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Zweites Blatt
162. Jahrgang
Nr. 91
Grschetni kögTIch mtt AuSnahm, oefl Sonntag».
Die „•leftener Samtllenb lütter* werd er, dem .Anzeiger^ otennal wöchentlich betgriegl, bal „Kretsblatl für den Kreis Lietzen- zweimal wöchentlich. Tie ..landwirlschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Donnerstag, 18. April 1912
Retartonlbrud anb Verlag der vrüdl'fche« Untverfuiil - Buch- und 6tetnbru(feteL 9L Lange, Gießen.
Redaktton. Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L
•köafttetrci<8112. Tel.-Adru AnzeigerGteßen.
Die neuen Wehrvorlagen
foerben, so wird uns aus Berlin geschrieben, im Reichstage nach beendeter erster Lesung dem Budgetausschuß überwiesen werden, der diese Vorlagen im Zusammenhänge mit dem Militär- und Marineetat beraten wird. Der aus Anlaß der Wehrvorlagen dem Reichstag vorgelegte Ergänzungsvoranschlag greift in so vielen Punkten in den Militärvoranschlag Ifür U 912 ein, daß. seine besondere Behandlung des Militärvoranschlags und der Weyrvorlagen sich nicht bewerkstelligen läßt Es ist beabsichtigt, bis zu Pfingsten die Weyrvorlagen zu verabschieden, dagegen die Verabschiedung der Teckungsvorlagen erst nach P ingsten vorzunehmen oder eine Lerbstsrühsession im September in Vorschlag zu bringen. Mit Bedauern ist in parlamentarischen Kweiien konstatiett worden, daß die Wehrvorlagen keine Erhöhung der Mannschaftslöhnung beantragen. Wie verlautet, soll ein derartiaer Antrag von den Parteien gestellt werden, denn man yosft, daß die Regierung diesem Anträge zustimmen wird. Das nähere Studium der Decknngsvorlagen und des Entwurfes betr. Beseitigung des Branntweinkontingents hat in Abgeordncten- kreisen die Ueberzeugung wachgerufen, daß die parlamentarische Behandlung dieser Fragen ungemein schwieriger sein wird, als bisher angenommen wurde, ©in großer Teil der Deckungsvorschläge befindet sich in einer Denkschrift, die den Wehrvorlagen beigegeben worden ist. lieber diese Denkschrift kann eine Abstimmung nicht erfolgen. Von verschiedenen Seiten ist der Wunsch geäußert worden, die Bespreäzung der Deckungsvorschläge im Ausschuß erst nach Pfingsten vorzunehmen, damit der Etat mit den Wehrvorlagen, ivenn irgend möglich bis Pfingsten zur Verabschiedung gelangen kann. Die schnelle Verab- sciftedung der Wehrvorlage wird auch mit Rücksicht aus das Ausland für geboten erachtet.
Aus dem Ergänzungsvoranschlag, der den Wehrvorlagen beigegeben ist, sind die neuen Forderungen für die einzelnen Garnison st ädte ersichtlich. So erhalten u. a. neue Maschinengewehr kompag- n i e n in Berlin das Alexander-Regiment, das Kaiser- Franz-Regiment, das 2. Garde-Regiment, ferner das Infanterie-Regiment Nr. 146 in Allenftein, die Garnisonen Goldap, Insterburg (Regiment 45), Königsberg i. Pr. (Grenadicrregiment 1, Reg. 43), Hohensalza, Stargard in Pommern, Stralsund, Frankfurt a O., Prenzlau, Spandau (Gardegrenadierregiment Nr. 5), Magdeburg, Wittenberg, Görlitz, Posen (Jnf.-Regt. 46), Breslau, Brtcg, Cosel, Neisse, Detmold, Paderborn, Aachen, Bonn, Köln, Saarlouis, Trier, Rendsburg, Rostock, Braunschweig, Hannover, Osnabrück, Kassel, Gera, Göttingen, Gotha, Freiburg in Haden, Mannheim, Rastatt, Danzig-Langfuhr, Graudenz (Regiment 141, Regiment 175), Marienburg, Osterode, Thorn (Regiment 61), Frankfurt a. M., Gießen, Mainz (Regiment 87 und Regiment 117), Offenbach, Dresden, Zittau, Chemnitz (Regiment 104), Leipzig, Plauen, Heilbronn «Regiment 122), Weingarten (Regiment 124 , Stuttgart (Regiment 125), Gmüno (Regiment 180).
