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18.4.1912 Erstes Blatt
 
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162. Zahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhessen

Nr. 91 Erstes Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 18. April 1912

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-WS General-Anzeiger für Oberhessen LS-K- Annahme von Anzeigen Hotationsbrud und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Zteindruäerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. Lnnri-: E.Heb-Ofttr den bis vormittags" Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschaftrstelle vahnhofstratze 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.

Zur Zesuitensrage in Bayern.

Tie Korrespondenz Hoffmann meldet:

Verschiedene Presseäußerungen erwecken den Anschein, die Bundesregierungen seien über die Absicht der bayeri­schen Negierung, in der Jesuitenfrage, wie bekannt, vorzugehen, genau informiert, ohne ihrerseits sich zu dieser Absicht zu äußern. Diese Aeußerungen entsprechen in dieser 3orm nicht den Tatsachen. Die bayerische Regie­rung hat ihre Absicht, den BegriffOrdens­tätigkeit" künftighin in einschränkender Weise auszulegen, den Regierungen der grö­ßeren Bundes st aaten unter dem 2 3. Januar 19 12 mitteilen lassen. In dieser Mitteilung lag nicht das Ansinnen <ni die beteiligten Regierungen, amt­lich dieser Auslegung beizutreten, sondern lediglich die Ab­sicht, diese Regierungen von dem in Aussicht genommenen Vollzug des Jesuitengesetzes zu verständigen. Im Laufe des Monats "Februar gingen der bayerischen Regie­rung von feiten einiger beteiligten Bundesregierungen, darunter der kgl. preußischen Regierung, Aeußerungen zu, die den Standpunkt dieser Regierungen darlegten, jedoch in keinem Falle V e r w a h r u n'g gegen das mitgeteilte Vorhaben der bayerischen Regierung enthielten.

Diese Form des bayerischen Vorgehens müßte im Bundesrate einer gründlick>en Besprechung unterzogen wer­den. Vielleicht lvird bann Herr v. Hertling die Verwahrung gegen seinen Erlaß auch in aller Form erha in.

In der Mittwoch-Sitzung der bayerischen Reichs- räte äußerte sich Frhr. v. Hertling nach einer Rede des Ärafen Toerring über den Jesuitencrlaß also:

Dieser Erlaß, der zu meinem lebhaften Bedauern schon so viel Staub aufwirbelte, ist nickst nur nicht unter dem Druck der Mehr- lycit der Abgeordnetenkammer zustande gekommen, sondern ohne jede Fühlung mit irgendeinem Mitglied« der Abgeordnetenkammer. Wir fanden hier eine Erbschaft vor, mit welcher wir uns aus- cinandcrzusetzen hatten. Ich möchte mich nicht ioeiter darauf ein­lassen, cs handelt sich jetzt um die Rechtsfrage und die Auslcgungs- ftage: diese wird auf ordentlichem Wege zum Austrag kommen. In höckfftem Maße bedauerte ich, daß bei dieser Gelegenheit eine Störung des konfessionellen Friedens an die Wand gemalt wurde. Es besteht bei uns der heißeste und bödyfte uWnsch, daß der kon­fessionelle Friede gewahrt bleibe. Wir geben uns der lieber» zcugung hin, daß, wenn der Erlaß zur Ausführung kommt, von einer Störung des konfessionellen Friedens keine Rede sein wird. Wir werden jedem Versuch einer Störung des konfessionellen Friedens aufs energischste entgegentreten.

Das klingt maßvoll, ober Herr v. Hertling wird wohl die jesuitischen Geister, die er rief, so leicht nicht los wer­den, und wir möchten wissen, wie er es anstellen würde, etwaigen Eigenmächtigkeiten von Jesuiten, denen der Erlaß Tür und Tor geöffnet hat,aufs energischste entgegenzu­treten". Der Botschaft fehlt der Glaube.

Eine Anfrage im Reichstag.

Die dem Reichstag zugegangene Anfrage Bassermann hat folgenden Wortlaut:

1. Erkennt der Herr Reichskanzler in dem Erlaß des baye­rischen Staatsminister in ms des Innern an die königlichen Regie­rungen bctr. den Vollzug des Jesuitengesetzes die Verletzung des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1872, Bekanntmachung des Reichs­kanzlers vom 5. Juli 1872, an? 1. W e l ch c S ch r i t t e gedenkt der Reichskanzler gegenüber diesem Vorgehen der königlich bayerischen Staatsrcgierung zu tun, um das kaiserliche Recht zur lieberrtiatbung und Ausführung der Reichsgesetze zu wahren?

