Zweites Blatt
162. Jahrgang
v. ISO
Erscheint täglich mit Au-nahme des Sonntag«.
gemacht hat, ist verhaftet ivorbcn.
städt bestellt.
Mitteilungen.
Tie Firma Mannesmann
Dank ^tengeleg^ “ und Fran.
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noch eintreffend.
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»ernivr. 231
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Die „Gießener LmnillenblStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da« '.Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „candwirijchastllchen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
wenn sich in den Greifen der deutschen Handlungsgehilfet« der Grundsatz Bahp gebrochen hat, nicht mehr gegen gar keine oder nur ganz geringe Vergütung im Auslände tätig zu sein
icn Vorgängen vor der Stadt er Hörden nickt, für die S i ch c r '
Redaktion, Expedition und Druckerei: Sdjul- slraste 7. Expedition und Verlag: e*# 51.
Redaktion: 12. Del.-Adru AnzeigerVießen.
Kreisveterinärarzt Tr. Knell bat im Anschluß an die Verhandlungen über die Biehmarktplatzfragc mitgelnlt, daß er bie Insel lcineSwegs als idealen Viehmarktplatz bezeichnet habe. Er habe gesagt, daß ein Bedenken gegen den Platz nicht bestehe und wohl auch von anderer Seite kein Bedenken dagegen er hoben werde. Der Platz bei der Margarelhcnhütte sei besser.
gtabtü. 2 ober halt die Wahl der Intel für verfehlt. Tw Sacke werde dort wohl auf eine Viertel Million kommen.
Nach einem Schreiben der W i e s e ck c r G c m e t n d c v e r - w al tung bat der Gemeinderat den Verabredungen wegen der elektrischen Bahn zugestimmt. Danach bezahlt Wiesea in neben Jahresraten einen Zuschuß von 35 000 Mark und verzinst die noch nicht bezahlten Raten mit 4 Prozent. Tie erste Rate wird bei der Vetriebseröffnung bezahlt.
Stadtv. Helfrich fragt nach der Linienführung.
Ter Vorsitzende erwidert, es sei auch erwogen worden, die Bahn durch die Kornblurnengasse einzuführen, man sei aber davon abgekommen. Tie Straße eigne sich nickt dafür und m der Gießener Gemarkung müsse man dann mit 51 Grundbesitzern: unterhandeln. , ,,. _ .
Stadtv. Vetters bittet um baldige Inangriffnahme der $nI,$cT Vorsitzende bemerkt, von der Stadt aus werde dies geschehen, doch werde durch die Verhandlungen wegen der .Konzession, der Benutzung der Zkreisstraße und die ^dnenenhcjeruiig ber Beginn des Bahnbaues nicht vor dem nächsten Fruhfahr erfolgen können. „. . ,
Die Stadt hat vor einigen Monaten Einspruch gegen einen Bebauungsplan in Klein-Linden wegen der Straßenbreite erhoben. Aus Anfrage wurde jetzt mitgeteilt, daN das Ministerium den Einfpruch verworfen habe, weil es die vorgefehene Straßenbrcite für genügend halte.
Die Kriegervereine laden die Mitglieder der Versammlung zu ihrem am'17. August in Steins Garten stattfindendeti Gra» velottekommcrs ein.
Ter Landesverband der städtischen Beamten vereine in Dessen ist schriftlich um Gehaltserhöhung eingekommen.
Ter Vorsitzende gibt noch Kenntnis von einem Antrag des Stadtv. Simon wegen Straßenausbau.
Baugesuche ulw.
Ein Gesuch des 9L Michel um Genehmigung zur Erricht timg einer Waschküche in Fachwerk, Walltorstraße 29, wird be- ^^Ein Baugesuch von Fr. W ö r n e r für die Krosdorfer Straße 13 gab Veranlassung, wegen der Mtretnng von Slrauenlai!) zu
Srcitag, 2. August 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fchen Universität« - Buch- und Steiudnickerei.
9L Lange, Gießen.
Hüte W KS1 hüteaU-AAnur
ZUH PU- i & Cie*
£?ccr rind Flotte.
