenden Braten sind daher auf eng­lische Art zubereitet. Einen ausgezeichneten Apoelit soll die hübsche Königin der Niederlande haben. Auch sie neigt zur englischen Küche und bevorzugt Lammkeule und Roastbeef. Zu ihrem größten Bedauern nimmt |te andauernd zu, aber trotz des Nates ihrer Aerzte unb ihres sehnlichen Wunsches, schlank zu werden, kann sie sich nicht dazu entschheßcn, sich im Essen mehr Zurückhaltunz auf- juerlegen. Von unserem Kaiser berichtet der attwiffcnde Bericht­erstatter, daß er Geflügel bevorzuge,Wenn er vier Krammels- oögel hat, bie ihm sein Öo'koch sehr schmackhaft zuznbereiten ver- sieht, verlangt er nach nichts anderem und hält sich für ben glück, liebsten Menschen.' Zum Schluffe lobt er ben französischen Präsi­denten Fälliges, rühmt seine Sparsamteit und hebt hervor, baß er mit allem zufrieden sei, wenn es nur mit Knoblauch, aber mit recht viel Knoblauch gubereuet sei.