Ter Gesawtvorstand de8 evangelischen B nde8 nahm auf feiner Ostertagung in Eisenach einstimmig fol­gende Kundgebung an:

Der Gesamtvorstand des Ev. Bundes zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen legt entschiedene Ver­wahrung ein gegen den ^Zesuitenerlaß des Ministeriums Hert­ling, der auf einem verfassungsmäßig unzulässigen .Wege das Rcichsgesetz über die Niederlassung der Jesuiten unwirksam macht. Er sieht darin einen neuen Beweis für die Rücksichtslosigkeit, mit der zurzeit versucht wird, ultramontane Forderungen durckyusetzen, selbst wenn sic den nationalen und konsessionellcn Frieden ver­hängnisvoll gefährden. Der Gesamtvorstand fordert deshalb die Vereine und Mitglieder des Evangelischen.Bundes auf, das deutsche Volk über die Tragweite der ultramontanen Vorstöße aufzuklären. Zugleich spricht er die Erwartung aus, daß Bundesrat und Reichstag weder eine Abbröckelung noch die Aufhebung des Jesuitengesetzes zulassen werden."

vom italienisch-türkischen Kriegsfchauplatj.

Die türkischen Zeitungen besprechen den Schritt der Mächte, deren freundschaftlichen Charakter sie anerkennen. Sie erklären übereinstimmend, daß der Friede nur auf der Grundlage der Zurückziehung des An­nexionsdekretes möglich sei.Tanin" schreibt:

Die j u n g t ü r k i s ch e Partei ist aus den Wahlen als Siegerin hervorgegangen, weil sie für einen Widerstand bis zum äußersten eintritt und nie ein Kabinett unterstützen würde, das nachgeben wollte. Die Mächte sollt-n, anstatt Schritte zur Be­end gung des Krieges zu tun lieber ein t Ausd hnuug des Krieges Vorbeugen. Wenn die Italiener merken, daß sic uns in keiner Weise zum Abschluß des Friedens zwingen können, werden sic, um zu vermeiden, das Land in ein unheilbares Unglück zu stürzen, den Frieden auf der Grundlage der Räumung von Tripolis verlangen. Damit es dahin komme, müssen die Italiener jede Hoffnung auf Unterstützung seitens Europa verlieren.

Ein türkischer Angriff auf Terna.

Die Agenzia Stesani meldet aus Der na: Die Tür­ken, die in den letzten Tagen den italienischen Linien gegenüber Stellung nahmen, eröffneten g e st e r n mit­tag das Feuer mit drei oder vier Kanonen auf das Fort Lombardia, durch lebhaftes klein­kalibriges Gewehrfeuer unterstützt. Da die Besatzung des Forts V er stä r k un g e n erhielt, vermochte sie dem An­griff standzuhalten. Die türkische Artillerie, welche gut versteckt lvar, wurde von zehn italienischen Geschützen wirksam bekämpft und feuerte schwächer. Um V27 Uhr stellte "sie das Feuer ein und zog sich zurück; auch die türkische Infanterie trat unter dem Feuer der italienischen Ge­schütze den Rückzug an. Auf italienischer Seite wurde ein Mann getötet und einer leicht verwundet; die Verluste der Türken sollen bedeutend sein.

Eine Meldung des türkischen Kommandanten von Tripolis.

Konstantinopel, 17. April. Das Kriegsmini­sterium veröffentlicht folgende Depesche des türkischen Kom­mandanten von Tripolis: Der Feind landete am 12. Ylpril unter Ausnutzung der vom Südwinde auf gewirbelten Sandmassen zwischen Sidi-Said und Grua östlich von Zuara. Einer Depesche vom 15. April zufolge ist ein großer Teil der an der Mündung von Sidi- Said gelandeten feindlichen Truppen an Bord der Kriegs­schiffe zurückgetehrt. Augenblicklich hält der Feind nur ein Blockhaus in Buchamez mit einer Abteilung Infanterie und die Halbinsel Grua mit einer Abteilung Kavallerie besetzt. Sonst befinden sich keine feindlichen Streitkräfte auf dem Lande. Wir haben ausreichende Kräfte gegen diese Position abgesandt.

Besuch beim Baiser in Korfu.

