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2.10.1912 Erstes Blatt
 
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in fieberhafter Kommandanten der sämtlichen Truppen des ersten Jnspek-

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

ches zwar wäre des Zanga:

tun gen zum Krieg werd en

tionsbezirks ernannt.

Die Nachricht von der Enttvaffnung der Truppen auf Lamos durch die Franzosen wird als unrichtig bezeichnet.

Jkdam" erfährt, der russische Botschafter von Giers habe dem Minister des Aeußern und bem Großwesir mit­geteilt, daß der russische Vertreter in Sofia einen Schritt unternommen habe, der zur Aufrechterhaltung des Friedens

Gietzener Stadttheater.

Ter Traum, ein Leben von Franz Grillparzer.

Gießen, den 2. Oktober 1912.

Nach dem bösen Spiel des verunglückten, mißratenen Sommers, dessen man noch lange mit Schrecken gedenken wird, begann ge­stern das heitere Spiel der Bühne die neue Theaterzcit mit einem schönen Ausklang. Tie Erfahrungen, die die Leitung unseres Theaters seither im neuen Dause gesammelt hat, werden sie bei der Auswahl und der Durcharbeitung des Spielplanes unter­stützen, und nach den bis jetzt bekannt gegebenen Absichten und Vorbereitungen darf man wohl auf einen ereignisreick)en Winter hoffen. Neben den Klassikern wird man dem zeitgenössischen Drama seine Pflege angedeihen lassen, wertvolles Alte neu be­leben und dabei auch dem Lustspiel und der Posse den notwen­digen Platz einräumen müssen.

Den allmählich zur Klarheit Kommenden Anschauungen un­serer Zeit über das Wesen de» Theaters wird eine gründliche Regie Rechnung tragen müssen- in dem sie nicht im Ueberkommenen stecken bleibt, sondern eigene Wege versucht, um die Absicht des Dichters in einer möglichst reinen und klaren Form sinnfällig zu machen. Auch die äußere Darstellung, der sog. szenische Ap­parat, bedarf heute, wo sich unsere Kunst endlich wieder zu der Ucbcrzengung durck)gerungen hat, daß gediegene Einfachheit tfrr erstes Erfordernis ist, ganz besonderer Beachtung. Alles opern hafte ist streng zu vermeiden, denn die Schönheit beruht nicht in der Masse, sondern in der Form, nicht im Formalen, sondern im Wesentlichen. Dieses Wesentliche hcrauszufinden und es mit den ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln zu einem einheitlichen Vorgang zu gestalten, das ist die Kunst des Regisseurs, wie ihn unsere Zeit verlangt.

Ten Stil, den jedes Bühnenwerk in sich trägt, zu ergründen und darzustcllen, das ist die Aufgabe der heutigen Theater­kunst.

Direktor S t e i n g o c t t e r hat im Laufe der Jahre schon zu wiederholten Malen gezeigt, daß es ihm ernst ut mit diesen Auf­gaben, und auch der gestrige Abend erbrachte den Beweis, Daß er mit kundiger Hand an seinem Werke arbeitet. Grillparzers Märchen Ter Traum, ein Leben, pellt an die Regie ferne leichten Anforderungen, aber es kam im allgemeinen mit einer wohltuenden Frische und einer guten Durchbildung heraus. Man-

schän'er zu betonen gewesen, so z. B. die Worte

Und mit also schwerem Gange, Mit so ärmlich halbem Mute Wolltest du der Herrschaft Sprossen- Du den steilen Weg des Großen, Du erklimmen Macht und Rang? Bunt vermengt aus manchen Stoffen Ist das Roherz der Gewalt, Kaum der Brand von zehen Reichen Genügt, die Mischung auszugleichen. Die im Tiegel kocht und wallt: Doch ein Säkul erst im Nacken, Dem Vergangnen ist man hold.

Und der König glänzt von Gold.