In Elsaß-Lothringen erhalten folgende Garnisonen Maschinengewehrkompagnien: Mühlhausen, Dieuze, Hagenau, Straßburg (Jnsanterieregimenler 126, 136), Weißenburg, Zabern, Metz und Mörchingen. Das neue P i o n i e r r e g i m e n t kommt nach K ü st r i n.
Die Friedenspräsenzstürke des deutschen Heeres wird durch die neuen Weyrvorlagen von 515 321 aus 544 211 Köpfe erhöht. An dieser Friedenspräsenzstärke sind beteiligt Preußen und die unter seiner Verwaltung stehenden Kontingente mit 420 939, Bayern mit 60351, Sachsen mit 41625 und Württemberg mit 21296 Gemeinen, Gefreiten und Obergefreiten. Die Zahl der Bataillone bei der Infanterie wird von 634 auf 651 erhöht, die Zahl der
üavallerieeskadrons von 510 auf 516, die Zahl der Batterien bei der Feldartillerie von 592 auf 633, die Zahl der Pionierbataillone von 29 auf 33, die Zahl der Bataillone der Vcrkehrstruppen von 17 auf 18, die Zahl der Trainbataillone von 23 aus 25.
Laut „Berliner Politischen Nachrichten" soll die Erhöhung der Mannschaftslöhne erst vom Beginn des nächsten Rechnungsjahres ab cintreten und wird deshalb auch erst im Reichsetat für 1913 in Erscheinung treten.
Die Forderungen für Hessen.
Dio Heeresvermehrung bringt für Hessen folgende militärischen Neubauten: In Darmstadt für die Unterkunft einer Fliegertruppe. Als 1. Rate für Entwurf und Grunderwerb sowie zum Baubeginn werden 80 000 Mk. angefordert, während der ganze Bau 150 000 Mk. kosten soll. In Gießen wird eine neue Kaserne für eine Maschinengewehr-Kompagnie errichtet werden. Der Bau soll 204 000 Mark kosten, wovon zunächst für den Entwurf, den Bauplatz und zum Baubeginn 40 000 Mk. angefordert werden. Der Bau soll umfassen: 1 Kompagniehaus, 1 Pferdestall, 1 Fahrzeugscl/uppen, 1 Waffenmeisterei, 1 Beschlagschmiede, sowie die erforderlichen Schuppen, Aborte und Nebenanlagen. In dem Kompagniehaus ist eine Offizierwohnung vorgesehen. In Mainz sind bei den Infanterie- Regimentern Nr. 87 und 117 ähnliche Bauten vorgesehen, ebenso in Offenbach. Die Kosten sind veranschlagt bei Mainz auf 83 000 Mk. (1. Rate 40 000 Mk.) und 172000 Mk. (40 000 Mk.) und für Offenbach auf 224 000 Mk. (120 000 Mark.). Ferner werden gefordert für Mainz der Neubau einer Kaserne für die Besparmungsabteilung eines Fußartillerie-Regiments 283 000 Mk. (1. Rate 80 000 Mk.), für die Einrichtung der Bauhofkaserne zur Unterbringung eines Fußartillerie-Bataillons 140 000 Mk. und für Ergänzungsbauten in Worms für die Unterkunft einer Ma- schinengetvehr-Kompagnie 93 000 Mk. (1. Rate 60 000 Mk.).
Versammlung der 5chreibgehülsen.
