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Erstes Blatt
162. Jahrgang
Die heutige Nummer umfafjt 10 Seiten.
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Nr. 142
Der Gtekener Anzeiger «scheint täglich, außer 6onntag8. — Beilagen: viermal roödientlid) eif^ener.^aniilienblätlcr, Eialwöchenll.Nrei»'
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— Ein Fortschritt im preußischen Schulwesen. 2l)c«um ift zweifellos ein füjöncs Fremdwort, und zwar eines der in unterer Sprache so zahlreichen Fremdwörter, die sich nicht gut mit einem deutschen Ausdruck wiedergeben lassen. Aus dieser Erwägung heraus ist der Stadl Frankfurt a. M. durch eine „Ministerialoerordnung" aufgegeven worden, ihre höheren Mädchenschulen tunilighin Lycenm zu nennen. Tas Mädchengymnasium wird den noch schöneren Namen Oberlyceum erhalten, und damit ist wieder ein neuer Fortschritt gemacht worden. — Wieviel Zöpfe werden wohl im Preußischen Ministerium tätig gewesen fein, bis man das gute deutsche Wort durch einen vornehmeren Ausdrua ersetzt hatte, und wie werden sie aufgeatmet haben, als sie „Lyccum" gefunden hatten. Nur „Oberlyceum" ist nicht gut; Premierlyceum, Hypcrlyceum oder Moturlyceum wäre besser gewesen.
— Ein Bürger Pompejis. Man schreibt uns aus Neapel: Ti: hochinteressante Sammlung von Gipsabgüssen der Lei der Verschüttung Pompejis umgekommenen Personen hat sich wieder um ein Stück vermehrt, das man nicht ohne Bewegung betrachten kann. — Bei den Ausgrabungen vor dem Nolanertore im Cfielt Pompejis stieß man ctioa 15 Meter vom Grabmal des Acsqutlta Polla auf einen der Hohlräume in der Äschcn- schickt, die erfahrungsgemäß die Steile eines dort vorhanden genesenen men'chiicben oder tiertfchen Körpers anteigen. Leiber hotte einer der Arbeiter mit der Hacke die Hohlform beschädigt, so daß die umhfillcnbc Asche zum Teil ins Innere gefallen war. Indes,en verstand man mu großer Behutsamkeit und 'Geschicklichkeit die vöhiung wieder freizumachen, wobei man auch une große Zahl menschlicher M noch en aus thr entfernte. Nach dem bewährten Berühren wurde iie hierauf mit Gips ausgegossen, und man er» luit so das Abbild eines der unglücklichen Bewohner der Vesuv- nadi, die am 24. August des Jahres 79 n. Ehr. den Tod gesunden haben. Es i|t ein Mann, der ganz zusammengekrümmt auf
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Mittwoch, !y. Juni l<)s2
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monatlich 7b Bi^viertel- jK rlich -’IL 2.20; durch '•'!> il 3
Auf die Begrüßungsrede des Bürgermeisters antwortet« die G r o ß h e r z o g i n, sie danke für den Überaus herzlichen Empfang und werde sich glücklich schätzen, möglichst oft und lange in Luxemburg zu residieren. Tann setzte sich der Zug in Bewegung und langte gegen 3.15 Uhr vor dem Abgeordnetenhause an. Die Großherzogin entstieg dem Wagen und wurde von einer Abordnung begrüßt und in den ^ittungssaal geleitet, wo sich inzwischen die Groß- Hcrzogin-Wilwe, ferner die Großherzogin Mutter, daSoroß- lerzogspoar von Baden, die fünf Schwestern der Großherzogin, der Fürst von Löwenstein sowie die beglaubigten Diplomaten eingefunden hatten.
Mit Heller, deutlicher Stimme,!eistete die junge Fürstin den vorgcsch rieben en Eid und verlas bann sitzend eine Thronrede, in der sic verspricht, den Luxemburgern eine gute, gerechte, mildtätige und nachsichtige Fürstin zu fein, die ihr besonderes Augenmerk auf die soziale Fürsorge richten wolle. Sie jchlos; mit den Worten, sie liebe ihr Vaterland und werde alles zu dessen Glück und Wohlergehen tun.
