Nr. 142
Erscheint lägllch mit Ausnahme des Sonntag».
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Telephon 441
Tie „Siebener Zamilienblatter" werden dem .Anzeiger' viermal wöci entlich beigelegt, da» „Kreisblatt fSr den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit« fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Weit unter Preis
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Tie freie Bereinigung Darmstädter Künstler beabsichtigt aus Anlaß des kürzlichen 70. Geburtstages ihres Ehrenmitgliedes Eugen Bracht im Städtischen Ausitellungs- gebäude auf der Mathildenböhe eine Br a ck l - Ä u s >le l l u ng zu veranstalten. Ten Ehrcnfchutz hat der Grostyerzog i rnommtn. Tie Eröffnung der Ausstellung ist für den 20. Juli in Aussicht genommen.
schränkt. Tas Streben muß danach gehen, die Unzuverlässigkeit: des menschlichen Geistes durch Gegenmaßrcgeln auszugleichcn, denn sie auSzurolten, wird stets unmöglich bleiben. Vcrbcijcrurigcu der Betriebssicherheit sind nach Zteyes datier auch nur m mecha« nischen Vorrichtungen zu suchen, die unabhängig vom Menschen automatisch die von einem Beamten begangenen Fehler ver- bessert oder deren Folgen aushebt: etwa m Weichen, oie nur einmal benutzt werden können und sich dann wieder automatisch schließen, oder in Signalen, die sich nicht daraus beschränken, dem Lokomotivführer Die Sperrung einer Strecke anzukunoigen, sondern die zugleich, vielleicht auf elekirisck-em Wege, den Zug automatisch zum Stehen bringen, sobald das Signal aus „gesperrte Fahrt" steht.
In diesem Zusammenhänge darf auch darauf hingewiesen- werden, daß die Betriebssicherheit der Eisenbahn in oen letzten Jahrzehnten gewaltige Forrschrine gemacht har und daß die Eisenbahn verhältnismäßig viel weniger Opfer ,ordert, als die harmlose alte Postkutsche. Statistische Untersuchungen haben g. zeigt, daß auf die gemächlich durch das Land trabenden Postkutschen der guten alten Zeit 14 mal mehr Reisende gelötet und 20 mal mehr Reisende verwundet wurden, als aus den Eisenbahnen. Tie amtliche Statistik der Eiscnbahnunsallc gibt m der Tat ein erfreuliches Bild. Ttr Betrieb ist am sichersten in Tcursch« land: hier zählte man tm Jahre 1906 auf eine Million Reisende nur 0,08 Todesfälle und 0,39 Verletzungen. Schon für Lestcr- reich-Ungarn lauten die entsprechenden Unfallzahlen 0,12 und 0,96, für die Schweiz 0,15 und 1,12. Ungleich ungünstiger liegen die Verhältnisse auf den russischen Eisenbahnen, wo aus eine Million Reisende 0,99 Tote und 3,93 Verletzte gezählt wuroen. In Amerika dagegen ist die Zahl oer Toten aus eine Million Reisende 0,45, wahrend die der Verletzten 0,59 beträgt.
politische Tagesschau.
Ter bayrische Zrfuiteuerlaß doch nicht fuipenbiert?