Korfu, 17. April. Ter Kaiser, der griechische Marine- uniform trug, begab sich heute nachmittag mit den Prinzen und Priuzessinen nebst gefolgt im Automobil nach der Stadt ins königliche Palais, wo die Herrschaften von der Terasse aus zu­sammen mit der Kronprinzessin von Griechenland das Ein­laufen des griechischen KreuzersGeorg ios A w e r 0 f f" beobachteten, der den König und den K r 0 u - Prinzen von Griechenland an Bord hatte. TieHohen zollcrn" undKolberg" hatten Flaggengala angelegt. Tie Mann ­schaften paradierten, dieKolberg" salutierte und die Musik der Hoheuzollcrn" spielte den griechischen Königsmarsch. Vereine und Schulen mit Fahnen bildeten Spalier von der Landungs stelle bis zum Palais. Tcr Kaiser und die genannten Herrschaften erschienen ebenfalls an der Landungsstelle. Der König und der Kronprinz von Griechenland gingen an Land, vom Kaiser aufs herzlichste begrüßt. Nachdem der König sodann die Huldigung der Behörden entgegengenontmeu hatte, schritten der Kaiser, der König und die anderen Fürstlichkeiten zu Fuß nach dem Palais, vom Publikum stürmisch gefeiert. Inzwischen war die königliche JagdAmphitrite" eingelaufen mit der Königin, Prinzessin Maria und dem Prinzen Andreas Nikolaus an Bord. Ter Kaiser und der König begaben sich wieder zur Landungsstelle. Ter Kaiser geleitete die Königin ins Palais. Tas Publikum brach andauernd in Hochrufe aus. Ter Kaiser begab sich später nach dem Achilleiou. Tas Wetter ist schön.

Deutsches Neich.

Der Aeltestenrat des Reichstages beriet die (&' schäftslage der kommenden Wochen. Es soll versucht werben, bis Pfingsten den Etat und die Wehr- und Deckungsvorlagen zu er ledigen. Der 4. und der 5. Mai sollen sitzungsfrei bleiben.

Der verstärkte G e s ch ä f t s 0 r d u n u g s a u s s ch u ß des Reichstags stellte am Mittwoch seine Beschlüsse über die Inte r pellationsanträgc und kleinen Anfragen rcdoki tionell fest und will versuchen, sie in der nächsten Woche im Plenum zur voraussichtlich ganz kurzen Beratung zu bringen.

Der Ausschutz für d aS Rc i chs - u n b 3 t a a t - o n g e hörigkeitsgcsetz verhandelte am Mittwoch über die 'Auf­nahme Staatenloser, kam aber noch nicht zu einem Entschluß.

Wie derSchwäbische Merkur" mitteUt, hat diewürt- tembergische Regierung im Bundesrat gegen den Entwurf zur Aufhebung der Liebesgabe gestimmt, da den württembergischen Brennern keine genügende Sicher­heit geboten sei.

Der Ausschuß des Deutschen Handelstages beschloß, die Vollversammlung des Deutschen Handelstages zum 4. und 5. Juni nach Berlin einzuberusen.

Ausland.

Kaiser Franz Josef cmpsing am Mittwoch mittag Khuen H eder vary in einstündiger Audienz, in welcher der Ministerpräsident den Rücktritt der Regierung anmcldete. Tcr" Monarch nahm den Rücktritt an und verabschiedete Khucn Heber vary unter Würdigung der Gründe seines Rücktrittes, in gnädigster Weise. Eventuelle Neuberufungen werden in ein bis zwei Tagen erfolgen.

Nach Meldungen aus lldschda hat die unter den Stämmen am linken Mulujaufer herrschende Gärung seit dem Gefecht von Maharidja rasch zu genommen und unter den Stämmen des mittleren Atlasgebirges und des Tales von Tazza bis nach Fez eine kriegerische Bewegung hervorgerufe». Ter fran­zösische Kundschafterdienst habe die Nachricht erhalten, baß in einer Versammlung von Stammeshäuptlingen die Bildung einer Truppe erörtert worden sei, ivelche die Franzosen am Mulujafluß angreifen solle. Die Generale Alix und Trum eiet haben sich nach Taurirt begeben, um entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. x

Telephon 48/

daß es ungeheure Mengen glül^nber Gase, besonders Wasserstoff, sind, die mit großer Geschwindigkeit in die Sonnenatmosphärc hinausschicßen. Auch Störungen magnetffcher und elektrischer Natur pflegen bei Sonnenfinsternissen sich auf der Erde einzustellen. In einigen Fällen konnte man magnet-elektrische Störungen bemerken, die denen ähnlich waren, die das Nordlicht hervorrust. Unsere erdmagnetischen Observatorien werden uns wohl bald von diesen Störungen berichten können.

