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2.4.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 79

Erstes Blatt

162. Jahrgang

Dienstag, 2. April 1912

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal roödieiulkb SießenerZamilienblätttr, itveimnl wÖchciitl.Kttls» lattfürdenNreisSiehen (TienStag und Freitag) ; ziveiinal monoil. Land­wirtschaftliche Seitfragen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Gietzener Anzeiger

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Die heutige Nummer umsafzt 12 Seiten.

Der Termin der Osterfestes.

In diesem Jahre fällt Ostern ans den 7. April, also auf einen mittleren Termin, wie er aus wirtschaftlichen Rücksichten am ehesten erwünscht ist. Aber schon im nächsten Jahre wird sick) der Mitzstand, der sich daraus ergibt, daß der Ostertermin um volle fünf Wochen schwankt, wieder einmal in seiner ganzen Größe zeigen, fällt doch im Jahre 1913 das Osterfest bereits auf den 23. März, also auf einen ganz außerordentlich frühen Zeitpunkt. Es ist das bis auf einen Tag überhaupt der früheste Oslertermin, der möglich ist: kann doch das Osterfest nie vor dem 22. März und nie nach dem 25. April Gregorianischen Stils fallen.

Tiefe großen Schwankungen des Ostertermins ergeben sich aus seiner eigenartigen Berechnung, für die folgende Regeln gelten: das Osterfest wird immer an dem Sonntage gefeiert, der zunächst auf den Frühlingsvollmond folgt, also wenn dieser Vollmond selbst aus einen Sonntag fällt, an dem nächstfolgenden Sonntag. Unter dem Frühlings­vollmond versteht man den ersten Vollmond nach dem Acquinoktium, der frühestens am 21. März, spätestens am 18. April eintritt. Tiefe alexandrinische Berechnungsweise ging durch Dionysius Exiguus im Jahre 525 auch in Die römische Kirche über und wurde dann allmählich allgemein. Zweck dieser komplizierten Berechnungsart war, zu ver­hindern, daß das christliche Osterfest mit dem jüdischen auf denselben Tag des Jahres falle. Aber so klug auck jene alexandrinische Berechnungsmethode erdacht war, sie konnte doch nicht hindern, daß z. B. im 19. Jahrhundert zweimal das christliche und jüdische Osterfest zusammen fielen. Im laufenden Jahrhundert geschieht das sogar viermal; das erste Mal war es am 12. April 1903 der Fall; in der Zukunft werden 1923 (1. April), 1927 (17. April) und 1981 . (19. April) die christlichen und jüdischen Ostern an einem ^age gefeiert werden, vorausgesetzt, daß man sich bis dahin j nicht endlich über eine Festlegung des Osterfestes geeinigt > hat. Auf den 22. März, den frühesten Termin, fiel Ostern ! in den Jahren 1598, 1693, 1761 und zuletzt im Jahre 1818. Erst im Jahre 1970 und dann im Jahre 2285 wird Ostern nach der gegenwärtigen Berechnung wieder am 22. März gefeiert werden. Aus den 23. März siel das Osterfest zuletzt in den Jahren 1845 und 1856: nach dem Jahre 1913 wird das erst wieder 2008 der Fall sein. Annähernd gleich frühe Ostertermine gibt es erst wieder 1921 und 1932 (am 25. März und 1940 am 24. März. Ten spätesten Ostertermin am 25. April gab es in den Jahren 1666, 1734 und zuletzt 1886. Erst 1943 und dann 2038 wird Ostern abermals auf den 25. April fallen.

Man hätte sich vielleicht schon früher über die Beseiti­gung des schwankenden Ostertermins geeinigt, wenn nicht einerseits die Abhängigkeit aller beweglichen Feste vom Ostertermin, anderseits der dreizehntägige Unterschied zwischen dem Gregorianischen und dem in Rußland noch gültigen Juliar'ischen Kalender die Regelung der Frage, die heute weit mehr eine rechtliche und wirtschaftliche, als eine kirchliche ist, erschwert hätte. Rußland hat sich eben bisher geweigert, den Gregorianischen Kalender anzu­nehmen, und anderseits will man in eine Festlegung des Ostertermins so lange nicht willigen, bis nicht Gewißheit darüber besteht, daß auch tatsächlich alle Kulturmächte sich einer solchen Neuordnung der Dinge anschließen. Dieser Standpunkt ist durchaus anzuerkennen; die Konfusion würbe sonst noch größer und die Störung m den wirtschaft­lichen Beziehungen der Völker durch die immer umfang­reicher werdenden internationalen Handelsbeziehungen noch