Man schreibt uns:
Am verflossenen Sonntag hatte man Gelegenheit, in Darmstadt einer außerordentlichen Generalversammlung des Verbandes der Schreibgehilfen bei den Hess. Staatsbehörden beizuwohnen, fiir die der Verbandsvorstand seine Mitglieder berufen batte, uni ihnen Gelegenheit zur Entscheidung darüber zu geben, welche Initiative gegen die Maßnahme der Regierung zu ergreifen sei, die die Schreibgehilfen auch in der neuen Besoldungsordnung ganz und gar stieftnütter- lich behandelt. Tie Versammlung hatte als einzigen Punkt über die Gehalts- und Anstellnngsverhältnissc zu diskutieren und es entspann sich hierüber eine lebhafte Debatte, die nahezu 5y2 Stunden dauerte. Am Sästusse der Versammlung wurde, in der Hoffnung, daß die Landstande bei Beratung der neuen Besoldungsordnung den Schreibgehilfen weitgehenderes Wohlwollen als die Regierung entgcgenbringen und ihnen das Einkommen besser gestalten, ein Hoch auf den GroßherzvA ausgebracht.
Wir meinen, die «chreibgehilsen sollten sorgfältig auch den Anschein unterdrücken, als wollten sie ihre Staatstreue, die in dem Hoch auf den Landesherrn einen äußeren Ausdruck erhält, von der Erfüllung ihrer pekuniären Wünsche abhängig machen. Der Einsender des Versammlungsberichtes bittet uns noch um Aufnahme folgender Ausführungen:
Hier in dieser Versammlung konnte man wirklich einen richtigen Einblick in die traurigen, ja ärmlichen Verhältnisse der Schreibgehilfen bekommen. Nach dem Resultat der Verhandlungen will die Regierung in der neuen Besoldungsordnung die Not der
nicht angestelltcn Säneibgehilfen, die ja auch schon allgemein/ insbesondere in der Zweiten Kammer, wiederholt anerkannt und zum 2lusdruck gebracht worden ist, dadurch lindern, daß sie für diese als Erhöhung der Vergütung ganze 5 0 Mark in den mittleren und oberen Vergütungsstufen, und 75 Mark in den mittleren Stufen pro Jahr vorgesehen hat. Man wird es unglaublich finden, aber es ist eine Tatsache Erin 35 jähriger Schreibgehilfe, der jefct 1400 Mark bezieht, soll in Zukunft, ivenn die Regierungsvorlage Gesetz wird, 1450 Mark Gehalt beziehen oder ein Mehr gegen jetzt von runb-312 Prozent. Und diese Erhöhung soll dann selbst bei weiterer Steigerung der Subsistenz, vielleicht! ganz und gar, wenn Gehilfett nicht dekretmäßig angestellt werde«/ bis zum Jahr 1927 genügen.
O, ihr armen Sclneibgehilfeii, muß man da ausrufen, es ist schlecht um euch bestellt! Der Einsender wundert fidt nicht, daß euere Versammlung einen niedergeschlagenen, oft erbitterten Anstrich batte. War't iljr durch die letzten üainnrerverhandlungen, durch das warme Eintreten mehrerer .Landtagsabgeordneten in eurer Hoffnung wieder etwas bestärkt worden, so mußtet ihr nach Bekanntgabe der neuen Besoldungsordnung wieder große Enttäuschung erfahren.
Trotzdem ein Schreibgehilfe von 32 bis 35 Jahren mit Frau und 3 Kindern nach Abzug aller anderen Ausgaben mir etwa 66 Pfg. täglich zu verzehren bat — wie Herr Abgeordneter Grünewald vor der Regierung und der Zweiten Kammer feststelltc —< hat die Regierung sich nicht erweichen bezw. dazu bewegen lassen, für Schreibgehilfen ein einigermaßen ausreichendes Gelallt in die Besoldungsordnung auszunehmen.
Nicht unerwähnt bleiben soll, daß solche drückende Zustände! nicht selten auch auf das Familienleben ungünstig ennoirüen und Unfrieden, scksticßlich auch Zerwürfnisse in der Familie schaffen können. Wie kann ein besorgter Vater, dessen Familie der En6- behrung ausgesetzt ist, sich glücklich fühlen! Wie iüäre es für ihn möglich, sich unter seiner Familie zu freuen, wenn Wehmut und Gedanken um das Wohl seiner Familie ihm die Brust beklemmen.