Diese Worte geben die eigentlichste Erläuterung: sie deuten Ru­slans Charakter und zeigen zugleich, warum Grillparzers des Innern stillen Frieden als Lebensideal preist. Denn Rustan ilt fein Held, fein Sieger. Wie sonst könnte der Traum aus dem mutigen, abenteuerlustigen Draufgänger des ersten Aufzuges den ent­sagenden Schwächling machen? Er ist ein Mannmit ärmlich halbem Mut" wie es Grillparzer leider selbst gewesen ist, der seine Ueberzeugung unter dem auf Oesterreich lastenden Geisteszwang betäubt hat und nur seinen Tagebüchern die heiße Not feines Herzens anvertraute.

Die Darstellung, die, in Anbetracht der kurzen Zusammen­arbeit der Mitwirkenden, eine recht schöne Einheitlichkeit auf­zuweisen hatte, war im ganzen flott und lebendig. Einiges zwar klappte noch nicht ganz. Die Beleuchtung haperte mitunter sehr, und der Anfang des vierten Auszuges wurde durch einige schlimme Worte hinter der Bühne bedenklich gefährdet. Auch das Auf treten der beiden .Knaben, des Schlafes und des Traumes, wirkte unschön, ja sogar verwirrend. Sie müssen unversehens auf tauchen und verschwindenT- Wenn sie, wie gestern aus den Seiten auf ihre Plätze eilen, wird die ganze Illusion zerstört, und wer zum erstenmal das Stück sieht, weiß überhaupt nicht, was er aus ihnen machen soll. Störend wirkte im ersten Aufzuge auch der große Busch an der dritten Kulisse, der hier ein recht unbegründetes Dasein führte und einen Teil des schönen Hintergrundes verdeckte. Auch die beiden Pylone im dritten Aufzug wirkten recht wunder­lich. Daß die Sonne am gleichen Orte unter- und auch ausging ist als ein neuzeitlich Wunder mit gebührender Aufmerksamkeit zu buchen. Heber die einzelnen Darsteller ist noch wenig zu sagen. Außer den Herren Volck (Massud-, Norben (Kaleb-, Grosser

(Karkhan, Bruchwitz (Mann vom Felsen) und Frl. Scholz als altes Weib, wären von den neuen Mitgliedern die Herren Walter Jensen (Rustan), Walter Tworkowski (Zanga) und Karl Kliewer fKönig) zu nennen, die sich recht gut einführten und glücklicherweise über eine gute Sprechtechnik verfügen. Herr I e nse n, der über eine sehr sympathische, markige Stimme ver­fügt, zeigte sich gegen Schluß hin merklich überanstrengt. Anmutig und herzlich gab sich Frl. Alice Dagny als Mirza, doch sprach sie ä wie e. Etwas matt wirkte zu Anfang Frl. Olga Rappo als Güldnare. Diese Königstochter ist kein moderner Nerven­mensch, sondern ein leidenschaftliches, selbstbewußtes Weib, wenn es auch vor der Schlange erbebt. Ein recht wertvolles Mit­glied scheint Herr Tworkowski zu werden: er erfüllte den Negersklaven mit blutvollem Leben. Herr Kliewer gab sich recht angenehm und auch sinnvoll, aber mit etwas viel Pose. Ob das auf den Märchencharakter der Dichtung berechnet war- wird erst die Zukunft lehren.

Im übrigen darf man mit dem ersten Abend der neuen Spiel­zeit, der, trotz mancher Beanstandung, von unzweifelhaften Werten war, recht zufrieden fein, denn er bewies, das man mit Bedacht und auch mit guten Mitteln großes erreichen will. K. N.

