Ausgabe 
19.6.1912 Zweites Blatt
 
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Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.

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Automobilunfällc. AuS Moskau wird gemeldet:

ihm doch einige Zeilen aus seinem Material zu diktieren, was der Zeuge auch in dem Umfange von etwa 5 Zeilen ge­tan habe. Er selbst habe dem Angeklagten aber kein Material zur Verfügung gestellt. In einer groß inszenierten Ltadtvcrord- netcnsitzung wurde beschlossen, Hirsch aufzufordern, sein Material der Bürgermeisterei einzureichen, damit man die Angelegenheit prüfen könne. Ter Zeuge hebt dann zwei Fälle vor, in denen die Frau Schapiro sich seiner Ansicht nach habe Uebcrgrine zu Schulden kommen lassen. Ucberhaupt hätte sich die Frau Schapiro zu große Machtbefugnisse ungeeignet. Ter Zeuge erwähnt ferner, das; er auch mit dem früheren Oberstaatsanwalt Puff über dielen Fall gesprochen habe. Auch dieser sei der Meinung gewesen, daß die Tätigkeit der Polizeiagentin Anlab zu Klagen gegeben hätte.

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Lnfticbiffahrt.

Zum Brande des Z. III.

Friedrichshafen, 18. Juni. Wie die Untersuchung er­geben Hal, ist die gestrige Explosion an dem Luftschiff 3- III aus die Selbstentzündung von Knall- G a s beim Ent­leeren der letzten Zelle zurückzuführen. Tas Luftschiff' ift Mitte Juli wieder abnahmefähtg, da der Unfall zur Vornahme einiger anderen gröberen Bauten benützt werden soll. Der eine der beiden verletzten Arbeiter befindet sich bereits wieder zu Lause, cs wurden ihm etwas die Haare versengt. Der andere liegt nod; mit einer Landverletzung im Krankenhause, befindet sich aber verl)ältnismäbig wohl.

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der Eisenbahnarbeiter geschehen und sic zu prüfen sei diePflicht jedes Abgeordneten. Er könne im Namen seiner pottwchen fyreunDe bas Versprechen geben, baß sie im Rahmen des allgemeinen In­teresses gerne die Wünsche der Eisenbahner unterstützen nmrdcn.

Bahnhofsvorsteher Fiedler betonte die Wrclsttgkcrt der Magensragc und sprach namentlich über die Wirkungen der Reichs- sinanzre'ornr. Man sei bei ihr von bcm Grundsatz ausgegangen, dab die mittleren und unteren Schichten die Haupttaiten zu tragen gehabt hätten. Im letzten Reichstag habe man steuern gemacht, die die Lebenshaltung auf das schwerste beein'lußten. Als der Redner allzusehr auf die Rciä^srnanzreform und bic Stellung der volitisch-cn Parteien zu ihr einging, wurde er vom Vor­sitzend, u gebeten, von politischen Erörterungen Abstand zu nehmen Ter Redner besprach dann die Verhältnisse der Etsenbahnarbcstcr und Bediensteten und schloß mit der Aufforderung zum Emtrul in die Organisation: 3 bis 4 Verbände genügten aber für die Eisenbahner, man brauche ja nicht 60. ,

Verbandsvorsitzeuder Ickler führte im Schlußwort aus, daß man hier in einer wirtschaftlichen Organisation die Politik aus bcm Spiel lassen müsse Zu fordern sei, daß der Verschiebung der winscl-afttichen Verhältnisse durch eine entsprechende Lohnerlwhung Rechnung getragen werde. Ter jetzige EisenbahnnnnMer trete durchaus für seine Beamten und Arbeiter ein, doch finde das seine Grenze an den wirtschaftlichen Verhältnissen.