Auch die Meteorologie hat seither Sonnenftnstemissen große Beachtung geschenkt. Genaue Messungen ergaben eine Erniedrigung der Luft- und Erdtemperatur um saft einen Grad. Tas Sinken der Temperatur machte sich auch dann bemerkbar, wenn der Himmel mit Wolken bedeckt war, wo also die Wörme der Erde und der Lust nicht in den Weltraum ausstrahlen konnte. Wenn man bedenkt, welch große Wärmemengen in der Sekunde die Sonne zur Erde strahlt, dann wird es vielleicht erklärlich, daß eine minutenlange Unterbrechung oder doch starke Verminderung der Einstrahlung ein Sinken der Luft- und Erdtemperatur zur Folge haben muß. Auch gestern war die Erniedrigung der Tagestemperatur deutlich zu beobachten. Ebenso zeigt der Luftdruck ein ganz eigentümliches Verhalten. Sehr empfind­liche Barometer nicht die gewöhnlichen Laienbarometer zeigen während der. Verfinsterung ein allmähliches, langsames Steigen des Luftdrucks, das mit dem Eintritt der größten Be­deckung der Sonne seinen Höhepunkt erreicht Doch betragen diese Barometerschwankungen kaum 0,2 mm Besonders interessant ist die Tatsache, daß oft einige Minuten nach dem Eintritt der Verfinsterung ein einmaliger heftiger Windstoß beobachtet wurde, was auch gestern der Fall gewesen zu sein scheint. Bedeutendere Wirkung auf unsere Wilterungsverhältnisse als die oben erwähnten haben Sonnenfinsternisse nicht, weshalb man ihnen neuerdings von meteorologischer Seite aus wenig Beachtung schenkt.

Auch in diesem Jahre sind kaum irgend bedeutendere Maß- nahmen zur Erforschung der Sonnenfinsternis von meteorologischer Seite aus zu nennen, besondere Beobachtungen mit Drachen und Ballon waren in Deutschland nicht organisiert. Dafür hat Frankreich an diesem Tage eine ganze Luftflotte jufammengcftellt, die die mannigfachsten Untersuchungen anstellen soll. Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse diese, mit außerordentlichen G.ld- mitteln veranstalteteExpedition" haben wird. Sind doch seinerzeit auch die Untersuchungen beim Durchgang des Halleyschcn Ko­meten, die von gewisser Seite lebhaft gefördert werden, völlig ergebnislos verlaufew Für den Astronomen bedeuten allerdings mit Recht Sonnenfinfterniffe eine Erscheinung von hohem wissen­schaftlichen Forschungswert. Für den Meteorologen liegen die Verhältnisse aber, wie erwähnt, wesentlich anders. Tie zurzeit bekannten Instrumente genügen nicht zur Untersuchung so subtiler

mit Grauen und Furcht diesem Schauspiel zusah. Denn er fühlte instinkiiv, daß cs nur die Sonne sei, die das Leben und ihn selbst auf Erden erhalte. Daß diese Verfinsterung sich öfters wiedcrlzole, periodisch Wiederkehre und verschwinde, das konnte er nicht ahnen. Tic Erscheinung war zu selten und trat zu plötz­lich ein, wenn sie sich zeigte.

Erst im Laufe von Jahrtausenden, als der Mensch langsam eindrang in das Wesen der Erscheinungen um sich her, da lernte er auch die wahre Natur der Sonnenfinsternis erkennen. Heute bedeuten Sonnenfinsternisse die höchsten Triumphe astro­nomischer Berechnungen, indem die Astronomie mit matlicmatischcr Sicherheit Eintritt und Dauer mit Hilfe der Gravitationsgesetze vorauszubcstimmen vermag.

Was dem Auge des Beschauers bei einer Sonnenfinsternis sich aufdrängt, die eigenartigen Vorgänge an der Sonnenscheibe, das sind ihrer Entstehung nach allbekannte Erscheinungen: Wenn bei einer Konjunktion der Neumond in größerer Nähe der 'Sonne steht, so muß er sie teilweise oder völlig überdecken, er blendet» sie für unsere Augen ab.

