Donnerstag, 17. (Moder 1912
<62. Jahrgang
Erstes Blatt
GietzenerAnzeigel
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
schon Buckland in früheren Zeiten einzelne Gerätschaften entdeckte.
alle Vorratskammern und Werkstätten in Höhlen, die ins Eis l forschten die berühmter: Höhlen von Govcr in L>üdwales, wo '' sonder- schon Buckland in früheren Zeiten einzelne Gerätschaften entdeckte.
gehüllt I Z
betrug 1400 Kilometer.
Tie Fr am hatte also sowohl zur Erforschung des höchsten Nordens, als auch des äußersten Südens gedient.
Am Scklust des Vortrags folgte man noch einmal an der Hand kinematographischer Bilder der ganzen (Spedition.
Tie Südpolexpedition war nickt nur eine hervorragende sportliche Leistung, sondern sie hat auch einen besonderen wissenschaftlichen Wert. Hal doch Amundsen das Land durchquert, das früher Australien mit Amerika verband, und das jetzt zum größten Teil im Weltmeer versenkt ist- Man hat dort auch Spuren von Pflanzen gefunden.
— Vorgeschichtliche Höhlenmalereien in England entdeckt. Aus London wird berichtet: An den Wänden der sogenannten Bacons-Höhle in Wales ist den Professoren Breuil und Sollas eine interessante Entdeckung geglückt. Sie sanden hier die ersten prähistorischen Höhlenmalereien, die bisher in England bekannt geworden sind. Die beiden Gelehrten durch
Vezn q<i rei 8; monnt(irh75xLU., viertel- jährlich Mk. 2.20. Durch Ab ho le- iu Zweigstellen monatlich 05 Bf.; durch die Post Mk.2.— viertel» jährl. ausfchl. Besteüg. Zeilenprew: lokal 15 IM., aufcwärtt 20 B'enmq. Eheiredakteur: 21 Goetz. Verantivortltch für den polrnichen teil August Doch, für .Feuille- lou', .Vernnfchles' „DerichtSfaal": K. Neurath, für .Stadl und Land- E.Heu. für den Anzeigenteil £> Beck.
gehauen wurden, untcrgebracht wurden. Es macht einen baren Eindruck, den Expeditionsschneider in dicke Pelze in seiner Werkstatt arbeiten zu sehen. Die Temperatur in diesen Höhlen stieg selten über — 20". Tas Fleischzelt mußte noch mit einer dicken Sckneemaucr gegen die Angrisse der Hunde verstärkt werden. So kommt allmählich der südliche Winter, der alle Bauten in einen dicken Sckneemantel hüllt. Tie Zeit wird damit verbracht, diCAnsrüftung der Schlitten usw. zu vervollständigen. So kommt der 8. September, an dem zum ersten Male die Temperatur — 30° beträgt. Tie Menschen können in ihren Pelzen ja noch liefere Temperaturen aushalten, aber für die Hunde ift dies die äußerste Grenze. Der Aufbruch geht also von statten, aber nach kurzer Zeit wird es wieder kälter, so daß man zur Umkehr gezwungen ist. /Endlich am 20. Oktober konnte man endgültig ausbrechen. Tie Hunde durften sich noch einmal tüchtig an frischem Seehundfleisch laben und so aus die schmale Zeit vor- bcreiten. Am 6. T-ezember wurde der höchste Berg von 3360 Meter erreicht. Am 13. Tezember besand man sich in 89" 37' südlicher Breite. Tas Ziel mußte also am nächsten Tage erreicht werden. Am 14. Dezember, nachmittags 3 Uhr, wurde die norwegisckie Flagge aus dem Südpol ausgepslanzt; das Bild, das den Augenblick darstcllt, wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.^ Am 17. Dezember wurde die Rücksahrt angetreten und nach 39 Tagen erreichte man den Ausgangspunkt wieder. Alle Niederlagen wurden noch aufgefunden. Tic Entfernung, die zurückgelegt wurde.
