Ausgabe 
2.5.1912 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

In

iho

i

selbsttätige chmittel.

i, nur waschen in band- Slllauge von 30-40*.

Waschzusätze nehmen.

; ist vollkommen, das bleibt locker die Wäsche wird gleich- g desinlizierl

-i u. gelobt!

ilpnketen, niemals Ion CO., DÜSSELDORF, nten auch der allbeliebte

tzunnaria der römischen centuria der Hundertschaft genau ebenso wie das Zahlwort Huno = Hnnoert dem lateimiüjen centum und der altdeutsche Hunno, der an der Spitze der Hundertschaft steht, dem römischen centurw in seiner nnmungtichen Stellung als Leiter der centuria entspricht. <

Bereinigung für Krüppel für sorge statt.

Eine stürmische Sitzung öcr baqrrischen Kammer.

München, 1. 9;iai. Beim Schlüsse der heutigen Sitzung in der Kammer der Abgeordneten gab es erregte Auftritte. Als der Abg. Quid de (Hb.) um 2' > Uhr einen Antrag auf Vertagung stellte, erklärte der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Abg. Lcrno, das; das Zentrum die Besprechung der Iesuitenintcrpellation Heute beendi­gen wolle. Es entspann sich eine lange Ailssprache über die Geschäftsordnung, in deren Verlaus die Avgeordneten Timm (Soz.) und Hübsch (üb.) dem Zentrum Vcr > gcwaltigung der Minorität n n b Unanstän- digkeit vorwarfcn. Sie erhielten dafür Ordnungs rufe . Schließlich arteten die Lärmszenen derart aus, daß der Vizepräsident Frank sich genötigt sah, die Sitzung für geschlossen zu erklären Tie Linke nahm diese Er­klärung mit stürmischem Beifall auf.

aber überflüssig, sobald der Weltfriede dauernd garantiert wäre. Herr Bebel weiß es, daß dem nicht so ist. S-o lange aber solche Gefahren noch bestehen, ist die beste Gestaltung und Ausrüstung unserer Wehrkraft gerade ge­nug. Einen unparteiischen Richter für das Gebiet der Welt- händel gibt es mcht. Und der Wille einer Majorität garan­tiert auch noch kein sittliches Reckt. Ter Wahlmodus für das Kollegium der Weltrichter wurde am Ende noch schwie­riger zu finden sein als die praktisch mögliche Lösung der preußischen Wahlrechtsfrage.

Die Maifeier.

Zur Maifeier fanden in Groß-Berlin gegen 80 gewerkschaftliche Versammlungen statt, davon in Berlin selbst 40. Von den auf den Bauten beschäftigten Maurern ist die Mehrzahl auf den Arbeitsstätten erschienen: in den großen Metallsabriken arbeitete fast die gesamte Arbeiter- ftfjaft. .

"eipzig , 1. Mai. Tic sozialdemokratische M a t- feie r, bestehend aus gemeinschaftlichem Spaziergang und Massenversammlungen, verlief bei einer Teilnahme von 20 000 Personen ohne Störung.

Paris, 1. Mai. Tic Zahl der heute in Paris Feiernden ist ziemlich groß, jedoch in der Provinz, hauptsächlich in den Arsenalen sowie Bergwerkszemren des nördlichen Frankreichs sehr gering. Mehrere Umzüge und Versammlungen wurden veranstaltet, es kam jedoch zu keinem Zwischenfall.

Dresden wurde in Gegenwart des Königs, des Prinzen Johann Georg, der Prinzessin Mathilde und der Spitzen der staotlschen Behörden die große K u n st a n s st e l l u n g 1912 feierlich er­öffnet. Strindbergs Befinden hat sich verschlech­tert. Es ist wahrscheinlich eine neue Eperation notwendig. Der Patient wird beständig schwacher: es ist ihm unmöglich, Nahrung zu sich zu nehmen. Die Angehörigen sind am Krankenlager versammelt. T t e erste deutsche Expedi­tion nach Neukamerun, den von Frankreich abgetretenen Distrikten im Kongogebiet, wird von der Deutschen Mokmiaü gesellschast entsandt werden, um sowohl die wissenschaftlichen wie auch die wirtschaftlichen Verhältnisse zu untersuchen. Mit der Führung wird Major a. A, Lang Held beauftragt.