Das erste mit Turbinen ausgerüstete deutsche Linienschiff.
Kiel, 1. Aug. Das erste mit Turbinen aus- gerüstete Linienschiff der deutschen Marine, „Maücr", wurde heute vormittag auf der kaiserlichen Werft mit einer Flottenparade in Dienst gestellt
Uebnogsfahrt eine» franzostschrn Unterseebootes.
Paris, 1. Aug. Tas Unterseeboot „Bru maire" ist soeben von einer Uebungsfahrt, die cs von Cherbourg über Dünkirchen nach Bordeaur und zurück unternommen hatte, im Hasen von Cherbourg wieder cin^etrosfen. Tie Fahrt von Cherbourg nach Bordeaux, 800 Seemeilen, wurde mit einer Gesckstvindigkiit von 12 Knoten in 72 -shin* den bei schönem Wetter zurückqelegt, während die Rückfahrt wegen schlechten Wetters länger dauerte. Tie ganze Hebung wurde ohne jeden Unfall ausgeführt.
Tas verschwinden Des vcuischen Gpitz in MaroNo.
Casablanca, 1. Aug. Tie Firma Mannesmann erklärt, die L e i ch e v o n O PiV fei noch nicht gefunden, aber sein Maultier sei in Marrakesch aufgefundcn worden Man wisse nicht, ob Opitz gefangen gel)al1en werde
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5 Hui na -er Stn-tveror-neten.
Gießen, 1. August.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: die Beigeordneten Keller und Grünewald: die Stadtverordneten Tr. Ebel, Eichenauer, ftaber, Habenickt, Heichelheim, Helfrich, Selm, Huhn, Zaun. Loder, Loos, Crbig, Petri, Schafiftäbt, Troß, llrftabt, Vetters, Wallenfels, Tr Wimmenauer, Winn . _ , £c
Zu llrkunbspersonen werden die Stadtv. Fann und Schaff
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ewo,e tlfinde'-
man aus dem Bericht des deutscken Konsuls einen ganz neben äd) lief) en Umstand — wenigstens für Kenner der Verhält- nisse — in die Welt telegraphiert, welcher den französischen und marokkanischen Behörden jetzt eine schöne Waffe in die Hanb gibt, jede Verantwortung von sich zu weisen. Man hat cs merkwürdigerweise im Auswärtigen Amt für nötig befunden, ganz besonders zu betonen, mein Bruder sei vor Ritten in die Um lebung gewarnt worden. Man muß wissen, was für eine Bewandtnis es mit diesen „Warnungen" in Marrakesch und im übrigen Marokko hat. Ick war selbst mit meinem Bruder in verschiedenen Städten Marokkos, und Warnungen bilden dort das Tagesgespräch Wollte man alle diese Ratschläge von berufener und nickt berufener Seile befolgen, so würde man ba$ 2eben eines Sklaven führen. Heute wird getan, als ob mein Bruder eine schone offizielle Warnung erhalten hätte. Nach meinen Erfahrungen hat er wahrfäicinlich wieder den Konsulatssekretar ober einen anderen Bekannten auf seinem Ritt getrauen, der
politische Tagesschau.
Deutsche Hanblungtzlgehilstn in ber Schweiz.
Von der großen Zahl ber deutschen Handlungsgehilfen, die alljährlich ins Ausland gehen, lenkt ein beträchtlicher Teil seine Sdjritte nach der Schweiz. Mit Recht hofft manck-er, der das Sckstveizerlaud auffuchl, schnell eine (Stcl- lunq zu finden, denn die Zahl der deutschen Firmen in der Schweiz, die ja in erster Linie deutsche Gehilfen beschäftigen, ist ziemlich groß«. Von großem Interesse ist es dahier für weitere Greife, über ArbettSverhältnisse und Lebensbedingungen in der Scksweiz näheres zu ersahlren. Hierüber bringen die „Vcrbandsblätter", das Organ des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig, bemerkenswerte Mitteilungen. So wird dargelegt, daß sich die Aussichten für die jungen deutschen Kaufleute in den letzten Jahren sehr verschlechtert haben.