Vater und Kind. Peter Rosegger, der gemüt­volle steirische Dichter, erzählt im Gesundbrunnen, dem Kalender des Türerbundes folgende beherzigenswerte Geschichte: Ich muß arbeiten, mein K'ind! sagst Du, wenn es zu Dir heran will. Die Arbeit ist vollbracht, es naht wieder. Du mußt jetzt lernen, Kind, ist Dein Ausweis. Tie Schulausgabe ist vollendet. Jetzt gehe und mache eine Bewegung, junge Glieder müssen sich trollen! Am Abend kommt es endlich noch einmal. Aber jetzt lasse mich in Ruh, ich bin müh genug, und mach, daß Tu ins Bett kommst. So gehts heute, so gehts morgen. Arn Sonntag! denkst Du! Am Sonntag, entführt Dich Dein Freund zu einer Landpartie, und Du mußt Dich ja doch auch erholen. So lernst Tu es niemals kennen, oder es entfremdet sich Dir rasch. Du betrügst das Kind um den Vater und den SBcter ums Kind.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In B r e s l a u ist am 29. September der Vertretet der klassischen Philologie an der dortigen Universttät o. Professor Dr, Franz 2 k u t s ch im 48. Lebensjahre gestorben,

gemahnte.

In der Börse brach eine Panik ans. Die türkischen Konsols unterlagen einem empfindlichen Kursverlust.

Konstantinopel, 1. Oft. Die Nachricht von der durch das Jrade angeordneten Mobilisierung beginnt unter den Massen bekannt zu werden. Bor der Pforte herrscht reges Leben. Unter der Manschenmencze befindet sich eine große Zahl von Journalisten. Der Mi­nisterrat, der um 9 Uhr morgens begonnen hatte, dauerte abends um 7 Uhr nojf) an.

Der heute vom Urlaub zurückgekehrte englische Bot­schafter Lowther kam während des Ministerrats auf die Pforte und unterhielt sich mit dem Großwesir und dem Minister des Aeußern, um sich über die Absichten der Pforte zu erkundigen. Auch der rumänische Gesandte sprach während des Ministerrats mit dem Minister des Aeußern N or adun gjhian.

Der frühere Deputierte von Uesküb, H o d j a, sagte, er erscheine auf der Pforte, um dem Großwesir die Erklä­rung abzugeben, daß die Albaner bereit seien, für hie Regierung zu kämpfen. Die Panik an der Börse dauert an. Die türkischen Konsols verloren 4 Einheiten.

Bulgarische und serbische Vorwände.

Der bulgarische Gesandte in Wien, Salabaschew, eMärte einem Vertreter derNeuen Freien Presst:

Soeben erhalte ich von meiner Regierung oie Nachricht, daß Bulgarien mobilisiert hat. Die Mobilisierung ist noch keines­wegs eine Kriegserklärung und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Türkei in später Stunde ein Einsehen hat und die an­gesammelten Truppen von Adrianopel zurückzieht. Bulgarien wird dann sicher keine Feindseligfeiten herbeiführen. Die Mobi­lisierung Bulgariens ist nur die Antwort auf die provokatorisch Drohung der Türkei, die in der Zusammenziehung der Truppen an der bulgarischen Grenze besteht. Bul­garien fühlt sich durch diese Truppen ernsthaft bedroht und ist nickst gewillt, abzuwarten, bis türfifebe Truppen bulgarisches Gebiet betreten. Bulgarien hat um so mehr Grund, sich bedroht zu fühlen, als in der Türkei geradezu der Heilige Krieg gegen Bulgarien und alle christlichen Bal- kanvölker gepredigt wird. Tatsache ist, daß auch Ser­bien mobilisiert, und das ist keineswegs überraschend. Serbien muß ebenso wie Bulgarien zur Abwehr schreiten, da die Türkei in ihren europäischen Provinzen die vollkommene Mobilisierung durchführt. .

Der serbische Gesandte Simic bemerkte zu der Mo­bilisierung:

Sollte sich die Nachricht von der Mobilisierung betätigen, so glaube ich, daß sie zunächst nichts weiter bedeutet, als eine Ant­wort auf die Mobilisierung von zehn türkischen Divisionen. Tie großen Manöver bei Lldrianopel wurden allerdings abgesagt, aber hie Mobilisierung von zehn Divisionen stellt eine ernsthafte Maß­regel dar und es ist natürlich, daß Serbien und Bulgarien Gegen­maßregeln treffen.

Die bulgarische Finanzfrage.