fühlbarer werden. Für die Festlegung des Osterfestes hat sich seit länger als 15 Jahren besonoers Geheimrat Wilhelm Förster, der bedeutende Astronom und frühere Direktor der Berliner Sternwarte eingesetzt. Es gelang ihm bereits unter dem Pontifikat Leos XIII., mit der Kurie ein Ab­kommen zu erzielen, nachdem diese sich bereit erklärte, selbst die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, sobald die grie­chisch-katholische Kirche den Gregorianischen Kalender an- nehmen würoe. Tas ist, wie schon erwähnt, nicht geschehen, und aus Försters Plan, mit dem B<gi.in des 2J. Jahrhun­derts das Osterfest festzulegen, konnte leider nichts werden. Eine neue Komplikation der Angelegenheit entstand durch die vor zwei Jahren hervorgelretenen Bestrebungen aus eine allgemeine Reform des Gregorianischen K a - lenders. Man darf wohl annehmen, daß daraus noch auf lange Zeit hinaus nichts toeroen wird; denn die Beteiligung Rußlands und der griechisch-katholischen Balkanstaaten wäre zur Durchführung einer allgemeinen Kalenderreform un­erläßlich. Man muß nur befürchten, daß dieses an sich sehr großzügige Projekt die nicht weniger wichtige Rege­lung der Ostertage noch weiter hinausschiebt. Nachdem es zu einer Aenderung vor dem nächsten Jahre mit seinem abnorm frühen Osterfest bereits zu spät geworoen ist, dürste auch nach Lage der Sache no.ch geraume Zeit vergehen, bis die Angelegenheit endgültig in Fluß gebracht wird.

Die Arife in Ungarn.

Ofenpest, 1. April. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses stellte sich das neuernannte Kabinett Khuen-Hedervary vor und wurde von der Regierungs­partei begeistert begrüßt. Der Ministerpräsident erklärte:

Es war unsere Plicht, die Gewissensruhe dem König herzu­stellen und unabsehbare Verwirrungen zu beseitigen. Tie Regie­rung will daher ihre Rechtsauffassung betreffeno die Resolution über die Einberufung der Reservisten nicht geltend machen. Wir haben neuerdings die Regierung übernommen, um uns das Wohl­wollen des Monarchen zu sichern und die Arbeit fortzusetzen, die wir int Interesse der Nation übernommen haben. Auf dieser Grundlage ersuche ich um das Vertrauen der Abgeordneten. (Leb­hafter Beifall, stürmische Rufe rechts: Es lebe der König!)

Kossuth erklärte namens seiner Partei, daß diese nunmehr freie Hand erhalten habe. Er beantrage die Ent­sendung eines Ausschusses, der die Adresse an den König verfassen soll, um diesen zu überzeugen, daß der Artikel 18 des Gesetzes vom Jayre 1888 keine Schmälerung der Ma­jestätsrechte enthalte. Im Namen der Justhpartei erklärte Hollo, die endgültige Lösung der Krise sei nur durch die Wak) lresorm möglich. Graf Julium And ras sh billigte das Vorgehen des Grafen Khuen vollkommen. Er sagte, es gebe keinen gewissenhaften Ungarn, der in einem olchen Augenblicke und in einer solchen Lage anders han- >elte. Aus dem königlichen Handschreiben sei ersichtlich, laß sich Khuen einer Stimmung gegenüber befunden habe, )ie nicht zu berücksichtigen, geradezu ein Verbrechen gegen die Nation und ein Undank gegen die Krone gewesen wäre. Graf Alader Zichy erklärte im Namen der klerikalen Bolkspartei, er beuge sich vor den Argumenten, die das königliche Handschreiben enthalte. Tie Aussprache wurde bis morgen vertagt.

vom italientzch-türkifchen Kriegsschauplatz.

Paris, 1. April. Ter im türtischen Lager in Tripolis befindliche Kriegsberichterstatter desTemps" meldet vom 10. März: Zwei italienische Lenrballons schleuderten sechs Bomben, von denen jedoch nur eine explodierte. Er glaube, daß die Italiener nunmehr nach Eintritt der heißen Witterungsperiode einen größeren Vormarsch nicht mehr unter­nehmen dürften.