Es ist in der Schweiz jetzt allgemein üblich, das; die Firmen eine zn-ei- bis dreimonatliche Probezeit vereinbaren. Jeder Prinzipal kann eine beliebig lange Probezeit mit seinem Angestellteii vereinbaren. Ein Krebsschaden ist das Volontärwesen. Gegen geringe Bezahlung bieten sich junge Leute zu Hunderten an, und das für 60 biö 70 Franken, eine Summe, die noch nicht einmal der Ent- sckmdigung eines Tagelöhners entspricht. In den Fremdenzentren der Schweiz liegen die Verhältnisse besonders ungünstig für die Gehilfen. Der Preis der Lebensmittel ist hier in den letzten zehn Jahren ganz gewaltig gestiegen, dabei sind die Gehälter der Gehilfen nur wenig oder gar nicht gestiegen. In Luzern, Genf und anderen bekannten Plätzen muß man für Pension und Zimmer zum aller- mindesten 90 bis 100 Franken bei bescheidenen Ansprüchen anlegen. Man sagt, daß in der Schweiz ein Frank geradeso viel gelte als in Deutschland eine Mark. Tatsächlich stellt er nur den Wert eines Franken dar. Die Erhöhung des Gehalts geht recht langsam vor sich, und ehe man einmal das Gehalt hat, das man als 19- bis 20jähriger junger Mann in Teutschland erhält, vergehen Jahre.
Freilich findet man auch einige Vorteile. Bei den Eidgenossen arbeitet man nicht so intensiv, es geht alles gemütlicher zu. Das Treiben und Hasten wie in Teutschland oder wie in größerem Maße in England findet man hier noch nicht in dem Umfang. Auch in gesundheitlicher Bc Ziehung bieten sich große Vorteile in den einzelnen Teilen ^e* Landes. Die geschilderten ungünstigen Gehaltsver- Halinisse werden sich in der Scksweiz erst dann ändern,
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Eine neue Methode der KrcbsbchanNung.
Aus Stuttgart wird unterni 31. Juli berichtet: Ter bitrttembergische Arzt Tr Adolf Zeller in Weilheim- keck, der, wie schon kürzlich envähnt wurde, mit einer .tuen Methode der Krebsbehandlung horvorgelrcteii ist, iefltc auf einer in Weilheim-Teck abgehaltenen Konferenz ».'kvorragender Aerzte, darunter Geheimrat Czerny (Heidel- L-rq > und Obermedizinalrat Tr. Sckseuerlen als Vertreter
Kgl. württembergischcn Mcd iziiial kollegmms, die Krebv- l.infcii vor, die er nach seiner Methode — ohne Pc *; iatioii — behandelt hat. Im ganzen hat Dr. peucr 5; Krebskranke ambulatorisch behandelt, von denen 4t gc- Milt wurden: 10 sind noch in Behandlung: drei sind gc- IWorben. Unter den Geheilten befinden sich solche, die vor- Mcr schon zwei- und dreimal operiert worden waren, und ludere die als inoperabel von den Chirurgen zuruckge- dicsen worden roaren. Zu dieser neuen Methode ber ope- utionslosen Krebsheilung äußerte sich santtatsrat »r I Weinberg (Stuttgart , ber als Vertreter des warttem Kraischeu Landeskomitees fiir Krebsforschung der Aerztr- I Inferenz anwohnte, in der württemberglschen Pressekorre- ikondenz folgenbermaßeii: .,. ,,,
Gewisse vorläufige Erfolge mit ber Methode "nd nicht zu Wonnen. Es handelt fick bei dem Verfahren um »ne Korn Hnatiou von zwei Methoden, wovon die eine, di«: die wirkamer -nn dürfte, die Weiterbildung einer bekannten a teren Method baritdli, während es bei der anderen noch zweiulhatt ist, ob I ileihaupl dabei Einfluß hat. ES ist anzuerkennen, datz bei Jun krebsen und auch bei einzelnen Brust- und EKbarmutter- klchsen eine Vernarbung erzielt wurde, bie man °ls beachtenswnl 1 betrachten hat. Es ist aber nicht möglich der einmaligen Vorstellung der PatieMen zu beurteilen ob der Enolg dauernd jlriben wird, denn eine Heilung ist erst dann anzuer nnem wenn eint Beobacktungsdauer von fünf Jahren ohne Ruckfalle verstrichen 8t. Dagegen, daß Versuche mit dem.Mutel bei fallen unter immen werden, die nicht operabel stick, latzt sich, mc^ <nn rvTben. Bei Fällen jedoch, in denen die ^rurgnä^ Behänd Ling frühzeitig genug einzufetzen in ber ~agc ilt, wate e* biuetlidi, wenn sich die Kranken durch eine vorlaung jedenfalls roch nicht berechtigte Hoffnung auf dauernde
CfKration abhalten ließen. Es darf auch Nicht oerfchnnegen
Vie £cbcn$haltunq unserer Arbeiter.