In der Bacons-Höhle, wenige Meilen westlich von den sogenannten Mumbles sanden sie auf der rechten Höhlenwand, etwa in Höhe der Äugen, eine Reihe roter horizontaler Streifen. Tie Zeichnung stammt aus der Periode von Aurignac und weist Aehnlichkeit mit den Höhlenmalereien von Font de Gaume in der Bordogne auf. Bisher waren in England noch nie Spuren der Kunstbetätigung' des vorgeschichtlichen Menschen entdeckt worden. Die Funde in Wales bilden eine interessante Ergänzung der Entdeckung in Süd-
(Tienstag und,<rcitofl); zweimal monotl. tand» wirtschaftliche Stittrwe Ferniprech • Anschlüße:
General-Anzeiger für Gbecheffen
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srankreich und den Pyrenäen.
1k. Neues von den Ausgrabungen auf dem! Palatin. Tie Fortsetzung der Ausgrabungen Bonis auf dem Palatin hat, wie die „Kunstchronik" berichtet, wieder mehrere . interessante Funde zutage gefördert. So entdeckte man unter einer großen Anzahl von Votivaegenständcn in beträchtlicher Tiefe die ausgezeichnete Darstellung eines Kamels in Ton. Der Fund dieses Tierbildnisses in einer weit zurückliegenden Schicht wirft Licht auf die Streitfrage, wann die Römer zuerst das Kamel kennen gelernt haben. Während Sallust eine ziemlich späte Zeit annimmt, wundert sich Plutarch im Leben des Lucullus darüber und meint, die Römer müßten das Kamel schon in den ersten 5kricgcn mit asiatischen Völkern kennen gelernt haben. Von den sonstigen Funden seien noch einige Medaillons mit mythologischen Figuren und Szenen aus der Ilias von großer Lebendigkeit erwähnt. Diese Bilder wurden unterhalb des Trikliniums aus einer Mauerwand freigefegt.
— Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung bet Geschlechtskrankheiten. Am 19. Oktober d. I. kann die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten aus eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. Ter soeben von der Gesellschaft versandte Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Tezennium läßt erkennen, welche Fülle von ersprießlicher Arbeft sie in diesen Jahren geleistet Hal, zugleich aber auch, wieviels Ausgaben ihrer noch in Zukunft harren und wie groß die Schwierigkeiten sind, die sich gerade den Bestrebungen zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten entgegenstellen. Tie Jahresversammlung findet der „Münch. Med. Wochenschrift" zufolge am 19. Okt. in den Räumen des Kcriserin-Friedrich-Hauses in Berlin statt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der Bildhauer Bernhard Blecker-München hat den Auftrag erhalten, eine Büste Richard Wagners für die WalhoLla zu schaffen.
Roal6 Amundsen über seine Südpolsahrt.
Am 15. Oktober sprach in Frankfurt (Main) Roald Amundsen auf Einladung des Vereins für Geographie und Statistik über seine Südpolrcise. Hoftat Tr. Hagen begrüßte ihn im Auftrage des Vereins und überreichte ihm die goldene Ruppelmedaille und die damit verbundene Ehrenmitgliedschaft. Denselben Vortrag hielt er abends vor dem breiteren Publikum im oaalbau. Er war infolge des fremden Tonfalls oft schwer verständlich, aber was er sagte, wirkte auf seine Zuhörer.