Rom, 1. April. Die Agenzia Stcfani meldet aus Tobruk vom 31. März: Heute früh ruckte der Feind in drei Kolonnen, zusammen etwa dreitausend Mann, gegenden Neubau ein cs oorts vor, wuroe jeoou) dura) oas oeuct der Li9. Batterie ohne Verluste für die Italiener zum Rüuzug gezwungen. Gleich­zeitig wird aus Benghasi gemeldet, ^eine Eskadron einge­borener Kamelreiter, die auf italienischer Seite kämpfen, wurden bei einer Erkundung im Norden der Oase Suni Osman von Beduinen aus dem Hinterl-alt angegriffen. Nach heftigem Kamps wurden die Beduinen unter Verlusten in die Flucht geschlagen. Ein Kameltreiber ist getötet, einer verwundet worden.

Russen im Kampf mit persischen Räubern.

M esched, 1. April. Seit dem Eintreffen der russi­schen Detachements verließen die Anhänger des Exschahs, die m der Umgebung des Grabmals Jman-Risa Zuflucht ge­sucht hatten, ihre Stellung nach und nach. Nur 600 bis 700 gut bewaffnete Räuber, die aus Schiras und Cho- rassan unter dem Vorwande einer Wallfahrt gekommen waren, sind dort unter Leitung des flüchtigen Afghanen Jusuf-Kyan zurückgeblieben. Die Räuber nahmen ver schiedenc, insbesondere bemittelte Persönlichkeiten fest, raub­ten sie aus und überlieferten sie einem qualvollen Tode. Sie verhielten sich auch Pen Russen gegenüber sehr heraus­fordernd und drohten alle Europäer yiederzu- metzeln. Tie Bevölkerung gab ihren Unwillen offen kund, daß die Russen die Ordnung nicht herstellten und dem Treiben der Räuber im Stadtzentrum ruhig z u s a h e n. Der russische Generalkonsul forderte die Räuber auf, die Waffen niederzulegen und die Stadt bis zum 30. März nachmittags 3 Uhr zu verlassen, widrigenfalls er mit Truppen vorzugehen drohte. Zu dem genannten Ter­min umzingelten russische Truppen die Stel­lung der Räuber. General Rjedko forderte nochmals die Auslieferung der Waffen. Tie Räuber antworteten mit Gewehrseuer. Die Russen eröffneten ein Artille­rie- und Gewehrfeuer und nahmen die Stel­lung ein. Das Grabmal Jmans ist unbeschädigt. Ter Rest der sich dort noch aufhaltenden Räuber ergibt sich nach und nach.

Deutscher Reich.

In der Kapelle des Mausoleums zu Friedrichsruh fand am Montag die Konfirmation des Fürsten Otto v. Bismarck statt. An der Feier nahmen teil Gräfin Wilhelm v. Bismarck, Gräfin Rantzow und Fürst Henckel Donnersmarck.

Die Blätter melden aus G o t b a: Der Landtag nahm die Vorlage an betr. die Erhebung von Chaussee­geldern für einheimische und ausländische Automobile.

DieNorddeutsche Allg. Zeitung" schreibt:Unter der UeberschriftDie Katserreije" bringt dieNowoje. Wremja" einen Leitartikel, worin u. a. ausgeführt wird, daß die r u j - fische Vermittlungsaktion an Berlin schei­tere, da der Widerstand der Türkei für Deutschland nötig sei. Diese Bemerkung verdient tiefer gehängt zu werden. Wer einigermaßen die diplomatischen Vorgänge der letzten Zeit verfolgte, dem muß das Unsinnige solcher Behauptungen in die Augen springen. TieNowoje Wremja" weiß auch selbst, daß sie Unsinn behauptet. Für sie handelt es sich um gewohnheitsmäßige Brunnenveraif- tung gegen die deutsche Politik und dazu ist ihr jedes Mittel recht."

Der Reichstagsabg. Dr. Werner-Gießen ersucht uns, unserem Parlamentsbericht folgendes nachzutragen:

Das Wetter im April.

Ter Monat April bringt einen entschiedenen llebergang zur wärmeren Jahreszeit und zu dem Frühling der Pflanzenwelt. Fällt doch, besonders in seine zweite Hälfte, die Blütezeit unserer charakteristischsten Gewächse, wie weißblühende Roßkastanie, Weiß­dorn, Geisblatt, Kirsche, Birnbaum, Johannisbeere u. v. a. Unsere Laubwälder beginnen sich zu belauben, ausgenommen den Eichen­wald, der erst im Mai sein grünes Kleid anlegt. Tie durch­schnittliche Tageswärme, die Ende März auf 6 Grad in Ober­hessen, bis 8 Grad in Rhein- und Mainebene angestiegen war, erhebt sich im Avril langsam bis auf 10 und 12 Grad. Nur die höheren Gebirgslagen des Großherzogtums bleiben auch in diesem Monat noch verhältnismäßig rauh.