Eintvertvollerrnusilhi statisch erFund. Einen Fund, der für die musikgeschichtliche ErforschungdcrLuther- z e i t von Bedeutung ist, hat Tr. Engelke in Magdeburg gemacht. Engelke hat ein Heft kanonischer Jnstritmentalistik von Luthers gutem Freund Johann Walther (f 1570 in Torgau- aufgespürt. Das Heft stellt das erste beglaubigte Exemplar für Streich- oder Blasmusik aus jener Zeit dar und ist bedeutsam für die Beurteilung der vielen textlos überlieferten Stücke, die bisher für Bokalwerke gehalten wurden.

Allgemeine deutsche K u n st g c n o s s e n s ch a f t. Heute mittag wurde in Hannover feierlichst die große Kunstaus­stellung der allgemeinen deutschen Kunilgenossenschast eröffnet. Hannover sieht, wohl mit Recht, in der Veranstaltung ein für- fein Kunst- wie sein Verkehrsleben hochwichtiges Ereignis. Die Stadt hat sich einen gewissen Festschmuck geleistet, der den er warteten Fremden gilt, und im Hoftheater rüstet man zu den großenFestspielen", die -um notwendigen Frühlingsereignis jeder Stadt werden zu wollen scheinen, die etwas auf sich hält. Was die Ausstellung selbst anbelangt, so entspricht sie durchaus den hiesigen Wünschen und Gewohnheiten: sie ist gediegen, auf künst­lerischer Höhe, zumal für den Laien von bildendem Wert in ihrer Lielfeitigkeit, aber ohne die Aufregung irgend einer Sensation ohne Leckerbissen für besondere Kennerschaft. Ter Plastik ist erfreulicherweise viel Raum gewährt. Alles in allem eine Ver anstaltung ohne die Möglichkeit starker, geschlossener Eindrücke, aber doch eine solche von großer Nützlichkeit, zumal für Hannover.

Kurze N a et) r i ch t e n aus Kunst und Wnien- schäft. In der Pfingstwoche, Mittwoch, 29. Mai, findet unter dem Vorsitze von Professor Tr. F. Lange in München im alten Rathaussaale der zweite Kongreß der Deutschen

Die W.edereröffnung der Dardanellen.

Konstantinopel, 1. Mai Ter Ministerrat hat beschlossen, die Durch fahrt durch die Darda­nellen wieder zu öffnen, unter der Bedingung, daß die Pforte fiep das Recht vorbehält, sic wieder zu schließen, wenn es sich als notwendig Herausstellen sollte und die Schiffe streng die früheren Vorschriften über die Benutzung von Lotsen befolgen. Eine entsprechende Note wird den fremden Vertretern übermittelt werden. Ta zur Ausfischung der Minen in den Dardanellen eine gewisse Zeit erforderlich ist, dürfte die Freigabe der Schiff­fahrt erst nach drei Tagen etwa möglich sein.

Wieder em Angriff bei Terna.

Rom, 1. Mai. Die Agencia Stefani meldet aus Der na: Heute früh eröffneten einige feindliche Abtei-

Die blinden Hessen.

Bon Professor Tr. K. Stuhl (Würzburg).

Wenn in dem untersränkischen, dem Lande der Hessen be­nachbarten Teile des alten Grabfeldgaues ein Kind des Volkes etwas nicht sieht, was ihm vor den Augen liegt, dann hört es ivohl aus dem Munde seiner Mutter die Worte:Siehst du es nicht? Da liegt es ja, du blinder Hesse!"

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich, der ich als Knabe oftmals selbst ein solchblinder Hesse" gewesen bin, die Frage nach dem Ursprünge dieser merkwürdigen Redensart. Da las ich, was Vilmar in seinem Idiotikon von >purhessen unter dem Bei- fcorte blind bemerkt hat, über diesedem Hessenstamme zu- dewiesene Bezeichnung, welche derselbe mit_ weit größerer Be- nimmtheit trägt als der Volksstamm der Schwaben", und nun will es mich bedünken, als sei ich der Lösung des Rätsels auf die Spur gekommen. Mögen die Gelehrten des Hessenlandes die Erklärung, die ich im folgenden gebe, prüfen und entweder billigen ober durch stichhaltige Gründe widerlegen und durch eine andere, bessere ersetzen!