Ter Erfolg seiner Reise ist in erster Linie seinen umfassenden Vorbereitungen zu danken. Tas sckwn ost bewährte Polarschiff, die Fram, brachte ihn von Norwegen nach Madeira, wo die letzten Vorbereitungen abgeschlossen wurden. Tann ging es weiter „ach Süden, wo gegen die sengenden Sonnenstrahlen das Sonnen» leget ausgespannt werden mutzte. Wir benutzen die Zeit, um uns on der Hand von Lichtbildern mit den Teilnehmern der Exkursion und dem inneren Aussehen der Fram bekannt ni machen. Neben allerlei Kurzweil vertreibt eine jugendliche Ballettänzerin den Vordringenden die Zeit. Es geht nun um die Südspitze Afrikas südlich an Australien vorbei nach der Walfischbuckt. Wir mußten das Sckiss wegen des Eises ankern. Tie Bucht wurde schon feit 70 Jahren beobachtet, ohne daß sie ihr Aussehen geändert hätte. Es war deshalb wahrscheinlich, daß sich unter dem Eise festes Land besand. Hier sollte daher der Stützpunkt der Expedition errichtet werden. Tie Leute wurden in zwei Abteilungen geteilt, die See^ und die Laiidmannschaft. Tic Seemannschasl batte das Schiss wieder zurückzubringen, während die Land- uiannschast den Marsch nach dem Süden sortsetzen sollte. Der Punkt, an deni man sich befand, war der südlichste, der bis jetzt ;u Schiff erreicht war.
Man ging jetzt daran, eine Hütte zu errichten, deren inneres -unseren wohnlichen Blockhäusern auf den Gebirgen glich. Am 28. Januar war das Haus fertig. Am 15. Februar trat em Teil den Weg nack dem Süden an, um auf dem 80." südlickier Breite die erste Niederlage zu errichten. Ter 170 Kilometer lange Rückweg ivurde in zwei Tagen zurückgelegt. Am 27. brachen icht Mann auf, um eine zweite Niederlage auf 81" südlicher Breite 5ii errichten. Drei Mann kehrten von hier wieder zurück, die ihrigen legten auf 82" Vorräte nieder. Im ganzen wurden 10 Niederlagen errichtet. In den drei ersten wurden 3050 Kilogramm Vorräte untergebracht. Nicht zum wenigsten diesen Vor- fccreitungcn ist der gl stell ickre Erfolg zu verdanken. Außerdem nimmt Am im dien immer Gelegenheit, der treuen Hunde zu gedenken, die viel »tun Gelingen beigetragen haben. Aul der ÄawMiiLderlchsuug toenrte boe iBcmafftma* gespart werden, da
Die Beeinflussung der Börsen.
von allen Regierungen wird gegenwärtig die Zuversicht auf Erhaltung des Weltfriedens betont. Oesterreich hat den Delegationen mehrfach in diesem Sinne Mitteilungen gemacht, und es hat immer wieder betont, daß seine Heeres- ergünzungen nicht in den Dienst des Krieges, sondern des Friedens gestellt werden sollten In Paris war die Arbeit für das Einverständnis der Mächte und die Erhaltung der Ruhe besonders auffällig, und wir haben schon darauf hingewiesen, daß Frankreich in den Balkanlandcrn finanziell nicht unerheblich interessiert ist. Dann entlockte auch, wie wir gestern mitteilten, Herr v Kiderlcn-Wächter süßen WeMaut seiner Flöte, und richtig wird auch noch einmal „das Echo des Berges" wach, denn heute wirken auch die russischen Diplomaten am Friedenskonzert mit. Alle Welt hat eben ein Interesse daran, die Katastro- phen der Börse, von denen hier schon die Rede war, künftig nack) Möglichkeit häntanzuhalten. Wir erinnern uns an einen Ausspruch Basscrmanns, der vor einigen Tagen in Saarbrücken vorhielt, was am meisten friedenerhaltend wirkte: „das Wagnis für die Staaten : m Falle eines Krieges ist größer als je zuvor, und es gibt manches Land, das eineNie- derläge kaum überstehen dürfte. Hierzu kommt ;ür einige dieser Staaten, daß ein Krieg inn ere Krisen auslöscn konnte, deren Folgen schwer abzusehen sind." Das ist besonders für Rußland zutreffend, das in der amtlichen „Rossija" zwischen seinen Balkanfreunden und den erwartungsvollen Großmächten einen wahren Eiertanz aufsührcn läßt. Auch Herr Sasonow ist für die Erhaltung des Status quo und läßt das Friedensbarometer steigen, um dann aber gleich wieder hinzuzufügen: „Die künftigen Ereia- niffc auf dem Balkan find unberechenbar". So spricht denn auch die österrcichisck>c Presse immer noch von der Zwiespältigkeit der russischen Politik und leitet aus ihr alle Besorgnisse her.