Im zehnjährigen Zeitraum von 19011910 trat der letzte Frost im Mittel an folgenden Tagen ein: Mainz am 4., Worms .am 14., Tarmstadt 18., Alzey, Offenbach 21., Bad-Nauheim 25., Gießen und Schotten am 30. April, während die mittlere Ein­trittszeit des letzten Frostesauf den Höhen des Vogelsberges und Ldenwaldes noch in den Mai fällt. Tie höchsten Tages­temperaturen können gelegentlich schon hochsommerliche Beträge erreichen. Es wurden in dem Zeitraum 18571911 schon sehr häufig Nachmittagstemperaturen über 25 Grad beobachtet, am 26. April 1862 sogar 2829 Grad; i.n Monatsdurchschnitt er­reichen die Höchsttemperaturen 2324 Grad Wärme, gegen 17 bis 18 Grad im März. In gleicher Weise sind aber auch nach der negativen Seite der Temperaturskala' Abweichungen mög­lich, die der Pflanzenwelt empfindlichen Schaden zufügen können. .So sank 1864 am 8. April die Temperatur auf 45 Grad Malte; ähnliche Fröste wiederholten sich 1871, 1875, 1879, 1881, 1887, 1891, 1900 und 1905. Durchschnittlich dürfen im nor­malen April 12 Frosttage erwartet werden, 1887 aber traten 68 Frosttage ein. Dagegen war der April 1865 außerordentlich warm und brachte bereits 5 Sommertage mit über 25 Grad Wärme.. Sehr interessant sind die Statijtiken der am häufigsten vorkommLnden Temperalurwerte. Hierher gehören an erster Stelle die Temperaturen von 89 und 1011 Grad. Verhältnis­mäßig selten kommen Temperaturen über 15 Grad und unter 5 Grad vor. Immerhin ist im gebirgigen Mitteldeutschland die Frostgefahr Koch recht groß und mahnt den Gärtner und Land- wirt zur Vorsicht. Ter mitteldeutsche Frühling ist recht un­beständig und Hat viel mit den rauhen nördlichen Lagen der Ost- und Nordscx gemein.

KliDMch pivil günstiger liegen MrrtzeMcheä Ltefland unb

Neckarland aufwärts bis Stuttgart, wo Temperaturverhältnisse ähn­lich dem europäischen Süden vorherrschen und wo der Pflanzen- srühling nur 2 Wochen später als in Bozen oder am Gardasee eintritt, aber 34 Wochen früher als in Norddeutschland. Tie normale Aprilwärme hat im Großherzogtum folgende regionale Verteilung: Mainz 9,7 Grad, Darmstadt 9,0 Grad, Offenbach 8,9 Grad, Worms 8,9 Grad, Gießen 8,4 Grad, Bad-Nauheim 8,2 Grad, Alzey 8,2 Grad, Michelstadt 7,7 Grad, Schotten 6,7 Grad.

Bezüglich der Bewölkung gehört der April zu den heiteren Monaten und ist besser als sein Rus. Tie normale Anzahl der heiteren Tage beträgt etwa 6, die der trüben etwa 9. 1893 waren 24 Tage als heiter zu bezeichnen, 1889. 1903 kam aber kein einziger heiterer Tag vor. Also auch hier sind große Gegen­sätze möglich, die durch die wechselnde europäische Lustdruckver- leilung hervorgerufen werden. Im Mittel der Jahre 1901 bis 1910 hatte Hessen folgende Bewölkungsverhältnisse im April. Es bedeuten 0 wolkenloser, 5 halbbedeckter und 10 bedeckter Him- mil: Tarmstadt, 5,8, Gießen 6,0, Bad-Nauheim 6,1, Mainz 5,7, Offenbach 6,0, Michelstadt 6,2, Schotten 6,0, Worms 6,2, Alzey 5,9; demnach schwankt die normale Bewölkung um etwa 6 der zehnteiligen Bewölkungsskala (010).