Vor nicht allzulanger Zeit behauptete der Einsender eines Artikels im Gießener Anzeiger, daß auf dem Tische der akademischen Beamten Butter zurzeit ettvas seltenes sei. Wenn dent so ist, dann möchte der Einsender einmal fragen, was soll auf dem Tische eines Schreibgehilfen erscheinen, der für eine 5 köpfige Familie, wie oben gesagt, 66 Pfg. pro Tag für Verköstigung zur Verfügung hat. Die Antwort könnte dock) ivoty nicht lakonischer lauten als Pellkartoffeln und Komnrisbrot mir schwarzem Kaffee.
Es ergeht deshalb von hier aus nochmals der Mahnruf und die dringende Bitte an die Herren Abgeordneten, wenn sie deut nächst die Besoldungsordnung beraten, vergeßt die Schreibgehilsen nickst: und verschafft ihnen ein ausreichendes Einkommen. Auch die Bordienstzeit zur dekretmäßigen Anstellung sollte den Schreibgehilfen unter feinen Umständen erhöht werden, zumal durch solche mir ein Mehraufwand von 27 Mark pro Jahr und Angestellten erforderlich wird. Wird die Vordienstzeit wider Erwarten erhöht, so ist es Pflicht des Staates, für gerechte Uebergangsbestininiungen fürr diejenigen Gehilfen zu sorgen, die kurz vor der Anstellung stehen.
China und da; Gpiumrauchen.
Allem Anschein nach wird cs noch längere Zeit, vieler leicht sogar Jahre dauern, bis das ungeheure chinesische Reich nach der Vertreibung seiner Herrscher-Dynastie wieder zu normalen Zuständen tvirtschaftlicher und rechtlicher Art gelangt. Bei den vielen Nachrichten von Revolten, Brand-« Stiftungen und Morden wirkt es sympathisch, wenn man auch einmal von Fortschritten der Zivilisation in China vernimmt. So lesen wir in dem letzten Handelsbericht der Drogen-Weltfirma Gehe u. Co. über die Bekämpfung des- Opiumraucl-ens in China folgendes:
„Es darf jetzt wohl anertamit werden, daß es der chinesischen. Zentralregierung ernst damit ist, das Laster, das die Vollkraft des Reiches untergräbt, auszurotten und ihre Verpflicknungen gegen England zu erfüllen. Der Bericht des englischen Sachverständigen über die Reise in den Mohnbauprovinzen muß die britische Regierung doch wohl befriedigt haben, da der Vertrag- wonach die Opiumeinfuhr aus Indien im gleichen Verlstiltnisse der Abnahme des Anbaues von Mohn in China beschränkt wird, erneuert worden ist. Lluch zu einer Erhöhung der Steuer auf chinesisches und des Zolles auf indisches Opium hat die britische!
Industrie und Technik.
Aufsuchung nutzbarer Lagerstätten mittels elektrischer Wellen.
Man erinnert sich noch des Aufsehens, das die Entdeckung der Röntgenstrahlen erregte. Tie Röntgenstrahlen sind dem Licht verwandte Aetherwellen, nur ist die Wellenlänge bedeutend kleiner als die der Lichtwellen. Diese Eigenschaft befähigt die Röntgen- scheu Wellen durch die Zwischenräume der Moleküle fast aller testen Körper hindurchzudringen und so die bekannten Röntgenbilder hervorzurufen. Aut diese Weise ist es aber nur möglich, verhältnismäßig dünne Schichten durchsichtig zu machen. Von welch enormer Tragweite wäre es, wenn man Wellen zur Verfügung hätte, mit denen man selbst größere Erdschichten durchdringen könnte!