?roS,rlDobnung,' mm^beS,,Cr-.&c te»LS?nole -^ j-idUlt inÖPr

Bei einer Äutomobilfahrt, an der drei Herren und die Schauspielerin ttißnowski beteiligt waren, entstand eine Explo­sion. TieSchauspielerin wurde g c t ö t e t, ein Herr schwer, die beiden anderen leichter verletzt. Nach einer Meldung aut Innsbruck geriet ein mit acht Passagieren besetztes Postauto- mobil bei To blach über den Stras;enrand und stürzte ab. Eim Insassin wurde schwer, die anderen Passagiere leicht verle-t

* Kinematographische Schiebscheiben. Auf dm Schiebplatz von Vincennes wurden gestern von einer Kom­pagnie des 46. Infanterieregiments interessante Versuche vor- genommen. Die Soldateii seuerteil aus einer Höhe von Hunden Metern auf eine Schießscheibe, auf die kinematographisch bewegte Figuren projeziert wurden. Man stellte fest, dab fast alle Kugeln trafen.

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Der

Prozeß Schapiro-Hirsch.

Darmstadt, 18. Juni.

Der Prozcst gegen den Herausgeber desMainzer Neuesten Anzeigers" scheint gewaltig an Interesse bei dem Publikum ver­loren zu haben. Als Landgerichtsdirektor Nagel mit den vier Beisitzern Dr. Tenn er, Dr. Wolfs, Tr. Lehr und -tr. Güngcrich den Gerichtssaal betritt, sind im Zuschauerraum kaum 10 Personen anwesend. Vor bcm, Zm'chauerraum, bcm sogenannten Zeugenraum unb vor den Schranken des Gerichts selbst entwickelt sich ein lebhaftes Treiben. Die Prcne scheint grobes Interesse an diesem Prozesse zu nehmen, beim sic hat viele Vertreter entfanbt, für die die vorhandenen Plätze bet weitem nicht ausreichen. Trotzdem die Geschworenenbank unbennht stehl, gestattet der Vorsitzende den Pressevertretern nicht, hier Platz zu nehmen, sondern hat neben bcm bereits vorhandenen kleinen Preife- tisch einen ebenso großen vor die Zeugenbänke stellen lassen, io baß viele Pressevertreter während der ganzen Verhandlung ihr Amt stehend ausüben müssen.

Um 1 .10 Uhr eröffnet der Präsident die Sitzung. Er gibt bekannt, das; 170 Zeugen geladen sind. Ferner fragt er, ob man sich damit einverstanden erklären wolle, daß der Prozeß gewissermaßen in einzelne Fülle zerlegt werde. Ter Angeklagte Hirsch und seine Verteidiger Justizrat Bern stein, München, und der Rechtsanwalt Dr. Bopp, Darmstadt, sowie bte Ver­treter der Nebenkläger Rechtsanwalt Tr. P a g e n st e ch e r , -r r. Ganic und Dr. Löwen berg crHärcn sich damit einverstanden. Man >vird also-zunächst allgemein verhandeln und im weiteren Verlauf des Prozesses soll dann auf die besonderen Fälle cm» gegangen werden.

Zunächst werden als Zeugen auigerufen unter anderen die beiden Nebenkläger Frau Schapiro und Beigeordneter Berndt. Dann wird der Erössnungsbeschluß verlesen, zu dem sich der Angeklagte Hirsch im allgemeinen äußert.