Nach Vilmar also hießen die Hessen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts niemals schlechtweg ,fblinbe Hessen", wie jetzt, ionbernblinbe £> unbe" oberblinde Hundehessen", so sagt Hans Sachs:Tie Hessen engst (neckt) man mit den Hunden"; ein Beleg für das zweite findet sich bei Lüntze 1, bild es heimische Stiftssehde S. 36 u. a. St. iVilmar).

Es kommt mithin die Blindheit eigentlich den Hunden zu, mit denen man noch zur Zeit des vans Sachs bte Hessenängstigte" ober foppte, eine Bezeichnung, die dann wegen ihrer scheinbaren khrenrührigkrit unterdrückt wurde und schließlich ganz in Vergessen­heit geriet.

Wie aber kommen die wegen ihrer Tapferkeit und Kriegstüchtig- kit schon von Tacitus vor allen anderen deutschen Volksstämmen serühmten Hessen ober Chatten zu dieser selt,amen Benennung? 3 Sfl es wirklich so, wie I. Grimm in seiner deutschen Mythologie, 6. 345, anbeutet und in seiner Geschichte der deutschen Sprache, 6. 566, weiter ausführt, daß die Bezeichnung der Hessen als bunbe, blinbe Hunde auf eine uralte mythologische Stammsage iurückzufuhren ist, nach welcher der Stammesahnherr der Hessen ritt» Schwaben entweder, der Sage von den ,Merowingern und dem Lchwanenrllter entsprechend, von einem Hunde stamme ober, hit bie spätere, gemiiebrte Sage von den Weisen 0. i. jungen Hunden überliefen, als Neugeborener für einen blinden Hund aus gegeben worden sei?

Daß mit dieser Annahme der Ursprung der Bezeichnung keines- wezs erklärt ist, liegt auf der Hand. Sie geht vielmehr zurück citi eine sogenannte Volksetymologie d. i. Falschdeutung -'s Volkes, die durch das lautliche Zusammenfällen einer uralten tfinnenung der Hessen und Schivaocn mir dem Warnen des Hundes c-.ianlaßt wurde. Diese Benennung aber leitet sich her von der

rsil

H under tzahl, bie im Althochdeutschen und anderen gerrna-1 nisck-en Mundarten außer der gewöhnlichen zusammengesetzten Wort­form auch einfach Hunt oder Hund hieß. Dieses Wort aber ist dasselbe wie das lateinische centum, griechische Katon (in He-katon Einhundert) usw. und war von Haus aus kein Zahlwort mit einem bestimmten Zahlwerte, sondern ein dem deut­schen Kind und lateinischen Wortstamme g e n t, das in der Mehr­heit genti i_centi) auch in den Zusammensetzungen guin-genti usw. erscheint, sinngleicher Ausdruck mit der ursprünglichen Bedeutung Nachkommenschaft, Volk, Stamm.

In der älteren Lautform tu nb liegt es in den nordgerma­nische n Sprachen in Zusammensetzungen wie gotisch himina- tunb(S) (vom Himmel stammend), oinakunds (weiblichen Geschlech­tes) vor, in der nod) älteren Lautstufe ig u n b verbirgt es sich in dem Namen der Burgunder. Bur-gundi oder Bur-genda ogl. Burgendaland, jetzt Bornholm), auch Burgundiones (Plinius) sind die Buren- oder Bauernvölker, die Nachbar­schaften. So heißen heutzutage noch bei den alemannischen Bewohnern des Schwarzwatoes die Bauernschaften Bure- Dölfli, d. i. die Bauernvölkchen. i