Tic Berliner „Germania" verzeichnet mit Genugtuung eine Meldung des ,,'5q.;er. Eouricrs", wonach die Annahme, der bayerische Jesuiten erlaß sei bis zur Entscheidung des Bundesrats suspendiert, durchaus un- richtig fei; der Erlaß sei nicht suspendiert, wie dies auch der bayerische uultusministcr Tr. v unilling mitackilt ljabc. 'Jiun wissen wir nicht, wann und zu luent Minister v. Knilling eine Mitteilung dieses Inhalts gemacht hat. Aber auch abgesehen davon, muß die Meldung des „Bayer. Eour." Ausseheii und Befremden erregen. Tic von ihm als unrichtig bezeichnete Annahme basiert bekanntlich aus den amtlichen Mitteilungen, welck)c R e l ch s t a n z l e r v. B e t h- m an n-Holl weg am 26. April d. I. dem Reichstage in seiner Beantwortung der Anfrage Bassermanii gemacht hat. Herr v. Bethmann-Hollweg hat damals wörtlich gesagt:
„Tcnt Bundesrat liegt ein bayerisck)cr Antrag, den Begriff der Ordcnstäligkeit authentisch zu interpretieren, vor. Dafür daß bis zum Ergehen dieses Bundescatsbeschlusses auch m Bayern die Anwendung, die Handhabung des Gesetzes auf Grund der bisher im ganzen Deutsck-cn Reiche besteheiiden Uebung weiter erfolgt, hat die kgl. daher. Regierung Vorsorge getroffen . . . Bis zum Ergehen des Bundesratsbeschlusses wird der § 1 bc5 Jesuiten- geseyes im ganzen Deutschen Reicks gleichmäßig angerveudet werden und für die Zeit danach wird der vom Bundesrat zu fassende Beschluß die einheitliche Grundlage bilden."
Hiernach kann, so bemerkt die Natl. Korr. ganz richtig, kein Ziveifcl bestehen, daß die bayerische Regierung dem Reichskanzler, als derjenigen Instanz, welcker vcrfasiungs- gemäßüdie Kontrolle über die Ausführung der ReichsgesetzL obliegt, die verbindliche Erklärung abgegeben hat, die bayerische „Interpretation' des tz 1 des Jesuilengesetzes bleibe bis zur Entscheidung des Bundesrats suspendiert. In welcher Weise das Ministerium Hertling entsprechende Vorsorge getroffen ljat, ist u. W. allerdings nicht bekannt geworden. Doch hat man dem bisher weitere Auf- merkfamteit nicht zugcwandt, da man in die Loyalität des Ministerpräsidenten eines deutschen Bundesstaates ohne weiteres Vertrauen zu setzen gewohnt ist. Wir möchten deshalb die Mitteilung des „Bayr. Eour." vorderhand als apokryph anschen. Tie Bestimmtheit allerdings, mit der die Meldung auf tritt, und die Bezugnahme aus den bayerischen Kultusminister machen es unerläßlich, daß entweder von Bm-crn aus eine unzweideutige amtliche Erklärung erfolgt oder dag sich die „Nvrdd. Allg. Ztg." der Angelegenheit annimmt.
vorüber sein müsse, er handelte, wie er nach Gewohnheit und Fahrplan stets zu haiideln pflegte, und das Unglück war ge schehen. Tiefer traurige Fall ist wieder ein lel/rreiches Beispiel dafür, daß die tvenigsten Eifenbahnkatastropheir am technische Mängel zurückgehen: die Ursache von weitaus Den meisten Bahn- Unfällen ist und muß seiner Natur und seinem ganzen Wesen nach der Mensch sein.