Nach dem Erscheinen seines ersten Artikels, der für die Frau Schapiro günstig lautete, habe er eine ganze Reihe von Zuschriften erhalten, die ihm sagen mußten, daß es wohl doch nickst so glatt abginge, wie cs den Anschein hätte. Danach sind ihm bann Dinge zu Ohren gekommen, die ihn veranlaßt hätten, sich einmal näher mit fber Sache zu befassen. Jrgeiidwelck-c unlauteren Motive hätten ihn zu diesen Anklageartikeln nicht bewogen, er hätte lediglich das Interesse der Stadt Mainz im Auge gehabt, und was er durch seine Artikel habe erreid)en wollen, das habe er erreicht. Die Sittenbehörde in Mainz sei besser geworden. Der Vorsitzende bemerkt, daß die Anklage ja vor allem behaupte, daß seine Artikel sich mit der Sittenpolizei eigentlich nicht be­schäftigen, sondern daß sie persönliche Beleidigungen enthalten. Hierzu bemerkt Hirsch, daß er sich nur gegen persönliche Angriffe gewehrt habe. Seiner Ansicht nach hätten die nächtlichenstreif* züge einer Dame einen Stich ins Sexuelle. Ferner sei ihm von dem Beigeordneten Berndt der Vorwurf gemacht worden, daß er i Angeklagter) sich in seinen Jagdgründen gestört fühle. In diesem Ausdruck müsse er eine persönliche Beleidigung erblicken. Aber nicht er allein liebe das Empfinden gehabt, als wollte Berndt ihn mit diesem Ausdruck treffen, auch andere Personen seien dieser Ansicht gewesen. Der Vomtzende fragt dann den Angeklagten, ob er alle Artikel allein geschrieben hätte. Dieses verneint der Angeklagte, nichtsdestoweniger aber übernehme er die völlige Ver­antwortung für sämtliche Artikel. Es wird dann die Frage auf­geworfen, warum der Angeklagte nicht sein Material zur Auf­klärung dem Beigeordneten Berndt, wie dies verlangt wurde, übergeben hätte. Ter Angeklagte sagt, daß der Beigeordnete Berndt auf feinen Fall der geeignete Richter in dieser Sache sein könne, da er selbst zu stark interessiert sei. Auch habe er dem Beigeordneten Berndt nickst die nötige Objektivität zugetraut, weil dieser vorher gesagt hätte, daß fein Material in nichts zer­fallen würde.

Danach werden die infriminierten Artikel, Berichte über die Stadtverordnetensitzungen und eine Anzahl Zuschriften unb Presse äußerungen verlesen. Der Angeklagte äußert sich bann auch über das gegen ihn schwebende zweite Verfahren, bleibt aber auf bcm schlechten Platz des Journalistentisches unverständlich.

Es tritt bann vor 1 Uhr eine Mittagspause bis um 3 Uhr ein.

Bei Beginn der Nachmittagssitzung nrirb sogleich mit ber Zeugenvernehmung begonnen. Erster Zeuge ist der Oberstaatsan walt Tr. Schwarz, der sich Über die Tätigkeit der Frau Schapiro äußerst lobend ausspricht. Ein weiterer Zeuge, Amtsgerichts rat Kolb, stellt der Nebenklägerin gleichfalls das beste Zeugnis aus.

Ter folgende Zeuge ist der Justizrat Horch: Er behält sich vor, nur auf die Fragen Antwort zu geben, auf die er als Rechtsanwalt ohne Bedenken antworten könne, da er mit Berndt vertrauliche Gespräche geführt habe, von denen er an nehme, daß sie in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt geführt wurden. Zur Sache selbst bekundet der Zeuge, daß er sich in der Stadtverord­netenversammlung gegen die Anstellung der Frau Schapiro aus­gesprochen habe. Dem Zeugen sind mehrere Fälle bekannt ge­worden, die sehr gegen bic Frau Sckmpiro sprechen. Nach dem Erscheinen bes ersten Artikels bes Hirsch habe er mit bicsem über die Angelegenheit gesprochen. Hirsch habe ihn bann gebeten.

Vermischte».

* Schmugglerfrechheit. Am Montag vormittag um i'410 Uhr wurde in Ulm ein Sckmtzmann von einem Automobi­listen schwer verletzt. Ter Schutzmann wollte ein vom Stutt­garter Stadtpolizeiarnt signalifiertes^Schmuggler-Automobil an- halten unb sprang beshatv auf das Trittbrett des Wagens. Der Ehaufseur kehrte * mit dem Automobil, mit bcm er bis an den Eingang der Stabt gefahren war, um und fidyr auf der Ehinger Landstraße samt bcm Schutzmann in rafenber Geschwinbigkeit davon. Etwa 2 Kilometer von Ulm entfernt, gab der Insasse btt Autos bcm Schutzmann einen Stoß auf bic Brust, so baß bieser auf bic Straße fiel unb schwer verletzt würbe. Das Auto kam dann nach Oberbattheim im Oberamt Laubheim, wo nach Zürich unb Nürnberg Depeschen aufgegeben wurden. Man ver­mutet, daß das Auto seinen Weg nach Prag in Böhmen genom­men hat.