Mit dem Verhältnis zwischen dem Lohneinkommen und Lebenshaltung ber beutschen Arbeiter besckmftigt sich lrne Schrift bes „Vereins für Sozialpolitik". Sie ist von .istav Bruper versaßt uiib hat den Titel: „Die Ver tluerung der Lebensmittel in Berlin im Laufe der letzten .veißig Jahre und ihre Bedeutung für den Berliner Ar- beiierhaushalt" (Duncker u Humblot). Brutzer gelangt darin zu folgendem Ergebnis:
„Der Wochenverdienst der ungelernten Arbeiter ist im Durchschnitt von 18—20 Mark 1897 auf 22—27 Mark 1910 ^stiegen: zum mindesten in demselben Verhältnis sind V? Löhne der gelernten Arbeiter höher geworden Tie Frtcucrunfl Hes Lebens durch die Nahrungsmittel beträgt Bad) meiner Zusammenstellung 90—99 Mark, wenn man H teuerste Jahr 1909 mit oen Jahrzehntdurchschnitten WO—1889 und 1890—1899 vergleicht Sie ist durch eine Erhöhung des Wochenlohns um 2 Mark, des Stunden- iohnS um 4—5 Pfg. ausgeglichen. Diese Steigerung ist überaH eingetreten, oft, um nicht zu sagen meistens, weil überschritten worden . . . Zieht man allerdings in Bestacht, daß auch die Mieten gestiegen sind, daß der Staat, bk Partei usw. größere Gelbsorberungen an bie Arbeiter stellen als früher, so zeigt sich, baß bas für ein mäßiges Fuökommen einer vierlöpfigen Familie erforberliche Ein- kvinmen von 1500 Mark von bem größten Teil ber ungelernten Arbeiter heute durch den Lohn allein noch nicht gedeckt wirb, baß auch der gelernte Arbeiter durchschnitt- lid) nur bei gplistigen Arbeitsverhältnissen einen solchen ^hresverbienst hat. Immerhin wirb jene Summe jetzt von einer größeren Zahl von Arbeiterlohneinkommen erricht unb überschritten, als im zweiten Jahrzehnt bie von 1 00 Mark, im ersten von 1200 Mark. Insofern kann man and) von einer Hebung ber Lebenshaltung sprechen. Dabei bars jebocki nicht vergessen werben, baß die Zahlen 1500, 1300 unb 1200 zu ihrer Zeit immer nur ein mäßiges Auskommen für eine dierföpfige Familie bedeuten .... «ndererseits ist aber doch viel geschehen, um das Ein kommen des Arbeiters gleichmäßiger unb sicherer zu gcftaltcn, itofi Umftänbc, bie mindestens denselben Wert haben, wie die Erhöhung ber Löhne. Vergegenwärtigt man sich alles, Vas in ben letzten 30 Jahren zur Sicherung bes Lebensunterhalts der Arbeiter geschehen ist, unb denkt man durch, Bkif alles zur Vervollkommnung dieses Ziels noch in Vor bciTitung ober in anssichtsvollen Anfängen liegt, so kann man . . . nicht pessimistisch in die Zukunft der Arbeiter- Waft sehen." , ..