Brausender Beifall folgte den Worten der jungen Fürstin, welche sich nach dem feierlichen Akt mit Gefolge in den nebenan bejindlichen Palast begab, wo sie auf den Balkon trat und der tausendtöpsigen Menge für die jubelnden Zurufe dankte.
feilte abend findet im Großherzoglichen Schloß ein Festessen statt, an dem die diplomatischen Vertreter tcil- nehmen werden. Aus Anlaß der Eidesleistung sind etwa 300 Lrdensauszcichitungen verliehen worden.
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i gleichen Gelegenheit vom Stapel gelassene Behauptuiig, daß die Beziehungen Frankreichs zu Rußland niemals besser
; aewesen wären als gegenwärtig, den offenkundigen Tatsachen. Der wegen des französischen Botschafters in Petersburg, des Herrn Louis, ausgebrochene Zwist ist noch in i frischer Erinnerung, und man weiß, daß er aus tiefgehenden ; Meinungsverschiedenheiten über die Stellung nun italie- lnisch-türtischen .kriege beruht. Tenn, während das Zarcn- i reich das begreifliche Interesse hat, die TarbancUcmragc hu seinen Gunsten aufzurollen, muß Frankreich auf die iWahrung seiner starken Interessen in der Türkei Bedacht I nehmen, lind so gehört nicht viel Phantasie dazu, um zu [edennen, daß der Besuch Poincarös in Petersburg den ' Zweck verfolgt, diese keineswegs zu unterschätzenden Un- hiimntigfeiten zu begleichen.
Szenenwechsel in der 2luslanöspolitil?
Der neue deutsche Botschafter in London, Frhr. Mar- schall v. Bieberstein, ist, nachdem er in Berlin ein- gehende Konferenzen mit dem Maifer, dem Reichskan ler v- Dethmann Hollweg, dem Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen-Wacchter und dem Staatssekretär des Reich- marineamt5 v. Tirpitz gehabt hat, in London cingetrof fen; der Deutsche ftaifer wird Anfang Juli in Be- gleitung des Reichskanzlers in den finnischen Schären mit bem Zaren von Rußland Zusammentreffen, welcher am 10. August den französischen Ministerpräsidenten P o i n car 6 empfangen wird, während die mehrfach angekündigte Zusammenkunft zwischen dem Zaren und dem Mönig von England rundweg dementiert worden ist.
Das sind immerhin einige Tatsachen von Belang, und ivenn die französische Presse, wobei natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens ist, sich bemüht, der Begegnung zwisckfen Kaiser Wilhelm und dem Zaren Nikolaus icbo politische Bedeutung abzusprechen, so wird dies Bemühin schon dadurch hinfällig, daß sich in der Begleitung des Maifer3 der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, in der des Zaren der Ministerpräsident Kokowzciv befindet. Es ist richtig, daß es sich hierbei um einen Gegenbesuch für den Besuch handelt, den Nikolaus II. in Potsdam gemacht hat, aber man wird sich auch daran erinnern müssen, daß jene Zweikaiserzufammeiikiinft im Zeichen wesentlicher poli- tischer Abmachungen, im Zeichen der Verständigung über Persien und die Bagdadbahnfrage, stand. Tic Auffassung war damals allgemein verbreitet, daß die Potsdamer Besegnung eine Durchkreuzung der Bemühungen barftelhe, die Tripleentente nach den Wünschen Frankreichs und Englands zu einer ausgeprägt feindlick^cu Kombination gegen Deutschland zu gestalten, eine neue Einkreisungspolilit ein ?ulciten. Auch neuerdings ist wieder aus Anlaß der Malta onferenzen und des angeblichen englischen Planes, eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Mittelmeer zu Gunsten Frankreichs herbeizusiihren, von solchen politischen Kombinationen die Rede gciucfcn, die allerdings in einem sehr merkwürdigen Gegensatz zu den vom bisherigen Kriegs miniftcr Halda ne eingeleiteten und vom Botschafter Mar fchall fortzusetzenden deutsch-englischen Verständigung!- beftrebungen stehen würden. ?lber gerade die Zusammen knnft zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Zaren von Rußland kann doch, mag cs sich hierbei auch in erster Reihe um einen Höflichkeitsbesuch handeln, als Beweis da iür angesehen werden, daß Rußland, welches ja auch dringend der Ruhe nach mißen bedarf, um die Jkuhe im Innern zu sichern, nicht daran denkt, sich in eine deutsch feindliche Kombination hineinziehcii zu lassen.
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Line Rede Oes Kricgsminifters in der sranzösischen Kammer.