Ter amerikanische Eisenbahningenieur Key es hat vor einiger Zeit lehrreiche Untersuchungen über die Psychologie der Eisenbahnunfälle herausgegeben, die sich mit der vermeintlichen „Fahrlässigkeit" besäxifrigen, die bei den meisten Katastrophen die entscheidende Rolle stielt. Fast immer ist diese „Fahrlässigkeit" nur eine Augenblicksschwäche des Gehirns, wie sie jeder un täglichen Leben an sich immer wieder beobachten wird. Mit der Erkenntnis, daß eine Vorschrift von einem Beamten nicht genau befolgt worden ist, kann man sich dabei nicht begnügen: fast immer wird der Psychologe ziemlia» fier die Ursachen aufweisen können, die in den einzelnen Fällen zu Dem augenblicklichen Versagen der Intelligenz, Der Aufmerksamkeit oder des Gedäckunisses geführt haben. Fast alle Eisenbahnkatastrokchen gehen in ihren letzten Ursachen auf irgend einen Vorgang zurück, der Den altgewohnten täglidrtn Ablauf des Betr.eoes unterbrochen bat. In Jefferson zwang ein Berechnungsfehler des Lokomotivführers den Weichensteller ju einem plötzlichen ungewohnten Entschluß, in Malmstädt durchbrach eine ungewohnte Zugverspätung den gewöhnlichen Gang des Betriebes: bei allen ttataiwovhen wird man fast immer finden, daß^irgendeine Abweichung von der mechanifchen Gleichmäßigkeit des TageslaufeS den Keim uim Unglück in sich trug. So lange die Dinge von der Alltäglichkeit nicht abweichen, ist die Gefahr gering; sobald aber irgend etwas nicht Alltäglichcs eintritt, nimmt die Möglichkeit eines Unfalles zu. Dabei ist es belanglos, ob diese ungewohnte Besonderheit aus einer Verspätung entspringt, ob aus d:r Einschiebung eines sonst nickt laufenden Sonderzuges oder ob ein unerwartet anders stehendes Signal plötzlich die Aufmerksamkeit eines Beamten auf sich lenkt und damit am Sekunden ober Minuten aus bem gewohnten Gc- dankengeleise reißt
Mit dieser „Unsicherheit des Menschengeistes" wird man immer rechnen müssen, und der .stampf gegen die Gefahr der statastrophen wird nie Früchte tragen, so lange er sich nur auf die Entlassung der „Schuldigen" und aus die „Verbesserung" des Betriebes be-
Mittwoch, 19. Juni (912
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unioerstiätr - Buch- und Cteiudruckerci.
R. Lange, Gießen.
pcbilbetc Mannschaftsbestand durch die Entlassung der R.- servisten und Einstellung von Rekruten sehr gering ist. ES wäre überhaupt wohl zweckmäßiger gewesen, wenn daS ganze Fußartillerie Bataillon nach Borkuin gelegt worden wäre, und nicht zur Hälfte nach Etnden. ES würde dann auch der jetzt sehr lästig empfundene Wechsel zwischen den einzelnen Batterien fortfallen. Die Verstärkung der Infanterie auf eilt volles Bataillon dürfte ebenfalls nur eine Frage der Zeit sein.
Als empfindlicher Mangel hat sich herauSgestellt, daß weder Borkum noch Emden Flottenstützpunkte sind, und daß sich dort nicht dauernd Teile der Marine befinden. Dabei ist natürlich nicht an große Kriegsschiffe zu denken, sondern an Auftlärungsschisfe, Torpedo- und Unterseeboote. Auch ein Teil bet Ji inenadteilung müßte hierher verlegt werden. Es ist keine Gewähr dafür gegeben, daß diefe Steile rechtzeitig aus Euxhaven. herai:- gesuhrt werden können. Wenige stunden können hier von entscheidender Bedeutung sein.
So bat auch diese Hebung wertvolle Erfahrungen gegeben, wie unser Küstenschutz noch zu verbessern fein durste. Je besser er ausgebaut wird, desto schwieriger wird es dem G« gner werden, sich einer It tiflen und eine Blockade der deutschen Küst—t durchzu- führcn.
■12.50
Krieg im $rieöen aus Borkum.
AuS Borkum wird uns geschrieben:
Ein ungeivohntcs militärisches Leben und Treiben auf unserer Insel. Es ist, als ob wir uns wirklich im Kriegszustand beiinden. sticht nur die fyiefige Garnison wird plötzlich alarmiert, fonbem auch die Beurlaubten sind ein- gezogen, und zahlreiche Dampfer bringen Truppenverstärkungen von dem Festlande herüber. Verwundert blicken die Badegäste, von denen schon ein ganzer Teil auf der Insel eingetrofieu ist, auf das ungewollte Leben Eine Zal)l hoher Offiziere mit ihren Stäben erscheinen. Da ist der Kommandierende General des 10. Armeekorps Exzellenz Emmi d).3ini> viele Generalstäbler — „himbeerfarbene" nennt fie der Armeewitz, in seiner Umgebung. Aber es ist keine Urfadfe zu irgend welcher Beunruhigung. Kein Krieg ist mit England, sondern krieg im Frieden ist es, was sia) da vor unseren Augen abspielt. Es ist eine größere Uebung, bei der Armee und Marine flcmcinjam operieren, und bet der die Fraga geprüft merben soll, ob die Verteidigungs- einrichtnngeu von Borkum genügen, ob die Küstenschutz- Maßnahmen ausreichend sind, um eine feindliche Lairdnng zu verhindern. Gleichzeitig sollte dabei eine Art Probe- Mobilmachung abgehalten werden, um zu sehen, ob die aus dem Papier fo sorgsam und eingehend vorbereiteten Maßnahmen sich, auch wirklich durchführen ließen.