Diese durchaus nüchternen Darlegungen, wie auch die kohlen, die sicherlich recht vorsichttg gegriffen sind, zeigen licherum, daß der deutsche Arbeiter, wenn auch langsam, so bot stetig seine Lebenshalwng verbessert. - - —-------- ~~
ihm ein bißchen von verschieden zählte. Das entbindet die Bel,------
beit der Europäer zu sorgen, bie ohne etwas Bewegung dort gar nicht leben konnten. Wenigstens im Umkreise von einer halben Stunde um eine Stadt von 70 000 Einwohnern mich en die marokkanifchen und französischen Behördeii, zumindest in Zeiten, wo die ärgsten Unruhen vorüber waren wie jetzt, das Leben der Fremden garantieren können. Sonst müssen sie es machen wie in Agadir, wo mein Bruder unb ich und jeder Europäer auf Spazierritten eine militäriscke Eskorte mitbekam."
An eine Wiedcraufsindung des Verschivundenen gloypt Herr Opitz nicht. Ein Eingeborener, der sich verdächtig
vor. E-5 bnibch sich um bie chinesische Prinzessin Der Liny> eine Hofdame der verstorbenen Kaiserin von China, Tiufi, bie ihre Lebenserinnerungen soeben veröffentlicht hat. Nach einem Bericht, den bie „Revue Bleue" von dem Buche gibt, hat die Prinzessin sehr viel Interessantes vom chinesischen Scan er hon* ausgezeichnet. Tie Kaiserin, mit der sie fast ständig zusamm.n war, stehl dabei natürlich im Mittelpunkte. Tie Hofdame charakterisiert sie als eine „seltsame Mischung von Güte und grausamer Ungeduld, von J-eiwühligkeit und Grobheit unb großer Ummnen- beit, die auf ihre hohe Stellung unb ihre Jiolieruni znruck- zuführen war." Sie soll keinen anderen Ehrgeiz gehabt haben, als ben, China zum Range einer Großmacht zu erheben, unb da ihr bies nicht gelang, erlebte sie bie bittersten Enttäuschungen. Sie klagte bann darüber, daß auf ihren Schultern die ganze Last der Regierung ruhe, daß sic aber nichts ausrichten könne, weil bie Männer ihrer Umgebung bie Früchte ihrer An'trengungen einheimsten. Sie gestand freimütig zu, daß es kaiserliche ^rben für Boxer, die gegen Europäer kämpften, gäbe, beitritt aber, selber welche verliehen zu haben. Gegen bie Fremben hatte sie an sich keine Abneigung, sondern fürchtete sie und noch mehr ihre Religion Sie wollte, China solle so bleiben, wie es war, und nur mächtiger werden, und sie glaubte, sie sei imstande, das zu erreichen, denn sie hielt sich, wie sie der Prinzessin selbst entmal erklärte, für die „einsichtigste Frau, die je gelebt hat". Lte verglich sich z. B. mit der Königin Viktoria von England, indem sie sagte: „Obwohl ich viel von der Königin Viltona habe sprechen hören, und obwohl ich eine Uebersetzung ihrer Biographie gelesen habe, scheint mir ihr Leben nicht so anziehend und ereignisreich wie meins."
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. In dem Städtchen St. Amand in ber Nähe von Bourges fand ber Maire auf einem zum Rathaus gehörigen Speicher ein Gemälde, welches Leonardo da Vinci oder seinem Schüler Andreas Solar io zugeschrieben wird. Es handelt sich um ein Porträt des Herzogs Karl von Amboise. — Zum Rektor ber Universität Berlin ist für das Studienjahr 1912/13 ber ordentliche Professor der Theologie Gra, Baudissin gewählt worden. — Eine Anzahl Kunstfreunde in Berlin sammelte aus Llnlaß des vierzigjährigen Jubiläums des Generaldirektors ber Museen Bode, der 1875 in den Dienst der preußischen Kunstsammlungen trat, Geldmittel, die Bode zu Erwerbungen und Sammlungen zur freien Verfügung gestellt werden sollen.
Wer ermordet sei.