Für uns Deutsche werden in diesem Augenblick, wo überall die Börsenteufel ihre Opfer suchen, von zuständiger Stelle einige wertvolle und erfreuliche Feststellungen gemacht. Der deutsche Geldmarkt, der den Erschütterungen durch Frankreich und England bei der Marokkokrisis Stand gehalten hat, leistet auch heute eine größere Widerstandsfähigkeit, als diejenigen der anderen Staaten:
TeutfchlandS Fiuanzkraft in der Marokkokrisis und bei der heutigen Lage.
Im „Bankarchiv" ergänzt Dr. Karl Hel sf er ich, Di rektor der Deutschen Bank Berlin, seine Ausführungen au dem Münchener Bankiertag in einem Artikel über Deutschlands Finanzkraft in der Marokkokrifis. Er weist u. a. darauf hin, daß die Kurse der maßgebenden Staatspapicre in der kritischen Zeit in Deutschland weniger stark gesunken sind, als in England und Frankreich und begründet «dieses mit Gegenüberstellungen der Kursentwicklung der Staatsrenten dieser Länder. Danach hat im kritischen.Monat Juli 1911 der Kursrückgang bei der deutschen Reichsanleihe 0,82 Proz., bei der französischen Rente 2,82 Proz. und bei den englischen Konsols 3,32 Proz. gegenüber 1910 betragen. Ebenso wie die Kurse der Staatsanleihen haben die Zins v e rh ä lt n i ss e in Deutschland eine größere Wider st andsfähig- keit bewiesen. Im Monat September 1911, der infolge der Börsenliguidation die schwerste Belastungsprobe für den Geldmarkt darstellte, war der durchschnittliche Pri-
gegenzuschauen, wie sich auch unvorhergesel^ene Ereignifte gdlaltcn sollten. Endlich ist auch d i e p o l i t i s ch e L a g e h ö ch st g ü n st i g für die Erhaltung des Friedens Europas. Für „ns ist vor allem das Bewußtsein ivichtig, daß wir stark genug sind, daß die Stimme Rußlands, überall, >vo es nötig ist. Gehör findet und daß wir dadurch genugsam gegen Ansckstäge, die unteren Inter eßen jumibcrlaujen, geschützt sind. Nicht minder beruhigend ist auch, daß die allgemeine politische Lage in Europa keinen ernsten Grund zu auBcrorbcntlidKii Befürchtungen bietet. x<e Festigkeit und Solidarität der Beziehungen Rußlands, Frankreichs und Englands zueinander stellen einen unsck^itzbaren oaktor für Die Erhaltung des europäisäten Friedens dar. Zu dem Europas Gleickgenncht ergänzenden Dreibund o er hielten wir uns ohne jeden Argwohn. Rußlands Beziehungen zv jeder der Mächte, die diesen b i l d e n , l a s s e n nichts zu w ü n - cken übrig. Mit größter Befriedigung muß betont iverbeii, daß gerade in dem Augenblick, wo fick) bie Balkankrisis ueridiärft, die gemeinsamen Befürchtungen und der gemein- f am c Wille, den Frieden zu erhalten, den Grund zu einer Annäherung und einem aufrichtigen M einu n gsauslausch zwisck)en bau Petersburger und dem Wiener Kabinett bilden. Man kann dieser Tatsache nicht genügenb grobe Bedeutung beimessen sowohl hinsichtlich der Erlxfttung des Friedens als auch vom Standpunkt der positiven Ergebnis^, iveiche während des Aufenthalts des Ministers Scrsonow in London, Paris und Berlin erzielt worden sind. Tank.den Bemühungen der russischen Politik, bic durch die s