Borkunh. die große dem Tollart und der Emsmündung vorgelagerte Insel, besitzt für einen Gegner, der die beul- scheu Shifteir blockieren will, einen großen Wert als Ltütz- puntt. Es mttß deshalb damit gerechnet werden, daß der Feind sofort bei KriegsattSbruch versuchen würde, sich in den Besitz dieses Eilandes zu setzen. Um dies zu verhindern, ist Borkum in den letzten Ial)ren stark befestigt worden. Versteckt im Dunengelande liegen Batterien, die mit den schwersten Listen gesckMtzen armiert sind, um einer feindlichen Flotte einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Eine ständige Friedensgarnison ist au| der Insel unter- gebracht, und noch in letzter Zeit wurde sie beträchtlich vermehrt. Sie besteht jetzt aus zwei Infanteriekompagnien, einer Maschinengeweyrl'ontpagnie und aus zwei Batterien Fußartillerie. Das Fahrwasser soll durch Minen gesperrt iverden. ES ist anzunehmen, daß auch die auf der Insel lebenden wehrpflichtigen Mannschaften des Beurlaubten- standes sowohl des HooreS wie der Marine bei Ausbruch von Feindseligkeiten sofort, zur Verteidigung der Insel heran- gezogen werden.
Nack) den Erfahrungen der letzten Kriege muß man mehr wie früljer mit einem strategischen Uebersall als Feldzugs Einleitung rechnen. Deshalb muß die Garnison selbst einen hohen Grad von Kriegsbereitschaft besitzen. Außerdem müssen alte Vorbereitungen getroffen sein, daß auch vor Erlaß des allgemeinen Mobilmachungsbefehles und lieber^ gäbe der cigvntlid)ei: Kriegserklärung sofort Verstärkungen aus der nächsten Garnifou l-erangeselzafft werden können. Tiefe Maßnahmen müssen schon im Frieden so getroffen sein, daß cs im Bedarfsfälle keiner langen Befehle mehr bedarf, fonbem daß eine kurze telegraphische Mitteilung genügt, daß alles sich wie von selbst abwickelt. Dies alles sollte bei dieser Hebung erprobt werden.
DaS Geheimnis der Uebung war so gut bewahrt, daß außer der Leitung niemand etwas davon wußte. Wir Badegäste wurden davon ebenso wie die Truppen vollkommen überrascht. In manchen Standorten deS Festlandes waren die Bataillone zu Schießübungen ansgerückt und mußten erst in ihre Garnisonen zurückgeholt werden, um mobil zu werden und sich kriogsg^mäß auszurüsten. Das weit vor gesck-obene Feuerschiff meldete telegraphisch an die Kom mandantnr der Insel Barium und an das Generalkommando in Hannover das Aus tauchen feindlicher Kriegsschiffe, die ihren Zkurs auf Borkum nahmen. Darauf wurde sofort der Kriegszustand auf der Insel proklamiert: Tic Batterien und die Küstcnwachcn wurden besetzt, die Garnison in Alarmzustand gebracht, die Mannsck)asten des Beurlaub-
eijcnbafjiitataftropijen.