Ein Mitarbeiter des „Bert. Tgbl." hatte Gelegenheit, den Bruder des aus Marrakesch verschwundenen Teutschen kpitz, Herrn Erich Opitz, zu sprechen. Herr Opitz, der jchlbsc mehrere Monate mit seinem Bruder in Marokko gelebt, teilte noch folgendes mit:
Die Meldung, die sich in verschiedenen Blattern fand, bie kusche Regierung habe Schadenersatzansprüche an die freu öiifdu- beziehungsweise marokkanische gestellt, ist unrichtig Jic Absicht, derartige Ansprüche zu stellen, besteht, so rote sie icd> den Versteuerungen des Llliswärtigen Amtes in icbcm Falle Solchen wird, in dem ein Deutscher in Marokko schaden lecket, i gälte, die sich in letzter Zeit leider sehr gehäust haben. Aber i k; Schaden muß zunächst erwiesen sein, und darüber sollen w Untersuchung, die gegenwärtig durch den deutschen und sran- kiifdicn Konsul in Tanger geführt wird, sowie die ungebahnten Verhandln ngen i n PariS Ausschluß geben. Lecker hat
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
werden, daß die Behandlung keineswegs schmerzlos ist, lange Zeit und viel Geduld in Anspruch nimmt. Eine Einwirkung des | gellerschen Mittels ist übrigens nur in Fällen möglich, in denen bereit* ein Ausbruch der Krebsknoten erfolgt ist. Also gerade die günstigsten Fälle eignen sich nicht für die Behandlung mit demselben. Ein ausfülirlicher Bericht über die Aerztekomerenz wird dem württembergischen Landeskomltee für Krebsforichimg vorgelegt werden. Zusammens'afsend ist über die Methode -ir. QcHerä hervorzulieben, daß der Erfolg vorläufig noch m keiner Weise spruchreif ist. Es wäre, zumal im Hinblick aus bie ver- dienstvollen Bemühungen des Herrn Tr. Zeller, autzerorbentlich zu bedauern, wenn unbered)tigte Hoffnungen beim Publikum erweckt worden wären. Der Sache selbst wäre damit am aller- ivenigsten gedient. ,
Tr. Adolf Zeller, der glückliche Erfinder des neuen Heilverfahrens, teilte der „Neuen Bad. Lcrndesztg." mit, daß sich Geheimrat Czerny, der ja der Vorführung der Versuche beiwohnte, sehr erfreut über die Erfolge ausge» sprachen habe. Geheimrat Czerny besah sich 34 Geheilte und 10 in guter Heilung begriffene Patienten und versprach, zu einer Abhandlung Dr. Zellers über ->7 zprebs» fälle, von denen 44 ganz geheilt sind, 10 noch in Behandlung stehen und nur 3 gestorben sind, das Vorwort zu schreiben. e
— DieScklangen v on Schlangenbad. Man schreibt der „Frks. Ztg." aus Scklangeübad: Tie hiesige Lrts- polize'ibehörde hat eine Verfügung erlassen, wonach bas Fangen unb Töten ber nicht giftigen Schlangen bei strafe verboten ist. Tiefe Verfügung bezweckt hauptsächlich, die schlänge zu schützen, der unser Bad seinen Narneii verdankt. Es ist dies bie <-ckwal- bacber Natter, auch Aeskulapnater «Coluber flavescens- genannt. Sic ist zweifelsohne die febönfte und auch wohl die größte schlänge Teutscklands unb kommt, von der Schweiz abgesehen, fast nur in der Umgegend von Schlangenbad vor. Sie hält sich vornehmlich in Mauern, Stembrüchen ufro. auf, erklettert mit Leichtigkeit Bäume und nährt sich von Mäusen unb Maulwürfen: sie soll sich sogar an Ratten und Wiesel heranwagen. Das Reptil ist durchaus harmlos und unschädlich-
lkf.1 Eine chinesische Prinzessin als Schrift» stelle rin. Daß Fürsten Bücher schreiben, m bei uns leit langem feine Seltenheit mehr: daß eine chinesische Prinzessin ,-doch ein Buch veröffentlicht, kommt wohl letzt zum erstenmal