Auch die Niederschlagsmenge ist im April gering. In einzelnen Gegenden, so in der Umgebung von Frankfurt ist der Monat der trockenste des ganzen Jahres; die größten^ Regen­mengen fallen in unserem Klima normalerweise im Sommer, um südwärts in Oberitalien auf den Herbst, im eigentlichen Mittelmeergebiet auf den Winter überzugehen. Für Hessen er­geben sich für April im zehnjährigen Turchschnitt folgende Nieder- schlags s u m m e n: Worms, Bingen 34, Oppenheim, Mainz, Alzey 38, Groß-Gerau 40, Tarmstadt 42, Offenbach 32, Bad-Nau- hemi 36, Gießen 38, Grünberg 42, Herchenhain 73, Gedern 65, Büdingen 50, Grebenhain 69, Herbstein 58, Schotten 55, Alsfeld 47, Michelstadt i. O. 58 mm. Mit zunehmender Höhen­lage des Landes wachsen die Niederschläge stark; am trockensten sind Main- und Rheinebene, in zweiter Linie die Wetterau. Im normalen April dürfen 1315 Tage mit Niederschlag er­wartet werden, darunter im Tiefland 1 Tag mit Schneesalk, in den höchsten Gebirgslagen aber noch 56 Schneetage^ Nur 1871 kamen auch in den Ebenen, selbst des Mains, noch 5 Schneetage im April vor. Tie mittleren Schneefallgrenzen verteilen sich nach den Berechnungen des Hydrographischen Bureaus in Tarm­stadt folgendermaßen: Rheinhessen 10.12., Oberhessen (Ebene) 20,« jltogeldterfl 25, Mrck o Anfang Lai, StarkLichurg

9.30. April, je nach der Höhenlage des Ortes. Wie im Mär» steigt auch im April die Zahl der ©eroittertage, von 30 aus etwa 47 im Zeitraum 18571907. Damit wächst auch die Hagelwahrscheinlichkeit.

Ter vergangene März war in den meisten Gegenden Mitteldeutschlands um 1020 mm zu feucht gegen den nor­malen Turchschnitt. Auch seine Temperatur lag erheblich über dem Normalwert (bis 3 Grad). Tie atlantischen Zyklonen ge­winnen jetzt immer mehr freie Bahn nach dem Festland, zumal jetzt das russische Kältehochdruckgebiet verschwunden ist. Tas deutet für die Folge auf eine nasse Wetterperiode im April.

Karl May f. Ter bekannte Romanschriftsteller Karl May ist in seiner Villa in Radebeul int 71. Lebensjahre ge­worben. Von den zahlreichen, dickleibigen Werken, die Karl May veröffentlicht hat, und die alle eine glühende Phantasie und eine flüssige, packende Schreibweise bekunden, ist seinWinn e- tou" wohl am meisten gelesen worden, aber auch die übrigen Reiseromane", die von der Jugend verschlungen wurden, haben hohe Auflagen erreicht. In den letzten Jahren war er mehrfach in Prozesse verwickelt, die großes Aufsehen erregten und von dem Sekretär der gelben Gewerkschaften, Lebius, hervorgerufen waren. Es waren Karl May dabei Die abenteuerlichsten Verbrechen zum Vorwurf gemacht worden, ohne das es gelungen wäre, einen bestimmten Nachweis zu erbringen. May selbst hat allerdings zugestanden, daß er in seiner Jugend mehrfach bestraft worden sei, doch konnte das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die An- grisse, die Lebius gegen ihn richtete, mehr auf Gehässigkeit denn auf sachlicher Gegnerschaft beruhe.

Das Denkmalarchiv für das Großherzog­tum Hessen bereitet, wie dieTarmst. Ztg." meldet, augen­blicklich in der Aula derTechnischenHochschulezuDarm- stadt eine Ausstellung von mittelalterlichen Wand­malereien auf hessischem Boden in Faknmilienachlnl- bungen vor. Werke aus Mainz, Worms, Jugenheim i. Rh., Wimpfen, Hirschhorn, Laubach, Frau-Rombach, Ilbenstadt usw. werden ausgestellt, Arbeiten, die zum Teil schon inhaltlich von größtem Interesse sind. Man darf hoffen, daß infolge dieser, Veranstaltung die althessischen Malereien den ihnen gebührenden Ehrenplatz in der Kunstgeschichte finden werden. Der Allgemein­heit ist die Ausstellung aus praktischen Gründen leider nur in beschränkten Zeiten zugänglich. Zunächst ist dafür Sonntag, der 14- ÄLril, lwrrnchtags vpn 101 Uhr, in Aussicht genommen/