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Höchste Temperatur am 17. bis 18. Juni

Niedrigste , , 17. , 18. ,

Niederschlag: 0,4 mm.

Tagung der Reichrpost- und Telegraphenbeamten.

~ Köln, 18. Juni.

In einer überaus stark besuchten Mitgliederversammlung des Gauverbandstages mittlerer Reichspost unb Telegraphenbcamter sprach Redakteur Fritz Winter lBcrlin-Fricbenau über

das moderne Beamten-Problcm.

Der Redner führte aus: Wir leben in einer Z e i t des Mißmutes unb der Verärgerung. Tie allgemeine Lage und besonders die unseres engeren Standes ist gewiß uickü derart, baß sic zu den rosigsten Hoftnungen berechtigte. Tas Beamlen- Problcm ist aus ber neuzeitlichen Entwicklung beraufgeihcgcn. Es ist nicht Mangel an Können unb Wissen, bas zu ber großen Vermehrung ber Bcamtcnfck>aft geführt hat, wir bürfen behaupten, baß bic Leistungen ber deutschen Beamten auf ber Höhe der fortgeschrittenen Zeit stehen. Für Nichtstuer unb Tagcbiebe gibt» keinen Raum mehr in ben staatlichen Verwaltungen. Zustim mung.) Mit ber gewaltigen Volksvermehrung mußte auch bic Zahl ber Beamten stark ausckuvcllen Tic Tätigkeit beionber» der Verkehrsbcamlcu unterscheidet fick» wesentlich von ber Verwaltungs- tätigfeit ber Beamten früherer Zeit. Tie Beamten werben leider immer noch als Drohnen ber Gesellschaft betrachtet, die von den Groschen der Steuerzahler leben. Wir sind dagegen der Ansicht, daß sich bte Arbeit ber Beamten für die Allgemeinheit sehr gut bezahlt macht. Wäre die Allgemeinlftüt ihren Pflichten gegen die Beamten immer ausreichend nachgekommen, dann brauchte man über ein Beamten-Problcm nicht ??u sprechen. Tic Arbeit der Beamten im Verkehrsdienst kann nicht als unproduktiv bezeichnet werden. Tic Periode der Arbeitergesetzgebung müßte mit einer Periode der Beamtengesetzgebung ihre Fortsetzung finden. Tann wird es an uns sein, den Beweis zu führen, daß wir die größere Freiheit, nach der wir in gut beutfd>em Tränge streben, nicht nur zu schützen, sondern auch zu gebrauchen wissen. Mit der wirt­schaftlichen Aufwärtsdewcgung fast aller Volksklassen haben die Beamten nicht gleichen Schritt gehalten. Die Gehaltserhöhungen kamen bisher regelmäßig zu sp.it. Die letzte Gehaltserh hung entsprach kaum bei irgend einer Klasse den Preissteigerungen, die in den letzten 15 Jahren eingetreten waren. So lange ui bestimmt vorausgeseben werden kann, daß in absehbarer Zeit die Lebensmittel- unb Wohnungspreise nicht steigen, kann nicht baoon bie Rebe sein, daß Gchaltserlwlmngen auf lange Zett hinaus als abgeschlossen zu betrachteii seien. Was man bei der Besoldungs­reform den Beamten mit bet einen Hanb gab, hat man Unten nut der Wirtschaftspolitik roieber genommen. So hat ber Staat An­sehen müssen, wie bic den Beamten zutzebachteu Summen in bic Tasck»cn anberer Volkskrcisc geflossen finb. Es kann den Beamten nicht gleichgültig sein, welche Wege bic deutsche Wirtschaftspolitik einschlägt. Das Beamten-Problcm ist allgemein gesprochen, feine Geldfrage, sondern ein Kulturproblem von eminenter Bedeutung. (Lebhafter Beifall.)