So war nun auch eine sehr verbreitete Benennung der Bauern­schaften und zwar sowohl der Bezirke oder "Marken, als auch der Bauerngeiwssenschaften selbst Hund schäft, Hond schäft, H o n n s ch a f t, H u n t a r i (d. i. wohl Hunt-hari Hund-Heer) oder Huntare, Hundere, auch H u n n a r i a, die sich nach G. L. v. Maurer (Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland 1. Bb., S. 106) im alten Franlenlanb, am Niederrhein, z. B. in ben Herzogrümem Geldern, Kleve, Jülich und Berg, in der Eifel, auf dem Hundsrück und in vielen kurkölnischen Aemtern bis auf unsere Tage erhellten hat. Auch in der Schweiz kommt der Name Hönni, b. h. Honne ober Honnschaft zuwellen vor und in Ale- mannien war der Ausbruck Huntari als Bezeichnung eines Gaues, Untergaues ober einer Cent, einer Hundertschaft ehemals sehr verbreitet.

Der Vorsteher einer solchen Honnschaft hieß Hunno, woraus an ber Saar unb an ber Mosel Honne ober Hunne, Hununb Hunb würbe. Als man bie wahre Bedeutung des Wortes nicht mehr verstand, ließ man in dem Hungerichte, das im Blieskasteler Amte noch im Lu. Jahryunoert genauen worben ist, ben Hun oder Gemeindevorsteher Drcimal^bcLen, als wenn er ein Hund wäre (v. Maurer, a. a. O. 2. Bb., S. 25).

Was Wunber also, wenn sowohl bie bem Frankenstamme zuge­hörigen Hessen als aucn die aiemannijajen Lcywaoen von ben anderen Stammen geneckt oder auch geschmäht wurden als bie blinben Hunbe, blinden Hundehessen, biinben Hessen ober blinden Schwaben, bie wie bie Huiide erst am zehnten Tage sehenb würben? Lo hat sich bas scheinbare SchmähwoN im Liane der Sprachge­schichte entpuppt als eine harmlose, jedoch in bie urältesten Zellen zurüafuhrende Soenennuitg; uiuipriuji uuu/, was ireuuy y^er nur turz angebeutet werden tann, ber erwoMic Ausdruck Huntari ober

Ri? hu

dieits lnhch gönstige ld d8ck« ««ine, fim ...

Wen- imituren JtidienmiM a.d.beieährtener^

Wächtersbach \ St eingut fa ff

empfiehlt preW*

W in

A vielseitiger

tittunjshu^ -

rur '

wasche

Interparlamentarischen Rate in seiner SitzungvomlO. Febr. dieses Jahres, die in Brüssel stattfand, zur Be­ratung vor. Niemals in der Tat hat die Union, solange sie besteht, bei Streitigkeiten, die zwischen ben Mächten ausbrachen, ein Urteil abgegeben ober sich gar als einen Gerichtshof betrachtet, dem die Entsck)eibung über den ausgebrochencn Konflikt zustande. Auch diesmal hat sie sich wohl gehütet, etwa einen an bie Adresse der italienifdjcn Regierung gerichteten Tadel auszusprechen: sie hat sich vielmehr nur -auf den Ausdruck des Bedauerns dar­über beschränkt, daß die Grundsätze so wenig beachtet worden sind, die einst zu ihrer Gründung geführt unb bie sich dann die Haager Monierenden von 1899 unb 1907 zu eigen gemacht haben. Daß die Union, dies tat, daß sie nicht stillscktweigend an dem Ereignis vorüberging, bas die ganze Kulturwelt erregte, war nicht nur ihr gutes Recht, sondern sogar ihre Pflicht, die sie in feinem Falle hätte versäumen dürfen, wollte sie nicht ihre ganze Existenz aufs Spiel seyen: niemand, der diese Frage ruhig und objektiv beurteilt, wirb darum die Haltung des Interparlamentarischen Nates tadeln können, der sich in feiner Sitzung vom 10. Februar dieses Jahres der Auffassung seines Präsidenten einmütig aw- schloß unb zugleich fein Bebauern darüber ausdrücktc, daß die italienischen Mitglieder der Sitzung fern geblieben waren.