Solche Wellen gibt es in der Tat: es sind dies die her der drahtlosen Telegraphie verwandten, nach ihrem Entdecker, dem leider zu früh verstorbenen Heinrich Hertz, genannten Hertz- fdien Wellen. Sie werden auf elektrischem Wege erzeugt, sind aber im Prinzipe nichts anderes als vergrößerte Lichtwellen. Während letztere aber kürzer als v1000 mm sind, beträgt die Länge der Hertzschen Wellen mehrere Meter, ja selbst Kilometer. Zu diesen Wellen verhalten sich die dicksten Erdmassen wie das Glas den Lichtstrahlen gegenüber. Ties gilt aber nur für die Körper, welche schlechte Setter der Elektrizität sind, also die sogenannten Isolatoren. Leitfähige Massen lassen dagegen die drahtlosen Wellen nicht durch, sondern reflektteren sie, ähnlich wie ein Spiegel die normalen Lichtwellen. Hierauf hat Tr. H. Löwy ein interessantes Verfahren zum Aufsuchen nutzbarer Lagerstätten wie zur Erforschung des Grbinnern überhaupt basiert. Tie meisten verwertbaren Lagerstätten enthalten Leiter der Elektrizität, wie Erze, Kohle, Petroleum usw. Tr. Löwh hat nun zwei verschiedene Methoden ausgebildet, solche leitenden Lagerstätten nachzuweisen, die er als Reflexions- und Absorptionsmethode bezeichnet. Zu- nächst ist zu bemerken, daß wir die Hertzschen Wellen wegen ihrer enormen Länge mir unseren Augen natürlich nicht wahrnehmen können. Wir müssen daher- durch besondere Apparate eine Erweiterung unserer Sinne nach dieser Hinsicht vornehmen. Es geschieht dies mit Hilfe der Empfänger, wie man sie bei der drahtlosen Telegraphie benutzt, der sogenannten Detektoren. Bei der Refexionsmethode stellt man an der Erdoberfläche einen Sender elektrischer Wellen auf. Letztere bringen in die Erde ein und kehren nicht zurück, wenn die getroffenen Schichten Isolatoren smd. Sobald sie aber auf eine leitfähige Lagerstätte ober eine Wasserschicht treffen, werben sie wieder zur Erdoberfläche zurückgeworfen und man kann sie dorr mit Hilfe des Detektors aujs-
nehmen. Aus der Art der Reflexion kann man die Tiefe und Ausdehnung der Lagerstätte berechnen.
Bei der Absorptionsmethode müssen mindestens zwei Punkte zugänglich sein, die das auszusuchende Lager zwischen sich haben, etwa zwei Bohrlöcher oder geeignet liegende Teile eines ober mehrerer Bergwerke. Man bringt an dem einen Punkte ben Sender, am anderen den Empfänger an, und versucht dann Signale auszutauschen, was nur solange möglich ist, als keine leitfähigen Stoffe den Wellen den Weg versperren. Sprechen die Apparate nicht an, so weiß man, es liegt eine ErH-, Kohlen-, Petroleum- ober Wasserschicht dazwischen.
Bisher hat Tr. Löwy im Verein mit Tr. Leimbach in den verschiedensten Bergwerken- Teutschlands Versuche angestellt und zwischen verschiedenen Bergwerken eine drahtlose Verbindung durch die trennenden Erdmassen hindurch Herstellen können. Tazwischen liegende Wasser- ober Erzschichten machten im Einklang mit ber Theorie den Austausch von Signalen unmöglich.
Ter Versuche werden jetzt noch fortgesetzt und man darf den weiteren Ergebnissen mit Spannung entgegensetzen. Vielleicht erfahren wir auf diese Weise auch etwas aus dem tieferen Innern der Erde. Bekanntlich behauptet die modexne Naturwissenschaft aus guten Gründen, daß das Erdinnere aus einem massiven Eisen- ober Metallkerne besteht. Ties wirb sich vielleicht mit ber Reflexionsmethvbe nachprüfen lassen. Berücksichtigen wir bie munberbaren Fortschritte, welche bie Menschheit im letzten Jahr- hunbert in ber Erforschung unb Ausnutzung der Naturkräste gemacht hat, so ist der Gedanke gar nicht so ntopistisch, baß wir noch einmal unseren ganzen kleinen Planeten burchleuchteu, ähnlich wie eine burchsichtige Glaskugel, in ber sich bie Metalle, Kohle und Wasserschichten als unburchsichttge Massen abheben würden.
von öer ikbertnübung Oes (Eifens.