Paris, 1. Ott. Verschiedene französische Banken wurden in den letzten Tagen von dem bulgarischen Gesandten in Paris ersucht, Bulgarien einen Borsch u ß kr e di t zu gewähren. Die sranzösischen Banken haben nach dem übereinstimmenden Rat des Finanzministers und des Minifters des Aeußern dem bulgarischen Gesandten geantwortet, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen Bulgari en keinen Vorschuß leisten

Der mobilisierte Baifan.

Das alte orientalische Abwandlungsspiel,ich berufe meine Reserven ein, du berufst deine Reserven ein, er beruft seine Reserven ein", das seit einigen Wochen von den inter­essanten Völkerschasten auf dem Balkan gespielt wurde, hat seine unerfreuliche Fortsetzung erfahren Auch Mon­tenegro wollte nicht lange hinter dem Balkandreibund zurückstehen und hat seine Streitkräfte mobilisiert. Die Gefahr ist doppelt groß, weil Bulgarien, Serbien und Grie­chenland, zu denen sich im entscheidenden Augenblick Mon­tenegro schlagen wird, zwar einzeln ein Frühstück für die Türken darstellen, aber für diese vereint eine ernste Gefahr zu einer Zeit bedeuten, wo die Kräfte der Türkei durch die Gärung im Innern und den Krieg mit Italien zum Teil gebunden sind. Dazu kommt, daß auch am Goldenen Horn eine starke Strömung für den Versuch vorhanden ist, über den inneren Wirrwarr durch einen volkstümlichen, d. h. im Nameii des Islam geführten Krieg Hinwegzukommen.

Darin liegt die doppelte Gefahr der gegenwärtigen Lage, und wenn auch Graf Berchtold in der österreichischen Delegation tröstend versichert hat, daß die Bemühungen der Großmächte nach wie vor dahin gehen, für die Erhaltung des Friedens zu wirken, so hat er doch nicht hinzugefügt, daß er auch an einen Erfolg dieser Bemühungen glaube. Auch ist die Meldung, daß in Bosnien und an der Grenze drei österreichische Armeekorps in Kriegsbereitschaft stehen, ebensowenig geeignet die Kriegssorge zu bannen, wie die Meldung von den russischen Probemobilmachungen, die freilich schon am 8. September beschlossen, aber immerhin gerade jetzt bekannt gegeben wurden. Alle Hoffnungen auf eine noch in letzter Stunde zu ermöglichende Verhinderung des Balkanbrandes beruhen aber jetzt auf der Einigkeit der Mächte, von der so viel geredet wird, und von der man so wenig sieht. Zurzeit freilich ist die Diplomatie allem Anschein nach mit ernstem Bemühen beflissen, als europäische Feuerwehr zu funktionieren, wenn auch unver­kennbar ein gewisser Gegensatz zwischen dem vom Grafen Berchtold angeregten Meinungsaustausch und der von Ruß­land geleiteten Aktion der Triplentente besteht. Sollen diese beiderseitigen und deshalb leider zweiseitigen Bemüh­ungen zum Ziele führen, so wird es notwendig sein, nicht oloß auf die mobilisierten Balkanstaaten dämpfend zu wirken, sondern auch von der Türkei Garantien für die Durchführung der seit Jahrzehnten in Aussicht gestellten Reformen zu erzwingen. Daß dies noch gelingt, wird man hoffen und zum Schluß auch glauben dürfen, so lange nicht der erste Kanonenschuß gefallen ist!

Montenegro mobilisiert auch.

Cet tinje, 1. Oft. Ter König hat die allgemeine Mobilisierung der Armee angeordnet.

Ein serbisches Ultimatum.

Konstantinopel, 1. Oft. Der serbische Ge­sandte stellte der P f o r t e eine Frist von 48 Stunden für Gewährung der Durchfuhr serbischer Munition nach Serbien oder deren Rücktransport nach Marseille.