In diesem letzten Falle ist die Sonne ganz der Beobachtung entzogen; an ihrer Stelle »zeigt sich rings um die funkle Scheibe des verdunkelnden Mondes ein heller Kranz, die Sonnenkorona. Die Erscheinung der Sonnenfinsternis nennt man je nach der Größe der Verdunkelung eine partielle (teilweise) oder eine totale »völlige). Erreicht der Halbkegelschatten, den der Mond hinter sich wirft, die Erde, so erleidet diese eine partielle Finsternis, wie Deutschland am gestrigen Tage, trifft dagegen der Kegel des Kernschattens die Erde, so haben die von ihm getroffenen Gegenden totale Sonnenfinsternis. Für Südafrika und Südamerika war die gestrige Finsternis total. Da der Schatten, den der Mond wirft, einen Kegel darstellt, der mit seiner Spitze die Erde berührt, kann nie die ganze Erdhälfte, für die die Sonne über dem Horizont steht, zu gleicher Zeit totale Sonnenfinsternis erhalten. Der Erdstreifen, der in den Kernschatten fällt, beträgt etwa 220 Kilo­meter und nur für diesen ist die Finsternis eine völlige. Je weiter man sich von dieser Gegend entfernt, um so geringer wird das Stück, das der Mond von der Sonne verdeckt, bis er schließlich ganz von ihr roegtritt.

Von jeher war die Sonnenffnstemis für die Astronomen und Physiker ein Gegenstand sorgfältigster Beobachtungen, hauptsächlich die Erscheinung der Korona, jenes hellen, kranzartigen Lichtringes, der bei vollständiger Verfinsterung die dunkle Scheibe umkränzt. Durch die Entdeckung besserer aftronomifeber Fernrohre und be­sonders der Svektralapparate, hat man die Korona in ihrem Wesen und ihre chemischen Bestandteile aufs genaueste zu erforschen ver­mocht. Auch die bekannten Protuberanzen, wölken- und flammcn- ähnliche, dunklere Gebilde, die aus der Korona ausstrahlen, sind in neuerer Zeit eifrigster erforscht worden. Man hat erkannt.

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Vie Sonnenfinsternis.

Gießen, 18. April.

Das schöne Wetter, das gestern herrschte, machte den Tag der Sonnenfinsternis in Gießen zu einem Ereignis. Mit Spannung sah man hinauf zu dem hold und mild herabsckftluenden Gestirn, zur Nachprüfung, ob die Rech­nung der Astroitomen auch diesmal wieder stimmen werde. Natürlich ist solch ein Tag, wo der Beobachtung keine Hindernisse im Wege liegen, für die Jugend von besonderer Bedeutung, denn sie wird zum ersten Male auf die inter- rssante Himmelserscheinung und die Ueberlegungen, T>ie sich daran knüpfen, hingelenkt. 'Die Schulkinder bewaff­neten sich mit geschwärzten Gläsern und schauten voll Er­wartung und Glauben schon dm frühen Vormittag in den Weltraum. Wer genau aufpaßte, gewahrte den Beginn der Sonnenverdunkelung genau um 12 Uhr. Nach Verlauf einer Viertelstunde schien uns etwa ein Zwanzigstel des Himmelslichtes verduulelt. Daun verblaßten die Sonnen­strahlen immer mehr, und um 1 Uhr 20 Min. war für uns derHöhepunkt" der Erscheinung erreicht: in vielen Häu­sern wurde Licht gemacht, und die Erwachsenen folgten ihren Kindern auf die Straße Eine Stunde spätertönte die Sonne wieder nach alter Weise in Brudersphären Wett­gesang", wie es im Vorspiel zuFaust" heißt. Es wurde ein selten schöner Nachmittag. Von der Macht des Früh­lings getrieben, öffneten sich in wenigen Stunden Tausende von Blutenknospen. Die Mückenschwärme t auzten im Strahle der Sonne mutig noch am Abend, und die Lerche fd)metterte ihr Lied in den Lüften. Den kleinen Tempe­raturfall, den uns das Dazwischentreten des Mondes ge­bracht hat, wird die Sonne mit stärkeren Wunderkräften sehr bald wieder einholen.

Von unserem fachmännischen Mitarbeiter gehen uns noch folgende Betrachtungen zu:

Sonnen- und Mondfinsternisse waren sckwn zu allen Zeiten Pr die Bewohner der Erde Ereignisse von bedeutendem Interesse. Wenn in alten Zeiten der Mensch die Sonne sich verfinstern sah, <uf seltene, unerklärliche Weife, wenn am hellen Tage den Himmel «in düsteres Grau überzog und Licht und Sd)attcn an den Abend erinnerten, da mußte ihm wohl für kurze Zeit der Gedanke ge- TonrmeU- sein, daß die Sonne sich auf immer für ihn verdunkele, oa-j Gcyirn, das der Erde Lickst und Leben spendet, zu erlöschen Kvhe. So war es nicht zu verwundern, daß der Naturmensch