Hin und wieber wirb bas Publikum burefi bie Nachricht vom Einsturz eiserner Bauten, Brücken ober Bahnhofshallen erschreckt. Meist kommen solche Nachrichten aus Amerika. Tie neueste aber stammt aus Teutschlanb und betrifft ben riesigen Nauener Turm, der in sich zusammengestürzt ist. Für eine Weile wird das Zutrauen zum Eisenmaterial, bas in kühnen Konstruktionen gewaltige Spannweiten überbrückt und schwer belasteten Eisenbahnzügen ben Weg über Ströme, Meeres eng en unb Abgründe bietet, etwas erschüttert, um bann wieber dem gewohnten Gleichmut Platz zu machen. Im Grunde genommen liegt auch kein Anlaß zur Besorgnis vor, denn eine sogenannte Ucbermübung des Eisens, also eine Schwächung seiner Struktur durch lange Inanspruchnahme, sei es durch Zug oder Truck, findet, wie eingehende Untersuchungen ergeben haben, nicht statt.
Tiese Tatsache ist einwandfrei festgestellt durch zahlreickx Messungen, die im Auftrage der preußischen Eisenbahnverwaltung an den jahrelang starken Spannungswechseln ausgesetzt gewesenen Teilen alter Cisenbahnbrücken angestellt worden sind. In allen ßänbem haben solckie Untersuchungen das gleiche Ergebnis ge- häbt. Es sind dabei Eisenteile geprüft worden, die unter starker Inanspruchnahme schon 50—60 Jahre in Tienst standen, mithin aus der Jugendzeit ber eisernen Brücken flammten. Solange- eben bas Eisen nur innerhalb ber Elastizitätsgrenze in Anspruch genommen wird, also die einzelnen Teilchen nach aufgehobener Beanspruchung wieber in ihre alte Lage zurückkehren können, ist eine zum Bruch führenbe Strukturveränberung ganz ausgeschlossen. Ein bcbcutenber Sicherheitskoeffizient sorgt auch basür, baß jede Eisenkonstruktion nur soweit beansprucht wirb, daß ein Ueberschreiten ber Elastizitätsgrenze niemals ftattfinben kann.
Wenn nichtsdestoweniger Zusammenbrüche großer eiserner Bau-> ten stattfinden, so liegt der Grund erfhveber an einer mangelhaften Konstruktion und nachlässigen Ausführung, oder an einer' vis major, wie Zerstörung ber Widerlager unb Pfeiler burch gewaltige Naturereignisse, ober (bei Brücken) an ber Entgleisung des Eisenbahnzuges, ober endlich an fehlerhaften Schweißstellen und am Rost, der sich tückisch eingefrrifen hat. Schweißeisen ist früher viel verwendet worden. Wie gefährlich fehlerhafte Schweißstellen werden können, hat sich metzriach erwiesen. Eines der interessantesten Beispiele lieferte vor wenigen Jahren der Einsturz einer alten Bahnsteighalle in London. Ta man vor fünf Jahrzehnten noch nicht imstande war, Bauteile zu solchen Eisenkonstruktionen aus einem Block zu walzen, so waren die Zugstangen aus acht aufeinander gelegten Flachstäben zu einem Rundstabe zusammengeschweißt, und eben bei diesem Schweißen waren fehlerhafte Stellen geblieben, die dann im Verein mit dem Rost, der sich hier und da bis auf anderhalb Millimeter eingefressen hatte, schließlich den Einsturz der Halle herbeiführten. Bei ber üblich geworbenen Verwendung von Flußeisen und Stahl gibt es zwar keine fehlerhaften Schweißstellen, aber andrerseits hat Flußeisen wieder den Nachteil, daß es leichter als Schweißeisen rostet. Und der Rost ist ein furchtbarer Feind, zumal er schwer zu entdecken ist. Für einen wirksamen Schutz des Eisens gegen die Feuchtigkeit der Atmosphäre und den Lokomotivdampf durch einen gut deckenben Abschluß, dessen Herstellung Ausgabe des Chemikers ist, wird daher stets Sorge getragen. Ist nun bie Auffassung ber Laien, daß Eisen in der Brückenkonstruktion mit der Zeit durch die fortwährende Inanspruchnahme müde, mithin brüchig werde, völlig hinfällig, so ist auch die Furcht, daß durch die große Spanmveite moderner Brückenkonstrukttonen Einstürze entstehen könnten, durchaus unbegründet.