Das Reutersche Bureau meldet dazu noch aus Belgrad: Die Polizei verbietet die Veröffentlichung von Mitteilungen über die Bewegungen der Truppen. Die Mobi­lisierung wird wahrscheinlich in 24 Stunden ihren An­fang nehmen. Die Blätter behaupten, der serbische Ge­sandte in der Türkei wäre bereits von Konstan­tinopel nach Belgrad abgereist. Die Vordere i-

Weife betrieben.

Belgrad, 1. Oft. Heute vormittag ist in der Stadt eine ersichtliche Beruhigung eingetreten. Die Mo­bilisierungsmaßnahmen wickeln sich in voller Ruhe und Ordnung ab. Ter Geschäftsverkehr ist gänzlich zum Still­stand gekommen. Die Proklamierung eines Moratoriums soll bevorstehen. Für die journalistische Bericht­erstattung nach dem Ausland ist die Z e n s u r eingeführt worden. Die Einrückung der Wehrpflichtigen geht glatt vor sich. In den Straßen wurden vonderJugend.Kund gedungen gegen die Türkei veranstaltet. Gestern wurden vor dem Palais des Königs, der russischen, der englischen und der bulgarischen Gesandtschaft und vor dem .Kriegsministerium Kundgebungen dargebracht. Wie verlautet, wird der Kriegsminister General Tatnik zum Generalstabschef und der pensionierte General Atanz- k o n i g zum Kriegsminister ernannt werden. Man entartet die Reaktivierung von zahlreichen pensionierten Offizieren und die Begnadigung wegen militärischer und politischer Delikte verurteilter Personen.

In serbischen Regierungskreisen erklärt man, daß Ser^ bien von der Türkei die Autonomie für Altserbien mit Ein schluß des Sandschaks Nowibazar und Skutari bis an die Adria fordere, da nur hierdurch dauernd friedliche Zu­stände in der Türkei geschaffen werden.

Die Mobilisierung der Türkei.

Konstantinopel, 1. Oft. Der Ministerrat hat beschlossen, die Forderung der Durchfuhr serbi­schen Kriegsmaterials zurückzuweisen.

Konstantinopel, 1. Oft. Ein f^rahe sanktioniert den noch nicht veröffentlichten Ministerratsbefchluß, welcher die Mobilisierung der ganzen türkischen Ar­mee anor'onet. Ausgenommen 'habon sind nur einige ana- tolische Einheiten an der russischen Grenze.

General Abdullah Pascha ist zum Genera­lissimus der türkischen Armee ernannt worden. Der Warenverkehr auf den Eisenbahnen nach Serbien und Bulgarien ist unterbrochen, da Serbien und Bulgarien das rollende Material reguliert haben. Der Personenverkehr wird dagegen noch aufrecht erhalten.

Die Stimmung in Konstantinopel.

TieNeue Freie Presse" meldet aus Konstantii- nopel: Die hiesige nichttürkische Welt setzt noch schwache Friedenshoffnungen auf den Einfluß der Großmächte, dagegen ist die türkische Bevölke­rung auf die nahe bevorstehende Krieglserklärung gefaßt und hat auf die Schlagfertigkeit der Armee unbedingtes Vertrauen. Die Ruhe unter der Bevölkerung der Hauptstadt ist trotz aller Kenntnis der kritischen Lage musterhaft.

Die alarmierenden Nachrichten vom Balkan wurden in Konstantinopel Montags am späten Abend bekannt. Der Tag verlief ruhig und nichts deutete auf der Pforte darauf hin, daß sich berartige Ereignisse vollziehen. Mit Aus­nahme eines aus den Ministern des Krieges, der Marine, des Innern und der Finanzen zusammengefetztenAusschusses der igr Kriegsministerium tagte, wurde kein Ministerrat auf der Pforte abgehalten. Der Großwesir selbst verließ die Pforte früher als gewöhnlich. Die offiziellen türkischen Streife bewahren absolutes Stillschweigen.

Die türkischen Blätter beschränken sich darauf, die Depeschen der verschiedenen Ageniuren ohne Kommentar zu veröffentlichen. General Abdullah Pascha wurde zum

Nr. 252 Erster Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 2. Moder 1912

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