Die tragifdjc Katastrophe bei Malmstädt, wo der gewöhnlich stark besetzte Nachtschncllzug Malmö-Stockholm durch falsche Weichcnstcllung mit voller straft auf einen Güterzug stieß, weist eine eigenartige Aehnlichkeü mit einem amerikanischen Eisenbahnunglück aus, das sich vor einigen Jahren bei der Station Jefferson ereignete und das damals zu umfangreichen vwchologiickien Untersuchungen über die Ursachen derartiger Unglückssälle führte. Wie bei Malmstädt geriet Der in voller Fahrt dahin,türmende schnell- zug durch ein Versehen in der Weichenstellung aut ein salsches Geleise, und der einzige Unterschied zwischen den beiden Katastrophen liegt darin, daß der schwedische Expreß au, seiner Bahn au, einen Güterzug stieß, während der amerifanüdx Zug einen Prellbock überrannte und mit sämtlichen Wagen einen steilen Ab- I>ang hinabstürzte. . . _ .
Wie Malmstädt besaß auch Jefferson cm doppeltes Seiten - geleise, aus dem Güterzüge abgefertigt wurden. Ton wiegte nun ein Lokalzug täglich einige Güterwagen von Jener,on mit» zunehinen Dabei wird die Lokonwtive des Zuges abgekoppcll, fährt über die eingestellte Weiche auf das Nebcngelei'e, letzt sich vor die Güterwagen und schiebt sie dann vor den im Bahnboi. bereitstchenden Personenzug. Tie Weiche wird dabei von einem besonderen Beamten bedient. Ter Zu,all nnll. dav cuicv -lagcs die Zahl der mitzunehmenden Güterwagen groyer i,t als ,on,t. Der Lokomotivführer setzt die ungewohnte größere range ter Wagenkettc nicht in Rechnung, fährt mit etwas zu viel krart, so daß ein zu harter Zusammenstoß mit dem Per,oncn;ug bevor- auftelien scheint. Ter Weichensteller bemerkt dtcicn :.iangel an Berechnung, springt auf einen der vorbereitenden Wagen und bremst. Diese Notwendigkeit eines ungewöhnlichen entununc» reißt ihn aus der meck)anischen Gleichmäßigkeit lernet taglidicn Verrichtungen, seine Ausmerksamkclt wird au, «nen Augenbluck abgcleiift, und er vergißt, die Weiche wieder umzu,tell>.n. (Stunde später brau ft der Expreß Durch Die ^wnon, gerat, lurch die Stellung der Weiche auf das Nebengeleue, und eine iurdit bare ^Katastrophe ist geschehen. Auch bei Malm,tadt ha! ein l n- gewöhnlichkcit, eine Abivcichuni) von dem geivohnlichen^ -ck laj des Betriebes, unmittelbar zur .'tataitroplje geführt , da «ahulUiy hatte die ungcnwhnl.che Verspätung von mehr eimr sliinD.. und dem Führer des Güterzuges beherrschte geivohr.b. tinauig i Gefühl, daß der Nachiexpreß wie immer um dieje Z^u langu
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Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schiil- strnve 7. Expedition imb Verlag: fcÄ31.
Redaktion: ead 112. Tel.-Adru AnzeigerGleven.
Zweites Blatt 162. Jahrgang
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhejsen
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ausgerüstet und bekleidet. Es stellte dies eine ansehnliche Verstärkung der Garnison dar.
An die nächsten Garnisonen des Festlandes Aurich, Emden, Oldenburg, Osnabrück, Hildesheim erging der Befehl, Verstärkungen nach Borkum zu senden. Tie Eisenbahn batte Militär-Extrazüge zu gellen, aus denen die mobil gemachten Truppen nach Emden befördert wurden, vier war inzwischen auf dem Bahnhofe eine Bahnhofs- lommandantur ins Leben getreten, j)ic den ganzen Betrieb ubccnal)in. Tas gesamte dienstfreie Eisenbahnpersonal wurde zum Tienst beordert, um den gesteigerten Betrieb ordnungsgemäß beivältißcn zu lönnen. An die Reedereien erging der Auftrag, alle verfügbaren Dampfer für den Truppentransport zur Verfügung zu stellen, und obwohl bei dem größten Teil erst Feuer angemacht werden mußte, gelang es doch, alle enttreffenben Truppen ohne Verzug weiter zu befördern. 8 Stunden nachdem die ersten feind» lieben Schiffe gemeldet waren, traf der erste Truppentransport bereits auf der Insel ein. Mit einem Wort: es batte alles vorzüglich geklappt.