o erfolgreiche Initiative der französischen Regierung unterstützt worden sind, haben sämtliche europäischen Staaten sich geeinigt auf Grund der Anerkennung zweier Grundsätze, nämlich erstens der Berechtigung des grundsätzlich an Strebens der Balkan st a a t e n nach genügend garantierten Reformen in der europäisäxm Türkei und zweitens der Unantastbarkeit des territorialen Status- 4 u o im Falle der Unmöglichkeit, dem Balkankriege vorzubeugen. Tie Bedeutung dieser Erklärung wird dadurch erholst, daß sie namens sämtlicher Mächte durch die meistinteressierten Staaten Rußland und Oestierreickx-llngarn den Balkanregierungen überreicht worden ist. Obgleich diese Erklärung in den Hauptstädten der Balkanstaaten abgegeben worden ift, behält sie doch ihre Bedeutung für Rußland und Oesterreich-Ungam. Sie bildet vor Europa und den Balkanstaaten eine neue offene Bekräftigung! obiger Grundprinzipien gegenüber unbegründeten und gewissenlosen Vorwürfen. Rußland und Oesterreich haben sich in der gemeinsamen Aufgabe einer uneigen- nützigen Friedensstiftung geeinigt. Es muß darauf hingewiesen werden, daß d ie j etzi g e n ö sterrei chi s ch - r u s s i- schen Beziehung en für den Friedensfreund ein zuverlässiges Barometer bilden, um Daran die Gefahr des Ueberganges des Balkankri?ges in einen europäischen Krieg zu messen. Die künftigen Ereignisse auf dem Balkan sind unberechenbar, doch die Bemühungen der Mächte sind darauf gerichtet, im Interesse der Humanität, des Friedens, wie auch der streitenden Teile baldmöglichst das Blutvergießen zu beenden. Rußland fühlt dabei festen Boden unter sich in seinen Beziehungen zu den Macksten und in dem Bewußtsein, daß es über die Macht und die Mittel gebietet, um nötigenfalls seine Volksinteressen und feine Würde zu schützen.
Die „Reue Freie Presse" weist ^u dem Artikel der „Rossija" über das russisch-österreichische Verhältnis auf die Zwiespältigkeit der russischen Politik hin. Das sei die Quelle aller Besorgnisse. In Wien wird die Richtigkeit einer Berliner „Nowoje Wremja"-Meldung bezweifelt, wonach Rußla.nd und Oesterreich zur Aufrechterhaltung des Statusquo den Sandscbak bis zum Kriegsschluß besetzen dürfte, sobald es durch die Anwesenheit serbischer oder montenegrinischer Truppen
* einen Grund dazu erblickte.
Die Gesandten der Balkanftaaten verlassen Konstantinopel.
Belgrad, 16. Okt. Die Regierung übermittelte ihrem Gesandten in Konstantinopel den Befehl, Konstantinopel
m. 245
Der Oiehener Bnjelget erschein, täglich, auper ConnlagS. - Beilagen: viermal wöchentlich 6ie6ener^amilienbl8tter, Jioetnial ivodientLKrtls- lahfäröcnKrti$6ie6en
vatdiskont in Deutschland nur um 0,31 Proz, in Frankreich । dagegen um 0,70 Proz. höher als im Vorjahr. Hinsichtlich ' der Zurückziehung der Einlagen aus Sparkassen und Banken 1 war in Deutschland in der zweiten Hälfte von 1911 ein Ueberschuß der Einlagen über die Zurückziehungen von rund 110 Millionen Mark, in Frankreich dagegen ein Ueber schuß der Zurückziehungen über die Einlagen von 93,5 Mil
ionen Mark zu verzeichnen.