Es wird bann ;u dem Artikel mit der Ueberschnst ,Lex Berndt" übergegangen. Rechtsanwalt Bernstei n bemerkt, baß auch von dem Zeugen gesagt worden sei, daß sein Matrrml ebenfalls in nichts zerrinnen werde. Der Zeuge gibt^iu, baß auck' er von einem Teil seiner Zeugen tm ^ttck> gelaßen toor- ben sei. Darnach wird auf die Einzelheiten der sturnmchen. ötabt- rerorbnctcnür.ung eingegangen. Der Zeuge ist ber Anucht, daß ber Angeklagte Hirsdie ganze Sache mckt nxitrr wrfolgt hätte, wenn er nicht von der Sürgermciftcrci durch ein odueiben ba u veranlaßt worden wäre Bon einer Aufforderung an ben Angeklagten, sein Material einzurcicheu, weiß der Zeuge nichts. Rechtsanwalt Tr Bopp: Hat der Feldzug des Herrn Hirsch den Erfolg gehabt, daß nach den Artikeln die Polizei vornchttgrr ewvrden ist? Zeuge: Ick habe den Eindruck, daß sich d,e Polizei »weniger bemerkbar macht. , r .

Darnach werden bic Protokolle der mehrfach erwähnten Stadt- verordiictcnsitzung verlesen, worauf eine Pause ein tritt.

Rach dieser Pause werden zunächst zwei Bürgermeisterei- fcfictärc vernommen, bic über die Richtigkeit des Protokolls aus- agen sollen. Einer von ihnen antwortet aut bic ß-ragc, ob er wisse, auf wen sich ber Ausdruck von den Jagdgründen be- ziehen könne, daß in den Kreisen der Bureaubeamten des Ma­gistrats allgemein die Ansicht verbreitet sei, baß bannt der An- geklagte gemeint sei.

Die Zeugin Frau Nägli ist mit der Nebenklägerin bekannt unb kann sich nur lobend über sic aussprechen. Die Zeugin hat auck' in einer 'Fraucnzcitung Artikel geschrieben, die, wie sie auf 'Befragen des Rechtsanwalts Tr. Bopp zugeben muß, nicht

Line Versammlung der LUendchnarbeiter.

Gießen, 19. Juni.