Wir Badegäste waren in Borkum an den Strand geeilt und ballen uns auf den höchsten Erhebungen der Duneu- lette aufgestellt, um ja nichts zu versäumen. Der ganze Strand wurde mit Strandwachen besetzt, die scharfen Ausblick nack) der See hin hielten. Auch auf dem Leuchtturm zog ein militärischer Beobachtungsposten auf, der von den Wächtern unterstützt wurde. Ein Marinefernrohr wurde ausgestellt, um jedes an kommende Schiss erkennen zu können. Elettrische Leitungen verbanden diesen wlchttgen Posten mit der Kommandantur und den einzelnen Werken. Manche Maßnahmen, wie z B baä Auslegen 2er Minen, konnte freilich nicht ansgesührt, sondern nur angeoeütet loeröcn. Tic kleine Bahn, die den Hasen mit der Badestadt vor bindet, wurde in üerftärtten Betrieb genommen, um die antommenden Truppen schnell nach ihren Bestimmungsorten zu bringen. Trotzdem sic auf eine derartige Massenbeförderung nicht eingerichtet war, entsprach sie doch allen berechtigten Anforderungen.
Unterdessen hatte sich der Gegner, der von der Uebungs- flotte dargeftellt mar, der Insel genäl-ert. Er stellte unsere Geduld auf eine harte Probe, dein, er wartete bas Eintreten der Nacht ab, ehe er fich auf wirlfame Schußweite heran ivagte. Aber wie eine Mauer blieb das Publikum auf seinen Posten. Tic Scheinwerfer entdeckten den Gegner aber, trotz aller seiner Vorsicht und trotzdem er alle seine Lichter abgcblenbet hatte. Und nun begann ein heftiger Geschütz kampf, der mehrere Stunden dauerte. Auch die a n g r e i f e n d c 51 o 11 c ließ ihrc^Scheinwcrser spielen, um die im Dünengelände liegenden Batterien zu entdecken und unter Feuer zu nehmen. Gegen Morgen wurde an genommen, daß das Feuer der Strandbatterien iiicbcr- gekämpst sei, so daß cs dem Angreifer möglich war, ein L an dun g s k o r p s auf kleinen Booten gegen die Insel vorzutreiben, das nach der Landung die einzelnen Werke stürmte. Damit batte die interessante und lehrreiche Uebung ihr Ende erreicht.
Allgemein waren wir aber der Ansicht, daß unter den vorliegenden Verhältnissen eine Landung schwerlich Erfolg gehabt hätte, und daß das schnelle Nieder- kämpfen der rtüfhmarlillcric nur angenommen worden war, um die Hebung in der beabsichtigten Weise zu Ende zu führen. Immerhin wird zu erwägen sein, ob die jetzige Garnison der Insel genügent) ist, oder ob es notmenbig ist, sie zu verstärken. Die Heranfülfrung der Truppen aus den rückwärts gelegenen Garnisonen gelang sehr schnell. ES lagen aber auch sehr günstige W i tt e r u n g sv erhält n i s s c vor. Bei starkem Winde, hohem Wellengang, bei dichtem Nebel dürfte sehr viel mehr Zeit dafür verwendet werden nmssen. Eisgang kann die llcbcrfübrung der Truppen direkt unmöglich inadfcn. Das ist umfv schwerwiegender, als diese ungünstigen Momente gerade in den Zeiten des Herbstes und des Winters einzntreten pflegen, wo der aus-
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