Die Hoffnung, die ich in biefer Sitzung aussprach, daß auch unsere italienischen Freunde die Rickstigkeit dieses Stand­punktes anerkennen und nicht etwa durch ihren Austritt aus der Union, den sie für den Fall der Ablehnung ihres Antrages an» gekündigt hatten, der gemeinsamen Sache einen schweren Schlag versetzen würden, hat sich leider nicht erfüllt: durch Beschluß Dom 2 3. März erklärte die italienische Gruppe mit Bebauern, s i ch solange von der Union trennen z u müssen, als nicht ihrem Verlangen nach Aenderung ber Satzungen Genüge geschehen sei, unb ihr Präsident, Marquis Cappelli, teilte diese Entschließung mit einer ausführlichen Begründung dem Jntcr- parlameiitarifchcn Rate mit, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieser sie zu würdigen wissen werde.

Nun kann ick mich sehr gut in die Seele unserer italienischen Freunde versetzen, die in Uebcreinitimmung mit ihrer ganzen Nation die Besetzung von Tripolis als eine nationale Notwendig­keit betrachten, die allein das zuungunsten Italiens verschobene Politische Gleichgewicht im Mittelmeere dauernd wiederherzustellen vermöge. Aber war dieses Ziel nicht ebenso gut ober vielleicht weit besser auf frieblichem Wege zu erreichen? Konnte Italien seine berechtigten Ansprüche von einem internationalen Kongreß nicht mit demselben Erfolge durchsetzen, wie es einst Frankreich auf dem Berliner Kongreß von 1878 mit Bezug auf Tunis getan hatte? Ist es nicht noch in diesem Augenblicke gelungen, die wahrlich schwierige und verwickelte Marokkofrage zwischen Frank­reich und Deutschland zu beiderseitiger Befriedigung allein schon auf diplomatischem Wege zu löi'en? Und hat etwa der bisherige Verlauf des tripolitanischen Feldzuges den Beweis erbracht, daß die kriegerische Beilegung des Konfliktes für Italien die einzig mögliche und erfolgversprechende war?

Diese Krisis in ber interparlamentarischen Union gibt viel zu denken. Wenn alle Welt sich darüber einig jein würde, daß der Friede dauernd erhalten bleiben müsse, so würde es vielleicht irgend einer ehrgeizigen Regierung einfallen, den Frieden bennoef) zu brechen. Bei Italien waren es, wie Herr Eickhoff zugesteht, vaterländische Jn- teressen der Italiener. Er ist der Ansicht, daß diese In­teressen auch auf anderem Wege hätten durchgejeyt werden können. Sicher aber doch nur so, daß der schwächere Teil zum Nachgeben genötigt worden fein würde. Und wenn man die Türken über diese Friedensbestrebungen be­fragen würde, so würden sie wahrscheinlich mit vollem Rechte sagen: Das beste Mittel, seinem Lande den Frieden zu erhalten, ist eine ausreichende Rüstung. Selbst die Sozialdemokratie will ein Volksheer, eine Mtliz. Tie wäre

Die Arbeit der Friedensfreunde.