Paris, 18. Juni. In der Vormittagssitzung der Kammer wurde das Kriegsbudget beraten. Eine 1 Anzahl Abgeordneter lenkten die Vlufmerksamkeit des Kriegsministers auf die deutsch en Wehr vor lag en und sprachen im Anschluß daran für verschiedene Verdesserungen in der Bewaffnung und Mobilisierung der französifcheir Armee, um diese, welche an Zahl der deutschen unterlegen ist, stärker auszubauen. Tie Reoner traten besonders für die Selb st laber bei brr Infanterie und die dreijährige D i e n st z e i t bei der Ltavallerie und der reitenden Artillerie ein.
In seiner Antwort erinnerte der Kriegsminister' zunächst an die Rede DoinearsS, welcher erklärte, es fei kein Grund, wegen der Aufrechterhaltung des Friedens Befürchtungen zu hegen. Wie sicher die Weltlage aber auch sei, das Ziel des Krregsministers müsse immer die Vorbereitung zum Kriege, die Bereithaltung der Armee für alle Eventualitäten fein. Man müsse anerkennen, daß die in Deutschland angenommenen Wehrvorlagen die gröfjit Anstrengung darstellten, die seit langer Zeit gefordert worden sei. Durch sie werde nicht bloß oer Effektwbestand der deutschen Truppen, fonbern auch die Organisation der Kommandos verstärkt. Weiter erklärte Millerand, es fei unmöglich, in die Grenzgarnisonen lauter ausgebildete Leute zu schicken; beim diese roürocn bann im Innern des Landes beim Ersatz der Rekruten fehlen. Außerdem wäre es ein schlechter Zustand, wenn die Offiziere niemals bis zur vollständigen Ausbildung dieselben Soldaten behielten. Die Wiederherstellung der dreijährigen Tienstzeit für bie Kavallerie und Artillerie zu Pferde hielt der Minister nicht für nötig. Man müsse diese Waffen nur an Zahl verstärken. Im übrigen sei die Länge der Dienstzeit eine Frage der Kredite. Millerand fuhr fort: Es ist notwendig, die schwarzen Truppen nutzbar zu machen/ Er werde in Uebereinstimmung mit seinem Kollegen vom Kolonialministerium von 1913 an die mäßige Aushebung von kolonialen Kontingenten in Vorschlag bringen, woraus Frankreich einen beträchtlichen Zuwachs an Kräften und eine kostbare Hilfe ziehen werde. Der Minister sprach schließlich über die weiteren Maßnahmen bie er zu treffen gedenke und erklärte das Eadregesetz für
I bem Gesichte lag, bie eine Hand am Munde, bie andere in der Vö.he der rechten Kopfseite haltend. An der Gestalt anhaftend sind drei Aststücke zum Vorschein gekommen, bie es sehr wahrscheinlich machen, daß der nach Dem Beginne des Aschenregens aus der Stabt Flüchtenbe einen Baum erklettert hatte, mit ber brechenden Astgabel aber jvicbcc herabgestürzt ist. Tic Ferse des linken Futzes ist in die Gabel eingeklemmt, das untere Aststück liegt am Kopse an. — Die Barschaft, bie ber Unglückliche in einem leinenen Beutel bei sich trug, bestand aus acht ^ilberbenarcn aus ber Zeit von Eaejar bis Titus und einem Kupfer-Aß des letzteren. Autzer- dcm fand sich ein eiserner Fingerring mit einem Karneol, in den das Sternbild des Steinbocks zwischen einem Stern uno einem Steuerruder eingtaxnert ist.
— Ein neues Mittel gegen die Gefahr der Eisberge. Um die Nähe von Eisbergen zu erkennen, werden bet transatlantischen Dampferfahrten bei unsichtigem Weller oder -ur Nachtzeit in kurzen Zwischenräumen die Meerestem- Dcraturen gemessen, da em rasches Fallen der Wassenemperatur :n den meisten Fällen bie Nachbarschaft von Eisbergen antünbigt. Aber diese Temper ursenkungen sind nur in ber unmittelbaren Rahe der Eisberge einwandfrei festzustellen und die auf diesem ^.cge gewonnene Sicherheit ist daher in ber Prarrs nur relativ. Run tritt der Professor an ber Universität von Leeds, Myer Eoplais, ^niit einem neuen Beobachtungssystem hervor, das sich aut. die.Schwankung ber elektrischen ^rungssähigkeit im Meer- iraner nutzt. Tas Süßwasser ist bekanntlich lern Leiter; das Aunauen der Eisberge führt bem Meerwasser Süßwasser zu und vermindert damit bie Leitungsfähigkeü. Experimente haben gezeigt, baii bereits ein Zusatz von Vao getauten Süßwassers Die Leitung.skratt des Meerwassers um 1 Pro;, oermmoert, bet 1 I0 ^ützwanerzusatz sinkt die Leitungsfähizkeit bereits um 12 Proz. Um Apparat, der diese 23anclungen registriert, würoe also auf Nchcre und zuverlässigere Feststellungen rechnen lassen, als sie das -Thermometer gegeben ha(.