Die Entwickelung der Tinge hat auch weiterhin den Beweis erbracht, daß Deutschland die ausländischen Gelder nicht nur zur Not entbehren kann, sondern daß es heute inanziell stark genug ist, um auch eine so große industrielle Ausdehnung, wie wir sie gerade im Laufe 1912 wieder initgernacht haben, so gut wie ausschließlich mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Die kurzfristigen Forderungen Deutschlands an das Ausland sind sehr erheblich, wozu noch ein ansehnlicher Stock von jederzeit leicht realisierbaren internationalen Wertpapieren kommt. Unsere finanzielle Stellung ist heute in dieser Beziehung gesünder und stärker, als sie jemals gewesen war.
In einem Ueberblick über die Panik an den enro päif cf) en Börsen in der vergangenen W o ch e betont Helfferich, daß sich auf dem Berliner Markt die schwere Erschütterung des Kursniveaus vollzogen hat, ohne daß es bisher zu Insolvenzen oder auch nur zu großen Zwangsexekutimten gekommen wäre, wodurch bewiesen wird, daß die W i d e r st a n d s f ä h i g k e i t der Spekulation und des Publikums beträchtlich größer ist, als früher und bc sonders größer, als auf den übrigen großen kontinentalen Plätzen. Gegenüber gewissen Versuchen zur fBerfteinerung der deutschen Finanzkraft ist es auch diesmal notwendig darauf hinzuweisen, daß der Berliner Markt bisher besser abschneidet als der Pariser. Zum Belege dafür werden die Ztttrsrückaänge der führenden Werte in Berlin und Paris vergleichsweise angeführt.
Die Rotte Rußlands.
Die amtliche „R o s s i j a" weist in einem Leitartikel über die Balkankrise einerseits auf die Angriffe hin, die ein Teil der Presse gegen die Regierung macht, weil sie sich nicht auf den Boden einer Gefühlspolitik stelle, andererseits auf die unzweideutige Befürchtung der B ö r s e, Rußlano werde feinen Gefühlen nachgeben. Tas Blatt schreibt gegenüber dem allerseits ausgedrückten Zweifel, ob die Erhaltung des Friedens möglich sei:
Wir verhehlen weder vor uns noch vor anderen, daß die Sympathien und das Mitleid Rußlands dort sind, wo sie immer gewesen, nämlich auf Seiten unserer Reli- gions - und Stammesgenossen. Von einer Indifferenz gegen die Grundtraditionen unserer Vergangenheit ist keine Rede; doch, wie ehrwürdig diese Traditionen auch sind, können sie doch nickst die ganje Richtung unserer Politik bestimmen, welche das Ergebnis verwickelter Interessen und Bedingungen ist. Tas wesentlichste Bedürfnis aller Vevölkerungsschicksten ist die Erhaltung des Friedens, ohne unsexe wirklichen Interessen preiszugeben. Auf diesem Boden stelst auch die Regierung und sie fühlt sich von der überwiegenden Mehrheit des russischen Volkes fest unterstützt. Tie Regierung ist sich bewiißt, daß der Witte allein nickst zur Erhaltung des Friedens genügt. Sowohl Stärke als Schwäche können von Frieden sprechen: doch ohne zu optimisttsch zu sein, noch zu übertreiben, kann gesagt werden, daß die e r n ft c ft e Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens für Europa d i e Tatsache bildet, daß Rußland nicht nur friedlich gestimmt ift, sondernauchei neern st e imponieren de Macht dar stellt. Die kriegerische Stärke Rußlands ist jetzt größer als damals, als es in entfernten und ftemden Grenzgebieten >hrieg führte. Reiche Ernten und andere Bedingungen heben nicht nur das Wirtschaftsleben des Reiches, sondern geben auch dem
1 Sck>atzamtc die Möglichkeit, mutig und ruhig der Zukunft enl-