Ter Ortsverein Gießen des Verbandes der deut­sch e n E i s e n b a h n a r b c i t e r und H a n d w c r k e r hielt gestern abend im Felsenkellcr eine gut besuchte Versammlung unter dem Vorsitz des Vcreinsvorfitzenden Fr. Wenzel ab, in der der Verbandsvorsitzende, Reichstagsabg. Jckl er-Berlin über die Tätigkeit des Verbandes sprach. Durch bie Reichsfinanzreform unb bic vorjährige Mißernte habe eine Verschiebung der wirt­schaftlichen Verl)ättnisse ftattgefunben, die namentlich bie Fest- besoldeten und bie Staatsarbeiter betroffen habe. Er forderte auf, am Aufbau der Organisation mitzuwirken. Der Verband stelle keine unerfüllbaren Forderungen, aber wenn er bic Oeffent- lichkeit bafür gewinnen wolle, müsse man eine große Organi­sation haben Tie Entlohnung der Arbeiter müsse so sein, baß sie ihre Familien ausreichend ernähren unb fieiben könnten, ba­ust t die Frau int Haus bleiben könne zur Erziehung ber Kinder. Zu fordern sei ferner bic Schaffung geräumiger, gesunder Woh­nungen, um die Volksgesundheit zu lyeben. Das Alters- und Jnvaliditätsgesetz biete dazu die Mittel. Es sei ja schon viel auf diesem Gebiet geschehen, aber noch nicht genug. Die Lohn- Verhältnisse seien so zu gestalten, daß der Arbeiter sich ein kleines Besitztum schassen könne, davon werde der Staat den größten Vorteil haben. Durch eine Erweiterung und Vertiefung der Bildung würden sich die Gegensätze der einzelnen Volks schichten penmschen. Ohne die Intelligenz seiner Arbeiterschaft hatte sich Deutschland nicht so emporentwickeln können,, sie durch Bildung weiter zu fördern, liege daher im allgemeinen' Interesse. Tie Arbeiterschaft stehe nicht außerhalb des Volksganzen, wie vielfach gesagt werde. Er erinnere nur an die Arbeiterschutz- gefeßgebung, bic Versicherungsgesetze usw., bie, wenn auch noch einzelne Wünsche dabei zu erfüllen seien, besser als in allen anderen Ländern seien. Der Redner betonte bie Notwendigkeit, organisierte Arbeiter in bie Versicherungsorgane zu wählen, da diese viel sachkundiger als Abseitsstehende urteilen könnten. Durch bic Forderung der Llbschafsung des vcrstchcrungstechnischen Gut­achtens bei ber Arbeiterpensionskasse müsse dafür gesorgt werden, daß den in absehbarer Zeit abgehenden Eisenbahnarbeitern etwas richtiges geboten werde. Die Pcnsionskassc sei ja schon besser geworden, müsse aber noch besser werden. Die Eisenbahnarbeiter hätten burdwuö gemeinsame Interessen, deshalb sollten sic sich zu einer großen Organisation zusammcnschließen. Zu fordern sei weiter eine Ausdehnung des Erholungsurlaubes. Zu bedauern fei, baß die Direktion Mainz ben Arbeitern hinsichtlich ber Frci- fahrsckwinc nicht genügenb entgegenkomme. Ucberhaupt sei bei der Gewährung von Fahrscheinen mit Wohwollen zu verfahren. Die Arbeiterausschüsse seien so zu ordnen, daß jeder Arbeiter einem solchen unterstellt sei unb die Zuständigkeit ber Ausschüsse er­weitert werbe. Wichtig sei auch bic allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, wie sie in den Werkstätten durch­geführt sei, sic sei aus wirtsckfaftttchen, sozialen und sittlichen Gründen zu fordern. Wenn auch bic Interessen ber Arbeiter­gruppen vielfach verschieben seien, so könnten sic boch in einer Organisation vertreten werden. Weiter stellte ber Rebner bic Forderung einer tvöchentlichen Ruhezeit von 36 Stunden für alle Vahubebienstete. Der Rebner schloß seine ir/zstündigen Aus­führungen unter lebhaftem Beifall mit per Aufforderung zur Mitarbeit.

In der Aussprache führte Landtagsabg. Ur stabt aus, daß er gerne gekommen sei, um sich über die Wünsche ber Eisenbahn - arbeitet zu unterridrten. Die Art, wie ber Verband arbeite, sei durchaus anerkennenswert, namentlich das Eintreten für bic geistigen Interessen. Er verspreckn', stets nach besten Kräften für bic bercduigtcii Bestrebungen der Eisenbahner einzutreten. Ter Geist ber politischen Duldung, bic den Verband beherrsche, könne vorbildlich für andere .Greife wirken. Tie Förderung der Interessen der Eisenbahnarbeiter sei eine nationale Angelegenheit und der Geist, ben er heute kennen gelernt habe, bürge bafür, daß die Bestrebungen des Verbandes das allgemeine Wohl fördern würden

RcichstagSabg. Dr. Werner betonte die Notwendigkeit der Organisation auch für bic Eisenbahnarbeiter und Handwerker und versicherte, daß sic der .Teilnahme aller Kreise, denen an dem Wohlergehen einer aufstrebenden Arbeiterschaft gelegen sei, sicher sein konnten. Im Reichstag könne viel für die Wünsche

unwidersprochen blieben. ,

Alsdann wird bie Vcrhanblung auf morgen früh 8 Uhr vertagt.______

Universitäts-Nachrichten.

hk. Ter Gesamtbcsn ch ber Berliner Tierärzt­lichen Hochschule beträgt im laufenden Semester 606 Stu- diereiide, darunter 126 TlilitärUubicrenbe Ter Neuteftamentler Exzellenz Professor Dr. theol. et pdil. Bernhard Weitz, ber älteste der Berliner theologischen Fakultät, vollendet am 20. Juni dal »5. Lebensjahr.

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