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Die üeutsche wissenschaftliche Station in.Spitzbergen.
Tic von Geheimrat Hcrgcsell im Sommer vorigen Jahres Ein Spitzbergen errichtete wis,enschaftlick>e Station hat nunmehr Beilt volles Beobachtiingsjahr hinter sich. Ter Versuch, im ark L l scheit Winter die äerologischc und meteorologische Erforschung ßlsr Almosplstire zu unternehmen, wird als geglückt bezeichnet, kö sind eine Reihe von Pilotballonaufstiegen, zahlreiche Auf- | Hege mit Fessel Ballons und Drachen unternommen, auch Re- »riftricrballonauiftiegc bis zur Höhe von 7000 m sind auege* if-iljrt worden. Die klimatische Erforschung von Spitzbergen in Itjid) 3 meteorologische Stationen in verschiedenen Höhen, wovon i.c höchste aus bem Rorbcnskiöldbcrg (1024 m) allerbings nur zeitweise gearbeitet hat, ebenfalls gefördert worben. Die beiden iclchrtcn der Station Tr. Rempp und Dr. Wagner I>aben tißerdeni eine ununterbrochene Reibe von magnetischen und seis tischen Beobachumgcn ausgeführt. Der gute Eriolg dieser lieber- fcintcrung hat zum Entschluß geführt, die Station noch cm itcstcres Zatzr zu erhalten. ..
Durch die Unterstützung des Kaisers und des Reich-.« und h§ Interesse weiterer Kreise an diesen Untersuchungen wird le Station ein Wohnl>aus und ein Wcrkllättcnhaus erha.icu.! kh der alte Bcobachtungsort oder ein anocrer etwa gumtigcr t'l tgener für die neue Einrichtung für die Zukumt gewa.'lt tcaben wird, steht noch nickt fest. Tr. Rcmpp und -^r. Wagner - L*eiben durch 2 andere Herren abgclöft. xx. Kurt 'Ibcjener, l-'v bas geophysikalische Observatorium in.Samoa vor zwei Zähren f:I_eitct hat, ist mit der Führung ber wisfenichaftlichen Arbeit ,ur iis nächste Jahr beauftragt worden.
Ihm zur Seite steht Herr Tr. Robitzsck-. Der Reichs" larmpser „Poseidon" hat am 7. Juni Gecuemunde ve^afzen, i-m die neuen Stationsleiter, neues Material mr die Station tliüd vor allen Dingen die beiden bereits in Norwegen fertig« pellten Holzhäuser nach Spitzbergen zu befördern, -ter -tamy er am 13. Juni bereits in Tromsö eingetroßen und am n. « See nach Spitzbergen gegangen.
Aber auch die französiscki-englischc Freundschaft scheint keineswegs so „dicke" zu fein, wie die französische Presse cs gern glauben macksen möchte. Das in Anknüpfung an iie Maltakouferenzen ausgcsprengte Gerücht, wonach die Entente cordialc zum Bündnis erweitert werden solle, hat sich als eine Ente erwiesen, ebenso wie England nicht daran denkt, trotz der Verstärkung der Secstreitkräfle in der Nord- icc auf seine Mittelmccr»tcilung zu Gunsten Frankreichs ',u verzichten, dessen Flott.' auch keineswegs, obwohl die französische Presse dies prahlerisch verkündete, einer öfter- rctd na Italicnischen Äo |
Aber auch in Italien scheint jetzt eine gewisse Erkenn. ui-.« zu dämmern, wie verfehlt es wäre, tu törichter Liebäugelet mit Frankreich und in blinder Kriegsverbisscu- leit die starken Mittelmeerintcressen zu vcriiachläfsigen, i v? denen Frankreichs schroff entgegengesetzt sind. Auch hat der Ministerpräsident Giolitti, was angesichts der Teutschenhetze eines Teiles der italienischen Blätter sehr angebracht war, sich veranlaßt gesehen, das treue Festhaltctt der italienischen Politik am Dreibund zu betonen. Da aber andererseits die leitenden deutschen Staatsmänner, wenn jetzt Fror. v. Marschall seinen Londoner-Posten angetreteu l at, offenbar die Uebcrzcugung haben miFfen, daß der Weg der Verständigung, mag er auch „steil und steinig" fein, doch Erfolg verspricht oder wenigstens versprechen kann, so wird die sriedcnsbedürftige Welt sich der .Hoffnung hingeben dürfen, daß der Szenenwechsel, der sich hie und da auf dem Welttheater oor^ubereiten scheint, nicht zum schlechte.,, sondern zum guten führen und daß cs den Bemühungen der Diplomatie auch in der Folge gelingen werde, die Entfachung des Balkanbrandes und die ÄuSdehnnng des italienisch-türkischen Wafsenganges zu einem Weltkriege zu verhindern.