Der Budgetausschusj des Reichstags hat gestern mit allen Stimmen der bürgerlichen Parteien dem Teil der Heeresvorlage zugestimmt, wonach die gesamte Heeresmacht des Deutschen Reiches aus 25 Armeekorps, statt bisher 23, besteht. Man unterhielt sich dabei auch wieder eifrig über die Rüstungsbeschränkungen, und ein fortschrittliches Mit- glied des Ausschusses begründete einen Antrag feiner Partei auf Rüstungsbegrenzung, sofern von einer anderen Groß­macht die Anregung dazu gegeben werde. Bemerkenswert ist dazu, daß das Zentrum sich geg-en den Grundsatz der Rüstungsbeschränkung erklärte,weil wir jetzt mit einem Krieg nach drei Fronten zu rechnen hätten". Auch der nationalliberafe Redner wies den theoretisch gut gemeinten Gedanken mit ähnlichen Hinweisen zurück, und daher würde die heutige Reichstagsmehrheit Herrn von BethmanN-Hollweg nicht auf das neue, unerforschte Ge- Ibiet zu drängen suchen. Die Verhandlungen mit England, das wurde ja von der Regierung in einer früheren Aus- schußsitzuna erklärt, dauern fort. Unseres Erachtens kann es sich dabei nur um die Frage drehen, ob einBünd - n i s mit England in bestimmten Bahnen angeknüpft werden kann. Ta wir in einer Zeit leben, in der ein Wettbewerb auch in der Verschärfung der Lustkriegswaffe stattsindet, da man immer damit rechnen muß, daß ein Volk einen infolge glücklicher Erfindungen auf diesem Gebiete ge­wonnenen Vorsprung dazu benützen könnte, seinen Nach­bar zu überfallen oder mit Krieg zu bedrohen, wird der Abrüstungsaedanke vorläufig leider wieder auf die lange Bank geschoben werden müssen. Die Erfahrungen der letzten Jahre drängen auch nicht gerade auf diesen Weg; man braucht nur die Vorgänge in China, Persien, Marokko und besonders Tripoli» zu betrachten. So ist es denn recht zeitgemäß, daß wir wieder einmal etwas davon hören, was aus dem Widerspruch Italiens gegen den bekannten Beschluß der interparlamentarischen Union geworden ist. Der frühere fortschrittliche Abgeordnete Eickhoff, Vorsitzen­der der deutschen Gruppe der interparlamentarischen Union, veröffentlicht im Maiheft der ZeitschriftNord unb Süd" einen interessanten Brief an den Herausgeber, der die vvlli'te Enttäuschung über das Verhalten der Italie­ner atmet. Wir geben die Haupt stellen aus dieser Ver­öffentlichung hier wieder:

Wie Ihnen erinnerlich fein wirb, hatte der Jnterparlamenta- rifche Rat, der Gefamworstand der Jnterparlamentarn'chen Union, in seiner am 4. Oktober v. I. in Paris abgehaltenen Sitzung ein­mütig allerdings unter Stimmenthaltung der bei­den italienischen M i t g I i c b e r fein Bedauern darüber ausgedrückt, daß bei dem italienisch-türkischen Kon­flikt, der zum tripolitanischen Feldzuge geführt hat, so wenig dem Gei st e des Friedens und der Gerechtigkeit Rechnung getragen wurde, der die beiden Haager Konfe­renzen beseelte, unb bie Kriegserklärung so rasch erfolgte, daß die Möglichkeit einer Vermittlung oder Verständigung ausgeschlossen war. Durch diesen Beschluß hatte sich bie italienische Gruppe ber Union verletzt gefühlt unb eine Acnbe- rung ber Satzungen ber Union bahin beantragt, baß es dieser selbst ober ihren Gruppen nicht gestattet sei, besonders im Jolle eines bewaffneten Konfliktes, die Haltung einer Regierung iu kritisieren ober zugunsten ober ungunften ber einen ober andern kriegsfährenden Macht sich zu äußern. Dieser Antrag lag bem

Ur. 105 Erster Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 2. Rai (912

Der siebener Anzeiger JKSXHf M Jk wf ft Be,nq«vretS:

erscheint täglich, außer Ry uZ V monatlich75'Woiertel-

' rak AM A Aull ** A AA A blatt für b«n Kreis (Sieben H Mir H M labrL an«id)L

(Dienstag und Freitag); M VoL la, W H «L E E E E E, Zeilenpreis: 15Pi.

monatl. Land- 'EC K W E E M auswärts 20 Bfeimiq.

wirtschaftlicheZeitfragen M E E Chefredakteur: A Goetz,

stemwrech-Anschlüsse: W WM Verautwonltch für ben

für die Redaktion 112, /< < ~~' volitischen Tell: August

tS» General-Anzeiger für Vderheffen ss'fe-S ^r"b!7^^gesnuuuuer ^otütionsörud und Verlag ber vrühl'schen Univ.-Vuch- und zieinbruckerei R. Lange. Rebattion, Lrpebition unb Druckerei: Zchulstrahe 7. Land-: C Heß:^ür den bis oormittags 9 Uhr. Bübingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschäftrstelle vahnhofstrahe 16a. Anzeigenlell: H. Beck.

>m IM6

inder 3 st^ $ inderi stück ,

ig

10