Wie die Londoner Vlülier melden, sagte Freiherr von Marschall in einem Gespräch mit einem Vertreter des Be. liner „Lokalanzeigers", ber ben Botschafter auf seiner Reife nach London begleitete: „Tatsache ist, bas; ich aus einige Wochen in ein Hotel geh'-, währenb bic Botschait ausgebesscrt wirb unb daß ich bis Ende bet Saison in Vonbon bleiben werde, wo dann alles die Hauptstadt verläßt und ich aus Ferien nach Tcutschlaub zu gehen gedenke.
Wie bie Lonbouer Abendblätter berichten, legte Freiherr von Marsck>all keinerlei Müdigkeit nach seiner Reise au den Tag. Rach einer ftirzen Rast im Ritzhoiel suhr er wieder aus und besichtigte zuerst bas Botickaitspalais. Später gab er seinen Freunden nn Ritzhotcl ein Frühstück. Nachmittags besuchte er Sir Edward Grey im Foreighn Office. Am 2 Juii wirb dem Botschafter zu Ehren ein Bankett im Trocabcio Restaurant gegeben werden, bei bem Generalmajor Sir Alfred Turner den Vorsitz fuhren wirb.
Zu bem Besuch bes Frciherm v. Marschall bei Sir Edivarb Grey wird bem „Berliner Tageblatt" aus Lonbon gcmclbct: Heute «Dienstag) nachmittag cntvsing Sir Ebwarb Grey im auswärtigen Amt ben neu ernannten deutschen Botschafter Freiherrn v. Marschall. Dieser wird dem König sein Beglaubigungsschreiben nächüe Woche nach der Rückkehr des Hoscs von Windsor übcrrcirikn. Zur Aukunft bes Botschafters hatte bic Londoner Presse ein kleines Heer von Journalisten und Photographen nach Harwich gesandt. Der Botschafter weigerte sich cntsckicden, auch nur ein Wort über seine Ausgabe in Vonbon zu lagen. „Dani sei es ein bisaxm zu früh." Er erzählte, baß ec vor 21 Jahren zum letzten Male in Englanb gewesen sei, bamals, als der Kaiser in ber Guilbhall sagte: Sein Ziel fei, ben Friebcn zu erhalten. Diese Aukünbigung hat vielleicht ein wenig programmatiid'en Charakter, denn sie lege ben Gebauken nahe, baß ja seit 21 Jahren ber Frieden auch tatsächlich erbatten geblieben ift.
Die Eidesleistung der Srostherzogiu Marie Adelheid von Luxemburg.
Luxemburg, 18. Juni. Heute nachmittag erfolgte die Eidesleistung der am 14. Juni 1912 großjährig gewordenen und damit zum Thron gelangten Großherzogin Marie Adelheid. Bei herrlichem Wetter langte um 3 Uhr von Schloß Colmar-Berg kommend, der Sonderzug mit der Großherzogin am Wcichbilde der Stadt Luxemburg an, wo die Großherzogin vom Bürgermeister und den Gemeinderäten begrüßt wurde.
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Diese aus der praktischen Politik geschöpfte Erkenntnis hat jedenfalls weit größeren Wert als die vom Minister Präsidenten Poincarö in seiner jüngsten Rede abgegebene Versicherung, daß „die i?UIianz mit Rußland und die Freund ichast mit England Überall als eine Stütze des Friedens I bctrackftet" werden. Widerspricht doch auch die bei der


